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Vollständige Version anzeigen : Rentenfonds international: Die besten Zeiten vorbei?


KA111
15.07.2001, 12:56
Die besten Zeiten sind vorbei"

Die langfristigen Zinsen werden nicht weiter sinken, sagen die Manager von Rentenfonds. Sie müssen daher auf Kursgewinne verzichten

Von Ulrich Reitz

Frankfurt - Die Manager international anlegender Rentenfonds rechnen mit schwierigeren Zeiten. Obwohl die Profis mit weiteren Zinssenkungen der Notenbanken in den USA und in Europa rechnen, gehen sie davon aus, dass das Zinstal für langlaufende Anleihen bereits durchschritten worden ist. Deutliche Kurssteigerungen seien deshalb in den kommenden Monaten nicht mehr zu erwarten. Das ist das Fazit einer Umfrage unter 22 deutschen und internationalen Investmentgesellschaften, die WELT am SONNTAG gemeinsam mit dem Münchner Forschungsinstitut Südprojekt erhoben hat. Auch das Fondsvolumen der befragten Unternehmen nimmt ab.
Während die befragten Gesellschaften Ende Dezember 2000 durchschnittlich 1,9 Milliarden Euro in ihren Fonds hielten, ging das Fondsvermögen bis Ende Juni 2001 zurück. Derzeit liegen durchschnittlich 1,77 Milliarden in den Rentenfonds. Der Kassenbestand reduzierte sich dabei - von 9,1 Prozent im Vormonat auf acht Prozent Ende Juni. Die Fondsprofis nutzten scheinbar die Gunst der Stunde, um die Rendite der Rentenfonds noch einmal nach oben zu bringen.

"Die besten Zeiten sind für Anleger, die in Rentenpapiere investieren, trotzdem erst einmal vorbei", sagt Martin Demmel, Fondsmanager des 200 Millionen Euro schweren Activest Lux WeltRent. Zwar rechnet Demmel damit, wie die meisten seiner Kollegen, dass US-Notenbank-Chef Alan Greenspan die Zinsen mindestens ein weiteres Mal senkt. Die Kurssteigerungen bei Rentenanlagen seien aber längst eingepreist. Mit einer kurzfristigen Wachstumsbeschleunigung der US-Wirtschaft rechnet Demmel nicht.

Dennoch gibt es gute Nachrichten - zumindest was die Konjunktur betrifft: Die Zinssenkungen, die auch für Euroland erwartet werden, sollen zwar den Umschwung der Konjunktur erleichtern. Allerdings erst in rund einem halben Jahr. Die Vergangenheit habe gezeigt, "dass sich zinspolitische Signale erst mit einigen Monaten Verzögerung auswirken".

Gute Voraussetzungen für den Aktienmarkt: Wenn die Unternehmen verstärkt investieren, dürften die Kurse nach oben gehen. "Es kommt deshalb darauf an, die richtige Mischung zu finden", erklärt Demmel. "Rentenpapiere", so sein Rat, "sollten dem Portfolio nach wie vor beigemischt werden." Ihr Anteil sollte aber geringer sein als noch zu Jahresbeginn. Ein ähnliches Szenario erwartet Demmel für den Euroraum. Die Konjunkturaussichten seien trübe, die Inflationsgefahren hoch. Das sorge dafür, dass die Kurse der Rentenpapiere in den kommenden Wochen nochmals leicht nach oben klettern dürften. "Dann aber gehen die Kurse auch in Euroland zurück."

Fondsmanager Demmel stellt sich deshalb schon einmal darauf ein, dass er sich von verschiedenen Positionen trennt. Zurzeit ist er mit jeweils knapp 30 Prozent im Dollarraum und in Euroland nahezu gleich stark investiert. "Wir werden aber kürzere Laufzeiten bevorzugen." Wobei Demmel die Performance seines Fonds durch Währungsgeschäfte verfeinern dürfte. Der Grund: Je höher die Dollar-Reserven sind, desto mehr profitiert der Fonds von einem schwachen Euro. "Und der Euro", glaubt sich Demmel sicher, "wird auch in den kommenden Monaten nicht nach oben schnellen."

Auch Jürgen Jann vom Deutschen Investment Trust (dit) und Co-Fondsmanager des 1,3 Milliarden Euro schweren dit-Internationaler Rentenfonds, glaubt nicht an das schnelle Geld auf dem Rentenmarkt. Zwar sei ein starker Anstieg der Liquidität unwahrscheinlich. Doch auch er verwendet einen Renditetrick: "Die Performance werden auch wir durch eine Übergewichtung unserer Dollar-Engagements aufbessern und dadurch vom schwachen Euro profitieren." Auch wenn die Zeiten schwerer werden, erwartet Jann eine "akzeptable Rendite".

Der Anteil der Kursgewinne in seinem Fonds gehe langsam zurück. "Die meisten Kursgewinne hat es bereits gegeben", sagt er. Zusätzliche Kursgewinne durch kräftig fallende Zinsen seien eher unwahrscheinlich. "Bei den Zinsen gehe ich von einer Seitwärtsbewegung aus." Jann setzt auf Rentenpapiere mit fünf bis zehnjähriger Laufzeit.

Sebastian Vliegenthart, Fondsmanager des Rorento von der niederländischen Fondsgesellschaft Robeco Groep, warnt ebenfalls vor zu viel Optimismus. Auch er hat von der Dollar-Dominanz in seinem Portfolio profitiert und üppige "Windfall Profits" eingefahren. Im Moment lässt Vliegenthart den 5,4 Milliarden Euro schweren Mammut-Fonds auf Kurs, ist etwa zu gleichen Teilen in den Dollar- und in den Euroraum investiert. Mit mäßigem Erfolg: Im ersten Halbjahr lag die Rendite bei 3,5 Prozent. Allerdings will er in den USA bereits einen Lichtstrahl am Ende des Tunnels erkennen. "Die Wirtschaft in den USA ist früher als die Euro-Wirtschaft eingebrochen", sagt er. "Und kommt deshalb auch wieder früher auf die Beine."

Alles in allem ein eher mäßiges Bild, das die Experten zeichnen. Eine positive Überraschung könnte es dennoch geben. "Wenn die Aktienmärkte noch weiter erschüttert werden", sagt Activest-Fondsprofi Demmel, "erinnern sich viele Anleger an ein Investment im Rentenmarkt." Das heize die Nachfrage an. "Die Renditen im Rentenmarkt kurbelt das dann wieder an."

Quelle: Welt am Sonntag

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KA111