Vollständige Version anzeigen : Das alte Lied von der Reform
Bundeswirtschaftsminister Müller schlägt weitere Bresche in Sozialstaat. jW-Bericht
Der Bundeswirtschaftsminister prescht wieder einmal nach vorn und drängt diesmal das System der noch halbwegs paritätisch finanzierten Krankenversicherung zum neoliberalen Richtblock. In seinem am Dienstag in Berlin vorgestellten Wirtschaftsbericht für 2001 schlägt Werner Müller vor, die anteiligen Krankenversicherungsbeiträge der Unternehmen an die Beschäftigten auszuzahlen. Diese sollten sich dann um ihre Gesundheitsvorsorge gefälligst selbst kümmern, oder wie es im Bericht heißt: »dann könnte auch in der Kranken- und Pflegeversicherung ein Einstieg in die kapitalgedeckte Vorsorge gelingen«.
Als Begründung führt der Müller-Bericht die Altersstruktur der Bevölkerung und ihre prognostizierte Entwicklung an. Wie beim Renten-Coup der Bundesregierung, bei dem das System der paritätischen und solidarischen Alterssicherung geknackt wurde, suggerieren Müller und seine Beamten jetzt: Entweder drastische, damit unbezahlbare Beitragserhöhungen oder Einstieg in die private Krankenversicherung generell. Nicht ganz ohne Chuzpe verweist der Bericht darauf, daß sich der wirtschaftlich potenteste Teil der Gesellschaft - meist die sogenannten Besserverdienenden - ja bereits lange vom Solidarprinzip verabschiedet habe - in die Privatkassen, mit den entsprechenden Privilegien.
Jetzt erntet der Minister, wie erwartet, Beifall und Proteste. Damit wird das alte Spiel der Wirtschaftslobbyisten und von Teilen der Regierung fortgesetzt: Es heißt »Abbau des Sozialstaates«, soll aber möglichst ohne Massenproteste über die Bühne gehen. Der eine prescht vor, wird unter großem Geheul zurückgepfiffen. Dann kommt der nächste Vorstoß, es folgt der Kompromiß, und am Ende ist das angestrebte Ziel mit kleinen Abstrichen erreicht - wie bei der Rente.
Am Dienstag war nach Müllers Eröffnung Phase zwei angesagt: Während Kassen und Sozialverbände protestierten, deutete SPD-Generalsekretär Franz Müntefering schon einmal an, daß man darüber reden könnte: »Wir haben das, was Herr Müller jetzt aufgeschrieben hat, nicht bestellt«, beschied er im Südwestrundfunk, aber eine Debatte über diese Frage müsse auch nicht schädlich sein: »Es kommt auf die richtige Balance zwischen Eigenverantwortung und staatlicher Sicherheit an.«
Hardcore-Lobbyisten ist die Attacke des parteilosen Wirtschaftsministers gleichwohl viel zu lasch: Müller müsse endlich seine »in der Tendenz vernünftigen Aussagen« mit seinem wirklichen Handeln im Kabinett in Einklang bringen, forderte prompt der ehemalige BDI-Präsident Hans- Olaf Henkel im Nachrichtensender N24. Deutlich wird an der gezielten Provokation Müllers, wie gut das Zusammenspiel von Wirtschaft, Regierung, Opposition und Medien funktioniert. Selbstverständlich durften auch die Gewerkschaften ihren Part aufsagen. Ursula Engelen-Kefer, stellvertretende DGB-Vorsitzende, lehnte die Vorschläge sogleich als »nicht nachvollziehbar und unverständlich« ab. Das war bei der berüchtigten Rentenreform nicht anders. Das Ergebnis ist bekannt. Würde man das Ganze mit der Musik von Ennio Morricone unterlegen, wäre das Stück komplett.
gefunden in:
http://www.jungewelt.de/start.html
Da kommen sie gekrochen, die Schmarotzer und Aussauger! Mit dem Ar... im gemachten Nest soll nach Möglichkeit die Sklaverei wieder eingeführt werden. Sozialneid schüren um die Schnallen enger zu binden. Seit Ewigkeiten durchschaut spielt diese Polemik ihr gleiches Lied. Das schlimme ist: Mit Erfolg!
Sascha
Als ersten Schritt könnten aber die Beamten und Politiker für Ihre Altersvorsorge auch wohl selber aufkommen finde ich oder zumindest mal wie jeder normale Angestellte die Hälfte zuschieben! Diese verfluchten spinner....denn sie wissen nicht, was sie tun!
Matze
Muß ich das jetzt verstehen?
@matze:
Ob die Herren Beamten und Regierende ihre Versorgung auf Staatskosten bekommen, oder Beiträge in eine spezielle Versicherung einzahlen - welchen echten Effekt hätte das? Ich denke, die Bezüge würden um entsprechende Beträge erhöht, die Betroffenen sollen ja nachher nicht schlechter gestellt werden, was am Ende auch auf Staatskosten ginge. Ob das so weit trägt?
@Sascha:
Der Ton, der diesem Betrag zugrundeliegt, gefällt mir nicht. Hier wird unterstellt, es handele sich bei den Einschnitten in das soziale Netz um ein abgekartetes Spiel zu Lasten der Bürger, ausgeheckt von den verschiedenen Interessenvertretungen, die alle in letzter Konsequenz [b]nicht[/] deren Interessen vertreten, sondern nur die ihnen zugewiesene Rolle in dem miesen Schauspiel besetzen. Der Autor kann dankbar sein, daß er diese Aussagen niemals wirklich belegen können muß.
Was ich am Schluß Deines Beitrages nicht verstehe: Stammt das mit den Aussaugern und Folgendes von Dir? Wie hast Du das gemeint? Gerade in Bezug auf Sozialneid kann ich den Zusammenhang zu diesem Artikel nicht erkennen. In diesem Zusammenhang habe ich den Ausdruck Sozialneid bisher nicht gesehen und kann Dir deshalb nicht so ganz folgen. Für eine Erklärung wäre ich dankbar.
Hallo Zorro!
Der Ton ist schon sehr subjektiv. Ist ja auch nur ein Kommentar. Daß die Einschnitte bei den Sozialsystemen provoziert werden, ist doch eigentlich seit Kohl klar (das "Aufhetzen" der einzelnen Interessengruppen gegeneinander; Bürger gegen Sozialhilfeempfänger, Arbeiter gegen Arbeitslose usw.; das Suchen eines "Schuldigen" für einzelne "Mißstände"). Dieses Prinzip stieß mir persönlich wieder auf, als Schröder mir der "Faulpelz-Debatte" anfing (Nachtigall, ick hör Dir tapsen). Ebenso kann man das "Hobby der Steuerhinterziehung" oder das "systematische Ausnutzen der Sozialsysteme" hier anführen (Solidarität? Jeder denkt doch nur an sich). Seit Einführung des Generationenvertrags war jedem klar, der sich mit dieser Materie beschäftigt, daß dieses System platzt. Da das Bevölkerungswachstum nun in den letzten Jahren rapide abnahm, treten die Erhard'schen Fehlgriffe eben früher ans Tageslicht. Nun ist der Moment gekommen, in dem man über andere Systeme nachdenken muß. Diese Systeme werden aber (weils wohl modern ist) nicht mehr an die Solidarität gebunden, sondern sollen ein Individualproblem darstellen. Das Rentenproblem ist immer noch akut. Der eingeschlagene Weg zeigt aber deutlich, wohin die Reise gehen soll.
Nun sagst Du weiterhin, daß in dem Beitrag durchkommt, daß die "Interessenvertreter" eben nicht die Interessen vertreten (der sie Beauftragenden? Gehe ich aber mal von aus). Nun, prinzipiell geht jeder Mensch erst mal seinen eigenen Interessen nach (Machiavelli läßt grüßen); so ist es auch bei den Leuten wie Engelen-Kefer oder Henkel. Aber darauf will der Autor ja auch gar nicht hinaus. Es geht mehr darum, daß man sich Lobbyismus leisten kann. Die Lobby der Leute/Gesellschaftsschichten, die eine solche wirklich brauchen könnten, ist schwach bis gar nicht vorhanden. Durch den verbalen Wolf gedreht kann man auch sagen: "Je lauter eine Lobby schreit, desto besser geht es ihr."
Was der Müller da gesagt hat, ist ziemlich wirrer, undurchdachter Krams. Die Wirtschaft springt da natürlich darauf an,was klar ist (oder????). Ich hätte nicht gedacht, daß wir unter einer Rot-Grünen Regierung einmal über eine Zwei(oder Mehr)-Klassen-Medizin nachdenken würden. Wie weit ist die Solidarität gekommen? Heute reicht es eigentlich aus, wenn man einen "sicheren Job" (was das auch immer heißen mag und das nicht erst seit 15 Jahren) hat, in dem man 6 Stunden pro Tag seine Lebenszeit opfert, um sich über Wasser zu halten und um eine Rente aufzubauen. Das reicht vielen Menschen natürlich nicht und das ist mir egal! Was ich sagen will ist, daß es uns so gut wie nie zuvor geht. Ob wir jetzt wirtschaftlich auf Platz eins oder Platz 13 liegen, ist doch völlig egal (die Zauberworte unserer Gesellschaft heißen ja auch Konsens, Parität und [speziell für Dich hier eingeworfen, Zorro]: Umverteilung). Ob das Wachstum nun um einen Halben oder um Fünf Prozentpunkte beträgt, ist genauso egal. Die Wirtschaftskraft Deutschlands ist jedenfalls so stark, daß wir uns ein "Stück Land" für über 2 Bio. DM "kaufen" konnten und uns immer noch mit den anderen messen können(mal wieder: Sorry, Ossis). Mir reicht es einfach mit diesen verlogenen "Neo-Liberalismus", der sich immer wieder selbst ein Armutszeugnis ausstellt. "Der Markt regelt es selbst", tönt er immer wieder und zeigt gleichzeitig, daß er dazu nicht in der Lage ist. Dieser Satz ist die Ausgeburt der Erkenntnis der eigenen Unfähigkeit (die Unfähigkeit, gemeinschaftlich und sozial zu handeln und die Zukunft dementsprechend zu gestalten). "Gesunder Wettbewerb" ist auch so ein kranker Gedanke (sind wir vernunftbegabte Lebewesen oder müssen wir uns mit so einem Quatsch die Ressourcen zunichte machen?). Der Markt ist nur das (scheinbar) geringe Übel, da uns einfach nichts besseres einfällt. Es ist auf jeden Fall ein menschenfeindliches System. Es sieht, wie andere Systeme auch, den Menschen als triebgesteuertes Tier. Auf ein solches Niveau lasse ich mich nicht reduzieren!
Den Artikel habe ich hier reingestellt, da mich der Sarkasmus sehr angesprochen hat (bitterböse und fies); das brauche ich hin und wieder. ;) :hihi
Sascha
Da klingt eine Menge negative Stimmung durch, die ich nicht teile. Antwort hierauf später.
@ Matze
Die Altersversorgung der Politiker erscheint mir auch suspekt in ihrer Höhe oft schon nach wenigen Jahren der Tätigkeit. Was aber die Alterssicherung der Beamten anbetrifft, wird sie meiner Kenntnis nach seit Jahrzehnten durch niedrigere Lohnzuwächse finanziert.
Im Übrigen ist auch hier noch manches in Wandlung begriffen:
Im Frühjahr 1998 hat der Deutsche Bundestag ein umfangreiches Maßnahmenbündel zur langfristigen Sicherung der Beamtenversorgung beschlossen. Nahezu zeitgleich haben die Tarifpartner im öffentlichen Dienst den Einstieg in eine grundlegende Reform der Zusatzversorgung des öffentlichen Dienstes vereinbart.
Es liegt also eine Reform der Beamtenversorgung an.
Herzstück dieser Reform ist neben verschiedenen Maßnahmen auf der Leistungsseite die Bildung einer Versorgungsrücklage aus allein von Beamten und Pensionären erbrachten Versorgungsbeiträgen. Diese Rücklage wird gespeist durch die Einbehaltung eines Teil der jährlichen Besoldungsanpassung in Höhe von 0,2 Prozentpunkten der Tariferhöhungen für Arbeiter und Angestellte im öffentlichen Dienst in einem 15-Jahres-Zeitraum. Hierdurch erfolgt eine allmähliche Absenkung des Besoldungs- und Versorgungsniveaus um bis zu 3 %. Dadurch soll eine gerechtere Verteilung der Versorgungslasten auf die Gesellschaft einerseits und den öffentlichen Dienst andererseits erreicht werden.
http://home.t-online.de/home/320001834249-9207/VEROE09.htm
Gruß
Eliska
@Zorro
Na klar; ich lasse mir ja auch immer massig Zeit mit den Antworten. :rolleyes: :hihi
Sascha
Sascha, hier mal die erste Portion. Auf alles zu antworten fehlt mir augenblicklich die Zeit. Daher fasse ich mich auch so kurz wie möglich, und unterlasse eine ordentliche Diskussion der Punkte.
Vielleicht fange ich ganz positiv damit an, wo wir uns wahrscheinlich einig sind: Das Umlageverfahren in der Sozialversicherung basierte auf dem Vorliegen einer bestimmten Form der Alterspyramide in der Bevölkerung. Die Form dieser Pyramide weicht zunehmend von der Basis ab, so daß die bisherige Form der Alterssicherung so nicht mehr tragbar sein kann. Ob nun die sog. versicherungsfremden Leistungen wirklich das Problem darstellen, will ich nicht beurteilen, da noch Uneinigkeit darüber herrscht was und ob es sich um Leistungen handelt, die tatsächlich "versicherungsfremd" sind.
Wenn aber hier tatsächlich auch rechnerisch nichts mehr geht, kann ich Dir nicht folgen, wenn du sagst die Einschnitte ins Sozialsystem würden provoziert. Für mich ist das eine logische Konsequenz aus der Fehlentwicklung in der Altersstruktur der Bevölkerung, wenn man unterstellt, daß die Rentenbeiträge der Arbeitnehmer nicht weiter erhöht werden sollen.
Im Folgenden der Versuch, auf ein paar Deiner Schlagwörter zu antworten.
Faulpelz Debatte von Schröder.
Eine Debatte, die grundsätzlich zu begrüßen ist. Schröder sagt nichts anderes als daß wer arbeiten kann, auch arbeiten soll, wenn er die Möglichkeit hat, einen Job zu bekommen. Was ist daran falsch?
Dieses Thema darf niemals tabuisiert werden. Damit werden auch keinesfalls die Arbeitslosen in Bausch und Bogen verdammt. Wer dies in solche Aussagen hineininterpretiert, macht sich zum Totengräber des Solidaritätsprinzips, womöglich noch im Namen des Solidaritätsprinzips. Es gilt auch in Zeiten hoher Arbeitslosigkeit fein zu unterscheiden zwischen solchen Menschen, die keinen Job bekommen und solchen, die keinen wollen. Letztere sind Trittbettfahrer des Sozialsystems, zu Lasten der ersten, und es ist auch im Interesse der ersteren, daß diese Trittbettfahrer identifiziert werden, und von ihnen nicht zustehenden Leistungen getrennt werden.
Solche Aussagen sind gerade deshalb wertvoll, weil sie unbequem sind und weil sie dazu zwingen zu differenzieren und sich die realen Verhältnisse anzusehen. Mit der Ideologie so manches Gewerkschaftsbonzen sind die realen Verhältnisse natürlich nicht immer vereinbar.
Aufhetzen der Interessengruppen gegeneinander
Es ist ja nicht so, daß es das nicht auch schon vorher gegeben hat. Vielleicht nicht in der Ausprägung (wenn es wirklich so ist) wie in Deinen Beispielen. Aber eines gab es schon immer:
Das Aufhetzen der Arbeitnehmer (durch die Gewerkschaften) gegen die Arbeitgeber (oder warum werden auch wirtschaftlich unvernünftige Abschlüsse durchgeprügelt? Warum endet die Geduld oft schon nach dem ersten Jahr Lohnzurückhaltung?).
Das Aufhetzen der Nicht-Reichen gegen die Reichen (oder woher kommt der deutsche Neidkomplex, der entsetzlich destruktiv ist?)
Was ist daran falsch, diejenigen, die arbeiten, gegen die (und nur die) Faulpelze "aufzuhetzen"? Der eine bekommt sein Geld fürs Nichtstun, der andere muß dafür schuften.
Man kann das Prinzip, das all diesen Aufhetzereien (wenn es sie wirklich gibt) zugrunde liegt, verallgemeinern zu: Aufhetzen dessen, dem es weniger gut geht, gegen den, dem es besser geht. Wobei das "gut" sehr subjektiver Natur ist. Aber das brauchen wir doch alle nicht mehr. Wir deutschen sind ein Volk von Neidhammeln. Wir müssen doch in diesem Sinn überhaupt nicht aufgehetzt werden. Das tun wir schon selbst am Stammtisch.
In diesem Punkt stimme ich Dir nicht zu, weil ich die entsprechenden Dinge nicht als "Aufhetzen" empfinde.
Solidaritätsprinzip
Wird von Dir angeführt. Essentiell gehört zum Solidaritätsprinzip, daß denen geholfen wird, die sich nicht selbst helfen können. Und gerade um dieses Prinzip zu schützen, ist eine differenzierte Sicht des Problems der Faulenzer notwendig. Denn diejenigen, die die Solidarität zu ihren Gunsten mißbrauchen, verletzen dieses Prinzip eklatant. Auch gegen derartige Verletzungen des Solidaritätsprinzips hat jeder das Recht und die Pflicht sich zu wehren. Tun wir das nicht, verliert das Solidaritätsprinzip seine Legitimation, denn wir lassen zu, daß es von denen in Anspruch genommen wird, die es nicht benötigen.
Was mir am Solidaritätsprinzip aber am meisten mißfällt, ist seine Tendenz den Einzelnen aus seiner Verantwortung für sich selbst und das Gemeinwohl zu nehmen. Das Solidaritätsprinzip verkommt zu einme Selbstbedienungsladen, in dem jeder sich nehmen kann, was zu brauchen er meint. Eine Mutter und Kind Kur für die Frau, die Ihr Kind jeden Tag bis 16:00 in den ihr zustehenden Kinderhort begibt. 60% Behinderung für einen in der Nase beim Bohren abgebrochenen linken Zeigefinger, obwohl der Mensch als Rechtshänder davon nur marginal betroffen ist.
So verstandene Solidarität lehne ich ab. Da, wo wirklich Not ist, soll geholfen werden. Da, wo sich einer wirklich nicht selbst helfen kann, soll geholfen werden, damit er sich wieder selbst helfen kann, wenn möglich. Der Gedanke muß sein, was man dem Gemeinwohl zu geben hat, nicht, was man aus der Gemeinschaft herausholen kann. Wo dieser Gedanke nicht mehr gilt, hat das Solidaritätsprinzip seine Berechtigung verloren, wie hier in Deuschland.
Letzte Worte
Deine Ablehnung von Markt und Wettbewerb kann ich auch nicht teilen. Gerade wer den Niedergang der alten Sozialistischen Systeme erlebt hat, konnte sehen, daß es sich beim Sozialismus/Kommunismus um ein weltfremdes, weil der menschlichen Natur nicht angemessenes Gesellschaftssystem handelt. Demgegenüber die Vorteile der Marktwirtschaft aufzuzählen verkneife ich mir hier.
Es sollte zumindest zu denken geben, daß unser Sozialsystem genau da knackt, wo wir zu wenig Markt haben.
Gemeinschaftlich und sozial im von Dir intendierten Sinn kann der Mensch nicht handeln, weil er kein in diesem Sinne gemeinschaftliches und soziales Wesen ist. Auch die, die öffentlich laut davon tönen sind im Privatleben zuerst einmal Egoisten.
Wir sind an einem Punkt angekommen, an dem uns die Vesäumnisse der Vergangenheit eingeholt haben, und an dem es notwendig wird, einige schmerzhafte Kurskorrekturen durchzuführen. Alles Geschrei hilft nichts. Die alten Solidarsysteme erweisen sich als zunehmend ungeeignet. Von daher ist es legitim, den Menschen etwas mehr Verantwortung für sich selbst in die Hand zu legen. Das Notwendige zahlen dann die Solidarsysteme, das nicht-Notwendige muß jeder selbst tragen. Finde ich irgendwie nicht ganz unfair.
Brainstorming am Morgen:
Provoziert in dem Alterssicherungssystem in der Hinsicht, daß dies schon mit der Einführung bekannt war. Man konnte damals auch schon hochrechnen, wieviel Einwohner im Jahr 2000 vonnöten waren, um das System am laufen zu halten. Provoziert weiterhin, daß man das Paritätsprinzip völlig außer acht läßt und die Alterssicherung einzig auf den Arbeitnehmenr bürdet.
Faulpelz-Debatte: Daran ist grundlegend falsch, daß nur ein geringer Prozentsatz der Arbeitslosengeld- und Sozialhilfeempfänger nicht arbeitswillig sind. Diesen Satz würde ich mit dem "vorhandenen Bodensatz" bei Vollbeschäftigung gleichsetzten. Eine Arbeitslosigkeit von 3 bis 4 % gilt als Vollbeschäftigung und wird von den VWLern als völlig legitim und tragbares Muß angesehen. Muß man leistungswillig sein (dies muß man differenziert sehen von leistungsfähig)? Nicht jeder Mensch ist bereit, einem solchen System zu "dienen". Dies ist allerdings ein sehr theoretischer Ansatz, da ein Mensch, der einem solchen System nicht unterstehen will auch praktisch keine direkten Leistungen vom Staat bezieht. Aber indirekt verursacht er eben auch Kosten (einfaches Beispiel: Infrastruktur). Natürlich unterscheidest Du sehr genau zwischen denen, die keinen Job wollen und keinen bekommen. Nur wie ich schon erklärte sind die nicht Leistungsbereiten unter den sog. "Bodensatz zu fassen" und spiegeln damit nur einen marginalen Prozentsatz wider. Wenn ich mich, als ein Mensch der die Grundprobleme lösen will, nun auf solch marginalen Details stürzte, erscheine ich völlig unglaubwürdig. Diese Erfahrung hat Herr Kohl gemacht und diese Erfahrung hat auch der Herr Schröder mit seiner Faulpelz-Debatte gemacht. Es zeigt einfach die eigene Unfähigkeit auf, eine Situation unter Kontrolle zu bekommen (in diesem Fall die stagnierende Arbeitslosigkeit auf hohem Niveau) und das Ranzerren einer "Subkultur" als Prügelknaben diese kaschieren soll. Dies ist geschehen bei Herrn Schröder. Er glaubte, durch die Konzentration auf die großen Unternehmen werde sich die Arbeitslosigkeit automatisch verringernEin völliger Trugschluß, da hierbei kein Automatismus steht. Nicht nur, daß er den Mittelstand völlig außer Acht ließ, schaffte er es doch, trotz seiner "großartigen Versprechen" den Arbeitsmarkt drei Jahre sich selbst zu überlassen. Eine Faulpelz-Debatte ist so lange unsinnig, wie es noch wichtigere Probleme zu lösen gibt. Wenn es zu dieser Debatte kommen sollte, dann kann man sich zuallererst an die eigene Nase packen und fragen: "Warum gibt es Leute, die nicht bereit sind arbeiten zu gehen? Wieso begnügen sie sich mit einem so geringen 'Einkommen'? Ist es Demotivation, Resignation, das Erkennen der 'eigenen Unfähigkeit'?" Ich sehe bei diesem Thema kein Tabu, nur sollte es nicht so polemisiert werden und auf pauschalisierte Unterstellungen bauen. Viel schlimmer und viel schädlicher für die Volkswirtschaft sind z.B. die Schwarzarbeiter (dazu habe ich aber schon mal was hier reingestellt und wollte mich nicht unbedingt wiederholen). Ebenso fatal wirken sich die massiven Überstunden aus. Das sind größen, bei dem die "Faulpelze" als kleines Problem darstehen. Übrigens bekommt man ja auch nur ein Jahr Arbeitslosengeld (basierend auf die Arbeitslosenversicherung), rutsch dann gleich eine Stufe weiter runter in die Arbeitslosenhilfe um dann bei der Sozialhilfe zu landen, welche einem Menschen knappe 600,- DM zum Leben läßt (ohne Miete und sonstigem Krams; eben nur für den reinen Unterhalt). Diese Summe reicht, um sich über Wasser zu halten. Mehr ist aber auch nicht drin. Es ist schon ein witziges Bild, wie jemand behaupten kann, daß man sich "darauf ausruhen kann".
Ich stimme nicht mit Dir überein, daß es immer ein Aufhetzen der Arbeitnehmer gegen die Arbeitgeber gab. Von Beginn der 90er Jahre bis zu deren Ende sank das Realeinkommen. Hierbei ging es nur um ein Jahr Zurückhaltung. Einige Branchen haben drei, vier Jahre Lohnzurückhaltung geübt. Wer soll denn nun das unternehmerische Risiko tragen? Der Arbeitgeber, der eine gewisse Rendite seines Kapitals einfordert oder der Arbeitnehmer, der zur Lebenssicherung seine Lebenszeit opfern muß? Um hier mal wieder grundsätzlich meinen Standpunkt zu verewigen: Die Wertschöpfung aus dem Kapital selbst heraus ist falsch! Das sind nicht nur meine Worte. Ich meine der gute Herr Gutenberg (ein Urgestein der BWL-Lehre) hat gesagt, daß Kapitalgesellschaften verboten gehören. Dies ist natürlich auch wieder pauschal ausgedrückt, soll aber nun mal als theoretisches Konstrukt dienen. Ein Finanzpool an sich hat natürlich auch seine positiven Seiten. Es dürfte einem Menschen schwer fallen, ein paar Hundert Millionen Euro aufzutreiben, um eine Idee umzusetzen, aber nicht unmöglich (ich beachte dabei natürlich den Ausweis als langfristige Verbindlichkeit einerseits und Stammkapital andererseits; d.h. in beiden Fällen eine Fremdkapitalbeschaffung aber doch wohl mit anderen Ausprägungen)! Die negativen Folgen allerdings zeigen sich schon bei solchen Formen wie die GmbH durch den Verzicht der persölichen Haftung. Die Gegenwart zeigt diese dadurch entstehende Verantwortungslosigkeit ganz deutlich: Eine Gewinnwarnung folgt der nächsten. Arbeitnehmer-Freisetzung im großem Stil. Die für mich schändlichste Auswirkung dieser Verantwortungslosigkeit ist das sogenannte shareholder value. Es darf doch nicht sein, daß für die hohe Rendite ein vernünftiges zukunftsorientiertes Unternehmensmanagement aufs Spiel gesetzt wird. Vor der Gewinnausschüttung kommt das Unternehmen. Das Unternehmen muß getrennt von den Kapitalgebern gesehen werden, da nur durch eine solche Autarkie eine gesunde Entwicklung garantiert werden kann. Beispiele? Nichts leichter als das: Durch den massiven Wettbewerbsdruck (welcher bestimmt nicht als "Kundenwunsch" gehandelt werden darf, sondern rein hausgemacht ist) in der Automobilbranche ist der Lebenszyklus auf drei Jahre verkürzt worden. Dies führt zu immer wiederkehrenden Rückrufaktionen, Plattformbauweise (also keine wirklich Innovation) und weitergehender Fusionierung (das Oligopol steht vor der Tür). Die Landwirtschaft mit ihrem "Kapitalgeber" Staat (hierbei muß man sagen, daß der gesamte Wettbewerb ausgeschaltet ist; er ist in diesem Bereich also nicht mehr existent und würde bei Wiederbeleben zu einem Massensterben in der Agrarwirtschaft führen, da diese überhaupt nicht mehr wettbewerbsfähig ist); hier wurden die Landwirte in einer verantwortungsfreien Ecke gestellt. Die Luftfahrt wird von drei (!) Unternehmen gestaltet. Auch hier findet kein Wettbewerb mehr statt (bei der staatlichen Subventionierung von in den USA 25 % und in Europa von ca. 30 % pro Flugzeug schließe ich dies mal einfach aus!); dies Beispiel zeigt auch die Unfähigkeit der Existenz von Oligopolen oder gar Monopolen. Die Mineralölindustrie ist ebenso ein gutes Beispiel. Bei einer nachhaltigen Berücksichtigung de Kostenverursachung würde diese Branche unter der finanziellen Last zusammenbrechen. Diese Beispiele sollen die Verantwortungslosigkeiten der kapitalgestützen Unternehmen aufzeigen, die einzig auf ihre Rendite achten müssen und sonst kaum Verantwortung tragen. Nun kann man natürlich sagen, daß der Verantwortungsbereich vom Staat vordefiniert wird. Das ist aber auch nur die halbe Wahrheit. Gerade bei global operierenden Unternehmen ist die staatliche Zuordnung nicht mehr gegeben, so daß eine solche Differenzierung nicht mehr gegeben sein kann. Weiterhin ist der Verantwortungsbereich ja nicht nur eine augenblickliche Angelegenheit, sondern bezieht sich vor allem in temporärer Hinsicht; d.h. welche Nachteile haben nachfolgende Generationen; dies ist aber nun wirklich ein anderes Thema. Mir geht es hier nun erst einmal um die Verantwortungslosigkeit der Kapitalakkumulation aufgrund der immateriellen, aber nicht materiellen Wertschaffung und des maximalen immateriellen Werteverlust aber nicht materiellen. Hier klafft eine gewaltige Lücke. Mein Leben ist mir dermaßen viel wert, daß ein Arbeitgeber dies nicht in einem Stundenlohn ausdrücken kann. So ist es bei jedem Menschen. Und dann wird geredet von "Lohnzurückhaltung"? Ach ja, was ich noch sagen wollte: Durch die Umverteilung in unserem Land sind wir erst zu dieser starken Wirtschaftsmacht geworden, die wir heute sind. Vergleiche die umliegenden Länder, die eine nicht so massive Umverteilung vorgenommen haben. Sie haben bei weitem nicht dieses Niveau, wie wir es haben. Bringe ich es mal auf den Punkt: Geldverdienen mit Geld ist sehr merkwürdig. Man leistet nix und erhebt den Anspruch, doch etwas zu leisten. Jeder KFZ-Mechaniker oder Bäcker oder sonst wer leistet in meinen Augen mehr als der Kapitaleigner; ebenso verhält es sich mit dieser merkwürdigen Art des "vererbens"; man leistet nichts, hat aber doch schon ausgesorgt? Wegen meiner sollte eine Erbschaftssteuer von 100 % erhoben werden. Dann wären die Menschen dazu genötigt, ihr Kapital zu Lebzeiten zu "verjubeln", was bei weitem solidarischer wäre. Ich weiß, daß ich mit dieser Meinung auf ziemlich einsamen Posten stehe. Trotzdem halte ich an diesem Punkt fest und werde es zu einem späteren Zeitpunkt gerne noch mal genauer ausführen.
An dieser Stelle mache ich erst einmal Schluß. Dies ist aber noch nicht alles und ich werde spätestens Morgen weiteres hierzu reinstellen. Natürlich können zu dem von mir Geschriebenen schon Meinungen abgegeben werden, die ich dann sofort "mitverwursten" kann. :D:D:D :hihi
Sascha
Nun mal weiter mit dem gegenseitigen Ausspielen der einzelnen Gruppen. Du sprachst vom "deutschen Neidkomplex". Diesen Begriff halte ich nun für falsch, da ein unterschiedlicher sozialer Status bei fast jedem Menschen "Neid" hervorruft (egal welcher Nationalität). Hierbei geht es um die soziale Stellung, um den "Rang im Rudel", der durch die monetären Verhältnisse dargestellt wird (Statussymbole). Wie ich oben schon ausführte, haben einige Menschen sehr sehr wenig getan, um diesen Status zu erreichen, hingegen sich "einfache" Menschen ein Leben lang bemühen müssen, um "über die Runden zu kommen". Dies ruft (verständlicherweise) Neid hervor. Ich meine hierbei nicht, ob es ein Mensch "verdient" hat, besser darzustehen, als ein anderer. Ich meine hierbei, daß der Einsatz eines Menschen den eines anderen Menschen um ein vielfaches übersteigt und dieser Mensch dennoch schlechter darsteht. Ein sehr gutes Beispiel hierfür ist die Zusammensetzung der Studierenden. Hierbei ist zu beobachten, daß mit sinkendem sozialem Status der Eltern auch der prozentuale Anteil an einem Studium sinkt. Ein ungeheuerlicher Vorgang, der als Spitze diese extreme Schieflage aufzeigt. Man kann sagen, daß ein "Klassensystem" immer noch vorhanden ist und dies nach wie vor gut funktioniert. Auch wenn zu den heutigen Zeiten gesagt wird, daß man mit dem richtigen Einsatz zu einer höheren Position (zu einem besseren sozialen Status) gelangen kann, muß man sagen, daß dies nur theoretisch gilt. Praktisch sind immer noch massive Widerstände vorhanden (z.B. "Vitamin B"; aber auch Emanzipation ist hierbei ein Bestandteil). Weiterhin muß man sagen, daß der Wohlstand der Einzelperson aus der Gesellschaft heraus entstanden ist, d.h. erst durch die Gesellschaft ist es dem Individuum möglich, Geld oder sonstiges anzuhäufen. Dies verpflichtet das Individuum, seinen Wohlstand ebenfalls für die Gemeinschaft einzusetzen. Woraus ich dies ableite? Aus der moralischen Definition unseres Wesens (eben die "abendländische Kultur"). Diese moralischen Axiome wurden allerdings von den "Vorbildern" unserer Wertegemeinschaft in den letzten Jahren dermaßen verletzt, daß wir uns in einem Sumpf von egoistischen, selbstdarstellenden Individuen befinden,welche nur zum Ziel haben, das maximale für sich aus der Gesellschaft "rauszusaugen" (Steuerhinterziehung, Schwarzarbeit, ausnützen der Sozialsysteme sind dann die Ausprägungen dieses "neuen Denkens"). Man kennt nur noch die eine Lobby, nämlich seine. Wo die anderen bleiben, ist egal. Eine vielleicht überspitzte Darstellung. Nur leider kann ich diese jeden Tag beobachten. Aber eine Analyse dessen steht eigentlich auf einem anderen Blatt. Nur die Auswirkungen spielen natürlich hier mit hinein: Dies hebelt nämlich völlig das Solidaritätsprinzip aus. Ein Mißbrauch des Solidaritätsprinzips wird im großen Stil von den "Bessergestellten" durchgezogen ("Kapitalflucht, Steuersparmodelle" u.ä.; ich verstehe einfach nicht, warum man immer mehr und mehr Geld braucht; diese maßlose Gier ist mir einfach suspekt). Was ist gegen eine Kapitalertragssteuer einzuwenden? Man arbeitet ja nicht für die Erträge. Man schafft überhaupt keine realen Werte. Der "kleine Mann" mit seinem Sparbuch oder sonstiges kann sich auch für seine Kleinerträge befreien lassen. Natürlich ist es okay, wenn man ab einen bestimmten Satz Steuern zahlt. Nebenbei möchte ich mal darauf hinweisen, daß mit geringerem Einkommen die gesamte Steuerbelastung steigt. Die "Leittiere" unserer Gesellschaft müssen erst einmal mit gutem Beispiel vorangehen, bevor die "Schafe der Gesellschaft" ihnen folgen werden. Es muß ein ganz anderes "Lebensgefühl" als das zur Zeit vorherrschende vermittelt werden. Wenn die "Führer" gierig werden, dann bleibt der Masse nichts anderes übrig, als dem nachzuäffen (ich sehe nicht unbedingt die Politik als einzige Führer an!).
Der Mensch ist sehr wohl ein gemeinschaftliches und soziales Wesen. Wir sind auf das Kollektiv angewiesen und brauchen den Kontakt zu anderen Individuen. Der Egoismus, den Du siehst, ist von dem Wertesystem der Gesellschaft vorgegeben. Natürlich agiert der Mensch (wie jedes Tier) zuerst in seiner realen Umgebung. In diesem Sinne sind alle Tiere Egoisten. Jeder ist sich selbst der nächst, aber wir sind satt und sitzen im Trockenen! Was wollen wir denn noch mehr? Nun haben wir von der Natur die Fähigkeit der Abstraktion mitbekommen, also die Fähigkeit, über unsere reale Existenz hinauszusehen. Darauf beruht ja unser gesamtes Wertesystem, der kollektive Zusammenhalt u.a. Wir sind in der Menschheitsgeschichte zum ersten Mal an dem Punkt angelangt, daß wir unsere Gesellschaft satt bekommen (und im Rahmen der EU sogar großangelegt Lebensmittel vernichten). Anstatt nun einen intellektuellen Schritt nach vorne zu machen, wird in die gleiche Bresche geschlagen. Es müssen Bedürfnisse vorhanden sein, damit das System weiterhin funktioniert (notfalls werden diese eben künstlich erzeugt). Sinnloser Konsum (sinnlos, da er nur dem Luxus dient und nicht mehr der Lebenserhaltung) ist eine zwingende Voraussetzung. Kaum sind die Grundbedürfnisse gedeckt, gerät alles aus den Fugen. Das ist völlig unverständlich. Brauchen wir denn die Not, das Gefühl der Entbehrung für eine Sinngebung des Lebens? Der jetzige Sinn heißt nun nicht mehr "Über-Leben", sondern "mehr, mehr, mehr", anstatt nun, wo wir an den Grundlagen in unserer Gesellschaft keine Gedanken mehr "verschwenden" müssen, endlich weiterzudenken, eine nächste Stufe der Sinnfindung zu definieren. Wie die Römer... Sind wir wirklich so statisch in ein System eingebunden, daß wir uns nicht langsam auf die Erklimmung einer "höheren Stufe" vorbereiten können?
Was sind "schmerzhafte Kurskorrekturen"? Diese Wortwahl gefällt mir überhaupt nicht, da sie fälschlicherweise suggeriert, daß hier etwas völlig schiefläuft. Streichung der Arbeitslosenhilfe und das sofortige Absinken in die Sozialhilfe? Zwei-Klassen-Medizin? Kürzung von Renten? Diese Wortwahl ist mehr eine Androhung als eine realistische Darstellung. Es wird eher Zeit für eine Einbindung aller Akteure in das Solidarsystem. Wer meint, es ist nicht genug Geld da, der soll sich doch erst mal die Zahlen richtig anschauen. Es darf nicht vorkommen, daß Unternehmen und Privatpersonen ihr(en) Gewinn/Einkommen nur mit 5 % versteuern müssen, während andere (meist der "normale Arbeitnehmer") mehr als die Hälfte abgeben muß. Ein Umbau der Systeme ist notwendig, nur wer von "schmerzhafte Kurskorrekturen" redet, holt doch wieder nur die Drohkeule raus. Zu Lösungsansätzen des Gesundheitssystems, Subventionsreduzierung, Einwanderungspolitik u.a. Kurskorrekturen, die unserer Gesellschaft helfen, um weiterzukommen und nicht auf den plumpen Stand "Bedürfnisweckung-Bedürfnisbefriedigung" stehen zu bleiben, habe ich schon sehr viel hier reingestellt und wollte ich nun nicht noch mal wiederholen.
Zum Schluß wollte ich noch auf meine Ablehnung der Marktwirtschaft kommen: Es stimmt absolut nicht, daß sozialistische bzw. kommunistische Systeme gescheitert sind. Es sind Diktaturen untergegangen. Da stimme ich zu. Eine Gänsehaut bekomme ich immer wieder bei dem Spruch "die Marktwirtschaft hat gegen den Sozialismus gesiegt". Das ist nun wirklich eine Polemik, auf die ich nicht anspringen möchte. Nicht die Marktwirtschaft hat uns den jetzigen Stand gebracht, sondern die "Freiheit" des menschlichen Geistes (wobei ich die sog. Freiheit mittlerweile stark anzweifle). Außerdem möchte ich auch mal klarstellen, daß ich mich nicht als geistiger Erbfolger des Marxismusses ansehe. Daß "Menschlichkeit" immer gleich mit "links" interpretiert wird, sollte uns doch mehr zu denken geben. Und dennoch: Wer Marktwirtschaft mit Demokratie und Sozialismus mit Diktatur gleichsetzt, macht einen fatalen Fehler. Die Marktwirtschaft baut nur auf die primitivsten Triebe des Menschen und nötigt ihn, immerwährend in Kriegsbereitschaft/im Kriegszustand zu leben ("Alle gegen alle"). Erst wenn wir als Gesellschaft die Marktwirtschaft überwunden haben, sind wir zu einer intellektuellen Weiterentwicklung in der Lage. Eine provokative These, die ich noch mal zum Schluß hier anbringen möchte.
Sascha
Das ist so viel, daß ich im Leben keine Zeit finde, darauf qualifiziert zu antworten. Aber im Grunde brauche ich das auch nicht.
Wir bewegen uns hier zum größten Teil auf weltanschaulichem Gebiet. Es wäre sinnvoll, Aussagen nur dann zu treffen, wenn sie zumindest ansatzweise mit Zahlen untermauert werden könnten. Dazu sehe ich mich nicht in der Lage.
Desweiteren wäre es wahrscheinlich immer noch wahrscheinlich, daß unsere Interpretation dieser Zahlen eine Unterschiedliche wäre.
Daher nur die für mich vielleicht entscheidenden Punkte in Kürze.
1. Deine Antworten klingen für mich viel zu verallgemeinernd und angesichts der Komplexität einer Volkswirtschaft auch voreilig absolut.
Ein Beispiel: Überstunden. Die Forderung nach dem Abbau von Überstunden ist so alt wie die Gewerkschaften. Nur fragt sich keiner, warum die Unternehmen lieber Überstunden fahren anstatt einzustellen. Es wird einseitig die Schuld den Unternehmen gegeben. Die Rolle der Gewerkschaften, die die Rahmenbedingungen für diese Situation mitgeschaffen haben, wird nicht thematisiert (unangemessene Tarifabschlüsse, überzogener Kündigungsschutz etc.). Sie haben ihre Forderungen durchgesetzt, nun beschweren sie sich über die Folgen. Verlogen finde ich das.
Du sagst, die Kapitalgeber müßten vom Unternehmen getrennt sein? Auf eine gewisse Weise sind die Kapitalgeber das Unternehmen, denn ohne sie würde es nicht existieren. Aber gut - Du sagst ja auch, daß Geld nicht Geld verdienen darf. Das ist Deine Meinung. Wenn man berücksichtigt, welche Rolle solches Geld in einer Volkswirtschaft spielt, halte ich es sogar für wünschenswert.
2. Du sagst, es wären nicht sozialistische Systeme, sondern Diktaturen untergegangen? Nun ja, ich kenne kein nicht-diktatorisches System, das sich selbst als sozialistisch bezeichnen würde. Außerdem darf ich ganz vorsichtig auf einige frappierend ähnliche Passagen aus dem kommunistischen Manifest und Mein Kampf von Adolf H. hinweisen. Kommunismus/Sozialismus ist auf dieser Basis per eigener Definition eine Diktatur - die Diktatur des Proletariats. Und genau darum wurden und werden sozialistische Systeme nicht erfolgreich sein.
Sozialismus ist das eigentlich menschenverachtende System, wie die Vergangenheit gezeigt hat, und die Gegenwart ich China noch heute zeigt.
Es wird immer Unterschiede zwischen den Menschen geben. Sei es intellektuelle, emotionale, kulturelle oder auch solche in der Motivation. Die zwangsläufige Folge sind Unterschiede in dem, was die Menschen jeweils erreichen können. Wer das nicht akzeptiert, wird Menschen niemals artgerecht regieren können.
Man kann sich nicht beschweren, daß jemand, der nicht genug Ehrgeiz und Motivation entwickelt bestimmte Dinge zu tun, es nicht zum Millionär schafft. Beispiel? Unsere Manager sind hochbezahlt, vielleicht zu hoch bezahlt, aber ich gönne ihnen ihre Millionen. Trotzdem würde ich ihren Job nicht machen wollen. Mir liegt mehr daran, abends bei meiner Familie zu sein, ruhig zu leben, als den Tagesablauf von z.B. Herrn Schrempp zu haben. Dafür, daß er das tut, soll er ruhig die eine oder andere Million verdienen.
Fragen wir doch alle die, zu deren Anwalt Du dich ernennst, ob sie bereit sind, das alles auf sich zu nehmen. Wenn nicht, sollen sie sich auch nicht beschweren, wenn gewisse Leute Millionen verdienen.
Da bin ich schon wieder abgeschweift. Langer Rede kurzer Sinn. Deine Aussagen sind für mich zu pauschal. Die Vorwürfe erheben den Anspruch von absoluter Wahrheit in Ihrer Allgemeinheit. Die von Dir genannten Mißstände sind sicher vorhanden, aber in Deiner Lesart sind es grundsätzliche Probleme des wirtschaftlichen Systems. Ich würde sie als Probleme innerhalb des Systems sehen, die sich lösen ließen, ohne das System in Frage zu stellen.
Bei diesen Unterschieden will ich es belassen. Wie gesagt. Auf alles zu antworten fehlt mir die Zeit.
Hi Zorro!
Es sind wohl mehr ideelle Ansichten, die uns da umtreiben und wir können über dieses Thema diskutieren, solange wir wollen und trotzdem keine Übereinkunft treffen. Ich mag mich gar nicht dagegen wehren, daß ich an "der einen oder anderen Stelle" zu sehr verallgemeinere und es an einer anderen Stelle unterlasse; daher auch die Überschrift "Brainstorming am Morgen". ;) Natürlich reizt es mich noch was dazu zu sagen, aber würden wir uns dann im Kreise drehen. Es war aber sehr aufschlußreich, mal 'die andere Seite' zu sehen... :hihi
Vielleicht auf ein anderes Thema demnächst.... :rolleyes:
Sascha
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