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Vollständige Version anzeigen : Wer fliegt raus?


KA111
20.07.2001, 10:18
Neuer Markt - das wird anders

Die Deutsche Börse hat endlich reagiert. Nachdem die Kritik am Regelwerk des Neuen Marktes immer lauter wurde, werden die Regeln für das Wachstumssegment verschärft.

Vor allem die stark kritisierten Penny-Stocks, die zuletzt immer mehr Zocker an den Neuen Markt lockten, sind von der Neuregelung betroffen. Neben dem Aktienkurs werden aber auch die Marktkapitalisierung und die Zahlungsunfähigkeit als Kriterien für einen möglichen Ausschluss herangezogen.

Im Detail sieht die Regelung folgendermaßen aus: Als Grenzwert wird ein Aktienkurs von einem Euro und eine Marktkapitalisierung von 20 Millionen Euro angesetzt. Unterschreitet ein Unternehmen an 30 aufeinanderfolgenden Börsentagen beide Grenzwerte, wird er auf eine Beobachtungsliste gesetzt. Übertrifft der Wert in den nächsten 90 Börsentagen die beiden Grenzwerte nicht an mindestens 15 aufeinander folgenden Börsentagen, schließt die Deutsche Börse das Unternehmen aus dem Neuen Markt aus. Der Ausschluss erfolgt einen Monat nach Bekanntgabe durch die Deutsche Börse.

Eine Zusatzregelung bedeutet das Aus für zahlungsunfähige Unternehmen. Wird das Insolvenzverfahren über das Vermögen eines Unternehmens eröffnet oder mangels Masse abgewiesen, gibt die Deutsche Börse ebenfalls den Ausschluss vom Neuen Markt bekannt. Einen Monat später verschwinden die betroffenen Titel vom Kurszettel des Wachstumssegments.

"Unternehmen mit geringem Börsenwert und insolvente Unternehmen sind keine Wachstumswerte", begründete Volker Potthoff, Vorstandsmitglied der Deutschen Börse, die neuen Regeln. Für die vom Neuen Markt verbannten Unternehmen bedeutet der Ausschluss aber nicht das endgültige Aus. Sie verlieren nicht die Zulassung zum Börsenhandel und können somit im Geregelten Markt oder Freiverkehr weitergehandelt werden.

Die neuen Regeln werden bereits ab dem 01. Oktober 2001 gelten. Nach Angaben von Potthoff sind weitere Regelverschärfungen geplant.

tock-World hat untersucht, welche Firmen des Neuen Markts derzeit die Kriterien für ein Delisting erfüllen.

Akut vom Ausschluss bedroht sind die sieben Firmen, die sich in einem Insolvenzverfahren befinden. Dazu kommen zahlreiche Firmen, die an den quantitativen Kriterien Marktkapitalisierung und Aktienkurs scheitern.

Besonders hart ist der Grenzwert von 20 Millionen Euro, über dem der Börsenwert liegen muss. Immerhin 94 Unternehmen, also mehr als ein Viertel aller am Neuen Markt gelisteten Firmen, sind von dieser Regelung betroffen. Allerdings muss gleichzeitig der Aktienkurs unter einem Euro liegen. Derzeit ist das bei 35 Firmen der Fall. Da beide Kriterien gleichzeitig für einen Ausschluss erfüllt sein müssen, bleibt den Penny-Stocks Lycos Europe, Fantastic, RTV und Gauss (zumindest nach aktuellem Stand) ein Delisting erspart.

Da die zahlungsunfähigen Gesellschaften außer Teamwork auch die Ausschlusskriterien nach Marktkapitalisierung und Börsenkurs erfüllen, müssen derzeit 32 Unternehmen ein Delisting von der Wachstumsbörse befürchten.


Die betroffenen Unternehmen


Unternehmen Kurs (in Euro) Börsenwert
(in Mio. Euro) Bemerkung
Letsbuyit.com 0,17 17,1
Micrologica 0,18 1,7 insolvent
TelDaFax 0,19 6,4 insolvent
musicmusicmusic 0,25 2,0
Kabel New Media 0,26 4,5 insolvent
Blue C 0,30 3,8
Fortunecity 0,36 10,7
Advanced Medien 0,36 5,9
Refugium 0,38 3,5 insolvent
Management Data 0,38 2,9 insolvent
Prodacta 0,40 2,0
eJay 0,41 4,1
Wizcom 0,47 5,3
Lipro 0,47 3,8
mb Software 0,55 6,5
Cybernet 0,56 10,5
Metabox 0,61 8,4 insolvent
Prout 0,62 2,0
NSE Software 0,69 8,1
Amatech 0,70 7,4
aeco 0,75 4,9
Team Communic. 0,76 12,2
Camelot 0,77 6,3
Artstor 0,79 5,5
CPU 0,84 6,9
GfN 0,87 4,7
Endemann 0,87 10,4
Mediantis 0,93 7,4
Infogenie 0,95 6,0
Brainpower 0,98 14,2
Teamwork 1,26 5,5 insolvent

Quelle: Stockworld

Gert
20.07.2001, 15:38
ftd.de, Fr, 20.7.2001, 12:08, aktualisiert: Fr, 20.7.2001, 15:00

Penny-Stock-Firmen erwägen Klage
Von Martin Murphy, Hamburg

Nachdem die Deutsche Börse ihre verschärften Regeln für den Neuen Markt vorgestellt hat, sind die Pennystocks am Wachstumsmarkt eingebrochen. Einzelne Unternehmen erwägen Klage gegen die Änderungen.


Financial Times Deutschland

Eliska
08.08.2001, 08:32
Im Auswahlindex des Neuen Marktes Nemax 50 werden nach Angaben der Deutschen Börse im September die Firmen GPC Biotech, AT&S und Süss MicroTec die bisherigen Blue Chips Brokat, Kinowelt Medien und Telegate ersetzen.

Wie die Börse am Dienstag nach Börsenschluss weiter mitteilte, wird die Zahl der im Auswahlindex notierten Unternehmen nicht verändert.

Reuters FRANKFURT.
Brokat und Kinowelt gehören nach der am vergangenen Donnerstag veröffentlichten Rangliste der Börse nicht mehr zu den 60 größten Werten nach der Marktkapitalisierung. Telegate erfüllte den Angaben zufolge neben der Marktkapitalisierung auch das Kriterium des Börsenumsatzes nicht mehr.

Im Nemax 50 verbleiben dagegen die von Marktteilnehmern als Wackelkandidaten gehandelten Primacom, Constantin Film und United Internet.

Maßgeblich für eine Gewichtung im Nemax 50 sind die Marktkapitalisierung - also der Börsenwert - und der Aktienumsatz der Unternehmen. Wer bei beiden Kriterien zu den 60 größten am Neuen Markt zählt, kann in den Index aufsteigen. Herausgenommen werden können dagegen die Aktien, die mindestens eines der beiden Kriterien nicht mehr erfüllen. Die Börse veröffentlicht monatlich die Rangliste der marktschwersten und meistgehandelten Papiere in Deutschland, auf deren Basis dann etwaige Änderungen vorgenommen werden.

Aus dem Index muss der Telefonauskunftsdienstleister Telegate weichen, der beide Kriterien nicht mehr erfüllt.

Brokat und Kinowelt wurden dagegen im Vorfeld kaum von Marktteilnehmern als potenzielle Abstiegskanidaten genannt.
Der finanziell angeschlagene Softwarehersteller Brokat muss ebenso wie das Medienunternehmen Kinowelt den Auswahlindex verlassen, weil es bei der Marktkapitalisierung nicht mehr zu den wichtigsten Werten zählt. Brokat erreicht hier nach der Juli-Rangliste der Börse nur noch den 122. Rang und Kinowelt den 149. Platz der 342 am Neuen Markt gelisteten Unternehmen.

Die jeweils zu den 60 größten Titeln nach Marktkapitalisierung und Börsenumsatz zählenden drei Aufsteiger werden am 24. September 2001 erstmals als Blue Chips gehandelt.

Mit GPC Biotech wird der Auswahlindex sieben Biotechnologieunternehmen umfassen. Damit ist ein Drittel der Biotech-Firmen am Wachstumssegment im Nemax 50 vertreten.

Neu aufgenommen werden darüber hinaus der österreichische Leiterplattenhersteller AT&S Austria Technologie und Systemtechnik sowie Süss Microtec, ein Hersteller von Fertigungs- und Prüfgeräten für die Mikroelektronik.

Die als Wackelkandidaten geltenden Firmen Primacom, Constantin Film und United Internet können im Nemax 50 verbleiben. Alle drei Unternehmen wurden von Aktienhändlern in den vergangenen Tagen als potenzielle Abstiegskandidaten gehandelt, weil sie weder beim Börsenumsatz noch bei der Marktkapitalisierung mehr zu den 60 führenden Firmen gehören.


HANDELSBLATT, Mittwoch, 08. August 2001 - http://www.handelsblatt.com/deutsche-boerse-tauscht-drei-werte-im-nemax-50-aus/2088118.html