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Vollständige Version anzeigen : Nie wieder Faschismus


Sascha
14.02.2001, 20:24
Hallo Boardeler!

Aus gegebenen Anlaß habe ich mich in den letzten Tagen mit dem Thema Faschismus auseinandergesetzt. Das Ergebnis ist in den nachfolgenden postings (aufgrund der Masse gestückelt) nachzulesen. ich möchte nur zu Anfang darauf hinweisen, daß das Geschriebene meine Meinung und meine Moralvorstellung widerspiegelt. Auch können einige "Denkfehler" enthalten sein. Daher möchte ich Euch bitten, daß Ihr mir Eure Meinung mitteilt bzw. mich auf meine Fehler aufmerksam macht.
Bitte entschuldigt die "Bandwurmsätze", die der Beitrag enthält. Dieser Beitrag wurde ohne literarische "Hilfestellung" verfaßt, wird noch viele Rechtschreibfehler haben und ist unter Garanite subjektiv geprägt. Für eine genauere Korrektur fehlen mir allerdings die geistigen Fähigkeiten und das "feedback" eines Gegenlesers.

Exor

P.S. Für den Beitrag gilt desweiteren:
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Sascha
14.02.2001, 20:24
"Nie wieder Faschismus", oder:
Warum ich die Kollektivschuld anerkenne

Geboren in den 70er Jahren kann ich über die Geschehnisse des 2. Weltkrieges nur aus Geschichtsbüchern erfahren oder noch vereinzelt einige Zeitzeugen befragen. Ich habe nie einen Krieg, wie er allgemein beschrieben wird, direkt miterlebt und hoffe, daß ich diese Erfahrung nie machen muß.

Wie kann ich nun aber über die Vorkommnisse der gewaltsamen zwischenstaatlichen Auseinandersetzungen urteilen? Dies möchte ich hier nun versuchen zu erklären. Ich möchte zuvor darauf hinweisen, daß es sich hierbei um meine Werte- und Moralvorstellungen handelt und diese nicht mit der gesellschaftlichen Sichtweise korrespondieren muß!


1. Grundannahme - das moralische Axiom

Als Mensch mit keiner religiösen Zugehörigkeit habe ich mir jahrelang den Kopf darüber zerbrochen, wie man eine allgemeingültige Ethik ohne der Bedrohung einer Verurteilung bzw. Bestrafung bei Fehlverhalten einer übergeordneten Instanz bilden kann. Dies erschien mir als eine Grundvoraussetzung, um ein komplexes Wertesystem auf Logik und Vernunft für eine menschliche Gesellschaft zu bilden, da wir als Menschen die Logik und Vernunft als elementare Bestandteile unseres Seins annehmen. Die Problematik der einzelnen Religionen ist die "Bestrafung" durch eine übergeordnete Instanz in dem realen Sein oder im sog. Nachleben. Die Christen haben so eine "Hölle", die Buddhisten ihr Kastensystem, usw. Damit haben die Religionen den Vorteil, ein Kollektiv zu moralischen Werten zu "zwingen", ohne eine grundlegende Erklärung abgeben zu müssen. Trotzdem müssen die Religionen ihren Ursprung in einem Axiom haben, da sie (nach meiner Meinung) sonst als "Selbstläufer" keine Akzeptanz in intellektuellen Kreisen widerfahren hätte (nebenbei bemerkt hat eine Religion den Vorteil, daß man ein Wertesystem übernehmen kann ohne es aus sich selbst heraus bilden zu müssen, was eine hoch komplexe, ja sogar eine lebenslange Aufgabe darstellen kann).

Alle Religionen basieren nach meiner Meinung/meinem Wissenstand auf der Erkenntnis der Nächstenliebe. Die Formulierung der Nächstenliebe führte dazu, daß den Religionen ein Recht zur Existenz eingeräumt wurde, da sie eine Art "Gleichschaltung" bedeutet. Worauf aber basiert der Gedanke der Nächstenliebe? Er basiert auf die alte "Bauernweisheit: "Was Du nicht willst, daß man Dir tu', das füg auch keinen anderen zu". Diese einfache Aussage beinhaltet den gesamten Sprengstoff der Moral, des Glaubens, des menschlichen Bewußtseins und des kollektiven Zusammenlebens der Menschheit. Mit der Erkenntnis, daß man als bewußtseinsverfügendes Lebewesen kollektiv nur zusammenleben kann, wenn diese Grundannahme Gültigkeit hat, war es möglich, sich weiterzuentwickeln und so komplexe Gesellschaftsformen, wie wir sie heute haben, zu bilden.

Nun kann man natürlich sagen, daß Primaten wie Affen, Delphine u.a. auch mit relativer Sicherheit über ein Bewußtsein verfügen und ein kollektives Leben auch ohne eine solche Erkenntnis möglich ist. Dies ist natürlich richtig. Nur muß man den Entwicklungsstand dieser Spezies beachten. So komme ich zu den Schluß, daß eine gesellschaftliche Weiterentwicklung über einen bestimmten Punkt hinaus nur möglich ist, wenn man diese Grundthese anerkennt und ohne einen Kontakt zur Umwelt selbst entwickeln kann. Das heißt: Wenn z.B. die Schimpansen in der Zukunft einen bestimmten Entwicklungsstand erreichen, können sie sich nur weiterentwickeln, wenn sie selbständig zu diesem Axiom gelangen. Eine Weiterentwicklung ist also ohne diese Erkenntnis nicht möglich.

Die Praxis der Menschheit spielt bei dieser theoretischen Annahme erst mal keine Rolle, da Menschen, die diese Erkenntnis nicht haben mit einer Religion und den daraus resultierenden Gesetzen innerhalb der Gesellschaft zu so einem Verhalten gezwungen werden. Es reicht also aus, daß nur wenige diese Erkenntnis haben, um diesen gesellschaftlichen "Quantensprung" zu bewerkstelligen. Wichtig ist, die aus sich selbst heraus entwickelte Annahme.

Sascha
14.02.2001, 20:25
2. Die Problematik der Moral

In unseren Gesellschaftsformen führt die Verletzung dieses Axioms zu immerwährenden Problemen. Als Umkehrschluß kann man sagen, daß erst mit der Verinnerlichung dieser These in jedem Menschen das sog. Paradies erschaffen wäre. (die Ursachen hierfür liegen, wie weiter unten beschrieben wird, in der "Natur des Menschen"). Wir leben heute allerdings schon in so komplexe Gesellschaftsstrukturen, daß die meisten Menschen nicht mehr in der Lage sind, die Grundannahme komplett erkennen, geschweige denn zu realisieren (ich schließe mich damit ein!). Was heißt das? Der Mensch meint, durch sein Bewußtsein (hiermit meine ich seinen Intellekt, seine Selbsterkenntnis) habe er eine Entwicklungsstufe erreicht, die sich an diese Grundlage prinzipiell (also automatisch) halte, d.h. die Durchdringung des Handels auf Grundlage des moralischen Axioms. Dem ist nicht so, da der Begriff "Bewußtsein" nur eine Definition dessen ist, was der Mensch mit Abstraktionsmöglichkeit meint (da viele Menschen dies nicht richtig erfassen können, wurden u.a. solche Begriffe wie "Seele", "Geist", "Über-Ich" u.v.m. eingeführt). Das ist aber kein "Bewußt-Sein", sondern nur die Fähigkeit, ohne einen praktischen Bezug Gedankenmodelle zu entwerfen, die ohne Beweis Gültigkeit haben. Man vergißt also, daß der Mensch meist nur durch seine Triebe gesteuert wird (der Beweis dieser Annahme erfolgt unten) und er alle Informationen zur gleichen Zeit/in einem Zeitpunkt erfassen muß (auf die Definition von Vergangenheit, Gegenwart, Zukunft und Realexistenz als reine Hypothesen des Menschen möchte ich hier verzichten, da dies den hier vorgegebenen Rahmen sprengen würde; nur müssen diese Begriffe angezweifelt werden, da es sich um willkürlich gesetzte Grenzen handelt; Hilfestellung: Zeit wird als konstant betrachtet [was falsch ist], wir leben in der Gegenwart [was aufgrund der Informationsverarbeitung des Gehirns falsch ist] usw.).

So kam der Mensch z.B. zu der Erkenntnis, daß die Legitimation der Tötung innerhalb der eigenen Gattung (also des "homo sapiens") nur die Möglichkeit eröffne, davon selbst betroffen zu sein. Man kann an diesem Beispiel seine eigene Sterblichkeit erkennen und muß sie ablehnen. Um diese Willkür des Handelns zu verhindern, mußten also Grundregeln her. Das ist der gravierende Unterschied! Mit solchen Erkenntnissen sah sich der Mensch gezwungen, das gesellschaftliche Leben zu "regeln", also Verhaltensmaßnahmen festzulegen, Umgangsformen innerhalb der Gesellschaft zu definieren. Die Geschichte zeigt dabei die langsame Entwicklung. Da es müßig wäre, alles haargenau aufzuzeigen (und mir dies auch nicht möglich ist ohne hunderte von Bücher zu lesen!), möchte ich hier nur einige Beispiele nennen. Die Sklaverei in den damaligen USA war nur möglich, da man den Sklaven keinen menschlichen Status einräumen wollte/konnte. Der Sklave war eine niedere Lebensform, die durch geschicktes Taktieren dem Wohl der "Menschheit" dienen, also eine Weiterentwicklung der Gesellschaft ermöglichen sollte. Dieser Gedanke beruhte darauf, daß die Gesellschaftsform der Sklaven als primitiv (also unterentwickelt) angesehen wurde und der Mensch aufgrund seiner moralischen Definition diese somit für seine eigene Weiterentwicklung gebrauchen durfte. Als "höchste Lebensform" beansprucht(e) der Mensch die alleinige Definition von Moral und deren Richtigkeit(was die Quintessenz des menschlichen Geistes darstellt). "Der Mensch war ja damals schon zu ganz anderen Dingen fähig" (denkt und dachte man). Der Kolonialismus war die höchste Ausprägung dieser Sichtweise. Das gleiche gilt für die Emanzipation, allerdings in einer abgeschwächten Form (ein lustiger Widerspruch hierbei ist, daß man bei dem Einsatz der Gleichberechtigung der Geschlechter erst die gesellschaftliche Unterschiedlichkeit anerkennen muß, was mir absolut unmöglich ist; damit beraubt sich z.B. Alice Schwarzer in meiner Sichtweise einer ernstzunehmenden Diskussionsgrundlage [Achtung: Ich möchte darauf hinweisen, daß dies kein allgemeiner gesellschaftlicher Standpunkt ist und somit die gesellschaftliche Diskussion somit wieder ihre Legitimation erhält; anders: "Wir brauchen Alice; ich brauche sie nicht!]). Das Denken in "1., 2. und 3. Welt" zeigt auch heute noch, daß der "homo sapiens", trotz des Wissens der biologischen Gleichheit, immer noch so differenziert (darum reden Entwicklungshelfer auch von "einer Welt", klammern also zu recht diese Unterteilung aus). Dies kann man so weit führen, daß man z.B. die Übertragung auf andere Lebensformen dieses Planeten vornimmt (die Massentierhaltung kann man in diesem Sinne als "Sklaverei der Tiere" bezeichnen; aber das soll mal hier jetzt außer acht gelassen werden, fügt sich aber weiter unten als Schlußfolgerung nahtlos ein). Der Zwiespalt der sogenannten Moral und deren Beschränkung auf nur eine (sogar vergleichsweise geringen) Gruppe führt uns auch immer wieder in ein Dilemma. Beispiel: Wenn in China das Individuum sich dem Kollektiv unterwerfen muß, ist das nun richtig oder falsch? Wer hat das Recht, diese Frage zu beantworten? Man sieht, daß die Bildung von Moral nur unter Berücksichtigung "aller Aspekte in einem Augenblick" die "richtige Moral" sein kann. Die Problematik solcher Fragen wird nun dargestellt.

Sascha
14.02.2001, 20:26
3. Moral als nationales Element

Innerhalb unserer Gesellschaftsform ist die Definition der Moral sehr einfach. Man hat ein Wertesystem, daß einem einleuchtet, da man in und mit diesem System aufwächst (es wird dem Menschen also "von Geburt an eingepflanzt"). Komplizierter wird es, wenn man die Gesellschaftsform ändert bzw. einen internationalen Vergleich macht. Das zeigt z.B. die Moralvorstellung der westlichen Welt und des asiatischen Raums. Der asiatische Raum zeichnet sich durch einen starken kollektiven Zusammenhalt aus, d.h. das Kollektiv ist das Individuum und das Individuum definiert sich über das Kollektiv (hier gerät mein Bild ein wenig ins Schlingern, da ich mich nur auf "Vorurteile" berufen kann; also dem allgemeinen Vorstellungsbild der Asiaten in unserer westlichen Kultur, aber zur Erklärung reicht es hoffentlich). Wir versuchen uns dagegen mehr über den Weg des Individualismus zu definieren, d.h. die persönliche (Weiter-)Entwicklung des Individuums fördert automatisch den kollektive Zusammenhalt. Die deutlichste Ausprägung findet man in der Wirtschaft, wo man sagt, das Wohl des Einzelnen (Unternehmens) fördert das Wohl des Gesamten. Dies ist ein Widerspruch, den ich nur in seinen Grundzügen erklären will, da dies nur funktioniert, wenn man das triebhafte Wesen des Menschen mit einkalkuliert (das ist der Widerspruch, da die Moral von einer Trennung ausgeht, d.h. der Unterordnung der Triebe).


4. Wirtschaft als amoralische Ausprägung

Durch die Wirtschaft, oder besser gesagt durch das System der (sozialen) Marktwirtschaft haben wir es geschafft, einen breit gefächerten Wohlstand zu schaffen, der dazu führte, daß wir nahezu keine Armut mehr haben (Wohlfahrtsstaat). Damit meine ich, daß wir uns auf einen gesellschaftlichen Stand befinden, der jedem Menschen die Grundbedürfnisse (Nahrung, Kleidung, Wohnung und Bildung) sichert. Mit kleinen Widersprüchen möchte ich mich hier nicht aufhalten (z.B. Straßenkinder, sog. "Penner", usw.).

Gleich vorweg: Dies ist kein neuer Zustand einer Gesellschaft. So muß man auch beachten, daß z.B. zu den Zeiten der Römer eine ähnliche "Wohlstandsgesellschaft" bestand. Der technische Fortschritt ist also irrelevant. Wer meint, daß der Wohlstand aber so breit wie noch nie gefächert ist, muß wieder zu einem globalen Bild übergehen, da unser Wohlstand nur in einem weltweiten Netzwerk der Wirtschaft funktioniert (z.B. komparativer Kostenvorteil). Nun ist zu erkennen, daß wir für unseren Wohlstand hier einen sehr hohen globalen Preis zahlen müssen, da wir direkt auf Kosten der Umwelt (ökologische Schäden) und der sog. 3. Welt leben. Natürlich kann man nun sagen, daß durch eine "nachhaltige Entwicklung" diese Problematik weitestgehend beseitigt werden kann. Das führt aber zum einem zu einer massiven Umverteilung der Mittel (die Entwicklungsländer müßten auf einen gleichen Stand gehoben werden; meine Meinung: Sie können es selbst schaffen, wenn sie nicht immer dermaßen von den Industrieländern ausgebeutet werden würden) und zum anderen zu einer Umstrukturierung der Preise (so würde ein Liter Benzin, wenn man alle externen Kosten einrechnet bei weit über drei Euro liegen). Setzt man das in Relation, erkennt man, daß der Wohlstand nicht wesentlich breiter gestreut ist, als damals. Für mich ist die jetzige Weiterentwicklung seit dem Mittelalter einzig auf die Einführung eines einheitlichen Zahlungsmittel zurückzuführen, welches die Römer eben auch schon hatten.

Der technische Fortschritt (nun als weitere Variable berücksichtigt) mildert diese Problematik teilweise. Auch durch die Gleichstellung aller Individuen innerhalb einer (geschlossenen) Gesellschaft schwächt dieses Problem weiter ab, aber trotzdem besteht ein gravierendes Ungleichgewicht in globaler Hinsicht. Auch haben wir das Problem der Umverteilung von Vermögen, d.h. die "soziale Schere" geht immer wieder auseinander und muß durch Zwangsmaßnahmen regelmäßig korrigiert werden (Beispiel Steuerreform). Diese Erkenntnis ist neu (neu im Vergleich der Gleichheit und Gleichheit als Ausdrucksform der Demokratie). Wir haben es also geschafft, nur durch den Satz "alle Menschen sind gleich" (man erkennt: "Was Du nicht willst...." befindet sich in dieser Aussage!), ein allgemeines Bewußtsein zu schaffen, in dem Unterdrückung und Diskriminierung als intellektuelle Ausprägung zu etablieren. Ein Meilenstein der Menschheit nach den "zehn Geboten" (dabei handelt es sich nur um eine konsequente Interpretation derselben). Wie komme ich nun aber dazu, die Wirtschaft als "amoralisch" zu bezeichnen?

Die Wirtschaft bedient sich der niederen Instinkte des Menschen oder anders ausgedrückt: Die Wirtschaft ist der intellektuelle Versuch, das Wesen des Menschen (also seine grundsätzlich animalische Triebhaftigkeit) für die Gesellschaft zu nützen. Dies ist ein Widerspruch, da der Mensch nun versucht, sein Grundwesen mit Hilfe des Intellektes zu steuern. Er will also mit dem Intellekt sein vorherrschendes Wesen unterstützen und nicht umgekehrt. Statussymbole, Macht und Ansehen sind die neuen Formen dieser niederen Instinkte (nieder, da sie nicht mit den o.a. Moralvorstellungen korrespondieren). Wir versuchen also, z.B. mit Geld "begehrenswerter zu wirken"; ein tolles Auto hebt die gesellschaftliche Stellung, usw. Dies führt eigentlich zu keinen Problemen, aber: Es ist keine Weiterentwicklung der Gesellschaft. Wir befinden uns auf keiner weiteren ("besseren") Entwicklungsstufe. Ich sage sogar: Es fand seit der Definition der "zehn Gebote" keine gesellschaftliche Weiterentwicklung statt. Nur weil man die Umsetzung dieser Erkenntnisse vorantreibt, heißt es ja noch lange nicht, daß daraus neue Erkenntnisse gezogen wurden. Natürlich hat dies keine schlimmen Auswirkungen (ein Stillstand führt weder zur Verbesserung noch zur Verschlechterung einer Situation; außerdem ist ein Stillstand der Menschheitsentwicklung von "nur" 2000 Jahren ein kurzer Augenblick). Natürlich kann man sagen, daß eine gesellschaftliche Entwicklung stattgefunden hat im Hinblick der Aufklärung. Deswegen möchte ich noch mal darauf hinweisen, daß der Mensch ein Tier ist. Dies ist eine wichtige Erkenntnis. Auch wenn allen Bürgern der BRD nahezu das gesamte Wissen der Menschheit zur Verfügung steht, beschränkt er sich darauf, seine eigenen Bedürfnisse zu befriedigen. Im Endeffekt denkt er also gar nicht daran, sich für die Gesellschaft einzusetzen bzw. deren Weiterentwicklung oder Fortbestand zu sichern(Radikalbeispiel eines FDP-Funktionärs: "Jede Generation ist für ihre Probleme selbst verantwortlich."). Die Wirtschaft ist also eine hoch abstrakte Ausdrucksform der Futtermittelbeschaffung, des Paarungsverhaltens und der Stellungssicherung innerhalb eines Rudels (= Macht). Wie kompliziert man "die Sache" angeht, ist egal. Das Löwe, der die Löwin zum Jagen schickt, handelt nach den gleichen Kriterien wie die Frau, die ihren Mann zur Schicht schickt(Achtung: Wer sagt, daß das doch wohl Unterschiede sind, arbeitet wieder mit willkürlich festgelegten Grenzen, die hier völlig Fehl am Platze sind!!! Es wäre anmaßend [und für mich mit der Inquisition gleichzusetzen] hier einen Unterschied zu machen, da die Zielsetzung identisch ist: Futterbeschaffung) Es läuft immer auf das Gleiche hinaus. Was man "hohe Position oder Machtstellung" nennt, nenne ich Rudelführung, was man "Gier" nennt, nenne ich Futtersuche und die Angst, zu kurz zu kommen (mit einem Quentchen des ersten), was man "flotten Flitzer oder schicken Anzug" nennt, definiere ich als "Balz", usw. Die Wirtschaft ist also nur eine Fortentwicklung des animalischen Verhaltens. Aber warum dann amoralisch? Weil der Mensch wider besseren Wissens handelt und das "Pferd von hinten aufzäumt", sprich: Mittel und Zweck vertauscht. Nun kann man sagen: "Das ist ja genau so wie die Frage nach dem Huhn und dem Ei." Genau das ist es. Kleiner Hinweis: Nur in einem Ei kann eine Mutation (also eine Weiterentwicklung, worum es ja prinzipiell geht) stattfinden. Also war das Ei zuerst da!

Sascha
14.02.2001, 20:26
Nur durch Wissen und der Vererbung von Wissen (=Menschheitsgeschichte, also das Sammeln und Verwerten von Erfahrungen aus der Vergangenheit) kann sich der Mensch weiterentwickeln (der Mensch als "Summe seiner Erfahrung"). Die Wirtschaft ist dem nicht dienlich, da, wie schon erklärt, die niederen Triebe in ihr Eingang erhalten und nicht als Hauptziel der Wissensbildung dienen. Wir haben nur einfach zur Zeit keinen besseren Ausweg gefunden, als diese Form zu wählen.

Nur weil wir keinen anderen Weg gefunden haben, heißt das noch lange nicht, daß es keinen gibt. Karl Marx hat versucht, einen solchen Weg zu definieren und ist gescheitert. Er war der Meinung, der Intellekt beherrsche den Menschen (dies impliziert die Vernunft; von dieser Denkweise bin ich auch ausgegangen, habe sie aber hoffentlich den Widerspruch vernünftig erklärt). Ein armer Idealist also, aber mit einem tollen Ansatz, der vielleicht irgendwann mal Realität werden könnte. Nein nein, ich bin kein verkappter Kommunist, der versucht diesen Gedanken weiterzuspinnen. Aber muß ich doch darüber lächeln, wenn ich höre, die Marktwirtschaft habe den Sozialismus "besiegt" (der Wettbewerbsgedanke als Ausdruck des "Besserseins" als andere und damit einem vernunftbegabten Wesen völlig fremd, da dies ja wieder auf Instinkte des Überleben beruht). Erstens waren die Formen des "real-existierenden Kommunismus" allesamt Diktaturen und zweitens sind diese Formen nur vor der Marktwirtschaft zugrunde gegangen. Warum auch bei den Formen der Marktwirtschaft die latente Gefahr des Untergangs besteht, liegt daran, daß wir nur "labile Demokratien" haben (Kommunismus in einer Demokratie , das muß ich zugeben, ist meine Wunschvorstellung, ich Träumer; mir fällt eben auch nichts besseres ein, ich Dummerle). Ich wiederhole also: Der moderne Mensch ist z.Z. am besten in einer demokratischen Marktwirtschaft aufgehoben, da es weder theoretisch noch praktisch eine bessere Form gibt, die Triebe weitestgehend auszuleben und trotzdem dem Intellekt einen Spielraum zu lassen.

Was sind dann "labile Demokratien"? hierunter verstehe ich den Versuch, durch die Meinungsbildung der Masse (Freiheit des Individuums) das Beste für die auf nationaler Ebene bestehende Gesellschaft "rauszuholen". Da der Mensch aber in erster Linie an sich denkt, geht das logischerweise konträr mit dem "Besten für die Gesellschaft". Der Verzicht des Einzelnen kann ein multipler Wohlstand für die Masse sein. Das Tier in uns läßt diesen Gedanken aber sehr schnell wieder verschwinden und führt zu einem opportunistischen Verhalten (Lobbybildung, Arbeitnehmer- und -geberverbände, Drücken der Getreidepreise in der "Dritten Welt" mit der gleichzeitigen Subventionierungspolitik des Agrarsektors). Der Mensch versucht also, nur für sich in erster Linie das Beste rauszuholen und reagiert teilweise recht triebhaft bzw. wider der Logik bei dem Gefühl der Benachteiligung. Um seinen eigenen Willen durchzusetzen, handelt der Mensch (fast) immer wieder gegen die Logik. Die Vorteile der Zusammenarbeit wird nur von wenigen gesehen.

Sascha
14.02.2001, 20:27
5.Das Problem der "künstlichen Futtersuche", oder: Die Notwendigkeit des Krieges

Der Mensch handelt also in erster Linie zu seinem eigenen Vorteil. Im Grunde schließt dies die Vernunft aus, da der eigene Vorteil fast immer zu Lasten anderer geht. Das Wort Vorteil definiere ich als "Vorsprung (meist materieller Art) gegenüber Gleichgestellten". Nun gibt es das Problem, daß in einer demokratischen Gesellschaft alle Individuen gleiche Rechte haben. Dies führt dazu, daß man sich zum Erlangen seiner Ziele sich mit Seinesgleichen anlegen muß, da natürlich alle versuchen, für sich den größtmöglichen Vorteil herauszuholen ( = Wettbewerb als Leistungskampf zwischen Wirtschaftseinheiten mit Mitteln wie Preispolitik, Werbung usw. und Leistung als gegenseitiger Austausch von materiellen oder immateriellen Gütern zur Vorteilsnahme). Da es nun aber die menschliche Natur ist, dies mit dem geringstmöglichen Aufwand zu schaffen, muß man leistungsbereit bzw. leistungsfähig sein, oder sich an Schwächere (geistig Schwächere, materiell Schwächere, organisatorisch Schwächere oder leistungsmäßig Schwächere) vergreifen. Wettbewerb ist also der Unterschied in der Leistung und der daraus resultierenden Vorteilsnahme.

Hier greift nun ein wichtiger neuer Aspekt ein: Die Übersättigung der Gesellschaft. Dies versuche ich an einem Beispiel zu verdeutlichen. Wie schon oben verdeutlicht, haben wir aufgrund der marktwirtschaftlichen Gesellschaftsform einige Probleme unserer geschlossenen Gesellschaft partiell gelöst (auf wessen Kosten ist hier nun egal, da ich das geschlossenen Gesellschaftssystem betrachte). So müssen wir als Folge der Effektivität und des materiellen Überflusses der lebensnotwendigen Güter uns nicht mehr um die Beschaffung der Nahrungsmittel, usw. befassen. Wir können uns also zurücklehnen und werden trotzdem satt. Unsere biologische (natürliche) Triebfeder ist überflüssig (natürlich nur im gewissen Grad). Die Marktwirtschaft ist (für mich) der Versuch, eine "künstliche" Triebfeder in Form von Leistungsdruck herzustellen.

Wir könnten auch lernen und Wissen ansammeln ohne ein künstlich geschaffenes System des Leistungszwanges. Dies sind aber Wege, die der Mensch (da er eben ein Tier ist) sehr ungern beschreitet. Er ist es "gewohnt", sich um die elementaren Dinge zu kümmern, was allerdings nun ohne sein Zutun geschieht (Wohlstandsgesellschaft). Seine Leistung ist überflüssig. Anstatt sich nun auf die "edlen" Aufgaben des Denkens, des gesellschaftlichen Fortschreiten zu konzentrieren, verfällt er in einer Art Starre. Er fühlt sich hilflos, überflüssig, als Parasit der Gesellschaft. In der heutigen Jugend macht sich das besonders stark bemerkbar. Ganz einfach ausgedrückt wird der Jugend gesagt, daß sie überflüssig ist. Ich sage gerne: "Nun ist der Mensch zum Denken verdammt." Verdammt? Das ist doch ein Widerspruch mag manch einer denken. Dem ist nicht so, da er eben das Denken nicht als seine Hauptaufgabe sieht und auch die allgemeine gesellschaftliche Akzeptanz für eine solche Tätigkeit fehlt. Weiter oben wurde schon erklärt, daß der Mensch eben hauptsächlich den Intellekt für das Ausleben der Triebe benutzt und nicht umgekehrt. Dazu ein paar weitergehende Gedanken:

In der Natur ist es üblich, daß ein natürliches Gleichgewicht durch eine immer bessere Ausbildung der Angriffs- und Abwehrmechanismen entsteht (Nagetiere fressen also Pflanzen und Jäger die Nagetiere usw.). Die erfolgreichste Form dessen stellt z.Z. der menschliche Verstand dar. So hat die Natur dem Menschen jede Art des Angriffs und der Verteidigung beraubt, da er eben mit seinem Verstand die beste Waffe erhalten hat. Allein auf sich gestellt in "freier Wildbahn" zeigt sich dann das Dilemma des Menschen, da er dort (natürlich bis auf wenige Ausnahmen) nicht überlebensfähig ist. Im Kollektiv hat er es allerdings zur globalen Bedrohung aller Arten gebracht. Es scheint nichts zu geben, was ihn aufhalten kann (weder Bakterien noch Insekten oder andere Jäger). Er kann sich also gefahrlos weiterentwickeln. Nun kommt der krasse Widerspruch des menschlichen Wesens in voller Tragweite zum Ausdruck. Der Mensch ist ein Tier mit allen tierischen Eigenschaften. Als separate Betrachtung ist der Mensch (mit seiner einzigen Waffe) ein Intellekt, was ihm die Kontrolle seiner Triebe gebietet bzw. auch ermöglicht. Bis heute brauchten wir unsere Triebe nur minimal kontrollieren. Alle Formen der Gesellschaft ermöglichten es, die Triebe in abgewandelter Form weiter vorherrschen zu lassen. Was passiert aber, wenn der Mensch keine "natürlichen Feinde" mehr hat? Er schafft sich welche! Vereinfacht ausgedrückt bedeutet das, daß die Kriege, die der Mensch führte und führt nur ein ganz normaler Prozeß innerhalb der menschlichen Natur ist.

Im 20. Jahrhundert (massiv nach dem 2. Weltkrieg, aber vereinzelt durch "sehr helle Köpfe" schon früher) kam der Mensch aber zu dem oben schon erwähnten Schluß, daß Kriege schädlich sind. Dies ist das Ergebnis der moralischen Denkweise, also ein rein intellektueller Entschluß. Bis jetzt hatten wir in dieser Hinsicht keine Probleme damit, da die Marktwirtschaft gerade bei uns diese neue Denkweise und gleichzeitig das "Tier Mensch" in Form von Wettbewerb (also Futtersuche, Paarungsrituale, usw.) zuließ. Nun gibt es zwei Wege, die der Mensch einschlagen kann. Wenn er also sagt "Nie wieder Krieg", muß er langfristig den Wettbewerb als "Krieg der Individuen" ablehnen. Das bedeutet, er muß seine menschliche Natur ablegen und zum reinen Intellekt aufsteigen (die nächste Entwicklungsstufe des Menschen). Oder aber er wird zurückgeworfen in eine kriegstreibende Gesellschaft um das "Tier Mensch" in seiner natürlichen Verhaltensweise zu erhalten. Die Amerikaner haben in dieser Hinsicht einen großen Vorteil. Einerseits haben sie ein sehr stark ausgeprägtes Wirtschaftssystem, was eine Gleichbehandlung unmöglich macht ("Geld regiert die Welt", d.h. die soziale Schere muß immer die Tendenz zum auseinandergehen haben) und damit ein Voranschreiten des "Kriegs der Individuen" über Jahrzehnte oder gar Jahrhunderte garantiert. Andererseits führen sie in regelmäßigen Abständen ex-territoriale Kriege um damit ein Feindbild zu erhalten (den Wegfall des eisernen Vorhangs mußte die Amerikaner entsetzt haben, da so ein perfektes, gegensätzlichen Feindbild abhanden gekommen ist). Wir konnten durch den Wiederaufbau Europas nach dem zweiten Weltkrieg diese Problematik bis heute ausklammern. Nun stehen wir aber vor dem gleichen Problem. Der Krieg ist also die Lösung zur Beseitigung des Wohlstandes und damit ein Garant, die Menschen nur auf ihre Grundprobleme zu reduzieren. Ich bin also der Meinung, wenn wir wirklich den Krieg an sich ablehnen, müssen wir uns auf eine intellektuelle Stufe begeben, der alle Menschen folgen können und auf der materiellen Gleichschaltung hinausläuft. Alles andere ist Krieg ("kalter Krieg", "Krieg gegen die Natur" usw.). Dies sind alles theoretische Ansätze. Ich will nicht damit sagen, daß in der nächsten Zeit Europa oder Deutschland einen Krieg führen muß, aber die Zwangsläufigkeit des Krieges ist einfach gegeben (oder besser: Die Zangsläufigkeit des Feindbildes, was immer eine latente Kriegsgefahr beinhaltet).

Man erkennt nun, daß der Mensch noch nicht so weit ist, sich nur durch den Intellekt zu definieren. Wir brauchen also auch die materiellen Unterschiede, um eine Gesellschaft am "laufen zu halten". Wir brauchen also eine Verknappung des Überflusses. Wir brauchen den Kampf um die Ressourcen. Wir brauchen den Krieg, damit wir beschäftigt werden. Dies ist eigentlich ein ungeheuerlicher Gedanke, da ja eigentlich kein Mensch offen sagt, daß wir einen Krieg brauchen. Aber dadurch ist eine Verknappung der Ressourcen gegeben und der Mensch ist beschäftigt. Diese Beschäftigung nennen wir dann Wettbewerb und beinhaltet eigentlich keine Freiheit wie wir sie gerne idealisiert darstellen, sondern einen Zwang zur Leistungswilligkeit und -fähigkeit.

Sascha
14.02.2001, 20:28
6. Minderheiten - die Zwangsläufigkeit der Gleichschaltung

Nun hat sich aber unsere Gesellschaftsstruktur im wesentlichen geändert, wie das nachfolgende Gedankenspiel verdeutlicht: Wenn die Arbeitslosigkeit mit 4 Mio. bei 10 % liegt, heißt das, daß 100 % 40 Mio. sind. Sind wir so effektiv, daß 36 Mio. Menschen über 80 Mio. ernähren können und dennoch eine Steigerung des Lebensstandards möglich ist? Heißt das nicht weiter, daß nur ein "kleiner" Teil (also weniger also 50 %) mit der tatsächlichen Wertschöpfung beschäftigt ist?

Wir haben also ein hohes Potential an Geistesleistung, was "brach liegen gelassen wird" und das seit Jahrzehnten (also mindestens seit dem Aufkommen der Massenarbeitslosigkeit). Warum findet keine gesellschaftliche Umstrukturierung statt? Die einzige Antwort für mich ist: Wir wollen es nicht. Wir sind noch nicht so weit. Wir müssen uns (aufgrund unserer Natur) über das materielle definieren. Liegt es daran, daß eine Profilierung über Wissen ein Wagnis darstellt?

Ich habe es mir angewöhnt, wenn ich gefragt werde, was ich den ganzen Tag denn so mache, zu sagen: Denken (ob ich "gut oder schlecht" denke, ist eigentlich nebensächlich, da es mir mit "Denken" immer nur um das Begreifen geht; da spielt "Geschwindigkeit" keine Rolle mehr; Denken geht nur ohne Wettbewerb, da die Auffassungsgabe des Menschen in diesen Bereichen stark differenziert). Dadurch weiß ich, daß dies auf Nichtakzeptanz stößt. Warum das so ist, geht aus der zuvor beschriebenen Gesellschaftsentwicklung und den daraus resultierenden Verhaltensmuster hervor. Was ich sagen will, dürfte klar sein: Der Mensch ist nicht bereit, sich nur über das Denken zu definieren. Er ist zu sehr Tier und wird auch gesellschaftlich dazu "genötigt" sich dementsprechend zu verhalten. Also muß der Mensch wieder in seine alten Strukturen zurück; d.h. es müssen alle arbeiten um eine Unruhe, eine Entgleisung der Massen zu verhindern. Dies geht am besten mit der Vernichtung des Überflusses (= Krieg), wie oben schon beschrieben wurde und eine möglichst hohe Gleichschaltung. Man kann dies allerdings natürlich auch über einen kontrollierenden Staatsstruktur machen, also einem "Polizeistaat" bzw. das Ansammeln der "untauglichen Elemente" in ghettoähnlichen Lebensbereiche (diese benötigt allerdings eine indoktrinierte Einsicht der eigenen Unfähigkeit, also "Volksverdummung")

Nun stecken wir in einem Dilemma. Einerseits "wollen" wir ja vom Kopf her keinen Krieg und andererseits scheint dies eine praktische Lösung zur Beschäftigung des Menschen zu sein. Jetzt mag sich der eine oder andere fragen, warum wir denn nicht das Wagnis eingehen, eine langsame Umstrukturierung der Gesellschaft vorzunehmen und gleichzeitig versuchen, die Massen "ruhig zu halten".

Die Antwort: Weil auch z. B. die Römer daran gescheitert sind (Brot und Spiele)und die Gedanken der letzten vielleicht 5000 Jahre in der Gegenwart ihre Realisierung finden (allerdings ohne Rücksicht auf die biologische Weiterentwicklung des Menschen und damit auch immer wieder mit der latenten Gefahr des Scheiterns verbunden). Wir leben heute schon mit diesen Auswirkungen. Die Unzufriedenheit in der Bevölkerung steigt ständig an, obwohl es niemanden schlechter geht; ganz im Gegenteil. Der Lebensstandard steigt permanent an (zwar geht, wie schon erwähnt, die soziale Schere weiter auseinander, aber dennoch müssen wir uns heute weniger als jemals zuvor Sorgen um die Grundversorgung machen). Also muß die soziale Stellung ("die Stellung im Rudel") eine besondere Rolle spielen. Man fühlt sich durch den Ausschluß aus der Arbeitswelt diskriminiert, zurückgesetzt.

Nun handelt man instinktiv. Man sucht den Schuldigen, der einen in dieser sozialen Randgruppe gedrängt hat. Dies schafft man über die Diskriminierung anderer Randgruppen. Es findet ein "Kampf" der Randgruppen statt.
Warum Randgruppen? Da diese meist sehr schlecht bis gar nicht organisiert sind und auf das Wohlwollen der "Integrierten" angewiesen sind. Ich sage: Je höher der Lebensstandard, desto radikaler ist die Ausgrenzung in Randgruppen. Je radikaler die Ausgrenzung in Randgruppen ist, desto höher ist die Unzufriedenheit der Minderheiten. Die Folgen sind zu sehen. Einer der schlimmsten Folgen ist die Erklärung der Ausländer als Unruhestifter (da diese die geringste Lobby haben, gar nicht organisiert sind und allgemein als "Gäste" eines Landes betrachtet werden). Aber auch in anderer Richtung ist dies natürlich möglich. Schlecht bis gar nicht integrierte Ausländergruppen entwickeln zum Schutz ein ebensolches Feindbild gegenüber anderen Randgruppen. Nur haben diese es schwerer, die "wahren" Randgruppen in einer Gesellschaft zu erkennen. Nebenbei bemerkt haben zugewanderte Menschen immer den Vorteil, einem ihnen nicht wohlgewogenem (Wirtschafts-, Politik-) Systems "entflohen" zu sein. Das Feindbild steht also automatisch und ist für sie immer gegenwärtig. Man kehrt einem "menschenunwürdigen" Dasein den Rücken .

Die Folge ist z.B. Cliquenbildung. Diese "Cliquen" sind kleine autarke Gesellschaften mit allen Funktionsweisen von nationalen Gesellschaften (man hat Rangordnungen, eigene "Gesetze" und "Moralvorstellungen" usw.) und einem hohen Grad an Gleichschaltung.

Sascha
14.02.2001, 20:28
7. Der deutsche Biedermeier - mein persönlicher Hilfeschrei

Deutschland hat seit der Wende seine nationale Souveränität wiedererlangt mit kaum abschätzbaren Folgen. Der Rassismus ist so massiv vertreten wie er seit dem Bestehen der BRD nicht vorkam. Liegt das an den Zuständen, die von den Ausländern verursacht werden? Nein, denn es fällt mir kein Zustand ein, der eine soziale Schieflage in der BRD auf die Ausländer zurückzuführen wäre außer der Aufhebung der Gleichschaltung ("Multikulti"). Weder nehmen sie Arbeitsplätze weg, noch in irgendeiner Art und Weise finanzielle Mittel oder Wohnraum oder ähnliches, was man ihnen am Stammtischen vorwerfen mag. Monetär gesehen ist es sogar ein Nullsummenspiel mit der Tendenz zum Plus, d.h. die Gelder, welche die Ausländer vom Staat beziehen, fließen sogar um einen höheren Betrag dem Sozialprodukt wieder zu, d.h. die Ausländer tragen zur Wertschöpfung bei und vernichten diese nicht. Wir haben einen geringen Anteil an ausländischen Mitbürgern. Gerade im Osten, wo der sog. Faschismus prozentual höher ist, lebt ein Bruchteil an Ausländern (ich meine ein Anteil von 2%). Woher kommt also der Haß und diese Übergriffe?

Durch die soziale Schieflage, dem deutschen Wesen und der Unfähigkeit der Politik darauf zu reagieren. Wieso ist die Politik unfähig, darauf zu reagieren? Die Politik, will sie an der Macht bleiben, ist also zum Opportunismus verdammt. Die Gesellschaft als die Summe ihrer Individuen sind nicht in der Lage, eine stabile Demokratie zu bilden, da diese den offenen Verzicht von "Freiheiten und Vorzüge" fordern würde (einfaches Beispiel: Mineralöle, welche einen so hohen wirtschaftlichen Schaden verursachen, daß gering geschätzt die Allgemeinheit indirekt jährlich 200 Mrd. DM zur Schadensbehebung bezahlen muß; die Landwirtschaft, welche 1998 47 % des EU-Haushaltes auffraß). Das Zauberwort ist Opportunismus! Jeder hat Angst, mehr zu zahlen, als er herausbekommt. Ein System (und sei es noch so ungerecht) wird solange mitgetragen, wie man sich eine Vorteilsschaffung davon verspricht. Dies sind aber die Probleme eines jeden Landes, also nicht allein auf Deutschland anzuwenden.

Die deutsche Politik zeigt nun doch eine Seite des Biedermeiers. Durch den BSE-Skandal kam es eu-weit zu großer Aufregung. Die deutsche Politik (schon damals unter Kohl) hat unumwunden mit dem Finger auf alle befallenen Staaten gezeigt, bis sie selbst Infizierungen der Rinder feststellen mußte. Seitdem hört man keine Zahlen über den Infektionsbestand (also die zahlenmäßige Höhe der infizierten Rinder) in den Nachrichten. Drastisch ausgedrückt: Der Deutsche zeigt immer mit dem Finger auf andere ohne sich auch nur im geringsten darum zu kümmern, daß diese Zustände auch bei ihm so wären (sind). Eine faszinierende Eigenschaft, die mir in den Nachrichten vor allem an den Deutschen aufgefallen ist.

Die deutsche Gründlichkeit gibt es also nicht. Sie ist nur der Ausdruck eines gewaltigen Minderwertigkeitskomplexes und soll sicherstellen, daß niemand an ihm einen Fehler findet (Fachwort: Paranoia!). Was wir so gerne als deutsche Werte verkaufen, existiert schon lange nicht mehr. Weder deutsche Wertarbeit, Qualität noch die deutsche Gründlichkeit oder deutsche Treue. Ebenso sind deutsche bestechlich und käuflich. Und von einer Zuvorkommenheit schon mal ganz zu schweigen. Das resultiert nach meiner Meinung aus der deutschen Geschichte, die die Deutschen immer als "klein" dargestellt haben (Vielstaaterei, halbherzige Entwicklung zum Nationalstaat; Bismarck wußte dies geschickt auszunutzen). Der Deutsche ist noch lange nicht mündig und die Anerkennung der deutschen Souveränität ein Fehler, da diese mit einer sofortigen Auflösung der nationalen Grenzen zu einem Europa hätte führen müssen. Nun ist der Deutsche aber wieder eine Großmacht und das meine ich so, wie es hier steht. Eine solche wirtschaftliche Schlagkraft auf so kleinen Raum ist schon sehr bedrohlich. Man mag mir jetzt vorhalten, daß ich ein wenig zeitlich hinterherhinke, daß sich die Zeiten geändert haben. Dann sollte sich der Vorwerfende noch mal die oberen Abschnitte durchlesen, da er diese nicht verstanden hat. Ein materielles und bevölkerungsstarkes Land im Herzen Europas mit einem solchen Wesen ist immer eine latente Gefahr. Diesen Fehler haben die Engländer z.B. schon 1938 gemacht.

Wer ist "deutsch"? Alle Menschen, die in den deutschen Staatsgrenzen geboren wurden, in Deutschland aufgewachsen sind und die deutsche Sprache als Muttersprache gelernt haben. Erst dadurch ist es möglich, die Grundwesenszüge und die Denkweise (welche eben auch durch die linguale Verknüpfung massiv geformt wird) des Deutschtums in sich zu tragen. Nun könnte man mir sogar einen Hang zum Rassismus unterstellen. Dann wird aber vergessen, daß ich nur das "Gesehene" interpretiere.

Beispiele für das "normale Sprachgebarden" der Deutschen:

Er beobachtet andere und sagt dann: "Schau Dir mal den Spießer an." ohne zu wissen, daß er gerade mit dieser Tätigkeit und dieser Aussage voll im deutschen Element ist. Er bildet sich ein Vorurteil über eine ihm nicht erklärbare Handlungsweise und interpretiert sie als "falsch". Das ist Unrecht, da er sich willkürlich gesetzter Grenzen bedient, diese auf andere impliziert und damit einer Unmöglichkeit der Richtigstellung vornimmt. Seine Werte gelten als unantastbar (lese ich daraus).

Herr Kohl sagte, daß die EU eine christliche Gemeinschaft, eine durch und durch rassistische Äußerung, die keiner Interpretation mehr benötigt.

Aufgrund einer völlig falschen Ausländerintegration bilden sich bei uns (auch auf ländlichen Gebiet) schon fast ghettoähnliche Ansammlungen von Zuwanderern. "Schau mal, da ist wieder eine Russensiedlung entstanden." Man braucht keinen verbalen Anhang über den Zweifel einer ordnungsgemäßen Geldbeschaffung für diese Siedlungen mehr machen. Auch ohne diese ist dies eine rassistische Äußerung ("Sie haben was, was wir nicht haben und ich frage mich, ob das wohl so korrekt verlaufen ist." oder: "Wie kommen die denn in so kurzer Zeit zu so viel Geld?"). Wie sonst kann man eine Interpretation dieses Satzes tätigen, die auf die "Ungewöhnlichkeit des Baus von Häusern von Russlanddeutschen (oder laut Gesetz so oder so "Deutsche")?

Die Geschichtsbildung in Deutschland läuft so "verdreht", daß im Jahre 1998 ein 18jähriger Abiturient in einem Jugendclub bei einem Quiz steif und fest behauptet, daß Hitler bis 1975 der Kaiser von Deutschland war.

Wie weit ist es mit dem deutschen Biedermeier? Dies ist keine Haßtriade, sondern der verzweifelte Hilfeschrei gegen einen Faschismus, der wieder salonfähig wird. Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache. Dazu noch ein paar passende Worte: "Das Boot ist voll"; "Kampagnen gegen eine doppelte Staatsbürgerschaft; "Ich hab nichts gegen Ausländer, aber...". Der Neid der Deutschen scheint grenzenlos. Wenn es kein Neid sein soll, muß es direkte Fremdenfeindlichkeit gegenüber einer Minderheit sein.

Ist dies das Ergebnis der deutschen Geschichte, der Vielstaaterei? Der Durchmischen der "Rassen", welche sich aufgrund von Zwangsumsiedlungen, Völkerwanderungen usw. gerade in Deutschland massiv abspielte? Eine Antwort habe ich noch nicht gefunden, da auch von jungen, "ungebildeten" Jugendlichen solche Äußerungen getätigt werden, die kein komplexes Geschichtsverständnis haben. Wie aber auch zu erkennen ist, scheut sich die "Bildungselite" nicht vor solchen Äußerungen. Wenn man den Menschen, der solche Äußerungen tätigt, auf einen falschen Zusammenhang aufmerksam macht, wird meist abgewiegelt. Man habe es ja nicht so gemeint. Gerade diese letzte Äußerung läßt aber Rassisten à la Haider in solch hohen Positionen aufrücken. Damit sind die sich so äußernden Menschen des latenten Rassismus überführt, tragen aber keine Konsequenzen davon. Auch läßt es immer an einer Einsicht fehlen (man will sich ja auch nicht als Rassist "outen"), obwohl diese mehr als angebracht sind.

Sascha
14.02.2001, 20:29
8. Meine persönliche Anerkennung der Kollektivschuld und deren Implizierung in meiner Person

Durch den zweiten Weltkrieg wurden Millionen Menschen getötet. Der Sinn dieses Krieges erscheint mir auf intellektuelle Ebene schleierhaft. Das Warum ist auch nicht von Belang. Es geht um die moralische Anerkennung des Schadens und der daraus resultierenden Demut.

Wir hier in Deutschland sind nach gut 55 Jahren endlich soweit, daß eine materielle Aufarbeitung des Holocaust möglich wird. Eine geistige Aufarbeitung wurde noch nicht im befriedigendem Umfang getätigt. Dies läßt das Zögern bei der Entschädigung der Zwangsarbeiter erkennen. Es ist Fakt, daß das Deutsche Reich durch die Zwangsarbeiter einen immensen Vorteil an wirtschaftlicher Produktivität erfahren hat. Ganze Unternehmenszweige setzten dieses "Humankapital" für ihre Produktion ein. Ein Hinweis darauf, daß man selbst dem Druck (also dem totalitärem Regime) ausgesetzt war, grenzt an einer offenen Verhöhnung der Geschädigten, da man einen Massenmord in einem so gewaltigen Ausmaß gegenüberstand, daß nur eine offene Auflehnung oder die Flucht der Deutschen aus ihrem eigenen Land möglich gewesen wäre. Das Bleiben der Menschen hat sie also zu Mittätern gemacht. Somit ist die Schuldfrage dieser Generation nicht anzuzweifeln.

Nun dehne ich den Begriff der Kollektivschuld aus: Der Mensch ist solange für seine Straftaten verantwortlich, bis sein natürlicher Tod eintritt, d.h. jeder der z.B. einen anderen Menschen getötet hat, muß mit einer vollständigen Sanktionierung dieser Tat rechnen, solange er lebt. Dieses Prinzip muß man in seiner logischen Schlußfolgerung auf alle Institutionen übertragen. Das bedeutet, daß alle Unternehmen und staatlichen Einrichtungen für ihre Taten (ob nach landesgültigen Recht oder nicht; Beispiel: Die Mauerschützen der damaligen DDR) bei einem Verstoß gegen die oben erklärten Moralvorstellungen verstößt ebenso während ihres Bestandes haftbar gemacht werden können bzw. müssen. Dies gilt ebenfalls für ihre rechtlichen Nachfolger, was meist nur eine Umbenennung des Unternehmens oder der staatlichen Institutionen bedeutete, der betroffenen Subjekte. Diese Schlußfolgerung hat eine weitreichende Tragweite, da alle Kapitalströme, die damals bestanden einbezogen werden müssen. Auch als Laie komme ich zu dem Schluß, daß zum einem die gesamte BRD als Staat in ihrem monetären Wert und als sachlicher Gegenstand als Haftungsgegenstand anzusehen ist. "Aufgewogen" mit den verursachten Schaden muß ich sagen: Dieses Land gehört den Opfern. Nun gab es natürlich noch die ganzen Unternehmen, die nach dem zweiten Weltkrieg mit den noch vorhandenen Produktionsmitteln weitergearbeitet haben und schon damals auch die Werte der Zwangsarbeiter mitbenutzten. Die Schlußfolgerung daraus ist, daß alle direkt nach dem zweiten Weltkrieg aufgebauten Unternehmen ebenso rechtlich nicht unser Eigentum sind.
Die Unternehmen vor und im zweiten Weltkrieges gehören selbstverständlich direkt dazu

Nun kommen die nachfolgenden Generationen. Wieso bin ich der Meinung, daß sie ebenfalls mit der Kollektivschuld behaftet sind? Da sie als Individuen den Rechtsstaat der BRD bilden. Der Status eines Deutschen wird ohne Probleme anerkannt. Auch werden die Vorteile dieses Status ohne viel Mühe von allen anerkannt. Diese Anerkennung hat aber zur Folge, daß man auch die unrechtmäßigen Handlungen dieses Staates als seinen Status anerkennen muß. Dies erfolgt unfreiwillig mit der Geburt und endet nicht mit dem Tod, sondern mit der Auflösung dieser Institutionen. Wir können nicht die Vorteile dieses Landes nutzen (Bildungssystem, gesicherten Lebensstandard, usw.) und im gleichen Atemzug die Nachteile ablehnen. Natürlich kann man nun sagen: "Was kann ich dafür, daß ich in Deutschland geboren wurde?" Da kann ich dann nur die Gegenfrage stellen: "Was kann der Deutschrusse dafür, daß er in Rußland geboren wurde?" Diese Ausrede ist zu einfach, um akzeptiert werden zu können. Es sind Ausreden. Die Kollektivschuld ist mit der Aufhebung der BRD beendet, aber nur dann, wenn sie in einem "Superstaat" übergeht, d.h. in einem mit den Opfern gemeinsamen Staat. Gerade die BRD ist der direkte Nachfolger von Hitlerdeutschland und damit der direkte Rechtsnachfolger, bestehend aus direkt schuldigen Individuen. Das verstehe ich unter Demokratie!

Solange wir also einen Bestand als Rechtsnachfolger haben, sind wir schuldig. Jedes Opfer darf also den Staat, bestehend aus Individuen, anklagen, solange er Bestand hat. Als eines der größten Opfer sind die Juden zu nennen. Da diese sich, ebenfalls als Individuen, zu dem Staat Israel zusammengefügt haben, ist der Staat Israel als institutionelles Opfer anzusehen. Das heißt, daß Israel für seine gesamte Bestandsdauer und danach deren rechtlicher Nachfolger die BRD als rechtlicher Nachfolger bis zu ihrer Auflösung als Täter zur Rechenschaft ziehen kann. Für Leute, die gerne mit Zahlen spielen: Die Täterschaft hat auch ein Ende, wenn jeder Pfennig zurückgezahlt wurde, der als Schaden entstanden ist. Auch Rußland, England, Frankreich usw. können natürlich diesen Weg einschlagen. Der materielle Schaden läßt sich ja schnell beziffern (es zählen natürlich auch die Bomben dazu, die auf Deutschland geworfen wurden, da dies die "Waffen der Verteidigung" und somit zur "Schadensbegrenzung" gehören). Ich hatte mal gehört, daß die Summe sich auf 2.000.000.000.000.- DM belaufen, nebst Zinsen). Dazu kommen noch die Opfer. Eine unermeßliche Summe.

Sascha
14.02.2001, 20:29
Der Schaden ist entstanden und muß wieder gutgemacht werden. Nun sieht der Plan zur Entschädigung vor, daß jeder jetzt noch lebende und leidtragende Mensch der Zwangsarbeit mit gerade mal 10.000,- DM entschädigt werden soll . Ich weiß jetzt nicht, ob diese Zahl korrekt ist; deswegen möchte ich sie hier als Beispiel vervierfachen, also 40.000,- DM. Nach 55 Jahren bekommen also noch alle lebenden Opfer der Zwangsarbeit diesen Betrag. Mit 3 % Abzinsung hätte dieser Mensch 1945 weniger als 8.000,- DM bekommen. Dieser Betrag soll nun als Ausgleich dafür genommen werden, daß ein Mensch in der Form der heutigen Massentierhaltung von uns (als Deutsche) bewußt jeden Tag in bestialischer (ein anderes Wort halte ich für unpassend) Art arbeiten mußte und seinen Tod vor Augen hatte. Selbst unser deutsches Recht, wie es heute besteht, hat um ein vielfaches härtere Sanktionsmaßnahmen für ein solches Verhalten verfaßt. Ich möchte noch einmal auf die Grausamkeit der (damals lebenden) Deutschen aufmerksam machen, damit man diese Relationen richtig versteht. Dies läßt den Schluß zu, daß wir als Deutsche in Vertretung durch den Staat die betroffenen Unternehmen notfalls per Zwangsenteignung zu der Zahlung verpflichten müssen. Eine Rechtssicherheit kann auf freiwilliger Basis von den Opfern ausgesprochen werden. Das Verlangen einer Rechtssicherheit der Unternehmen nach der Zahlung dieses "Taschengeldes" ist eine Verharmlosung des Holocaust und wäre nach meinen Rechtsempfinden sittenwidrig (die sanfteste Formulierung), da diese Unternehmen mit den Geld der Zwangsarbeiter erst zu ihrem heutigen Stand aufgestiegen sind.

Zum Abschluß möchte ich noch folgendes anbringen:
Der Verweis auf das Verhalten anderer Länder darf dem intellektuellen Menschen erst gar nicht einfallen. Natürlich ist die Sklaverei der Amerikaner, die Unterdrückung der Aborigines in Australien, die Kolonialfrage usw. auch noch eine ungeklärte Angelegenheit und bedarf einer gründlichen Aufarbeitung der betroffenen Länder. Hier sind noch ungeklärte Schulden, welche endlich beglichen werden müssen. Aber (wie man es als Deutscher kennt) man zeigt mit den Finger auf die "Angelegenheiten anderer" und sagt: "Die dürfen das doch auch!" Ein solches Verhalten zeigt einfach, daß man keinen Respekt vor anderen Kulturen hat und von seinen eigenen Fehlern ablenken will. Wir dürfen (und müssen) diesen Ländern den Spiegel vorhalten aber niemals im Zusammenhang mit den bei uns stattgefundenen Ereignissen. Wir machen noch heute soviel Fehler, daß wir mit Demut und Respekt die Geschehnisse festhalten und aufarbeiten. Ich meine die wirtschaftliche Kolonialisierung der Entwicklungsländer heute, die Ausbeutung "niederer" Lebewesen, die Unterdrückung von Minderheiten in unserem eigenen Land usw. Als "Krone der Schöpfung" verhalten wir uns wirklich wie Parasiten, obwohl wir es heute schon "besser wissen" und auch anders handeln könnten.

Mit diesem Artikel möchte ich mich noch einmal ganz besonders bei allen Opfern des 2. Weltkrieges um Verzeihung bitten und versprechen, daß ich mit Leib und Seele dem Rassismus in Deutschland ausmerzen will. Ich wehre den Anfängen.

Exor

Christian
15.02.2001, 00:57
Lieber Exor,


ich ziehe den Hut vor Deinen Ausführungen. Aufgrund der unheimlichen Masse und der Komplexität der Materie habe ich mir den Text erst einmal ausgedruckt, um ihn morgen einmal in Ruhe komplett durchzulesen.

Great job.........


Chris

Joerg
15.02.2001, 10:06
Ähhhh Exor,
wuuuusch, ist dann mehr so ne Wochenendlektüre ...
Da schaun wir mal, was in Deinem Hirn so alles herumbrodelt http://www.stock-channel.net/Board/smilies/biggrin.gif http://www.stock-channel.net/Board/smilies/biggrin.gif http://www.stock-channel.net/Board/smilies/biggrin.gif

Gruß
Joerg

Silke
15.02.2001, 11:35
Hallo exor,

Respekt vor Deinen Ausführungen!

http://www.stock-channel.net/Board/smilies/smile.gif
MM

Sascha
15.02.2001, 15:10
Danke für die Blumen http://www.stock-channel.net/Board/smilies/rolleyes.gif
Leider sind da auch schon ein paar Ungenauigkeiten "bekanntgeworden", so daß ich wohl einen korrigierten Text abfassen muß ......

Ich bitte um harte Kritiken!!!!

Exor

<font size=1>[Dieser Beitrag wurde von Exor am 15.02.2001 editiert.]</font>

Sascha
16.02.2001, 20:23
Nazis sind chic

Und der Osten ist brauner, als es viele Politiker wahrhaben wollen

Von Toralf Staud

Jetzt zetern sie wieder, die ostdeutschen Politiker. In diesen Wochen werden die Statistiken über rechtsextremistische Straftaten im Jahr 2000 fertig: Sie sind schlimm für das ganze Land und besonders schlimm für den Osten. Doch Landesväter zwischen Schwerin und Dresden protestieren: "Unsere Menschen" sind nicht rechter als die im Westen.

Das einzig Richtige an dem Gejammer ist, dass die Statistiken kein verlässliches Bild liefern. Was lange als linke Hysterie abgetan wurde, gibt inzwischen selbst das BKA zu: Die Daten aus den Bundesländern sind nach unten verfälscht. Jeder zählt, wie er will. Neue und bundesweit einheitliche Erfassungskriterien sind dringend nötig. Doch was wirklich gefährlich ist an den Rechtsextremisten im Osten, lässt sich nicht in Zahlen fassen. Vielerorts üben sie Macht aus, ohne noch Gewalt anwenden zu müssen. Ihre Präsenz ist oft Drohung genug.

Rechtsextremismus ist im Osten kein Phänomen von Randgruppen. Er ist keine Subkultur mehr, sondern dominiert in vielen Dörfern und Kleinstädten die Jugendszene. Rassismus und Antisemitismus gehören zum guten Ton. Man beschimpft sich als "Neger", und wenn etwas ganz miserabel ist, heißt es "judenmäßig". Nazimusik ist cool, die Jungs mit Springerstiefeln sind chic. Im brandenburgischen Guben werden HipHopper von Jungnazis verprügelt, derweil der Hauptausschuss des Stadtrates beschließt, den Gedenkstein für einen von Rechten zu Tode gehetzten Algerier abzumontieren und anderswo aufzustellen, weil er am Tatort immer wieder geschändet wird.

Rassismus und rechte Einstellungen sind im Osten weiter verbreitet als im Westen. Die Gewalttäter haben ein feines Gespür und reagieren darauf: Ein typisch westdeutscher Angriff geschieht heimlich und versteckt - ein Brandsatz fliegt auf das Asylheim am Stadtrand. Ein typisch ostdeutscher Angriff dagegen ist offen und öffentlich - auf dem Bahnhofsvorplatz wird ein Afrikaner zusammengeschlagen. Wer davon spricht, Rechtsextremismus sei ein gesamtdeutsches Problem, leugnet die Besonderheiten und kann nicht mehr angemessen reagieren.

Im Westen herrscht in der Öffentlichkeit ein eindeutiges Klima gegen Rechtsextremismus, im Osten herrschen Gleichgültigkeit und Angst. Doch in jüngster Zeit haben sich in den neuen Ländern fast flächendeckend Bürgerinitiativen gegen rechts gegründet. Sie brauchen dringend öffentliche Anerkennung und finanzielle Unterstützung. Dazu sollte auch das Xenos-Programm dienen, das die Bundesregierung im vergangenen Jahr vollmundig ankündigte, kleine Projekte sollten besonders gefördert, Zuschüsse bis 10 000 Euro vereinfacht bewilligt werden. Sehr gute Idee, doch genau dieser Teil des Programms liegt vorerst auf Eis.

gefunden in: http://www.zeit.de/2001/08/Politik/200108_leiter.3.html

auch hier: No comment http://www.stock-channel.net/Board/smilies/shakehead.gif

Exor

Ralph
21.02.2001, 19:04
Heilig's Blechle, Exor,

da hast Du ja eine Wahnsinns-Arbeit hineingesteckt ... das Thema scheint Dir wirklich auf den Nägeln zu brennen.

Respekt, Respekt.

Ralph

Sascha
21.02.2001, 20:09
Ja, was soll das denn heißen Ralph????
Taucht hier einfach wieder so auf und postet rum, als hätte er den ganzen Urlaub nur mit "Materialsammeln" verbracht.... tststs. Hey, der Urlaub ist eigentlich für andere Dinge da http://www.stock-channel.net/Board/smilies/wink.gif

Exor

Ralph
21.02.2001, 20:27
Exor,

ich war NICHT im Urlaub ..... war beruflich unterwegs und nebenher noch Daten gesammelt ! http://www.stock-channel.net/Board/smilies/smile.gif

Ralph

Sascha
21.02.2001, 21:27
Ach soooooo, Ralph!

Und ich dachte, Du hättest auch mal Urlaub nötig http://www.stock-channel.net/Board/smilies/biggrin.gif Machst Du das auch so wie Matze? Von der Arbeit ans Board zur Arbeit zurück, zum Board? Ich frage mich wirklich manchmal, ob da nicht doch ein paar Maschinen an den Rechnern sitzen ....... aber dafür habt Ihr ja eigentlich zu menschliche Züge http://www.stock-channel.net/Board/smilies/wink.gif

Exor
(seine acht Stunden Schlaf brauchend um nicht wie ein Frettchen auszusehen http://www.stock-channel.net/Board/smilies/biglaugh.gif )

Ralph
21.02.2001, 21:42
Ja Exor,

Urlaub könnte ich auch schon wieder gebrauchen .... aber das will keiner hören .... aber bald ! .... hehehe

Ralph

Sascha
26.02.2001, 21:42
Gott ist Privatsache

Wer glaubt, wird selig - wer nicht glaubt, kommt auch in den Himmel. In den westlichen, aufgeklärten Gesellschaften darf über Religion gespottet werden. Gotteslästerung ist kein Tabu mehr. Von Antiklerikalen und Atheisten als Befreiungsakt eingeübt, hat sie Tradition auf dem Weg zur säkularen Gesellschaft.

Kommentar von EDITH KRESTA

Wie der Homosexuellenparagraf 175, der aufgrund neuer gesellschaftlicher Selbstverständlichkeiten gekippt wurde, ist daher heute auch der Anti-Blasphemie-Paragraf 166 im Strafgesetzbuch mehr als fragwürdig. Gott wurde entthront. Welche Ehrerbietung ihm gebührt, ist in unserer Gesellschaft Privatsache. Und auch in anderen Teilen der Welt bröckelt die Macht der Religionen. Nicht umsonst bekämpfen muslimische Fundamentalisten von Teheran bis Algier die "zerstörende Kraft der Moderne", die ihrer Definitionsmacht den Boden entzieht.

Oft wird der Bedeutungsverlust des Religiösen erst sichtbar, wenn religiöse Minderheiten in unserer deutschen Leitkultur dem Spott der Spötter genauso ausgesetzt sind wie christliche Religionsgemeinschaften. Dann prallen kulturelle Standards aufeinander. An dieser Stelle erfordert nun die Political Correctness im Bewusstsein unserer Dominanz besondere Rücksichtsnahme - und macht damit die Religion der anderen zum Tabu. Das ist nicht nur heuchlerisch, sondern unterschlägt auch Konflikte, die sich aus dem Aufeinanderprallen unterschiedlicher weltanschaulicher Standards und Werte nun mal ergeben.

Exakt diese Konflikte aber müssen ausgetragen werden. So selbstverständlich wie hierzulande Frauen ihre Beine zeigen, Werbemacher nackte Busen und Männer Männer lieben, so selbstverständlich ist auch unser religiöser Spott. Wer würde denn ernsthaft fordern, dass Frauen auf dem Kudamm keine kurzen Röcke tragen, um den Wertmaßstab eines vorbeischlendernden gläubigen Muslims nicht zu verletzen? Wie die Touristin im Iran in der Öffentlichkeit ein Kopftuch anlegen muss, so muss der gläubige Muslim hier Unbedecktheit ertragen.

Interkulturelle Kompetenz, die heute von der hiesigen Mehrheitsbevölkerung gefordert wird, kann dazu beitragen, Empfindlichkeit und Werte anderer Kulturen zu verstehen. Sie kann helfen, Missverständnisse zu beseitigen. Aber diese interkulturelle Kompetenz müssen auch Zuwanderer anstreben. Sich zu verschließen und die eigenen Normen zu überhöhen, schafft nur neue Mauern und Konflikte.

gefunden in: http://www.taz.de/tpl/2001/02/26.nf/text.Tname,a0013.list,TAZ_a1.idx,0

Fast meine Meinung (.........aber nur fast http://www.stock-channel.net/Board/smilies/biggrin.gif Asche auf mein Haupt). Aber als kleine "Gedächtnisstütze" auch ganz schön http://www.stock-channel.net/Board/smilies/wink.gif

Exor