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Sascha
26.02.2001, 21:28
Das Gespenst der Stagflation geht wieder um

Der Bericht vom internationalen Finanzmarkt / Von Holger Steltzner

FRANKFURT, 25. Februar. Dem Einbruch der Unternehmensgewinne folgt der Einbruch der Konjunktur. Zumindest für die amerikanische Wirtschaft wird dieses Szenario an den Märkten als wahrscheinlich gehandelt. An der Wall Street sind inzwischen auch die letzten großen Technologiegesellschaften vom allgemeinen Ausverkauf erfaßt worden. Entsprechend heftig sind die Verluste an der Nasdaq. Zwar hat der international führende Index für Technologieunternehmen am Freitag mit leichten Kursgewinnen auf 2260 Punkte die Börsenwoche beendet, doch unter dem Strich verbleibt ein Minus von 8,5 Prozent seit Jahresbeginn.

Trotz einer möglichen und kurzfristig technisch bedingten Kurserholung muß schon bald mit einem Test der wichtigen charttechnischen Unterstützungslinie von 2000 Nasdaq-Punkten gerechnet werden. Diese Schwelle hat an den deutschen Börsen der Nemax 50 am Freitag bereits unterschritten, als er auf sein historisches Tief von 1968 Punkten fiel. Seit Jahresbeginn haben die gewichtigsten Aktien am Neuen Markt inzwischen im Durchschnitt weitere 31 Prozent ihres Werts verloren. Ungeachtet der dramatischen Verluste von fast 80 Prozent seit dem Rekordhoch vom 10. März 2000 ist immer noch kein Ende des Crashs auf Raten in Sicht.

Die Hoffnungen der Investoren, die beiden Zinssenkungen der amerikanischen Notenbank zu Jahresbeginn könnten die Märkte beruhigen, sind enttäuscht worden. Offenbar ist es um den Zustand der amerikanischen Wirtschaft schlechter bestellt, als selbst Pessimisten angenommen haben. Von der Vorstellung, einige Zinssenkungen reichten aus, um die Konjunktur rasch wieder auf Kurs zu bringen, wird man sich verabschieden müssen. Denn außer einer Schrumpfung der mit Abstand größten Wirtschaft der Welt im ersten Halbjahr drohen nun noch hartnäckige Inflationsgefahren. Der starke Anstieg der amerikanischen Verbraucherpreise im Januar um 3,7 Prozent auf Jahresbasis zusammen mit den in dieser Woche erwarteten Wachstumszahlen des Bruttoinlandsprodukts von nur noch 0,5 Prozent für das vierte Quartal 2000 sind Anlaß zu ernster Sorge. Vor allem der starke Anstieg der amerikanischen Gaspreise treibt derzeit die Teuerungsraten.

Falls darüber hinaus die Opec bei ihrem nächsten Treffen im März eine weitere Drosselung der Ölförderung beschließen sollte, würden sich die Probleme der Weltwirtschaft noch verschärfen. Dies zusammen mit den empfindlichen Verlusten an den Börsen könnte dazu führen, daß die amerikanischen Verbraucher ihren Konsum weiter beschränken. Da der Konsum in Amerika traditionell etwa zwei Drittel zum Wachstum beiträgt, hätte das erhebliche Auswirkungen auf die Konjunktur. Noch liegt die Kerninflationsrate mit 2,6 Prozent deutlich unter dem Niveau von 1989, als die Fed ebenfalls kräftig die Zinsen gesenkt hatte. Doch auch damals hatte sie die nachfolgende Rezession Anfang der neunziger Jahre nicht verhindern können.

Nachdenklich stimmt zudem, daß in der Folge bis Sommer 1990 die Kerninflationsrate auf mehr als 5 Prozent gestiegen war. Schon macht daher an den amerikanischen Finanzmärkten das Schreckgespenst einer drohenden Stagflation die Runde. Das mag übertrieben sein. Doch es verdeutlicht, wie verunsichert die Anleger sind. Notenbankchef Alan Greenspan steckt in der Zwickmühle. Versucht er sich weiterhin in der Kunst der Konjunkturanregung mittels Zinssenkungen, dann drohen zusätzliche Teuerungsschübe. Senkt er hingegen bis spätestens zum nächsten regulären Offenmarkt-Termin der Fed am 20. März die Zinsen nicht nochmals um 50 Basispunkte, wie von den Märkten erwartet, muß mit fortgesetzten Kursverlusten an den Börsen, daraus resultierend einem weiteren Absinken des Verbrauchervertrauens und einem zusätzlichen Dämpfer für die Konjunktur gerechnet werden.

Aber nicht nur in Amerika, sondern auch in Europa steigen die Preise. In diesen Tagen werden die Inflationszahlen für Euroland im Jahr 2000 veröffentlicht. Nach den überraschend hohen Teuerungsraten aus Deutschland rechnen die Marktteilnehmer mit einer Inflationszahl von rund 2,6 Prozent, die damit deutlich über der Zielgröße der Europäischen Zentralbank (EZB) läge, womit alle Hoffnungen auf eine baldige Zinssenkung der EZB auf das zweite Halbjahr vertagt werden müßten. Auch mit Blick auf den wieder schwächeren Euro und die nach wie vor robuste Geldmengenexpansion im Eurogebiet wäre ein übereiltes Zinsmanöver nicht ratsam.

Schließlich könnten bei einem Fall des Euro unter die Marke von 0,90 Dollar schnell wieder die alten Tiefstände getestet werden. Die Inflationssorgen trüben auch die Stimmung an den Anleihemärkten. Nach der beeindruckenden Emissionsflut von Unternehmensanleihen in den ersten Wochen des Jahres ist das Geschäft ins Stocken geraten. Die Anleger sind vorsichtiger geworden. Hinzu kommt, daß der Kapitalhunger der Telekomgesellschaften zunehmend kritischer gesehen wird. Die Pläne für eine Jumboemission von France Télécom im Volumen von 7 bis 8 Milliarden Dollar werden ungeachtet eines deutlichen Renditeaufschlags (Spread) zu bestehenden Anleihen sowie einer Schutzklausel für die Anleger im Falle von weiteren Rating-Verschlechterungen skeptisch beurteilt. Aufhorchen läßt auch, daß Daimler-Chrysler in Amerika die Registrierung möglicher Anleihebegebungen im Volumen von 30 Milliarden Dollar beantragt hat. Am Eurobondmarkt hat die Finanzkrise in der Türkei zu Kursverlusten und damit einer Ausweitung der Spreads von ausstehenden Euroanleihen von rund 350 auf 500 Basispunkte geführt. Interessant ist, daß vergleichbare Spreads von Dollaranleihen der Türken von rund 800 auf über 1000 Basispunkte gestiegen sind. Für manchen deutschen privaten Gläubiger der Türkei könnte es sich lohnen, aus seiner Euroanleihe aus- und in eine Dollaranleihe umzusteigen. Das Dollarrisiko könnte durch einen Terminverkauf abgesichert werden, der rund 100 Basispunkte kostet, so daß ein Renditevorteil von rund 400 Basispunkten verbliebe.

Frankfurter Allgemeine Zeitung, 26.02.2001, Nr. 48 / Seite 33

gefunden in: http://www.faz.de

Tja, nennen wir das Kind doch nun mal endlich beim Namen (aber gewußt haben wir's ja auch schon alle, oder????? http://www.stock-channel.net/Board/smilies/wink.gif ). Komisch, daß das erst jetzt kommt http://www.stock-channel.net/Board/smilies/confused.gif

Exor

P.S. Vergeßt die Pampers nicht; es darf geschi..... werden http://www.stock-channel.net/Board/smilies/biglaugh.gif http://www.stock-channel.net/Board/smilies/biglaugh.gif

Ralph
27.02.2001, 06:23
Exor,

es hat auch sehr lange gedauert, bis in den Medien das hässliche R-Wort offen ausgesprochen wurde .... heute wird man nicht müde, dieses immer wieder zu wiederholen, damit Onkel Al ein schlechtes Gewissen bekommt.

Ob die bei dem S-Wort auch so sein wird, wage ich allerdings zu bezweifeln !

Ralph

PS: Im Amerika-Forum ist das S-Wort schon ein "beliebtes" Thema

Sascha
27.02.2001, 07:32
Guten Morgen Herr Ralph! http://www.stock-channel.net/Board/smilies/biggrin.gif

Jau, die sind immer ein bisserl zögerlich mit der Einstufung der Realität, obwohl sowas ja aus den "allgemeineren Kreisen" eigentlich immer rechtzeitig angedeutet wird (z.B. das böse R-Wort war ja schon lange bekannt; trotzdem fallen dann alle aus den Wolken, wenn es dann auch Realität wird). Ich wollte den Artikel nicht ins Ami-Forum stellen, weil der (meiner Meinung nach) da nicht so richtig hingehört. Ist aber, find ich, schon merkwürdig, daß man immer wieder die gleichen "Fehler" macht. Okay, man weiß wohl schon, wie man so etwas theoretisch bekämpft, aber ich glaube, auch hier wird wieder zu spät gehandelt....

Exor