Sascha
14.08.2001, 10:38
Windows XP - Die Tage sind gezählt
Aller Kritik zum Trotz will Microsoft sein neues Betriebssystem "Windows XP" pünktlich zum 25. Oktober ausliefern.
Von Susanne Herda
Noch 71 Tage: Bei Microsoft laufen die Uhren rückwärts, denn die Markteinführung des neuen Betriebssystems "Windows XP" steht bevor. Die jüngst ausgelieferte Version "Release Candidate 2" hat die letzte Phase eingeläutet. In dieser kritischen Zeit darf nichts mehr schief gehen. "Der Zeitplan ist zwar eng geschnürt. Aber wir liegen gut in der Zeit", sagt Thomas Baumgärtner, Sprecher von Microsoft in Deutschland. "Den 25. Oktober wollen wir auf jeden Fall einhalten."
Tatsächlich setzt der Software-Riese alles daran, Verspätungen zu vermeiden auch weil die Kritik an seinem Verhalten beinahe täglich zunimmt. Gegenstand der aktuellen Diskussion ist längst nicht mehr "nur" die Verknüpfung des Browsers mit dem Betriebssystem. Deswegen war Microsoft als Monopolist verurteilt worden; ein Berufungsgericht hatte vor gut sechs Wochen zwar die ursprünglich angeordnete Zerschlagung des Konzerns gestoppt, die Bewertung der Rechtsverstöße jedoch bestätigt. Inzwischen geht es um einen Reigen von Schaltflächen ("Icons") und Programmen, die die Software-Industrie in Rage versetzen und die Justiz in Atem halten.
Der demokratische US-Senator Charles Schumer aus New York hat darum vor kurzem die Justizminister mehrerer Bundesstaaten aufgefordert, die Auslieferung von "Windows XP" gerichtlich zu stoppen. Viele Beobachter sehen Parallelen zur Situation 1998, als Microsofts juristische Probleme mit dem Internet-Browser "Explorer" kurz vor Einführung von "Windows 98" begannen. "Es ist die gleiche Situation wie damals", sagte Andrew Gavil, Jura-Professor an der Howard University in Washington der New York Times. "Der einzige Unterschied ist, dass Microsoft inzwischen als Monopolist verurteilt worden ist."
Darum kämpft die Softwarefirma aus Redmond bei Seattle zurzeit an vielen Fronten. Vor dem Obersten Gerichtshof der USA versucht das Unternehmen, das "Monopolisten"-Urteil aufheben zu lassen. Auch weil das Supreme Court erst wieder im Oktober zusammentritt, werten WallStreet-Analysten und Rechtsvertreter der Regierung die Klage als Versuch, das juristische Bild zu verschleiern, bis "Windows XP" auf dem Markt ist.
Itsi-Bitsi-Flexibilität
Diesem Zweck diente auch die Ankündigung Microsofts, seine Lizenz-Politik zu ändern (SZ, 13.7.2001). Der Vorstandsvorsitzende Steve Ballmer gab sich damals zerknirscht: "Wir sehen ein, dass einige Bestimmungen in den Windows-Lizenzen als unzulässig bewertet wurden." Firmen-Sprecher Jim Cullinan hingegen verknüpfte die Änderung explizit mit dem Verkaufsstart: "Wir tun dies, um sicherzustellen, dass Windows XP rechtzeitig ausgeliefert werden kann." Der neuen Politik zufolge sollten Computer-Hersteller, die Windows auf ihren Maschinen installieren, die Freiheit bekommen, etwa im Start-Menü und auf dem so genannten Desktop Icons von Microsoft zu entfernen und durch andere zu ersetzen.
Dass die Lockerung der Lizenzpolitik eine überstürzte Reaktion war, beweist die Tatsache, dass sie kurz nach Bekanntgabe korrigiert werden musste. Als nämlich Compaq ankündigte, statt dem Zugang zum Microsoft-Netzwerk MSN die Online-Software des Konkurrenten AOL zu installieren, stellte Microsoft klar: "Windows XP" könne entweder ohne alle Icons oder sowohl mit "fremden" als auch eigenen Icons ausgeliefert werden, darunter auch MSN.
Besonders bei AOL gab es wütende Reaktionen. "Microsoft scheint sein groß angekündigtes Itsi-Bitsi-Teeny-Weeny-Stückchen Flexibilität zurück zu nehmen und zu Sturheit zurückzukehren", sagte AOL-Vizepräsident John Buckley. Seiner Firma gehört inzwischen Netscape, jener Internet-Browser, den Microsoft dem "Monopolisten"-Urteil zufolge wettbewerbswidrig behindert hat.
Microsoft sieht das anders. Vivek Varma, Sprecher der US-Muttergesellschaft pocht auf Fairness: "Unsere Entscheidung erlaubt den Endkunden eine Wahl zwischen den Online-Diensten." Auch Thomas Baumgärtner bestreitet, Microsoft habe sein Angebot zurückgezogen. "Von einem Notfallplan zu sprechen, weise ich brüsk zurück. Wir wollten unsere Offenheit demonstrieren und sind dem Wunsch der Anwender gefolgt, die sich einen aufgeräumten Desktop wünschen."
Der Streit um die Icons ist nicht der einzige Konflikt. Wie bei "Windows 98" der Browser ins Betriebssystem integriert war, sind es diesmal einige andere Programme: vor allem der "Windows Media Player" zum Abspielen von Musik und Filmen und der "Messenger", der Botschaften schneller als per E-Mail verschickt. Hier führen Microsoft-Konkurrenten und -Kritiker eine bekannte Klage: Indem der Software-Gigant die Software untrennbar mit dem Betriebssystem verknüpfe, behindere er den Wettbewerb. Das zeigt auch ein Disput mit Kodak. Er brach aus, weil Microsoft es offenbar ablehnte, die Treiberprogramme des Kameraherstellers mit "Windows XP" auf die CD-Rom zu brennen. "Diese Meinungsverschiedenheiten lassen sich nicht über einen Kamm scheren", sagt Thomas Baumgärtner. "Mit Kodak gab es zum Beispiel nie wirklich einen Streit."
Die Eile, die seine Firma jetzt bei der Produktion an den Tag legt, habe mit den Querelen nichts zu tun. "Nur noch ein richtiger Show-Stopper könnte den Termin verschieben", sagt Baumgärtner. Bei "Windows 3.51" etwa sei ein ernster Fehler erst in der letzten Phase eines Produkt-Starts aufgetreten, als die im Computer-Jargon Original Equipment Manufacturers (OEM) genannten Hersteller das Betriebssystem auf PCs installierten. "Wir versuchen die OEMs so früh wie möglich zu beliefern, weil jeder Tag der Qualität des Produkts zugute kommt."
Fachpresse sowie diverse Analysten deuten das anders. Microsoft drücke wie nie zuvor aufs Tempo, um die Auslieferung des Systems womöglich sogar vorzuziehen und Fakten zu schaffen. Für den Anwender könnte das sogar Vorteile haben, denn die neue "Windows"-Version ist um einiges schneller als die alte und bietet eine ganze Suite an Werkzeugen, die wie geschaffen scheint für die Nutzung von Internet und digitaler Musik. Zudem ist die Benutzerführung farbenfroher, sind Icons größer und das Start-Menü übersichtlicher.
Für die Computer-Industrie jedoch verknüpft sich mit "Windows XP" eine andere Geschichte: Hier fühlen sich viele an Steve Ballmers Bemerkung von 1998 erinnert, die vielfach im Internet wiedergegeben wird. "Es sollte uns erlaubt sein, auch ein Schinken-Sandwich in Windows zu integrieren."
gefunden in:
http://www.sueddeutsche.de/index.php?url=computer/neuetechnik/software/19630&datei=index.php
Ein lustiger Artikel. :hihi Da bin ich mal gespannt, ob Microsoft wirklich Windoof XP am 25. Oktober ins Rennen schickt oder ob ein Konkurrent doch noch gezielt und geschickt einen Knüppel aus dem Hut zaubert und diesen zwischen Billy-Boys Füßen platzieren kann. :lach
Sascha
Aller Kritik zum Trotz will Microsoft sein neues Betriebssystem "Windows XP" pünktlich zum 25. Oktober ausliefern.
Von Susanne Herda
Noch 71 Tage: Bei Microsoft laufen die Uhren rückwärts, denn die Markteinführung des neuen Betriebssystems "Windows XP" steht bevor. Die jüngst ausgelieferte Version "Release Candidate 2" hat die letzte Phase eingeläutet. In dieser kritischen Zeit darf nichts mehr schief gehen. "Der Zeitplan ist zwar eng geschnürt. Aber wir liegen gut in der Zeit", sagt Thomas Baumgärtner, Sprecher von Microsoft in Deutschland. "Den 25. Oktober wollen wir auf jeden Fall einhalten."
Tatsächlich setzt der Software-Riese alles daran, Verspätungen zu vermeiden auch weil die Kritik an seinem Verhalten beinahe täglich zunimmt. Gegenstand der aktuellen Diskussion ist längst nicht mehr "nur" die Verknüpfung des Browsers mit dem Betriebssystem. Deswegen war Microsoft als Monopolist verurteilt worden; ein Berufungsgericht hatte vor gut sechs Wochen zwar die ursprünglich angeordnete Zerschlagung des Konzerns gestoppt, die Bewertung der Rechtsverstöße jedoch bestätigt. Inzwischen geht es um einen Reigen von Schaltflächen ("Icons") und Programmen, die die Software-Industrie in Rage versetzen und die Justiz in Atem halten.
Der demokratische US-Senator Charles Schumer aus New York hat darum vor kurzem die Justizminister mehrerer Bundesstaaten aufgefordert, die Auslieferung von "Windows XP" gerichtlich zu stoppen. Viele Beobachter sehen Parallelen zur Situation 1998, als Microsofts juristische Probleme mit dem Internet-Browser "Explorer" kurz vor Einführung von "Windows 98" begannen. "Es ist die gleiche Situation wie damals", sagte Andrew Gavil, Jura-Professor an der Howard University in Washington der New York Times. "Der einzige Unterschied ist, dass Microsoft inzwischen als Monopolist verurteilt worden ist."
Darum kämpft die Softwarefirma aus Redmond bei Seattle zurzeit an vielen Fronten. Vor dem Obersten Gerichtshof der USA versucht das Unternehmen, das "Monopolisten"-Urteil aufheben zu lassen. Auch weil das Supreme Court erst wieder im Oktober zusammentritt, werten WallStreet-Analysten und Rechtsvertreter der Regierung die Klage als Versuch, das juristische Bild zu verschleiern, bis "Windows XP" auf dem Markt ist.
Itsi-Bitsi-Flexibilität
Diesem Zweck diente auch die Ankündigung Microsofts, seine Lizenz-Politik zu ändern (SZ, 13.7.2001). Der Vorstandsvorsitzende Steve Ballmer gab sich damals zerknirscht: "Wir sehen ein, dass einige Bestimmungen in den Windows-Lizenzen als unzulässig bewertet wurden." Firmen-Sprecher Jim Cullinan hingegen verknüpfte die Änderung explizit mit dem Verkaufsstart: "Wir tun dies, um sicherzustellen, dass Windows XP rechtzeitig ausgeliefert werden kann." Der neuen Politik zufolge sollten Computer-Hersteller, die Windows auf ihren Maschinen installieren, die Freiheit bekommen, etwa im Start-Menü und auf dem so genannten Desktop Icons von Microsoft zu entfernen und durch andere zu ersetzen.
Dass die Lockerung der Lizenzpolitik eine überstürzte Reaktion war, beweist die Tatsache, dass sie kurz nach Bekanntgabe korrigiert werden musste. Als nämlich Compaq ankündigte, statt dem Zugang zum Microsoft-Netzwerk MSN die Online-Software des Konkurrenten AOL zu installieren, stellte Microsoft klar: "Windows XP" könne entweder ohne alle Icons oder sowohl mit "fremden" als auch eigenen Icons ausgeliefert werden, darunter auch MSN.
Besonders bei AOL gab es wütende Reaktionen. "Microsoft scheint sein groß angekündigtes Itsi-Bitsi-Teeny-Weeny-Stückchen Flexibilität zurück zu nehmen und zu Sturheit zurückzukehren", sagte AOL-Vizepräsident John Buckley. Seiner Firma gehört inzwischen Netscape, jener Internet-Browser, den Microsoft dem "Monopolisten"-Urteil zufolge wettbewerbswidrig behindert hat.
Microsoft sieht das anders. Vivek Varma, Sprecher der US-Muttergesellschaft pocht auf Fairness: "Unsere Entscheidung erlaubt den Endkunden eine Wahl zwischen den Online-Diensten." Auch Thomas Baumgärtner bestreitet, Microsoft habe sein Angebot zurückgezogen. "Von einem Notfallplan zu sprechen, weise ich brüsk zurück. Wir wollten unsere Offenheit demonstrieren und sind dem Wunsch der Anwender gefolgt, die sich einen aufgeräumten Desktop wünschen."
Der Streit um die Icons ist nicht der einzige Konflikt. Wie bei "Windows 98" der Browser ins Betriebssystem integriert war, sind es diesmal einige andere Programme: vor allem der "Windows Media Player" zum Abspielen von Musik und Filmen und der "Messenger", der Botschaften schneller als per E-Mail verschickt. Hier führen Microsoft-Konkurrenten und -Kritiker eine bekannte Klage: Indem der Software-Gigant die Software untrennbar mit dem Betriebssystem verknüpfe, behindere er den Wettbewerb. Das zeigt auch ein Disput mit Kodak. Er brach aus, weil Microsoft es offenbar ablehnte, die Treiberprogramme des Kameraherstellers mit "Windows XP" auf die CD-Rom zu brennen. "Diese Meinungsverschiedenheiten lassen sich nicht über einen Kamm scheren", sagt Thomas Baumgärtner. "Mit Kodak gab es zum Beispiel nie wirklich einen Streit."
Die Eile, die seine Firma jetzt bei der Produktion an den Tag legt, habe mit den Querelen nichts zu tun. "Nur noch ein richtiger Show-Stopper könnte den Termin verschieben", sagt Baumgärtner. Bei "Windows 3.51" etwa sei ein ernster Fehler erst in der letzten Phase eines Produkt-Starts aufgetreten, als die im Computer-Jargon Original Equipment Manufacturers (OEM) genannten Hersteller das Betriebssystem auf PCs installierten. "Wir versuchen die OEMs so früh wie möglich zu beliefern, weil jeder Tag der Qualität des Produkts zugute kommt."
Fachpresse sowie diverse Analysten deuten das anders. Microsoft drücke wie nie zuvor aufs Tempo, um die Auslieferung des Systems womöglich sogar vorzuziehen und Fakten zu schaffen. Für den Anwender könnte das sogar Vorteile haben, denn die neue "Windows"-Version ist um einiges schneller als die alte und bietet eine ganze Suite an Werkzeugen, die wie geschaffen scheint für die Nutzung von Internet und digitaler Musik. Zudem ist die Benutzerführung farbenfroher, sind Icons größer und das Start-Menü übersichtlicher.
Für die Computer-Industrie jedoch verknüpft sich mit "Windows XP" eine andere Geschichte: Hier fühlen sich viele an Steve Ballmers Bemerkung von 1998 erinnert, die vielfach im Internet wiedergegeben wird. "Es sollte uns erlaubt sein, auch ein Schinken-Sandwich in Windows zu integrieren."
gefunden in:
http://www.sueddeutsche.de/index.php?url=computer/neuetechnik/software/19630&datei=index.php
Ein lustiger Artikel. :hihi Da bin ich mal gespannt, ob Microsoft wirklich Windoof XP am 25. Oktober ins Rennen schickt oder ob ein Konkurrent doch noch gezielt und geschickt einen Knüppel aus dem Hut zaubert und diesen zwischen Billy-Boys Füßen platzieren kann. :lach
Sascha