KA111
22.08.2001, 12:32
Der clevere Chip denkt mit
Mikroprozessoren, die sich selbständig auf unterschiedliche Anwendungsgebiete einstellen, gehören zum Traum der Computerbauer. Bislang haben sich die Chips als äußerst vergesslich erwiesen, doch Hoffnung ist in Sicht.
REUTERS
Vergänglich: Arbeitsspeicher moderner Computer
Selbst löten können die Mikrochips der nächsten Generation zwar nicht, auf feste Schaltkreise sind sie allerdings nicht mehr angewiesen. Sollte die gegenwärtige Entwicklung anhalten, könnten in Rechnern demnächst Prozessoren arbeiten, die ihren internen Aufbau abhängig von den an sie gestellten Aufgaben ändern.
Denn die gegenwärtigen Chipgenerationen reichen zwar für den Hausgebrauch völlig aus, richtig effizient arbeiten sie dennoch nicht. Computerspiele stellen an das Herz des Computers andere Anforderungen als Textverarbeitungen. Und wer viel im Internet surft, beansprucht wieder andere Bereiche der Prozessorleistung. Die Chips dagegen können immer nur einen Kompromiss bieten, schließlich werden sie bereits in der Fabrik verdrahtet. Unumkehrbar.
Programmierbare Chips (so genannte Field Programmable Gate Arrays, kurz: FPGA) dagegen übertragen das Prinzip des Gesamtcomputers als flexible Maschine auf die Basis der Mikroprozessoren. Wie "Nature Science Update" berichtet, besteht ein FPGA in der Regel aus einer großen Anzahl logischer Bauteile, die den Transistoren eines herkömmlichen Chips ähneln. Allerdings können die einzelne Elemente auf dem Gitter mit Hilfe des Stroms neu ausgerichtet werden: Die Elektronen suchen neue Wege, die Eigenschaften des Prozessors ändern sich.
Unflexibel: Mikroprozessor der aktuellen Generation
Die derzeit entwickelten FPGA haben allerdings einen entscheidenden Nachteil. Ähnlich wie der Arbeitsspeicher eines Computers vergessen auch die modernen Prozessoren beim Ausschalten des Rechners ihre Konfiguration. Wird der Computer in Betrieb genommen, stehen die Dioden und Transistoren wieder bei Null.
Doch das muss womöglich nicht so sein. Wie ein Forscherteam um Berend Jonker vom Naval Research Laboratory in Washington in der Fachzeitschrift "Applied Physics Letters" schreibt, könnte ein spezieller Magnetowiderstandseffekt dem Gedächtnis der FPGA auf die Sprünge helfen.
So genannte GMR-Elemente (kurz für: Giant Magnetoresistive) setzen sich aus mindestens zwei dünnen Filmen magnetischer Materialien zusammen. Wird ein magnetisches Feld angelegt, richten sich die GMRs entsprechend aus. Der Widerstand, der sich dem elektrischen Strom entgegenstellt, ändert sich schlagartig. Mehr noch: Auch wenn das Magnetfeld ausgeschaltet wird, behalten die Bauteile ihren Widerstand bei.
Nach Angaben von "Nature Science Update" ist es Jonker und Kollegen gelungen, mit Hilfe mehrerer, extrem dünner Schichten aus Kobalt und Kupfer logische Elemente mit eigenem Gedächtnis herzustellen. Die Kombination dieser Bauteile könnte, das haben die Wissenschaftler im Rahmen ihrer Studie gezeigt, zu dem führen, was Computerbauer seit langem suchen: standhafte FPGA-Bauteile.
www.spiegel.de
Mikroprozessoren, die sich selbständig auf unterschiedliche Anwendungsgebiete einstellen, gehören zum Traum der Computerbauer. Bislang haben sich die Chips als äußerst vergesslich erwiesen, doch Hoffnung ist in Sicht.
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Vergänglich: Arbeitsspeicher moderner Computer
Selbst löten können die Mikrochips der nächsten Generation zwar nicht, auf feste Schaltkreise sind sie allerdings nicht mehr angewiesen. Sollte die gegenwärtige Entwicklung anhalten, könnten in Rechnern demnächst Prozessoren arbeiten, die ihren internen Aufbau abhängig von den an sie gestellten Aufgaben ändern.
Denn die gegenwärtigen Chipgenerationen reichen zwar für den Hausgebrauch völlig aus, richtig effizient arbeiten sie dennoch nicht. Computerspiele stellen an das Herz des Computers andere Anforderungen als Textverarbeitungen. Und wer viel im Internet surft, beansprucht wieder andere Bereiche der Prozessorleistung. Die Chips dagegen können immer nur einen Kompromiss bieten, schließlich werden sie bereits in der Fabrik verdrahtet. Unumkehrbar.
Programmierbare Chips (so genannte Field Programmable Gate Arrays, kurz: FPGA) dagegen übertragen das Prinzip des Gesamtcomputers als flexible Maschine auf die Basis der Mikroprozessoren. Wie "Nature Science Update" berichtet, besteht ein FPGA in der Regel aus einer großen Anzahl logischer Bauteile, die den Transistoren eines herkömmlichen Chips ähneln. Allerdings können die einzelne Elemente auf dem Gitter mit Hilfe des Stroms neu ausgerichtet werden: Die Elektronen suchen neue Wege, die Eigenschaften des Prozessors ändern sich.
Unflexibel: Mikroprozessor der aktuellen Generation
Die derzeit entwickelten FPGA haben allerdings einen entscheidenden Nachteil. Ähnlich wie der Arbeitsspeicher eines Computers vergessen auch die modernen Prozessoren beim Ausschalten des Rechners ihre Konfiguration. Wird der Computer in Betrieb genommen, stehen die Dioden und Transistoren wieder bei Null.
Doch das muss womöglich nicht so sein. Wie ein Forscherteam um Berend Jonker vom Naval Research Laboratory in Washington in der Fachzeitschrift "Applied Physics Letters" schreibt, könnte ein spezieller Magnetowiderstandseffekt dem Gedächtnis der FPGA auf die Sprünge helfen.
So genannte GMR-Elemente (kurz für: Giant Magnetoresistive) setzen sich aus mindestens zwei dünnen Filmen magnetischer Materialien zusammen. Wird ein magnetisches Feld angelegt, richten sich die GMRs entsprechend aus. Der Widerstand, der sich dem elektrischen Strom entgegenstellt, ändert sich schlagartig. Mehr noch: Auch wenn das Magnetfeld ausgeschaltet wird, behalten die Bauteile ihren Widerstand bei.
Nach Angaben von "Nature Science Update" ist es Jonker und Kollegen gelungen, mit Hilfe mehrerer, extrem dünner Schichten aus Kobalt und Kupfer logische Elemente mit eigenem Gedächtnis herzustellen. Die Kombination dieser Bauteile könnte, das haben die Wissenschaftler im Rahmen ihrer Studie gezeigt, zu dem führen, was Computerbauer seit langem suchen: standhafte FPGA-Bauteile.
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