Eliska
01.09.2001, 09:41
Die Computer-Prozessoren werden immer schneller. Doch wer will sie haben? Antonie Bauer
Der Leistungsfähigkeit von Computerchips scheinen keine Grenzen gesetzt:
Die Mikroprozessoren, die Rechner antreiben, werden immer schneller und dabei auch noch ständig billiger.
Erst in dieser Woche hat Branchenführer Intel sein neuestes Produkt vorgestellt – einen Chip mit einer Taktung von zwei Gigahertz, mehr als vierhundert Mal so schnell wie der erste IBM-PC.
Billigstes Modell für 1.499 Dollar
Compaq und Dell bieten schon die ersten Computer mit dem neuen Wunderchip an, das billigste Modell ist für 1.499 Dollar zu haben. Der erste IBM-PC kostete mehr als doppelt so viel. Doch sollten die Hersteller besser nicht darauf hoffen, dass jetzt der große Run auf die schnellen PCs einsetzt. Denn die Zeiten, als die Geschwindigkeits-Rekordjagd noch große Vorteile für die Verbraucher brachte, sind vorbei.
Wessen Computer heutzutage an die Grenzen seiner Leistungsfähigkeit stößt, der hat höchstwahrscheinlich ein relativ altes Modell.
Schon die letzten PC-Generationen werden spielend mit den gebräuchlichen Anwendungen fertig: Die große Masse der Computernutzer – ob privat oder geschäftlich – will schließlich nicht viel mehr als Texte verarbeiten, E-Mails verschicken, im Internet surfen und ab und an ein Tabellenkalkulationsprogramm laufen lassen. Dafür reichen ein paar hundert Megahertz im Allgemeinen locker.
Intel als Hauptprofiteur
Die Engpässe liegen woanders, vor allem in den Telefonleitungen, die Daten nur gemächlich transportieren. Hauptprofiteur des neuen Chips dürfte daher Intel selbst sein.
Wenige Leute werden ihre alten Rechner ausrangieren, nur um zwei-Gigahertz-Prozessoren zu bekommen. Aber wer einen neuen PC kauft, möchte vermutlich das scheinbar schnellste Modell haben.
Das verschafft Intel Vorteile gegenüber dem Konkurrenten AMD, der mit diesen Taktfrequenzen nicht mithalten kann. Der Computerindustrie dagegen dürfte es kaum den Weg aus der Absatzmisere bereiten.
Die Branche hat freilich noch eine andere Hoffnung: I
m Oktober bringt Microsoft sein neues Betriebssystem Windows XP auf den Markt. Zumindest die Kombination dieser beiden Innovationen, hoffen Hersteller, könnte die Nachfrage wieder ankurbeln und zumindest ein besseres Weihnachtsgeschäft bescheren.
Doch auch hier ist Skepsis angebracht. So bahnbrechend sind die Software-Verbesserungen nicht, dass sie die Konsumenten in Scharen zum Kauf treiben dürfen.
Verbraucher wollen gar nicht mehr
Die Zeichen mehren sich, dass Verbraucher und Firmen mit ihren Geräten zufrieden sind und sich nicht nach Verbesserungen sehnen. Deshalb erwartet sich die Branche auch in diesem Jahr relativ wenig vom Schulanfang – normalerweise ist er für viele amerikanische Familien ein willkommener Anlass für die Anschaffung eines neuen PCs. Vielleicht ist der PC mittlerweile so ausgereift, dass nur noch Details verbessert werden können.
Vielleicht ist aber auch die Branche zu einfallslos. Zwar kämpft sie mit deftigen Preisnachlässen um die Gunst der Käufer, doch spart sie dafür an Forschung und Entwicklung. Es ist kein Zufall, dass die Hoffnungen der Hersteller mit Windows XP und dem zwei-Gigahertz-Chip auf Neuerungen beruhen, die ihre Lieferanten austüftelten.
Sparen an der Forschung
Die PC-Firmen selbst sind dagegen nicht besonders innovativ.
Dell etwa gab im vergangenen Geschäftsjahr gerade mal 480 Millionen Dollar für Forschung und Entwicklung aus, 1,5 Prozent des Umsatzes.
Dafür investierten Partner wie Intel und Microsoft ja um so mehr in Innovationen, erklärt ein Sprecher.
Die Computerhersteller haben den Umsatzanteil für Forschung in zehn Jahren mehr als halbiert – er beträgt Deloitte Consulting zufolge nur noch 4,7 Prozent.
Das stürmische Wachstum dürfte so oder so vorbei sein. Doch selbst auf künftig moderate Zuwächse sollte sie sich nicht verlassen. Die Flaute könnte mehr als nur eine Konjunkturschwäche sein – der Anfang einer neuen Zeit, in der Firmen und Private ihre Computer immer seltener erneuern.
Für die Produzenten wäre es fatal, wenn ihre Kunden die PCs ähnlich wie Fernsehgeräte über ihre gesamte technische Lebensdauer nutzten. Wollen sie das verhindern, müssen sie aber bessere Anreize finden. Preissenkungen und immer schnellere Prozessoren werden auf Dauer nicht reichen.
Antonie Bauer
(sueddeutsche.de/rtr)
Der Leistungsfähigkeit von Computerchips scheinen keine Grenzen gesetzt:
Die Mikroprozessoren, die Rechner antreiben, werden immer schneller und dabei auch noch ständig billiger.
Erst in dieser Woche hat Branchenführer Intel sein neuestes Produkt vorgestellt – einen Chip mit einer Taktung von zwei Gigahertz, mehr als vierhundert Mal so schnell wie der erste IBM-PC.
Billigstes Modell für 1.499 Dollar
Compaq und Dell bieten schon die ersten Computer mit dem neuen Wunderchip an, das billigste Modell ist für 1.499 Dollar zu haben. Der erste IBM-PC kostete mehr als doppelt so viel. Doch sollten die Hersteller besser nicht darauf hoffen, dass jetzt der große Run auf die schnellen PCs einsetzt. Denn die Zeiten, als die Geschwindigkeits-Rekordjagd noch große Vorteile für die Verbraucher brachte, sind vorbei.
Wessen Computer heutzutage an die Grenzen seiner Leistungsfähigkeit stößt, der hat höchstwahrscheinlich ein relativ altes Modell.
Schon die letzten PC-Generationen werden spielend mit den gebräuchlichen Anwendungen fertig: Die große Masse der Computernutzer – ob privat oder geschäftlich – will schließlich nicht viel mehr als Texte verarbeiten, E-Mails verschicken, im Internet surfen und ab und an ein Tabellenkalkulationsprogramm laufen lassen. Dafür reichen ein paar hundert Megahertz im Allgemeinen locker.
Intel als Hauptprofiteur
Die Engpässe liegen woanders, vor allem in den Telefonleitungen, die Daten nur gemächlich transportieren. Hauptprofiteur des neuen Chips dürfte daher Intel selbst sein.
Wenige Leute werden ihre alten Rechner ausrangieren, nur um zwei-Gigahertz-Prozessoren zu bekommen. Aber wer einen neuen PC kauft, möchte vermutlich das scheinbar schnellste Modell haben.
Das verschafft Intel Vorteile gegenüber dem Konkurrenten AMD, der mit diesen Taktfrequenzen nicht mithalten kann. Der Computerindustrie dagegen dürfte es kaum den Weg aus der Absatzmisere bereiten.
Die Branche hat freilich noch eine andere Hoffnung: I
m Oktober bringt Microsoft sein neues Betriebssystem Windows XP auf den Markt. Zumindest die Kombination dieser beiden Innovationen, hoffen Hersteller, könnte die Nachfrage wieder ankurbeln und zumindest ein besseres Weihnachtsgeschäft bescheren.
Doch auch hier ist Skepsis angebracht. So bahnbrechend sind die Software-Verbesserungen nicht, dass sie die Konsumenten in Scharen zum Kauf treiben dürfen.
Verbraucher wollen gar nicht mehr
Die Zeichen mehren sich, dass Verbraucher und Firmen mit ihren Geräten zufrieden sind und sich nicht nach Verbesserungen sehnen. Deshalb erwartet sich die Branche auch in diesem Jahr relativ wenig vom Schulanfang – normalerweise ist er für viele amerikanische Familien ein willkommener Anlass für die Anschaffung eines neuen PCs. Vielleicht ist der PC mittlerweile so ausgereift, dass nur noch Details verbessert werden können.
Vielleicht ist aber auch die Branche zu einfallslos. Zwar kämpft sie mit deftigen Preisnachlässen um die Gunst der Käufer, doch spart sie dafür an Forschung und Entwicklung. Es ist kein Zufall, dass die Hoffnungen der Hersteller mit Windows XP und dem zwei-Gigahertz-Chip auf Neuerungen beruhen, die ihre Lieferanten austüftelten.
Sparen an der Forschung
Die PC-Firmen selbst sind dagegen nicht besonders innovativ.
Dell etwa gab im vergangenen Geschäftsjahr gerade mal 480 Millionen Dollar für Forschung und Entwicklung aus, 1,5 Prozent des Umsatzes.
Dafür investierten Partner wie Intel und Microsoft ja um so mehr in Innovationen, erklärt ein Sprecher.
Die Computerhersteller haben den Umsatzanteil für Forschung in zehn Jahren mehr als halbiert – er beträgt Deloitte Consulting zufolge nur noch 4,7 Prozent.
Das stürmische Wachstum dürfte so oder so vorbei sein. Doch selbst auf künftig moderate Zuwächse sollte sie sich nicht verlassen. Die Flaute könnte mehr als nur eine Konjunkturschwäche sein – der Anfang einer neuen Zeit, in der Firmen und Private ihre Computer immer seltener erneuern.
Für die Produzenten wäre es fatal, wenn ihre Kunden die PCs ähnlich wie Fernsehgeräte über ihre gesamte technische Lebensdauer nutzten. Wollen sie das verhindern, müssen sie aber bessere Anreize finden. Preissenkungen und immer schnellere Prozessoren werden auf Dauer nicht reichen.
Antonie Bauer
(sueddeutsche.de/rtr)