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Vollständige Version anzeigen : Kirch! Erst Fußball, jetzt Formel 1


Gert
05.09.2001, 22:31
Er ist der mächtigste Mann in Deutschlands Medienlandschaft: Leo Kirch. Nachdem er den Fußball schon in seiner Gewalt hat, hat er es nun auf die Formel-1 abgesehen. Seine Rechnung: 50 Prozent Junior TV für 17,5 Prozent SLEC.

Medienzar Leo Kirch ist auf Einkaufstour. Einem Magazinbericht zufolge steht Kirch vor der Übernahme der restlichen EM.TV-Anteile an der Formel-1-Holding SLEC. Kirch hält seit dem 1. September die Option, ein an EM.TV gegebenes Darlehen in Aktien der Formel-1-Holding umzutauschen. Derzeit halten EM.TV und die Kirch-Gruppe jeweils 37,5 Prozent an der SLEC. Übt Kirch die Option aus, würde sein Anteil auf 57,5 Prozent steigen. Die Beteiligung der EM.TV würde demzufolge auf 17,5 Prozent sinken.

Genau diese 17,5 Prozent will der Medienmogul auch noch übernehmen. Dafür ist er bereit, seinen 50-prozentigen Anteil an der gemeinsamen Rechtebibliothek Junior TV zurückzugeben. Insgesamt würde die Kirch-Gruppe dann 75 Prozent an der SLEC halten. Bevor es allerdings so weit ist, muss der Medienmacher noch eine hohe Hürden überwinden.

Bernie Ecclestone, Organisator der Formel-1, dürfte das beabsichtigte Engagement Kirchs mit großem Argwohn betrachten. Schließlich würde bei einer Übernahme der SLEC durch den deutschen Medienkonzern eine längst in Vergessenheit geratene Diskussion wieder aufflammen.

Als Kirch im vergangenen Jahr in die SLEC einstieg, lieferte er sich mit Ecclestone harte Wortgefechte. Der Brite befürchtete, dass Kirch als Betreiber des Bezahl-Fernsehens „Premiere world“ Einfluss auf die Vergabe von TV-Senderechten nehmen werde. Die Automobilhersteller, die im Formel-1-Zirkus aktiv sind, drohten daraufhin sogar mit einer eigenen Rennsportserie. Deshalb ist davon auszugehen, dass Ecclestone einer Übernahme der SLEC durch Kirch nicht zustimmen wird. Sein Einverständnis ist für die Kirch-Gruppe allerdings notwendig, da der Brite die übrigen 25 Prozent an der Formel-1-Holding hält.

Damit könnte auch der zweite Versuch in den Verhandlungen mit EM.TV scheitern. Ursprünglich wollte die Kirch-Gruppe ihren Junior-TV-Anteil gegen eine Beteiligung an EM.TV eintauschen. So wollte sich Kirch 16,74 Prozent der Aktien und 25,1 Prozent der Stimmrechte – und damit die Sperrminorität auf Hauptversammlungen – sichern. Noch bevor das Bundeskartellamt eine Entscheidung treffen konnte, zog das Medienunternehmen den Antrag zurück.

Die Absichten zeigen deutlich, dass Leo Kirch Stück für Stück seinen – ohnehin schon großen – Einfluss in der deutschen Medienlandschaft weiter ausbauen will. Erst gestern hatte die KirchMedia bekannt gegeben, dass sie den 25,5-prozentigen Anteil des Axel Springer Verlages an Sport1 übernimmt. Die neue Beteiligungsstruktur des größten deutschen Sportanbieters im Internet erläutert Kirchs Strategie. Neben der KirchMedia sind die TV-Sender DSF und Sat.1 zu jeweils 25,5 Prozent an Sport1 beteiligt. Mit der Übernahme des Springer-Anteils hält die Kirch-Gruppe somit insgesamt 76,5 Prozent, da die TV-Kanäle zum Imperium des Medienmoguls gehören.

Autor: Robert Sopella (© wallstreet:online AG) 15:21 05.09.2001