Vollständige Version anzeigen : Medikamente, wir werden richtig abgezockt!
ftd.de, Mi, 5.9.2001, 17:22
Kosten für Medikamente übersteigen erstmals Arztkosten
Die gesetzlichen Krankenversicherungen haben im ersten Halbjahr ein Defizit von rund 4,9 Mrd. DM eingefahren und müssen deshalb voraussichtlich die Beiträge erhöhen.
Financial Times Deutschland
Gert:gomad
Bin ja schon viel in Europa rumgereist, nehmen wir mal Aspirin.
Deutschland ca 10 DM, Türkei 1 DM, Griechenland 1DM, Frankreich 2DM, Croatien 1 DM;
Wieso werden wir so abgezockt?
Es fehlt nur der Wettbewerb!
nein, der wettbewerb ist schon vorhanden. ich kaufe meine
medikamente seit einiger zeit im internet bei doc morris in
holland. klappt ausgezeichnet und kostet oft weniger als
die haelfte.
ein bericht dazu haben glaube ich hier schon mal reingepackt,
allerdings habe ich apotheken als beispiel fuer ein gleichnis
benutzt. hier ein ausschnitt:
ich habe gerade ueber "DocMorris" gelesen [1]. eine hollaendische apotheke,
die ihren dienst im internet anbietet. natuerlich wehren sich alle deutschen
apotheken mit haenden und fuessen dagegen. apotheken sind sehr maechtig
und dennoch glaube ich, dass es ihnen irgendwann an den kragen gehen muss.
in unserer kleinen stadt hier haben wir alleine 5 apotheken, die alle seit jahren
existieren koennen. ich bin sogar der meinung, dass sie sehr gut existieren,
denn obwohl es 5 gibt, muss man zum notdienst oftmals in die naechste stadt
fahren. die preise sind vergleichen mit der hollaendischen aphotheke sehr hoch.
wer es nicht glaubt, schaut mal nach http://docmorris.com .
jetzt stellt sich die frage, wie lange sich apotheken noch gegen andere laender
und sehr viel guenstigere preise wehren koennen. bei doc morris steht z.b. nicht
irgendein internet-pillenladen dahinter, sondern kapitalgeber, die wirklich extrem
maechtig sind. hier sei nur einmal 3i genannt, die auch einigen aktionaeren
als einer von europas maechtigsten kapitalgebern bekannt sein duerften.
auch dr. neuhaus, der sich vorher mit modem´s, faxkarten etc. beschaeftigt
hat steckt dahinter. alleine "techno-nord", welche in hamburg von
dr. neuhaus geleitet wird, hat mehrere millionen euro in die internetapotheke
investiert. bei 3i wird es wohl genauso aussehen (habe noch keine zahlen hier).
kommen wir aber zurueck zu den deutschen apotheken mit ihren "wucherpreisen".
was passiert, wenn der druck auf die apotheken groesser wird? eine preisbindung
entfaellt und jeder anbieter sich dort seine medikamente kaufen kann, wo sie
am guenstigsten sind? es passíert das gleiche, wie mit den telco unternehmen.
eine grosse anzahl wird einfach pleite gehen. sie werden verschwinden. mir als
verbraucher ist das ziehmlich egal. ich kann in der naehe und innerhalb von
fünf minuten zu 5 verschiedenen apotheken gehen. wenn es nur noch eine
oder zwei hier in der kleinen stadt gibt, ist es mich auch egal. da bin ich ganz ehrlich.
was aber passiert mit den ausruestern dieser apotheken? werden deshalb weniger
medikamente verbraucht? ich glaube nicht. zumindest nicht sehr viel weniger.
da die medikamte gleichzeitig billiger werden, wird es vielleicht sogar mehr.
die apotheken zulieferer, also die pharmakonzerne werden nicht darunter leiden.
der leistungsdruck unter ihnen wird vielleicht etwas staerker, weil die preise sinken,
aber letztendlich werden weiterhin medikamente benoetigt. genausoviele wie
zuvor.
kommt aus dem thread:
http://www.stock-channel.net/stock-board/showthread.php3?s=&threadid=4106
Hi ulli,
ich denke, Doc Morris darf in Deutschland nichts mehr verkaufen?
Gert:eek:
Hallo Gerd, Du hast schon vollkommen recht, aber denk doch bitte mal an die vielen "armen" deutschen Arbeiter in den Pharmafirmen , die wollen doch auch was in die Lohntüte , sogar in die dreizehnte , auch dann wenn sie in Urlaub oder krank sind. Das ist halt teuer. Muß ja irgendwo herkommen. Das ist der Grund , sonst garnichts.
Perry, voll "antisozial" drauf
Ne Perry,
das sind Gehe und Konsorten, die einen Re-Import nicht zulassen.
gert:(
das stimmt nicht so richtig. es sind zwei hersteller, die sich dagegen
wehren. das ist alles. produkte dieser hersteller werde ich nicht
mehr kaufen und fertig. ich habe erste anfang der woche bei denen
etwas bestellt und es prompt erhalten. also wo ist das problem?
lasst euch nicht von so bloeden geruechten beeindrucken. ihr koennt
dort nach wie vor superguenstig medikamente bekommen. fuer mich
ist das besonders interessant, weil ich privat versichert bin und
meine 2000,- pro jahr selbstbeteiligung niemals erreiche (zum glueck).
aber selbst wenn man sowas wie kopfschmerztabletten, grippemittel,
hustensaft, heuschnupfenmedikamente oder auch nur kontaktlinsen-
pflegemeittel kauft, merkt man den unterschied. und bequemer als im
internet kaufen geht's nicht finde ich.
so, genug werbung (bin dort nicht beteiligt ;))
ulli
Dr. Markx
08.09.2001, 12:43
Hi Perry,
ich denke wiedermal, daß Du aufs falsche Pferd setzt. Das Problem sind nicht die Arbeiter in der Pharma, die müssen ja auch von irgendwas ihre Familien ernähren. Das Problem sind die, die die Gewinne abschöpfen.
Streich Arbeitern und Angestellten das "13. Monatsgehalt", die Arzneimittel werden keinen Pfennig billiger werden. Gewinnmaximierung, Marktwirtschaft (kapitalistische) eben. :)
Hallo Doc,
ich weiß, daß ich mit dieser Meinung recht heiklen Boden betrete, aber meiner Meinung nach sind die Preise für Medikamente bei uns wegen des hohen Lohnniveaus so teuer. Oder ist der Kapitalismus in anderen Ländern, wo die Preise niedriger sind, etwa weniger grass ? Ich glaube nicht, denn dort ist in der Regel das Einkommensgefälle zwischen Chef und Arbeiter (noch) viel ausgeprägter als bei uns.
Wäre doch zumindest ein Indiz für die Richtigkeit meiner These.
Und daß es bei den Medikamenten auch um Lohntüten geht wird momentan ganz gut sichtbar : Nachdem Lipobay meiner Meinung nach völlig zu Unrecht auseinandergenommen wurde , besinnt man sich nun anscheinend der Arbeitsplätze, die dadurch bei Bayer in Gefahr sind, und Gesundheitsministerin Ulla Schmidt veranstaltet deshalb gerade einen kleinen Rachefeldzug gegen das Lifestyle-Medikament Viagra und damit gegen die Firma Pfizer, die ebenfalls Lipobay-ähnliche Cholesterinsenker in ihrem Blockbuster-Pool hat.
Perry
ich glaube nicht, das die hohen medikamentenpreise an dem lohnnivous festgemacht
werden koennen. in anderen laendern ist das lohnnivous auch so hoch und die
medikamente kosten die haelfte. dafuer kann ich sogar nicht-verschreibungspflichtige
medikamente im supermarkt kaufen. auch hierrueber koennte man diskutieren.
wenn ich schon alkohol, zigaretten etc. im supermarkt kaufen kann, die
erwiesenermassen fuer alle konsumenten schaedlich sind (und diese sogar ohne
beratung und beipackzettel kaufen kann), warum sollte ich dann nicht auch
eine kopfschmerztablette dort bekommen (zusammen mit dem alkohol ;)).
das problem was wir haben ist das aphothekenmonopol in kombination mit der
preisbindung. beides zusammen ist einfach schaedlich fuer die verbraucher finde
ich. dennoch glaube ich daran, daß ein gesamteuropaeischer markt auch im
medikamentenbereich dies mit der zeit von selber bereinigt.
ich fuehre gerne noch mal main beispiel von oben an:
wenn gleichzeitig in unserer kleinen stadt 5 apotheken sehr gut leben koennen,
muss etwas falsch sein mit den preisen. in einem offenen markt koennten
fuenf apotheken hier niemals existieren. und wenn ich dann sogar zum notdienst
in eine andere stadt fahren muss, weil alle 5 keine lust haben oder es nicht
noetig haben, dann werde ich richtig aergerlich. aus diesem grund habe ich mir
vorgenommen wenn es geht die medikamente bei docnorris in holland zu kaufen.
ulli
Hallo Ulli,
daß die hohen Löhne bei uns schon etwas mit dem allgemeinen und speziellen Preisniveau zu tun haben glaube ich halt schon ein bißchen.
Aber mit dem Rest hast Du auf jeden Fall vollkommen Recht : Dieses gesamte Medizinsystem in Deutschland ist absolut antiquiert und müßte eigentlich von Grund auf radikal reformiert werden. Das ist zum Teil wirklich Mittelalter pur.
Perry
hallo perry,
hier mal ein beispiel um die diskussion anzuregen:
musste vor ein paar wochen mal wieder nach england. habe dort
ein deutlich niedrigeres lohnnivous angetroffen. hinzu kommt noch,
dass unternehmer dort wesentlich winiger personalabgaben und
auch steuern zahlen. dennoch hier ein paar preisbeispiele:
flasche bier im supermarkt ca. 3 dm
schachtel zigaretten 12 dm
liter o-saft (der billigste) 3,20
ein normales jogurt 2,10
usw. usw.
fuer mich bedeutet das: die preise hier in deutschland sind verglichen
mit england extrem guenstig. das lohnnivous ist hier aber viel hoeher.
beides kombiniert laesst mich nachdenklich werden. warum verdienen
menschen in england weniger geld und muessen fuer fast alles was sie
einkaufen wesentlich mehr bezahlen als wir? geht es uns so gut?
wo bleibt das geld bzw. die differenz?
ulli
Verbot von Internet-Apotheken soll fallen
Angesichts des Milliarden-Defizits der Kassen will Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) nach einem Bericht der Berliner Zeitung das Versandverbot für Arzneimittel abschaffen und damit den kostengünstigen Internethandel ermöglichen. "Es ist keine Frage des Ob, sondern des Wie", sagte Schmidts Staatssekretär Klaus Theo Schröder dem Blatt. Voraussetzung sei aber, dass die Arzneimittelsicherheit beim elektronischen Handel gewährleistet werde.
"Daher stellen wir uns vor, dass der Versandhandel ein herkömmliches Apothekengeschäft ergänzt", sagte Schröder. Somit werde gewährleistet, dass ausgebildete Apotheker zur Verfügung stünden, die am Telefon die Fragen der Patienten beantworten könnten. Reine Internet-Apotheken nach dem Vorbild des umstrittenen Online-Händler DocMorris lehnt das Ministerium als "Rosinenpickerei" ab. "Wir wollen den Internethandel als Ergänzung des in Deutschland bestehenden Vollsortimentsystems", sagt der Staatssekretär.
Das Versandhandelsverbot für Arzneimittel war 1998 eingeführt worden. Verfechter sind vor allem die Apotheker, die um ihr Monopol bei der Medikamentenversorgung bangen. Zuletzt hatte sich die Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände Mitte September auf ihrem Verbandstag strikt gegen eine Aufhebung des Verbotes ausgesprochen. Die Apotheker argumentieren mit dem Verbraucherschutz. Nur bei einer Beratung vor Ort könne der Patient richtig über die Medikamente informiert werden. Das bezweifelt Schröder jedoch. Er forderte die Apotheker auf, ihre Haltung zu überdenken. Die Krankenkassen sind dagegen sehr an dem Internethandel interessiert. Sie gehen davon aus, dass die Krankenkassen bis zu 1,5 Milliarden Mark einsparen könnten; die Beratungs- und Kontrollfunktion der Apotheker ließen sich nach Ansicht der Kassen online ebenso gut erfüllen wie im klassischen Arzneihandel. Die juristische Auseinandersetzung um die Internet-Apotheken in Deutschland hat das Landgericht Frankfurt vor kurzem dem Europäischen Gerichtshof zur Entscheidung vorgelegt. (jk/c't)
Guten morgen, gute News :)
Matze
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