Dr. Markx
15.09.2001, 19:32
Der Öldurst der USA gefährdet den Weltfrieden
Hintergründe der Golfkrise
Die Vereinigten Staaten von Amerika sind mit Abstand der weltgrösste Energieverbraucher. In wenigen Jahren werden die eigenen Erdölreserven des Landes aber erschöpft sein. Dann müssen die USA ihren gesamten Ölbedarf, selbst für die strategischen Reserven, im Ausland eindecken. In dieser stets verschwiegenen Tatsache und im Hegemonieanspruch der USA liegen die wahren Ursachen für die jüngste Golfkrise.
Von Heinz Moll
Immer unverhüllter und fordernder deklarieren die Vereinigten Staaten ihren Führungsanspruch. So triumphierte Präsident Clinton am 28. Januar in seiner Rede zur Lage der Nation vor beiden Häusern des US-Kongresses: «Unsere Führung in der Welt ist konkurrenzlos.» Clintons 72-Minuten-Ansprache wurde über einhundert Mal von Beifall oder gar stehenden Ovationen unterbrochen. Sowas kennt die Welt bisher nur aus der Kroll-Oper.
Zbigniew Brzezinski, von 1977-1981 «Sicherheitsberater» von Präsident Carter und seither wieder Professor für Aussenpolitik und Strategiefragen, galt schon zu Zeiten des Kalten Krieges als eifriger Trommler für die amerikanische World Leadership. Nun hat er ein neues Buch über sein altes Steckenpferd geschrieben (The Grand Chessboard). Kein anderer Staat verfüge in den vier Schlüsselbereichen Militär, Wirtschaft, Technologie und Kultur über eine vergleichbare Machtfülle wie die USA, schreibt Brzezinski. Folglich sei niemand anderer als die USA dazu legitimiert, die Richtung der Weltpolitik während der nächsten Generation vorzugeben.
Nach Brzezinski bedarf insbesondere die Landmasse Eurasiens, die sich vom Mittleren Osten bis Zentralasien erstreckt und 75 Prozent der Weltenergiereserven umfasst, der gesteigerten Fürsorge durch die USA. In Eurasien leben auch 75 Prozent der Weltbevölkerung. «Die einzige Alternative zur amerikanischen Führung ist die internationale Anarchie», warnt Brzezinski. Deshalb müssten in allen Staaten der eurasischen Landmasse «demokratische Brückenköpfe» errichtet werden. Das heutige Russland sollte zu diesem Zweck aufgeteilt werden, in eine Russische Föderation, eine Republik Sibirien und eine Fernöstliche Republik.
Brzezinski versteht unter demokratischen Brückenköpfen westlich ausgerichtete Regime, die eng mit der NATO kooperieren. Brzezinski verfügt über einschlägige Erfahrungen bei der Errichtung von Brückenköpfen. Am nachhaltigsten war sein Erfolg wohl in Afghanistan. Man darf ihn mit Fug als einen der Väter des Afghanistankrieges bezeichnen.
Zweifellos war es ein unverzeihlicher Fehler, dass die Sowjetunion Truppen entsandte, um das in Bedrängnis geratene Revolutionsregime von Kabul zu stützen. Der Konflikt hätte sich mit diplomatischen Mitteln aber noch in der Anfangsphase liquidieren lassen. Aber das war nicht das Ziel der USA, die den grossen Konflikt suchten. William Casey, unter Carter und Reagan Chef des Auslandsgeheimdienstes CIA, legte kurz vor seinem Tod ein Geständnis ab. Er gab zu, dass es die US-Politik war, den Sowjets jeden Rückzug aus Afghanistan zu verbauen. «Wir waren überzeugt, dass die Sowjetunion an diesem Krieg zerbrechen wird», sagte Casey. Und so wurden mit Milliarden Dollars, amerikanischen Ausbildnern und Waffen jene Söldnerarmeen auf die Beine gestellt, die Afghanistan bis in den heutigen Tag terrorisieren. Pakistan und Saudi-Arabien, diese famosen Regime, waren der USA engste Verbündete in diesem schmutzigen Geschäft. Brzezinski war der verantwortliche Stratege, der im Weissen Haus die Fäden zog. Für werbewirksame TV-Bilder war er sich freilich auch nicht zu schade, um auf dem Kyber-Pass mit einem Maschinengewehr in Position zu begeben, im Schlips und weissen Kragen.
Brzezinskis neustes Buch beschreibt ein Programm: Es zielt auf nichts weniger als auf die Unterwerfung weiter Teile der Erde unter US-amerikanische Kapitalinteressen. Dass dieses Programm offen deklariert wird, spricht für das gewachsene Selbstvertrauen - man könnte auch sagen: Frechheit - der schmalen amerikanischen Machtelite.
Es ist nicht verwunderlich, dass den Energiequellen, insbesondere dem Erdöl, in diesen Weltherrschaftsplänen ein vorrangiger Stellenwert zukommt. Schliesslich weiss man nicht erst seit heute, dass Energiereserven endlich sind. Die Weltvorräte an Erdöl insgesamt werden bei gleichem Verbrauch noch etwa 42 Jahre anhalten - aber die USA werden auf ihrem Territorium nur noch 7-8 Jahre fördern können. Die Vorräte im Nahen Osten reichen demgegenüber noch für 97 Jahre, jene in Lateinamerika für 44 Jahre und jene der GUS für 22 Jahre.
Bereits unter der Präsidentschaft von Richard Nixon wurden nach der Erfahrung mit dem arabischen Ölboykott, erstmals Pläne für eine militärische Besetzung der Ölfelder des Nahen Ostens entworfen. 1980 verkündete Präsident Carter eine entsprechende Doktrin; gleichzeitig wurde die schnelle Eingreifetruppe (später CENTCOM) gebildet.
Es ist nachgerade notorisch, dass die offiziell deklarierten hehren Prinzipien der US-Aussenpolitik blosses Propagandawerk zur Täuschung der Weltöffentlichkeit sind. Die schmale Schicht der amerikanischen Machtelite, die die Aussenpolitik bestimmt, ist nicht an Demokratie und sozialer Gerechtigkeit interessiert, sondern an billigen Rohstoffen und freiem Zutritt zu allen Märkten. Dafür ist sie auch bereit, militärische Machtmittel einzusetzen. Der erbarmungslose Krieg gegen den Irak 1991 wurde nicht zur Befreiung Kuwaits geführt, sondern um die Sicherung der Ölversorgung. Heute darf überdies als belegt gelten, dass die USA den Irak zum Überfall auf Kuwait ermuntert haben, um einen Vorwand für einen Militärschlag zu schaffen.
Die anglo-amerikanischen Truppen unter dem Oberbefehl von US-General Schwarzkopf haben sich während des Irak-Feldzuges schwerer Verbrechen gegen die irakische Zivilbevölkerung und gegen irakische Soldaten schuldig gemacht; sie blieben alle ungeahndet. Für die amerikanische Seite wurde der Krieg mit 6 Milliarden Dollar Benefiz sogar zu einem Geschäft.
Was die aktuelle Krise um die UN-Waffeninspektionen betrifft, so muss festgestellt werden, dass es hierzu keine Informationen von unabhängiger Stelle gibt. Die gesamte Information wird von US-Regierungsstellen monopolisiert. Die Weltöffentlichkeit musste bereits im Falle des Krieges von 1991 die Erfahrung machen, dass die USA die Information gezielt als Mittel des Krieges einsetzen und eine unabhängige und objektive Berichterstattung systematisch hintertreiben.
Wie die erfolgreiche Vermittlungsmission von UNO-Generalsekretär Kofi Annan gezeigt hat - sie kam gegen den starken Widerstand der USA zustande -, war der diplomatische Spielraum zur Beilegung der Krise noch nicht ausgeschöpft. Der Eindruck drängt sich auf, die US-Rüstungslobby sei an einem Militärschlag gegen ein weitgehend wehrloses Land interessiert, um ihre neu- und weiterentwickelten Waffensysteme gefahrlos testen zu können. Dass die amerikanische Politik hierzu Hand bietet, empfinden wir, bei aller Erfahrung, als zynische Ungeheuerlichkeit. Das unschuldige irakische Volk hat genug gelitten!
US-Präsident Clinton bekommt unsere kleine Zeitung vermutlich nicht zu Gesicht. Gerne würden wir ihm aus gegebenem Anlass einen bewährten Slogan aus seiner Jugendzeit zurufen: «Make love, not war!».
http://home.sunrise.ch/comtex/uw1981.htm
Hintergründe der Golfkrise
Die Vereinigten Staaten von Amerika sind mit Abstand der weltgrösste Energieverbraucher. In wenigen Jahren werden die eigenen Erdölreserven des Landes aber erschöpft sein. Dann müssen die USA ihren gesamten Ölbedarf, selbst für die strategischen Reserven, im Ausland eindecken. In dieser stets verschwiegenen Tatsache und im Hegemonieanspruch der USA liegen die wahren Ursachen für die jüngste Golfkrise.
Von Heinz Moll
Immer unverhüllter und fordernder deklarieren die Vereinigten Staaten ihren Führungsanspruch. So triumphierte Präsident Clinton am 28. Januar in seiner Rede zur Lage der Nation vor beiden Häusern des US-Kongresses: «Unsere Führung in der Welt ist konkurrenzlos.» Clintons 72-Minuten-Ansprache wurde über einhundert Mal von Beifall oder gar stehenden Ovationen unterbrochen. Sowas kennt die Welt bisher nur aus der Kroll-Oper.
Zbigniew Brzezinski, von 1977-1981 «Sicherheitsberater» von Präsident Carter und seither wieder Professor für Aussenpolitik und Strategiefragen, galt schon zu Zeiten des Kalten Krieges als eifriger Trommler für die amerikanische World Leadership. Nun hat er ein neues Buch über sein altes Steckenpferd geschrieben (The Grand Chessboard). Kein anderer Staat verfüge in den vier Schlüsselbereichen Militär, Wirtschaft, Technologie und Kultur über eine vergleichbare Machtfülle wie die USA, schreibt Brzezinski. Folglich sei niemand anderer als die USA dazu legitimiert, die Richtung der Weltpolitik während der nächsten Generation vorzugeben.
Nach Brzezinski bedarf insbesondere die Landmasse Eurasiens, die sich vom Mittleren Osten bis Zentralasien erstreckt und 75 Prozent der Weltenergiereserven umfasst, der gesteigerten Fürsorge durch die USA. In Eurasien leben auch 75 Prozent der Weltbevölkerung. «Die einzige Alternative zur amerikanischen Führung ist die internationale Anarchie», warnt Brzezinski. Deshalb müssten in allen Staaten der eurasischen Landmasse «demokratische Brückenköpfe» errichtet werden. Das heutige Russland sollte zu diesem Zweck aufgeteilt werden, in eine Russische Föderation, eine Republik Sibirien und eine Fernöstliche Republik.
Brzezinski versteht unter demokratischen Brückenköpfen westlich ausgerichtete Regime, die eng mit der NATO kooperieren. Brzezinski verfügt über einschlägige Erfahrungen bei der Errichtung von Brückenköpfen. Am nachhaltigsten war sein Erfolg wohl in Afghanistan. Man darf ihn mit Fug als einen der Väter des Afghanistankrieges bezeichnen.
Zweifellos war es ein unverzeihlicher Fehler, dass die Sowjetunion Truppen entsandte, um das in Bedrängnis geratene Revolutionsregime von Kabul zu stützen. Der Konflikt hätte sich mit diplomatischen Mitteln aber noch in der Anfangsphase liquidieren lassen. Aber das war nicht das Ziel der USA, die den grossen Konflikt suchten. William Casey, unter Carter und Reagan Chef des Auslandsgeheimdienstes CIA, legte kurz vor seinem Tod ein Geständnis ab. Er gab zu, dass es die US-Politik war, den Sowjets jeden Rückzug aus Afghanistan zu verbauen. «Wir waren überzeugt, dass die Sowjetunion an diesem Krieg zerbrechen wird», sagte Casey. Und so wurden mit Milliarden Dollars, amerikanischen Ausbildnern und Waffen jene Söldnerarmeen auf die Beine gestellt, die Afghanistan bis in den heutigen Tag terrorisieren. Pakistan und Saudi-Arabien, diese famosen Regime, waren der USA engste Verbündete in diesem schmutzigen Geschäft. Brzezinski war der verantwortliche Stratege, der im Weissen Haus die Fäden zog. Für werbewirksame TV-Bilder war er sich freilich auch nicht zu schade, um auf dem Kyber-Pass mit einem Maschinengewehr in Position zu begeben, im Schlips und weissen Kragen.
Brzezinskis neustes Buch beschreibt ein Programm: Es zielt auf nichts weniger als auf die Unterwerfung weiter Teile der Erde unter US-amerikanische Kapitalinteressen. Dass dieses Programm offen deklariert wird, spricht für das gewachsene Selbstvertrauen - man könnte auch sagen: Frechheit - der schmalen amerikanischen Machtelite.
Es ist nicht verwunderlich, dass den Energiequellen, insbesondere dem Erdöl, in diesen Weltherrschaftsplänen ein vorrangiger Stellenwert zukommt. Schliesslich weiss man nicht erst seit heute, dass Energiereserven endlich sind. Die Weltvorräte an Erdöl insgesamt werden bei gleichem Verbrauch noch etwa 42 Jahre anhalten - aber die USA werden auf ihrem Territorium nur noch 7-8 Jahre fördern können. Die Vorräte im Nahen Osten reichen demgegenüber noch für 97 Jahre, jene in Lateinamerika für 44 Jahre und jene der GUS für 22 Jahre.
Bereits unter der Präsidentschaft von Richard Nixon wurden nach der Erfahrung mit dem arabischen Ölboykott, erstmals Pläne für eine militärische Besetzung der Ölfelder des Nahen Ostens entworfen. 1980 verkündete Präsident Carter eine entsprechende Doktrin; gleichzeitig wurde die schnelle Eingreifetruppe (später CENTCOM) gebildet.
Es ist nachgerade notorisch, dass die offiziell deklarierten hehren Prinzipien der US-Aussenpolitik blosses Propagandawerk zur Täuschung der Weltöffentlichkeit sind. Die schmale Schicht der amerikanischen Machtelite, die die Aussenpolitik bestimmt, ist nicht an Demokratie und sozialer Gerechtigkeit interessiert, sondern an billigen Rohstoffen und freiem Zutritt zu allen Märkten. Dafür ist sie auch bereit, militärische Machtmittel einzusetzen. Der erbarmungslose Krieg gegen den Irak 1991 wurde nicht zur Befreiung Kuwaits geführt, sondern um die Sicherung der Ölversorgung. Heute darf überdies als belegt gelten, dass die USA den Irak zum Überfall auf Kuwait ermuntert haben, um einen Vorwand für einen Militärschlag zu schaffen.
Die anglo-amerikanischen Truppen unter dem Oberbefehl von US-General Schwarzkopf haben sich während des Irak-Feldzuges schwerer Verbrechen gegen die irakische Zivilbevölkerung und gegen irakische Soldaten schuldig gemacht; sie blieben alle ungeahndet. Für die amerikanische Seite wurde der Krieg mit 6 Milliarden Dollar Benefiz sogar zu einem Geschäft.
Was die aktuelle Krise um die UN-Waffeninspektionen betrifft, so muss festgestellt werden, dass es hierzu keine Informationen von unabhängiger Stelle gibt. Die gesamte Information wird von US-Regierungsstellen monopolisiert. Die Weltöffentlichkeit musste bereits im Falle des Krieges von 1991 die Erfahrung machen, dass die USA die Information gezielt als Mittel des Krieges einsetzen und eine unabhängige und objektive Berichterstattung systematisch hintertreiben.
Wie die erfolgreiche Vermittlungsmission von UNO-Generalsekretär Kofi Annan gezeigt hat - sie kam gegen den starken Widerstand der USA zustande -, war der diplomatische Spielraum zur Beilegung der Krise noch nicht ausgeschöpft. Der Eindruck drängt sich auf, die US-Rüstungslobby sei an einem Militärschlag gegen ein weitgehend wehrloses Land interessiert, um ihre neu- und weiterentwickelten Waffensysteme gefahrlos testen zu können. Dass die amerikanische Politik hierzu Hand bietet, empfinden wir, bei aller Erfahrung, als zynische Ungeheuerlichkeit. Das unschuldige irakische Volk hat genug gelitten!
US-Präsident Clinton bekommt unsere kleine Zeitung vermutlich nicht zu Gesicht. Gerne würden wir ihm aus gegebenem Anlass einen bewährten Slogan aus seiner Jugendzeit zurufen: «Make love, not war!».
http://home.sunrise.ch/comtex/uw1981.htm