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Vollständige Version anzeigen : Afganistan (Thread für den Angriff)


Gert
22.09.2001, 13:41
ftd.de, Sa, 22.9.2001, 12:42
Verwirrung über Flugzeugabschuss in Afghanistan

Widersprüchliche Berichte der in Afghanistan regierenden radikal-islamischen Taliban-Regierung über einen Flugzeug-Abschuss im Norden des Landes haben am Samstag für Verwirrung gesorgt.


Der Botschafter der Taliban im pakistanischen Islamabad, Mullah Abdul Saleem Zaeef, sagte der Nachrichtenagentur Reuters, es handele sich um ein unbemanntes Flugzeug, dass offenbar Fotos gemacht habe. Nach Angaben des Informationsministeriums in Kabul wurde dagegen ein Hubschrauber der im Norden operierenden Rebellen-Organisation Nordallianz abgeschossen. Dies wurde von einem Sprecher der Nordallianz aber bestritten. Das US-Verteidigungsministerium erklärte, keine Kenntnis über die Vorgänge zu haben.

Zaeef sagte, die Menschen, die das Fluggerät gesehen hätten, seien keine Luftfahrtexperten. "Es gab keinen Passagiersitz und keinen Platz für einen Piloten." Das Flugzeug habe in der Nähe von Tashqarghan in der Provinz Samangan einige Runden gedreht und "hat wahrscheinlich Fotos gemacht", ehe es abgeschossen worden sei.



Nordallianz bestreitet

Von Kabul aus sagte ein Sprecher des Informationsministeriums: "Es ist ein Hubschrauber, wir schossen ihn ab." Nicht bekannt sei, wie viele Menschen an Bord gewesen seien. Ein Sprecher der Nordallianz sagte in der tadschikischen Hauptstadt Duschanbe, es seien keine eigenen Hubschrauber in den letzten drei Tagen in der Region gewesen.


In Washington sagte ein Sprecher des Verteidigungsministeriums, er habe keine Informationen über den Abschuss einer so genannten Drohne. Der afghanische Luftraum war vergangene Woche geschlossen worden und die Taliban hatten vor Verstößen gewarnt.



© 2001 Reuters Limited. Nutzerbeschränkungen

Gert
22.09.2001, 14:09
ftd.de, Sa, 22.9.2001, 13:41
USA bauen Militärstreitmacht am Golf aus

Zur Vorbereitung eines Vergeltungsschlags nach den Anschlägen in New York und Washington haben die USA ihre Militärstreitmacht in der Region um Afghanistan ausgebaut. Auch britische Kriegsschiffe sind auf dem Weg in die Golf-Region.


Im US-Verteidigungsministeriums hieß es in der Nacht zum Samstag, es würden bald rund ein Dutzend Militärmaschinen, darunter Tankflugzeuge, auf Landstützpunkte und Flugzeugträger in der Golf-Region und im Indischen Ozean verlegt. Dort sind bereits 350 US-Kampfflugzeuge stationiert. Der US-Verbündete Saudi-Arabien widersetze sich dem amerikanischen Wunsch, einen Stützpunkt als Kommandozentrale bereitzustellen, hieß es weiter. Dadurch könnten sich die Planungen für einen Angriff um Wochen verzögern.

Ari Fleischer, der Sprecher von US-Präsident George W. Bush, sagte in Washington: "Der Präsident hat es überaus deutlich gemacht, dass diese Nation sich auf einen Krieg vorbereitet." Bush habe dies auch der radikal-islamischen Taliban-Regierung Afghanistans mitgeteilt. Mit Blick auf einen amerikanischen Militärschlag sagte Fleischer, Bush bereite das vor, was nun unausweichlich folgen müsse.



Weiteres Kriegsschiff in Japan ausgelaufen


http://www.ftd.de/FtdImage/usa_kl.gif

Aufmarsch im vorderen Orient


Aus dem US-Verteidigungsministerium verlautete weiter, es sei auch Anordnung zur Entsendung von schweren B-1 und B-52-Bombern sowie von Elite-Einheiten der Streitkräfte in die Region um Afghanistan erteilt worden. Doch gab es zunächst keine Hinweise darauf, dass die Entsendung bereits begonnen hat. Ein General der Luftwaffe sei bereits in der Region, um einen Militärschlag zu steuern. Nach Angaben aus den Kreisen ist ein dritter Flugzeugträger auf der Fahrt in Richtung Mittelmeer. Tankflugzeuge vom Typ KC-135 hätten eine Luftbrücke gebildet, um die aus den USA an den Golf und zum Indischen Ozean beorderten Bomber in der Luft auftanken zu können. Irland, das nicht der Nato angehört, bot den USA an, auf seinen Flughäfen US-Flugzeuge auftanken zu lassen.


Aus der Marinebasis Sasebo im Süden Japans lief am Samstag das über 40.000 Brutto-Register-Tonnen große US-Kriegsschiff "Essex" aus, wie die japanische Nachrichtenagentur Kyodo meldete. Das Schiff solle nach einem Zwischenstopp in Yokosuka bei Tokio in den Indischen Ozean entsandt werden. Bereits am Vortag war der US-Flugzeugträger "Kitty Hawk" aus dem Hafen von Yokosuka ausgelaufen. Auf dem Träger sind rund 70 Flugzeuge.



Taliban isoliert

Insgesamt zwölf britische Kriegsschiffe und ein U-Boot haben am Samstag auf dem Weg in die Golfregion den Suezkanal passiert. Für Mitte Oktober ist in der Region ein zweiwöchiges Manöver mit Oman angesetzt. Darüber hinaus hat Großbritannien den USA Unterstützung bei einer möglichen Vergeltungsaktion für die jüngsten Terrorangriffe zugesagt. Insgesamt werden am Golf 25 britische Schiffe sowie 24.000 Soldaten und hunderte Kampfflugzeuge erwartet. Es handelt sich um die umfangreichste Entsendung von Schiffen der königlichen Marine seit dem Falkland-Krieg 1982.


Wie aus dem US-Verteidigungsministerium verlautete, widersetzt sich die Regierung in Riad dem Wunsch der USA, auf dem saudiarabischen Luftwaffenstützpunkt "Prinz Sultan" eine Kommando-Zentrale für einen Militärangriff einzurichten. Dadurch seien die US-Militärplaner gezwungen, die Zentrale in einem anderen Land einzurichten. Saudi-Arabien und Pakistan sind die einzigen Länder weltweit, die die Taliban-Regierung in Kabul anerkennen. Die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE), die die Regierung bislang auch anerkannt hatten, brachen die diplomatischen Beziehungen zur Taliban-Regierung ab. Die staatliche Nachrichtenagentur WAM meldete am Samstag, das Botschaftspersonal der Taliban habe 24 Stunden Zeit, das Land zu verlassen. Die VAE begründeten ihre Entscheidung mit der Weigerung der Taliban, Bin Laden auszuliefern.



Iran und Tadschikistan zur Kooperation bereit

Der Nato-Staat Türkei wird nach Angaben der Regierung in Ankara seinen Luftraum und Luftwaffenstützpunkte für die USA öffnen. Ministerpräsident Bülent Ecevit ließ in Ankara mitteilen, dass die Hilfen für die im Norden Afghanistans operierende oppositionelle Nordallianz verstärkt würden. Die Nordallianz bekämpft die Taliban-Regierung.


Die iranische Regierung will sich dem weltweiten Kampf gegen den Terrorismus unter bestimmten Bedingungen anschließen. Das Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" zitierte den Teheraner Außenminister Kamal Charrasi mit den Worten, eine "internationale Initiative" sei der einzig richtige Weg, um dem Terrorismus den Kampf anzusagen. Die Aktion solle nach Vorstellung Irans von den Vereinten Nationen und nicht der USA angeführt werden. Raketen seien keine Lösung, sagte Charrasi dem "Spiegel" zufolge. Außerdem sehe er Probleme in der Definition von Terrorismus: So halte Iran weiterhin Bombenanschläge etwa der Hamas oder des Islamischen Dschihad gegen Israel für eine legitime Form des Widerstands. "Diese Menschen verteidigen nur ihr eigenes Land", sagte Charrasi laut "Spiegel".



Der tadschikische Präsident Emomali Rachmonow hat am Samstag die Bereitschaft seines Landes zur Zusammenarbeit mit den USA und der internationalen Gemeinschaft im Kampf gegen den Terrorismus bekundet. Seine Regierung sei zuversichtlich, dass die für die Terroranschläge Verantwortlichen zur Strecke gebracht und einer gerechten Strafe zugeführt würden, erklärte Rachmonow auf einem Parteitag der Demokratischen Volkspartei in Duschanbe. Nähere Einzelheiten über eine mögliche Zusammenarbeit - etwa die Erlaubnis zur Nutzung des tadschikischen Luftraums im Fall eines US-Angriffs auf das Nachbarland Afghanistan - machte der Präsident nicht.


Russland hat Bedenken gegenüber einer US-Militärpräsenz in der ehemaligen Sowjetrepublik geäußert. In Tadschikistan sind 25.000 russische Soldaten stationiert.



© 2001 Financial Times Deutschland , © Illustration: FTD

Gert
23.09.2001, 08:39
http://www.n-tv.de/images/200109/2572601_karte_einsatz_620.jpg

Samstag, 22. September 2001
Verlegung unterschriftsreif
Nur Saudi-Arabien sperrt sich noch


US-Präsident George W. Bush hat am Samstag von seinem Landsitz Camp David aus die Planung des Militärschlags gegen internationale Terroristen weiter vorangetrieben. Im Pentagon sind unterdessen neue Truppenverlegungen vorbereitet worden.

In einer Telefonkonferenz mit seinem nationalen Sicherheitsrat, darunter Sicherheitsberaterin Condoleezza Rice und dem Stabschef im Weißen Haus, Andrew Card sei die weitere Strategie besprochen worden, sagte ein Sprecher des Weißen Hauses.

Vor allem in der Region um Afghanistan haben die USA ihre Militärstreitmacht ausgebaut. Im US-Verteidigungsministerium hieß es, es würde ein Verlegungsbefehl für rund ein Dutzend Militärmaschinen auf Basen und Flugzeugträger in der Golf-Region und im Indischen Ozean vorbereitet, wo bereits 350 US-Kampfflugzeuge stationiert sind. Es fehle nur noch die Unterschrift von Verteidigungsminister Donald Rumsfeld, berichteten US-Medien.

Saudi-Arabien sperrt sich

Die Vorbereitungen werden durch die Tatsache erschwert, dass Saudi-Arabien sich dem Wunsch der USA widersetzt, einen Stützpunkt als Kommandozentrale bereitzustellen. Dies könne zu wochenlangen Verzögerungen führen, hieß es im Ministerium.

Nach Angaben aus den Kreisen ist ein dritter Flugzeugträger auf der Fahrt in Richtung Mittelmeer. Tankflugzeuge vom Typ KC-135 hätten eine Luftbrücke gebildet, um die aus den USA an den Golf und zum Indischen Ozean beorderten Bomber in der Luft auftanken zu können. Irland und Indien, die nicht der NATO angehören, boten an, auf ihrem Gebiet US-Flugzeuge auftanken zu lassen.

Darüber hinaus hat Großbritannien den USA Unterstützung bei einer möglichen Vergeltungsaktion für die jüngsten Terrorangriffe zugesagt. Insgesamt werden am Golf 25 britische Schiffe sowie 24.000 Soldaten und hunderte Kampfflugzeuge erwartet. Es handelt sich um die umfangreichste Entsendung von Schiffen der königlichen Marine seit dem Falkland-Krieg 1982.

Unterdessen hat die Türkei Transportflugzeugen der US-Luftwaffe die Nutzung des Luftraums und der Flughäfen des Landes für einen möglichen Vergeltungsschlag für die Terroranschläge gestattet. Die Türkei sei auch bereit, den USA Geheimdienstinformationen über Afghanistan mitzuteilen.

Der erste Verlegungsbefehl war am Mittwoch bekannt geworden. Er umfasste Truppen und Dutzende Kampfflugzeuge. Das Pentagon verweigert allerdings alle Einzelheiten. Von der Luftwaffenbasis Barksdale im Bundesstaat Louisiana starteten in der Nacht zum Samstag die ersten B-52-Langstreckenbomber.

Gert
23.09.2001, 20:35
Sonntag, 23. September 2001
Briten schon im Land?
Berichte über erste Schüsse in Afghanistan


Ein vierköpfiges britisches Spezialkommando soll sich bereits seit mehreren Tagen in Afghanistan aufhalten. Die englischen Zeitungen "Sunday Times" und "Mail on Sunday" berichteten zudem von einem Schusswechsel zwischen der Sondereinheit SAS und Talibankämpfern am Freitagabend.

Dieser sei aber eher symbolischer Natur gewesen, hieß es. Unter Berufung auf nicht namentlich genannte militärische Quellen meldeten beide Blätter, bei der Schießerei habe es keine Verletzten gegeben. Das britische Verteidigungsministerium wollte die Berichte weder bestätigen noch dementieren. "Es hat viele Spekulationen gegeben, aber wir diskutieren solche Operationen niemals", sagte ein Sprecher.

Den Berichten zufolge drang die Spezialeinheit am vergangenen Sonntag von Tadschikistan aus nach Afghanistan ein. Das Team habe Verbindungen zur Nordallianz aufgenommen, die gegen die Talibanmiliz kämpft, und suche nach Informationen über das Versteck des Islamistenführers Osama bin Laden.

Die britische Truppe solle zudem mögliche Fluchtwege bin Ladens erkunden und Landminen ausfindig machen. Die Sondereinheit SAS war bereits im Golfkrieg vor elf Jahren verdeckt im Irak zum Einsatz gekommen.

Ralph
23.09.2001, 21:10
SAS steht für "Special Air Service" und markiert eine Spezialeinheit des britischen Militärs (ähnlich den amerikanischen SEALS oder der dt. GSG9) ...... nur damit wir wissen, womit wir eszu tun haben !

Ralph, Clancy-erprobt

PS: für mich sind solche Missionen das einzig Vernünftige !

PPS: Vielleicht sollte man mal die "Rainbow Six" aktivieren ...... John Clark, please report to your officer ! :hihi

ulli
24.09.2001, 11:18
quelle: N-TV.de

Sonntag, 23. September 2001
Rumsfeld-Interview
Vergeltung nicht nur gegen Afghanistan


Während die ganze Welt rätselt, welche Staaten Ziel des amerikanischen Vergeltungsschlages werden, hüllt sich die US-Administration weiter in Schweigen. Verteidigungsminister Donald Rumsfeld sagte am Sonntag im Fernsehen nur, die USA bringen ihre Streitkräfte an "verschiedenen Punkten der Welt" in Stellung, um nach Bedarf gegen Terroristen losschlagen zu können. "Dies ist kein afghanisches Problem allein", so Rumsfeld.

Ob es auch um Ziele im Irak geht, ist offenbar noch nicht entschieden. Präsident George W. Bush stehe vor einer "ganzen Reihe von Entscheidungen", sagte der Minister auf eine Frage. Er machte klar, dass die etwaige Weigerung von Staaten, den USA zu helfen, diese nicht beirren würde: "Der Auftrag entscheidet über die Koalition. Nicht die Koalition entscheidet über den Auftrag"

Rumsfeld sagte, er schenke jüngsten Angaben der Taliban in Afghanistan, dass ihnen der Aufenthaltsort des mutmaßlichen Chefterroristen Osama bin Laden unbekannt wäre, keinen Glauben. Sie besäßen ein Netzwerk im ganzen Land: "Sie wissen, wo er ist. "

Außenminister Colin Powell betonte, trotz massiver militärischer Vorbereitungen für einen Vergeltungsschlag in Afghanistan sei derzeit keine Operation in der Dimension des Golfkrieges vorgesehen. Powell sagte am Sonntag im Fernsehsender NBC: "Ich glaube, wir sollten zu diesem Zeitpunkt einen Krieg großen Ausmaßes noch nicht einmal in Betracht ziehen." Ziel sei es, die Terrororganisation El Kaida von bin Laden zu zerschlagen.

Golfstaaten schmieden Allianz

Nach den Terroranschlägen in den USA wollen die Golfstaaten eine gemeinsame Strategie zur Bekämpfung des Terrorismus entwickeln. Dafür wurde am Sonntag eine außerordentliche Sitzung der Außenminister des Golfkooperationsrates einberufen. Dem Rat gehören Bahrain, Saudi-Arabien, Kuwait, Oman, Katar und die Vereinigten Arabischen Emirate an.

Die arabische Zeitung „Al-Hayat“ berichtete, nach den Vereinigten Arabischen Emiraten werde vermutlich auch Saudi-Arabien seine diplomatischen Beziehungen mit dem Taliban-Regime in Afghanistan beenden. Dann wäre Pakistan das einzige Land der Welt, das noch Beziehungen zu den Taliban unterhält.

Eliska
24.09.2001, 15:59
Taliban besetzen UN-Büros in Kandahar

Die afghanische Taliban-Miliz hat die Büros der Vereinten Nationen in der Stadt Kandahar besetzt. US-Präsident George W. Bush hat Vermögenswerte Bin Ladens in den USA eingefroren.

Die in Afghanistan verbliebenen UN-Mitarbeiter wurden von jeder Kommunikation nach außen abgeschnitten, sagte eine UN-Sprecherin am Montag. "Jeder Kontakt mit dem Ausland bringt die Mitarbeiter in Lebensgefahr", sagte sie. Die Taliban hatten zuvor in einem Brief an UN-Generalsekretär Kofi Annan die Vereinten Nationen aufgefordert, in den Konflikt nach den Terroranschlägen in den USA einzugreifen. Pakistan hat als Vorsichtsmaßnahme seine Diplomaten aus der afghanischen Hauptstadt Kabul abgezogen.

Taliban-Anführer Mullah Mohammed Omar hat die USA gewarnt, dass ein Terrorangriff auf Afghanistan den Terrorismus nicht beenden werde. Den mutmaßlichen Drahtzieher der Anschläge Osama Bin Laden oder Omar selbst zu töten, werde die Probleme nicht lösen, hieß es in einer Erklärung.


Vermögenswerte Bin Ladens eingefroren

Bush hat nach Angaben eines Sprechers des Präsidialamtes die US-Vermögenswerte Bin Ladens und seiner Organisation El Kaeda eingefroren. Bush habe eine entsprechende Anordnung bereits unterschrieben. Nach Informationen aus US-Regierungskreisen hat Bush in der Anordnung auch alle Geschäfte mit Personen oder Gruppen verboten, die Beziehungen zu mutmaßlichen Terroristen haben.


Der Botschafter der Taliban in Pakistan teilte mit, seine Regierung mobilisiere inzwischen für einen Krieg. Zum Aufenthaltsort des mutmaßlichen Drahtziehers der Terroranschläge in den USA, Osama Bin Laden, sagte er: "Ich weiß nicht, wo er sich genau aufhält."


Die Taliban hätten 300.000 'Gotteskrieger' rekrutiert, sagte der Verteidigungsminister der Miliz der Nachrichtenagentur AFP. Experten bezweifeln diese Zahl. Nach westlichen Schätzungen verfügen die Taliban bislang über 45.000 Mann und könnten nicht wesentlich mehr Leute bewaffnen. Außerdem besteht der größte Teil der Taliban-Truppe aus Überläufern früherer feindlicher Milizen, die sich bei veränderten Machtverhältnissen gegen die Taliban stellen könnten.


Die USA setzen ihren Truppenaufmarsch in der Krisenregion am Golf fort. Das Pentagon berief zusätzliche Reservisten ein. Weitere Schiffs- und Flugzeugverbände sind auf dem Weg in die Region. Das US-Verteidigungsministerium wollte weder Ziele noch Truppenverlegungen bestätigen. Wann und wo ein erster Militärschlag erfolgen würde, war weiter ungewiss. US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld sagte am Sonntag im US-Fernsehen, die US-Streitkräfte würden an "verschiedenen Punkten der Welt" in Stellung gebracht. "Das ist kein afghanisches Problem allein." Präsident George W. Bush stehe vor einer "ganzen Reihe von Entscheidungen".


US-Militärdelegation in Islamabad

Eine US-Militärdelegation berät mit der pakistanischen Regierung in Islamabad über eine Zusammenarbeit bei einem Militärschlag gegen Afghanistan. Der Delegation, die am Wochenende in Islamabad angekommen war, gehören vermutlich vier Militärvertreter aus Washington an. Pakistan hatte den USA Unterstützung im Kampf gegen den Terrorismus zugesichert. Am Sonntag hatte die pakistanische Regierung mitgeteilt, die Verhandlungen mit den USA über eine Stationierung von US-Truppen seien noch im Gange. Der Sekretär von Präsident Pervez Musharraf sagte: "In der Zusammenarbeit mit den USA können wir mäßigend wirken und sicherstellen, dass es keine zivilen Opfer geben wird."


US-Außenminister Colin Powell widersprach der nationalen Sicherheitsberaterin Condoleezza Rice, die gesagt hatte, die Vertreibung der Taliban aus Afghanistan sei eines der Ziele der USA im Kampf gegen den internationalen Terrorismus. Rice räumte der Nordallianz, die im Norden des Landes gegen die Taliban kämpft, "eine bestimmte Rolle" im bevorstehenden Kampf ein. Die Nordallianz setzte am Sonntag nach Geländegewinnen vom Vortag ihre Offensive gegen die Taliban fort

© 2001 Financial Times Deutschland

Ralph
24.09.2001, 19:32
Die Amis sind dabei, mit ihrem Aufmarsch im Persischen Golf eine Finte allererster Güte zu legen ..... wer einen "Krieg" führen will, der MUSS den Gegner (die Taliban), die Öffentlichkeit (wir) und die Medien bewusst auf eine falsche Fährte setzen.

Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Amis einen grossartigen Einsatz in Afghanistan durchführen werden, auch wenn es die Streitmacht im P. Golf vermittelt .... wofür braucht der Ami Flugzeugträger um gegen Afghanistan zu starten ? ..... das ist die grösste Verarsche, die mir je untergekommen ist.

Und wenn der bin Laden wirklich noch in Afghanistan ist, dann gehört er für mich zu den dümmsten Bewohnern dieses Erdballs ..... da er dies aber nicht ist, braucht man auch nicht gegen Afghanistan marschieren (zumal sich diesem "Problem" evtl. auch die Russen annehmen werden).

Da bin Laden nicht mehr in A. ist, ist für mich das Ziel der Ziele, der IRAK, wo man sich vermeintlich in sicherheit währt.

Der "Feind" muss getäuscht werden, ..... das machen die Amis im Moment sehr gut !

Ralph, der den Afghanistan-Quatsch nicht glaubt.

PS: und ausserdem wird der nächte "Krieg" OHNE die Medien ablaufen .... da hat man aus dem Golfkrieg gelernt !

Ralph
25.09.2001, 08:05
Endlich hat man den Top-Terroristen b.. Laden gefunden ! :hihi

http://www.freeemagazin.com/dinamikus/kep/Palesztina_-_Mr_Been_Laden.jpeg

Ralph :lach

Gert
25.09.2001, 16:58
Dienstag, 25. September 2001
Afghanistan isoliert
Koalition um USA wächst


Bei ihren Planungen für einen möglichen Militärschlag gegen Afghanistan können die USA ab sofort alle ehemaligen Sowjetrepubliken in Zentralasien einbeziehen. Als letzter der fünf Staaten öffnete jetzt Kirgisien seinen Luftraum für US-Militärflugzeuge. Vorher hatten bereits Turkmenien, Tadschikistan, Usbekistan und Kasachstan ihre Bereitschaft zur Zusammenarbeit mit der internationalen Antiterror-Koalition erklärt.

Lediglich Russland will über seinem Territorium nur Flüge mit humanitärer Hilfe nach Afghanistan zulassen. Die Ukraine hatte der US-Luftwaffe bereits am Montag grünes Licht gegeben.

US-Militärs in Usbekistan

In Usbekistan haben unterdessen US-Spezialisten eine Reihe von Flugplätzen, die als Stützpunkte dienen könnten, unter die Lupe. Die Voraustrupps überprüften nach Berichten usbekischer Militärs zwei Militärflugplätze im Süden des Landes und den Flughafen der Hauptstadt Taschkent. US-Diplomaten in Taschkent dementierten jedoch, dass US-Militärmaschinen bereits in Usbekistan stationiert seien.

Im benachbarten Tadschikistan wurde den USA der größte Flughafen des Landes in der Hauptstadt Duschanbe "für den Fall der Fälle" angeboten.

Kampfflieger am Persischen Golf

An den Persischen Golf sind bereits in der vergangenen Woche Kampfflieger verlegt worden. Mehrere Flugzeugträger sind auf dem Weg in die Region.

Briten schon im Land?

Nach britischen Presseberichten soll bereits ein Vorauskommando der britischen Eliteeinheit "Special Air Services" in Afghanistan sein. Auch die "Washington Post" berichtete über Gerüchte, der Einsatz in Afghanistan habe schon begonnen. Den Berichten zufolge drang die Spezialeinheit am vergangenen Sonntag von Tadschikistan aus nach Afghanistan ein. Das Team habe Verbindungen zur Nordallianz aufgenommen, die gegen die Talibanmiliz kämpft, und suche nach Informationen über das Versteck des Islamistenführers Osama bin Laden.

Die britische Truppe solle zudem mögliche Fluchtwege bin Ladens erkunden und Landminen ausfindig machen. Die Sondereinheit SAS war bereits im Golfkrieg vor elf Jahren verdeckt im Irak zum Einsatz gekommen.

Saudis brechen Beziehungen ab

Wenige Tage nach den Vereinten Arabischen Emiraten hat unterdessen auch Saudi-Arabien seine diplomatischen Beziehungen zum Taliban-Regime in Kabul abgebrochen. Das berichtet die amtliche Nachrichtenagentur SPA in Riad. Saudi-Arabien habe versucht, die Taliban zu überzeugen, Terroristen keinen Unterschlupf zu gewähren. Darauf seien die Taliban nicht eingegangen, heißt es SPA zufolge in einer offiziellen Stellungnahme.

Pakistan letztes noch "offene Fenster zur Welt"

Damit ist das Nachbarland Pakistan für die Taliban-Regierung das letzte noch offene "Fenster zur Welt". Vor Schlägen gegen Afghanistan hat Pakistan von den USA Beweise für eine Beteiligung Osama bin Ladens an den Terroranschlägen in den USA verlangt. Pakistan hatte aber schon gestern das gesamte Botschaftspersonal aus der afghanischen Hauptstadt Kabul abgezogen.

Saudi-Arabien, Pakistan und die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) waren die einzigen Länder weltweit, die die Taliban anerkannten. Die VAE hatten bereits am Wochenende ihre diplomatischen Beziehungen zu Afghanistan abgebrochen.

Gert
25.09.2001, 17:01
Zentralasien stimmt komplett zu
Luftraum gehört den USA
Bei ihren Planungen für einen möglichen Militärschlag gegen Afghanistan können die USA ab sofort alle ehemaligen Sowjetrepubliken in Zentralasien einbeziehen. Als letzter der fünf Staaten öffnete Kirgisien seinen Luftraum für US-Militärflüge, nachdem zuvor schon Turkmenien, Tadschikistan, Usbekistan und auch Kasachstan ihre Bereitschaft zur Zusammenarbeit mit der internationalen Antiterror-Koalition erklärt hatten.

Gotteskrieger - 300.000 stehen bereit
Taliban - Schließen UN-Büro in Afghanistan

Russland will nur humanitäre Flüge
Lediglich Russland will über seinem Territorium nur Flüge mit humanitärer Hilfe nach Afghanistan zulassen. Die Ukraine hatte der US-Luftwaffe bereits am Montag grünes Licht gegeben.

Voraustrupps überprüfen Flughäfen
In Usbekistan nahmen US-Spezialisten eine Reihe von Flugplätzen, die als Stützpunkte für mögliche Schläge gegen das Nachbarland Afghanistan dienen könnten, unter die Lupe. Die Voraustrupps überprüften nach Berichten usbekischer Militärs zwei Militärflugplätze im Süden des Landes sowie den Flughafen der Hauptstadt Taschkent. US-Diplomaten in Taschkent dementierten jedoch, dass US-Militärmaschinen bereits in Usbekistan stationiert seien.

"Für den Fall der Fälle"
Im benachbarten Tadschikistan wurde den USA der größte Flughafen des Landes in der Hauptstadt Duschanbe "für den Fall der Fälle" angeboten. Das Angebot dazu kam vom russischen Verteidigungsminister Sergej Iwanow, da der Flughafen gemeinsam von russischen und tadschikischen Militärs genutzt wird. "Aber vorerst fliegt noch niemand nirgendwohin", fügte Iwanow hinzu.

Zuvor intensive Beratungen
Der Öffnung des Luftraums über Zentralasien waren intensive Beratungen im Rahmen der Gemeinschaft Unabhängiger Staaten (GUS) vorausgegangen. Die Initiative dazu hatte der russische Präsident Wladimir Putin gestartet.


dpa

Gert
25.09.2001, 17:43
http://www.t-online.de/TOnl/Nach/poli/usa/pict/fp__grafik-usaufmarsch,property=thumbnail.jpg

Gert
30.09.2001, 13:21
Britische Zeitung "Observer"
Umfassende Angriffe beginnen
Die USA werden nach Informationen der britischen Zeitung "Observer" innerhalb der nächsten 48 Stunden umfassende Angriffe auf die Terror-Lager von Osama Bin Laden und die Streitkräfte der Taliban beginnen.
Offensive gegen ausgesuchte Ziele
Dabei würden sie von Großbritannien unterstützt, berichtete die britische Sonntagszeitung. Die Offensive werde sich gegen ausgesuchte Ziele richten und sei ein Sieg für die Pragmatiker innerhalb der amerikanischen Regierung.

Weg für Spezialtruppen frei machen
Voraussichtlich würden zunächst die Terrorlager in Afghanistan bombardiert und die Luftwaffe der Taliban, ihre Panzer und Luftabwehrgeschütze zerstört. Dann sei der Weg frei, um US-Spezialtruppen mit Hubschraubern ins Innere Afghanistans zu fliegen und dort einen "Guerillakampf" gegen die Terroristen zu führen. Ziel der Aktionen sei es, Bin Laden und seine Terroristen zu töten. Der "Observer" machte keine Angaben zur Herkunft seiner "Quellen" für diese Angaben.

Bush macht Andeutungen
US-Präsident George W. Bush deutete in seiner wöchentlichen Rundfunkansprache an, dass verdeckt arbeitende Streitkräfte im Kampf gegen den mutmaßlichen Terroristenführer Bin Laden eine wichtige Rolle spielen werden. Die US-Regierung will auch Gruppen unterstützen, die einen Sturz des Taliban-Regimes in Afghanistan anstreben.

Demonstrationen gegen den Krieg
Unterdessen hatten mehrere tausend Kriegsgegner am Samstag in der amerikanischen Hauptstadt Washington demonstriert. Sie riefen die US-Regierung auf, nach den Terroranschlägen vom 11. September auf Militärschläge zu verzichten. Auch aus San Francisco, Sydney, Athen, Zürich und Frankfurt a. M. wurden derartige Demonstrationen gemeldet.


AP/dpa

Fast die gleiche Meldung bei T-online!

Jetzt sind alle Terroristen weg, nach der Meldung!
Bestimmt eine Verarsche in dem großen Plan der Militärs, da in GB die Medien zur Geheimhaltung verpflichtet sind, wenn es um Militäraktionen geht.

Gert

:(

Perry27
30.09.2001, 14:01
Hallo Gert,

Deine Vermutung , es könne sich um eine Finte handeln, ist wirklich überdenkenswert. Klingt logisch, und hat ja auch Konsequenzen für das Beobachten der Märkte. Könnten wir mal ein Szenarium durchspielen : Wie werden sich die Börsen morgen verhalten ? Was denkst Du ? Was denkt ihr ? Wie reagiert Ihr (panisch, "hartgesotten") ?

Gruß Perry

Gert
30.09.2001, 18:30
ftd.de, So, 30.9.2001, 15:18, aktualisiert: So, 30.9.2001, 17:26
Taliban: Bin Laden wird in Afghanistan versteckt

Die in Afghanistan regierenden Taliban haben den mutmaßlichen Terroristenführer Osama Bin Laden nach eigenen Angaben unter Kontrolle. Der britische Premier Tony Blair sagte, er habe "unwiderlegbare Beweise" gesehen, die die Beteiligung Bin Ladens an den US-Terroranschlägen deutlich machten.


Seine Aufenthaltsort sei jedoch nur den Sicherheitskräften bekannt, erklärte die Taliban am Sonntag. "Osama bin Laden hält sich in Afghanistan zu seinem eigenen Schutz an einem unbekannten Ort auf", sagte der Taliban-Botschafter in Pakistan, Abdul Salam Saif. Bin Laden habe auf die Bitte der Taliban, Afghanistan zu verlassen, bislang nicht reagiert.

Er kritisierte vor Journalisten in Islamabad die Weigerung der USA, mit den Taliban zu verhandeln und forderte Washington auf, Beweise für eine Schuld Bin Ladens vorzulegen. "Sie (die USA) denken an einen direkten Angriff. Wir denken an Verhandlungen", erklärte Saif. Wenn die USA Beweise vorlegten, könne dies die Lage ändern. Ein Beamter des Weißen Hauses soll zu den Berichten erklärt haben, es gebe keinen Raum für Verhandlungen. Bin Laden müsse ausgeliefert werden.


Zuvor hatten die Taliban erklärt, sie stünden in Kontakt zu Bin Laden und hätten ihn aufgefordert, das Land freiwillig zu verlassen. Sein Aufenthaltsort sei ihnen jedoch nicht bekannt. Die Vereinigten Staaten verlangen die Auslieferung Bin Ladens, den sie für den Drahtzieher der Terroranschläge in New York und Washington am 11. September halten. Die Taliban lehnen die Auslieferung Bin Ladens unter Hinweis auf das traditionelle islamische Gastrecht ab.



Blair spricht von Beweisen



Der britische Premierminister Tony Blair sagte dem BBC-Fernsehen, Geheimdienstmitarbeiter hätten „absolut durchschlagende und überzeugende Beweise“ für die Verbindung zwischen Bin Laden und den Terroranschlägen in den USA vorgelegt. Derzeit werde beraten, in welcher Form diese Ergebnisse veröffentlicht werden sollten. Blair sagte, das Netzwerk Bin Ladens müsse ausgemerzt werden - egal mit welchen Mitteln. Die Taliban warnte er vor einem Angriff. „Wenn sie nicht bereit sind, Bin Laden auszuliefern - was sie können, wenn sie wollen - dann werden sie zu einem Hindernis, das wir ausschalten oder entfernen müssen“, sagte Blair.


US-Präsident George W. Bush verurteilte in seiner wöchentlichen Radioansprache die Taliban, weil sie Bin Laden weiter Zuflucht gewährten. Außerdem hielt er auf seinem Landsitz in Camp David Strategieberatungen mit führenden Sicherheits- und Geheimdiensberatern. Das Weiße Haus veröffentlichte eine Fotografie, die Bush, CIA-Direktor George Tenet, Sicherheitsberaterin Condoleezza Rice und Stabschef Andrew Card über eine Afghanistan-Karte gebeugt zeigt.



Die US-Geheimdienste erhalten nach Medienberichten widersprüchliche Angaben darüber, wo sich der mutmaßliche Terroristenführer Osama Bin Laden aufhält. Wie die "Washington Post" am Sonntag schrieb, heißt es in einigen Berichten, dass Bin Laden aus Afghanistan geflüchtet sei und sich inzwischen in Tschetschenien, Somalia oder im Norden Pakistans aufhalte. Der Geheimdienst nehme diese Angaben sehr ernst und verfolge jede Spur. Die meisten Ermittler gingen aber weiterhin davon aus, dass sich Bin Laden noch in den Bergen Afghanistans verstecke. Die USA machen Bin Laden für die Terroranschläge vom 11. September verantwortlich, bei denen vermutlich fast 7000 Menschen ums Leben kamen.



© 2001 Financial Times Deutschland

Gert
30.09.2001, 18:36
Hi Perry,

das es eine Finte ist ist eigendlich ganz klar. Seit dem 1.Weltkrieg hat sich die Medien in GB eine freiwillige Zensur auferlegt.
Dort gibt es vom Verteidigungsministerium extra einen Flottengeneral, der sich mit den Medien abstimmt, was berichtet wird und was nicht.

Ist erst letzte Woche im Fernsehen gekommen.
Somit ist die Meldung mit der britischen Regierung abgestimmt.

Wie die Märkte auf dieses Zenario reagiert, keine Ahnung, kommt immer drauf an, ob es nur kleine Scharmützel sind oder ein Flächenbrand.

Gruß
Gert

KA111
01.10.2001, 07:50
Taliban: Bin Laden ist unter Kontrolle

Terrorist soll an sicherem Ort sein. US-Spezialtruppen in Afghanistan hätten als Kampfeinheiten keine Chance

Von Hilmar König/ DIE WELT

Islamabad - Die in Afghanistan regierenden Taliban haben den mutmaßlichen Terroristenführer Osama Bin Laden nach eigenen Angaben unter Kontrolle. Sein Aufenthaltsort sei jedoch nur den Sicherheitskräften bekannt, erklärten die Taliban am Sonntag. "Osama Bin Laden hält sich in Afghanistan zu seinem eigenen Schutz an einem unbekannten Ort auf", sagte der Taliban-Gesandte in Pakistan, Abdul Salam Saif. Er betonte, Bin Laden werde nicht an die USA ausgeliefert, solange Washington keine ausreichenden Beweise für seine Verstrickung in den Terrorismus vorlege. Nach amerikanischen Medienberichten erwähnten die Taliban in diesem Zusammenhang aber erstmals das Wort Verhandlungen.
Unklarheit herrscht auch in der Frage, ob die Taliban fünf Soldaten eines amerikanischen Sonderkommandos gefangenhalten. Während vom Taliban-Verteidigungsminister Mullah Obaidullah Akhund, vom Pentagon und von der Nordallianz der Bericht der Katar-TV-Station "Al-Jazeera" über die Gefangennahme wird, bleibt der arabische Fernsehsender, der 1998 und 1999 wegen seiner Exklusivinterviews mit Osama Bin Laden Schlagzeilen machte und seitdem offenbar über Kanäle zu dessen Netzwerk Al-Qaida verfügt, bei seiner Version. Von amerikanischen und britischen Sonderkommandos in Afghanistan hat Pakistan nach übereinstimmenden Aussagen des Innenministers, des Militärsprechers und des Sprechers des Außenministeriums keinerlei Kenntnis. Das Kommando aber wurde, vorausgesetzt die Meldung stimmt, im südwestlichen Afghanistan gestellt. Es hätte also, wenn nicht aus der Luft abgesetzt, aus der pakistanischen Provinz Belutschistan kommen können. Pakistanische Medien befassten sich in den vergangenen Tagen wiederholt mit Vermutungen über die Aufgaben, die solche militärischen Minigruppen erfüllen können. Sie müssen unter allen Bedingungen, vom Klima bis zur Versorgung mit Trinkwasser, über einen längeren Zeitraum autark operieren. Als Kampfeinheiten hätten sie gegen die Übermacht der Taliban keine Chance. Sie werden vielmehr jede Feindberührung zu vermeiden suchen. Deshalb kann der Auftrag nur lauten, im Hinterland nützliche Informationen für einen größeren Militärschlag zu sammeln, das Gelände zu erkunden, Ziele zu markieren, Spuren der Al-Qaida zu finden und im besten Fall Verstecke der Osama-Leute zu orten.

Aufschlussreich in diesem Zusammenhang ist eine von Reuters veröffentlichte Liste. Sie zählt 55 Basen, Lager, Büros, Wohnungen und Zentren auf, die in Afghanistan zur terroristischen Infrastruktur Osama bin Ladens gehören. Dieses teilweise sehr detaillierte Papier, datiert vom neunten März, hatte Russland dem Sicherheitsrat der Vereinten Nationen zur Verfügung gestellt. Es könnte für die Tätigkeit der Sondergruppen, wie sie jetzt in Afghanistan im Einsatz sind, eine höchst wertvolle Orientierung sein.

Die Nordallianz hält die Anwesenheit amerikanischer oder britischer Spezialkommandos in Afghanistan für unwahrscheinlich. Eine Voraussetzung dafür wäre das völlige Zerschlagen des Befehls-, Kontroll- und Spitzelsystems der Taliban, die ihre Gebiete noch immer fest im Griff hätten, äußerte Nordallianz-Außenminister Abdullah Abdullah. Aus den Kreisen dieser Oppositionskoalition wurde in den letzten Tagen Unzufriedenheit über die Kooperation mit den USA laut. Die Nordallianz, deren jüngste Offensive sich über das Wochenende abgeschwächt hat, braucht dringend moderne Waffen, Munition und Ausrüstungen. Ihr Oberkommandeur glaubt, das solide Wissen seiner Leute über die Taliban und ihre Taktik wäre eine Voraussetzung für einen Erfolg der USA gegen die Taliban. "Ohne uns ist das unmöglich", meinte er in einem Interview.

KA111
01.10.2001, 11:03
Russland und die USA planen den Schlag gegen die Talibans schon seit Juni. Ein Fall der überholenden Kausalität.:eek:

India in anti-Taliban military plan
India and Iran will "facilitate" the planned US-Russia hostilities against the Taliban.

IndiaReacts.com
By Our Correspondent

26 June 2001:

India and Iran will "facilitate" US and Russian plans for "limited military action" against the Taliban if the contemplated tough new economic sanctions don't bend Afghanistan's fundamentalist regime.

The Taliban controls 90 per cent of Afghanistan and is advancing northward along the Salang highway and preparing for a rear attack on the opposition Northern Alliance from Tajikistan-Afghanistan border positions.

Indian foreign secretary Chokila Iyer attended a crucial session of the second Indo-Russian joint working group on Afghanistan in Moscow amidst increase of Taliban's military activity near the Tajikistan border. And, Russia's Federal Security Bureau (the former KGB) chief Nicolai Patroshev is visiting Teheran this week in connection with Taliban's military build-up.

Indian officials say that India and Iran will only play the role of "facilitator" while the US and Russia will combat the Taliban from the front with the help of two Central Asian countries, Tajikistan and Uzbekistan, to push Taliban lines back to the 1998 position 50 km away from Mazar-e-Sharief city in northern Afghanistan.

Military action will be the last option though it now seems scarcely avoidable with the UN banned from Taliban-controlled areas. The UN which adopted various means in the last four years to resolve the Afghan problem is now being suspected by the Taliban and refused entry into Taliban areas of the war-ravaged nation through a decree issued by Taliban chief Mullah Mohammad Omar last month.

Diplomats say that the anti-Taliban move followed a meeting between US Secretary of State Collin Powel and Russian Foreign Minister Igor Ivanov and later between Powell and Indian foreign minister Jaswant Singh in Washington. Russia, Iran and India have also held a series of discussions and more diplomatic activity is expected.

The Northern Alliance led by ousted Afghan president Burhanuddin Rabbani and his military commander Ahmed Shah Masood have mustered Western support during a May 2001 visit to Dusseldorf, Germany.

The Taliban is using high-intensity rockets and Soviet-made tanks to attack Northern Alliance fighters in the Hindukush range with alleged Pakistani aid. But Northern Alliance fighters have acquired anti-tank missiles from a third country that was used in the fight near Bagram Air Base in early June. The Taliban lost 20 fighters and fled under intense attack.

Officials say that the Northern Alliance requires a "clean up" operation to reduce Taliban's war-fighting machinery to launch an attack against the Taliban advance to the Tajik-Afghan border. This "clean up" action is being planned by the US and Russia since the Taliban shows no "sign of reconciliation".

Tajikistan and Uzbekistan will lead the ground attack with a strong military back up of the US and Russia. Vital Taliban installations and military assets will be targeted. India and Iran will provide logistic support. Russian President Vladimir Putin has already hinted of military action against the Taliban to CIS nation heads during a meeting in Moscow in early June.

India and Iran have been assisting the Northern Alliance and the Afghan people under their humanitarian programme since Taliban's ouster of the Rabbani government in 1996. The US needs Russian assistance because of Soviet knowledge of the Afghan terrain. The former Soviet Union intervened in Afghanistan in 1979 and withdrew in 1989.

Masood's strategic stronghold of Panjsher valley has been threatened by the advancing Taliban militia for the last three months. The Northern Alliance has stepped up its attack on Taliban troops who have brought the valley within artillery fire range.

Military planners say that if Taliban were not given a blow now it would slowly make inroads into the Panjsher valley. The fall of Panjsher will enable Taliban to control the remaining 10 per cent of Afghanistan in possession of the Northern Alliance.

Russia says it has evidence that the Taliban aims to create "liberated zones" all across Central Asia and Russia and links its Chechnya problem to the rise of Taliban fundamentalism. The US is directly hit by the anti-US thrust of Islamic groups who use Afghanistan as their base for terrorism and is demanding extradition of Osama Bin Laden to face trial in the embassy bombing case.

Such Central Asian countries as Uzbekistan, Tajikistan, Kazakhstan and Turkmenistan are threatened by the Taliban that is aiming to control their vast oil, gas and other resources by bringing Islamic fundamentalists into power. Now all the CIS nations are seeking assistance of Russia's Federal Border Guard Service to overcome the Taliban threat.

General Konstantin Trotsky, director of the border force, said in a newspaper interview, "We are watching the opposition of the Northern Alliance and the Taliban in Afghanistan very closely."

For its part, Shia Iran is reluctant to tolerate a Sunni militia regime on its border that gives Pakistan, a Sunni country and a sponsor of the Taliban, a "strategic sway" on considerable parts of the Iranian border. Iran is also affected by a Taliban-sponsored movement in Ispahan province where Sunnis have a sizable population.

Iran is also worried over the unending war effort of the Taliban to get supremacy in Afghanistan that is harming Iran's economic interests. India, Iran and Russia, for example, are working on a broad plan to supply oil and gas to south Asia and southeast Asian nations through India but instability in Afghanistan is posing a great threat to this effort.

Similarly, India is apprehensive about the increasing infiltration of Afghan-trained foreign mercenaries into Kashmir. Security agencies have reported that as many as 15,000 hardcore militants have received training in such places in Afghanistan as Khost, Jalalabad, Kabul and Kandahar since 1995. There are 55 terrorist training camps located in Afghanistan that are funded and aided by Islamic fundamentalists to carry out attacks against non-Islamic nations.

The UN had sent a 12-member delegation to India in the first week of May to assess the feasibility of tough economic sanctions against Taliban. The same delegation met General Pervez Musharraf to convince him about the importance of Pakistani cooperation. The UN believes that the sanctions can be only as tough as Pakistan desires.

India's official position is for a "peaceful and lasting solution" to the Afghan problem. But it strongly advocates strict economic sanctions against Taliban and is also not averse to a "limited military action" to weaken it.

India plans to raise the Afghanistan issue in the forthcoming G-8 summit in Geneva in mid-July.

Gert
01.10.2001, 14:05
Montag, 1. Oktober 2001
"Kitty Hawk" läuft wieder aus
Zeichen stehen auf Angriff


Die Anzeichen für einen unmittelbar bevorstehenden Militärschlag verdichten sich weiter. Nur einen Tag nach der Rückkehr von einem neuntägigen Manöver ist der amerikanische Flugzeugträger "Kitty Hawk" am Montag erneut aus seinem Heimathafen Yokosuka bei Tokio ausgelaufen. Die US-Marine teilte dazu lediglich mit, der Flugzeugträger werde von mehreren japanischen Zerstörern begleitet. Seine Aufgabe sei die Teilnahme an der "Operation dauerhafte Freiheit". Die "Kitty Hawk" befördert normalerweise rund 70 Kampfflugzeuge.

Die pakistanische Luftwaffe räumte Presseberichten zufolge den Flughafen Quetta, der nun von der Armee kontrolliert wird. Quetta gilt als mögliche Startbasis für einen US-Schlag gegen die nahe gelegene Taliban-Hochburg Kandahar.

Am Sonntag hatte der britische "Oberserver" berichtet, ein umfassender Angriff werde binnen 48 Stunden, also spätestens bis Dienstag Morgen, erfolgen.

Die US-Regierung sprach sich unterdessen für einen Sturz der Taliban-Miliz in Afghanistan aus, wenn diese sich weiterhin weigern sollte, den mutmaßlichen Terroristenführer Osama Bin Laden auszuliefern. Der Stabschef im Präsidialamt, Andrew Card, betonte, wenn die Taliban Terroristen beherbergten, so sollten sie nicht an der Macht sein. Am Wochende hatte Kabul überraschend gemeldet, der Aufenthaltsort bin Ladens sei den Taliban-Sicherheitskräften bekannt, nachdem es tagelang geheißen hatte, bin Laden sei verschwunden.

Die Vereinigten Staaten halten Bin Laden für den Hauptverantwortlichen der Anschläge in New York und in Washington.

Gefahr neuer Anschläge

US-Justizminister John Ashcroft hat unterdessen in mehreren Fernsehinterviews die Gefahr weiterer Terroranschläge in den Vereinten Staaten betont. Er unterstrich jedoch, man werde alles unternehmen, um neue Attentate zu verhindern. Im n-tv Partnersender CNN äußerte sich Ashcroft besonders besorgt über die Möglichkeiten eines Anschlags mit Bio- oder Chemiewaffen.

Die Bedrohung könnte nach einem amerikanischen Vergeltungsschlag sogar noch größer werden, so Ashcroft. Nach Angaben der britischen BBC hat die Regierung Großbritanniens Vermögen in Höhe von 85 Mio. Euro eingefroren, das dem Taliban-Regime gehören soll.

Gert
02.10.2001, 12:23
ftd.de, Di, 2.10.2001, 8:01
Angriffe auf Afghanistan stehen unmittelbar bevor

Die USA übermitteln ihren Verbündeten Dokumente, die die Schuld des mutmaßlichen Terroristen Osama Bin Laden an den Terroranschlägen vom 11. September beweisen sollen. Der britische Premierminister Tony Blair wird Zeitungsberichten zufolge am Nachmittag Angriffe auf Afghanistan ankündigen.

Die US-Regierung habe am Montag mit der Versendung entsprechender Geheimdokumente an ihre Botschaften im Ausland begonnen, sagte ein hochrangiger Vertreter des US-Außenministeriums in Washington. Diese würden die Beweise für Bin Ladens Schuld den jeweiligen ausländischen Regierungen übermitteln. "Wir haben wichtige Informationen gesammelt, die die Verantwortung Bin Ladens und seiner Organisation El Kaida klar zeigen", sagte der Ministeriumsvertreter weiter. "Einige dieser Informationen teilen wir mit unseren Freunden und Verbündeten."

Der Ministeriumsvertreter dementierte zugleich Berichte, wonach ein militärischer Angriff auf Afghanistan, wo Bin Laden vermutet wird, unmittelbar bevorstehe. "Ist das Teilen von Informationen die Ankündigung einer Militäraktion? Die Antwort ist Nein", sagte er.



Blair kündigt Angriffe an





Großbritanniens Premier will auf dem Labour-Parteitag in Brighton an diesem Dienstag eine deutliche Warnung über einen bevorstehenden Militärschlag an das Taliban-Regime in Afghanistan richten. In Regierungskreisen in London hieß es am späten Montagabend, Blair werde sagen, dass die "Zeit für Verhandlungen abgelaufen" sei.


Nach den Worten Blairs habe das Taliban-Regime in Afghanistan seine "Chance" zur Übergabe des mutmaßlichen Terroristenführeres Osama Bin Laden "verpasst". Deshalb würde jetzt in Afghanistan mit Angriffen auf militärische Installationen, Trainingslager, Nachschubwege und Finanzquellen von Bin Laden begonnen. In den Dienstagausgaben britischer Zeitungen wurden die Äußerungen Blairs als "Kriegserklärung an die Taliban" (Times) gewertet. Sie seien die bisher deutlichste Warnung einer bevorstehenden Aktion durch einen Vertreter der so genannten Anti-Terrorismus-Koalition.



El Kaida im Visier


US-Außenminister Colin Powell sagte am Montagabend dem US-Sender CBS, die US-Regierung sei hinter der El-Kaida-Organisation des Islamisten Osama Bin Laden her. Wenn dies den Taliban nicht klar sei, könne es zu ihrem Sturz führen.


In der Region um Afghanistan komme es zu einem bedeutenden Aufmarsch von Soldaten, der das Ende der Taliban bedeuten könne, sagte Powell. Pakistans Präsident Prevez Musharraf sagte dem britischen Sender BBC: "Offenbar werden die USA in Afghanistan handeln. Wir haben dies den Taliban übermittelt." Es werde wegen der Haltung der Taliban zur Konfrontation kommen. In den britischen Kreisen hieß es, Blair werde den Taliban mitteilen, die USA und Großbritannien würden gemeinsam "ihr Material vernichten, ihre Versorgungslinien unterbrechen, ihre Truppen ins Visier nehmen".






Die Anti-Taliban-Allianz geht in die Offensive


Die Taliban breiteten sich offenbar ebenfalls auf einen Militärschlag der USA vor. Taliban-Verteidigungsminister Mullah Obaidullah rief am Montag seine Soldaten auf, Angreifer hart zu bekämpfen und das Land zu verteidigen. Auch der Außenminister der Anti-Taliban-Allianz in Nordafghanistan, Abdullah Abdullah, sagte, er rechne "sehr bald" mit einem Angriff.


US-Präsident Bush sagte, die USA hätten sechs Mio. $ an Vermögen eingefroren, das in Verbindung "mit terroristischer Aktivität" stehe. Zudem seien weltweit insgesamt 50 Konten von El Kaida eingefroren worden. Damit seien Fortschritte bei der Austrocknung von Finanz-Quellen gemacht worden, mit denen Angriffe geplant und ausgeführt werden könnten, sagte Bush.



Einigung über neue Regierung

In Rom einigte sich Afghanistans Ex-König Mohammad Sahir Schah mit Vertretern der Anti-Taliban-Allianz auf ein Verfahren zur Bildung einer neuen Regierung. Schah wurde 1973 entmachtet, gilt aber als Integrationsfigur für eine Einigung der seit Jahrzehnten zerstrittenen Volksgruppen des Landes.


Hilfsorganisationen der Uno wollen nach eigenen Angaben voraussichtlich am Freitag zu Hilfslieferungen für Afghanistan von mindestens 300.000 Tonnen Nahrung aufrufen. Mitarbeiter der Welternährungshilfe der Uno bemühten sich, Hilfsgüter für die in Massen fliehenden Afghanen ins Land und an die Grenzen zu bringen. Die Uno rechnet mit 7,5 Millionen Afghanen, die auf internationale Hilfe angewiesen sein werden.



UN-Vollversammlung debattiert über Antiterror-Konventionen


UN-Generalsekretärs Kofi Annan forderte am Montag zu Beginn der zweiwöchigen Debatte der UN-Vollversammlung aus Anlass der Terroranschläge vom 11. September alle Staaten auf, die Antiterror-Konventionen der UN schnellstmöglich zu unterzeichnen und zu ratifizieren. Der Weltsicherheitsrat hatte Freitag einstimmig alle Staaten aufgefordert, gegen terroristische Organisationen auf ihrem Gebiet vorzugehen. Jede Art der Unterstützung von Terroristen und terroristischen Organisationen werden den Mitgliedsländern in der bindenden Resolution verboten.


Am 11. September waren vier US-Passagierflugzeuge entführt worden. Zwei Maschinen wurden in die Zwillingstürme des World Trade Center in New York gelenkt, die danach zusammenstürzten. Ein drittes Flugzeug rammte das Verteidigungsministerium. Die vierte Maschine stürzte auf freiem Feld im Bundesstaat Pennsylvania ab. Insgesamt wird von etwa 6000 Toten ausgegangen. Die USA und Großbritannien haben eine Streitmacht in der Region zusammengezogen, zu der auch mehrere hundert Kampfflugzeuge und Spezialeinheiten für Kommandoeinsätze gehören sollen.



© 2001 Financial Times Deutschland , © Illustration: AP

Matze
02.10.2001, 14:10
NATO-Generalsekretär: USA haben Bin Ladens Beteiligung an Terror bewiesen
BRÜSSEL (dpa-AFX) - Nach Aussage von NATO-Generalsekretär George Robertson haben die USA den Nachweis für die Beteiligung des Moslem-Extremisten Osama bin Laden an den Terroranschlägen auf die USA erbracht. Das sagte Robertson am Dienstag in Brüssel. Damit könnte der Bündnisfall der Allianz in Kraft treten./FP/gt/sh


Womit die Schose los gehen wird, denke ich :ne.

Matze

Dr. Markx
02.10.2001, 16:53
Hat schonmal jemand die Beweise gesehen??

Matze
02.10.2001, 17:50
Soweit ich weiss, wurden die Beweise den engl. sprachigen Partner vorgelgt, unter anderem wohl ein belauschtes Telefonat.

Ich bezweifle allerdings, das der Weltöffentlichkeit diese Beweise vorgelegt werden, wahrscheinlich mit der Begründung, Ermittlungsstrategien würden damit verraten. Wie heisst es doch so schön: Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser -> ich würde es auch begrüssen, das entsprechende zu lesen!

Matze

Gert
03.10.2001, 09:31
Mittwoch, 3. Oktober 2001
Der Countdown läuft
Rumsfeld sondiert Einsatzorte


http://www.n-tv.de/images/200110/2774192_Aktuelle_Top_News.jpg


Die USA bereiten sich offenbar gründlich auf einen bevorstehenden Militäreinsatz gegen Ziele in Afghanistan vor. Im diesem Zusammenhang hat US-Präsident George W. Bush seinen Verteidigungsminister Donald Rumsfeld in drei arabische Länder des Nahen Ostens und nach Usbekistan entsandt. In Washington hieß es offiziell, Rumsfeld werde "Gespräche über militärische Aktionen führen".

Diese mehrtägige Reise lässt zumindest die Vermutung zu, dass ein Militärschlag nicht unmittelbar bevorsteht. Rumsfeld wird zunächst nach Saudi-Arabien, Ägypten und Oman fliegen. In der Region hat die die USA nach den Anschlägen am 11. September die größte Streitmacht seit dem Golfkrieg 1991 zusammengezogen. Er hoffe, in der Region US-Truppen besuchen zu können und bis zum Wochenende in den USA zurück zu sein, fügte Rumsfeld an.

Über Usbekistan sagte Rumsfeld, wegen der Geografie und Situation des Landes gehe er davon aus, dass es nützlich sei, persönliche Gespräche zu führen. Usbekistan grenzt an den Norden Afghanistans und hat Berichten zufolge den USA eine enge Zusammenarbeit beim Truppenaufbau in der Region zugesagt.

Erstmals Bündnisfall ausgerufen

Die NATO hatte gestern den Bündnisfall ausgerufen, der den kollektiven Verteidigungsfall vorsieht. Die USA hätten den Alliierten "klare und zwingende" Beweise für die Verwicklung von bin Ladens Organisation El Kaida vorgelegt, sagte NATO-Generalsekretär George Robertson in Brüssel. Alle Verbündeten hätten damit festgestellt, dass die Anschläge im Ausland geplant worden seien. Belege dafür hatte die NATO im September zur Bedingung für die Erklärung des Bündnisfalls gemacht.

US-Präsident George W. Bush und der britische Premierminister Tony Blair hatten deutliche Warnungen an Kabul gesandt. Blair forderte die Taliban auf, Terroristen, die sich in dem Land versteckt halten, auszuliefern. Andernfalls müsse das Regime in Afghanistan damit rechnen, gewaltsam gestürzt zu werden.

Auch Bush bekräftigte seine Warnung an die Taliban. Ohne die Auslieferung bin Ladens und dessen Gefolgsleuten "wird es Konsequenzen geben", betonte er während eines Treffens mit führenden Kongresspolitikern.

Die USA haben Afghanistan Vergeltung angedroht, weil die dortige radikal-islamische Taliban-Regierung den moslemischen Extremisten Osama bin Laden unterstütze. Die USA macht Bin Laden für die Anschläge in New York und Washington verantwortlich, bei denen vermutlich rund 6.000 Menschen ums Leben gekommen sind.

quelle: N-TV

Gert
07.10.2001, 10:12
Taliban schicken ebenfalls Soldaten
Aufmarsch an Usbekistan-Grenze

Als Antwort auf die Stationierung von 1000 US-Soldaten in Usbekistan haben die Taliban 7000 Mann Verstärkung an die afghanische Grenze zu Usbekistan geschickt. "Wir werden bis zum Letzten kämpfen und werden uns nie den Vereinigten Staaten unterwerfen", sagte ein Taliban-Sprecher. Das berichtete die in Pakistan ansässige afghanische Nachrichtenagentur AIP.
Bush stationiert Truppen in Usbekistan
US-Präsident George W. Bush hatte am Samstag die Taliban nochmals aufgefordert, den mutmaßlichen Terroristenchef Osama bin Laden und dessen Gefolgsleute auszuliefern. Als Vorbereitung auf mögliche Militärschläge gegen Ziele in Afghanistan haben die USA mit der Stationierung von Truppen im afghanischen Nachbarland Usbekistan begonnen. Wie das Pentagon mitteilte, werde derzeit ein auf 1000 Mann verstärktes Bataillon in das mittelasiatische Land verlegt. Die ersten Soldaten seien bereits vor Ort.


Usbekischer Luftraum geöffnet

Der usbekische Präsident Islam Karimow sagte bei einem Besuch des amerikanischen Verteidigungsministers Donald Rumsfeld in Taschkent, sein Land habe seinen Luftraum für amerikanische Flugzeuge geöffnet und einer US-Militärpräsenz auf einem Flugplatz zugestimmt. Diese sollte aber nicht für Kampfeinsätze in Afghanistan genutzt werden, sondern ausschließlich humanitären Einsätzen oder der Rettung vermisster amerikanischer Piloten dienen. Rumsfeld zeigte sich mit dem Ergebnis zufrieden.

Pakistan sichert Unterstützung zu

Auch Pakistan hat erneut seine Unterstützung von US- Militärschlägen gegen Osama bin Laden und das ihn beherbergende Taliban-Regime in Afghanistan zugesichert. Bei einem Besuch des britischen Premierministers Tony Blair in Islamabad sagte Pakistans Militärmachthaber Pervez Musharraf, die von den USA vorgelegten Beweise gegen Bin Laden reichten aus, um einen solchen Einsatz zu rechtfertigen.

Finanzielle Hilfe zugesagt
Blair sagte Pakistan für den Fall der nach einem Militärschlag zu erwartenden Flüchtlingswelle Finanzhilfen von insgesamt 55 Millionen Dollar zu. Er bezeichnete die Unterstützung Pakistans als entscheidend für einen Sieg über die islamistischen Taliban.

Spionagesatellit ins All gebracht

Die US Air Force brachte einen hoch entwickelten Spionagesatelliten ins All, mit dem unter anderem auch Aufklärung in Afghanistan geleistet werden soll. Der 1,3 Milliarden Dollar teure Satellit soll in der Lage sein, aus einer Entfernung von 320 Kilometern wenige Zentimeter kleine Objekte auszumachen und die Bewegung von Fahrzeugen und Menschen genauestens festzuhalten. Der Start des Satelliten sei jedoch bereits vor den Terrorangriffen vom 11. September geplant gewesen, berichteten US-Medien.


dpa

Matze
07.10.2001, 10:31
Einen neue Ära mit Erweiterungen des Spieles War Games. Technik, wie nie zuvor, wird eingesetzt. Nun können wir auch wieder wie beim Golfkrieg live bis zum Einschlag der Cruise Missiles dabei sein - modernste Waffentechnik macht es möglich.

Irgendwie faszinierend, irgendwie erschütternd :(

Matze

Gert
07.10.2001, 10:36
Hi Matze,

vieleich hat der Satellit sogar Geruchssensoren, damit richen die, mit welchem Kamel der Laden gerade reitet!!

Matze
07.10.2001, 10:37
Wundern tut mich da nix mehr :lach

Matze
PS: Er ist doch das grösste Kamel in Afghanistan :dd

Gert
07.10.2001, 17:05
Sonntag, 7. Oktober 2001
Vor dem Militärschlag
Nordallianz: US-Angriffe in wenigen Stunden


Angriffe der USA auf die afghanischen Taliban könnten nach Einschätzung der Nordallianz bereits in wenigen Stunden erfolgen. Der Außenminister der Nordallianz, die zwischen fünf und zehn Prozent Afghanistans kontrolliert, sagte am Sonntag in der nordafghanischen Stadt Dschabal-us-Saradsch, er glaube, dass die Angriffe der USA und ihrer Verbündeten "sehr bald" stattfänden.

Auf die Frage, ob es sich nur noch um Stunden handele, sagte Abdullah Abdullah: "Wie spät ist es jetzt?" Weiter sagte er: "Sicherlich ist es keine Frage von Wochen. Ich sage nicht bald, sondern sehr bald." Die Nordallianz, ein Zusammenschluss sehr unterschiedlicher Gruppen, kämpft seit Jahren gegen die radikal-islamischen Taliban.

Abdullah sagte weiter, die Nordallianz sei von den USA angewiesen worden, in dem von ihr kontrollierten Gebiet nicht zu fliegen. Die Nordallianz habe daraufhin ihren Luftraum geschlossen. Abdullah forderte zudem die Einwohner der afghanischen Hauptstadt Kabul auf, sich von Armee-Basen fern zu halten: "Bleibt von jedem Militärstützpunkt weg, es gibt nicht genügend Schutz für die Menschen in Kabul."

Pakistanis evakuieren Flughafen

Aus Furcht vor einem Terroranschlag auf den Flughafen der pakistanischen Stadt Quetta wurden mehr als zehntausend Menschen in Sicherheit gebracht. Einwohner von Quetta und afghanische Flüchtlinge mussten nach Polizeiangaben vom Sonntag ihre Hütten und Zelte in der Umgebung des Flughafens verlassen, der von Zivil- und Militärmaschinen genutzt wird.

Unterdessen kehrten hunderte Afghanen, die vor dem Bürgerkrieg und der Dürre nach Iran geflüchtet waren, in ihr Land zurück.

Taliban-Truppen an die Grenze

Als Reaktion auf die Stationierung von 1.000 US-Soldaten in Usbekistan schickten die Taliban 7.000 Mann Verstärkung an die Grenze. "Wir werden bis zum Letzten kämpfen und werden uns nie den Vereinigten Staaten unterwerfen", so ein Taliban-Sprecher. Sollte Usbekistan einen US-Angriff unterstützen, müsse das Land mit einem Angriff rechnen.

AbbyCohen
07.10.2001, 19:41
Wurde auch Zeit, dass etwas geschieht ! Bin zwar nie für Krieg, aber mit Terroristen (zu denen auch die Taliban gehören) darf man NICHT verhandeln !

Die nächsten Tage dürften vor allem angesichts evtl. neuer Terrorschläge extrem volatil werden, aber ich meine die Antiterror-Allianz kriegt das hin.

Abby Cohen

Gert
08.10.2001, 20:59
Montag, 8. Oktober 2001
Auch andere Staaten im Visier
USA starten neue Angriffe


Die USA und Großbritannien haben am Montag eine zweite Welle von Militärschlägen in Afghanistan gestartet. Der n-tv Partnersender CNN zeigte Bilder vom nächtlichen Himmel über Kabul, der von Lichtblitzen erhellt wurde.

"Diese (Angriffe) sind ähnlich denen vom Sonntag", verlautete aus US-Verteidigungskreisen in Washington. "Wir haben gesagt, dass dies eine anhaltende Operation ist." Es gab zunächst keine Hinweise darauf, welche Waffen eingesetzt wurden. Die USA hatten mit Unterstützung Großbritanniens am Sonntag mit dem Angriff auf Ziele in Afghanistan begonnen. Ob es auch in anderen Regionen zu Angriffen kam, wurde zunächst nicht bekannt.

Angriffe auf weitere Staaten möglich

Beim Kampf gegen den Terrorismus wollen die USA außer Afghanistan möglicherweise auch andere Staaten ins Visier nehmen. Die US-Regierung unterrichtete den Weltsicherheitsrat am Montag darüber, dass sie sich das Recht vorbehalte, mutmaßliche terroristische Zellen auch außerhalb von Afghanistan anzugreifen, wie aus Regierungskreisen verlautete.

Die US-Regierung bezeichnete in dem Schreiben an den Sicherheitsrat die Angriffe gegen die Taliban-Miliz als Akt der Selbstverteidigung. Der Sturz der Taliban wird in dem Dokument zwar nicht ausdrücklich als Ziel der USA bezeichnet. Den Angaben zufolge will Präsident George W. Bush jedoch sicherstellen, dass das Land nie wieder Terroristen Unterschlupf gewährt.

USA mit ersten Angriffen "zufrieden"

US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld hat zuvor die Militärschläge gegen Ziele in Afghanistan als "sehr erfolgreich" bezeichnet. Es seien Dutzende Ziele getroffen worden, sagte er dem n-tv Partnersender CNN. Im Fernsehsender NBC hatte er zuvor bestritten, dass zahlreiche Zivilisten bei den Militärschlägen in Afghanistan um Leben gekommen seien. Die meisten Ziele hätten sich in abgelegenen Gebieten befunden, sagte er. Die Taliban hatten der afghanischen Nachrichtenagentur AIP gesagt, es seien mindestens 20 Zivilisten getötet worden.

Nach Pentagon-Angaben sind 50 Marschflugkörper abgefeuert worden - von Bombern und Kampfflugzeugen ebenso wie von Schiffen und U-Booten. Die Angriffe hätten sich gegen Flugabwehrsysteme, Flugzeuge und Stützpunkte von Terroristen gerichtet. Nach Angaben des britischen Verteidigungsministers Geoff Hoon sind bisher 30 militärische Einrichtungen angegriffen worden.

Einziges Ziel der Aktionen sei gewesen, die Basen und Nachschubwege der bin Laden-Organisation "El Kaida " zu "beschädigen, unterbrechen oder zerstören ", sagte Hoon auf einer Pressekonferenz in London. Bei Kabul seien drei Ziele angegriffen worden; vier weitere in Reichweite von Stadtgebieten und 23 weitere Ziele landesweit.

Die Angriffe hatten Sonntagabend um 18.45 MESZ begonnen und werden nach Informationen aus dem US-Verteidigungsministerium noch einige Tage andauern. US-Präsident George W. Bush hatte im Vorfeld der Angriffe die Führer der wichtigsten NATO-Staaten sowie den russischen Präsidenten Wladimir Putin telefonisch über den Beginn der Aktion informiert.

Massenflucht in Afghanistan/b]

In Afghanistan haben die Luftangriffe in den großen Städten eine Massenflucht ausgelöst. Nach dem Ende der nächtlichen Ausgangssperre verließen am Montag Tausende die Hauptstadt Kabul, während in den Moscheen zum Heiligen Krieg aufgerufen wurde.

[b]Taliban wollen Widerstand leisten

Die Taliban-Regierung Afghanistans hat auf einer Krisensitzung entschieden, den Angriffen der USA und Großbritanniens Widerstand entgegenzusetzen. Ein Taliban-Sprecher sagte der afghanischen Nachrichtenagentur AIP, man werde die USA ebenso wie früher die russischen Invasionstruppen bekämpfen. Zudem habe die Regierung die Truppenverstärkung an einigen Stützpunkten im Land beschlossen. Es bleibe bei der Haltung der Regierung, den von den USA gesuchten Islamisten Osama bin Laden nicht auszuliefern.

Angeblich Flugzeug abgeschossen

Zugleich erklärten die Taliban, bei den Angriffen ein Flugzeug abgeschossen zu haben. Raketen hätten das Flugzeug über der Provinz im Norden des Landes getroffen, sagte der Taliban-Gesandte in Pakistan, Abdul Salam Saif. Das US-Verteidigungsministerium hatte zuvor erklärt, es habe bei den Angriffen am Sonntag kein Flugzeug verloren.

UN-Sicherheitsrat tagt

Auf Bitte der USA kommt heute Abend um 23 Uhr MESZ der UN-Sicherheitsrat in New York zusammen. Die amerikanischen und britischen Diplomaten wollten dabei die anderen 13 Ratsmitglieder über die Angriffe auf Afghanistan informieren, so UN-Sprecher Manoel de Almeida a Silva. Der UN-Sicherheitsrat hatte nach den Terroranschlägen in New York und Washington ein Recht der USA auf Selbstverteidigung anerkannt.

Eliska
09.10.2001, 00:17
Die Angriffe haben die Luftabwehr der Taliban offenbar empfindlich getroffen, doch die Taliban geben sich kämpferisch

Von Sophie Mühlmann und Katja Ridderbusch

Kabul am Morgen nach einer Nacht des Schreckens. Die Hauptstadt scheint ruhig, kaum sind neue Zerstörungen zu sehen. Doch die Menschen haben Angst. Die meisten fürchten die Taliban, aber mehr noch fürchten sie einen neuen Krieg, Raketeneinschläge, wieder unschuldige Opfer. "Wir werden bis zum Ende kämpfen", soll Taliban-Sprecher Mullah Amir Chan Muttaki nach Beginn der Luftschläge gesagt haben. Dieses Ende will die Operation "Dauerhafte Freiheit" möglichst schnell erreichen. Die USA erklärten ihre erste Angriffswelle als vollen Erfolg. Doch die Taliban geben sich noch lange nicht geschlagen. Der Schaden, den die Bomben der USA angerichtet hätten, sei gar nicht so schlimm, behauptete der Sprecher der "Gotteskrieger" in Pakistan. Außerdem seien Osama Bin Laden und der Talibanführer Mullah Mohammed Omar unverletzt. Man will die USA "ebenso wie früher die russischen Invasionstruppen" bekämpfen. Angeblich haben die Taliban sogar ein, wenn nicht zwei Flugzeuge und einen Hubschrauber der Alliierten abgeschossen, das wurde in Washington jedoch dementiert.
Die Taliban geben sich kämpferisch, doch in den eigenen Reihen bröckelt es bereits. Schon vor den Vergeltungsschlägen der USA lief Taliban-Führer Mullah Omar ein Teil seiner Anhänger davon.

Die afghanische Opposition hat unterdessen eine neue Offensive gestartet. Die Nordallianz verkündete bereits die Eroberung eines Flughafens. Nun wollen sie gegen Kabul marschieren, das die Taliban seit 1996 besetzt halten. Der Kommandant der Allianz, Haji Almaz, verkündete, die Amerikaner seien auf ihre Hilfe angewiesen. Denn, so Almaz, "die Taliban sind nicht in ihren Basen in Kabul. Die USA sollten sich nicht auf Bomben allein verlassen. Das allein ist in Afghanistan nicht effektiv."

Auch Andreas Rieck, Afghanistanexperte des Orient-Institutes in Hamburg, hält Luftschläge in dieser Region für nicht besonders erfolgversprechend: "Es gibt gar nicht so viele militärisch relevante Ziele, die von der Luft aus bekämpft werden können. Ich bezweifle, dass die die Taliban noch große Munitionsdepots haben." Möglicherweise seien auch viele imaginäre Ziele bombardiert worden.

Man sollte nicht versuchen, die Taliban in ihren Kerngebieten anzugreifen, betont der Experte, "aus Kandahar und aus dem gesamten Süden und Südosten sind sie kaum zu vertreiben." Man sollte sich vielmehr auf die Gebiete konzentrieren, in denen sie sich als brutale Drangsalierer und Besatzer gezeigt haben: "Dort sind sie verletzlich."

Die Taliban selbst verfügen nur über eine geringe Anzahl "eigener" Kämpfer. Der Großteil ihrer Truppen sind Verbündete, die sich ihnen vor fünf Jahren anschlossen, weil die "Gotteskrieger" das größte Machtpotenzial in dem von Stammesfehden zerrütteten Land hatten. Diese Truppen könnten ihre Anführer sehr schnell fallenlassen, wenn sie den Kampf für aussichtlos halten. Auch die Luftwaffe der Taliban stellt laut Rieck keine große Gefahr dar: Zur Verteidigung des Landes sei sie gar nicht erst angetreten, existiere womöglich gar nicht mehr: "Das sind vielleicht einige Dutzend Flugzeuge. Und selbst deren Piloten sind meist nicht loyal zum Taliban-Regime eingestellt. Das sind Profipiloten, deren Familien oft von den Taliban als Geiseln gehalten werden."

Die alliierten Streitkräfte stehen vor einer heiklen Aufgabe: Greifen sie zu hart an, könnten sie Unterstützung für die Taliban heraufbeschwören. Legen sie sich zu sehr auf die Hilfe der Nordallianz fest, die bisher zehn Prozent des Landes kontrolliert, könnten sie die Paschtunen innerhalb Afghanistans und den Verbündeten Pakistan gegen sich auflehnen.

Andererseits würde der Terroristenführer Bin Laden seinen Schutz verlieren, wenn die Nordallianz in Afghanistan ans Ruder käme. Solange er als "Gast des Landes" von den Taliban gedeckt wird, ist es praktisch unmöglich, ihn in den Bergen aufzuspüren.

DIE WELT

Gert
10.10.2001, 12:56
Mittwoch, 10. Oktober 2001
Neue Flugzeugattacken angedroht
Freie Hand für bin Laden


Die radikal-islamische Taliban-Regierung in Afghanistan hat nach eigenen Angaben alle Beschränkungen gegen den moslemischen Extremisten Osama bin Laden aufgehoben. bin Laden sei frei, einen Heiligen Krieg gegen die USA zu führen, sagte Taliban-Sprecher Abdelhaj Mutmain der BBC.

"Mit dem Beginn der amerikanischen Angriffe sind die Beschränkungen (für bin Laden) nicht länger in Kraft", sagte Mutmaen. "Der Dschihad ist eine Verpflichtung für alle Moslems auf der Welt", sagte er. "Wir wollen dies, bin Laden will dies, und Amerika wird sich mit diesen unerfreulichen Angriffen konfrontiert sehen."

Der Taliban-Botschafter in Pakistan, Abdul Salam Saif, konnte Berichte, wonach bin Laden "freie Hand" habe, allerdings nicht bestätigen. Davon wisse er nichts, erklärte er in einer Pressekonferenz.

Aufruf zum Heiligen Krieg auf

Der Sprecher des Terrornetzwerks El Kaeda, Sulaiman Bu Ghaith, hat unterdessen Moslems in aller Welt zum Heiligen Krieg gegen die USA aufgerufen. In einem Video, das der arabische Fernsehsender El Dschasira ausstrahlte, lobte der Sprecher die Anschläge vom 11. September. Die Attentäter hätten etwas Gutes getan und den Kampf ins Herz Amerikas getragen.

Bu Ghaith zitierte einen Vers aus dem Koran, der die gläubigen Moslems dazu auffordert, gegen jegliche Unterdrücker zu kämpfen. "Wir haben junge Menschen, die sich ebenso sehr nach dem Tod sehnen, wie die Amerikaner nach dem Leben", sagte Bu Ghaith. Die Luftangriffe auf Afghanistan hätten "eine neue Seite der Feindschaft aufgeschlagen ".

Weitere Flugzeugentführungen angedroht

Zuvor hatte die El Kaeda-Organisation weitere Anschläge gegen die USA mit gekaperten Flugzeugen angekündigt. Der "Heilige Krieg" gegen die USA werde fortgesetzt, sagte der Sprecher der Organisation aus dem Lager des mutmaßlichen Terroristenführers Osama bin Laden, Suleiman Abu Gheith, in einer Video-Erklärung. "Amerika muss wissen, dass die Erstürmung von Flugzeugen nicht aufhören wird und dass es Tausende junger Menschen gibt, die dem Tod entgegen sehen so wie die Amerikaner dem Leben entgegen sehen",sagte der Sprecher.

El Kaeda ist die Organisation von Osama bin Laden, den die USA für die Terroranschläge in New York und Washington verantwortlich machen. Bin Laden genießt in Afghanistan Gastrecht.

Eliska
10.10.2001, 20:02
Am Ende wird nicht ein Marschflugkörper entscheidend sein, sondern eine Information"

Schon am zweiten Tag des Militärschlages gegen Afghanistan mußte der amerikanische Verteidigungsminister Rumsfeld zugeben, daß die hochmodernen Präzisionswaffen der Vereinigten Staaten in diesem Krieg wenig ausrichten können. "Es ist unwahrscheinlich, daß unsere Luftangriffe die Taliban in die Knie zwingen", sagte Rumsfeld in Washington. Der Grund dafür ist einfach: Im völlig verarmten Afghanistan verfügen auch die über weite Teile des Landes herrschenden Taliban kaum noch über das, was die Militärs "wertvolle Ziele" nennen: Militäranlagen, Regierungsgebäude, Fabriken, große Straßen. So verringerten die amerikanischen Militärs die Zahl der Flugzeuge und Raketen schon beim zweiten Schlag in der Nacht zum Dienstag um mehr als die Hälfte. Und die eingesetzten fünf Bomber, zehn Marineflugzeuge und 15 Marschflugkörper wurden teilweise sogar auf die gleichen Ziele angesetzt wie in der Nacht zuvor. Man sei sich aufgrund der "primitiven Natur" der angegriffenen Objekte nicht sicher gewesen, ob auch wirklich alle getroffen worden seien.

Diese erste Phase der Operation "Dauerhafte Freiheit", in der Briten und Amerikaner zunächst die Lufthoheit über Afghanistan gewinnen wollen, dürfte noch die einfachste sein. Den zielgenauen Marschflugkörpern, die von Flugzeugen oder U-Booten aus abgeschossen werden, und den schweren Bomben der beiden westlichen Mächte haben die Taliban nicht viel entgegenzusetzen. Ungefähr dreißig Kampfflugzeuge, die noch aus der Sowjetunion stammen, sollen sie besitzen. Amerikanische Militärs sagen, diese alten Geräte seien nicht schwer zu entdecken, obwohl sie auf verschiedene Flugfelder verteilt und mit Tarnnetzen abgedeckt worden sind. Und Stellungen mit Luftabwehrraketen sollen die radikalen Koranschüler nur drei haben. Ein Problem stellen allerdings tragbare Stinger-Raketen dar, von denen die Taliban zwischen 200 und 300 besitzen könnten. Sie sind vor allem eine effektive Waffe gegen niedrig fliegende Hubschrauber.

Der schwierige Teil kommt nach den Luftschlägen. Um die Infrastruktur des Terrorismus wirksam zu bekämpfen, reicht es nicht aus, ein paar Ausbildungslager aus der Luft zu vernichten. Die Terroristen müssen am Boden gestellt, ihre Waffen und Lager Stück für Stück zerstört werden. Da die amerikanische Regierung allem Anschein nach keinen großangelegten Einmarsch in Afghanistan plant, dürften in den nächsten Tagen und Wochen verstärkt Spezialkommandos - möglicherweise auch aus verbündeten Ländern - zum Einsatz kommen. In den Vereinigten Staaten gibt es ein eigenes Oberkommando für Spezialkräfte, das am Luftwaffenstützpunkt MacDill in Florida sein Hauptquartier hat. 46 000 Soldaten aus Marine, Luftwaffe und Heer werden von diesem Oberkommando befehligt. Als Reaktion auf den gescheiterten Versuch, die Geiseln in der amerikanischen Botschaft in Teheran 1980 zu befreien, war es 1986 gegründet worden. Solche Einheiten werden nicht nur Jagd auf Bin Ladin und seine Gefolgsleute machen. In Afghanistan gibt es eine ganze Reihe von Aufgaben, die bestens von Spezialkommandos erledigt werden können. In der derzeitigen Phase des Krieges können diese Soldaten, die in der Regel von Hubschraubern im Feindgebiet abgesetzt werden und in Trupps von wenigen Mann unterwegs sind, auch Informationen über mögliche Ziele für Luftangriffe, über deren Treffgenauigkeit und über die militärischen Bewegungen der Taliban an das Oberkommando übermitteln.

Im Kampf gegen Bin Ladin selbst wird der Erfolg dieser Missionen vor allem davon abhängen, welche Informationen sich die Sondereinsatzkommandos verschaffen können. In einem Land, das fast doppelt so groß ist wie Deutschland, ist die Suche nach einem einzelnen Mann alles andere als ein Kinderspiel, selbst wenn dieser - was anzunehmen ist - von mehreren hundert Kämpfern bewacht wird. Neben dem Abhören von Funksprüchen, der Suche mit Infrarotsensoren und der Auswertung der Luftaufklärung werden die amerikanischen Streitkräfte hier auch auf Informationen von Überläufern angewiesen sein. Einige Taliban-Führer oder Al-Qaida-Kämpfer aus arabischen Ländern (von denen es 2000 bis 4000 im Lande geben soll) könnten gegen Geld wertvolle Auskünfte erteilen, hofft man. "Am Ende wird nicht ein Marschflugkörper oder eine Bombe entscheidend sein, sondern ein Stückchen Information", hatte Verteidigungsminister Rumsfeld schon vor ein paar Tagen gesagt.

Ein anderes zentrales Element in der amerikanischen Strategie ist die Unterstützung der oppositionellen Nordallianz. Die Offensiven der Taliban-Gegner sollen gezielt durch Luftschläge und die Einsätze der Sonderkommandos unterstützt werden. Dies ist aber ebenfalls keine einfache Aufgabe. Die Taliban verfügen über etwa 40 000 bis 60 000 Kämpfer, 400 bis 500 Panzer und einige Boden-Boden-Raketen. An den beiden wichtigsten Frontabschnitten nördlich von Kabul stehen alleine 20 000 Taliban-Kämpfer. Das Pentagon scheint darauf zu setzen, daß den Taliban die Männer weglaufen, sobald sich - mit amerikanischer Hilfe - das Kriegsglück zugunsten der Nordallianz wendet. Aus diesem Grund haben die amerikanischen Streitkräfte schon in der ersten Nacht die Stellungen der Taliban in Mazar-i-Sharif angegriffen. Die Stadt an der usbekischen Grenze ist ein wichtiger Vorposten der östlichen Verteidigungslinie der Taliban. Kann sie von der Nordallianz zurückerobert werden, so wäre das ein "bedeutender Rückschlag für die Herrschaft der Taliban", heißt es in Washington.

Frankfurter Allgemeine Zeitung, 10.10.2001, Nr. 235 / Seite 3

Gert
11.10.2001, 17:38
Donnerstag, 11. Oktober 2001
Angriffe auch bei Tag
USA setzen Streubomben ein


Bei ihren Luftangriffen auf Afghanistan haben die USA auch Streubomben eingesetzt. Nach Angaben des US-Verteidigungsministeriums kommen die Bomben seit gestern zum Einsatz. Die Streubomben und andere Bomben würden auf Garnisonen, Einsatzleitstellen und andere militärische Ziele in Kabul und Kandahar abgeworden.

Streubomben werden in Kanistern abgeworfen, die sich über dem Boden öffnen und Dutzende kleiner Sprengkörper freisetzen. Sie sind für die Bekämpfung von Flächenzielen gedacht.

Nach CNN-Angaben wurden auch die schwersten konventionellen Bomben im Arsenal der US-Luftwaffe - so genannte Bunker-Brecher - eingesetzt. Diese lasergesteuerte Bomben wurden dafür entwickelt, Bunker oder unterirdische Kommandozentralen zu zerstören.

Kampfjets greifen bei Tageslicht an

Erstmals wurde Afghanistans Hauptstadt Kabul am Donnerstag auch bei Tageslicht bombardiert. Beschossen wurden den Nachrichtenagenturen zufolge Ziele in der Nähe des Flughafens. Die Taliban reagierten mit Flugabwehrfeuer.

In der vergangenen Nacht hatten die Kampfflugzeuge auch Ziele in Kandahar und Dschalalabad an. Nach Angaben der Taliban wurden bislang mindestens 115 Menschen getötet. Bei einem Angriff auf eine Moschee bei Dschalalabad in der vergangenen Nacht sollen 15 Menschen ums Leben gekommen sein. Das sagte Taliban-Botschafter Mullah Abdul Salam Saif im pakistanischen Islamabad auf einer Pressekonferenz.

Die Bombardierung löste einen Flüchtlingsstrom in Richtung der pakistanischen Grenze aus. Ankommende Flüchtlinge berichteten, dass die Kämpfe in der vergangenen Nacht schwerer gewesen seien als die vorausgegangenen.

Omar ruft Moslems zur Unterstützung auf

Saif relativierte Äußerungen der Taliban vom Vortag, die Miliz habe alle Restriktionen für den mutmaßlichen Terroristen Osama bin Laden aufgehoben. Dies gelte lediglich für Erklärungen Bin Ladens. Dieser dürfe Afghanistan aber auch weiter nicht als Basis für Angriffe auf andere Länder nutzen, sagte Saif.

Taliban-Führer Mullah Mohammed Omar rief bei seiner ersten öffentlichen Äußerung seit Beginn der Militäraktion alle Moslems zur Unterstützung Afghanistans auf. In einer Botschaft Omars, die die britische BBC und der Sender Voice of America auf ihren Webseiten veröffentlichten, hieß es, die US-Streitkräfte seien zwar stark, aber nicht unbesiegbar.

Ranghohe Taliban-Vertreter getötet

CNN berichtete unter Berufung auf US-Militärkreise, bereits bei den ersten Angriffen am Sonntag seien zwei Verwandte des Taliban-Anführers Omar getötet worden. Zudem solle ein ranghoher Taliban-Vertreter ums Leben gekommen sein.

Quelle: N-TV

Gert
12.10.2001, 07:11
Freitag, 12. Oktober 2001
Noch keine US-Lufthoheit
Afghanistan unter Dauerbeschuss

http://www.n-tv.de/images/200110/2776894_Explosion_Afghanistan.jpg


Die US-Luftwaffe setzte ihre Angriffe auf Afghanistan auch in der Nacht fort. Ziele waren wieder die Hauptstadt Kabul, die Taliban-Hochburg Kandahar und Dschalalabad. Nach Berichten von Augenzeugen soll es in der afghanischen Hauptstadt mehrere schwere Explosionen gegeben haben. Die Taliban-Kämpfer hätten Luftabwehrwaffen eingesetzt.


Völlige Lufthoheit haben die USA noch nicht über Afghanistan. Das bestätigte am Donnerstagabend US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld. Demnach verfügen die Taliban weiterhin über tragbare Luftabwehrraketen wie die "Stinger", Abwehrstellungen des russischen Typs SAM und Abwehrartillerie.

Streubomben auf Afghanistan

Am Donnerstag war bekannt geworden, dass die USA bei ihren Luftangriffen auch Streubomben einsetzen. Nach Angaben des US-Verteidigungsministeriums kommen die Bomben seit Mittwoch zum Einsatz. Die Streubomben und andere Bomben würden auf Garnisonen, Einsatzleitstellen und andere militärische Ziele in Kabul und Kandahar abgeworden.

Streubomben werden in Kanistern abgeworfen, die sich über dem Boden öffnen und Dutzende kleiner Sprengkörper freisetzen. Sie sind für die Bekämpfung von Flächenzielen gedacht.

Nach CNN-Angaben wurden auch die schwersten konventionellen Bomben im Arsenal der US-Luftwaffe - so genannte Bunker-Brecher - eingesetzt. Diese lasergesteuerte Bomben wurden dafür entwickelt, Bunker oder unterirdische Kommandozentralen zu zerstören.

Nach Angaben der Taliban wurden bei den Angriffen der USA und Großbritanniens, die jetzt auch tagsüber erfolgen, bisher mindestens 130 Menschen getötet. Die Militärschläge haben einen Flüchtlingsstrom Richtung pakistanische Grenze in Gang gesetzt.

Quelle: N-TV

Gert
12.10.2001, 07:16
Bush fordert erneut Auslieferung bin Ladens
Zweite Chance für Afghanistan
US-Präsident George W. Bush hat die Taliban in Afghanistan erneut aufgefordert, den Terroristenchef Osama bin Laden auszuliefern. Bush sagte bei einer Pressekonferenz im Weißen Haus, dass über die Angriffe neu nachgedacht werden könne. "Wenn ihr ihn und seine Leute heute ausspuckt, werden wir uns noch einmal überlegen, was wir mit eurem Land machen", sagte Bush an die Adresse der Taliban. Dies sei eine zweite Chance.

Afghanistan braucht Hilfe

Die USA würden das Land nicht seinem Schicksal überlassen, sagte Bush. "Wir sollten uns nicht einfach zurückziehen, wenn die militärischen Ziele erreicht sind", sagte Bush. Er verwies auf die humanitäre Hilfe, die die USA bereits lieferten. Alle interessierten Parteien sollten die Chance erhalten, sich an einer zukünftigen Regierung zu beteiligen, sagte Bush.

Palästinenserstaat ist legitim

Der US-Präsident George W. Bush unterstrich seine Überzeugung, dass die Palästinenser einen eigenen Staat haben sollen. Die Bedingung dafür sei, dass "dieser Staat Israel und dessen Existenzrecht anerkennt." Zu einem Treffen mit Palästinenserpräsident Jassir Arafat sei er bereit, wenn er den Eindruck habe, dass dies den Friedens-Prozess voranbringe.

ABM-Vertrag ist überholt

Bush sagte weiterhin, die momentane Situation erfordere es, den ABM-Vertrag zur Begrenzung der Raketenabwehr aufzugeben. Man könne sich nach diesen Anschlägen durchaus vorstellen, dass Terroristen sich Massenvernichtungswaffen beschaffen und mit Raketen abschießen. Die Aufgabe des ABM-Vertrages sei Gegenstand seines bevorstehenden Treffens mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin.

Quelle: t-online

Gert
12.10.2001, 07:51
Donnerstag, 11. Oktober 2001
AWACS-Aufklärung über Amerika
Bundeswehr-Piloten beteiligt


Von Freitag an werden deutsche und andere europäische Piloten in fünf AWACS-Flugzeugen bei der Überwachung des US-Luftraums eingesetzt. Dies erklärte ein Sprecher der US-Luftwaffe in Oklahoma City. "Sie werden die Heimat verteidigen", sagte Luftwaffenoberst Steven Rolenc.

Die Flugzeuge wurden seit Dienstag von der NATO-Airbase Geilenkirchen nach Oklahoma verlegt, damit die USA eigene Aufklärungsflugzeuge in den Mittleren Osten schicken kann. Die Entscheidung zur Entsendung der AWACS hatte der NATO-Rat getroffen.

Nach Angaben des Stützpunktes sind 50 Soldaten der deutschen Luftwaffe an Bord der Maschinen. Insgesamt sollen 200 Soldaten im Rotationsprinzip eingesetzt werden. Zur AWACS-Besatzung gehören jeweils 17 Computer- und Radarspezialisten. Unklar sei, wie lange die Mission dauere. 1991 waren AWACS-Flugzeuge mit deutschen Soldaten während des Golfkriegs zur Überwachung des osttürkischen Luftraums im Einsatz

Quelle: N-TV

Ps.
Alleine gestern nachmittag sind innerhalb von 20 min 4 AWACS in Stuttgart gelandet.
Was machen die hier?

Ralph
14.10.2001, 19:28
Wieder nur Geschwätz von der Taliban oder ist da was dran ?

Taliban wollen über Auslieferung bin Ladens verhandeln

Mitglieder der Taliban-Regierung wollen den Terroristenführer an ein Drittland ausliefern, wenn die USA ihre Luftangriffe auf Afghanistan einstellen

Dschalalabad/Afghanistan - Ranghohe Mitglieder der afghanischen Taliban-Regierung haben die Bereitschaft erkennen lassen, über die Auslieferung des mutmaßlichen Terroristenführers Osama bin Laden zu verhandeln. Wenn die USA ihre Luftangriffe auf Afghanistan einstellten, könnte Bin Laden an ein Drittland ausgeliefert werden, verlautete am Sonntag in Dschalalabad.
Unterdessen hat die Organisation des Moslem-Extremisten Osama bin Laden, El Kaida, Großbritannien und den USA Vergeltung für die Angriffe auf Afghanistan angedroht. Beide Länder müssten mit mehr Anschlägen rechnen, wenn sie die Luftangriffe nicht stoppten, sagte ein Sprecher am Sonntag im katarischen TV-Sender El Dschasira. Nach Einschätzung von US-Justizminister John Ashcroft dürften sich Verantwortliche für die An-schläge in den USA noch im Lande befinden. Die USA setzten die Bombardements fort und wiesen die Erklärung der Taliban als Pro-paganda zurück. Im US-Bundesstaat Florida wurden weitere fünf Milzbrandfälle bestätigt.

El-Kaida-Sprecher Suleiman Abu Gheith warnte Amerikaner und Briten, besonders aber Moslems und Kinder davor, Flugzeuge zu benutzen oder in Hochhäusern zu leben. „Wir sagen Bush und anderen in seiner Regierung, dass der Sturm nicht enden wird, besonders der Sturm der Flugzeuge, bis die Angriffe auf Afghanistan aufhören und palästinensisches Land befreit sein wird.“

Großbritanniens Premierminister Tony Blair erklärte, „diese jüngste Stellungnahme ist das klare Eingeständnis, für die terroristischen Anschläge in den USA am 11. September verantwortlich zu sein“. Bereits am Dienstag hatte die Gruppe weitere Anschläge mit Flugzeugen angekündigt.

Die USA griffen am Sonntag erneut Ziele in Afghanistan an, dar-unter die Hauptstadt Kabul, die Taliban-Hochburg Kandahar und Dschalalabad im Osten des Landes. Reuters, AP


Ralph

Perry27
14.10.2001, 23:25
Schade, daß man den Herren Militärs keine Vorschläge machen kann : Es wäre ein Einfaches ein millionenschweres Kopfgeld auf Bin Laden auszusetzen, und den "Steckbrief" in Form von unzähligen Flugblättern mit Flugzeugen über Afghanistan abzuwerfen. Ich denke es würde nicht lange dauern bis die Aktion von Erfolg gekrönt würde.

Perry

Gert
16.10.2001, 11:50
Dienstag, 16. Oktober 2001
Spezialflugzeuge im Einsatz
Bodenoffensive begonnen?

http://www.n-tv.de/images/200110/2778076_Herkules_AC_130.jpg
Spezialflugzeug der US-Air Force: Die Herkules AC-130

Die amerikanische Luftwaffe hat in der Nacht die intensivsten Bombardierungseinsätze seit Beginn der Militäraktion gegen Afghanistan geflogen. Ziele waren dabei erneut die Umgebung um Kabul, die Taliban-Hochburg Kandahar im Süden und Masar-i-Scharif im Norden des Landes. Die afghanische Agentur AIP meldet, bei den Angriffen seien fünf Menschen getötet worden.

Spekulationen um Bodenkampf

Ein Sprecher des US-Verteidigungsministeriums sagte, es sei auch eine mit Bordkanonen ausgestattete Herkules AC-130 eingesetzt worden. Diese Flugzeuge fliegen in niedriger Höhe und werden für die Unterstützung von Bodentruppen oder Spezialeinheiten aus der Luft benutzt. Erstmals setzten die USA diese Maschinen im Vietnam-Krieg ein.

Angaben über Art, Umfang und Ziele des Einsatzes der AC-130 wurden nicht gemacht. "Wir waren der Ansicht, dass dies jetzt die angemessene Waffe darstelle", erklärte der Regierungsbeamte lediglich.

Taliban-Stellungen im Visier

Ein Augenzeuge berichtete aus Kabul , zwei Kampfflugzeuge seien über die Stadt geflogen und hätten mindestens drei Bomben auf Ziele außerhalb der Haupstadt abgeworfen. Die Luftabwehr des radikalislamischen Taliban-Regimes habe daraufhin das Feuer eröffnet, meldete der britische Sender BBC.

US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld hatte die nördlich Kabuls stationierten Taliban-Truppen zuvor gewarnt, sie würden ins Visier genommen. Schätzungen zufolge handelt es sich dabei um rund 5.000 Soldaten, die die Hauptstadt vor einer Einnahme durch die Nordallianz schützen sollen.

Auch Lebensmittelrationen und Flugblätter warfen die US-Kampfjets wieder ab. US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld betonte, damit solle für die Unterstützung der USA geworben werden.

Rumsfeld: Berichte über Opfer "lächerlich "

Berichte über zahlreiche Tote unter der afghanischen Zivilbevölkerung wies Rumsfeld indes zurück. Die Behauptung, dass 200 Zivilisten getötet wurden, sei "lächerlich ". Die Taliban seien "Erzlügner ".

Am Wochenende hatten sich ausländische Journalisten erstmals in dem Dorf Karam ein Bild über die Auswirkungen der Luftangriffe machen können. Der pakististanische BBC-Korrespondent berichtete von zerstörten Häusern, Verwesungsgestank von toten Menschen und Vieh sowie von frischen Gräbern.

Karam war in der Nacht zum Donnerstag Ziel eines US-Luftangriffs gewesen, bei dem offenbar ein in der Nähe gelegenes früheres Mujahedin-Lager zerstört werden sollte, tatsächlich aber das Dorf getroffen wurde. Nach Angaben der Taliban wurden dabei rund 200 Zivilisten getötet. Allerdings können weder die Angaben der Taliban noch die der USA von verlässlicher Seite geprüft werden.

UN kritisieren Militärschläge

Die Vereinten Nationen erneuerten ihre Forderung nach einem Aussetzen der Luftangriffe. Der UN-Sonderbeauftragte für Ernährung, Jean Ziegler, sagte, das Leben von Millionen Zivilpersonen sei in Gefahr. Zuvor hatte bereits die UN-Hochkommissarin für Menschenrechte, Mary Robinson, einen Stopp der Bombardierung gefordert.

Quelle: N-TV

Gert
16.10.2001, 21:38
Bundeswehr vor Einsatz im Anti-Terror-Kampf
Schröder bereitet Politiker vor
Deutsche Soldaten werden offenbar schon sehr bald direkt zur Unterstützung der USA im Kampf gegen den internationalen Terrorismus eingesetzt. Darauf hat Bundeskanzler Gerhard Schröder die Partei- und Fraktionsvorsitzenden mit Ausnahme der PDS am Montag abend in getrennten Gesprächen vorbereitet.
Schröder deutet baldigen Einsatz an
Schröder selbst sagte bei einem Besuch des Pharmakonzerns Merck am Dienstag in Darmstadt, er gehe davon aus, "dass wir schon in Kürze umfangreichere Hilfe bei der Bekämpfung des Terrorismus leisten müssen, auch mit unseren militärischen Möglichkeiten". "Das, was wir bisher leisten, ist nicht alles, was auf uns zukommt", sagte der SPD-Vorsitzende.

CSU rechnet mit Einsatz
Der CSU-Landesgruppenvorsitzende Michael Glos sagte nach der Unterrichtung durch Schröder am Dienstag vor Journalisten: "Die Amerikaner werden ihre Verbündeten in ihre Operationen mit einbeziehen." Er fügte hinzu: "Ich gehe davon aus, dass auch deutsche Soldaten direkt in Operationen mit involviert sind." Schröder habe darüber informiert, "was uns möglicherweise bevorsteht in Afghanistan in der Inanspruchnahme unserer Bündnissolidarität".

Bundestag soll vorab informiert werden
Für eine Entscheidung über einen Einsatz werde aber voraussichtlich keine Sondersitzung des Bundestages in den nächsten beiden eigentlich sitzungsfreien Wochen erforderlich werden. Aber sehr wahrscheinlich werde man Deutschland bald danach beim Wort nehmen und dem Parlament Beschlüsse abverlangen. Der CSU-Politiker äußerte im übrigen den Eindruck, dass Schröder alles tun werde, um den Bundestag "in welcher Form auch immer" vor einem Einsatz deutscher Soldaten zu informieren.

Gert
17.10.2001, 20:07
Afghanistan: Amerikanische Bodentruppen gelandet
SWR3-Chef-Reporter Thomas Jung berichtet
SWR3 Chef-Reporter Thomas Jung hat es direkt aus Afghanistan bestätigt: Angaben der Nordallianz zufolge sind am Mittwoch Abend US-Soldaten in Zentral-Afghanistan abgesetzt worden. Vier US-Helikopter seien bei Dunkelheit aus Usbekistan gekommen und hätten schwer bewaffnete Soldaten abgesetzt. Jung: "Ob es sich dabei um ein Vorauskommando handelt oder um Spezialkräfte oder um den Beginn eines Bodeneinsatzes, ist noch völlig unklar." Abgespielt hat sich das ganze hundert Kilometer entfernt von Masar-E-Scharif. Die Stadt steht kurz vor der Eroberung durch die Nordallianz und ist hart umkämpft, weil sich hier ein wichtiger Flugplatz befindet.

Gert
18.10.2001, 11:16
Donnerstag, 18. Oktober 2001
US-Elite-Soldaten einsatzbereit
Bald Bodentruppen in Afghanistan


Der Einsatz von Bodentruppen in Afghanistan steht offenbar kurz bevor. "Wir bereiten den Weg für befreundete Truppen am Boden, um das Netz langsam aber sicher enger zu ziehen und die Terroristen zur Rechenschaft zu ziehen", kündigte US-Präsident Bush in Washington an. Die US-Luftwaffe setzte unterdessen ihre Angriffe auf Stellungen der Taliban-Truppen unvermindert fort, ohne dass es nennenswertes Luftabwehrfeuer der Taliban gegeben hätte.

"Eigene" oder "befreundete " Truppen?

Bush ließ offen, was unter "befreundeten Truppen" zu verstehen sei. Als militärischer Fachbegriff ist "friendly troops" als "eigene Truppen" zu übersetzen; im Sprachgebrauch wird der Begriff aber auch für befreundete und damit fremde Truppen angewandt.

Nach seinen Worten kommt die Militärkampagne zur Ausrottung des Terrorismus in Afghanistan gut voran: "Wir machen Fortschritte. Die Terroristenlager werden zerstört. Die Luftwaffe und die Luftabwehrstellungen des Feindes werden zerstört."

Elite-Soldaten der US-Armee bereiten sich bereits auf ihren künftigen Einsatz vor. Sondereinsatzkommandos der US-Armee seien mit Hubschraubern zum Flugzeugträger "Kitty Hawk" gebracht worden, hieß es aus Kreisen der Streitkräfte in Washington. Dies signalisiere aber nicht notwendigerweise einen schnellen Angriff, hieß es weiter.

Berichte und Gerüchte

Ein Korrespondent der ARD berichtete aus Nordafghanistan, vier Hubschrauber hätten aus Usbekistan kommend bei Dunkelheit Truppen 100 Kilometer von der Stadt Masar-i-Scharif entfernt abgesetzt. Eine Bestätigung des Pentagon gab es dafür nicht.

Zuvor hatten bereits Militärs in Tadschikistan, einem nördlichen Nachbarland Afghanistans, erklärt, ihrer Ansicht nach stehe der Einsatz amerikanischer Bodentruppen in Afghanistan unmittelbar bevor. Grund für die Annahme sei die Art der Luftangriffe der vergangenen Tage, in deren Verlauf auch speziell für die Bodenunterstützung konzipierte Flugzeuge vom Typ AC-130 eingesetzt wurden.

Landezonen bei drei Städten

"In der Tat wurden bereits künftige Landezonen für Bodentruppen in der Nähe der Städte Masar-i-Scharif, Kandahar und Kabul ausgemacht", zitierte die Agentur Interfax einen namentlich nicht genannten Stabsoffizier in Tadschikistan. Die Einsatzpläne würden von amerikanischen Militärs mit Vertretern der oppositionellen Nord-Allianz abgestimmt. "Eine Gruppe amerikanischer Militärexperten hält sich dazu schon seit einigen Tagen im Pandschir-Tal auf ", hieß es.

Verteidigungskreise in Großbritannien berichteten, die britisch-amerikanische Allianz könnte ihre Taktik ändern und Taliban-Truppen direkt angreifen, die Nordallianz-Einheiten gegenüberstünden. Allerdings werde der Nordallianz keine geschlossene Luftunterstützung geleistet

Gert
18.10.2001, 14:59
Donnerstag, 18. Oktober 2001
"Fuchs" und "KSK"
Die Wunschliste der USA


Deutschland wird einen Beitrag zu den US-Militäraktionen in Afghanistan leisten, so viel scheint sicher. Darüber wie die Beteiligung der Bundeswehr aussehen soll, wird spekuliert. Medienberichten zufolge haben die USA konkrete Wünsche an die Bundesregierung: ABC-Abwehrkräfte und Elitesoldaten der Bundeswehr sollen zum Einsatz kommen.

Ganz oben auf der Wunschliste stehe die Elite-Eingreiftruppe Kommando Spezialkräfte (KSK). Dies berichtet die "Braunschweiger Zeitung" und beruft sich dabei auf Quellen in Washington und Berlin. Der Bremer "Weser Kurier" meldet, die USA hätten Bundeswehrexperten mit Spürpanzern vom Typ "Fuchs" zur Abwehr biologischer und chemischer Angriffe anfordert.

Aufgabe der deutschen Elitesoldaten solle die Befreiung der in Afghanistan inhaftierten acht Mitarbeiter der Hilfsorganisation "Shelter Now " sein. Unter ihnen sind vier Deutsche. Die US-Kommandos sollen vor allem den Top-Terroristen Osama bin Laden jagen und den Einsatz der eigenen Bodentruppen absichern.

Das Bundesverteidigungsministerium lehnte eine Stellungnahme zu den Berichten ab.

Vorbereitung auch ohne Anfrage

Auch ohne konkrete Anfrage der USA stellt sich die Bundesregierung auf einen Bundeswehreinsatz ein. Regierungssprecher Uwe-Karsten Heye zufolge liegen noch "keine operativ konkretisierten Anforderungen der USA" vor. Das deutsche Angebot für einen militärischen Beistand werde aber vermutlich angenommen. Zur Ankündigung von Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD), Deutschland werde "schon in Kürze" umfangreichere Hilfe leisten müssen als bisher, erläuterte Heye, damit sei ein Zeitraum zwischen "Wochen und Monaten" gemeint.

Quelle: N-TV

Gert
18.10.2001, 20:12
Donnerstag, 18. Oktober 2001
"Revolutionärer Schritt"
USA setzen bewaffnete Drohne ein


http://www.n-tv.de/images/200110/2778714_Predator.jpg

Die USA haben in Afghanistan zum ersten Mal ein unbemanntes und zugleich bewaffnetes Flugzeug in den Kampf geschickt. Militärexperten halten den Einsatz der mit Anti-Panzer-Raketen bestückten Drohne RQ-1 "Predator" in Afghanistan für einen "revolutionären Schritt bei der Kriegsführung", wie die "Washington Post" am Donnerstag berichtete.

Dem Blatt zufolge, das sich auf Pentagon-Kreise beruft, ist bisher wenig über die Art des Einsatzes der Maschinen im Afghanistan-Krieg bekannt. Sicher sei aber, dass sie bereits einige Male Raketen abgefeuert hätten. Der "Predator" ist ein langsames Propeller-Flugzeug, dass die Luftwaffe seit sechs Jahren zu Aufklärungszwecken verwendet hat.

Zum Einsatz kam die rund 8,50 Meter lange Drohne auch 1999 während der NATO-Angriffe gegen Serbien, aber wiederum lediglich als Spionageflugzeug. Nun ist der "Predator" (Raubtier) der "Washington Post" zufolge mit rund 1,50 Meter langen Hellfire-Raketen bestückt, die an den Tragflächen angebracht sind.

Wendepunkt in der Militärgeschichte

Experten sprechen von einem "Wendepunkt in der Militärgeschichte", da die US-Luftwaffe nun Aufklärung und Angriffe aus geringer Höhe in kürzester Folge verknüpfen könne, ohne das Leben von Piloten aufs Spiel zu setzen. Gesteuert wird das Flugzeug von Kontrollstationen in den USA, das heißt im Fall Afghanistan, aus einer Entfernung von tausenden Kilometern.

Nach Angaben der "Washington Post" gibt es Hinweise darauf, dass die USA auch an einer Bewaffnung des unbemannten Aufklärungsflugzeuges RQ-4A "Global Hawk" (Weltweiter Falke) arbeiten. Die Drohne, die noch getestet wird, hat eine so große Reichweite, dass sie künftig Waffen über Kontinente hinweg zuden Einsatzorten tragen könnte.

Gert
19.10.2001, 07:36
Freitag, 19. Oktober 2001
"Bodentruppen sind unerlässlich"
US-Spezialtruppen in Afghanistan


Seit Tagen wird über den Einsatz von Bodentruppen in Afghanistan spekuliert. Nun berichtet die "Washington Post" in ihrer Online-Ausgabe, dass Spezialeinheiten der US-Streitkräfte bereits im Süden des Landes im Einsatz sind. Die Zeitung beruft sich auf Informationen aus dem US-Verteidigungsministerium. Zuvor hatte Verteidigungsminister Donald Rumsfeld den Einsatz von Bodentruppen als "unerlässlich" bezeichnet.

Kampfflugzeuge allein könnten Afghanistan nicht von den Taliban und dem Terrornetzwerk El Kaida befreien, da sie "nicht auf dem Boden herumkriechen und Leute fangen" könnten, sagte Rumsfeld. Weitere Einzelheiten nannte der Verteidigungsminister nicht.

Nur eine Hand voll Soldaten

Bei den bereits in Afghanistan operierenden US-Soldaten handele sich nur um eine Hand voll Soldaten und es sei unwahrscheinlich, dass es jemals ein großes Kontingent wie im Golfkrieg werden würde, heißt es in dem Bericht der "Washington Post". Jedoch markiere ihre Präsenz einen Wendepunkt in der zweiten Woche der US-Angriffe.

Ziel der Operation sei es, die laufenden Anstrengungen des US-Geheimdienstes CIA zu unterstützen und die Führer der Volksgruppe der Paschtunen zu ermutigen, sich von den radikal-islamischen Taliban-Milizen loszusagen.

Nordallianz will Offensive starten

Die oppositionelle Nordallianz plant nach eigenen Angaben den Vorstoß auf die strategisch wichtige Stadt Masar-i-Scharif. Derzeit stünden die Verbände rund fünf Kilometer nördlich des Flughafens der Stadt, sagte ein Kommandeur der Truppen per Satelliten-Telefon der Nachrichtenagentur Reuters.

Masar-i-Scharif liegt nicht weit entfernt von der usbekischen Grenze und könnte der Nordallianz Versorgungswege in Richtung der von den Taliban gehaltenen Hauptstadt Kabul eröffnen.

Taliban werfen USA gezielte Angriffe auf Zivilisten vor

Die Taliban warfen den USA unterdessen vor, bei ihren Angriffen absichtlich Zivilisten anzugreifen. "Amerikanische AC-130-Flugzeuge haben vorsätzlich auf zivile Gebäude gezielt", sagte der Taliban-Botschafter in Pakistan, Mullah Abdul Salam Saif. Seit Beginn der Luftangriffe am 7. Oktober seien zwischen 600 und 900 Menschen getötet worden. Eine unabhängige Bestätigung für diese Zahlen gibt es nicht.

Allein am Donnerstag seien in Kandahar und Kabul mindestens 60 Menschen ums Leben gekommen, sagte ein Taliban-Sprecher der afghanischen Nachrichtenagentur AIP. Der arabische Fernsehsender Al Dschasira zeigte Bilder aus Kabul von Opfern, darunter auch Kinder, die unter den Ruinen eines zerstörten Hauses lagen.

Gert
19.10.2001, 12:25
Freitag, 19. Oktober 2001
US-Regierung bestätigt
Spezialtruppen sind in Afghanistan


Knapp zwei Wochen nach Beginn der Luftangriffe auf Ziele in Afghanistan sind erstmals amerikanische Bodentruppen im Einsatz. Das erklärte ein hoher Pentagon-Beamter. Die Soldaten unterstützten Geheimdienstbemühungen zur Untergrabung des Regimes der Taliban. Er bestätigte damit einen Bericht der "Washington Post".

Die Zeitung hatte in ihrer Online-Ausgabe berichtet, die Spezialtruppen der US-Streitkräfte operierten in kleiner Zahl. Größere Kontingente würden in Kürze folgen. Die Eliteeinheiten, die im Süden Afghanistans im Einsatz seien, könnten die Vorhut einer größeren militärischen Mission sein. Ziel der Operation sei es, die laufenden Anstrengungen des US-Geheimdienstes CIA zu unterstützen und die Führer der Volksgruppe der Paschtunen zu ermutigen, sich von den radikal-islamischen Taliban-Milizen loszusagen.

Verteidigungsminister Donald Rumsfeld hatte am Donnerstag gesagt, der Einsatz von Bodentruppen sei "unerlässlich". Kampfflugzeuge allein könnten Afghanistan nicht von den Taliban und dem Terrornetzwerk El Kaida befreien, da sie "nicht auf dem Boden herumkriechen und Leute fangen" könnten, sagte Rumsfeld.

Die US-Luftwaffe griff unterdessen erneut die Taliban-Hochburg Kandahar sowie die Stadt Dschalalabad an. Nach Angaben von CNN wurden möglicherweise ein Ausbildungslager für Terroristen und ein Fernsehsender getroffen.


Nur eine Hand voll Soldaten

Bei den bereits in Afghanistan operierenden US-Soldaten handele sich nur um eine Hand voll Soldaten und es sei unwahrscheinlich, dass es jemals ein großes Kontingent wie im Golfkrieg werden würde, heißt es in dem Bericht der "Washington Post". Jedoch markiere ihre Präsenz einen Wendepunkt in der zweiten Woche der US-Angriffe.

Nordallianz will Offensive starten

Ein Kommandeur der oppositionellen Nordallianz bestätigte der Nachrichtenagentur Reuters, dass sich bereits seit Tagen acht Angehörige von US-Einsatzkräften im Norden des Landes sind. Sie seien mit einem Hubschrauber angekommen und hielte sich gemeinsam mit einem General der Nordallianz, Abdul Raschis Dostum, in Dara-i-Suf auf.

Die Nordallianz plant nach eigenen Angaben den Vorstoß auf die strategisch wichtige Stadt Masar-i-Scharif. Derzeit stünden die Verbände rund fünf Kilometer nördlich des Flughafens der Stadt. Masar-i-Scharif liegt nicht weit entfernt von der usbekischen Grenze und könnte der Nordallianz Versorgungswege in Richtung der von den Taliban gehaltenen Hauptstadt Kabul eröffnen.

Taliban werfen USA gezielte Angriffe auf Zivilisten vor

Die Taliban warfen den USA unterdessen vor, bei ihren Angriffen absichtlich Zivilisten anzugreifen. "Amerikanische AC-130-Flugzeuge haben vorsätzlich auf zivile Gebäude gezielt", sagte der Taliban-Botschafter in Pakistan, Mullah Abdul Salam Saif. Seit Beginn der Luftangriffe am 7. Oktober seien zwischen 600 und 900 Menschen getötet worden. Eine unabhängige Bestätigung für diese Zahlen gibt es nicht.

Gert
20.10.2001, 09:21
US-Truppen in Afghanistan
CNN meldet ersten Kampfeinsatz
In Afghanistan ist es in der Nacht offenbar zu einem ersten Kampfeinsatz von US-Bodentruppen gekommen. Wie die Fernsehsender CBS und NBC übereinstimmend berichteten, wurden über 100 "Rangers" der US-Armee von Hubschraubern im Süden Afghanistans abgesetzt. Ziel des Angriffs der Spezialeinheiten soll ein Flugplatz der Taliban-Milizen in der Nähe von Kandahar gewesen sein. Nach ersten Berichten kehrten die amerikanischen Soldaten alle unversehrt zu ihrer Ausgangsbasis zurück.
"Entscheidende Phase" habe begonnen
Die US-Hubschrauber waren nach CBS-Angaben vom Flugzeugträger "USS Kitty Hawk" gestartet. Dem Nachrichtensender CNN bestätigten zwei namentlich nicht genannte Regierungsmitglieder den Kampfeinsatz. Es habe eine "entscheidende neue Phase" im Kampf gegen den Terrorismus begonnen, hieß es.

Zwei US-Soldaten verunglückt
In Pakistan sind nach einem Bericht des Nachrichtensenders CNN zwei US-Soldaten ums Leben gekommen. Die beiden Männer seien nicht direkt am Boden im Einsatz gewesen, sondern an Bord eines Hubschraubers. Der Hubschrauber sei aufgestiegen, um möglicherweise in Not geratene Bodentruppen zu retten. Dabei sei es zu einem Unfall gekommen, berichtete CNN unter Berufung auf das Pentagon.

Keine offizielle Bestätigung
Eine offizielle Bestätigung für den Einsatz lag zunächst nicht vor. Das US-Verteidigungsministerium lehnte es ab, die Medienberichte zu kommentieren. Man halte es für unverantwortlich, das Leben der Soldaten durch Äußerungen zu etwaigen Operationen aufs Spiel zu setzen, sagte ein Pentagon-Sprecher in Washington.

Taliban wollen Widerstand leisten
Die Taliban haben nach eigenen Angaben keine Informationen über den Einsatz von US-Bodentruppen in Afghanistan. Das sagte der Taliban-Botschafter in Pakistan, Abdul Sala Saif, vor Journalisten in der Stadt Quetta. "Aber wenn sie landen, sind wir bereit zu kämpfen", betonte der Botschafter.

CIA wird unterstützt
Ziel der Operation ist es, die Anstrengungen des US-Geheimdienstes CIA zu unterstützen. Dieser ermutigt die Führer der Volksgruppe der Paschtunen, sich von den radikal-islamischen Taliban-Milizen loszusagen, berichtet die "Washington Post" unter Berufung auf einen hohen Beamten des Verteidigungsministeriums. Ein anderer Pentagon-Beamter habe erklärt, es sei wahrscheinlich, dass zusätzliche Mitglieder von Spezialeinheiten bald eingesetzt würden.

Spezialkommandos arbeiten in Kleinstgruppen
Die Spezialkommandos sind besonders trainierte Elitesoldaten, die in kleinen Gruppen von oft nur zwei bis drei Mann operieren. Sie werden in der Regel per Helikopter im Feindgebiet abgesetzt. Eine ihrer Aufgaben ist es, versteckte oder aus der Luft nicht sichtbare Ziele für Bombardierungen auszumachen. Sie können die Koordinaten mit hoch modernem Gerät präzise bis auf wenige Meter an die Kommandozentrale melden. Kampfjets lenken mit diesem Daten dann Präzisionsbomben auf das angegebene Ziel.



Weiter heftige Luftangriffe

Auch die US-Luftwaffe setzte ihre Angriffe in der Nacht fort. Nach Angaben des Senders CBS waren in Kabul mindestens acht Explosionen zu hören. Welche Ziele getroffen wurden, war unklar. Flugabwehrfeuer der Taliban war nicht zu sehen.

USA will Militäraktionen noch verstärken
Das militärische Engagement werde sich in den kommenden Tagen noch erheblich verstärken, hieß es in Washington. Dabei würden vermehrt die an der Front stationierten Taliban-Verbände ins Visier genommen. Ein Talibansprecher hatte erklärt, bei den Luftangriffen seit dem 7. Oktober seien insgesamt zwischen 600 und900 Menschen getötet worden.

Taliban zur Aufgabe aufgefordert
Die US-Streitkräfte fordern die Talibankämpfer per Rundfunk auf, sich US-Truppen zu ergeben. Die von US-Flugzeugen über Afghanistan ausgestrahlten Sendungen richten sich direkt an Taliban-Kämpfer: "Wenn Du Dich entschließt, Dich zu ergeben, gehe mit erhobenen Armen auf die US-Truppen zu. Trage die Waffe auf dem Rücken mit dem Gewehrlauf nach unten. Nimm die Munition raus und wirf sie weg. Dies ist Deine einzige Chance zu überleben".


AP/dpa

Gert
20.10.2001, 19:45
US-Truppen in Afghanistan
Weitere Boden-Einsätze geplant

http://www.n-tv.de/images/200110/2779221_Fallschirmjaeger.jpg http://www.n-tv.de/images/200110/2779222_Fallschirmjaeger_vorEinsatz.jpg

http://www.n-tv.de/images/200110/2779223_Nordallianz_3.jpg

US-Eliteeinheiten bereiten sich auf weitere Kampfeinsätze in Afghanistan vor. Das teilte die US-Regierung am Abend in Washington mit. Sie bestätigte außerdem offiziell den ersten Kommando-Einsatz am Boden, der zusätzlich zu den Luftangriffen erfolgt war.

Die Sondereinsatzkräfte - darunter auch Ranger des Heeres - zerstörten den Angaben zufolge Einrichtungen, die mit terroristischer Aktivität und mit der Befehlsstruktur der Taliban-Regierung in Zusammhang stünden. Der Widerstand der Taliban-Streitkräfte sei nur gering gewesen.

Beim Fallschirmabsprung aus Hubschraubern - gestartet vom US-Flugzeugträger "Kitty Hawk" habe es zwei Verletzte gegeben. Der Aktion habe vor allem dazu gedient, die Taliban zu verunsichern.

Die Taliban hatten Stunden zuvor gemeldet, dass US-Bodentruppen von Hubschraubern nahe der Stadt Kandahar abgesetzt worden seien. Eine US-Kommandoaktion sei aber vereitelt worden. Bei den Taliban-Kämpfern habe es keine Verluste gegeben. Die US-Truppen seien geflohen, als die Taliban eintrafen, sagte ein Sprecher.

Im Norden Afghanistans befindet sich nach Angaben von CNN ebenfalls eine kleine Anzahl von Soldaten einer US-Spezialeinheit. Die Soldaten hätten den Auftrag, mit der Nordallianz über geheimdienstliche und militärische Fragen zu sprechen.

Deutsche in Pakistan festgenommen

Eine pakistanische Zeitung berichtete, drei Deutsche und ein Australier seien bei der Ausreise aus Afghanistan festgenommen worden. Ihnen würden Verbindungen zur Terrorgruppe El Kaida vorgeworfen. Ein Deutscher sei ausgewiesen worden, die anderen würden vom pakistanischen Geheimdienst ISI und dem amerikanischen FBI verhört.

Hubschrauberabsturz in Pakistan

In Pakistan kamen beim Absturz eines amerikanischen Hubschraubers zwei US-Soldaten ums Leben. Es sind die ersten Todesopfer auf Seiten der USA seit Beginn der Angriffe vor knapp zwei Wochen. US-Präsident George W. Bush sagte: "Sie starben für eine gerechte und richtige Sache." Bei dem Absturz wurden zudem drei Personen verletzt. Ein Sprecher widersprach Taliban-Angaben, der Helikopter sei bei dem Kommandounternehmen abgeschossen worden.

Luftangriffe auf Kabul

Am frühen Samstagmorgen setzten US-Kampfflugzeuge nach einer weitgehenden Feuerpause während des moslemischen Feiertags ihre Luftangriffe auf Kabul fort. In den Bergen nordöstlich der afghanischen Hauptstadt waren nach US-Medienangaben mindestens acht heftige Explosionen zu hören. In Washington hieß es, das militärische Engagement werde sich in den kommenden Tagen erheblich verstärken.

Bush wirft Taliban Diebstahl vor

Bush beschuldigte die Taliban in Kabul, die Hilfslieferungen für das afghanische Volk zu behindern und zu stehlen. "Das ist ein weiterer Grund, warum sie gehen müssen", sagte Bush in Schanghai vor der Eröffnung des Gipfels der asiatisch-pazifischen Wirtschaftskooperation (APEC).

Berichte über zivile Opfer

Bei den US-Luftangriffen wurden nach Angaben der Taliban bislang zwischen 600 und 900 Menschen getötet. US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld sagte dagegen, die Zahl der Opfer sei nicht einmal annähernd so hoch. Unabhängige Angaben über Opfer und Schäden gibt es nicht.

Gert
22.10.2001, 19:42
Montag, 22. Oktober 2001
Neue Taktik in Afghanistan
Direkte Angriffe auf Taliban-Linien


Im Krieg gegen die Taliban haben die USA ihre Taktik offenbar geändert. US-Kampfflugzeuge fliegen nun massive Angriffe auf die Frontlinien der Taliban nördlich von Kabul und nahe der Stadt Masar-i-Scharif im Norden des Landes, um so die Nordallianz zu unterstützen. Auch die Städte Kandahar, Kabul und Dschalalabad wurden erneut beschossen.

Innerhalb der US-Administration ist die Zusammenarbeit mit der Nordallianz umstritten. US-Außenminister Colin Powell erklärte, die USA seien an der Einnahme von Masar-i-Scharif sehr interessiert. Ob auch die Eroberung Kabuls durch die Nordallianz eine gute Idee sei, werde noch diskutiert. US-Strategen bezweifeln, dass die Nordallianz ausreichende Führungsfähigkeiten für eine Regierung hätte.

Gerüchte um Sohn von Mullah Omar

Unterdessen berichtet der Sender BBC unter Berufung auf einen afghanischen Arzt, dass der zehnjährige Sohn des Taliban-Führers Mullah Mohammed Omar bereits in der ersten Angriffsnacht vor zwei Wochen in Kandahar ums Leben gekommen sei. Die Taliban dementierten das. Zudem erklärten sie, auch Mullah Omar und Osama bin Laden gehe es gut.

Taliban wirft USA Beschuss eines Krankenhauses vor

Nach Angaben des Taliban-Botschafters in Pakistan, Mullah Abdul Salam Saif, sind allein bei den jüngsten Angriffen 100 Menschen ums Leben gekommen, als eine Klinik in der westafghanischen Stadt Herat beschossen wurde. "Die Amerikaner terrorisieren das afghanische Volk, weil es sich zum Islam bekennt", sagte er in Islamabad.

USA weisen Vorwürfe zurück

Ein Sprecher des US-Verteidigungsministeriums erklärte, er habe keine spezifischen Informationen zu einem Angriff auf ein Krankenhaus. "Aber ich messe diesem Bericht der Taliban genauso viel Glaubwürdigkeit bei wie anderen, die sich als falsch herausgestellt haben", sagte er

Bilder eines abgeschossenen Hubschraubers

Der arabische TV-Sender Al Dschasira zeigte Bilder von Taliban-Kämpfern, die vor Wrackteilen eines angeblich amerikanischen Hubschraubers posierten, den sie vor zwei Tagen nahe dem Haus des Taliban-Führers Mullah Mohammed Omar abgeschossen haben wollen. Die US-Regierung bestritt, den Hubschrauber verloren zu haben. Bislang sind nach Angaben der USA zwei US-Soldaten in Pakistan bei einem Hubschrauberunfall ums Leben gekommen.

Pakistan verweigert Flüchtlingen die Einreise

Noch immer verweigert Pakistan afghanischen Flüchtlingen die Einreise. Das Land könne keine weiteren Flüchtlinge aufnehmen, sagte ein Sprecher des Außenministeriums. Etwa 50.000 Afghanen seien seit Beginn der US-Luftangriffe trotz geschlossener Grenze über die Berge nach Pakistan geflohen. Insgesamt befänden sich bereits 2,5 Millionen afghanische Flüchtlinge in dem Land.

Gert
23.10.2001, 16:07
Dienstag, 23. Oktober 2001
USA fliegen neue Angriffe
Taliban-Front unter Feuer


US-Kampfjets haben nach Angaben der afghanischen Nachrichtenagentur AIP den Beschuss von Taliban-Stellungen am Dienstag fortgesetzt. Einheiten der Nordallianz hätten daraufhin versucht, gegen die Taliban vorzurücken, seien aber zurückgeschlagen worden.

Mit der Bombardierung von Stellungen der Taliban an der Frontlinie zur oppositionellen Nordallianz versuchen die USA nach Auskunft von US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld, der Nordallianz am Boden zu helfen.

Zunächst schien die Nordallianz von dieser Entwicklung jedoch nicht zu profitieren, denn Geländegewinne wurden nicht gemeldet. Ein Gesandter der Nordallianz forderte die USA in Washington dazu auf, die Angriffe auf Taliban-Stellungen noch zu verstärken. Bislang hätten die Angriffe der Amerikaner für eine Bodenoffensive der Nordallianz noch nicht ausgereicht. Zudem verlangte er, die Angriffe mit den Kommandeuren der Opposition abzustimmen.

Nach Angaben der Taliban-Regierung wurden bei den jüngsten Angriffen mehr als 40 Menschen getötet. Unabhängige Angaben über die Zahl der Opfer lagen nicht vor. US-Kampfjets bombardierten nach afghanischen Angaben zudem in dem Land mehrere mit Öl beladene Tanklastwagen. Dabei seien fünf Menschen getötet worden.

US-Kampfflugzeuge griffen Stellungen der regierenden Taliban nördlich von Kabul und bei der im Norden des Landes gelegenen Stadt Masar-i-Scharif an. Die Stadt ist ein wichtiger Stützpunkt für den Nachschub für die von den Taliban beherrschte Hauptstadt. Nordallianz-General Baryalai sagte in Deschitikala, ein Angriff auf Masar-i-Scharif stehe unmittelbar bevor. "Wir wollen heute angreifen ", sagte er.

Taliban stimmt Bau von Flüchtlingslagern zu

Das Taliban-Regime einigte sich inzwischen mit Pakistan auf den Bau von Auffanglagern in Afghanistan geeinigt, um die Flüchtlings-Situation entlang der gemeinsamen Grenze zu entschärfen. So plane eine private pakistanische Wohlfahrtsstiftung, Notunterkünfte 15 Kilometer vom Grenzposten Chaman auf afghanischem Territorium einzurichten, berichteten pakistanische Medien.

Mehrere tausend verzweifelte afghanische Flüchtlinge hatten am Sonntag die Grenze bei Chaman durchbrochen. Daraufhin kam es zu Zusammenstößen mit pakistanischen Sicherheitskräften, bei denen nach Zeitungsberichten mindestens fünf Menschen verletzt wurden.

Musharraf will Ende der Angriffe

Pakistans Regierungschef Pervez Musharraf drängt auf ein Ende der US-Militäraktion gegen die Taliban vor Beginn des islamischen Fastenmonats Ramadan Mitte November. Obwohl der Krieg gegen den Terrorismus durchaus länger dauern könne, sei das Ziel der gegenwärtigen Operationen in Afghanistan "in ein oder zwei Tagen" zu erreichen, sagte Musharraf im pakistanischen Staatsfernsehen ohne Einzelheiten zu nennen.

Nordallianz arbeitet mit US-Truppen zusammen

Der Vertreter der Nordallianz in den USA, Haron Amin, sagte im US-Fernsehsender PBS, die Allianz werde auf Kabul vorrücken, die Stadt jedoch nicht erobern. Zunächst müsse die politische Zukunft Afghanistans geklärt sein. Die Allianz arbeite mit den Vereinten Nationen und der internationalen Gemeinschaft zusammen, sagte Amin.

Briten bereit

Großbritannien will nach Angaben aus Verteidigungskreisen rund 1.000 Soldaten in die Region um Afghanistan entsenden. Unter den Soldaten befänden sich auch Mitglieder der Eliteeinheit Special Air Service (SAS), hieß es in den Kreisen. Möglicherweise würden auch Fallschirmjäger und Marinesoldaten entsendet.

Die USA greifen seit dem 7. Oktober mit britischer Unterstützung Ziele in Afghanistan an. Sie hatten zuvor vergeblich von der Taliban-Regierung die Auslieferung Bin Ladens gefordert, den sie für die Anschläge vom 11. September verantwortlich machen.

Gert
23.10.2001, 19:02
Dienstag, 23. Oktober 2001
"Heute greifen wir an"
US-Hubschrauber in Pakistan beschossen


In Pakistan sind zwei amerikanische Hubschrauber unter Beschuss geraten. Der Beschuss sei vermutlich von einer kleinen extremistischen Gruppe ausgegangen, sagte Pentagon-Sprecher Oberstleutnant George Rhynedance. Es habe sich lediglich um kurzes Störfeuer gehandelt. Die USA hätten Pakistan gebeten, Ermittlungen aufzunehmen.

Die Besatzung der beschossenen Hubschrauber hatte den Auftrag, das Wrack eines am Wochenende abgestürzten Helicopters zu bergen. Die Hubschrauber erwiderten das Feuer und zogen sich dann ohne das Wrack wieder zurück.

Fahrgestell verloren

Rhynedance sagte außerdem, bei der Boden-Operation am Freitag habe ein US-Hubschrauber seine Vorderräder und einen Teil seines Fahrgestells verloren. Der Transporthubschrauber vom Typ Chinook habe beim Abheben ein Hindernis gestreift, sei aber ohne weiteren Schaden sicher nach Pakistan zurückgeflogen.

Die Taliban hatten erklärt, sie hätten zwei Hubschrauber abgeschossen. Das US-Verteidigungsministerium hatte diese Darstellung zurückgewiesen. Auf einem Video des arabischen TV-Senders Al Dschasira waren mehrere große Räder zu sehen, die laut Taliban von einem abgeschossenen Hubschrauber stammten.

"Heute greifen wir an"

Die Nordallianz will nach eigenen Angaben in Kürze bei Masar-i-Scharif eine Offensive gegen die Taliban-Milizen starten. "Wir wollen heute angreifen", sagte Nordallianz-General Baryalai in Deschitikala. Die im Norden des Landes gelegene Stadt Masar-i-Scharif ist ein wichtiger Stützpunkt für den Nachschub für die von den Taliban beherrschte Hauptstadt Kabul.

Zugleich erklärte ein Gesandter der Nordallianz in Washington, bislang hätten die Angriffe der Amerikaner für eine Bodenoffensive nicht ausgereicht. Er forderte die USA auf, die Angriffe auf Taliban-Stellungen noch zu verstärken. Zudem verlangte er, die Angriffe mit den Kommandeuren der Opposition abzustimmen.

Angriffe auf Taliban-Stellungen

US-Kampfjets setzten den Beschuss von Taliban-Stellungen nördlich von Kabul und bei Masar-i-Scharif am Dienstag fort. Nach Angaben der afghanischen Nachrichtenagentur hätten Einheiten der Nordallianz daraufhin versucht, gegen die Taliban vorzurücken, seien aber zurückgeschlagen worden.

Nach Angaben der Taliban-Regierung wurden bei den jüngsten US-Angriffen mehr als 40 Menschen getötet. Unabhängige Angaben über die Zahl der Opfer liegen nicht vor. US-Kampfjets bombardierten nach afghanischen Angaben zudem in dem Land mehrere mit Öl beladene Tanklastwagen. Dabei seien fünf Menschen getötet worden.

Großbritannien meldet Erfolge

Der britische Verteidigungsminister Geoff Hoon teilte am Dienstag in London mit, bislang seien bei den Angriffen neun Lager des Terror-Netzwerks El Kaida zerstört worden. Neun Flugplätze und 24 Militär-Baracken der Taliban seien schwer beschädigt worden. El Kaida ist die Organisation von Osama bin Laden, den die USA für die Anschläge vom 11. September verantwortlich machen.

Taliban stimmt Bau von Flüchtlingslagern zu

Das Taliban-Regime einigte sich inzwischen mit Pakistan auf den Bau von Auffanglagern in Afghanistan, um die Flüchtlings-Situation entlang der gemeinsamen Grenze zu entschärfen. So plane eine private pakistanische Wohlfahrtsstiftung, Notunterkünfte 15 Kilometer vom Grenzposten Chaman auf afghanischem Territorium einzurichten, berichteten pakistanische Medien.

Mehrere tausend verzweifelte afghanische Flüchtlinge hatten am Sonntag die Grenze bei Chaman durchbrochen. Daraufhin kam es zu Zusammenstößen mit pakistanischen Sicherheitskräften, bei denen nach Zeitungsberichten mindestens fünf Menschen verletzt wurden.

Musharraf will Ende der Angriffe

Pakistans Regierungschef Pervez Musharraf drängt auf ein Ende der US-Militäraktion gegen die Taliban vor Beginn des islamischen Fastenmonats Ramadan Mitte November. Obwohl der Krieg gegen den Terrorismus durchaus länger dauern könne, sei das Ziel der gegenwärtigen Operationen in Afghanistan "in ein oder zwei Tagen " zu erreichen, sagte Musharraf im pakistanischen Staatsfernsehen ohne Einzelheiten zu nennen.

Eliska
24.10.2001, 19:35
Die Generäle stehen zu Musharraf

Pensionierte pakistanische Generäle (die aktiven reden nicht in der Öffentlichkeit) sind überrascht vom Durchhaltevermögen der afghanischen Taliban nach einer amerikanischen Bombenkampagne von mehr als zwei Wochen. Gleichzeitig haben sie Verständnis für die Sorgen ihres aktiven Kollegen Pervez Musharraf, des Generalspräsidenten, der die Amerikaner in einem CNN-Interview abermals aufgefordert hat, den Krieg in Afghanistan zu beschleunigen und diesen entweder bis zum Beginn des muslimischen Fastenmonats am 17. November zu beenden oder während des Ramadans auszusetzen. "Ein einziger toter Zivilist in Afghanistan in dieser Zeit, und die gesamte muslimische Welt wird aufschreien", warnt einer der Offiziere.

Kein einziger prominenter Kommandeur der Taliban oder der Al-Qaida-Organisation des Extremisten Bin Ladin ist bisher übergelaufen oder getötet worden. Es hat offenbar keine Revolte gegen den Talibanführer Mullah Omar gegeben. "Die Mehrheit der Fundamentalisten kämpft", heißt es in Pakistan. Wenn die westliche Allianz mit einer raschen Implosion des Regimes unter der Last der Bombenattacken gerechnet habe, müsse sie jetzt umdenken, in Monaten und mit neuen Rekruten für die Taliban aus Pakistan kalkulieren. Die Infrastruktur des Regimes sei wahrscheinlich schwer angeschlagen, aber es werde länger dauern, bis die Führung der Koranschüler "eliminiert" sei, so einer der Generäle, der daran erinnert, daß die Afghanen geborene Kämpfer seien und schon als Vierzehnjährige mit einem Gewehr umgehen könnten. Wenn sie sich nicht zur Bildung einer Kriegsfront verleiten ließen (wo sie leicht bombardiert werden könnten), wenn sie leise in den bald einsetzenden Schneefall und die Berge "wegtauchten", könnten die Taliban noch geraume Zeit "überleben". Afghanistan sei ein Land voller Schluchten, Höhlen und Tunnels mit einer Länge von bis zu einem Kilometer. Die Paschtunen, aus denen sich die meisten Taliban rekrutieren, mögen für ihre schnell wechselnden Loyalitäten bekannt sein. Aber das heiße nicht unbedingt, daß man ausländischen Eindringlingen dabei helfe, die Waffen auf Angehörige des eigenen Stammes zu richten.

Was die Kehrtwende in der pakistanischen Afghanistan-Politik nach dem 11. September und unter großem amerikanischem Druck anlangt, so stehen die Generäle ziemlich einmütig hinter Musharraf. Er habe keine andere Wahl gehabt, sagen sie, "unsere Strategie war falsch". Afghanistan sei immer mehr zu einem Zentrum des Terrorismus, des Drogen- und Waffenschmuggels und der Ausbildungslager für "Dschihadi" (heilige Krieger) geworden. Wer sich in den wenig demokratischen Golfländern und anderen arabischen Staaten nicht "entfalten" konnte, sei nach Afghanistan gewandert. Schon seit ungefähr drei Jahren habe es bei den Streitkräften Bestrebungen gegeben, die Unterstützung für die Taliban zu beenden. "Die Attacken auf New York und Washington gaben uns einen einleuchtenden Anlaß, eine verhängnisvolle und möglicherweise unumkehrbare Politik zu beenden, und jetzt sind wir erleichtert", sagt einer der Generäle.

Wie auch einige seiner Kollegen mag er nicht daran denken, "was passiert, wenn Usama Bin Ladin, der in der islamischen Welt inzwischen eine Kultfigur geworden ist, gefangengenommen oder getötet werden sollte". Die Zahl der Taliban-Anhänger möge gering sein, die Zahl der Muslime mit antiamerikanischen Gefühlen sei jedoch groß. Deshalb die Sorge der Offiziere, daß Pakistan Schaden nähme, wenn der Krieg in Afghanistan, "bei dem ein muslimisches Land zerstört wird, um einen Extremisten zu fangen", zu lange dauern, wenn Amerika wie seinerzeit im Irak ohne einen "vollen Sieg" abziehen sollte. Pakistan erhält zwar eine "Kompensation" durch die Aufhebung der amerikanischen Sanktionen und die Wiederaufnahme der Waffenlieferungen. Aber bisher hat sich weder Amerika noch der andere große Gläubiger Japan zu einem Schuldenerlaß bereit gefunden. Vor allem die pakistanische Exportwirtschaft leidet, die meisten ausländischen Aufträge sind storniert und die Versicherungsprämien wesentlich erhöht worden. Das wirtschaftliche Reformprogramm kommt nicht voran, und still geworden ist es auch um den von Musharraf geplanten "Marsch" zur Demokratie. Von westlichem, vor allem amerikanischem Druck ist nichts mehr zu spüren, die wenigen Politiker mit einigem Ansehen sind nach vielen Jahren der Militärdiktatur zum Schweigen verurteilt, und es heißt, daß es allein in den Händen der Streitkräfte liege, ob es zu den für den nächsten Herbst vorgesehenen allgemeinen Wahlen komme.

Jüngere Offiziere kritisieren an Musharraf, daß er mit Amerika nicht hart genug verhandele, daß er "übervorsichtig" sei und Pakistan "ausverkauft" habe. Täglich gebe es neue Wahrheiten in kleinen Scheiben, wie etwa jetzt die Öffnung eines dritten Flughafens für amerikanische Kampfmaschinen, Hubschrauber und Mannschaften. "Chaos und Anarchie" seien nicht auszuschließen, wenn die Radikalen auf die Straßen gingen, die schweigende Mehrheit aber zu Hause bliebe. Amerika wäre deshalb gut beraten, den Krieg im Nachbarland rasch zu einem Ende zu bringen und Musharraf etwas an die Hand zu geben, was er der Bevölkerung vorzeigen könnte. Ein Erlaß von vielleicht fünf bis zehn Milliarden der insgesamt fast 40 Milliarden Dollar Auslandsschulden - "und die Demonstrationen gegen Amerika würden sehr rasch nachlassen". Möglicherweise wären dann auch, so heißt es, die Leute vom Militärgeheimdienst ISI - über deren mangelnde Kenntnisse sich Außenminister Powell bei seinem Pakistanbesuch in der letzten Woche beschwert haben soll - zu größerer Zusammenarbeit bereit. Manche Offiziere sagen, daß ISI-Leute noch immer nach Afghanistan reisten, daß sie Usama Bin Ladin finden könnten. Andere aber behaupten, daß die Amerikaner vom ISI nicht bekommen hätten, was sie dringend erwartet hatten: "Hartes" Geheimdienstwissen über Verstecke und Ausbildungslager der Taliban jenseits der Grenze - und daß sie jetzt, wie seinerzeit im Irak, ganz auf sich gestellt seien.

Von Erhard Haubold

Frankfurter Allgemeine Zeitung, 24.10.2001, Nr. 247 / Seite 3

Gert
26.10.2001, 12:21
Freitag, 26. Oktober 2001
Mehrstündige Bombardierung
Schwere US-Angriffe auf Kabul


US-Kampfflugzeuge haben in der Nacht in zehn Wellen Kabul angegriffen. Ziel der mehrstündigen Bombardierung war der Flughafen, das Zentrum, der Norden und Westen der afghanischen Hauptstadt. Die Luftabwehr der Taliban erwiderte das Feuer. In den verdunkelten Straßen waren Bewegungen mobiler Luftabwehrwaffen zu hören. Wegen des nächtlichen Ausgangssperre konnten sich Einwohner kein Bild von dem Ausmaß der Schäden machen.

Auch gegen Taliban-Stellungen im Norden Afghanistans wurden die Angriffe fortgesetzt. Ein Sprecher der radikal-islamischen Taliban meldete 26 US-Einsätzen in der nördlichen Provinz Samangan, berichtete die in Pakistan ansässige afghanische Nachrichtenagentur AIP.

Die Taliban berichteten unterdessen von der Festnahme eines gegnerischen Milizenführers. Der frühere Mudschahedin Abdul Hak war im September aus Dubai nach Pakistan zurückgekehrt und hatte sich den USA als Verbündeter gegen die Taliban angeboten. Er soll mit 100 Kämpfern nach Afghanistan eingedrungen sein. Ein Taliban-Sprecher dementierte zugleich frühere Meldungen, wonach auch britische oder amerikanische Soldaten gefangen genommen worden seien.

Britische Medien: Bin Laden hat nukleares Material

Unter Berufung auf westliche Geheimdienste berichtet die britische Tageszeitung "Times ", Osama bin Laden sei im Besitz von nuklearem Material, das er bei einem Attentat einsetzen könne. Er sei allerdings technisch nicht in der Lage, eine Atombombe zu bauen. Bin Laden habe das Material auf illegalem Wege aus Pakistan beschafft.

Gert
30.10.2001, 23:50
Dienstag, 30. Oktober 2001
Rumsfeld bestätigt Einsatz
US-Bodentruppen in Afghanistan


In Nord-Afghanistan sind nach Angaben von US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld US-Soldaten als Verbindungspersonen im Einsatz. Eine kleine Gruppe von US-Soldaten sei im Norden aktiv und solle bei der Beschaffung von Zieldaten für die US-Bombenangriffe helfen. Auch in Süd-Afghanistan seien zweitweilig Soldaten im Einsatz gewesen. Die US-Kommandoeinheiten waren nach US-Angaben in der Nacht vom 19. auf den 20. Oktober im Einsatz.

Der britische Verteidigungsminister Geoff Hoon antwortete auf die Frage, ob sich ebenfalls britische Soldaten in Afghanistan befänden: "Zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht."

Zuvor hatten die Taliban gemeldet, dass sich bereits 500 Soldaten und Militärberater der USA und anderer Länder im Gebiet der Nordallianz in Afghanistan befinden würden. Die meisten von ihnen seien in Faisabad in der nördlichen Provinz Badachschan, sagte Kari Ahmedullah, der Geheimdienstchef der Taliban, der in Pakistan ansässigen privaten afghanischen Nachrichtenagentur AIP.

Nordallianz bereitet Offensive vor

Die oppositionelle Nordallianz in Afghanistan hat unterdessen ihre Vorbereitungen für eine Offensive auf Kabul und die strategisch wichtige Stadt Masar-i-Scharif nach eigenen Angaben verstärkt. Unterstützt werde sie dabei durch die US-Luftangriffe. Besonders im Frontabschnitt 50 Kilometer nördlich der Hauptstadt habe die Nordallianz weitere Truppen zusammengezogen und bis zu tausend Kämpfer der "Sarbati"-Elitietruppe in Stellung gebracht.

Ein Kommandeur sagte, die Truppen seien zum Marsch auf Kabul bereit, es sei jedoch noch unklar, wann der Einsatzbefehl komme. Unterdessen erschütterte eine gewaltige Explosion am Dienstag die Front bei Bagram nördlich von Kabul. Eine pilzförmige Wolke stieg mehrere hundert Meter in die Luft. Die Ursache der Explosion war zunächst unbekannt, da sich zu dem Zeitpunkt keine US-Flugzeuge in der Nähe befanden.

Die US-Armee hatte zuvor nach Angaben des TV-Senders Al Dschasira eine neue heftige Angriffswelle rund um die Taliban-Hochburg Kandahar gestartet. Wie der Korrespondent des in Pakistan ansässigen Senders berichtete, schlugen diesmal aber keine Bomben oder Raketen im Stadtzentrum ein. Dies garantiere aber nicht, dass es keine zivilen Opfer gegeben habe, sagte er. Auch die afghanische Hauptstadt Kabul sei erneut bombardiert worden, hieß es.

Der Aufbau eines US-Stützpunktes auf afghanischem Boden rückt offenbar näher. Beamte des Pentagons denken über eine Militärbasis auf dem Gebiet der Nordallianz nach, berichtet die Tageszeitung "USA Today". Demnach sollen 200 bis 300 Elitesoldaten und eine Unterstützungstruppe von 600 Mann einen Vorposten im Norden des Landes bilden.

Berlin rechnet mit Einsatz deutscher Soldaten

Die Bundesregierung rechnet weiter mit einem Einsatz deutscher Soldaten im Kampf gegen den internationalen Terrorismus. Das machten Regierungskreise am Dienstag in Neu-Delhi am Rande der Asienreise des Bundeskanzlers deutlich. Der Zeitpunkt sei nach wie vor "unklar ", aber es werde nach der Kanzlerreise sein.

Die USA haben jedoch nach wie vor keine konkreten Anforderungen für einen aktiven Einsatz der Bundeswehr bei der Bekämpfung des Terrorismus angemeldet. "Es gibt keinen neuen Sachstand", sagte Verteidigungsminister Rudolf Scharping in Leipzig. Scharping sprach vor Vertretern aus Wirtschaft, Politik und Verwaltung über die Kooperation der Bundeswehr mit Unternehmen.

Ps.
Die Deepen bei uns haben nichts besseres zu tun, sich die ganze Zeit aufzudrängen. Hab eigendlich keine Lust, demnächst zur Reserve-Übung eingezogen zuwerden und einen HVPL ( Hauptverbandsplatz) aufzubauen, hab ich schon 2.Mal hinter mir.

Eliska
19.11.2001, 20:01
NEU-DELHI, 18. November.
Der pakistanische Prediger Maulana Abdul Aziz hat den Himmel angerufen, damit er Schwalben sende gegen die Feinde der Taliban über den Wolken, die F-18-Kampfflugzeuge der amerikanischen Luftwaffe. Bei seinem Freitagsgebet erinnerte Aziz an eine Geschichte im Koran: Schwalben werfen Kieselsteine und hindern eine Armee von Elefanten daran, den heiligen Schrein von Mekka zu erobern.

Es steht schlecht um die Taliban, sie sind in den vergangenen Wochen überschätzt worden. In einer Woche haben sie zwei Drittel Afghanistans an die gegnerische Nordallianz verloren. Von allen Städten halten sie nur noch Kandahar, ihre Hochburg. Wenn auch diese, der Sitz des "Führers der Gläubigen", Mullah Mohammad Omar, in den nächsten Tagen verlorengeht, ist es mit der Organisation, der "Bewegung" der Koranschüler, zu Ende, eine Regierung hatten sie ohnehin nie in den sieben Jahren ihrer Herrschaft.

Sie sprechen von einem taktischen Rückzug, sie wollen von Bergen und Höhlen aus einen Guerrillakrieg führen mit Waffen, die von der Sowjetunion und deren westlichen Gegnern Ende der achtziger Jahre zurückgelassen worden waren und die angeblich für hundert Jahre reichen sollen. Sie könnten die politische Stabilisierung und den wirtschaftlichen Wiederaufbau Afghanistans schwer behindern, sie könnten westlichen Bodentruppen bittere Verluste beibringen. Ihre Drohungen könnten sich aber auch als genauso hohl erweisen wie die der maoistischen Roten Khmer in Kambodscha nach den Wahlen dort im Jahr 1993.

Wahrscheinlich haben die Taliban zu lange gewartet mit dem Marsch in die Berge. Wenn sie Kandahar verlassen, können sie von den amerikanischen Flugzeugen leicht ausgemacht werden. Der pakistanische Afghanistan-Fachmann Ahmed Rashid sieht ein Massaker voraus.

Überdies scheinen die Leute Mullah Omars die Unterstützung der Bevölkerung verloren zu haben. Die solidarisierte sich noch einmal mit ihnen, als die amerikanische Luftwaffe die ersten Bomben warf - weil ein Afghane nichts so sehr haßt wie eine ausländische Intervention.

Inzwischen aber gewinnt die Erinnerung an die Missetaten der Koranschüler die Oberhand. Sie haben den Stolz der Bevölkerung verletzt und die Männer entwürdigt, was vor allem Paschtunen nicht so schnell vergessen.
"Ich mußte zusehen, wie die Religionspolizei meine Frau verprügelte", erzählt einer, "und konnte nichts tun, weil sie uns auch alle Waffen abgenommen hatten."

Den Taliban fehlt, was ihre "Väter", die Mudschahedin, im Kampf gegen die sowjetische Besatzung hatten: die Unterstützung Pakistans und Amerikas mit Waffen, Treibstoff und Lebensmitteln.
Die Mudschahedin hatten die Sympathien der Bevölkerung und einen Rückzugsraum in Pakistan. Aber nicht nur die Bevölkerung wendet sich von den Koranschülern ab. Einer nach dem anderen unter den kleinen "Warlords" und Stammesführern, die oft außerhalb ihres Dorfes oder Tales kaum bekannt sind, schlägt sich auf die Seite der Taliban-Gegner.

Sie ließen früher ihre Bärte wachsen und gingen in die Moschee, weil es opportun war, weil sie Posten und Einfluß behalten konnten. Genauso war es mit vielen ehemaligen Kommunisten aus der Zeit der sowjetischen Besatzung oder dem Najibullah-Regime danach, dem Luftwaffenchef der Taliban und anderen Offizieren, die den Umgang mit Flugzeugen, Hubschraubern und Panzern nicht in einer Koranschule gelernt haben konnten.
Die wichtigste Waffe bei den weitgehend kampflosen Siegen der Taliban von 1994 an wird jetzt von ihren Gegnern eingesetzt: Säcke voller grüner Dollarscheine, die auch britische und amerikanische Spezialeinheiten im Gepäck haben sollen.


Ein harter Kern von vielleicht dreißig Leuten um Mullah Omar wird auf Gedeih und Verderb zusammenbleiben, die Moderaten und die Opportunisten aber lösen sich - für die in der neuen politischen Struktur Platz geschaffen werden muß. "Wenn sie kein Blut an den Händen haben, sind sie willkommen", hat der angesehene "südliche" Stammesführer Hamid Karzai gesagt.

Weil in Afghanistan aber schnell die Seiten gewechselt werden, ist auch ein "Comeback" der Taliban nicht auszuschließen. Wenn etwa zu viele ausländische Truppen ins Land gebracht werden oder zu lange bleiben. Oder wenn die Bombenkampagne der amerikanischen Luftwaffe noch lange anhalten sollte.


Wenn eines Tages die Archive geöffnet werden, dürfte sich zeigen, wie sehr die Taliban die Kinder Pakistans und seines militärischen Geheimdienstes ISI waren. Tagtäglich, bis zum 11. September, sollen Lastwagen über die Grenze bei Torkham gefahren sein - mit Waffen, Munition, Treibstoff und Lebensmitteln, unter den Planen versteckt.
Pensionierte pakistanische Offiziere haben als militärische Berater bei den Taliban gedient, "Techniker" aus Islamabad haben das Telefonsystem aufgebaut. Und wenn eine militärische Operation verlustreich abgebrochen werden mußte, so meistens deshalb, weil die Koranschüler den pakistanischen Vorschlägen nicht gefolgt waren.

Die pakistanische Zeitung "The International News" nennt sie "einen aufgeblasenen Ballon ohne Feuerkraft, Strategie oder taktische Tiefe, eine Studentenbewegung, die in Kandahar den Verkehr kontrollierte und später von Pakistan und dem ISI die entscheidende administrative, wirtschaftliche, logistische und diplomatische Hilfestellung bekam".
Die älteren Taliban haben noch gegen die Sowjets gekämpft, Mullah Omar hat dabei ein Auge verloren. Die jüngeren, und das ist die Mehrheit, sind in pakistanischen Flüchtlingslagern aufgewachsen und in Koranschulen erzogen worden. Sie haben nie eine unverschleierte Frau gesehen, sie wissen nichts von der Welt, ihnen wurde von einer idealen islamischen Gesellschaft erzählt, wie sie der Prophet Mohammed vor 1400 Jahren errichtet haben soll.

Genau diese in ihrer einmaligen Rigidität wollten sie aufbauen. Die Folgen waren das Arbeits- und Bildungsverbot für Frauen, die Pflicht zum regelmäßigen Beten, zum Tragen von Bart und Turban bei den Männern, das Verbot von Schach oder Fußball, von Fernsehen und Film und jedem anderen "Ikonenkult".

Auf den Dörfern waren die Frauen daran gewöhnt, daß es für sie keine Schulen und keine Krankenhäuser gab. Auch im paschtunischen Teil Pakistans sieht man kaum eine Frau ohne Schleier oder Kopftuch.
Ein Schock aber waren die Taliban für die halbwegs emanzipierten Bevölkerungen von Kabul oder Mazar-i-Sharif. Dort gab es Tausende von Ärztinnen und Lehrerinnen, die sich plötzlich alle unsichtbar machen mußten.
40 000 Witwen durften nicht arbeiten, konnten ihre Kinder nicht versorgen und gingen betteln - oder brachten sich mit einem Putzmittel ums Leben.

Dabei waren selbst die Frauen in Kabul zunächst angetan von den Taliban, mit denen ein wenig Recht und Ordnung eingezogen war nach Jahren der Willkür, Vergewaltigung, des Raubs und des Mordes unter jenen Kriegsherren, von denen einige jetzt mit der Nordallianz zurückgekehrt sind.
Mullah Omar verbot den Opiumanbau.

Großen Eindruck hatte der bis dahin unbekannte Mann mit einer Robin-Hood-Aktion im Frühjahr 1994 gemacht:
Er ließ zwei "Warlords", die junge Mädchen in ihr Lager genommen, kahl geschoren und mehrmals vergewaltigt hatten, festnehmen und am Geschützrohr eines Panzers aufhängen. Er vertrieb die überall Wegezoll erhebenden kleinen Kriegsherren. Aber schnell vergaßen Omar und seine Leute, daß sie ursprünglich nur den Frieden wiederherstellen, die Scharia einführen, alle Waffen einsammeln und den islamischen Charakter Afghanistans verteidigen wollten - um dann in ihre Koranschulen zurückzukehren.
Sie blieben und führten eines der geheimnisvollsten, radikalsten Regimes der Welt. Die Versorgung der Bevölkerung mit Lebens- und Arzneimitteln überließen sie den internationalen Hilfsorganisationen, sie bauten weder Schulen noch Krankenhäuser, höchstens Moscheen. Eine peitschende Religionspolizei hielt die Menschen in Schach.


Wahrscheinlich wäre das Regime schon früher zusammengebrochen, hätte es nicht das Geld und die 5000 arabischen "Freiwilligen" von Usama Bin Ladin und der Al Qaida gegeben.

Der weltläufigere saudiarabische Extremist schmierte dem Bauernsohn Mullah Omar Honig ums Maul, machte ihn glauben, daß er ein auf die Erde zurückgekehrter Vertreter des Propheten sei.

Wie mächtig Bin Ladin geworden war, zeigte die nach dem 11. September und dem amerikanischen Auslieferungsbegehren einberufene "Schura" von beinahe tausend islamischen Schriftgelehrten. Sie hatten die Ausweisung des Arabers empfohlen. Aber nach einem Einspruch Mullah Omars hieß es in dem veröffentlichten "Urteil", daß dem Extremisten freigestellt worden sei, zu bleiben oder zu gehen.

Usama Bin Ladin wird für die zunehmende Radikalisierung des Taliban-Regimes verantwortlich gemacht, das die ethnischen Minderheiten drangsaliert und Hunderte ihrer Angehörigen umgebracht sowie die Buddha-Statuen von Bamiyan zerstört hat.


Was wäre aus den Koranschülern geworden, wenn Amerika nach ihrem Einmarsch in Kabul diplomatische Beziehungen aufgenommen hätte?
Das wurde in Washington eine Zeitlang ernsthaft erwogen:
Die sunnitischen Taliban waren Feinde des schiitischen amerikanischen Feindes Iran. Und sie hätten eine Schlüsselrolle gehabt beim Bau der von Unocal geplanten Erdöl-Pipeline von Pakistan über Afghanistan nach Zentralasien. Sie führten ein an Rohstoffen reiches Land.
Ein amerikanischer Diplomat spekulierte damals, daß sich die Taliban so ähnlich wie Saudi-Arabien entwickeln würden. Da werde es Pipelines, einen Emir, die Scharia und kein Parlament geben, aber "damit können wir leben".


Von Erhard Haubold

Frankfurter Allgemeine Zeitung, 19.11.2001, Nr. 269 / Seite 3

DvD
19.11.2001, 22:02
Hallo Eliska,

sehr guter Artikel. Ich verfolge das Geschehen in und um Afghanistan schon lange mit großem Interesse und Anteilnahme. Ich hoffe das Land und die Bevölkerung kommen endlich mal zur Ruhe. Es sieht aber nicht so aus. Der Bürgerkrieg tritt wahrscheinlich in eine neue Phase. Die Stämme der Nordallianz stecken ihre Claims ab. Das Machtvakuum das entstanden ist offenbart neue/alte Konflikte. Waffen und Dollars gibt es aus allen Richtungen, jetzt wieder vor allem aus Amerika. Ich glaube die Amerikaner haben sich in dieser Region wieder einmal verkalkuliert. Die Taliban und Bin Laden sind ver(nichtet)drängt, doch Verbündete haben sie nicht in Afghanistan, eher eine neue Front. Und das, je länger sie im Land bleiben. Und das müssen sie, um die Atomwaffen in Pakistan zu bewachen, gegebenenfalls unter ihre Kontrolle zu bringen. Was mich in diesem Zusammenhang zusätzlich beunruhigt sind jüngste Äußerungen von Rumsfeld, die eine Ausweitung des Rachefeldzugs auf den Irak und Somalia ankündigen. Wieviele Fronten kann Amerika trotz technischer Überlegenheit langfristig tatsächlich verkraften. Und nun mischen wir Dank Schröder auch noch mit.

DvD

Eliska
20.11.2001, 16:13
Der Rückzug der Taliban weckt neue Hoffnungen

Die militärischen Erfolge der Nord-Allianz wecken die Hoffnung, dass die hungernde und kriegsversehrte Bevölkerung vor den Folgen des Winters geschützt werden kann. Doch der Widerstand der Taliban und die Spannungen in den Reihen der Sieger könnten dafür sorgen, dass die angestrebten Ziele doch noch unerreichbar bleiben.

By. Delhi, 19. November

Nirgends werden die Widersprüche der neuen Lage in Afghanistan deutlicher als an den Grenzübergängen nach Pakistan. Zwar sind diese offiziell nach wie vor geschlossen, dennoch findet ein reger Grenzverkehr statt. Doch verläuft dieser nun in beide Richtungen. Am letzten Wochenende sind über hundert Kleinlastwagen über den Khyber-Pass gefahren, gefüllt mit Flüchtlingen, die in ihre afghanische Heimat zurückkehrten. Zu ihnen gesellten sich auch Mujahedin, die aus ihrem Exil in Peshawar aufbrachen, um die von den Taliban geräumten Machtpositionen einzufordern.


Nur die Hälfte der Aufgabe gelöst

In Quetta, südlich von Peshawar, nahm dagegen die Zahl der Flüchtlinge in Richtung Pakistan immer noch zu. Beobachter sprachen allerdings von auffallend vielen jungen, wohlgenährten Männern, die sich in die Kolonnen von Frauen, Kindern und Verwundeten einreihten. Sie gaben sich als Opfer der Taliban aus, könnten aber ebenso gut selbst Taliban sein. Obwohl Pakistan seine Grenzüberwachung massiv aufgestockt hat, hat das Uno-Hochkommissariat für Flüchtlinge die Befürchtung geäussert, dass sich geflohene Taliban in Lagern einnisten könnten. Im Bajaur-Bezirk nördlich von Peshawar kehrten zahlreiche Pakistaner aus Afghanistan zurück; Freiwillige, die einige Wochen zuvor den Taliban zu Hilfe geeilt waren; 80 von ihnen wurden am Grenzposten verhaftet, weil sie einer inzwischen verbotenen Kaschmir-Befreiungsgruppe angehören.

Was in der letzten Woche an den Grenzübergängen jedoch nicht abgefertigt wurde, waren grössere Konvois mit Hilfsgütern. Dies hing mit der Weigerung zahlreicher Spediteure zusammen, sich angesichts der Umwälzungen in den afghanischen Ostprovinzen auf die Strasse zu begeben. Hinter dem Ausbleiben von Nahrungsmittel-Konvois verbarg sich aber auch eine gute Nachricht: Bis Mitte Monat hatte das Uno-Welternährungsprogramm (WFP) 75 Prozent seiner Lieferungen für den November bereits in die grossen Warenlager in den Verkehrszentren gebracht. Insgesamt muss das WFP 27 000 Tonnen Getreide ins Land schaffen, um zu verhindern, dass rund eine halbe Million Menschen verhungert. Dies ist auch eine Geldfrage. Bis zum März 2002 braucht die Uno 600 Millionen Dollar, um ihr Afghanistan-Hilfsprogramm zu finanzieren. Bisher hat sich die Weltgemeinschaft trotz Bekenntnissen zur Solidarität nur für 40 Prozent des Betrags verpflichtet.

Auch im Land selber ist mit dem Aufstocken der Lager die Aufgabe nur zur Hälfte erfüllt. Wesentlich schwieriger dürfte es nun sein, das Getreide von diesen regionalen Zentren in die abgelegenen Regionen zu transportieren. In der ernsthaft gefährdeten zentralen Hazarajat-Region kam letzte Woche nur ein einziger Lastwagen an. Probleme bietet auch die Fehlplanung in Bezug auf die Transportwege. Ein Grossteil der Hilfsgüter lagert in Pakistan, und dort existiert eine über die Jahre eingespielte Infrastruktur, nicht zuletzt auf Seiten der pakistanischen Behörden. Die politischen und militärischen Entwicklungen in Afghanistan zwingen nun zu einer Umleitung der Transportwege vom Osten in den Norden. Vorräte aus Quetta werden nach Turkmenistan und Usbekistan geflogen, um sie von dort ins Land zu bringen. Dort fehlt aber eine eingespielte Logistik; oft fehlen auch Kompetenz und Verständnis bei den lokalen Behörden. So sperrt Usbekistan weiterhin die einzige Brücke über den Grenzfluss Amu Darja, und Hilfsgüter werden auf Fähren auf die andere Seite nach Hairaton gebracht. Dort mangelt es an Transportkapazitäten, um die bereitstehenden 450 Tonnen in die Notstandsgebiete im Nordosten zu bringen.


Freisetzung personeller Kapazitäten

Das Nachlassen und zunehmend auch die Umkehrung der Flüchtlingsbewegung setzen bei den Hilfswerken personelle Kapazitäten frei, die sie nun, nach dem Rückzug der Taliban aus weiten Teilen des Landes, in diesem kritischen Augenblick wieder im Innern Afghanistans einsetzen können. Dies geht einher mit einer Verbesserung der Zusammenarbeit mit den neuen Behörden, was auch im Rückgang von Plünderungen zum Ausdruck kommt. Auch die Nichtregierungsorganisationen haben begonnen, ihre personellen Bestände vorsichtig wieder aufzustocken. Mit den ausländischen Mitarbeitern kommen auch wieder Fahrzeuge und Kommunikationsmittel ins Land und garantieren eine bessere Koordination für die Hilfe an die Hunderttausende von Menschen, die im Innern des Landes immer noch auf der Flucht und von Hunger bedroht sind. Von ebenso grosser Bedeutung ist die psychologische Stärkung der afghanischen Mitarbeiter, denen die Taliban mit Misstrauen begegneten. Oft wurden sie auch verfolgt. Nichts zeigte dies deutlicher als die Bilder der Frauen, die in den letzten Tagen in Kabul an ihre Arbeitsplätze zurückkehrten, von denen sie während Jahren verbannt gewesen waren.

Neue Zürcher Zeitung

Eliska
20.11.2001, 16:37
Die USA müssen drei Aufgaben lösen: Die Al Qaida zerstören, die humanitäre Hilfe einleiten und die Afghanistan-Diplomatie voranbringen. Beim Militärischen verlässt sich Washington am liebsten auf sich allein, für den Rest sollen Nato und Vereinte Nationen sorgen.

Das ist nach wie vor die oberste Devise der US-Regierung:
Nerven behalten. Denn die Situation in Afghanistan wird täglich unübersichtlicher. Osama bin Laden hält sich immer noch versteckt, in der Grenzregion zu Pakistan herrschen weiter die radikalislamischen Taliban, das militärische Ziel der "Operation dauerhafte Freiheit" ist zweifellos nähergerückt, es befindet sich aber nicht in Reichweite. Politisch wiederum ist die Lage explosiv. Die oppositionelle Nordallianz - ein untereinander zerstrittenes Bündnis, das sich aus Tadschiken, Usbeken und Hazaras zusammensetzt, die zusammen kaum ein Drittel der afghanischen Gesamtbevölkerung repräsentieren - scheint sich in der Hauptstadt Kabul festgesetzt zu haben. Und an der humanitären Front tut sich erschreckend wenig. Die dringend benötigte Hilfe, etwa 50 000 Tonnen Lebensmittel müssten nach UN-Angaben monatlich geliefert werden, lässt auf sich warten.


Bin Laden bleibt das Ziel

Was tun? Das Problem hat drei Aspekte, die unterschiedlich gelöst werden müssen. Die Last des militärischen Erfolges lastet überwiegend auf den Schultern der USA. Wenn es nicht gelingt, Osama bin Laden und wesentliche Teile seines Terrornetzwerkes "Al Qaida" auszuschalten, wird das Gesamtunternehmen, trotz aller politisch positiven Nebeneffekte des Krieges, als Fehlschlag gewertet werden müssen.

Amerika wollte nicht ein Land wegen seiner tyrannischen Herrscher bombardieren, sondern die Gefahren des Terrorismus verringern. Daran misst sich die Operation. Auch das Ende der Taliban-Herrschaft ist nur Mittel zum Zweck. Dessen ist man sich im Weißen Haus und Pentagon bewusst. So sehr sich die Fragen der Politik und Humanität zur Zeit in den Vordergrund drängen und so erfreulich die Bilder befreiter Menschen sind: Der Fokus bleibt auf die mutmaßlichen Urheber des 11. September gerichtet.

Größere Wellen freilich schlägt in der Aufmerksamkeit derzeit die Politik. Was kommt nach den Taliban? Lässt sich das Knäuel aus verfeindeten Milizen, rivalisierenden Stämmen und massiver äußerer Einflussnahme - von Pakistan über Russland, bis Iran und Indien - entwirren? Die Rückkehr des ehemaligen Präsidenten Burhanuddin Rabbani nach Kabul war kein gutes Signal. Dessen letzter Versuch, das Land zu regieren, endete 1992 in einem Bürgerkrieg. Die Sorge, dass es diesmal ohne internationale Oberaufsicht wieder zu Eruptionen kommt, ist begründet. Zusätzliche Verwirrung stifteten offizielle Meldungen aus Russland, nach denen zwölf russische Beamte unter Leitung von Sonderbotschafter Orlow begonnen hätten, der Nordallianz bei der Bildung einer Koalitionsregierung zu helfen.

Sicher ist nur eins: Die Zeit drängt. Die normative Kraft des Faktischen ist bereits spürbar. Ein erster Erfolg der politischen Bemühungen ist deshalb das Zugeständnis der Nordallianz, an einer internationalen Konferenz teilzunehmen, die in Deutschland, Österreich oder der Schweiz stattfinden könnte. Die Zusicherung wurde der Nordallianz abgetrotzt. Entsprechenden Druck ausgeübt hatten sowohl die UN, in Form ihres Sonderbeauftragten Lakhdar Brahimi, als auch die USA, durch Sondervermittler James Dobbins.

Doch die Frage, wer genau am Konferenztisch sitzen darf, ist noch ungelöst. Die Formel der UN, es sollten die Vertreter all jener Bevölkerungsgruppen sein, die einen "konstruktiven Beitrag" leisten, ist sicherlich zu vage. Außerdem ist noch offen, ob und in welcher Form das so genannte "Sechs-plus-Zwei"-Gremium an der Konferenz teilnimmt. Das sind die sechs Nachbarländer Afghanistans plus den USA und Russland. Deren Zustimmung zur politischen Neuordnung ist unerlässlich.

Die Stabilität im Land müssen vorübergehend jedoch ausländische Streitkräfte garantieren. Drei Alternativmodelle dazu sind inzwischen überholt: Brahimi hatte gehofft, ganz darauf verzichten zu können, ein Einsatz von Blauhelmen wie in Ruanda, Somalia und Bosnien würde zu lange dauern, eine effiziente Truppe, die sich ausschließlich aus Soldaten islamischer Länder zusammensetzt, kommt nicht zustande.

Alles läuft daher auf den Einsatz einer multinationalen Armee (MNF) hinaus, die vom UN-Sicherheitsrat abgesegnet wird. Die Führung würde am besten in türkischer Hand liegen, dem einzigen islamischen Nato-Land mit gut ausgebildeter Armee. Eine wichtige Rolle darin sollten auf jeden Fall auch Großbritannien und Frankreich übernehmen. Schon jetzt scheint Paris ebenso bereit, die Sicherheit der Bewohner von Masar-i-Scharif gewährleisten zu wollen, wie London dies offenbar im Falle von Kabul tun wird.


Wer fliegt Lebensmittel und Arzneien?

Die Nato wiederum ist vorrangig im Rahmen der humanitären Hilfe gefragt. Lebensmittel und Medikamente müssen in die umliegenden Länder geflogen, die Routen wieder instand gesetzt werden, die Hilfsorganisationen brauchen bewaffneten Schutz. Die organisatorische Planung sowie die Verteilung der Güter würde allerdings trotz Nato in der Hand der Hilfsorganisationen bleiben.

Das Knäuel lässt sich entwirren. Uno und Nato sind stärker gefragt denn je. Nach dem Motto: Nerven behalten und zügig handeln.

Malte Lehming
Tagesspiegel

Eliska
21.11.2001, 19:16
Im Westen gelten sie als die Guten in Afghanistan, aber die Befreier erweisen sich als fast so skrupellos wie die Taliban. Die neuen Herren sind brutal, heillos zerstritten und gleichen sich nur in einem: der Machtlust. Das Chaos hat schon begonnen.

Ashwin Raman

Ein Abgeordneter des US-Kongresses sagte einmal zum amerikanischen Präsidenten Franklin D. Roosevelt, der nicaraguanische Diktator Somoza sei ein Hurensohn. Roosevelt überlegte kurz und antwortete: "Sie haben Recht, aber er ist unser Hurensohn." Die Anekdote fällt einem heute wieder ein, wenn man an die neuen Freunde der USA denkt, die Krieger der afghanischen Nordallianz. Was Brutalität, Intriganz und Habgier angeht, könnten sie Somoza sogar noch in den Schatten stellen.

Zwölf politische Parteien gibt es zurzeit im Afghanistan der Nordallianz, dazu noch zahllose kleine weitere Interessengruppen. Und alle wollen sie hauptsächlich eins: an die Macht.
Da nützt es wenig, wenn George W. Bush und Tony Blair ihre Vision von einer "breiten multi-ethnischen Regierung" in Kabul propagieren. Die Mehrheit der Afghaner hat derzeit damit wenig im Sinn.

Ein Beispiel:
Gegenüber der BBC sagte der Sprecher der Nordallianz, Ahmed Wali Massud, am vergangenen Sonntag: "Ja, auch wir wollen eine Regierung, an der alle beteiligt sind. Aber mit den Taliban und ähnlichen Paschtunen-Gruppen wollen wir nichts zu tun haben. Es wäre doch undenkbar gewesen, dass die Nazis nach dem Zweiten Weltkrieg Teil der deutschen Regierung geworden wären."

Wie er so redet, scheint Massud doch einiges vergessen zu haben, nämlich seine persönliche Biografie. Zur Auffrischung seiner Erinnerungen könnte man ihm das angesehene, mittlerweile auch auf Deutsch erschienene Buch "Taliban" des pakistanischen Journalisten Ahmed Raschid empfehlen. Darin wird nicht nur die Grausamkeit der Taliban-Krieger beschrieben, sondern auch die Brutalität einiger Führungsfiguren der Nordallianz, von Abdul Raschid Dostum etwa, von Abdul Malik, Ismail Khan und anderen.


Dead man dancing

Buchautor Raschid erzählt zum Beispiel, wie er kurz vor einem Interview-Termin mit Dostum beobachtete, wie dieser einen seiner Soldaten hinrichten ließ: Der Soldat wurde an die Kette eines fahrenden Panzers gebunden.
Dostum, dessen Vorliebe für Wodka und Bauchtänzerinnen bekannt ist, trägt einen usbekischen Namen; übersetzt bedeutet er "Freund von allen".
Und in der Tat hat Dostum in seinem Leben je nach Interessenlage schon mit den verschiedensten politischen Parteien zusammengearbeitet.

Die Menschenrechtsorganisation "Human Rights Watch" bezeichnet Dostum sehr vorsichtig als jemanden, der "viele Antworten schuldig ist".

Die anderen Führer der Nordallianz stehen Dostum nicht nach.
Auch Abdul Malik ist für seine Gräueltaten bekannt. Zum Beispiel soll er Taliban-Soldaten getötet haben, indem er sie in Metallcontainer einschloss, wo sie in der unerträglichen Sonne durch Hitzschlag starben.

Berüchtigt sind auch Mitglieder der Hizb-i-Wahdat, der Vereinigten Islamischen Partei, die eine wichtige Rolle in der Nordallianz spielen. 1996 entwickelten sie ein Ritual, das "Dead man dancing" hieß.

Der Kopf eines Gefangenen wurde abgehackt, Benzin auf den blutigen Nacken gegossen und angezündet. Das Zucken des kopflosen Körpers wurde mit Musik begleitet.

Vor dem Hintergrund solcher Berichte wird verständlicher, was sich in diesen Tagen in der von der Nordallianz belagerten Stadt Kundus abspielt. Die 5000 eingekreisten Taliban ahnen, was ihnen geschehen könnte, wenn sie sich ergeben.

Dostum hat zwar in einem Interview mit der BBC gesagt, er sei bereit, eine Kapitulation der Taliban nach den Regeln der Genfer Konvention zu akzeptieren. Dieses Angebot gilt aber nur für die afghanischen Taliban, nicht für die ausländischen.

Der überwiegende Teil der Taliban gehört jedoch zur ägptischen Terroristenorganisation Al-Gamaa al-Islamiya, zu jener Gruppe also, die 1997 bei den Pyramiden von Luxor 58 Menschen umgebracht hat.

Die Verzweiflung unter den Taliban in Kundus ist groß. Jedenfalls ist einigen von ihnen der Tod allemal lieber als in die Hände der Nordallianz zu fallen.
Der britische "Guardian" berichtete etwa, dass sich 60 tschetschenische Taliban in den Fluss Armu gestürzt haben und ertrunken sind. 25 weitere pakistanische Taliban-Kämpfer sollen sich Zeitbomben um den Körper gebunden haben, bevor sie sich sich ergaben und mit erhobenen Händen aus dem Schützengraben stiegen; sie nahmen einige tadschikische Soldaten mit in den Tod.

Die meisten Taliban freilich sind nicht bereit aufzugeben. Der britische Journalist Justin Huggler berichtete von einem Funkgespräch zwischen einem Soldaten der Nordallianz und einem Taliban-Krieger.
Der Soldat der Nordallianz sagte: "Es ist sinnlos, weiter zu kämpfen. Wir haben Kabul, Bamiyan und Dschalalabad."
Der Taliban antwortete: "Gott ist auf unserer Seite. Wir werden nie aufgeben, wir werden bis zum Ende kämpfen."

Ein Taliban, der von der Nordallianz gefangen genommen wurde, beschreibt den Angriff auf Kundus laut Justin Huggler so: "Es war schrecklich, als die Flugzeuge kamen. Jeeps eplodierten, Körperteile flogen durch die Luft."

Rahimullah Yusufzai, die bekannteste Stimme der BBC in Afghanistan, schreibt in "The News": "Es ist unglaublich. Hier wird ein Blutbad angerichtet, aber von den Menschenrechtsgruppen des Westens ist nichts zu zu hören.
Die amerikanische Antwort sind verstärkte Bombardierungen - statt eine Kapitulation nach der Genfer Konvention zu organisieren."

Die Zivilisten, die von Kundus in das 30 Kilometer östlich gelegene Mazar-i-Scharif geflüchtet sind, waren Zeugen weiterer Gräueltaten. Am 9. November, als die Stadt in die Hände der Nordallianz fiel, sollen 500 Taliban durch die Straßen getrieben und im Beisein von Frauen und Kindern erschossen worden sein.

Erst, als einige Medien empört auf die Massaker reagierten, stellte die Nordallianz die Gewaltakte ein. Nun allerdings, da sich die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit auf andere Teile des Landes verlagert hat, gehen nach Berichten zweier pakistanischer Zeitungen die Hinrichtungen angeblich weiter.

An der politischen Front herrscht mittlerweile Chaos.
Mazar-i-Scharif wurde von Dostum, einem Usbeken, Atta Mohammad, einem Tadschiken, und Ustad Mohaqqiq, einem Hazara, eingenommen. Da diese Drei sich aber nicht auf eine gemeinsame Politik einigen konnten, wurde die Stadt in drei Einflussgebiete aufgeteilt.

Anarchie herrscht auch in Dschalalabad.
Hier hat Hadschi Abdul Kadir, ein Bruder des von den Taliban ermordeten Oppositionellen Abdul Haq, sich selbst zum Gouverneur ernannt. Aber die anderen Stammesführer sind damit nicht einverstanden.

Äußerst kritisch ist die Situation in Kabul.
Die Hauptstadt ist das nationale Machtsymbol, hier wohnen Angehörige aller Bevölkerungsgruppen. Die Truppen, die Kabul vergangene Woche einnahmen, gehören zur Jamiat-i-Islami-Partei des früheren Präsidenten Burhanuddin Rabbani und des im September ermordeten Militärführers Ahmed Schah Massud.
Die meisten Kämpfer dieser Gruppe sind Tadschiken, die Bevölkerungsmehrheit der Paschtunen jedoch ist kaum vertreten. Rabbani hat sich mittlerweile zum Staatsoberhaupt erklärt und kontrolliert alle wichtigen Ministerien und die Presse.

Kurioserweise aber würden ihn einige Führungsfiguren seiner Partei am liebsten gar nicht in Kabul sehen; sie dulden ihn nur auf Druck der USA.


Ein Flickenteppich von Ländern

Besonders besorgt über diese Entwicklung sind die Bewohner von Kabuls Schiitenviertel. Der Führer der schiitischen Gruppe der Nordallianz, Karim Khallil, hat nach eigenen Angaben 3000 Kämpfer an der Stadtgrenze stationiert, um den Druck auf Rabbani zu erhöhen. Khallil hat die Vereinten Nationen aufgefordert, schnell eine Übergangsregierung zu schaffen und Friedenstruppen zu stationieren, um einen neuen Bürgerkrieg zu verhindern.

Andere Führer der Nordallianz lehnen eine Entsendung internationaler Truppen nach Afghanistan wiederum ab.Die heillose Verwirrung kommt nicht von ungefähr, sie hat historische Ursachen.
Die Geschichte zeigt, dass es eine afghanische Nation in westlichem Sinne nie gegeben hat. Afghanistan ist kein Land, sondern ein Flickenteppich von Ländern mit Stämmen, die ihre Wurzeln in Nachbarländern haben.
Sieben Millionen Paschtunen leben in Afghanistan, aber zwölf Millionen in Pakistan; 3,5 Millionen Tadschiken sind hier zu Hause, aber sechs in dem angrenzenden Tadschikistan; 1,3 Millionen Usbeken sind in Afghanistan, aber 23 in Usbekistan. Es gibt 600 000 Turkmenen in Afghanistan, aber 3,5 Millionen in Turkmenistan.
Und alle diese Nachbarländer haben ein großes Interesse, in Kabul vertreten zu sein. Ob sie dort eine Regierung aufstellen können, ist allerdings fraglich.

In einem Geheimdokument des Pentagon vom 14. November heißt es:
"Die diversen Gruppierungen werden es nie schaffen, eine stabile Regierung auf die Beine zu stellen."
Ihre Regierung wird abhängig sein von Amerika.

Tagesspiegel

2003
22.11.2001, 14:39
Taliban geben in Kundus auf:
Die ersten Kämpfer ziehen ab

22. Nov 11:48, ergänzt 14:14


Die Taliban sollen Kundus aufgegeben haben. Das Fernsehen zeigt erste Bilder von abziehenden Taliban-Kämpfern. Das Schicksal der ausländischen Söldner bleibt unklar.



Kämpfe in Afghanistan
Bin Ladens Söldner
Entwaffnung der Taliban hat offenbar begonnen
Heftige Gefechte bei Kabul
Taliban in Kundus zur Kapitulation bereit
Taliban: Kein Kontakt zu bin Laden
AIP: Zivilisten bei US-Angriffen getötet



Die Nordallianz soll die Taliban in der letzten Verhandlungsrunde davon überzeugt haben, die Bastion Kundus aufzugeben. Wie der Nachrichtensender CNN meldet, wollen die Taliban-Truppen in der Stadt bis Sonntag ihre Waffen niederlegen. Der britische Sender Sky News zeigte bereits Bilder vom Abzug hunderter Taliban-Kämpfer.
Nach Informationen des Senders CNN soll den Taliban zugesagt worden sein, sie dürften in ihre Heimatorte zurückkehren, wenn sie ihre Waffen abgeben. Die etwa 3000 ausländischen Söldner, die auf Seiten der Taliban gekämpft haben, sollen nach Angaben der Nordallianz ausgeliefert werden. Die Taliban hätten dem zugestimmt, sagte Nordallianz-Kommandeur Atta Mohammed nach Angaben der Nachrichtenagentur AP. Die britische BBC bezweifelte indes, dass die Söldner sich kampflos ergeben.

Die Taliban hatten bis Donnerstag auch für die Söldner freies Geleit gefordert. Die USA hatten das ausgeschlossen, und die ausländischen Kämpfer wollten daher nicht aufgeben.



Verwirrung um Abzug

Nach Informationen der britischen Zeitung «Independent» sollen die Söldner vor Gericht gestellt werden. Die Nachrichtenagentur AFP meldete wiederum, die Nordallianz wolle auf die Forderung der Taliban eingehen, einen Fluchtkorridor nach Kandahar zu öffnen. Nordallianz-General Mohammed Daud sagte nach Abgaben der Agentur in Chanabad nahe Kundus, auch den ausländischen Söldnern solle freier Abzug gewährt werden.

General Abdul Rashid Dostum, ein führender Nordallianz-Kommandeur, und der Taliban-General Mullah Faisel, Assistent des Taliban-Verteidigungsministers, hatten über die Entwaffnung der Taliban-Kämpfer verhandelt.

Falls die Taliban sich nicht ergeben, droht die Nordallianz mit dem Sturm auf Kundus. Die Allianz habe bereits Truppen auf die Stadt vorgerückt, berichtete der Nordafghanistan-Korrespondent der BBC. Laut AFP startete die Nordallianz zur Vorbereitung eine Offensive auf das 20 Kilometer östlich von Kundus gelegene Chanabad. Die Agentur zitiert den Nordallianz-Kommandeur Abdul Dschami: «Wir greifen zuerst Chanabad an, dann marschieren wir auf Kundus.»(nz)

Matze
22.11.2001, 15:17
In den 15:00 Nachrichten gerade berichete die Tagesschau von verworrenen Umständen und das es wohl Kämpfe um Kundus geben wird, insbesondere mit ausländischen Taliban Söldner.

Matze