Patrick
27.09.2001, 15:13
Tankstellen bleiben in den roten Zahlen - Wettbewerb nimmt zu
HAMBURG (dpa-AFX) - Der intensive Wettbewerb auf dem deutschen Benzinmarkt verschärft sich weiter. Die Tankstellen schreiben im zweiten Jahr tiefrote Zahlen, doch die großen Mineralölfirmen kämpfen um jeden Kunden. "Der Wegfall des Rabattgesetzes wird den Wettbewerb weiter anheizen", sagt der Herausgeber des Hamburger Energie- Informationsdienstes EID, Heino Elfert. "Und das in einem Markt, in dem die Preise ohne Steuern zu den niedrigsten in der EU gehören."
Am Donnerstag preschte die Esso vor und präsentierte ein Prämiensystem, mit dem durchschnittliche Autofahrer übers Jahr zum Beispiel eine Reisetasche oder zwei Markenuhren als Prämie ertanken können. "Wir nutzen dabei die Erfahrungen des Konzerns im europäischen Ausland, wo solche Prämiensysteme bereits erfolgreich laufen", sagt der Leiter des Tankstellengeschäfts der Esso, Herbert Kirchhof. Als Antwort auf die "Payback"-Rabattkarte des Konkurrenten RWE-DEA will ExxonMobil die auf ein Jahr befristete Treueaktion nicht verstanden wissen. "Unsere Wertmarken bringen dem Autofahrer mehr ein", behauptet Unternehmenssprecher Karl-Heinz Schult-Bornemann.
4.000 TANKSTELLEN ZU VIEL
"Andere große Mineralölkonzerne werden jetzt nachziehen", meint Elfert. Der Branchenführer Aral soll angeblich bald ein eigenes Prämien- oder Bonussystem vorstellen. Die Ertragslage der Tankstellen wird sich durch die teuren Aktionen zur Kundenbindung weiter verschlechtern. Im vergangenen Jahr verlor die Branche durch ihre Preiskämpfe rund eine Milliarde DM und auch in diesem Jahr gibt es keine Gewinne an den Zapfsäulen. Im schrumpfenden Benzinmarkt arbeiten rund 4.000 Tankstellen zu viel und die Bemühungen um einen Stilllegungs-Fonds kommen seit mehr als einem Jahr nur schleppend voran. Das Kartellamt will sich mit der Materie erst beschäftigen, wenn die Fusionen Aral/BP und DEA/Shell über die Bühne sind.
Den Autofahrern nutzt die harte Konkurrenz der Ölfirmen. Preisbewegungen an den internationalen Ölmärkten werden zügig zu den Tankstellen durchgereicht. So sanken die Benzinpreise in dieser Woche an einem einzigen Tag um vier Pfennig, was seit den hektischen Preisausschlägen im Golfkrieg vor zehn Jahren nicht mehr vorgekommen ist. Gemessen an der Preisspitze im Mai dieses Jahres, als der Liter Normalbenzin im Durchschnitt 2,19 DM kostete, sind die Preise um 24 Pfennig je Liter zurückgegangen. Die Haupt-Reisezeit im Sommer war von einem Preistal begleitet.
BENZIN WIRD NOCH TEURER
Dennoch ist absehbar, dass die Autofahrer bald wieder tiefer in die Tasche greifen müssen. Durch Schwefel-, Öko- und Mehrwertsteuer klettert die Steuerlast auf dem Benzin bis zum 1. Januar um zehn Pfennig je Liter und erreicht dann 1,55 DM. Durch die Bargeld- Einführung des Euro werden die Preistafeln im Straßenbild allerdings wieder Ziffern zeigen wie zuletzt in den achtziger Jahren: Der Liter Normalbenzin kostet dann aus heutiger Sicht ungefähr 1,05 Euro.
---- Von Eckart Gienke, dpa ----
Gruß
P.
HAMBURG (dpa-AFX) - Der intensive Wettbewerb auf dem deutschen Benzinmarkt verschärft sich weiter. Die Tankstellen schreiben im zweiten Jahr tiefrote Zahlen, doch die großen Mineralölfirmen kämpfen um jeden Kunden. "Der Wegfall des Rabattgesetzes wird den Wettbewerb weiter anheizen", sagt der Herausgeber des Hamburger Energie- Informationsdienstes EID, Heino Elfert. "Und das in einem Markt, in dem die Preise ohne Steuern zu den niedrigsten in der EU gehören."
Am Donnerstag preschte die Esso vor und präsentierte ein Prämiensystem, mit dem durchschnittliche Autofahrer übers Jahr zum Beispiel eine Reisetasche oder zwei Markenuhren als Prämie ertanken können. "Wir nutzen dabei die Erfahrungen des Konzerns im europäischen Ausland, wo solche Prämiensysteme bereits erfolgreich laufen", sagt der Leiter des Tankstellengeschäfts der Esso, Herbert Kirchhof. Als Antwort auf die "Payback"-Rabattkarte des Konkurrenten RWE-DEA will ExxonMobil die auf ein Jahr befristete Treueaktion nicht verstanden wissen. "Unsere Wertmarken bringen dem Autofahrer mehr ein", behauptet Unternehmenssprecher Karl-Heinz Schult-Bornemann.
4.000 TANKSTELLEN ZU VIEL
"Andere große Mineralölkonzerne werden jetzt nachziehen", meint Elfert. Der Branchenführer Aral soll angeblich bald ein eigenes Prämien- oder Bonussystem vorstellen. Die Ertragslage der Tankstellen wird sich durch die teuren Aktionen zur Kundenbindung weiter verschlechtern. Im vergangenen Jahr verlor die Branche durch ihre Preiskämpfe rund eine Milliarde DM und auch in diesem Jahr gibt es keine Gewinne an den Zapfsäulen. Im schrumpfenden Benzinmarkt arbeiten rund 4.000 Tankstellen zu viel und die Bemühungen um einen Stilllegungs-Fonds kommen seit mehr als einem Jahr nur schleppend voran. Das Kartellamt will sich mit der Materie erst beschäftigen, wenn die Fusionen Aral/BP und DEA/Shell über die Bühne sind.
Den Autofahrern nutzt die harte Konkurrenz der Ölfirmen. Preisbewegungen an den internationalen Ölmärkten werden zügig zu den Tankstellen durchgereicht. So sanken die Benzinpreise in dieser Woche an einem einzigen Tag um vier Pfennig, was seit den hektischen Preisausschlägen im Golfkrieg vor zehn Jahren nicht mehr vorgekommen ist. Gemessen an der Preisspitze im Mai dieses Jahres, als der Liter Normalbenzin im Durchschnitt 2,19 DM kostete, sind die Preise um 24 Pfennig je Liter zurückgegangen. Die Haupt-Reisezeit im Sommer war von einem Preistal begleitet.
BENZIN WIRD NOCH TEURER
Dennoch ist absehbar, dass die Autofahrer bald wieder tiefer in die Tasche greifen müssen. Durch Schwefel-, Öko- und Mehrwertsteuer klettert die Steuerlast auf dem Benzin bis zum 1. Januar um zehn Pfennig je Liter und erreicht dann 1,55 DM. Durch die Bargeld- Einführung des Euro werden die Preistafeln im Straßenbild allerdings wieder Ziffern zeigen wie zuletzt in den achtziger Jahren: Der Liter Normalbenzin kostet dann aus heutiger Sicht ungefähr 1,05 Euro.
---- Von Eckart Gienke, dpa ----
Gruß
P.