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Vollständige Version anzeigen : Wie wird Osama Bin Laden reagieren?


Eliska
09.10.2001, 00:22
Sein internationales Netzwerk existiert weiter -
Die Nummer zwei der Al Qaida soll Anschläge auf dem Balkan planen

Von Rolf Tophoven

Guerillas und Terroristen brauchen Anlehnungsmächte. Der Terrorist Osama Bin Laden hat nun die Brutstätten des Terrors verloren. Die Trainingscamps der Islamisten liegen im Fadenkreuz der Raketen und Bomben der amerikanisch-britischen Allianz. Damit bricht dem Topterroristen und "Guru" einer weltweit vernetzten Allianz islamistischer Terrorgruppen eine wesentliche Säule seines AlQaida-Systems weg - die Anlehnungsmacht des Terrors, das Taliban-System. Denn im Schutze der Steinzeit-Islamisten konnte Bin Laden erst seine Rekruten des Terrors drillen und auf den weltweit postulierten Krieg gegen den Westen, insbesondere gegen die USA einschwören.

Fällt dieser Trainingsraum aus, muss gefragt werden:
Welche Terroroptionen hat Bin Laden danach noch? Was immer das künftige Schicksal des am meisten gesuchten Mannes der Welt sein mag, die Zerstörung seines afghanischen Terrains wird die weltweit vernetzte Al-Qaida-Basis noch nicht zerschlagen. Überall in der islamischen Welt, besonders im Jemen, sitzen geheime Kader des Bin-Laden-Netzes. Europa ist, davon gehen die Sicherheitsbehörden aus, mit einer Fülle "schlafender" Zellen überzogen. Ob und wann diese aktiviert werden, bleibt offen. In den USA selbst gibt es Dutzende islamischer Wohlfahrtsorganisationen, die unter dem Deckmantel der "Charity" für Islamisten wie Bin Laden oder die radikal-palästinensische Hamas arbeiten.

Deutschland wird nicht primär Angriffsziel sein. Denn Bin Ladens, Angriffe zielen zunächst auf die USA und Israel, doch können solche Einschätzungen über Nacht Makulatur sein. Geheimdienstquellen besagen, dass Bin Ladens Stellvertreter, der Terrorideologe Aiman Al Zawahiri, auf dem Balkan Al-Qaida- und Dschihad-Aktivisten instruiert hat, eine zweite islamische Front gegen die dortigen US-Streitkräfte zu eröffnen, zum Teil versteckt unter dem Deckmantel von nicht-regierungsamtlichen Organisationen. In Bosnien, im Kosovo, in Albanien und Mazedonien stehen nach Geheimdienstschätzungen etwa 6000 Kämpfer bereit. Auch in Zentralasien könnten Terrorkommandos Bin Ladens gegen die dort stationierten US-Truppen zuschlagen. Bereits seit längerem sind daher geheime Waffenlager durch die Islamisten angelegt worden.

In Erwartung eines US-Angriffs hat Osama Bin Laden seine Terrortruppen in fünf autonome Kommandos unterteilt, ausgestattet mit klaren Aufträgen und Richtlinien. Während er selbst das Kommando über den Afghanistan-Pakistan- und Tadschikistan-Sektor führt, dirigiert seine Nummer zwei, Zawahiri, das Balkan-Kommando, zuständig auch für Europa und Großbritannien. Unmittelbar nach den Anschlägen in den USA gab es Gerüchte, Zawahiri sei in Tirana gewesen, um die islamistische Infrastruktur für den Balkan zu formieren. Dabei soll er auch um die Hilfe der albanischen Unterwelt und der Mafia gebuhlt haben.

Einer der gefährlichsten Männer im Umfeld Osama Bin Ladens ist der frühere Chefplaner spektakulärer Kidnappingaktionen im Libanon, Imad Mugniyah. Der Ex-Operationschef der Hisbollah wird heute im Umkreis radikaler Mullahs in Teheran vermutet. Mugniyah kommandiert das Golf- und Nahost-Kommando Osama Bin Ladens. Eine der brisantesten Meldungen der letzten Tage kam aus nahöstlichen Geheimdienstquellen: Danach sollen im Juli dieses Jahres 200 Al-Qaida-Mitglieder den Nordirak besucht haben. Dort seien sie in einem geheimen Kurs von irakischen Militärexperten gedrillt worden. Auf dem Lehrplan stand der Einsatz von Bomben und Sprengmaterial mit chemischen und biologischen Substanzen.

Wie massiv die Militärschläge der Allianz gegen Osma Bin Laden auch sein mögen - das Netzwerk der Al Qaida wird zunächst weiterexistieren. Denn weltweit fühlen sich alle, die in Verbindung zu Bin Laden stehen oder standen, als "Brüder" . Manche dieser "Brüder" könnten sich jetzt veranlasst sehen, aus sich heraus, autonom operierend, den Heiligen Krieg gegen den Westen zu führen.

DIE WELT

Eliska
05.05.2002, 21:23
Im Roman «Böse Geister» beschreibt Fjodor Dostojewski einen Terroristen als zerstörungswütigen Nihilisten. 130 Jahre später drängt sich bei der Lektüre eine hochaktuelle Frage auf: Ist auch Usama bin Ladin ein gottloser Psychopath?

So muss es sein. Er ist da, aber niemand hat ihn gesehen, er verbirgt sich. Und, wissen Sie, man kann ihn sogar jemandem zeigen, einem unter Hunderttausenden, zum Beispiel. Und dann wird er sich über das ganze Land verbreiten. ‹Man hat ihn gesehen, man hat ihn gesehen!›

Wir werden [also] sagen, dass er sich ‹verbirgt›. Wissen Sie, was dieses Wort bedeutet: ‹Er verbirgt sich›? Aber er wird eines Tages erscheinen. Wir bringen eine Legende unters Volk. Er ist da, aber niemand hat ihn je gesehen. O was für eine Legende kann man unters Volk bringen! Und das Wichtigste - eine neue Kraft ist im Kommen. Und was für eine, eine unerhörte! Wir brauchen den Hebel nur ein einziges Mal, um die Erde aus den Angeln zu heben. Alles wird aus den Angeln gehoben.

Wir werden die Destruktion ausrufen. Warum, warum? Weil auch diese niedliche Idee so berauschend ist! Aber wir müssen, müssen unbedingt trainieren. Wir werden Feuer legen. Wir werden Legenden unters Volk bringen. Dabei wird jede jämmerliche ‹Gruppe› gut zu gebrauchen sein. Ich kann Ihnen in diesen Gruppen Freiwillige finden, die jeden Schuss abfeuern und auch noch für die erwiesene Ehre danken.

Sie zählen an den Fingern auf, welche Kräfte die Gruppen zusammenhalten? Das erste, das, was die grösste Wirkung tut - das ist die Uniform. Nichts ist wirksamer als eine Uniform. Ich erfinde daher, mit Bedacht, Würden und Ämter: Bei mir gibt es Sekretäre, Spione, Zahlmeister, Vorsitzende, Registratoren und Stellvertreter - das alles fand Anklang und ist bestens angegangen. Und dann, zweitens, selbstverständlich die Sentimentalität. Wissen Sie, bei uns wird der Sozialismus [Islam] vorwiegend aus Sentimentalität verbreitet. Und dann die waschechten Gauner; die sind ein brauchbares Völkchen und manchmal von grossem Nutzen, kosten aber viel Zeit, weil man immer ein Auge auf sie haben muss. Und schliesslich die allerwichtigste Kraft - der Zement, der alles zusammenhält -, man schämt sich, eine eigene Meinung zu haben. Was das für eine Kraft ist!

Die ganze Hierarchie und die ganze Sentimentalität - das ist ein guter Kleister, aber es gibt etwas, das noch besser hält: Überreden Sie vier Mitglieder einer Gruppe, den fünften um die Ecke zu bringen, unter dem Vorwand, dieser könnte sie denunzieren, und sogleich werden Sie alle durch das vergossene Blut wie durch einen einzigen Knoten aneinander fesseln. Sie werden Sklaven sein und nicht mehr wagen, zu rebellieren oder Rechenschaft zu fordern.

Jedes Mitglied beobachtet jedes andere und ist zur Denunziation verpflichtet. Jeder gehört allen, und alle gehören jedem. Alle sind Sklaven und in der Sklaverei gleich. In äussersten Fällen - Verleumdung und Mord, aber die Hauptsache ist die Gleichheit. Als erstes wird das Niveau der Bildung, der Wissenschaft und der Talente heruntergedrückt. Das hohe Niveau der Forschung und der Talente ist nur für Hochbegabte erreichbar, fort mit den Hochbegabten! Sie werden vertrieben und hingerichtet werden. Einem Cicero wird die Zunge abgeschnitten, einem Kopernikus werden die Augen ausgestochen, ein Shakespeare wird gesteinigt. Ohne Despotismus hat es noch nie weder Freiheit noch Gleichheit gegeben, aber in einer Herde muss Gleichheit herrschen. Wir brauchen keine Bildung, wir haben genug von der Wissenschaft. Der Durst nach Bildung ist bereits aristokratischer Durst. Eine Spur Familie und Liebe, und schon ist der Wunsch nach Besitz da. Wir werden diesen Wunsch abtöten. Die Ausführung eines Befehls war ein organisches Bedürfnis dieser kleinlichen, unreflektierten, ewig nach Unterordnung unter einen fremden Willen lechzenden Natur - oh, selbstverständlich nicht anders als im Namen einer ‹allgemeinen› oder ‹grossen› Sache. Aber auch Letzteres fiel nicht ins Gewicht, denn kleinliche Fanatiker können sich den Dienst an einer Idee nur dann vorstellen, wenn sie diese Idee mit der Person verschmelzen, die ihrer Ansicht nach diese Idee verkörpert.

Dort, wohin wir jetzt gehen, sind nur vier Mitglieder einer Gruppe. Die andern warten, bespitzeln einander um die Wette und tragen es mir zu. Ein zuverlässiges Volk. Ein Material, das man organisieren muss, um sich anschliessend aus dem Staube zu machen.


Im 19. Jahrhundert eine Karikatur - im 21. Jahrhundert Wirklichkeit?

Hunderte, ja Tausende Erklärungsversuche gibt es für die Wahnsinnstat vom 11. September. Was aber wäre, wenn es gar keine Erklärung gäbe, oder zumindest kein Motiv?
Wenn der Islam Usama bin Ladin so egal wäre, wie es ihm die Opfer des massenmörderischen Attentats auf die Zwillingstürme von Manhattan sind?
Wenn er sich amüsierte über die Ungerechtigkeit der Welt, wenn er Allah verhöhnte und seine «heiligen» Krieger, wenn er sich auf die Schenkel klopfte, während seine «Märtyrer» in den Tod gehen?

Terroristen als nihilistische Monster, bar jeglicher ideologischen, politischen oder religiösen Ziele, angetrieben nur vom nackten Willen zur Zerstörung:
Fjodor Michailowitsch Dostojewski (1821-1881) hat dieses Bild vor über 130 Jahren schon tiefenscharf und breitformatig gezeichnet. «Besy» - «Böse Geister» - nannte er den Roman, der in deutscher Sprache unter dem Titel «Die Dämonen» bekannt wurde. Im Mittelpunkt steht Pjotr Stepanowitsch Werchowenski, ein durch und durch von der Idee der Zerstörung besessener junger Mann. Er tötet einen Mit-Terroristen unter dem Vorwand, es sei ein Spitzel, in Wirklichkeit aber nur, um einen teuflischen Plan zu verwirklichen, der seinem Leben einen Inhalt verleihen soll.

Plausibel wurde der Inhalt des gegen 1000 Seiten starken Wälzers der Kritik nie. Dostojewskis Darstellung der russischen Terroristen der 70er und 80er Jahre des 19. Jahrhunderts galt im besten Fall als moralistische Karikatur, im schlimmsten Fall als willfährige, literarische Verurteilung im Dienste des herrschenden Zaren.

Die unvorstellbare Brutalität des Attentats vom 11. September hat den «Bösen Geistern» nun aber einen Hauch von Plausibilität verliehen. Einzelne Denker sehen darin sogar jene Form des Terrorismus, mit dem wir künftig real konfrontiert sein werden. «Dostojewskis Charaktere und seine Botschaft könnten grössere Bedeutung haben für das 21. als für das 19. Jahrhundert», schreibt der Terrorismusexperte Walter Laqueur. Die gleiche These, aber weit kompromissloser noch, vertritt der französische Philosoph André Glucksmann in seinem Buch über den 11. September. Titel: «Dostojewski in Manhattan».


Ist Usama bin Ladin ein moderner Pjotr Stepanowitsch Werchowenski?

Die These ist höchst umstritten, die Auffassung, dass sich für jede noch so irrationale Handlung noch eine rationale Erklärung finden lässt, so leicht nicht zu entkräften. Wer sich allerdings die Mühe nimmt, die «Bösen Geister» aufmerksam durchzulesen, der stösst auf bemerkenswerte Parallelen zur Gegenwart, wie die obenstehende Zitatencollage zeigt.

Martin A. Senn

Der Text ist eine Collage aus unveränderten Zitaten von Pjotr Werchowenski, der Hauptfigur aus den «Dämonen», neu übersetzt von Swetlana Geier als «Böse Geister», erschienen im Ammann-Verlag, Zürich.


NZZ am Sonntag, Ressort Hintergrund, 5. Mai 2002, Nr.8, Seite 31

Vetinari
05.05.2002, 23:57
Binny macht urlaub in Pakistan ...

Sunday May 5, 4:36 pm Eastern Time

Reports Say Bin Laden Healthy, Inside Pakistan - Newsweek

NEW YORK -(Dow Jones)- Al-Qaida leader Osama bin Laden and his top lieutenant, Ayman al-Zawahiri, were seen inside Pakistan , according to Afghan chief of military intelligence Hazrat Uddin, Newsweek magazine reports in its current issue to be published Monday.

Uddin said he received "credible reports" that the two men wanted by the U.S. government slipped into Pakistan , the magazine reported.

Bin Laden trimmed his beard and appeared healthy, Uddin said.

A second Afghan commander, Kamal Khan Zadran, says he thinks bin Laden's men are trying to keep their leader safe inside Pakistan , the report said. "The local al-Qaida network is active," he said, adding "they're working out their plans," according to the magazine.

While there are false sightings of bin Laden every day and there's no solid proof he's even alive, privately, many terrorism experts think Uddin is on the right track, according to Newsweek.

Both Uddin and Zadran are stationed in the Afghan city of Khost, just over the mountain pass from Miram Shah, a corner of Pakistan 's Northwest Frontier Province, east of Afghanistan . Foreign troops are said to be roaming through that high country.

Also in Khost, an Afghan intelligence official in daily contact with U.S. forces says an operation launched April 30 called Mountain Lion - using British, Australian and U.S. 101st Airborne commandos to seek out possible al Qaeda hideouts - will expand into a major offensive on both sides of the border, the report said.

"They have a plan to go into Miram Shah to do an operation," he told the magazine. "There are 1,200 Americans and Brits in the tribal areas right now. They're working very hard. They're in a hurry," he said.

Officially, the Pentagon says there are no foreign troops inside Pakistan other than some logistical support personnel and it won't even say where the commandos are searching, Newsweek said.



http://biz.yahoo.com/djus/020505/200205051636000054_1.html