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Gert
12.10.2001, 07:33
Aus der FTD vom 12.10.2001 www.ftd.de/napster
Napster drängt Plattenindustrie in Defensive
Von Helene Laube, San Francisco

Im Copyright-Rechtsstreit zwischen der Plattenindustrie und der Online-Musiktauschbörse Napster sahen sich die klagenden Musikunternehmen am Mittwoch plötzlich in der Position, sich verteidigen zu müssen.

In einer Anhörung vor einem US-Bundesgericht in San Francisco brachten Napster-Anwälte Argumente ein, dass die von den fünf weltgrößten Plattenkonzernen gemeinsam geplanten Online-Musikdienste wettbewerbsfeindlich seien.

Nach Ansicht von Napster haben die Firmen AOL Time Warner, Bertelsmann und EMI (MusicNet) sowie Sony und Vivendi (Pressplay) möglicherweise ihre Urheberrechte missbraucht, um Dienste für das Herunterladen von Musik über das Internet zu ermöglichen.



Neue Aspekte


Richterin Marilyn Hall Patel zeigte großes Interesse an Napsters Einwänden. "Ich bin verwirrt, wie die Kläger sich in Joint Ventures zusammenschließen können”, sagte die Richterin. "Das sieht verdächtig aus, hört sich verdächtig an und riecht auch verdächtig.” Sollte die Richterin den Fall unter dem Monopolaspekt beleuchten, könnte dies sogar zur Folge haben, dass Napster keinen Schadensersatz für den Musiktausch über sein Netzwerk zahlen muss.


Napster versucht seit Monaten selbst, einen kommerziellen Online-Tauschdienst aufzubauen, der die Musikindustrie für seine Urheberrechte bezahlt. Die kostenfreie Online-Börse, die den Tausch von Musik über das Internet revolutionierte, liegt seit Juli brach.


In der Anhörung vom Mittwoch sollte Patel darüber entscheiden, ob ein Urteil im so genannten abgekürzten Verfahren verhängt wird. Dann wäre ein Schuldspruch schon beschlossen. Es ginge nur noch darum, über die Höhe der Strafe und einstweilige Verfügung gegen Napster zu entscheiden. Richterin Patel vertagte einen Beschluss.



© 2001 Financial Times Deutschland