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Eliska
12.10.2001, 17:59
ZDF startet Doku-Reihe über Vertreibung

Hamburg (dpa) - Rund 100 Millionen Menschen mussten im vergangenen Jahrhundert ihre Heimat infolge von Kriegswirren, Naturkatastrophen und Hungersnöten verlassen - darunter auch 14 Millionen Deutsche während des Zweiten Weltkriegs.

Das ZDF hat die Schicksale der Flüchtlinge in der fünfteiligen Dokumentation «Die große Flucht», die am 20. November startet, aufgearbeitet und hat parallel zur TV-Serie eine Suchaktion «Kinder der Flucht» eingeleitet, in der Familien zusammengeführt werden, die sich trotz aller Bemühungen immer noch nicht gefunden haben.

Für den Leiter der ZDF-Redaktion Zeitgeschichte, Guido Knopp, ist diese Dokumentationsreihe der «möglicherweise letzte große Versuch», Flüchtlingsschicksale von Betroffenen geschildert zu bekommen.
«Wer damals 25 Jahre alt war, ist heute über 80», sagte Knopp am Freitag bei der Präsentation des Fünfteilers in Hamburg. «Bald wird man dazu nicht mehr in der Lage sein, weil die letzten Stimmen verstummt sind.»

Rund 1000 Interviews führten Knopps Mitarbeiter, darunter auch diverse Gespräche mit Russen, Tschechen, Polen oder Litauern, zu denen bis vor rund zehn Jahren noch kein Kontakt möglich gewesen wäre.

«Die große Flucht» widmet sich dem Exodus in Ostpreußen, dem Untergang des Flüchtlingsschiffs «Wilhelm Gustloff», der schlesischen Tragödie um die Festung Breslau, dem Leid der Frauen in Pommern und der Vertreibung der Sudetendeutschen am Beispiel der kleinen Stadt Duppau.

Der erste Teil («Der große Treck») hat das ZDF die Flucht aus Ostpreußen dokumentiert, die in ihrem Höhepunkt Zehntausende von Menschen in ihrer Verzweiflung auf der Flucht vor der Sowjetarmee in Richtung Westen trieb.
Unter den prominenten Augenzeugen war auch Fußballtrainer Udo Lattek, der die Vertreibung als kleiner Junge miterlebte und sie als «Horrorfilm ohne Halbzeit» in Erinnerung hat.

In einer Suchaktion will das in Zusammenarbeit mit Hilfsorganisationen und Suchdiensten Menschen zusammenbringen, die damals auseinander gerissen wurden. In jeder Sendung des ZDF-Geschichtsmagazins «History» werden ab Sonntag, 4. November, 22.45 Uhr, Suchmeldungen präsentiert - Kinder, die etwas über ihre Vergangenheit, ihre Eltern erfahren wollen, bitten um Hilfe; Familien, die noch immer auf der Suche nach vermissten Angehörigen sind, fragen nach Hinweisen.

DIE WELT