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Gert
12.10.2001, 19:42
Freitag, 12. Oktober 2001
Kein Bio-Anschlag?
Erster Milzbrand-Fall in New York


Nervosität in New York: Eine Mitarbeiterin des US-Senders NBC News ist an Milzbrand erkrankt. Nach den drei bekannt gewordenen Fällen im Bundesstaat Florida könnte es sich erneut um einen Anschlag handeln. Die Behörden sind jedenfalls alarmiert. Das FBI und das Zentrum für Seuchenkontrolle haben die Ermittlungen aufgenommen, sprechen aber lediglich von einem weiteren "Kriminalfall".

Die Frau soll sich über die Haut angesteckt haben - vermutlich durch ein Päckchen, das ein offenbar mit dem Erreger versetztes Puder enthielt. Das Päckchen war am 26. September bei dem Sender eingegangen. Wie es heißt, handelt es sich nicht um den selben Milzbrand-Erreger wie in Florida, wo die Infektion über die Atemwege erfolgte. NBC teilte mit, die Frau werde behandelt und habe auf die Medikamente positiv reagiert.

Am Abend MEZ gab New Yorks Bürgermeister Rudolph Giuliani eine Pressekonferenz. Er sagte, mehrere Gebäude im Umkreis von NBC News würden für ein paar Tage gesperrt - aus Sicherheitsgründen. Alle würden auf Milzbrand-Erreger untersucht. Außerdem sollen sämtliche Polizisten und Feuerwehrleute, die bereits in dem fraglichen NBC News-Gebäude waren, vorsorglich untersucht werden.

Barry Mawn vom FBI New York sagte auf der Pressekonferenz, seine Behörde sehe keinen Zusammenhang mit den Terroranschlägen vom 11. September. Der jetzt aufgetretene Fall werde als "Kriminalfall" betrachtet.

Auch die Zeitung "New York Times" hat nach Angaben des Bürgermeisters vor einigen Tagen einen Brief erhalten, der ein verdächtiges Pulver enthalten habe. Die Untersuchungen liefen.

Giuliani warnte die Menschen, verdächtige Briefe und Pakete nicht zu öffnen, sondern diese liegen zu lassen, den Raum zu verlassen und die dafür zuständigen Behörden zu informieren. Deren Mitarbeiter würden dann kommen, die Sendung abholen und den Inhalt untersuchen. In den meisten Fällen - so beruhigte der Bürgermeister - würde es sich ohnehin um einen Fehlalarm handeln.

Keine Verbindung zu Florida-Fällen

Erst am Donnerstag hatten medizinische Tests die Milzbrand-Erkrankung bei einer 35-jährigen Frau bestätigt. Auch sie sei in dem Verlagshaus angestellt, in dem bereits zwei Männer mit dem Erreger in Berührung gekommen waren. Eine Verbindung zwischen den Fällen in Florida und in New York besteht nach FBI-Angaben nicht.

Der Fall in Florida war der dritte, bei dem Anthrax-Erreger im Körper von Mitarbeitern des Verlagshauses gefunden wurden. Das erste Milzbrand-Opfer, ein 63-jähriger Fotograf, war am 5. Oktober im Krankenhaus gestorben. Am 8. Oktober wurde der Erreger bei einem 73-Jährigen festgestellt, der in der Poststelle des Unternehmens arbeitete. Bei ihm war die Krankheit aber noch nicht ausgebrochen. Inzwischen wurden fast 800 Menschen auf eine Infektion getestet.


Quelle: N-TV