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Vollständige Version anzeigen : Terrorkrise trifft arme Länder am stärksten


Eliska
12.10.2001, 23:16
Nach Schätzung der Weltbank werden zehn Millionen Menschen unter die Armutsgrenze fallen

Die Terroranschläge vom 11. September galten der Supermacht USA, sie treffen indirekt aber auch die Ärmsten der Armen in den Ländern der Dritten Welt.

Nach Schätzungen der Weltbank führen die weltweiten Wachstumseinbußen in den Entwicklungsländern zu einem Anstieg der Armut und der Kindersterblichkeit.
Zehn Millionen Menschen werden danach unter die Armutsgrenze von einem Dollar am Tag fallen. Zugleich spricht die Weltbank von bis zu 40.000 Kindern, die aufgrund der wirtschaftlichen Folgen der Anschläge sterben könnten.

Die Terrorattacken führen nach Schätzung der Weltbank-Ökonomen im kommenden Jahr zu einer Verlangsamung des Wachstums in den Industrieländern von zuvor erwarteten 2,2 Prozent auf nur noch ein bis 1,5 Prozent. In den Entwicklungsländern dürfte die Wachstumsrate von bislang geschätzten 4,3 Prozent auf 3,5 bis 3,8 Prozent zurückgehen.

Vor allem die Länder, die vom Tourismus und von Finanzströmen aus dem Ausland abhängen, sind betroffen. So wurden laut Weltbank bereits 65 Prozent der Reisen in die Karibik storniert. Auch die Länder des Nahen Ostens werden in diesem Winter von den Touristen gemieden werden, sagen die Ökonomen voraus.

Der Kapitalfluss in Schwellen- und Entwicklungsländern wird nach dem 11. September noch spärlicher werden. In Krisenzeiten flüchten die Anleger in "sichere Häfen".

Auch der Welthandel wird aufgrund gestiegener Transportkosten, höherer Versicherungsprämien und komplizierterer Abfertigung des Warenverkehrs einen deutlichen Dämpfer erhalten. Zugleich werden aufgrund der weltweiten Konjunkturschwäche die Rohstoffpreise weiter fallen. Vor allem Bauern und Landarbeiter in Afrika hätten dabei die Hauptlast zu tragen.

Um der Krise zu begegnen empfiehlt die Weltbank einen Abbau der Handelsschranken und verstärkte Reformbemühungen in den Entwicklungsländern. Die Industrieländer sollten ihre Entwicklungshilfe erhöhen und ihre Finanz- und Geldpolitik besser untereinander abstimmen.

svb

DIE WELT

Zorro
14.10.2001, 00:27
Bei einem derart verdrehtem Umgang mit Statistik kommen mir kaum die Tränen.

KA111
14.10.2001, 08:13
hi, Zorro, wer würde denn allen Ernstes erwarten, einen " Zorro" weinen :( zu sehen?:D Eine Freude wäre das auch nicht. Schon wieder ein Klischee im Eimer.:)

Deine doch wohl eher methodisch begründete Skepsis gegen Statistiken aller Art in Ehren, an dem Faktum, daß das alles sehr zu Lasten der Ärmsten der Armen geht, ändert sich überhaupt nichts. Und um genau diese Aussage geht es hier, meine ich.

Gruß
KA:)

KA111
14.10.2001, 14:09
Großbanken sehen schwarz für den Welthandel

Erstmals nach den Terroranschlägen haben jetzt international agierende Banken ihre Konjunkturprognosen teilweise dramatisch nach unten korrigiert

New York/London ws. - Die US-Investmentbank Morgan Stanley schätzt das Wachstum für die US-Wirtschaft für 2002 nur noch auf 1,0 Prozent. Vor dem 11. September prognostizierten die Volkswirte der Bank noch ein Wachstum von 2,7 Prozent.
Ähnlich stark betroffen wird nach Ansicht der Morgan-Stanley-Experten Europa. Das Inlandsprodukt wird nur noch um 1,5 Prozent, statt 2,5 Prozent steigen.

Am härtesten getroffen ist der Prognose zufolge die Wirtschaft in Lateinamerika. Vor dem Anschlag gingen die Auguren noch von einem Konjunkturaufschwung von 3,3 Prozent aus. Jetzt schrumpft das Wachstum auf 0,7 Prozent zusammen.

Ähnlich dramatisch sind die Folgen für den Welthandel. Die Londoner Bank HSBC schätzt, dass der globale Handel im kommenden Jahr allenfalls noch um zwei Prozent steigen wird. Nachdem er allein im vergangenen Jahr um 12,6 Prozent zulegte. Das trifft vor allem die US-Wirtschaft. Nach jetzt veröffentlichten Studien in den USA profitierte vor allem die Clinton-Regierung von der Globalisierung. So steuerte der internationale Kapital-, Waren- und Dienstleistungsverkehr Jahr für Jahr mit knapp einem Prozent zum Wirtschaftswachstum bei.

Vor allem grenzüberschreitende Investments würden künftig eher zurückhaltend entschieden, schätzen die Experten, da sich die Refinanzierung für die Unternehmen durch die höheren Risiken deutlich verteuern würde.

DIE WELT

Zorro
15.10.2001, 19:16
Am härtesten sind also die Wirtschaften in Lateinamerika und den USA betroffen? Vergleich das mal mit germans Kommentar: Da werden die Ärmsten am härtesten getroffen.

KA, ich habe Ressentiments nicht nur wegen der Methodik, sondern wegen der daraus entstehenden Aussagekraft zum einen.
Und ich frage mich, inwieweit solche Methoden für Entwicklungsländer angemessen sind, zum anderen.

Mitleidsstatistiken über Armut kriegt man an jeder Straßenecke hinterhergeworfen. Schließlich nimmt die Armut ja auch in Deutschland zu, wenn man nur die passende Statistik bemüht. Die Ärmsten haben dann keinen Zweitfernseher?

In bezug auf die magische Ein-Dollar Marke habe ich an anderer Stelle was gesagt. Sie ist willkürlich und berücksichtigt in keiner Weise die Verhältnisse vor Ort, wenn man sie wie hier geschehen weltweit in Anwendung bringt.

Und ob Entwicklungshilfe wirklich die Lösung bringt, wage ich noch zu bezweifeln. Sie ist im Grunde nur dann "nötig", wenn man diesen Ländern westliche Wertmaßstäbe aufzwängen will. Die Vergangenheit hat gezeigt, daß Entwicklungshilfe vielfach eher einen Sozialhilfe Charakter annahm, und die betreffenden eher von der Fähigkeit für sich selbst zu sorgen entfernte als annäherte. Bin da auch hochgradig skeptisch.

Inwieweit kann man solche Weltbankstatistik Zahlen auf derart unreife Volkswirtschaften wie man sie in der dritten Welt findet überhaupt anwenden?
Und wie kann man damit vernünftig arbeiten?

Eliska
16.10.2001, 00:44
Analyse

Von Ernst August Ginten

Obwohl auf der Welt angeblich genug Nahrungsmittel für alle produziert werden, ist immer noch knapp eine Milliarde Menschen unterernährt. Dafür gibt es viele Gründe; die meisten sind seit langem bekannt: Begrenzter Zugang der Hungernden und Unterernährten zu Produktionsmitteln wie Land, Saatgut, Kapital und Bildung, zunehmende Knappheit von Wasser, Überfischung der Weltmeere, Krieg, ineffektive staatliche Strukturen und mangelhafte Infrastruktur, dazu kommen in vielen Teilen der Welt dramatische Wasserknappheit und seit Beginn der neunziger Jahre die Folgen von Aids-Epidemien.
Mehr Technik hilft wenig

Allein durch den Einsatz neuer Technologien wie grüner Biotechnik oder auch verbessertem Düngemittel- und Pflanzenschutzeinsatz wird die ausreichende und gesunde Ernährung der wachsenden Weltbevölkerung in den nächsten 50 Jahren wohl nicht mehr möglich sein - zumal es im Moment nicht danach aussieht, als wenn die westlichen Industriestaaten ein großes Interesse daran hätten, ihre Forschungsergebnisse bei der Gentechnik mit den ärmsten Ländern zu teilen.

Vor allem in Afrika gibt es zudem nicht wenige Regierungen, die auch gar kein Interesse am breiten Einsatz von Gentechnik auf ihren landwirtschaftlichen Flächen haben. Sie fürchten, von den großen Biounternehmen als Testlabore missbraucht zu werden. Am Beginn des 21. Jahrhunderts ist der Kampf gegen Unterernährung wohl nur zu gewinnen, wenn auf nationaler und internationaler Ebene konsequent zu Gunsten einer Armut bekämpfenden Politik umgesteuert wird.

Die Welternährungsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) fordert deshalb fast gebetsmühlenartig, dass vor allem die ärmsten Staaten weniger für Rüstung und mehr für die Förderung der Landwirtschaft ausgeben müssen. Zudem kritisieren die Agrarexperten zu Recht, dass der Anteil der Landwirtschaft an staatlicher Entwicklungshilfe weiter zurückgegangen ist. Dabei gibt es viele Beispiele dafür, dass die Produktivität von Kleinbauern durch geringe Investitionen erheblich gesteigert werden kann.
Auf internationaler Ebene ist sicher der Schuldenerlass der G-7-Staaten für die ärmsten Länder der Erde ein wichtiger Schritt auf dem Weg zur Bekämpfung des Hungers. Im Rahmen der Entschuldungsinitiative werden die Regierungen dazu verpflichtet, frei werdende Mittel aus dem Schuldendienst zu Armutsbekämpfung einzusetzen.

Zudem sind zum Beispiel international gültige Vereinbarungen über den Fischfang dringend nötig, um die Ernährungssicherheit für große Teile der Weltbevölkerung zu erhalten. In den Entwicklungsländern sind 300 bis 500 Millionen Menschen direkt oder indirekt von der Fischerei abhängig. Die FAO schätzt, dass angesichts der demographischen Entwicklung rund 120 Millionen Tonnen Fisch mehr produziert werden müssen, um das heutige Ernährungs- und Einkommensniveau zu halten. Aber bereits heute sind 75 Prozent aller Bestände überfischt oder durch Umweltgifte bedroht.

Angst vor der Marktöffnung

Sehr umstritten im Kampf gegen den Hunger ist die weitere Liberalisierung der Weltagrarmärkte. So fürchten vor allem die Nahrungsmittelimporteure unter den armen Ländern, dass ihre Getreiderechnungen erheblich steigen könnten, falls zum Beispiel Europas Bauern zu Weltmarktbedingungen produzieren müssen. Falls dann weniger angebaut würde, könnten die Preise für Getreide massiv steigen. Eine radikale Streichung der Agrarsubventionen würde dann das Hungerproblem merklich verschärfen, so die Angst der Liberalisierungsgegner. Hilfreich im Kampf gegen den Hunger ist aber auf jeden Fall der Abbau von Zöllen und nichttarifären Handelshindernissen in den OECD-Staaten. Denn mehr Güteraustausch und Weltoffenheit wirken sich in jedem Land positiv auf das wirtschaftliche Klima, die Deviseneinnahmen und damit auch auf die Produktionskraft der Landwirtschaft in den ärmsten Ländern aus.

DIE WELT

KA111
16.10.2001, 01:25
Wenn Deine Kinder an Unterernährung oder an Umweltvergiftung oder Hygenie-Mangel in Deiner Region sterben müßen oder bleibende körperliche Schäden davon tragen, das ist Armut. Das hätte ich doch gemerkt, wenn es hier um Massen-Armut in den USA oder um das Problem eines Erst- oder Zweitfernsehers gegangen wäre, der mangels Strom-Anschluß doch eh kein Thema ist.


Zorro, grau, lieber Freund, ist alle Theorie. Und dagegen wehrst Du Dich ja auch, wenn ich Dich richtig verstanden habe.

Bist Du Dir sicher, daß Du schon genug vor die Tür in absolut-nicht-touristische Extrem-Länder gekommen bist?

Ich gebe Dir recht, es paßt nicht in die internationalen Sadistiken, wenn Teile der Menschheit partiär auch ohne Geldwirtschaft auskommen und das nicht so schlecht, wie man glauben sollte ( weil unser Hirn nicht mehr ganz richtig tickt!)

Über so manche Perversitäten und freche Ungereimtheiten der sog. geschäftlichen " Entwicklungs-Hilfe" müßen wir auch nicht reden.

Diese Art der " Armut" ist hier nicht einmal gemeint. Sprechen wir besser von ganz erbärmlicher, kreatürlicher Not und von Hoffnungslosigkeit total. Und die nimmt noch mal und wieder zu, wenn der Welthandel trendmäßig wieder einmal behindert oder teilweise gekillt wird. Diese Not des einzelnen Menschen in Massen muß man erlebt haben und es kommen einem sämtliche modisch-"harten" Allüren abhanden. Mir jedenfalls. " Armuts-Parolen von der Straßenecke " berühren mich nicht und setzen bei mir auch keine Abwehrmechanismen in Gang. Mein Wissen
kommt aus dem authentisch und wörtlich er-"fahren"en.

Herzliche Grüße
K.

Dr. Markx
17.10.2001, 00:12
Hi KA,

Deiner Argumentation würd ich mich anschließen, aber erklär mir bitte: Was ist Kesoterik?? ;)

KA111
17.10.2001, 01:22
Dr. Markxs:), warum würdest Du Dich nur anschließen? Tu es doch! :)

Kränzgebiete der Esoterik. Eben Käsothek-ik oder Kethik oder so ähnlich, auch Kerotik, will sagen Kesoterik.
Alles was spannend, anziehend, vielversprechend und unbekannt ist.:D

Gruß
KA:)

Dr. Markx
17.10.2001, 10:28
Ist doch schon passiert, s.a. andere Beiträge von meinereiner, auch in befreundeten Boards. :)

KA111
17.10.2001, 11:31
Anderes hätte mich Deinem Namen auch verwundert.:)

KA111
23.10.2001, 23:53
Die oben angesprochenen problematischen wirtschaftlichen Zusammenhänge - Globalisierung, Welthandel und Sensitivität infolge bestimmter Ereignisse - bringt der Artikel der NZZ gut auf den Punkt.

Ohne Wachstum keine Armutsbekämpfung
Sinken der globalen Armut «dank» China und Indien
Die jüngste Globalisierungswelle und das mit ihr einhergehende Wachstum haben das Los vieler Einkommensschwacher in Entwicklungsländern - besonders in China und Indien - verbessert. So weit das Fazit namhafter Entwicklungsökonomen an einem vom Bundesamt für Wirtschaft organisierten Seminar zu Entwicklung und Wachstum.

cei. Thun, im Oktober

Dass die Globalisierung, verstanden als zunehmende Integration von Volkswirtschaften durch den Austausch von Waren, Dienstleistungen, Kapital, Menschen und Ideen, zu zunehmender Einkommensungleichheit führe, gilt nicht nur in globalisierungskritischen Kreisen als gesichertes Faktum. Der Weltbank-Ökonom David Dollar trat dieser weitverbreiteten Ansicht anlässlich eines kürzlich vom Bundesamt für Wirtschaft (Seco) organisierten Seminars zu Wachstum und Entwicklung in Thun mit einer Fülle von empirischen Belegen entgegen. Sein Fazit: die Integration in die Weltwirtschaft führt zu beschleunigtem Wachstum, welches das Los der ärmeren Bevölkerungsschichten zu verbessern vermag.

Globale Armutsreduktion
Dollar konzentrierte sich in seinen Ausführungen auf die Globalisierung seit 1980. Hauptmerkmal dieser Globalisierungswelle ist die Öffnung zahlreicher Entwicklungsländer, u. a. China, Indien und Vietnam, gegenüber dem Welthandel und ausländischem Kapital. So erreichte Vietnam im Zug eines realistischeren Wechselkurses und der Reduktion bürokratischer Hindernisse beim Warenexport in den neunziger Jahren Wachstumsraten von jeweils zwischen 8% und 9%. Da die Einkommensverteilung praktisch stabil blieb, verringerte sich die Zahl der Personen in absoluter Armut (Tagesverdienst von weniger als 1 $) dramatisch: Fristeten 1988 noch 75% der Bevölkerung ein Dasein in absoluter Armut, ereilte dieses Los 1998 noch 37%. Diese Halbierung der Armutsquote ist hauptsächlich darauf zurückzuführen, dass durch die Öffnung gegenüber dem Welthandel mit dem Anbau von Reis oder der Produktion arbeitsintensiver Schuhwaren - beides Sektoren, in welchen überdurchschnittlich viele arme Haushalte ihr Auskommen finden - höhere Erlöse erzielt werden konnten.

Obwohl Fallstudien für gewisse Länder erhellend sind, vermag erst eine breit angelegte Analyse Aufschluss über den Zusammenhang zwischen globalisierter Wirtschaft und Armutsbekämpfung zu geben. Dollar wies in diesem Zusammenhang darauf hin, dass mit der 1980 einsetzenden Globalisierungswelle insgesamt eine Reduktion der in absoluter Armut lebenden Bevölkerung um 200 Mio. Personen einherging - allein zwischen 1987 und 1998 habe sich der Prozentsatz der Armen an der Weltbevölkerung von 28% auf 23% zurückgebildet.

Zunehmende Ungleichheit?
Für die These der Globalisierungsgegner, wonach zunehmende weltwirtschaftliche Integration mit steigender Ungleichheit einhergehe, spricht zunächst die Tatsache, dass das Verhältnis zwischen dem durchschnittlichen Einkommen des reichsten und des ärmsten Landes in den letzten 90 Jahren stark zugenommen hat: 1913 lag die Verhältniszahl bei 16; heutzutage beträgt diese bereits 64. Ein solcher Vergleich blendet aber die Tatsache aus, dass mit der Besserstellung der armen Bevölkerungsschichten in China und Indien die Ungleichheit in der Weltbevölkerung seit 1975 insgesamt abgenommen hat - notabene die erste Abnahme der globalen Ungleichheit seit 200 Jahren, wie Dollar betonte. In diesem Zusammenhang bestritt der Weltbank-Ökonom auch die Behauptung, wonach eine zunehmende Einkommensschere zwischen den Industrie- und Entwicklungsländern zu beobachten sei. Vielmehr sei eine zunehmende Heterogenität innerhalb der Gruppe der Entwicklungsländer festzustellen: während offene Volkswirtschaften zu den am stärksten wachsenden Staaten der Welt gehörten, fielen Länder, die nicht am Welthandel teilnehmen, einkommensmässig immer weiter zurück.

Umstrittene Kausalität
In der anschliessenden Diskussion strichen sowohl der Entwicklungsökonom Keith Bezanson von der University of Sussex als auch die an der Universität Mainz lehrende Beatrice Weder die Tatsache heraus, dass es schwierig sei, den Anteil der Offenheit eines Landes am Erfolg einer Entwicklungsstrategie zu isolieren, da die erfolgreichen Staaten oft auch diejenigen mit guten Institutionen, z. B. bei der Durchsetzung von Eigentumsrechten und Gesetzen, seien. Ferner führte Weder empirische Evidenz dafür an, dass die Kausalität zwischen Wachstum und Einkommensverteilung nicht nur in eine Richtung zu gehen brauche: Staaten mit ursprünglich starken Einkommensdisparitäten wüchsen nämlich langsamer als solche mit einer anfänglich ausgeglicheneren Einkommensverteilung.

Für Bezanson blieb schliesslich eine Frage grundsätzlicher Natur unbeantwortet: Zwar könne Dollar keinen systematischen Zusammenhang zwischen einer zusätzlichen Öffnung und der Änderung in der Einkommensverteilung eines Landes ausmachen. Warum Offenheit aber in gewissen Fällen innerhalb eines Landes zu stärkerer Einkommensungleichheit und in anderen zu einer Reduktion der Disparitäten führe, vermöge Dollars Analyse nicht zu erhellen; sie bedürfe demnach weiterer Forschungsanstrengungen.



Sanktionen und Kinderarbeit
cei. Das Beispiel Vietnam illustriert, dass sich das Aussprechen von Sanktionen gegen Staaten, die Kinderarbeit zulassen, kontraproduktiv auswirken könnte. Zwischen 1993 und 1998 sank der Anteil der Kinder im Alter zwischen 6 und 15 Jahren, die in Vietnam einer Arbeit nachgehen mussten, von 57% auf 38%. Der Grund für diese deutliche Reduktion der Kinderarbeit ist in der Einkommensverbesserung armer Haushalte zu finden: Die einkommensschwächsten 10% der Bevölkerung vermochten ihre Einkommen um real 50% zu steigern. Eine gut gemeinte internationale Politik, die Kinderarbeit mit Sanktionen belegen würde, hätte dagegen Vietnams Exportmöglichkeiten reduziert und damit die Einkommen der armen Haushalte geschmälert, was - in Umkehrung der oben stehenden Ergebnisse - die Kinderarbeit wahrscheinlich hätte ansteigen lassen.

Matze
24.10.2001, 00:37
Stichwort Kinderarbeit: Ist dort zwar logisch erklärt, finde das allerdings doch irgendwie pervers, wenn Kinder arbeiten müssen :ne

Matze