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Vollständige Version anzeigen : DerGriff in die Sterne,


KA111
18.10.2001, 01:42
:D

Neptun Opposition Jupiter"


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Anlagetipps von Astrologen sind so unverbindlich wie Horoskope - und genauso sinnvoll

von Stefan Locke


Es ist zum Heulen. Seit Monaten nur schlechte Nachrichten: "Neuer Markt abgestürzt", "Telekom nähert sich Emissionskurs", "Dax baut Verluste aus". Wie man wohl Verluste ausbaut? Ich nehme sie immer nur hin. Muss ich ja. Ganz plötzlich und unangekündigt ist alles im Keller - und ich kann nichts dagegen tun. Mein Bankberater? Nicht zu sprechen. Wahrscheinlich selber pleite. Himmel, hilf! Moment: Himmel - was ist das?

Henning P. Schäfer weiß Rat. Er ist weder Journalist noch Banker, sondern - jetzt bitte anschnallen - Finanz- und Wirtschaftsastrologe. Und das nicht bei irgendwem, sondern bei Cosmo-Trend, einer Fachversandstelle für "astrologische Finanzmarktanalysen". Hier widmet sich Herr Schäfer mithilfe kosmischer Energien unter anderem der Frage, wie es denn mit Dax und Dow Jones in den nächsten Monaten weitergeht.

Zur Hilfe kommt ihm ein "Business-Zyklus". Diesen hat Schäfer nicht etwa in den Weiten des Weltalls gefunden, wo noch nie ein Mensch zuvor gewesen ist - sondern bei seinen regelmäßigen "Reisen durchs Internet". Dem entnimmt er messerscharf, dass "wir uns in den USA und auch in Deutschland auf dem Weg nach unten befinden". Donnerwetter! Wer hätte das gedacht! Lässt sich da denn gar nichts machen? Doch, doch, beruhigt uns Schäfer. Sein erster Trumpf wider die Rezession: die Analyse. Hierbei lässt er die konventionelle Chart-Technik als "recht unkomplizierte Betrachtungsweise einfach mal stehen" und schaut lieber, "was für Tendenzen die Astrologie zeigt". Meine Güte, der geht aber ran.

Zuerst geht es darum, "auf mundaner Ebene" zu sichten, "wie lange diese schlechte Stimmung noch anhalten könnte". "Mundan" habe ich zwar nicht verstanden, trotzdem fährt der Schreck mir in die Glieder. Denn Schäfer sieht den Dow Jones im Banne "einer dreifachen Saturn/Pluto-Opposition", deren Konstellation "negativ zu werten" ist und obendrein auch noch "die kollektive Stimmung belastet". Kollektiv? Zielt da etwa der Kommunismus mit Gammastrahlen aus dem All auf seinen Erzfeind Börse? Ist Gott gar Kommunist? Und Schäfer sein Gesandter?

Galaktische Panne: Bis März nächsten Jahres geht überhaupt nichts

Das "Cosmo-Chart" verrät: Bis März 2002 lässt sich gar nichts machen. "Die Energie neigt sich nach unten." Der Dow Jones bleibt platt. Schuld daran sind gleich vier negative Elemente: "die Auslösung Pluto Quadrat Mars", hinter der "aggressives negatives Energiepotenzial" steckt, "Uranus Quadrat Neptun", die "plötzliche Verluste" verursacht, "Neptun Opposition Jupiter", die "die Expansion auflöst", und "Pluto Opposition Saturn", die schließlich die "Struktur zerstört". Angesichts dieser galaktischen Katastrophe kann sich Schäfer "kaum vorstellen, dass größere Kurssteigerungen möglich sind". Ich zittere.

Denn ganz schlimm hat es auch den Dax erwischt. "Negative Transite" verhinderten bisher "Entfaltungsmöglichkeiten für gute Jupiterauslösungen". Folglich musste der Dax "seitwärts laufen". Der Arme! Von dieser Verrenkung kann er sich auch in nächster Zeit nicht erholen. Grund: Venus als "Generalsignifikator für Geld und Werte" wird von Saturn und Pluto angegriffen! Bei dieser Übermacht steht schnell fest: Mit "fallenden Kursen muss gerechnet werden". Hinzu kommt, dass von Januar bis März 2002 "Neptun Halbquadrat Mars" den Deutschen Aktienindex ganz bewusst schwächt und "Neptun Quadrat Pluto" ihm obendrein noch "schwere Verluste" zufügt. Quasi den Todesstoß bekommt er dann durch "Uranus Quadrat Jupiter" versetzt: "Weltanschauliche Konflikte" stören und verhindern schließlich ganz die Expansion. Ultimatives Fazit: Alles Grütze an der Börse. Ich bin am Ende.

Doch für Fälle wie mich hat Henning P. Schäfer Verständnis und vor allem was zu bieten: Horoskope für das individuelle Aktiendepot. "Sehr gut", lässt Herr Schäfer in seinem 14-täglichen kosmischen Börsenbrief wissen, eigne sich die Astrologie nämlich zur Beantwortung folgender irdischer Fragestellungen: "Ist mein persönliches Horoskop für spekulative Börsengeschäfte geeignet?" Oder auch: "Ich möchte die Aktie Y kaufen, ist sie empfehlenswert, und hat mein persönliches Horoskop zurzeit gute astrologische Auslösungen?"

Jetzt ist es ganz aus! So was habe ich mich noch nie gefragt! Ich gebe auf. Für alle anderen gilt: Wer sich nach solchen Problemen noch nicht in stationärer Behandlung befindet, kann Henning P. Schäfers "Cosmo-Trend Börsenhotline Live" anwählen. Dort sorgt Schäfer dann dafür, dass man ganz schnell die Sterne sieht. Und zwar finanziell. Schlappe 3,63 Mark pro Minute kostet das. Der Unterschied zu sonst: Hier stöhnt man selbst. Denn Schäfers Sitzungen dauern bis zu 30 Minuten!

Wer auch dann den Schuss noch nicht gehört hat, kann sich immerhin die klassische Papierversion bestellen - den Cosmo-Trend Börsenbrief. Der ist zwar nicht "live", dafür aber ein Schnäppchen: 77 Mark. Eines hätte ich dann aber doch noch gern gewusst: Ist der Dax nun Jungfrau oder Stier?

DIE ZEIT