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Vollständige Version anzeigen : Gasdichte Unterhose mit Aktivkohlefilter


KA111
18.10.2001, 02:03
Forschung auf Abwegen. :D


Der IgNobel-Preis für die schrägsten wissenschaftlichen Leistungen

von Burkhard Strassmann


Kokosnüsse fallen vom Himmel. Die unwissenschaftliche Reaktion: beiseite treten. Die wissenschaftliche Reaktion hingegen: eine Untersuchung der Verletzungen, die herabfallende Kokosnüsse am menschlichen Körper hervorrufen können. Da zeigt sich der wahre Forschergeist. Ähnlich verhielt es sich auch mit den Schwarzen Löchern. Während der Laie staunend über "Sternengräber" schwadroniert, geht der Forscher der Sache auf den Grund und widmet sich der nahe liegenden Frage: Haben Schwarze Löcher nicht alle technischen Voraussetzungen dafür, der wahre Ort der Hölle zu sein?

Gute Wissenschaft geht oft seltsame Wege. Die seltsamsten werden alljährlich und schon seit elf Jahren kurz vor der Verleihung der Nobelpreise mit dem IgNobel-Preis belohnt (ignoble = unehrenhaft). Vergangenen Donnerstag fand in der Eliteuniversität Harvard die würdevolle Zeremonie in Anwesenheit von sieben neuen Preisträgern und vier echten Nobelpreisträgern statt. Gepriesen wurden solche Forschungsergebnisse, die - laut Ausschreibungstext - "nicht wiederholbar sind und auch nicht wiederholt werden sollten".

Es versteht sich von selbst, dass der wichtige IgNobel-Preis für Medizin an Peter Barss von der McGill Unversity ging. Er hat die Würdigung längst verdient (seine Arbeit zu den möglichen Verheerungen durch fallende Kokosnüsse wurde schon 1984 im Journal of Trauma publiziert!). Für seine zwingenden Ausführungen zum Ort der Hölle ging der IgNobel-Preis für Astrophysik an den TV-Prediger Jack van Impe und seine Frau Rexella. Ebenfalls ein klarer Fall: Die anerkannte Kapazität für Verbrennung und Zerstäubung, David Schmidt von der University of Massachusetts, erhielt die Physikauszeichnung für die "teilweise Lösung der Frage, warum sich Duschvorhänge beim Duschen nach innen blähen" (aus der Laudatio).

Eine Überraschung dagegen gab es beim Literatur-IgNobel-Preis, den diesmal ein Brite erhielt: John Richards (Boston/GB) wurde für seine beharrliche Verteidigung des Apostroph' geehrt. Einen sachfremden, eventuell politischen Hintergrund vermuteten Beobachter bei der Auszeichnung des Australiers John Keogh und des australischen Patentamtes. Keogh hat sich im laufenden Jahr erfolgreich um ein Patent auf die Erfindung des Rades bemüht.

Die IgNobel-Ehrung für Ökonomie müssen sich in diesem Jahr zwei Wissenschaftler teilen: Joel Slemrod (University of Michigan Business School) und Wojciech Kopczuk (University of British Columbia). Sie entdeckten, dass Menschen ihren Tod hinauszuschieben neigen, wenn sich dadurch die Erbschaftsteuer reduzieren lässt (Dying to Save Taxes: Evidence from Estate Tax Returns on the Death Elasticity, publiziert vom National Bureau of Economic Research).

Ein mit Sicherheit desaströses Zeichen setzte das IgNobel-Komitee mit der Ehrung im Fach Biologie. Buck Weimer (Pueblo, Colorado) triumphierte mit seiner Erfindung einer gasdichten Unterhose mit Aktivkohlefilter. Kritiker monieren, dass mit der Auszeichnung für ein käufliches Produkt der Kommerzialisierung des IgNobel-Preises Tür und Tor geöffnet würden.


DIE ZEIT