KA111
22.10.2001, 10:50
Forschungsinstitute
Eichel soll nicht mehr sparen
Der einst gefeierte Sparkurs von Bundesfinanzminister Hans Eichel lässt sich nach Ansicht der führenden Forschungsinstitute nicht mehr halten. In ihrem Herbstgutachten fordern sie ein Ende des Schuldenabbaus.
DPA
Finanzminister Eichel: Ende der Sparsamkeit?
Berlin - Eine Mehrheit der Institute schlägt angesichts der Konjunkturschwäche vor, die nächsten Schritte der Steuerreform auf Anfang 2002 vorzuziehen. Zusätzliche Sparmaßnahmen würden den Abschwung nur beschleunigen. Lücken im Bundeshaushalt infolge der Konjunkturflaute soll Finanzminister Eichel durch neue Schulden finanzieren. Die Institute werden ihr Herbstgutachten am Dienstag in Berlin vorstellen.
Die Regierung hat die nächsten Steuerreform-Stufen für 2003 und 2005 eingeplant. Eichel hatte am Freitagabend in der ARD Forderungen nach Konjunkturprogrammen, einem Vorziehen von Steuerentlastungen und einer Aussetzung der nächsten Stufe der Ökosteuer-Erhöhung eine Absage erteilt. Er äußerte die Erwartung, dass Deutschland die konjunkturelle Talsohle in diesem Winter durchschreiten werde. Erneut lehnte der Minister eine Abkehr vom Konsolidierungskurs der Regierung ab: "Durch eigene Entscheidungen in höhere Schulden auszuweichen, das tun wir nicht."
Eichel hatte am Donnerstag die Wachstumserwartungen für 2001 auf 0,75 Prozent und für 2002 auf zwischen einem und 1,5 Prozent nach unten revidiert. Nach Angaben aus informierten Kreisen gehen auch die sechs führenden Institute derzeit von einer Zunahme des Bruttoinlandsprodukts um 0,7 Prozent in diesem Jahr und um bis zu 1,5 Prozent im kommenden Jahr aus.
Grünen-Fraktionschef Rezzo Schlauch schlug ein europaweites Investitionsprogramm vor, um die Verkehrs- und Kommunikationsinfrastruktur auszubauen. "Bei aller Notwendigkeit zur Konsolidierung halte ich es für denkbar, dass solche Maßnahmen das Haushaltsdefizit vorübergehend erhöhen", sagte er dem SPIEGEL. Zwar dürfe die Koalition ihr Ziel, im Jahr 2006 einen ausgeglichenen Haushalt zu erreichen, nicht aus den Augen verlieren. "Wir dürfen es aber auch nicht wie eine Monstranz vor uns her tragen."
Bund, Länder und Gemeinden rechnen wegen der anhaltenden Konjunkturschwäche für das laufende Jahr und für 2002 mit erheblichen Steuerausfällen. Im Gespräch seien Mindereinnahmen von ein bis 1,5 Prozent im Vergleich zur Steuerschätzung im Mai, berichtete die "Berliner Zeitung". Der Arbeitskreis Steuerschätzung hatte im Mai die gesamten Steuereinnahmen für 2001 auf 891,1 Milliarden Mark geschätzt, ein Minus von 2,5 Prozent gemessen am Vorjahr.
Spiegel. de
Eichel soll nicht mehr sparen
Der einst gefeierte Sparkurs von Bundesfinanzminister Hans Eichel lässt sich nach Ansicht der führenden Forschungsinstitute nicht mehr halten. In ihrem Herbstgutachten fordern sie ein Ende des Schuldenabbaus.
DPA
Finanzminister Eichel: Ende der Sparsamkeit?
Berlin - Eine Mehrheit der Institute schlägt angesichts der Konjunkturschwäche vor, die nächsten Schritte der Steuerreform auf Anfang 2002 vorzuziehen. Zusätzliche Sparmaßnahmen würden den Abschwung nur beschleunigen. Lücken im Bundeshaushalt infolge der Konjunkturflaute soll Finanzminister Eichel durch neue Schulden finanzieren. Die Institute werden ihr Herbstgutachten am Dienstag in Berlin vorstellen.
Die Regierung hat die nächsten Steuerreform-Stufen für 2003 und 2005 eingeplant. Eichel hatte am Freitagabend in der ARD Forderungen nach Konjunkturprogrammen, einem Vorziehen von Steuerentlastungen und einer Aussetzung der nächsten Stufe der Ökosteuer-Erhöhung eine Absage erteilt. Er äußerte die Erwartung, dass Deutschland die konjunkturelle Talsohle in diesem Winter durchschreiten werde. Erneut lehnte der Minister eine Abkehr vom Konsolidierungskurs der Regierung ab: "Durch eigene Entscheidungen in höhere Schulden auszuweichen, das tun wir nicht."
Eichel hatte am Donnerstag die Wachstumserwartungen für 2001 auf 0,75 Prozent und für 2002 auf zwischen einem und 1,5 Prozent nach unten revidiert. Nach Angaben aus informierten Kreisen gehen auch die sechs führenden Institute derzeit von einer Zunahme des Bruttoinlandsprodukts um 0,7 Prozent in diesem Jahr und um bis zu 1,5 Prozent im kommenden Jahr aus.
Grünen-Fraktionschef Rezzo Schlauch schlug ein europaweites Investitionsprogramm vor, um die Verkehrs- und Kommunikationsinfrastruktur auszubauen. "Bei aller Notwendigkeit zur Konsolidierung halte ich es für denkbar, dass solche Maßnahmen das Haushaltsdefizit vorübergehend erhöhen", sagte er dem SPIEGEL. Zwar dürfe die Koalition ihr Ziel, im Jahr 2006 einen ausgeglichenen Haushalt zu erreichen, nicht aus den Augen verlieren. "Wir dürfen es aber auch nicht wie eine Monstranz vor uns her tragen."
Bund, Länder und Gemeinden rechnen wegen der anhaltenden Konjunkturschwäche für das laufende Jahr und für 2002 mit erheblichen Steuerausfällen. Im Gespräch seien Mindereinnahmen von ein bis 1,5 Prozent im Vergleich zur Steuerschätzung im Mai, berichtete die "Berliner Zeitung". Der Arbeitskreis Steuerschätzung hatte im Mai die gesamten Steuereinnahmen für 2001 auf 891,1 Milliarden Mark geschätzt, ein Minus von 2,5 Prozent gemessen am Vorjahr.
Spiegel. de