Eliska
24.10.2001, 18:57
US-Wissenschaftler entdecken den Ansatz für eine mögliche Therapie der Krankheit.
Die Todesfälle, die auf das Konto des Milzbranderregers gehen, häufen sich;
am Montag sind zwei amerikanische Postboten gestorben. Ein absolut wirkungsvolles Medikament gibt es bislang noch nicht. Eine Therapie, die auf den jetzt veröffentlichten Ergebnissen zweier US-Forscher basiert, könnte das möglicherweise ändern.
Das Bakterium, das die Krankheit auslöst, Bacillus anthracis, gelangt über die Haut, die Lunge oder den Darm in den menschlichen Körper. Dort vermehrt sich der etwa einen Tausendstel Millimeter große Keim und fängt an, drei Giftstoffe zu produzieren.
Einen, den „letalen Faktor“, hat eine Forschergruppe um John Young von der University of Wisconsin, identifiziert. Die Forscher haben sich mit Hilfe von Röntgenstrahlen ein genaues Bild des tödlichen Gifts des Milzbranderregers gemacht.
Wenn dieser Stoff in den Zellen erst freigesetzt ist, können diese sich nicht mehr untereinander verständigen, und ihre Aufgaben in der Zelle nicht mehr richtig erfüllen.
Die Milzbrandgifte koppeln in menschlichen Zellen nur an ganz bestimmte Stellen, und entfalten dort ihre fatale Wirkung. Eine dieser Bindungsstellen haben Wissenschaftler des Burnham Institut in Kalifornien gefunden und beschrieben.
Diese Bindungsstellen oder Rezeptoren sind wie winzige Schlösser, in denen nur ein einziger biologischer Schlüssel, das Milzbrandgift, hinein passt. Dieses Schloss hält der Milzbrandforscher Wolfgang Beyer, für die wichtigste Entdeckung.
„Wissenschaftler suchen seit über zehn Jahren nach diesem Zellrezeptor“, sagt der Tierarzt. Denn die Ergebnisse der Amerikaner können nicht nur helfen, die Schleichwege der Keime im Körper zu verstehen, sondern sind womöglich auch ein Ansatz für ein Medikament gegen die Krankheit. Denn bislang ist Milzbrand nur in sehr frühem Stadium mit Antibiotika zu heilen.
Sobald die Erreger Gifte produzieren, können die Patienten nicht mehr gerettet werden. Hier könnte die Entdeckung nach Angaben von Wolfgang Beyer helfen. Dazu müssten Forscher die Rezeptoren künstlich herstellen und den an Milzbrand Erkrankten spritzen. Damit könnte man das Bakteriengift einfangen und somit für den Menschen unschädlich machen.
Ob den amerikanischen Postangestellten noch zu helfen gewesen wäre, ist jedoch fraglich. Denn um die Entdeckungen der US-Forscher in einer Therapie anzuwenden, ist es viel zu früh, glaubt Wolfgang Beyer. „Das spielt für die momentane Situation keine Rolle“, sagt er. Die Entwicklung eines möglichen Medikaments gegen Milzbrand könne mit klinischen Studien und Zulassungsformalitäten mindestens fünf Jahre dauern.
Süddeutsche Zeitung
Die Todesfälle, die auf das Konto des Milzbranderregers gehen, häufen sich;
am Montag sind zwei amerikanische Postboten gestorben. Ein absolut wirkungsvolles Medikament gibt es bislang noch nicht. Eine Therapie, die auf den jetzt veröffentlichten Ergebnissen zweier US-Forscher basiert, könnte das möglicherweise ändern.
Das Bakterium, das die Krankheit auslöst, Bacillus anthracis, gelangt über die Haut, die Lunge oder den Darm in den menschlichen Körper. Dort vermehrt sich der etwa einen Tausendstel Millimeter große Keim und fängt an, drei Giftstoffe zu produzieren.
Einen, den „letalen Faktor“, hat eine Forschergruppe um John Young von der University of Wisconsin, identifiziert. Die Forscher haben sich mit Hilfe von Röntgenstrahlen ein genaues Bild des tödlichen Gifts des Milzbranderregers gemacht.
Wenn dieser Stoff in den Zellen erst freigesetzt ist, können diese sich nicht mehr untereinander verständigen, und ihre Aufgaben in der Zelle nicht mehr richtig erfüllen.
Die Milzbrandgifte koppeln in menschlichen Zellen nur an ganz bestimmte Stellen, und entfalten dort ihre fatale Wirkung. Eine dieser Bindungsstellen haben Wissenschaftler des Burnham Institut in Kalifornien gefunden und beschrieben.
Diese Bindungsstellen oder Rezeptoren sind wie winzige Schlösser, in denen nur ein einziger biologischer Schlüssel, das Milzbrandgift, hinein passt. Dieses Schloss hält der Milzbrandforscher Wolfgang Beyer, für die wichtigste Entdeckung.
„Wissenschaftler suchen seit über zehn Jahren nach diesem Zellrezeptor“, sagt der Tierarzt. Denn die Ergebnisse der Amerikaner können nicht nur helfen, die Schleichwege der Keime im Körper zu verstehen, sondern sind womöglich auch ein Ansatz für ein Medikament gegen die Krankheit. Denn bislang ist Milzbrand nur in sehr frühem Stadium mit Antibiotika zu heilen.
Sobald die Erreger Gifte produzieren, können die Patienten nicht mehr gerettet werden. Hier könnte die Entdeckung nach Angaben von Wolfgang Beyer helfen. Dazu müssten Forscher die Rezeptoren künstlich herstellen und den an Milzbrand Erkrankten spritzen. Damit könnte man das Bakteriengift einfangen und somit für den Menschen unschädlich machen.
Ob den amerikanischen Postangestellten noch zu helfen gewesen wäre, ist jedoch fraglich. Denn um die Entdeckungen der US-Forscher in einer Therapie anzuwenden, ist es viel zu früh, glaubt Wolfgang Beyer. „Das spielt für die momentane Situation keine Rolle“, sagt er. Die Entwicklung eines möglichen Medikaments gegen Milzbrand könne mit klinischen Studien und Zulassungsformalitäten mindestens fünf Jahre dauern.
Süddeutsche Zeitung