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Vollständige Version anzeigen : Angst vor Rezession in Japan wächst


Eliska
29.10.2001, 22:01
Industrieproduktion rückläufig. Aktienkurse sinken. Zentralbank pessimistisch

Tokio - In der größten Volkswirtschaft Asiens mehren sich die Anzeichen für eine drohende Rezession: Zum dritten Mal in Folge ist in Japan die Industrieproduktion eines Quartals gesunken. Wie das Ministerium für Wirtschaft, Handel und Industrie (Meti) am Montag in Tokio bekannt gab, sank der Ausstoß der Industrie zwischen Juli bis September um 4,3 Prozent. Im September gab die industrielle Produktion gegenüber dem Vormonat um 2,9 Prozent nach - das war ein stärkerer Fall, als Börsenanalysten erwartet hatten. Im Vergleich zum September des Vorjahres sank die Industrieproduktion sogar um 12,7 Prozent.

Obwohl die negativen Auswirkungen der Terroranschläge in Amerika auf die Nachfrage noch nicht abzuschätzen seien, erwarte die Regierung in den kommenden Monaten wieder eine anziehende Industrieproduktion, erklärten Beamte des Meti. Doch die jüngsten Daten deuten eine Rezession in Japan an. Im zweiten Quartal war das Bruttoinlandsprodukt (BIP) um real 0,8 Prozent gefallen; Anfang Dezember sollen die BIP-Daten des dritten Quartals veröffentlicht werden. Sollte das Wachstum von Juli bis September abermals negativ ausfallen, wäre dies der Beleg für die vierte Rezession in zehn Jahren.


Auch wegen enttäuschender Halbjahres-Ergebnisse in der Vorwoche - unter anderem von den Konzernen Sony, Fujitsu, Toshiba und NEC - startete die Tokioter Börse mit Verlusten in die Handelswoche: Der Nikkei-Index schloss am Montag 1,7 Prozent im Minus.


Die Bank von Japan nahm am Montag offiziell Abstand von ihrem Zweckoptimismus: Für das laufende Fiskaljahr, das am 31. März 2002 endet, wird nun eine zwischen 0,9 und 1,2 Prozent sinkende Wirtschaftsleistung erwartet. Dies geht aus dem aktuellen Halbjahresbericht hervor. Trotz der nach unten revidierten Prognosen, setzte das Direktorium der Notenbank am Montag keine neuen geldpolitischen Signale. Der Spielraum ist ohnehin eng, Tagesgeld tendiert derzeit nahe null Prozent.


Während seit Monaten nahezu alle japanischen Finanzhäuser für das laufende Jahr eine Rezession voraussagen, beharrte die Bank von Japan lange auf ihrer Prognose, das BIP könnte im Fiskaljahr zwischen 0,3 und 0,8 Prozent zulegen. Der Halbjahresbericht ist das erste offizielle Eingeständnis der Yen-Hüter, dass ein konjunktureller Abschwung nicht mehr zu vermeiden ist.


Schon vor zehn Tagen hatte Finanzminister Masajuro Shiokawa das Schönfärben aufgegeben: "Es sieht so aus, als dass die japanische Wirtschaft schrumpfen wird." Die Wachstumsprognose der Regierung lautet jedoch auf plus 1,7 Prozent. Wirtschaftsminister Heizo Takenaka deutet allerdings seit Tagen an, die Regierung werde ihre Ziele demnächst den Realitäten anpassen.


Die Anzeichen einer Deflation in Japan sind klar erkennbar: Im September gaben die Verbraucherpreise um 2,9 Prozent nach - die Preise sinken schon seit 24 Monaten. Dies verstärkt den Druck auf die Bank von Japan, mit einer Erhöhung des Bargeldumlaufs der Deflation entgegenzutreten. Die Regierung entwirft einen Nachtragshaushalt im Volumen von 3 Bio. Yen (28 Mrd. Euro), zur Förderung des Arbeitsmarktes und kleinerer Betriebe. bew

DIE WELT

KA111
10.11.2001, 00:27
Japan


Regierung erwartet Wirtschaftsabschwung

Erstmals hat die japanische Regierung den Rückgang der Wirtschaftsleistung angekündigt. Tokios Börse hat daraufhin mit Verlusten geschlossen.




Nach den verhaltenen Vorgaben der US-Börsen ging der Nikkei Index der 225 führenden Werte um 2,1 Prozent oder 216,08 Punkte schwächer bei 10.215,71 Punkten aus dem Handel.

Die japanische Regierung hatte zuvor mitgeteilt, dass die Wirtschaft des Landes gemessen am Bruttoinlandsprodukt im laufenden Fiskaljahr um 0,9 Prozent schrumpfen dürfte. Bisher war noch mit einem Wachstum von 1,7 Prozent gerechnet worden. Die Regierung hatte weiters angekündigt, der schwachen wirtschaftlichen Situation nicht durch ein Extrabudget entgegenwirken zu wollen.

Zudem hätte die anhaltende Sorge um die japanischen Banken die asiatische Leitbörse ins Minus gezogen, hieß es auf dem Parkett.

Banken bleiben Japans Sorgenkinder

Händlern zufolge gab es wachsende Spekulationen darüber, dass die Geldinstitute deutlich höhere Abschreibungen auf Problemkredite vornehmen müssten als bislang gedacht.

Im Mittelpunkt stand dabei erneut die Asahi Bank, deren Aktien um weitere rund acht Prozent nachgaben. Bereits am Donnerstag hatten die Titel zeitweise bis zu 30 Prozent verloren.

Auch die Titel weiterer japanischer Großbanken hatten auf breiter Front mit Abschlägen zu kämpfen.

Trübe sah es unter anderem auch für Broker-, Telekom- und Pharmawerten aus.

Im Technologie-Sektor zeigten sich NEC, Sharp und Fujitsu fester, Hitachi, Sony, Advantest und Kyocera indes leichter.



(sueddeutsche.de/reuters)