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Vollständige Version anzeigen : Das Prädikat "sehr empfehlenswert" gebe ich nachhaltigen Geldanlagen!


KA111
05.12.2001, 00:20
Nicht nur zocken auch nachdenken. Die Klassenprimi der nachhaltig ethische Werte und den Umweltschutzschutz fördernden Geldanlagen liegen seit 1995 ganz vorne bei der Creme de la Creme aller Kategorien.

Denkt einmal drüber nach, ob nicht eine bestimmte Quote Eures Depots so gestrickt sein sollte und ob Ihr Euch nicht selbst solche Anlagen einfach verdient habt. Weil Ihr smart seid. Seid Ihr doch! Da ist niemand, der widerspricht. Na, also.:)

Gruß
KA:)

Geldanlagen mit sozialer Verantwortung


von P. Hoffknecht und T. Moerschen


Wer sein Vermögen nach ökologischen und ethischen Kriterien anlegt, beruhigt nicht nur sein Gewissen sondern handelt auch zukunftsweisend. Experten sehen diese Form der Geldanlage auf dem Vormarsch: Die Zahl der Fonds steigt, neue Anbieter drängen auf den deutschen Markt, und die Riester-Rente sorgt für weiteren Auftrieb.





FRANKFURT / DÜSSELDORF. Kapitalanlagen, die neben finanziellen Aspekten auch Umweltschutz oder die Wahrung der Menschenrechte berücksichtigen, werden bei Anlegern immer beliebter. Die britische Kapitalanlagegesellschaft Henderson Global Investors sieht das so genannte „Socially Responsible Investment“ (SRI) gar als einen der dynamischsten Sektoren für die Investmentfondsbranche – auch in Deutschland. Daher kündigte die Gesellschaft für das kommende Jahr einen Nachhaltigkeitsfonds auch für deutsche Kunden an. Henderson verwaltet in Großbritannien nachhaltige Geldanlagen über drei Mrd. .

Bislang sind hier zu Lande rund 1,5 Mrd. in entsprechenden Aktienfonds angelegt, ermittelte das Hannoveraner Institut Imug Investment Research. Das ist fünfmal soviel wie noch vor drei Jahren. Experten erwarten einen weiteren Schub durch die staatlich geförderten Riester-Altersvorsorgeprodukte. Denn deren Anbieter müssen künftig darüber informieren, ob und inwieweit sie bei der Geldanlage ökologische, soziale und ethische Aspekte berücksichtigen.

Auch auf europäischer Ebene geraten nachhaltige Geldanlagen verstärkt in den Blickpunkt. Um sie zu fördern, gründete sich vor wenigen Tagen unter dem Namen Eurosif ein pan-europäisches Netzwerk. Bis Ende Mai 2002 ist beispielsweise eine Internetseite mit Informationen zu nachhaltigen Geldanlagen geplant.

Die Nachhaltigkeits-Debatte hat sich auch hier zu Lande schrittweise entwickelt: „In den 70er Jahren stand das ethische Investieren im Vordergrund. Bestimmte Branchen wie Rüstung oder Tabak wurden ausgeschlossen. Mitte der 80er Jahre lag der Schwerpunkt auf ökologischen Aspekten. Inzwischen ist das sozial verantwortliche Investieren ein allumfassender Ansatz, bei dem ökologische, soziale und ethische Punkte zusammen mit finanziellen Aspekten berücksichtigt werden“, erklärte Rob Lake, verantwortlich für nachhaltige Anlagestrategien bei Henderson.

Studien sehen Zusammenhang zwischen Umwelt-Kriterien und Anlageerfolg

Ein wesentlicher Grund für die wachsende Beliebtheit dieser Investmentphilosophie besteht darin, dass bei der Geldanlage mit reinem Gewissen oft auch die Rendite stimmt. „Einige Studien fanden einen positiven Zusammenhang zwischen Umwelt-Kriterien und Anlageerfolg, während ein solcher Zusammenhang für ethische Kriterien noch nicht nachgewiesen werden konnte“, berichtete Claudia Kruse vom Londoner Researchhaus Global Risk Management Services, das Nachhaltigkeits-Analysen erstellt.

Das liege wahrscheinlich daran, dass Umweltorientierung eher die Kosten senke, meinte Kruse. Hilfestellungen bei der Suche nach den sozial und ökologisch korrekten Titeln geben spezielle Indizes für nachhaltige Investments von Dow Jones oder FTSE. Einige Fonds bilden bereits einen solchen Index nach oder verwenden ihn als Messlatte für ihren Anlageerfolg.

In die Nachhaltigkeits-Indizes gelangen Aktien nach vorher festgelegten Prüffiltern: FTSE arbeitet mit festen Aufnahmekriterien, die ein Unternehmen bestehen muss. Bestimmte Branchen wie etwa Rüstung sind von vornherein ausgeschlossen. Dow Jones dagegen verfolgt bei seinen Nachhaltigkeitsindizes den so genannten „Best in class“-Ansatz. Das bedeutet, dass aus jeder Branche die Unternehmen ausgewählt werden, die unter ökonomischen, ökologischen und sozialen Kriterien am besten abschneiden.

Tatsächlich entwickelten sich die Aktien der „Klassenbesten“ seit 1995 besser als der Gesamtmarkt, ermittelte Frank Wettlaufer von der Schweizer Privatbank Sarasin. „Die Kurse der größten Umweltsünder schafften das aber auch“, sagte er. Wettlaufer favorisiert daher den Ansatz, nur aus bestimmten, umweltfreundlichen Branchen die „Klassenbesten“ auszuwählen, auch wenn so nicht der Gesamtmarkt abgedeckt werde.

Rob Lake verzichtet bei der Bewertung des Henderson-Anlageerfolgs ganz auf Nachhaltigkeitsindizes. „Wir messen uns an den konventionellen Indizes von MSCI“, betonte er. Bei der Auswahl der Titel, die den Nachhaltigkeits-Kriterien seiner Gesellschaft genügen, arbeiteten die Fondsmanager eng mit den Analysten aus dem eigenen Haus zusammen. Zudem werde ein ständiger Dialog mit den Unternehmen geführt, in die Henderson investiert. „Wir haben die Erfahrung gemacht, dass sich Investitionen in Unternehmen grundsätzlich lohnen, die in Zeiten der Globalisierung und der zunehmenden Umweltproblematik verantwortlich handeln und die gesamte Debatte weiterbringen“, sagte Lake.

Handelsblatt

KA111
10.12.2001, 03:52
Öko-Fonds: Wir haben noch deutliches Aufholpotenzial
Adriaan Bonauer |

Walter Kahlenborn ist einer der Gründer des Forums für Nachhaltige Geldanlagen und berät als Geschäftsführer der adelphi research Verbände und politische Institutionen, wenn es um Nachhaltige Geldanlagen geht. Wir trafen Walter Kahlenborn in Berlin.



Warum sollen Anleger überhaupt nachhaltig oder ökologisch investieren?

Gegenfrage: Warum sollten sie nicht? So lange sie keinen finanziellen Nachteil haben, können sie damit ihre persönlichen Vorlieben ausdrücken – welche Kriterien ihnen auch immer wichtig sind.

Welche Vorlieben können das sein?

Jeder hat seine persönlichen Wertvorstellungen. Für den einen ist Umweltschutz besonders wichtig, der andere will gewerkschaftliche Forderungen beachtet wissen und deshalb Unternehmen meiden, die Gewerkschaftsmitglieder hinauswerfen oder bestimmte Sozialstandards nicht beachten. Der Privatanleger hat das Problem, dass er kaum jedes mögliche Element überprüfen kann. Aber in diesem Bereich gibt es die Chance, persönliche Ideale in seinen Investitionen einfließen zu lassen.

Wo können sich Interessierte informieren?

Das Umweltbundesamt hat eine Broschüre zum Thema herausgegeben, die eine wirklich gute Einführung bietet. Diese Informationen sind besonders für Einsteiger und Neulinge geeignet. Es gibt zahlreiche Hinweise, wie und wo man weitere Erkundigungen einholen kann. Der einzige Nachteil ist, dass die Broschüre bereits im September 2000 erschienen ist und deshalb die aktuelleren Entwicklungen nicht mehr berücksichtigt sind. Besonders im Fondsbereich hat sich mittlerweile viel getan.

In Deutschland gibt es mittlerweile einige Dutzend verschiedene Fonds, die sich nach ethischen oder ökologisch-nachhaltigen Konzepten arbeiten. Wie kann der Anleger das richtige Produkt finden?

Wie bei jeder Investition soll sich der Anleger zuerst überlegen, was er genau haben möchte: Wenn er sich bereits für einen Fonds entschieden hat, steht noch die Auswahl zwischen Renten-, Misch- und Aktienfonds an. Wenn schon ein ähnlicher Fonds im Portfolio ist, muss man sich informieren, in wie weit sich die Produkte ähneln, um eine gewisse Risikostreuung zu sichern. Und ob die Anlage in die Portfoliostruktur passt. Solche grundsätzlichen Überlegungen bleiben keinem Anleger erspart – auch nicht, wenn er ethisch investieren will. Wenn man sich hierüber im Klaren ist, wird man feststellen, dass es eine Vielzahl von Fonds gibt, die die unterschiedlichsten Zielsetzungen haben. Es gibt Sektorenfonds, etwa im Wasserbereich, in der Umwelttechnologie oder bei den Neuen Energien. Es gibt Öko-Pionier- und Nachhaltigkeitsfonds. Im regionalen Fokus ist die Auswahl nicht so groß. Es gibt zum Beispiel kaum die Möglichkeit, mit solchen Fonds ausschließlich im deutschsprachigen Raum zu investieren.

In wie weit spielt die vergangene Performance bei der Auswahl eine Rolle?

Der Anleger muss sich die Frage stellen, was er von einem Fonds erwartet, und welches Risiko er dafür in Kauf nehmen will. Wichtig ist auch, die Faktoren herauszufinden, die für ihn entscheidend sind, zum Beispiel, ob es Ausschlusskriterien gibt. Ob etwa ganze Sektoren nicht in Frage kommen oder auch, in wie weit Kompromisse eingegangen werden dürfen: Will ich einen Bereich ganz ausschließen oder darf das Unternehmen maximal so und so viel Prozent seines Gesamtumsatzes hieraus generieren?

Denken Sie, dass es mit dem Start der Rentenreform zu einem Schub für die Öko-Anlagen kommt? Im Gesetz ist ja eine Art Dokumentationspflicht festgelegt.

Auswirkungen gibt es schon. Allerdings erschöpft sich die Pflicht in der betrieblichen Altersvorsorge schon in der Berichterstattung. Ein Anbieter könnte also dokumentieren, dass ethisch-ökologisch-soziale Belange beim Management der jeweiligen Pensionsfonds keine Rolle spielen. Der gesetzlichen Aufklärungspflicht wäre damit genüge getan. Natürlich ist es noch zu früh für ein Urteil, aber ich gehe davon aus, dass sich solche Modelle nicht durchsetzen werden. Die Gewerkschaften werden hier auf der Hut sein. Wir haben aber noch – vor allem im Vergleich mit den USA - deutliches Aufholpotenzial.


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