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Vollständige Version anzeigen : Heinz Brestel: Vom Umgang mit Geld


KA111
10.12.2001, 00:18
Umgang mit Geld

Vorsorge mit Köpfchen / Von Heinz Brestel


Am 10. September dieses Jahres trafen sich Analysten eines großen internationalen Investmenttrusts in London. Sie erarbeiteten eine Langzeitstrategie für die Anlage einiger Milliarden Kundengelder. Das Papier war noch nicht trocken, da kam der 11. September. Über Nacht war "nichts mehr wie bisher". Bei der Katastrophe wurden wir wieder einmal gewahr, was Prognosen wert sein können.
In Fernsehspots einer großen Lebensversicherungsgesellschaft wird derzeit dem Publikum suggeriert: "Nur noch 40, nur noch 30, nur noch 25 Tage bis zum Beginn des Riester-Sparens. Schnell, schnell. Dabeisein. Die Steuerprämien nicht verpassen". Die Versicherungsvertreter kommen ins Haus. Sie versprechen verschiedentlich das Blaue vom Himmel. Da werden Anteile an geschlossenen Immobilienfonds - geeignet fürs Alterssparen - mit 25jähriger Festlaufzeit offeriert. Zuzüglich Sofortabschreibungen. Aber wer ein wenig mitdenkt, weiß, daß niemand voraussehen kann, wie sich die Grundstückspreise in einem Vierteljahrhundert entwickeln werden. Das gleiche gilt für die großzügigen "Performance-Berechnungen" beim Prämiensparen. Da werden Zinsen, Zinseszinsen und Aktienkursgewinne aufgetürmt. Dabei sind das alles nur Prognosen.
Wie sich in 25 Jahren ein Vermögen ansparen läßt, kann einfach niemand sicher sagen. Das gilt auch für Zusagen staatlicher Prämien. Ist nicht "Nachbessern" von Gesetzen längst zum geflügelten Wort bei unseren Politikern geworden?
Natürlich wäre es unverantwortlich zu empfehlen, man möge einfach in den Tag hineinleben und sich über die Zukunft keine Gedanken machen. Vorsorge ist notwendig. Die Frage ist aber, in welcher Form und über welchen Zeitraum hinweg. Jeder sollte sich daher überlegen, welche Risiken langfristiges Sparen mit sich bringt.
Hier einige Hinweise. Anleger müssen abwägen, ob die Vorteile langfristiger, steuerbegünstigter Sparbindungen wirklich die Nachteile starren, flexiblen Ratensparens kompensieren können. Auf jeden Fall sollte vorher ein unvoreingenommener Steuerberater konsultiert werden.[INITIAL-3]
Bei langfristigen Engagements sollte auch das familiäre und gesundheitliche Risiko berücksichtigt werden.
Ist für unvorhergesehene Fälle - neben dem Vorsorgesparen - ausreichend finanziell gesorgt? Die vorzeitige Kündigung von Sparplänen kann verlustreich sein. Gibt es vielleicht - in jungen Jahren - Überlegungen, später mal Grundbesitz zu erwerben, eine Wohnung oder ein Haus? Wäre dann ein Rückgriff auf das angesparte "Riester-Kapital" erforderlich? Und mit welchen Konsequenzen bei der Umwandlung der Sparformen?
Gibt es nicht vielleicht noch bessere Chancen für die individuelle Vermögensbildung? Vielleicht hat der eine oder andere ein glückliches Händchen beim Spekulieren an der Börse? <FEM_UMBRUCH>Ist es wirklich notwendig, frühzeitig fürs Alter vorzusorgen, wenn etwa Erbschaften in Aussicht stehen? Wird es nicht genügen, im letzten Jahrzehnt vor der Pensionierung gezielt über die Rente nachzudenken? Genügend Alternativen werden auch in Zukunft die Versicherungsgesellschaften bieten können.
Einen Spruch sollte man sich am besten übers Bett hängen: "Niemals nur wegen der Steuer sein Geld einsetzen". Und dazu noch der andere Rat angesichts der Eile, welche die Verkäufer heute beim Abschluß von Langzeitplänen haben: "Schau'n wir erst mal."ierteljahrhundert entwickeln werden. Das gleiche gilt für die großzügigen "Performance-Berechnungen" beim Prämiensparen. Da werden Zinsen, Zinseszinsen und Aktienkursgewinne aufgetürmt. Dabei sind das alles nur Prognosen. Wie sich in 25 Jahren ein Vermögen ansparen läßt, kann einfach niemand sicher sagen. Das gilt auch für Zusagen staatlicher Prämien. Ist nicht "Nachbessern" von Gesetzen längst zum geflügelten Wort bei unseren Politikern geworden? Natürlich wäre es unverantwortlich zu empfehlen, man möge einfach in den Tag hineinleben und sich über die Zukunft keine Gedanken machen. Vorsorge ist notwendig. Die Frage ist aber, in welcher Form und über welchen Zeitraum hinweg. Jeder sollte sich daher überlegen, welche Risiken langfristiges Sparen mit sich bringt. Hier einige Hinweise. Anleger müssen abwägen, ob die Vorteile langfristiger, steuerbegünstigter Sparbindungen wirklich die Nachteile starren, flexiblen Ratensparens kompensieren können. Auf jeden Fall sollte vorher ein unvoreingenommener Steuerberater konsultiert werden.[INITIAL-3] Bei langfristigen Engagements sollte auch das familiäre und gesundheitliche Risiko berücksichtigt werden.Ist für unvorhergesehene Fälle - neben dem Vorsorgesparen - ausreichend finanziell gesorgt? Die vorzeitige Kündigung von Sparplänen kann verlustreich sein. Gibt es vielleicht - in jungen Jahren - Überlegungen, später mal Grundbesitz zu erwerben, eine Wohnung oder ein Haus? Wäre dann ein Rückgriff auf das angesparte "Riester-Kapital" erforderlich? Und mit welchen Konsequenzen bei der Umwandlung der Sparformen?Gibt es nicht vielleicht noch bessere Chancen für die individuelle Vermögensbildung? Vielleicht hat der eine oder andere ein glückliches Händchen beim Spekulieren an der Börse? <FEM_UMBRUCH>Ist es wirklich notwendig, frühzeitig fürs Alter vorzusorgen, wenn etwa Erbschaften in Aussicht stehen? Wird es nicht genügen, im letzten Jahrzehnt vor der Pensionierung gezielt über die Rente nachzudenken? Genügend Alternativen werden auch in Zukunft die Versicherungsgesellschaften bieten können. Einen Spruch sollte man sich am besten übers Bett hängen: "Niemals nur wegen der Steuer sein Geld einsetzen". Und dazu noch der andere Rat angesichts der Eile, welche die Verkäufer heute beim Abschluß von Langzeitplänen haben: "Schau'n wir erst mal."

Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 09.12.2001