KA111
08.01.2002, 20:26
NEUE WÄHRUNG
Der Wildwuchs des Euro-Unkrauts
Nach Erhebungen der Verbraucherzentralen feiert die Anarchie im täglichen Umgang mit dem Euro fröhliche Urständ. Tankstellen erheben "Wechselgebühren", Banken verweigern Kontoinhabern den Umtausch, Obsthändler legen kurzerhand einen Euro-Mark-Devisenkurs von eins zu eins fest.
Leipzig - Die Verbraucherzentralen stellen zunehmend Unstimmigkeiten bei der neuen Währung fest. "Auf Grund der Anfragen und Erfahrungen der Bevölkerung beobachten wir einen Wildwuchs im Umgang mit D-Mark und Euro", sagte Renate Janeczek von der Verbraucherzentrale Sachsen. Betroffen seien besonders kleinere Einzelhandelsgeschäfte, Tankstellen und Kreditinstitute.
"Bei Tankstellen gibt es völlig unterschiedliche Verfahrensweisen. Manche nehmen nur Bargeldbeträge bis 50 Mark an, andere verlangen Umtauschgebühren bis zu 2,20 Euro", so Janeczek. Im Einzelhandel seien große Unterschiede zwischen Handelsketten und kleineren Geschäften zu verzeichnen.
Obstwucher: 49 Pfennig gleich 49 Cent
"Die Preise für Obst und Gemüse sind offensichtlich bundesweit enorm gestiegen", fasste Werner Zeiler von der Verbraucherzentrale Thüringen seine Erfahrungen am bundesweit geschalteten "EuroFon" (01803/25 8000) zusammen. Die Preise seien teilweise eins zu eins übernommen worden. "Die Anrufer nannten Preisbeispiele für Kiwis, die früher 49 Pfennig und jetzt 49 Euro-Cent kosteten, oder Gurken, die sowohl unter der alten als auch der neuen Währung das Preisschild 1,49 tragen."
Nach Sachsen-Anhalt fordert auch die Verbraucherzentrale Thüringen die Kreditinstitute auf, Nichtkunden einen kostenfreien Umtausch von Mark in Euro zu ermöglichen. Bundesweite Umfragen der Verbraucherzentralen hatten ergeben, dass meist nur Kunden ein gebührenfreier Umtausch gewährt wird. Nach Angaben der Verbraucherzentrale Sachsen sind aber auch in diesem Bereich Probleme nicht ausgeschlossen. "In Plauen ist einer Kundin die Einzahlung von D-Mark auf ihr Sparbuch verweigert worden, ein Tausch war nicht möglich, weil sie kein Girokonto hatte", berichtete Janeczek.
Spiegel Online
Der Wildwuchs des Euro-Unkrauts
Nach Erhebungen der Verbraucherzentralen feiert die Anarchie im täglichen Umgang mit dem Euro fröhliche Urständ. Tankstellen erheben "Wechselgebühren", Banken verweigern Kontoinhabern den Umtausch, Obsthändler legen kurzerhand einen Euro-Mark-Devisenkurs von eins zu eins fest.
Leipzig - Die Verbraucherzentralen stellen zunehmend Unstimmigkeiten bei der neuen Währung fest. "Auf Grund der Anfragen und Erfahrungen der Bevölkerung beobachten wir einen Wildwuchs im Umgang mit D-Mark und Euro", sagte Renate Janeczek von der Verbraucherzentrale Sachsen. Betroffen seien besonders kleinere Einzelhandelsgeschäfte, Tankstellen und Kreditinstitute.
"Bei Tankstellen gibt es völlig unterschiedliche Verfahrensweisen. Manche nehmen nur Bargeldbeträge bis 50 Mark an, andere verlangen Umtauschgebühren bis zu 2,20 Euro", so Janeczek. Im Einzelhandel seien große Unterschiede zwischen Handelsketten und kleineren Geschäften zu verzeichnen.
Obstwucher: 49 Pfennig gleich 49 Cent
"Die Preise für Obst und Gemüse sind offensichtlich bundesweit enorm gestiegen", fasste Werner Zeiler von der Verbraucherzentrale Thüringen seine Erfahrungen am bundesweit geschalteten "EuroFon" (01803/25 8000) zusammen. Die Preise seien teilweise eins zu eins übernommen worden. "Die Anrufer nannten Preisbeispiele für Kiwis, die früher 49 Pfennig und jetzt 49 Euro-Cent kosteten, oder Gurken, die sowohl unter der alten als auch der neuen Währung das Preisschild 1,49 tragen."
Nach Sachsen-Anhalt fordert auch die Verbraucherzentrale Thüringen die Kreditinstitute auf, Nichtkunden einen kostenfreien Umtausch von Mark in Euro zu ermöglichen. Bundesweite Umfragen der Verbraucherzentralen hatten ergeben, dass meist nur Kunden ein gebührenfreier Umtausch gewährt wird. Nach Angaben der Verbraucherzentrale Sachsen sind aber auch in diesem Bereich Probleme nicht ausgeschlossen. "In Plauen ist einer Kundin die Einzahlung von D-Mark auf ihr Sparbuch verweigert worden, ein Tausch war nicht möglich, weil sie kein Girokonto hatte", berichtete Janeczek.
Spiegel Online