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Vollständige Version anzeigen : Hilflos wie eine auf dem Rücken liegende Schildkröte


KA111
08.01.2002, 20:34
Konjunktur

Deutschland, die hilflose Schildkröte

Der Chef des Wirtschaftsforschungsinstituts HWWA hat der deutschen Wirtschaft ein vernichtendes Zeugnis ausgestellt. Das Land sei so wettbewerbsfähig wie eine auf dem Rücken liegende Schildkröte.


AP

Wie eine Schildkröte: Deutschland ist nicht mehr wettbewerbsfähig, sagt das HWWA


Hamburg - Die Konjunktur in Deutschland hat nach Einschätzung des Hamburgischen Weltwirtschafts-Archivs (HWWA) die Talsohle erreicht, wird den Wiederaufschwung im gerade angelaufenen Jahr aber nur dank Impulsen aus dem Ausland schaffen. Vom Inland seien keine Wachstumsschübe zu erwarten, weil wichtige Reformen durch die Bundesregierung ausgeblieben seien, sagte Thomas Straubhaar, der Präsident des Hamburger Wirtschaftsforschungsinstituts.

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Deutschland habe seit längerem kein kurzfristiges Konjunkturproblem, sondern leide unter einer permanenten Wachstumsschwäche. Die Wachstumsprognose beließ das HWWA unverändert bei 0,7 Prozent für dieses und 2,8 Prozent für das nächste Jahr. Für die bevorstehenden Lohnrunden empfahl das HWWA Tarifabschlüsse nicht über 2,5 Prozent.

Kein Aufschwung aus eigener Kraft

Deutschland erscheine zurzeit wie eine auf dem Rücken liegende Schildkröte, die aus eigener Kraft nicht auf die Beine komme, sagte Straubhaar.
HWWA-Chef Straubhaar: Keine Erholung aus eigener Kraft


Die Hoffnung auf eine Erholung gründe sich daher alleine darauf, dass sich die Konjunktur in den USA im ersten Halbjahr 2002 wieder fange und in der zweiten Jahreshälfte an Fahrt gewinne. Die Wachstumsrate des realen Bruttoinlandsprodukts in den USA werde 2002 bei 1,2 nach 1,1 Prozent im vergangenen Jahr liegen. Diese Erholung werde auf andere Regionen ausstrahlen und den Weg für eine konjunkturelle Wende in der Weltwirtschaft ebnen.

Für Deutschland zeichnete Straubhaar dagegen ein trübes Bild. Entgegen allen Hoffnungen, die durch die rot-grüne Bundesregierung geweckt worden seien, sei auf dem Arbeitsmarkt keine wirkliche Besserung in Sicht. Die Arbeitslosigkeit werde bis weit in dieses Jahr hinein noch zunehmen und im Jahresdurchschnitt auf fast vier Millionen klettern. 2003 sei bei wieder anspringender Konjunktur ein Rückgang der Arbeitslosenzahlen auf 3,8 Millionen möglich, sagte der Leiter der HWWA-Konjunkturabteilung, Eckhardt Wohlers.

Zu den Versäumnissen der Politik zählte Straubhaar ausgebliebene Reformen auf dem Arbeitsmarkt, im Gesundheitswesen, im Bildungssektor sowie in der Sozialpolitik. Der "Reformstau", den die Kohl-Regierung hinterlassen habe, sei durch eine hilflos wirkende ordnungspolitische Konzeptionslosigkeit von Rot-Grün abgelöst worden.