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Vollständige Version anzeigen : Großbaustelle Walldorf


KA111
10.01.2002, 00:30
MANAGER-MAGAZIN

Großbaustelle in Walldorf



In der angeschlagenen IT-Branche geht es Europas größtem Softwareanbieter vergleichsweise gut. Doch wie lange noch? Das Unternehmen steht vor gewaltigen Umwälzungen.


Plumps, da war der Kiel weg. Mitte November verlor die Segeljacht von Oracle-Gründer Larry Ellison (57) das 21 Tonnen schwere Tarierteil beim Training vor Neuseeland. Das Sportboot kenterte, die Küstenwacht musste die Mannschaft retten.



Über die peinliche Havarie amüsiert sich einer besonders: SAP-Chef Hasso Plattner (57). Ellisons Erzrivale, beim Segeln wie im Softwarebusiness, schwimmt jetzt in beiden Bereichen obenauf.

Das Missgeschick von Oracle Racing erhöht die Chancen des von SAP gesponserten Teams Neuseeland, den "America's Cup" zu gewinnen.

Im Geschäft mit betriebswirtschaftlichen Programmen sieht es für Plattner noch besser aus. In jüngster Zeit hat SAP seinen Vorsprung gegenüber Herausforderer Ellison deutlich ausgeweitet. Oracles Anteil am Markt für Unternehmenssoftware schrumpfte im dritten Quartal 2001 auf 15 Prozent, die SAP vergrößerte ihren Batzen auf 42 Prozent.

Siegt Plattner also auf ganzer Linie? Beinahe mag es so scheinen.

Dank seiner globalen Aufstellung meistert das drittgrößte Softwarehaus der Welt die Rezession merklich besser als der Wettbewerb. Im Gegensatz zu so manchem Konkurrenten legte SAP beim Umsatz zu, der Überschuss ging leicht zurück.

Superstar SAP!

Halt, nicht so schnell.

Zwar tönt Plattner im Siegestaumel: "Während aus Dotcoms Notcoms werden, ist die SAP bestens aufgestellt." Doch unter seiner schön polierten Oberfläche kämpft das deutsche Vorzeigeunternehmen mit einer Reihe massiver Probleme:


Das Kerngeschäft mit Lizenzen für die SAP-Software geht zurück.
Die für SAP so wichtigen Beziehungen zu Beratern und Systemhäusern geraten in Gefahr.
Die Kosten des Konzerns sind aufgebläht.
Marketing und Kommunikation stecken im Erklärungsnotstand.
Der nächste große Technologiewandel muss vollzogen werden.
Das USA-Geschäft bereitet weiter Sorgen.
Microsoft greift die Walldorfer im Wachstumsfeld Mittelstand an.


Kein Zweifel - wieder einmal ist die SAP an einem dramatischen Wendepunkt in ihrer fast 30-jährigen Geschichte angelangt.

Können Plattner und sein gleichberechtigter Vorstandskollege Henning Kagermann (54) alle Hürden auf einmal nehmen? Gelingt ihnen der Balanceakt zwischen den höchst unterschiedlichen Wünschen von Kunden, Partnern und Anlegern?

Eines jedenfalls ist sicher: Will das Führungsduo sein Unternehmen sicher in die Zukunft leiten, muss es eine Aufgabe von herkulischen Dimensionen bewältigen.

Doch langsam und der Reihe nach.

Eva Müller




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Zum weiterclicken, lohnt!!

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SAP

Die Softwarefirma muss sich neu erfinden



Teil 1: Großbaustelle in Walldorf


Teil 2: Problem 1 - Lizenzen


Teil 3: Problem 2 - Partner


Teil 4: Problem 3 - Kosten


Teil 5: Problem 4 - Marketing


Teil 6: Problem 5 - Technik


Teil 7: Fazit

KA111
14.01.2002, 23:44
D I E T R I N K A U S - K O L U M N E

Es ist nicht alles Gold, was glänzt!

Die SAP-Aktie ist seit Ende Oktober um rund 50 Prozent gestiegen. Geht die Rallye weiter? Eine Analyse von Klaus Lüpertz, Aktienexperte bei HSBC Trinkaus & Burkhardt.




Der Walldorfer Softwarekonzern SAP hat die Umsatzprognose für 2001 nach einer Veröffentlichung am 9. Januar dieser Woche mit einem Plus von 16 Prozent übertroffen. Erfreulich daran ist, dass nicht der Servicesektor den Umsatzsprung verursachte, sondern das Kernprodukt "Softwarelizenzen" mit einem Umsatz im vierten Quartal von über einer Milliarde Euro.

Die Analystenschätzungen im Vorfeld beliefen sich auf durchschnittlich knapp 800 Millionen Euro. Die Zahl ist umso eindrucksvoller, als dass selbst im rekordstarken Jahr 2000 im letzten Quartal nur gerade 1,05 Milliarden Euro mit Lizenzen umgesetzt werden konnten.

Prognose aus dem Herbst 2001 exakt erfüllt

Ebenso erfreulich: Die operative Rendite kann auf dem Niveau von 20 Prozent gehalten werden, was dem Vorjahresniveau entspricht. Damit wird die revidierte Prognose aus dem Herbst 2001 exakt erfüllt, die nach den Terroranschlägen in den USA zwei bis drei Prozentpunkte unter der ursprünglichen Jahresplanung lag.




Auf das Gesamtjahr gerechnet ist der Umsatz auf über 7,2 Milliarden Euro geklettert. Zum Vergleich dazu: Selbst im guten Jahr 2000 wurden nur ein Vergleichsumsatz von knapp 6,3 Milliarden Euro und eine gleich hohe Marge erreicht.

Die endgültigen Geschäftszahlen werden zwar erst am 23. Januar veröffentlicht, doch nutzte das Unternehmen bereits die Gelegenheit und wies darauf hin, dass das Marktumfeld in den nächsten Monaten schwierig bleibe. Eine genauere Aussage zum erwarteten Jahresverlauf 2002 war bisher nicht zu bekommen, soll aber Ende Januar verfügbar sein.

Es stellt sich jedoch die Frage: Wie ist es zu diesem Umsatzsprung gekommen? Marktanteilsgewinne - die Begründung, die von Finanzanalysten und Anlegern am liebsten gehört würde - sind nur zu einem geringen Anteil für den Anstieg verantwortlich.

Immerhin konnte der Vorsprung vor Oracle bei betriebswirtschaftlichen Programmen weiter ausgebaut werden. Schon eher scheint da die Vermutung berechtigt zu sein, dass einige Aufträge in 2001 vom auffallend schwachen dritten ins vierte Quartal verschoben worden sind.

Doch ein Umsatzsprung um 16 Prozent scheint mir ohne eine Verbesserung des USA-Geschäfts kaum möglich. Nachdem noch im Jahresverlauf 300 Mitarbeiter in den Staaten entlassen werden mussten, sprach das SAP-Management gegen Ende des Jahres von einer deutlichen Erholung des US-Geschäftes.

Börse ignoriert Hinweise auf Probleme

Viel wichtiger bleibt für die zukünftige Kursentwicklung auch die Einschätzung der wirtschaftlichen Situation in 2002. Mir kommt es nach den starken Kursanstiegen der letzten Tage so vor, als ignoriere die Börse die deutlichen Hinweise des Unternehmens auf das unverändert schwierige Marktumfeld.

Dazu kommt, dass Gerüchte um die Ausgabe einer neuen Wandelanleihe immer lauter werden, auch wenn das Management noch keine Stellung dazu nehmen möchte. Noch im Dezember bestätigte die Unternehmensleitung aber, dass Vorbereitungen für eine solche Emission getroffen worden sind.

Zahlreiche belastende Faktoren

Ein weiterer Faktor: die internen SAP-Probleme. Die Zusammenführung verschiedener Programme auf eine neue Plattform wird noch einige Zeit in Anspruch nehmen. Trotz des Mitarbeiterabbaus in den USA ist die Beschäftigtenzahl im Gesamtkonzern im letzten Jahr angestiegen - nicht nur von dieser Seite operiert SAP mit einer hohen Kostenbasis.

Es bleibt darüber hinaus noch zu klären, in welchem Ausmaß Sonderausgaben, beispielsweise für das Mitarbeiterbeteiligungsprogramm oder Akquisitionen, das Ergebnis 2001 belastet haben. Es scheint relativ sicher zu sein, dass das positive Überraschungspotenzial von SAP in den nächsten Quartalen deutlich geringer ist.

Vorsicht ist angebracht

Von daher muss das Unternehmen jetzt zunächst einmal mit Fundamentaldaten die gute Börsenkursentwicklung rechtfertigen. Anleger sollten sich jedoch die Frage stellen, ob sie nach dem starken Anstieg die Aktie immer noch kaufen wollen. Wer Bestände im Depot hat, sollte sich mit einem Stop-Loss-Limit absichern.

Klaus Lüpertz, HSBC Trinkaus & Burkhardt