KA111
21.01.2002, 00:42
Immobilienfonds: Auswärts hui, zu Hause pfui
Kai Wiecking |
Immobilienfonds deutscher Prägung haben mit dem, was die angelsächsische Welt darunter versteht wenig gemein. Vor allem können sie von den Renditen der sogenannten REIT nur träumen.
Offene deutsche Immobilienfonds investieren direkt in konkrete Bauobjekte. Die Rendite geht selten über die ausgeschüttete Dividende hinaus und ist gelinde gesagt mager. Die Feststellung des Rücknahmepreises erfolgt oft nicht täglich und ist mitunter auch recht willkürlich. Wie will man schon ständig neu beurteilen, was ein Gebäude wert ist?
Positiv zu vermerken ist lediglich, dass das Risiko ebenso gering wie die Rendite ist. Nennenswerte Verlustperioden sind fast ausgeschlossen. Daher sind diese Fonds auch für langfristige Anlageziele untauglich. Und die kurzfristige Wertentwicklung wird durch die Ausgabeaufschläge verhagelt. Da ist man mit einem Pfandbrief meist noch besser dran.
REIT können sinnvolle Beimischung sein
Wesentlich interessanter sind die REIT-Fonds (Real Estate Investment Trusts) . Diese Fondskonstruktionen, die aus den USA stammen und sich inzwischen auch bei uns wachsender Beliebtheit erfreuen, investieren nicht direkt in Objekte, sondern in börsennotierte Immobilienbetreibergesellschaften. Dadurch erreicht man unter anderem eine wesentlich breitere Streuung. Diese REIT sind professionelle Unternehmen, die im Sinne ihrer Aktionäre Bürokomplexe, Messehallen, Einkaufszentren und anders betreiben und stetig um eine möglichst hohe Rendite bemüht sein müssen, da sie als Aktiengesellschaften dem Anleger (in diesem Fall dem REIT-Fondsmanager) gegenüber zu wesentlich größerem Informationsfluss verpflichtet sind.
Somit handelt es sich hierbei um Aktienfonds, deren Risiko zwar erheblich über dem der deutschen Immobilienfonds liegt, jedoch deutlich unter dem Niveau von anderen Branchenfonds wie etwa Technologie oder Biotech. Die durchschnittliche Standardabweichung über 3 Jahre der Morningstar Kategorie Branchen: Immobilien liegt mit 10,9 Prozent sogar wesentlich niedriger als bei der Kategorie Aktien weltweit (20,6 Prozent).
Und die Wertentwicklung ist durchaus interessant: Über drei Jahre warf der Klassenbeste Morgan Stanley SICAV US Property Fund immerhin 20 Prozent p.a. ab. Der beste Immobilienfonds „deutschen Typs“ hingegen, der CS Euroreal, erwirtschaftete lediglich 5,6 Prozent durchschnittlich über drei Jahre.
Fazit: Als Beimischung zur Risikominderung eines Aktienfondsportfolios sind diese Fonds durchaus geeignet. Die deutschen Immobilienfonds aber werden sich in Anbetracht der immer vielfältigeren Alternativen im Buhlen um die Anlegergunst schwer tun.
mornigstarfonds.de
Kai Wiecking |
Immobilienfonds deutscher Prägung haben mit dem, was die angelsächsische Welt darunter versteht wenig gemein. Vor allem können sie von den Renditen der sogenannten REIT nur träumen.
Offene deutsche Immobilienfonds investieren direkt in konkrete Bauobjekte. Die Rendite geht selten über die ausgeschüttete Dividende hinaus und ist gelinde gesagt mager. Die Feststellung des Rücknahmepreises erfolgt oft nicht täglich und ist mitunter auch recht willkürlich. Wie will man schon ständig neu beurteilen, was ein Gebäude wert ist?
Positiv zu vermerken ist lediglich, dass das Risiko ebenso gering wie die Rendite ist. Nennenswerte Verlustperioden sind fast ausgeschlossen. Daher sind diese Fonds auch für langfristige Anlageziele untauglich. Und die kurzfristige Wertentwicklung wird durch die Ausgabeaufschläge verhagelt. Da ist man mit einem Pfandbrief meist noch besser dran.
REIT können sinnvolle Beimischung sein
Wesentlich interessanter sind die REIT-Fonds (Real Estate Investment Trusts) . Diese Fondskonstruktionen, die aus den USA stammen und sich inzwischen auch bei uns wachsender Beliebtheit erfreuen, investieren nicht direkt in Objekte, sondern in börsennotierte Immobilienbetreibergesellschaften. Dadurch erreicht man unter anderem eine wesentlich breitere Streuung. Diese REIT sind professionelle Unternehmen, die im Sinne ihrer Aktionäre Bürokomplexe, Messehallen, Einkaufszentren und anders betreiben und stetig um eine möglichst hohe Rendite bemüht sein müssen, da sie als Aktiengesellschaften dem Anleger (in diesem Fall dem REIT-Fondsmanager) gegenüber zu wesentlich größerem Informationsfluss verpflichtet sind.
Somit handelt es sich hierbei um Aktienfonds, deren Risiko zwar erheblich über dem der deutschen Immobilienfonds liegt, jedoch deutlich unter dem Niveau von anderen Branchenfonds wie etwa Technologie oder Biotech. Die durchschnittliche Standardabweichung über 3 Jahre der Morningstar Kategorie Branchen: Immobilien liegt mit 10,9 Prozent sogar wesentlich niedriger als bei der Kategorie Aktien weltweit (20,6 Prozent).
Und die Wertentwicklung ist durchaus interessant: Über drei Jahre warf der Klassenbeste Morgan Stanley SICAV US Property Fund immerhin 20 Prozent p.a. ab. Der beste Immobilienfonds „deutschen Typs“ hingegen, der CS Euroreal, erwirtschaftete lediglich 5,6 Prozent durchschnittlich über drei Jahre.
Fazit: Als Beimischung zur Risikominderung eines Aktienfondsportfolios sind diese Fonds durchaus geeignet. Die deutschen Immobilienfonds aber werden sich in Anbetracht der immer vielfältigeren Alternativen im Buhlen um die Anlegergunst schwer tun.
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