Eliska
27.01.2002, 11:03
Ein Extrakt der Pestwurz hat ein breiteres Wirkungsspektrum als viele schulmedizinische Medikamente
Landquart - Januar ist fast vorbei, die Temperaturen steigen wieder. Doch was die einen vom Frühling träumen lässt, beschert anderen Albträume: den etwa 850 000 Schweizern nämlich, die an Heuschnupfen leiden. Denn schon im Februar fliegen die ersten Pollen von Frühblühern wie Erle und Haselnuss, die bei Allergikern Symptome von tränenden Augen über Triefnase bis hin zu Kopfschmerzen oder Asthmaanfällen verursachen.
Den so von Pflanzen Geplagten kann vielleicht bald eine andere Pflanze helfen: In einer kürzlich im Ärzteblatt «British Medical Journal» veröffentlichten schweizerisch-deutschen Studie wirkte ein Extrakt aus der einheimischen Pestwurz genauso gut gegen Heuschnupfen wie das als «Goldstandard» verwendete Antihistaminikum Cetirizin (Zyrtec). Einziger Unterschied: Das Pflanzenextrakt machte nicht müde.
Zwei Wochen lang schluckten rund 125 Pollenallergiker Tabletten, die entweder das Pestwurzextrakt oder den chemischen Wirkstoff Cetirizin enthielten - ohne zu wissen, was sie zu sich nahmen. In beiden Gruppen besserte sich der Heuschnupfen gleichermassen. Häufigste Nebenwirkungen bei den Cetirizin-Patienten war - wie erwartet - Müdigkeit. In der Pestwurzgruppe zeigten sich keine typischen Nebenwirkungen. Nur vereinzelte Patienten litten beispielsweise unter Kopfschmerzen, Durchfall oder erhöhten Leberwerten.
Die Pflanze mit den riesigen Blättern, die gerne an schattigen Bachläufen wächst, gilt schon lange als Heilkraut. Im Mittelalter wurde sie, wie ihr Name verrät, gegen die Pest eingesetzt. Später setzten Heiler ihre Blätter und Wurzeln gegen Husten, Asthma, Magen-Darm-Krämpfe oder für Hautwunden ein. Heute sind Tabletten mit Pestwurzextrakt ein anerkanntes Mittel gegen Schmerzen.
Einen Nachteil hat das Kraut jedoch:
Die Pestwurz enthält Substanzen, die giftig für die Leber sind. Tees aus selbst gepflückten Blättern oder andere selbst gebraute Arzneimittel sind daher nicht empfehlenswert.
Ihre Wirkung gegen Allergien verdankt die Pestwurz den so genannten Petasinen. Diese Pflanzensubstanzen greifen an zwei Stellen in die allergische Reaktion ein: Einerseits hemmen die Petasine laut dem Allergologen und Studienleiter Andreas Schapowal aus Landquart die Produktion gewisser Botenstoffe, die Allergiesymptome auslösen, die so genannten Leukotriene und Prostaglandine.
Andererseits sorgen die Pestwurz-Petasine auch dafür, dass weniger Botenstoffe aus den so genannten Mastzellen des Immunsystems freigesetzt werden, so Schapowal weiter. Diese Zellen schütten (bei Allergikern) Botenstoffe aus, sobald ein Allergie auslösender Stoff in den Körper dringt. Das zu verhindern, ist Aufgabe einer anderen Gruppe von Allergie-Medikamenten, den so genannten Mastzellenstabilisatoren.
Anders als diese schulmedizinischen Medikamente haben die Petasine damit laut Schapowal ein breiteres Wirkspektrum: Sie kombinieren die Wirkung von Mastzellstabilisatoren, Antihistaminika und Leukotrienantagonisten.
Stephanie Kusma
SonntagsZeitung.CH
Tamedia AG
Landquart - Januar ist fast vorbei, die Temperaturen steigen wieder. Doch was die einen vom Frühling träumen lässt, beschert anderen Albträume: den etwa 850 000 Schweizern nämlich, die an Heuschnupfen leiden. Denn schon im Februar fliegen die ersten Pollen von Frühblühern wie Erle und Haselnuss, die bei Allergikern Symptome von tränenden Augen über Triefnase bis hin zu Kopfschmerzen oder Asthmaanfällen verursachen.
Den so von Pflanzen Geplagten kann vielleicht bald eine andere Pflanze helfen: In einer kürzlich im Ärzteblatt «British Medical Journal» veröffentlichten schweizerisch-deutschen Studie wirkte ein Extrakt aus der einheimischen Pestwurz genauso gut gegen Heuschnupfen wie das als «Goldstandard» verwendete Antihistaminikum Cetirizin (Zyrtec). Einziger Unterschied: Das Pflanzenextrakt machte nicht müde.
Zwei Wochen lang schluckten rund 125 Pollenallergiker Tabletten, die entweder das Pestwurzextrakt oder den chemischen Wirkstoff Cetirizin enthielten - ohne zu wissen, was sie zu sich nahmen. In beiden Gruppen besserte sich der Heuschnupfen gleichermassen. Häufigste Nebenwirkungen bei den Cetirizin-Patienten war - wie erwartet - Müdigkeit. In der Pestwurzgruppe zeigten sich keine typischen Nebenwirkungen. Nur vereinzelte Patienten litten beispielsweise unter Kopfschmerzen, Durchfall oder erhöhten Leberwerten.
Die Pflanze mit den riesigen Blättern, die gerne an schattigen Bachläufen wächst, gilt schon lange als Heilkraut. Im Mittelalter wurde sie, wie ihr Name verrät, gegen die Pest eingesetzt. Später setzten Heiler ihre Blätter und Wurzeln gegen Husten, Asthma, Magen-Darm-Krämpfe oder für Hautwunden ein. Heute sind Tabletten mit Pestwurzextrakt ein anerkanntes Mittel gegen Schmerzen.
Einen Nachteil hat das Kraut jedoch:
Die Pestwurz enthält Substanzen, die giftig für die Leber sind. Tees aus selbst gepflückten Blättern oder andere selbst gebraute Arzneimittel sind daher nicht empfehlenswert.
Ihre Wirkung gegen Allergien verdankt die Pestwurz den so genannten Petasinen. Diese Pflanzensubstanzen greifen an zwei Stellen in die allergische Reaktion ein: Einerseits hemmen die Petasine laut dem Allergologen und Studienleiter Andreas Schapowal aus Landquart die Produktion gewisser Botenstoffe, die Allergiesymptome auslösen, die so genannten Leukotriene und Prostaglandine.
Andererseits sorgen die Pestwurz-Petasine auch dafür, dass weniger Botenstoffe aus den so genannten Mastzellen des Immunsystems freigesetzt werden, so Schapowal weiter. Diese Zellen schütten (bei Allergikern) Botenstoffe aus, sobald ein Allergie auslösender Stoff in den Körper dringt. Das zu verhindern, ist Aufgabe einer anderen Gruppe von Allergie-Medikamenten, den so genannten Mastzellenstabilisatoren.
Anders als diese schulmedizinischen Medikamente haben die Petasine damit laut Schapowal ein breiteres Wirkspektrum: Sie kombinieren die Wirkung von Mastzellstabilisatoren, Antihistaminika und Leukotrienantagonisten.
Stephanie Kusma
SonntagsZeitung.CH
Tamedia AG