Eliska
01.02.2002, 18:59
Monatliche Teuerungsrate ist so hoch wie seit neun Jahren nicht mehr. Inflationsindexierte Anleihen bieten Sicherheit
Von Holger Zschäpitz
Den Euro gibt es nicht zum Nulltarif.
Viele Preise sind auch durch die Einführung der neuen Banknoten und Münzen zu Anfang des Jahres gestiegen. Gestern gab es nun Gewissheit: Die Teuerung legte im Januar gegenüber dem Vormonat um 0,9 Prozent zu. Das ist der größte monatliche Anstieg seit neun Jahren. Nach Berechnungen der WELT wurde jeder Deutsche allein durch die Einführung des Euro durchschnittlich 100 DM ärmer.
Zwar war der Euro nicht der Hauptpreistreiber.
Das Gros ist den Steuererhöhungen und saisonalen Effekten zuzuschreiben.
„Aber 0,2 der insgesamt 0,9 Prozent gehen auf das Konto der neuen Währung“, sagt Holger Fahrinkrug, Volkswirt bei UBS Warburg stellvertretend für die Analystenzunft.
Experten sehen die Übeltäter vor allem im Dienstleistungsgewerbe. So hätten Friseure oder Pizzabäcker bei der Währungsumstellung kräftig zugelangt und damit an der Preisschraube gedreht.
Für Sparer ist der Wertverlust von 0,2 Prozentpunkten durch den Euro keine gute Nachricht. Schließlich wurden bei den insgesamt 2000 Mrd. Euro, die alle Deutschen in Form von Sparbriefen, Girokonten oder Termineinlagen auf der hohen Kante haben, auf einen Schlag im Januar vier Mrd. Euro vernichtet. Von dem Geld könnte man sich 100.000 Mercedes-Limousinen zum Preis von 40.000 Euro kaufen.
Die Zahlen sind so gar nicht nach dem Geschmack der Politiker, die alles vermeiden wollen, was dem Image der neuen Währung schaden könnte. Und so bemühte sich auch das statistische Bundesamt, die Januar-Inflation auf den wetterbedingten Anstieg bei Gemüsepreisen sowie die Steuererhöhungen vollständig abzuwälzen.
„Es ist aber nahezu unmöglich, zwischen Preiserhöhungen durch die Witterung und durch den Gemüsehändler zu unterscheiden“, sagt Glenn Davies, Volkswirt bei Credit Lyonnais. „Es drängt sich der Verdacht auf, dass es leichten Druck der Politik gab, die Zahlen in ein schönes Licht zu rücken.“
Ohnehin gelten die Inflationsdaten nur für den deutschen Durchschnittshaushalt bestehend aus zwei Erwachsenen und zwei Kindern. In deren Warenkorb nehmen jene Aktivitäten, bei denen durch die Euro-Einführung besonders raufgesattelt wurde, nur einen geringen Stellenwert ein. Legte man den Musterwarenkorb eines Single zugrunde, der wesentlich häufiger abends ins Kino oder Restaurant geht, wäre die Januar-Inflationsrate noch wesentlich höher.
Auch wenn das Geld auf den Sparkonten durch die Einführung des Euro erst einmal weg ist, gibt es doch Lichtblicke für die Verbraucher.
„Ich erwarte einen Käuferstreik der Konsumenten, so dass die Preise wieder sinken werden“, sagt Dieter Wermuth, Chefvolkswirt der UFJ Bank. Schließlich hätten die Leute ja durch den Euro nicht mehr Geld in der Tasche, das sie ausgeben könnten.
Unisono rechnen die Experten schon ab Februar wieder mit niedrigeren Inflationsraten. „Nicht nur die schwache Konsumnachfrage wird die Preise drücken. Auch der durch den Euro angestoßene härtere Wettbewerb ist gut für Verbraucher und Sparer“, sagt Jörg Warncke, Fondsmanager bei Union Investment.
Anleger, die jedoch auf Nummer sicher gehen wollen, können ihr Geld in Anleihen mit Inflationsabsicherung investieren. So gibt der französische Staat so genannte OATI-Papiere aus, deren Verzinsung sich nach der aktuellen Teuerung richtet. Damit bleiben einem böse Überraschungen wie im Januar erspart.
DIE WELT
Von Holger Zschäpitz
Den Euro gibt es nicht zum Nulltarif.
Viele Preise sind auch durch die Einführung der neuen Banknoten und Münzen zu Anfang des Jahres gestiegen. Gestern gab es nun Gewissheit: Die Teuerung legte im Januar gegenüber dem Vormonat um 0,9 Prozent zu. Das ist der größte monatliche Anstieg seit neun Jahren. Nach Berechnungen der WELT wurde jeder Deutsche allein durch die Einführung des Euro durchschnittlich 100 DM ärmer.
Zwar war der Euro nicht der Hauptpreistreiber.
Das Gros ist den Steuererhöhungen und saisonalen Effekten zuzuschreiben.
„Aber 0,2 der insgesamt 0,9 Prozent gehen auf das Konto der neuen Währung“, sagt Holger Fahrinkrug, Volkswirt bei UBS Warburg stellvertretend für die Analystenzunft.
Experten sehen die Übeltäter vor allem im Dienstleistungsgewerbe. So hätten Friseure oder Pizzabäcker bei der Währungsumstellung kräftig zugelangt und damit an der Preisschraube gedreht.
Für Sparer ist der Wertverlust von 0,2 Prozentpunkten durch den Euro keine gute Nachricht. Schließlich wurden bei den insgesamt 2000 Mrd. Euro, die alle Deutschen in Form von Sparbriefen, Girokonten oder Termineinlagen auf der hohen Kante haben, auf einen Schlag im Januar vier Mrd. Euro vernichtet. Von dem Geld könnte man sich 100.000 Mercedes-Limousinen zum Preis von 40.000 Euro kaufen.
Die Zahlen sind so gar nicht nach dem Geschmack der Politiker, die alles vermeiden wollen, was dem Image der neuen Währung schaden könnte. Und so bemühte sich auch das statistische Bundesamt, die Januar-Inflation auf den wetterbedingten Anstieg bei Gemüsepreisen sowie die Steuererhöhungen vollständig abzuwälzen.
„Es ist aber nahezu unmöglich, zwischen Preiserhöhungen durch die Witterung und durch den Gemüsehändler zu unterscheiden“, sagt Glenn Davies, Volkswirt bei Credit Lyonnais. „Es drängt sich der Verdacht auf, dass es leichten Druck der Politik gab, die Zahlen in ein schönes Licht zu rücken.“
Ohnehin gelten die Inflationsdaten nur für den deutschen Durchschnittshaushalt bestehend aus zwei Erwachsenen und zwei Kindern. In deren Warenkorb nehmen jene Aktivitäten, bei denen durch die Euro-Einführung besonders raufgesattelt wurde, nur einen geringen Stellenwert ein. Legte man den Musterwarenkorb eines Single zugrunde, der wesentlich häufiger abends ins Kino oder Restaurant geht, wäre die Januar-Inflationsrate noch wesentlich höher.
Auch wenn das Geld auf den Sparkonten durch die Einführung des Euro erst einmal weg ist, gibt es doch Lichtblicke für die Verbraucher.
„Ich erwarte einen Käuferstreik der Konsumenten, so dass die Preise wieder sinken werden“, sagt Dieter Wermuth, Chefvolkswirt der UFJ Bank. Schließlich hätten die Leute ja durch den Euro nicht mehr Geld in der Tasche, das sie ausgeben könnten.
Unisono rechnen die Experten schon ab Februar wieder mit niedrigeren Inflationsraten. „Nicht nur die schwache Konsumnachfrage wird die Preise drücken. Auch der durch den Euro angestoßene härtere Wettbewerb ist gut für Verbraucher und Sparer“, sagt Jörg Warncke, Fondsmanager bei Union Investment.
Anleger, die jedoch auf Nummer sicher gehen wollen, können ihr Geld in Anleihen mit Inflationsabsicherung investieren. So gibt der französische Staat so genannte OATI-Papiere aus, deren Verzinsung sich nach der aktuellen Teuerung richtet. Damit bleiben einem böse Überraschungen wie im Januar erspart.
DIE WELT