Matze
14.02.2002, 18:17
Online-Händler unter massivem Beschuss
"Der komfortable Steckenborn Online-Shop im Internet gilt bei immer mehr Kunden als Kaufreferenz und erste Adresse fürs Internet-Shopping" ist im Firmenprofil der Steckenborn e-com GmbH zu lesen -- eine Aussage, die Ulf Bergmann (Name von der Redaktion geändert) nicht so recht teilen mag. Der DVD-Fan bestellte bei Steckenborn Mitte Januar die Special Editions der ersten beiden "Stirb Langsam"-Filme zum Preis von jeweils 17,57 Euro, soll nun aber plötzlich pro DVD 22,67 Euro zahlen.
Dabei besteht eigentlich kein Zweifel daran, dass zwischen beiden Parteien ein rechtsgültiger Vertrag zum ursprünglich vereinbarten Preis zu Stande gekommen ist: Bergman erhielt sofort nach seiner Online-Bestellung eine Kurzbestätigung, vier Tage später dann nochmals eine ausführliche Auftragsbestätigung mit den korrekten Daten. Selbst Steckenborn schreibt dazu in seinen allgemeinen Geschäftsbedingungen: "Nach Eingang Ihrer Bestellung online per E-Mail, Fax, Telefon oder Post wird eine Auftragsbestätigung erfaßt, sorgfältig geprüft und Ihnen als Bestätigung Ihrer Bestellung zugefaxt oder zugemailt. Damit ist der Vertrag zustandegekommen." Zudem buchte Steckenborn den Betrag auch gleich ab -- übrigens lange vor der eigentlichen Veröffentlichung der Titel.
Anfang Februar dann die Überraschung: Nachdem Bergman nichts mehr von Steckenborn gehört hatte, stellt er zu seinem Erstaunen fest, dass für ihn im so genannten "Kunden-Info-Center" die Nachricht hinterlegt wurde, dass die bestellten DVDs "aufgrund einer unvorhersehbaren Preisänderung" nun jeweils 22,67 Euro kosten sollten. "Bevor wir Ihre Bestellung ausliefern können, benötigen wir von Ihnen Zahlung des Restbetrags", heißt es weiter in dem heise online vorliegenden Schreiben.
Und Bergmann ist nicht allein: Das Forum des deutschen Online-Magazins DVD-Center ist mittlerweile gut gefüllt mit Meldungen von DVD-Fans, die entsprechende Erfahrungen mit dem Online-Shop gemacht haben. Unterschiede gibt es dabei lediglich in den Preissprüngen -- wer zunächst DVDs für 20,38 Euro bestellt hatte, soll jetzt 26,30 Euro bezahlen --, nicht aber im Ablauf der Geschehnisse: Stets ließ sich das Unternehmen zunächst die Ware bezahlen, um dann ohne weitere Ankündigungen den Preis anzuheben. Wohl, weil die Geschäftsführung des Online-Shops selbst daran zweifelt, dass das deutsche Recht eine einseitige Vertragsänderung ermöglicht, wird in besagter Nachricht im Kunden-Info-Center gleich mit um die Zustimmung gebeten, zum aktuellen Preis liefern zu dürfen -- davon kann man natürlich nur abraten.
Auf Beschwerde-Mails reagiert Stuckenborn nach Aussagen von Betroffenen nicht, Anrufer bekamen zu hören, dass die DVDs zu "Tagespreisen" gehandelt würden. Auf telefonische Nachfragen von heise online wollte das Unternehmen nicht antworten, eine Reaktion auf eine entsprechende schriftliche Anfrage blieb bislang ebenfalls aus.
Mehrere Besteller überlegen mittlerweile, ob sie auf juristischem Wege gegen Stuckenborn vorgehen. Und auch die Staatsanwaltschaft Gießen hat das Unternehmen im Visier -- allerdings (noch) nicht wegen der geforderten Nachzahlungen, sondern wegen der indizierten Filme, die der Online-Shop offen anbietet. Ungemach droht Stuckenborn auch noch von dritter Seite: So teilte Euro Kartensysteme, in Deutschland Herausgeber der Eurocard, auf Nachfrage mit, dass Kunden die Gebühr von 3,9 Prozent der Aufragssumme nicht bezahlen müssen, die der Online-Shop bislang für Zahlungen mit Kreditkarte erhebt. Eine derartige Klausel verstoße gegen den zwischen dem Kreditkartenunternehmen und dem Händler geschlossenen Vertrag. Euro Kartensysteme will das Unternehmen nun zur Abkehr von dieser Politik zwingen oder notfalls den Vertrag kündigen. (nij/c't)
Quelle: heise.de/ct
Tja, wie heisst es doch immer so schön: Erst die ware, dann das Geld. Vorkasse sollte weitesgehend Tabu bleiben bei Bestellungen im Internet!
Matze
"Der komfortable Steckenborn Online-Shop im Internet gilt bei immer mehr Kunden als Kaufreferenz und erste Adresse fürs Internet-Shopping" ist im Firmenprofil der Steckenborn e-com GmbH zu lesen -- eine Aussage, die Ulf Bergmann (Name von der Redaktion geändert) nicht so recht teilen mag. Der DVD-Fan bestellte bei Steckenborn Mitte Januar die Special Editions der ersten beiden "Stirb Langsam"-Filme zum Preis von jeweils 17,57 Euro, soll nun aber plötzlich pro DVD 22,67 Euro zahlen.
Dabei besteht eigentlich kein Zweifel daran, dass zwischen beiden Parteien ein rechtsgültiger Vertrag zum ursprünglich vereinbarten Preis zu Stande gekommen ist: Bergman erhielt sofort nach seiner Online-Bestellung eine Kurzbestätigung, vier Tage später dann nochmals eine ausführliche Auftragsbestätigung mit den korrekten Daten. Selbst Steckenborn schreibt dazu in seinen allgemeinen Geschäftsbedingungen: "Nach Eingang Ihrer Bestellung online per E-Mail, Fax, Telefon oder Post wird eine Auftragsbestätigung erfaßt, sorgfältig geprüft und Ihnen als Bestätigung Ihrer Bestellung zugefaxt oder zugemailt. Damit ist der Vertrag zustandegekommen." Zudem buchte Steckenborn den Betrag auch gleich ab -- übrigens lange vor der eigentlichen Veröffentlichung der Titel.
Anfang Februar dann die Überraschung: Nachdem Bergman nichts mehr von Steckenborn gehört hatte, stellt er zu seinem Erstaunen fest, dass für ihn im so genannten "Kunden-Info-Center" die Nachricht hinterlegt wurde, dass die bestellten DVDs "aufgrund einer unvorhersehbaren Preisänderung" nun jeweils 22,67 Euro kosten sollten. "Bevor wir Ihre Bestellung ausliefern können, benötigen wir von Ihnen Zahlung des Restbetrags", heißt es weiter in dem heise online vorliegenden Schreiben.
Und Bergmann ist nicht allein: Das Forum des deutschen Online-Magazins DVD-Center ist mittlerweile gut gefüllt mit Meldungen von DVD-Fans, die entsprechende Erfahrungen mit dem Online-Shop gemacht haben. Unterschiede gibt es dabei lediglich in den Preissprüngen -- wer zunächst DVDs für 20,38 Euro bestellt hatte, soll jetzt 26,30 Euro bezahlen --, nicht aber im Ablauf der Geschehnisse: Stets ließ sich das Unternehmen zunächst die Ware bezahlen, um dann ohne weitere Ankündigungen den Preis anzuheben. Wohl, weil die Geschäftsführung des Online-Shops selbst daran zweifelt, dass das deutsche Recht eine einseitige Vertragsänderung ermöglicht, wird in besagter Nachricht im Kunden-Info-Center gleich mit um die Zustimmung gebeten, zum aktuellen Preis liefern zu dürfen -- davon kann man natürlich nur abraten.
Auf Beschwerde-Mails reagiert Stuckenborn nach Aussagen von Betroffenen nicht, Anrufer bekamen zu hören, dass die DVDs zu "Tagespreisen" gehandelt würden. Auf telefonische Nachfragen von heise online wollte das Unternehmen nicht antworten, eine Reaktion auf eine entsprechende schriftliche Anfrage blieb bislang ebenfalls aus.
Mehrere Besteller überlegen mittlerweile, ob sie auf juristischem Wege gegen Stuckenborn vorgehen. Und auch die Staatsanwaltschaft Gießen hat das Unternehmen im Visier -- allerdings (noch) nicht wegen der geforderten Nachzahlungen, sondern wegen der indizierten Filme, die der Online-Shop offen anbietet. Ungemach droht Stuckenborn auch noch von dritter Seite: So teilte Euro Kartensysteme, in Deutschland Herausgeber der Eurocard, auf Nachfrage mit, dass Kunden die Gebühr von 3,9 Prozent der Aufragssumme nicht bezahlen müssen, die der Online-Shop bislang für Zahlungen mit Kreditkarte erhebt. Eine derartige Klausel verstoße gegen den zwischen dem Kreditkartenunternehmen und dem Händler geschlossenen Vertrag. Euro Kartensysteme will das Unternehmen nun zur Abkehr von dieser Politik zwingen oder notfalls den Vertrag kündigen. (nij/c't)
Quelle: heise.de/ct
Tja, wie heisst es doch immer so schön: Erst die ware, dann das Geld. Vorkasse sollte weitesgehend Tabu bleiben bei Bestellungen im Internet!
Matze