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KA111
28.02.2002, 02:01
Revival der Internetaktien?


Von Klaus Lüpertz

Kommt die nächste Hightech-Hausse? Eine Analyse von Klaus Lüpertz, Aktien-Experte von HSBC Trinkaus & Burkhardt.



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Klaus Lüpertz leitet den Bereich Private- Banking-Strategie bei HSBC Trinkaus & Burkhardt


In letzten Wochen gab es diverse Publikationen, welche in großen Lettern die Auferstehung der "dot.com"-Aktien angekündigt haben. Die New Economy (NE) sei nicht tot, so heißt es, und bald läuft die Maschine wieder.

Interessant ist in der ganzen Diskussion vor allem eine Frage, die viel zu selten diskutiert wrude: Was war wirklich "New" an der New Economy?

Vielfach wurde die NE als ein System bezeichnet, das auf besonders effiziente Art und Weise technologische Innovationen aufspürt und in wirtschaftlichen Erfolg verwandelt. Um ehrlich zu sein: Diese Art der Transformation von Idee und Erfindungsreichtum in schnöden Mammon gibt es bereits seit etlichen Jahrzehnten. Auch die Automobilbauer, die vor etlichen Jahrzehnten mit ihren Produktionen starteten, waren keine karitativen Veranstaltungen.

Das tatsächlich Neue der NE war die Tatsache, dass auf einmal sehr große Mengen Risikokapital zur Verfügung standen, die zuvor schlicht und einfach nicht da waren. Wer zweifelt ernsthaft an, dass auch Europa in das Internetzeitalter gerutscht wäre? Es hätte ohne jede Frage länger gedauert, aber die Entwicklung war und ist unaufhaltsam.

Die Risikobereitschaft ist gesunken

Die üppige Ausstattung europäischer Start-Ups mit Risikopkapital nach amerikanischem Vorbild (Risikiokapitalfonds oder auch Fonds großer Firmen, z.B. Microsoft, Intel) ermöglichte bis Anfang 2000 aber bereits vielen Firmen eine gute Marktpositionierung weit vor dem Börsengang. Dazu kam, dass mittels der Stock-Options erstmals sehr gute Mitarbeiter zu kleinen Firmen gelockt werden konnten.
Der letzte Funke, der die NE entzündete, war dann die deutlich gestiegene Risikobereitschaft privater Anleger. Die äußerte sich vor allem in dem Phänomen, dass immer mehr Aktien von Firmen ohne Profit gekauft wurden und so die Börsengänge dieser Firmen fast zum Selbstläufer wurden.

Diese neuen Firmen übten Druck auf die etablierten Player aus, da sie in aller Regel eine hohe Innovationskraft besassen, gepaart mit dem Willen, diese Erkenntnisse auch so schnell und effektiv wie möglich am Markt umzusetzen.

Vom Timing her kam zu einer ohnehin schon gut laufenden Wirtschaft mit der NE noch ein richtiger "Beschleuniger". Untersuchungen belegen, dass gerade die großen Firmen häufig innovative Prozesse bremsen - vor allem dann, wenn eigene Produkte kannibalisiert werden. Deshalb brachten die risikokapitalfinanzierten Firmen einen starken Druck auf die etablierten Unternehmen.

Das Venture-Capital-Geschäft liegt am Boden

Die Auswirkungen dieser Entwicklung sehen wir heute sehr deutlich: Das Venture-Capital-Geschäft, also die Risikokapitalversorgung junger Firmen, ist in den letzten Monaten fast völlig zum Erliegen gekommen. Im Rahmen dieser Entwicklung hat sich gezeigt, dass Innovationen mittlerweile ein sehr zyklisches Geschäft geworden sind.

Mit fehlenden Geldern läßt auch die Zahl der Innovationen nach. Das ist vor allem deshalb so schlimm, weil früher die neuen Ideen oft geholfen haben, die Wirtschaft aus der Krise zu ziehen und somit immer eine Art Netz oder doppelter Boden waren.

Jungen Firmen fehlt Kapital

In den letzten Jahren hat sich - aus dem geschilderten Prozeß heraus - diese Entwicklung fast genau umgedreht. Nach dem Börsencrash 1987 sank die Risikokapital-Versorgung in den USA um 50 Prozent. Die aktuellen Zahlen seit dem Frühjahr 2000 deuten auf einen noch stärkeren Einbruch in Amerika und Europa hin.

Viele junge Firmen erhalten kein neues Risikokapital mehr und mußten den Börsengang verschieben oder absagen. Der nächste Schritt ist folgerichtig ein Rückgang bei den Unternehmensgründungen und nachlassender Druck bei den "Big Boys" der jeweiligen Branchen.

Der Teufelskreis der New Economy

Damit wird der Teufelskreis, den die NE hinterläßt, für jedermann offensichtlich: In schwachen Marktphasen, wie wir sie seit März 2000 kennen, wirkt der Mechanismus genauso verstärkend wie in guten Zeiten. Deshalb ist es grundlegend falsch, die NE als Rettungsanker der aktuellen Situation zu verstehen.

Im Gegenteil: Die NE hat erst dann wieder eine Chance, wenn die Zeichen der Konjunktur auf "dunkelgrün" stehen. Die Risikokapitalgeber stellen sich aktuell deutlich defensiver auf als noch vor 18 Monaten und finanzieren lieber Firmen, die bereits deutlich weiter in ihrem Entwicklungsprozeß sind.

Da die Preise für diese Beteiligungen stark gesunken sind, können die VCs so zu konstanten Preisen das Risiko des Scheiterns verringern. Bis sich diese Situation geändert hat, fehlt den ganz kleinen Start-Ups die Luft zum Atmen und der NE das, was wirklich "New" war: Cash im Überfluss.

Managermagazin