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Vollständige Version anzeigen : Japan - "Wir fallen noch tiefer"


Eliska
06.04.2002, 08:12
Interview mit Kenichi Ohmae (59)*

Von Ursula Schwarzer

Mag die Konjunktur in Deutschland und in den USA stocken - in Japan sieht es richtig schlimm aus. Kenichi Ohmae, Erfolgsautor und ehemals McKinsey-Berater, sieht sein Land im Abwärtssog versinken.
mm: Die Krise in Japan spitzt sich zu, Experten ziehen bereits Parallelen zur großen Depression von 1929. Wie schlimm steht es tatsächlich um das Land?

Ohmae: Die Leute zeichnen Horrorszenarien. Wir befinden uns nicht im freien Fall. Was wir erleben, ist ein schleichender Niedergang - und das seit mehr als zehn Jahren.

mm: Kein Umschwung in Sicht?

Ohmae: Nein. Wir werden noch weiter absteigen, vielleicht solange ich lebe. Und ich sage Ihnen auch, warum: Niemand tut etwas, um aus der Misere herauszukommen.

mm: Ministerpräsident Junichiro Koizumi hat einen tief greifenden Strukturwandel angekündigt.

Ohmae: Hören Sie mir bloß mit Koizumi auf. Das ist der größte Schauspieler der Welt. Koizumi redet den Leuten nach dem Mund. Seit 30 Jahren gehört er der LDP an ...

mm: ... der Partei, die Japan seit 1955 mit einer kurzen Unterbrechung regiert ...

Ohmae: ... und seit 20 Jahren faselt Koizumi von Reformen. Was hat er in dieser Zeit getan? Gar nichts. Koizumi gibt vor, er würde gegen die Konservativen kämpfen. In Wahrheit ist er selbst ein Konservativer. Ein amerikanischer Professor hat eine passende Bezeichnung gefunden, er nannte Koizumi "Mister Nato".

mm: Was soll das heißen?

Ohmae: No action, talk only.

mm: Immerhin will Ministerpräsident Koizumi die Staatsverschuldung begrenzen und viele der hoch defizitären öffentlichen Gesellschaften privatisieren.

Ohmae: Das ist Geschwätz. Der Mann weiß nicht, wovon er redet. Zum Beispiel will Koizumi die Post privatisieren. Das ist schon deshalb unmöglich, weil zu diesem riesigen Unternehmen die Postbank gehört. Die Sparer haben dort 372 Billionen Yen eingezahlt ...

mm: ... ungefähr 3100 Milliarden Euro ...

Ohmae: ... und das ganze Geld wurde für Flughäfen, Brücken oder Industrieparks ausgegeben. Diese Projekte sind so lausig, dass Rating-Agenturen wie Moody's eine privatisierte Postbank auf dem untersten Rang der Kreditwürdigkeit einstufen würden. Die Folge wäre, dass die Bank 75 Prozent der Spareinlagen absichern müsste. Kein privates Unternehmen kann so viel Kapital aufbringen. Das meine ich, wenn ich sage, Koizumi hat nicht durchdacht, was Privatisierung bedeutet.

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*Kenichi Ohmae kritisiert sein Land schonungslos - und hat bisher immer Recht behalten.
Der studierte Chemiker baute das Tokioter McKinsey-Büro auf.
1994 machte er sich als Berater selbstständig. Mit seinem Bestseller "Macht der Triade" erlangte Ohmae internationalen Ruhm.

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Weiter zu Teil 2: "Alles ist auf Pump gebaut"
http://www.manager-magazin.de/unternehmen/artikel/0,2828,189149-2,00.html

Teil 3: "Tokios Verwöhnprogramm ein Narkotikum"
http://www.manager-magazin.de/unternehmen/artikel/0,2828,189149-3,00.html

Teil 4: "Der Nikkei-Index wird weiter sinken"
http://www.manager-magazin.de/unternehmen/artikel/0,2828,189149-4,00.html

germanasti
06.04.2002, 09:38
Die Pfeife Ohmae hat doch überhaupt keine Ahnung! :gomad :gomad :gomad


Nikkei KZ zuerst 19.000 und dann 27.000 P.

Trüffelschwein
06.04.2002, 09:54
Germa, das ist ja nun mal ein erstaunlich differenzierte und bestürzend sachliche Antwort. Hinsichtlich des Niveaus wäre ein neuer Nick "Käptn Nemo" zu erwägen...

Eliska
06.04.2002, 11:12
Fein, germa, wenn Ohmae sich im Irrtum befände, sollte es mich freuen!

Aber wie so oft, dürftet ihr beide Recht haben - das wäre allerdings doch auch schon was.

Gruß

Eliska

Eliska
06.04.2002, 18:15
http://www.karikaturmuseum.at/gallery/alles/alles10.jpg

Eliska
12.04.2002, 13:09
Die Malik-Kolumne

Das einstige Musterland der Manager versinkt in einem deflationären Morast. Schuld daran ist der Verlust eherner Tugenden und wirtschaftlicher Grundprinzipien.

Vor zwölf Jahren, am letzten Handelstag des Jahres 1989, begann das Ende des japanischen Wirtschaftswunders. Das war zunächst nicht ohne weiteres erkennbar. Die Meldungen zur Lage hätten nicht besser sein können: Man glaubte, am Beginn einer neuen Ära zu stehen; der allgemeinen Auffassung zufolge waren sowohl die Inflation besiegt als auch der Konjunkturzyklus. Meine Skepsis zu Japan und seinem Wunder ist in einem Buch des Jahres 1990 publiziert; die meisten der heutigen Kritiker haben damals als Consultants das Loblied japanischen Managements gesungen - und viele Manager haben andächtig gelauscht.


Von Japan kann und sollte man in mehrfacher Hinsicht lernen:

· erstens, wie man von Null zu einer wirtschaftlichen Weltmacht wird;
· zweitens, wie man das alles wieder kaputt machen kann, in dem man eherne, wenn auch langweilige Prinzipien des Wirtschaftens aufgibt und sie dem modischen Glamour der Finanzwelt opfert;
· drittens, wie wenig man noch tun kann, wenn man so gewirtschaftet hat
· und viertens, dass man nicht auf Gurus, New Paradigm-Apostel und Wunderrezeptverkäufer hören darf.

Japan spielt ein Deflationsszenario fast lehrbuchhaft vor - die Entstehung der Deflationsursachen ebenso wie die Abwicklung einer Deflation.


Das Wirtschaftswunder der Nachkriegszeit

In der ersten Phase entstanden die soliden, weil aus harter Arbeit und robusten Strategien resultierenden, realwirtschaftlichen Nachkriegserfolge, die Japan zur erst ignorierten, dann belächelten und zuletzt gefürchteten Weltmarktkonkurrenz machten.
Die Ursachen des Erfolges waren einfach und leicht erkennbar, außer für jene, die vor lauter fernöstlicher Infantil-Mystik die wirtschaftlichen Tatsachen nicht sehen konnten:
· lange Arbeitszeiten,
· kompromisslose Kundenorientierung,
· Maximierung der Marktstellung,
· hohe Ersparnisse für produktive Investitionen und niedrige Zinsen.

Anders hätten die Japaner aus dem Debakel der totalen Kriegszerstörung gar nicht herauskommen können.

In der zweiten Phase wurde die Realwirtschaft zuerst ergänzt und dann verdrängt durch die Geldwirtschaft. Mittel wurden zu Zwecken - Kredit um des Kredites willen; Akquisition um der Akquisition willen; Sparen nicht für Investition, sondern für Spekulation.

Dazu kamen außerwirtschaftliche Zwecke:
Größen, Werte, Summen - immer alles im Superlativ - für die Ego-Trips imperialistischer Manager und Politiker. Immer bestaunt, heroisiert, mystifiziert und als vorbildlich dargestellt durch eine wachsende Zahl serviler, westlicher Hofberichterstatter, abgesegnet durch wallfahrende Manager aus dem Westen - und endend in der zweitgrößten Casino-Wirtschaft der Geschichte.

Bewertungsexzesse, Hyperspekulation in Aktien, Immobilien, Kunst und was man sonst noch traden kann, scheinbar endlose Bull-Markets - in Wahrheit war alles nichts anderes als eine auf dem Kopf stehende Pyramide fauler Kredite, die unvermeidbar selbst die beste Realwirtschaft in den Strudel der Deflation reißt.


Zwölf Jahre Deflation

Der Anfang vom Ende und die dritte Phase begann - ohne Vorwarnung, unspektakulär, scheinbar ohne Ursache und daher völlig unbemerkt und bis heute nicht richtig interpretiert - am 30. Dezember 1989 bei einem Nikkei-Stand von rund 39.000 Punkten, die selbstredend nur als Vorstufe für Nikkei 40.000, 60.000 und 100.000 angesehen wurden. Die Börsenkapitalisierung Tokios war größer als die in London und New York.

In Wahrheit war es der Beginn der Talfahrt. Was danach kam, wurde interpretiert als "milde Korrekturen ..., "gesunde Verschnaufpausen ...", "die letzten günstigen Kaufgelegenheiten ...", "ein Markt für langfristig denkende Investoren ...", "retirer pour mieux sauter ...", "sit and wait ...".


Wie lange kann man sitzen und warten, wenn man bei Kurs-Gewinn-Verhältnissen von 30, 50 und 70 zwar gekauft ("it's a new economy"), aber nicht bezahlt ("it's a new paradigm"), sondern per Kredit finanziert hatte?

Heute ist die japanische Wirtschaft noch immer in größten Schwierigkeiten und versinkt, egal welchen Maßstab man nimmt, in einem deflationären Morast. Der Staat hat schon bisher - das ist japanische Tradition - getan, was er konnte, und das war nicht wenig. Damit konnte zwar bisher ein Kollaps verhindert werden, die Probleme wurden aber nicht gelöst.

Inzwischen werden die Gelder der staatlichen Pensionsversicherung eingesetzt, um die Finanzinstitutionen zu retten. Noch vor wenigen Jahren fanden sich unter den zehn weltgrößten Banken acht japanische; heute sind es noch zwei, und ob sie überleben werden ist fraglich, denn sie haben vor allem faule Kredite in ihren Bilanzen.


Nikkei bei 4000?

Die stillen Reserven, für welche die Japaner weltberühmt waren und mit denen sie nach gängiger Meinung allem Unbill trotzen konnten, sind weitgehend aufgebraucht. Sobald die momentane Erholung der Börse zu Ende geht, werden sie vollständig aufgezehrt.

Die letzten Reserven der Japaner sind ihre über Jahre aufgestockten Bestände an US-Staatspapieren. Sie sind die Schneewechten über den Lawinenhängen der US-Treasury-Märkte.

Japan hat noch weitere und in manchen Gebieten überhaupt erstmals Maßnahmen zu ergreifen, bis man vom Einsetzen einer nachhaltigen Gesundung ausgehen kann. Bevor der Nikkei auf einen Stand von 4000 oder 5000 Punkten gesunken ist, dürfte die Sache kaum ausgestanden sein.

Und was tun heute eigentlich die Autoren der Erfolgsbücher über japanisches Managen und Wirtschaften? Sie schreiben Erfolgsbücher über amerikanisches Managen und Wirtschaften. Genauso falsch, aber man liest sie und glaubt ihnen, genauso naiv.


Das Wirtschaftswunder der Nachkriegszeit

In der ersten Phase entstanden die soliden, weil aus harter Arbeit und robusten Strategien resultierenden, realwirtschaftlichen Nachkriegserfolge, die Japan zur erst ignorierten, dann belächelten und zuletzt gefürchteten Weltmarktkonkurrenz machten.
Die Ursachen des Erfolges waren einfach und leicht erkennbar, außer für jene, die vor lauter fernöstlicher Infantil-Mystik die wirtschaftlichen Tatsachen nicht sehen konnten:
· lange Arbeitszeiten,
· kompromisslose Kundenorientierung,
· Maximierung der Marktstellung,
· hohe Ersparnisse für produktive Investitionen und niedrige Zinsen.

Anders hätten die Japaner aus dem Debakel der totalen Kriegszerstörung gar nicht herauskommen können.


In der zweiten Phase wurde die Realwirtschaft zuerst ergänzt und dann verdrängt durch die Geldwirtschaft. Mittel wurden zu Zwecken - Kredit um des Kredites willen; Akquisition um der Akquisition willen; Sparen nicht für Investition, sondern für Spekulation.

Dazu kamen außerwirtschaftliche Zwecke: Größen, Werte, Summen - immer alles im Superlativ - für die Ego-Trips imperialistischer Manager und Politiker. Immer bestaunt, heroisiert, mystifiziert und als vorbildlich dargestellt durch eine wachsende Zahl serviler, westlicher Hofberichterstatter, abgesegnet durch wallfahrende Manager aus dem Westen - und endend in der zweitgrößten Casino-Wirtschaft der Geschichte.

Bewertungsexzesse, Hyperspekulation in Aktien, Immobilien, Kunst und was man sonst noch traden kann, scheinbar endlose Bull-Markets - in Wahrheit war alles nichts anderes als eine auf dem Kopf stehende Pyramide fauler Kredite, die unvermeidbar selbst die beste Realwirtschaft in den Strudel der Deflation reißt.


Nikkei bei 4000?

Die stillen Reserven, für welche die Japaner weltberühmt waren und mit denen sie nach gängiger Meinung allem Unbill trotzen konnten, sind weitgehend aufgebraucht. Sobald die momentane Erholung der Börse zu Ende geht, werden sie vollständig aufgezehrt.

Die letzten Reserven der Japaner sind ihre über Jahre aufgestockten Bestände an US-Staatspapieren. Sie sind die Schneewechten über den Lawinenhängen der US-Treasury-Märkte.

Japan hat noch weitere und in manchen Gebieten überhaupt erstmals Maßnahmen zu ergreifen, bis man vom Einsetzen einer nachhaltigen Gesundung ausgehen kann. Bevor der Nikkei auf einen Stand von 4000 oder 5000 Punkten gesunken ist, dürfte die Sache kaum ausgestanden sein.

Und was tun heute eigentlich die Autoren der Erfolgsbücher über japanisches Managen und Wirtschaften?
Sie schreiben Erfolgsbücher über amerikanisches Managen und Wirtschaften.
Genauso falsch, aber man liest sie und glaubt ihnen, genauso naiv.

Von Fredmund Malik, Management-Consultant und Professor an der Uni St. Gallen

ManagerMagazin

Ralph
12.04.2002, 16:45
Trüffel,

da kann ich Dir nur zustimmen!

@Germa

Du hast dich in etwas verrennt! ................. Koizumi bleibt nicht viel Zeit!

Ralph

sabbel
12.04.2002, 23:47
ich persönlich habe nichts gegen japaner und japan und asiaten sowie menschen jeglicher art.

meiner meinung nach haben es die japaner aus sicht der amis übertrieben.

1. pearl-habor in den vierzigern
2. weltwirtschafts-booming in den sechzigern

und die gefahr, dass japan dadurch wieder zur weltmacht wird, könnte die amis und die eu dazu bewegt haben, die japaner zu ruinieren bzw. kurz zuhalten.???????????


und deswegen dürften die amis zum fernen osten ein gestörtes verhältniss haben.
auch wegen kambodscha und vietnahm.??????????

mehr zu dem thema japan und wirtschaft unter: http://www.spiegel.de/spiegel/0,1518,30914,00.html


und die amis werden es nicht gerne sehen, wenn der einstige wirtschaftsgegener
wieder mitmischt.????????? denke ich!




soviel zu japan.

mfg sabbel:-)