Eliska
03.05.2002, 17:26
Satelliten sammeln Informationen über den Zustand der Erde.
Von Christopher Schrader
Manchmal muss man weit weg gehen, um klar zu sehen. Um zum Beispiel den Lebensraum der vom Aussterben bedrohten Berggorillas – Nationalparks im Kongo und in Uganda – zu beobachten, nehmen Tierschützer demnächst einen Standpunkt 800 Kilometer über den Tieren ein.
Dort oben ziehen die Satelliten ERS-2 und Envisat ihre Bahnen. Ausgestattet mit Radar, können sie durch dichte Wolken auf den Regenwald blicken, um Holzeinschlag oder neue Siedlungen im Schutzgebiet der Affen zu entdecken.
Ende April haben die europäische Weltraum-Agentur Esa und die UN-Organisation Unesco diese Zusammenarbeit vereinbart. Der Blick von oben soll Modellcharakter bekommen: „Wir haben den Plan, das Monitoring auf andere Orte auszudehnen, die von der Unesco zum Welterbe erklärt worden sind“, sagt Luigi Fusco von der Esa. „Davon gibt es über 700.“
Heiß begehrte Daten
Die Kooperation hat nicht den Zweck, arbeitslose Erdbeobachtungssatelliten auszulasten. Im Gegenteil: Die Daten, die die Weltraumspäher zur Erde funken, sind heiß begehrt.
Weit über ein Dutzend Raumschiffe haben die Europäer in Gemeinschaftsprojekten sowie Deutsche, Franzosen, Dänen und Schweden allein ins Orbit geschossen. Hinzu kommen europäische Beteiligungen an indischen und amerikanischen Missionen. Die künstlichen Trabanten messen Magnetfelder, Luftdruck, Schwerkraft, Meereshöhen, Spurengase und vieles andere – und sie machen Bilder.
So konnten nach dem Erdbeben in ElSalvador im Januar 2001 internationale Helfer ihren Einsatz anhand von Aufnahmen des französischen Satelliten Spot planen und Feuerwehren in Sydney ein Jahr später Brandherde auf Bildern des deutschen Spähers Bird ausmachen.
Vorhersage der Malaria-Ausbreitung
Forscher in Nairobi und Oxford nutzen Messungen aus dem All, um die Ausbreitung der Malaria vorherzusagen: Die Entwicklung der Mücken, die die Krankheit übertragen, hängt von Temperatur und Feuchtigkeit ab, die Satelliten problemlos erfassen können.
Das Flaggschiff dieser Satellitenflotte ist erst seit kurzem im All: der Umweltsatellit Envisat. Er hat mit seinen ersten Bildern den spektakulären Bruch des Eisschelfs LarsenB in der Antarktis aufgenommen, kann aber unter anderem auch Meeresströmungen und den Planktongehalt der Ozeane erfassen. Beide Faktoren haben großen Einfluss auf die Entwicklung von Fischschwärmen. Solche Daten, etwa über aussichtsreiche Fanggebiete, dienen sowohl Wissenschaftlern wie Fischereiunternehmen, die die Bilder allerdings kaufen müssen.
Bezahlen muss auch die Europäische Union, wenn sie mit Hilfe von Bildern aus dem All kontrollieren will, ob stillgelegte Flächen nicht doch bewirtschaftet werden. Diese Zusammenarbeit zwischen Forschung und Wirtschaft soll bei zwei Zukunftsprojekten wiederholt werden.
Navigationssystem mit 30 Satelliten
Ab 2005 will die EU die 30 Satelliten des Navigationssystems Galileo starten, das dem amerikanischen Global Positioning System (GPS) Konkurrenz machen soll. Obwohl hier ein milliardenschwerer Markt für Produkte und Dienstleistungen zu erwarten ist, beteiligt sich die Industrie kaum an der Galileo-Entwicklung; fast wäre das Projekt daran gescheitert.
Beim Radarsatelliten TerraSAR hingegen, dessen Bau Mitte April beschlossen wurde, übernimmt das Raumfahrtunternehmen Astrium gut 20 Prozent der Baukosten von 130 Millionen Euro. Der Späher soll ab 2005 auch bei Nacht und dicker Wolkendecke Objekte erkennen können, die kürzer sind als ein Meter
Süddeutsche Zeitung
Von Christopher Schrader
Manchmal muss man weit weg gehen, um klar zu sehen. Um zum Beispiel den Lebensraum der vom Aussterben bedrohten Berggorillas – Nationalparks im Kongo und in Uganda – zu beobachten, nehmen Tierschützer demnächst einen Standpunkt 800 Kilometer über den Tieren ein.
Dort oben ziehen die Satelliten ERS-2 und Envisat ihre Bahnen. Ausgestattet mit Radar, können sie durch dichte Wolken auf den Regenwald blicken, um Holzeinschlag oder neue Siedlungen im Schutzgebiet der Affen zu entdecken.
Ende April haben die europäische Weltraum-Agentur Esa und die UN-Organisation Unesco diese Zusammenarbeit vereinbart. Der Blick von oben soll Modellcharakter bekommen: „Wir haben den Plan, das Monitoring auf andere Orte auszudehnen, die von der Unesco zum Welterbe erklärt worden sind“, sagt Luigi Fusco von der Esa. „Davon gibt es über 700.“
Heiß begehrte Daten
Die Kooperation hat nicht den Zweck, arbeitslose Erdbeobachtungssatelliten auszulasten. Im Gegenteil: Die Daten, die die Weltraumspäher zur Erde funken, sind heiß begehrt.
Weit über ein Dutzend Raumschiffe haben die Europäer in Gemeinschaftsprojekten sowie Deutsche, Franzosen, Dänen und Schweden allein ins Orbit geschossen. Hinzu kommen europäische Beteiligungen an indischen und amerikanischen Missionen. Die künstlichen Trabanten messen Magnetfelder, Luftdruck, Schwerkraft, Meereshöhen, Spurengase und vieles andere – und sie machen Bilder.
So konnten nach dem Erdbeben in ElSalvador im Januar 2001 internationale Helfer ihren Einsatz anhand von Aufnahmen des französischen Satelliten Spot planen und Feuerwehren in Sydney ein Jahr später Brandherde auf Bildern des deutschen Spähers Bird ausmachen.
Vorhersage der Malaria-Ausbreitung
Forscher in Nairobi und Oxford nutzen Messungen aus dem All, um die Ausbreitung der Malaria vorherzusagen: Die Entwicklung der Mücken, die die Krankheit übertragen, hängt von Temperatur und Feuchtigkeit ab, die Satelliten problemlos erfassen können.
Das Flaggschiff dieser Satellitenflotte ist erst seit kurzem im All: der Umweltsatellit Envisat. Er hat mit seinen ersten Bildern den spektakulären Bruch des Eisschelfs LarsenB in der Antarktis aufgenommen, kann aber unter anderem auch Meeresströmungen und den Planktongehalt der Ozeane erfassen. Beide Faktoren haben großen Einfluss auf die Entwicklung von Fischschwärmen. Solche Daten, etwa über aussichtsreiche Fanggebiete, dienen sowohl Wissenschaftlern wie Fischereiunternehmen, die die Bilder allerdings kaufen müssen.
Bezahlen muss auch die Europäische Union, wenn sie mit Hilfe von Bildern aus dem All kontrollieren will, ob stillgelegte Flächen nicht doch bewirtschaftet werden. Diese Zusammenarbeit zwischen Forschung und Wirtschaft soll bei zwei Zukunftsprojekten wiederholt werden.
Navigationssystem mit 30 Satelliten
Ab 2005 will die EU die 30 Satelliten des Navigationssystems Galileo starten, das dem amerikanischen Global Positioning System (GPS) Konkurrenz machen soll. Obwohl hier ein milliardenschwerer Markt für Produkte und Dienstleistungen zu erwarten ist, beteiligt sich die Industrie kaum an der Galileo-Entwicklung; fast wäre das Projekt daran gescheitert.
Beim Radarsatelliten TerraSAR hingegen, dessen Bau Mitte April beschlossen wurde, übernimmt das Raumfahrtunternehmen Astrium gut 20 Prozent der Baukosten von 130 Millionen Euro. Der Späher soll ab 2005 auch bei Nacht und dicker Wolkendecke Objekte erkennen können, die kürzer sind als ein Meter
Süddeutsche Zeitung