Gert
25.05.2002, 21:25
ftd.de, Sa, 25.5.2002, 12:43, aktualisiert: Sa, 25.5.2002, 14:06
Tourismuskonzern Preussag prüft Aufbau einer Billigfluglinie
Europas größter Touristikkonzern Preussag erwägt den Einstieg in den Markt mit Billigflügen. Innerhalb der nächsten Monate soll nach den Worten von Vorstandschef Michael Frenzel eine Entscheidung fallen. Das Unternehmen will 80 neue Flugzeuge ordern.
"Wir prüfen den Einstieg in den Markt der Low Cost Airlines", sagte Frenzel anlässlich der Präsentation möglicher neuer Geschäftsfelder der Preussag am Samstag vor Journalisten in Barcelona. Es gelte zu klären, ob und wie Preussag neben den bisherigen Charterflügen auch Billigflüge anbieten könne. Vorstellbar ist nach Frenzels Worten sowohl der Aufbau einer eigenen "Low Cost Airline" (Billigfluglinie) als auch die Übernahme eines bestehenden Anbieters. Konkrete Pläne hierfür nannte er jedoch nicht.
Der Markt der Fluggesellschaften in Europa verändere sich durch das Aufkommen der Billigfluglinien wie Ryanair oder Easyjet erheblich. Dies habe auch Auswirkungen auf das Geschäft der Charterfluggesellschaften. "Wir als Touristikkonzern müssen uns deshalb in dieser Frage positionieren", sagte Frenzel. Preussag verfügt bereits als größter Reisekonzern der Welt über eine eigene europaweite, zentral von Hannover aus gesteuerten Charterflotte mit 88 Maschinen, zu der auch die deutsche Hapag-Lloyd Flug gehört. Frenzel sagte, dadurch habe die Preussag das nötige Wissen zum Betrieb einer Fluglinie mit kostengünstigen Strukturen. Schon jetzt verkauft die Hapag-Lloyd Flug einen zunehmend größeren Teil ihrer Kapazitäten im Einzelplatzgeschäft.
Touristen und Geschäftsreisende im Blick
Im Blick habe Preussag nicht nur die touristischen Ziele, sondern auch Geschäftskunden. Derzeit ist die Preussag-Geschäftsreisetochter TQ3 - europaweit führender Geschäftsreisevermittler - wichtiger und enger Partner der Lufthansa. Bei TQ3 könnte ein gezieltes Umsteuern der Buchungen auf eine dann eventuell eigene Billigfluglinie greifen und so ein Teil der Kapazitäten ausgelastet werden.
Nach ersten Erfolgen in Großbritannien gilt bei Billigfluglinien auch Deutschland als interessanter Markt für kostengünstige Direktflüge. So hat der zweitgrößte Anbieter Europas, die britische Easyjet, Anfang Mai die bis Ende März nächsten Jahres befristete Option erhalten, die deutsche British Airways-Tochter Deutsche BA komplett zu übernehmen. Würde die Übernahme klappen, würde Easyjet den bisherigen Marktführer Ryanair vom ersten Platz verdrängen. Für den Fall, dass die Übernahme nicht zu Stande kommt, hatte der DBA-Hauptgeschäftsführer Adrian Hunt angedeutet, es gebe auch einen stark interessierten Investor aus Deutschland. Schon seit geraumer Zeit knabbert die irische Ryanair aggressiv am deutschen Flugmarkt und macht gezielt der Lufthansa Konkurrenz, die bislang den Einstieg in das Low-Cost-Geschäft scheut.
Wechsel zu EADS möglich
Preussag wird bis 2010 seine nahezu komplette Flugzeugflotte austauschen und dafür bis Mitte nächsten Jahres einen milliardenschweren Großauftrag für 80 Maschinen an die Flugzeugindustrie vergeben. In etwa neun Monaten sollen die Gespräche mit den beiden Herstellern Boeing und dem Airbus-Konsortium EADS beginnen. Preussag-Vorstandsvorsitzender Michael Frenzel schloss dabei einen Wechsel vom bisherigen Hauptpartner Boeing zu EADS nicht aus. Frenzel: "Wir müssen nicht bei Boeing bleiben." Derzeit werden bei der Preussag die Anforderungen an die Maschinen entwickelt.
Der Auftrag soll von der künftigen TUI AG im Block vergeben, die Auslieferung aber bis 2010 gestaffelt werden. Bislang fliegen die Preussag-Töchter Hapag Lloyd Flug, Britannia (Großbritannien/Schweden), Corsair (Frankreich), Neos (Italien) und WEA (Polen) - abgesehen von sechs Airbus - Maschinen von Boeing. Für den Auftrag seien die Konditionen, die der Preussag angeboten werden, entscheidend.
Um einen Spareffekt von jährlich rund 25 Mio. Euro zu erzielen, hat die Preussag vor einigen Wochen Steuerung und Disposition der Flotte unter einem Dach bei der TUI Airline-Management in Hannover konzentriert. Der Konzern verspricht sich von der damit gestiegenen Einkaufsmacht Vorteile.
Der Zeitpunkt der Bestellung der 80 Maschinen scheint auf Grund der Probleme der Luftfahrtindustrie günstig. Preussag will allerdings nur einen Teil der Flugzeuge aus eigener Tasche zahlen. Bislang sind rund 25 Prozent der Maschinen geleast. Dieser Anteil soll in den nächsten Jahren deutlich erhöht werden.
© dpa
Tourismuskonzern Preussag prüft Aufbau einer Billigfluglinie
Europas größter Touristikkonzern Preussag erwägt den Einstieg in den Markt mit Billigflügen. Innerhalb der nächsten Monate soll nach den Worten von Vorstandschef Michael Frenzel eine Entscheidung fallen. Das Unternehmen will 80 neue Flugzeuge ordern.
"Wir prüfen den Einstieg in den Markt der Low Cost Airlines", sagte Frenzel anlässlich der Präsentation möglicher neuer Geschäftsfelder der Preussag am Samstag vor Journalisten in Barcelona. Es gelte zu klären, ob und wie Preussag neben den bisherigen Charterflügen auch Billigflüge anbieten könne. Vorstellbar ist nach Frenzels Worten sowohl der Aufbau einer eigenen "Low Cost Airline" (Billigfluglinie) als auch die Übernahme eines bestehenden Anbieters. Konkrete Pläne hierfür nannte er jedoch nicht.
Der Markt der Fluggesellschaften in Europa verändere sich durch das Aufkommen der Billigfluglinien wie Ryanair oder Easyjet erheblich. Dies habe auch Auswirkungen auf das Geschäft der Charterfluggesellschaften. "Wir als Touristikkonzern müssen uns deshalb in dieser Frage positionieren", sagte Frenzel. Preussag verfügt bereits als größter Reisekonzern der Welt über eine eigene europaweite, zentral von Hannover aus gesteuerten Charterflotte mit 88 Maschinen, zu der auch die deutsche Hapag-Lloyd Flug gehört. Frenzel sagte, dadurch habe die Preussag das nötige Wissen zum Betrieb einer Fluglinie mit kostengünstigen Strukturen. Schon jetzt verkauft die Hapag-Lloyd Flug einen zunehmend größeren Teil ihrer Kapazitäten im Einzelplatzgeschäft.
Touristen und Geschäftsreisende im Blick
Im Blick habe Preussag nicht nur die touristischen Ziele, sondern auch Geschäftskunden. Derzeit ist die Preussag-Geschäftsreisetochter TQ3 - europaweit führender Geschäftsreisevermittler - wichtiger und enger Partner der Lufthansa. Bei TQ3 könnte ein gezieltes Umsteuern der Buchungen auf eine dann eventuell eigene Billigfluglinie greifen und so ein Teil der Kapazitäten ausgelastet werden.
Nach ersten Erfolgen in Großbritannien gilt bei Billigfluglinien auch Deutschland als interessanter Markt für kostengünstige Direktflüge. So hat der zweitgrößte Anbieter Europas, die britische Easyjet, Anfang Mai die bis Ende März nächsten Jahres befristete Option erhalten, die deutsche British Airways-Tochter Deutsche BA komplett zu übernehmen. Würde die Übernahme klappen, würde Easyjet den bisherigen Marktführer Ryanair vom ersten Platz verdrängen. Für den Fall, dass die Übernahme nicht zu Stande kommt, hatte der DBA-Hauptgeschäftsführer Adrian Hunt angedeutet, es gebe auch einen stark interessierten Investor aus Deutschland. Schon seit geraumer Zeit knabbert die irische Ryanair aggressiv am deutschen Flugmarkt und macht gezielt der Lufthansa Konkurrenz, die bislang den Einstieg in das Low-Cost-Geschäft scheut.
Wechsel zu EADS möglich
Preussag wird bis 2010 seine nahezu komplette Flugzeugflotte austauschen und dafür bis Mitte nächsten Jahres einen milliardenschweren Großauftrag für 80 Maschinen an die Flugzeugindustrie vergeben. In etwa neun Monaten sollen die Gespräche mit den beiden Herstellern Boeing und dem Airbus-Konsortium EADS beginnen. Preussag-Vorstandsvorsitzender Michael Frenzel schloss dabei einen Wechsel vom bisherigen Hauptpartner Boeing zu EADS nicht aus. Frenzel: "Wir müssen nicht bei Boeing bleiben." Derzeit werden bei der Preussag die Anforderungen an die Maschinen entwickelt.
Der Auftrag soll von der künftigen TUI AG im Block vergeben, die Auslieferung aber bis 2010 gestaffelt werden. Bislang fliegen die Preussag-Töchter Hapag Lloyd Flug, Britannia (Großbritannien/Schweden), Corsair (Frankreich), Neos (Italien) und WEA (Polen) - abgesehen von sechs Airbus - Maschinen von Boeing. Für den Auftrag seien die Konditionen, die der Preussag angeboten werden, entscheidend.
Um einen Spareffekt von jährlich rund 25 Mio. Euro zu erzielen, hat die Preussag vor einigen Wochen Steuerung und Disposition der Flotte unter einem Dach bei der TUI Airline-Management in Hannover konzentriert. Der Konzern verspricht sich von der damit gestiegenen Einkaufsmacht Vorteile.
Der Zeitpunkt der Bestellung der 80 Maschinen scheint auf Grund der Probleme der Luftfahrtindustrie günstig. Preussag will allerdings nur einen Teil der Flugzeuge aus eigener Tasche zahlen. Bislang sind rund 25 Prozent der Maschinen geleast. Dieser Anteil soll in den nächsten Jahren deutlich erhöht werden.
© dpa