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Ralph
28.10.2000, 23:39
Ist das Handy ein Luxus-Gut?

28.10.2000 15:21

Sozialamt lässt Handys von Asylbewerbern polizeilich beschlagnahmen
Ungeachtet der gesunkenen Geräte- und Verbindungspreise, günstiger Pre-Paid-Angebote bis hin zur Gratisabgabe mit grundgebührenfreien Verträgen, hält sich in mancher Berliner Amtsstube die Vorstellung, Mobiltelefonie sei ein unerhörtes Luxusgut.

Im Sozialamt des Bezirks Wedding macht man mit solcher Haltung Politik gegen Asylbewerber: Wehe dem "Empfänger von Leistungen nach dem Asylbewerberleistungsgesetz (AsylBLG)", dessen Handy klingelt, wenn gerade eine Amtsperson in der Nähe ist. Es dauert dann nicht lange, und die ins Haus gerufene Polizei beschlagnahmt das "wertvolle" Stück.

Rechtsgrundlage für dieses Vorgehen ist Paragraph 7a des AsylBLG, wonach Vermögen vorrangig zur Deckung des Lebensunterhaltes eingesetzt werden muss. Im Gesetz ist hierbei auch die Ausübung von obrigkeitlichem Zwang vorgesehen. Ein volljähriger Leistungsempfänger nach AsylBLG erhält jedoch neben einer Chipkarte zum Einkauf von Lebensmitteln mit einem Betrag von monatlich 310 bis 360 Mark auch ein "Taschengeld" von 80 Mark in Bar. Hiervon lässt sich durchaus ein billiges Handy erwerben und bei sparsamer Verwendung sind da auch die Gesprächskosten drin.

Zum Vergleich: Ein bundesdeutscher Sozialhilfeempfänger bekommt derzeit monatlich 547 Mark ausgezahlt, wahlweise bar oder per Überweisung. Niemand käme hier auf die Idee, ein Handy zu beschlagnahmen. Vorausgesetzt natürlich, es liegen sonst keine Hinweise vor, die auf betrügerisches Verhalten schließen lassen könnten.
Die im Wedding eingezogenen Mobiltelefone werden vorerst bei der Polizei im Panzerschrank gelagert. Bei beschlagnahmten Autos gibt es ein geordnetes Verfahren, sie werden baldmöglichst von Amts wegen zur Versteigerung gebracht. Im Umgang mit den Mobiltelefonen offenbaren die Zuständigen im Weddinger Sozialamt jedoch Ahnungslosigkeit: Eine Versteigerung "unter Wert" würde im Zweifelsfalle statt Einnahmen die Bezirkskasse mit den Kosten des Auktionators belasten. Also geschieht derzeit noch nichts, jedoch auch nichts seitens der Betroffenen: Gegen die Bescheide über die Beschlagnahme wurde noch in keinem Fall Widerspruch eingelegt.
Im Zusammenhang mit der Fusion der Berliner Bezirke bleibt zu hoffen, dass sich Wedding der liberaleren Haltung der beiden anderen Fusionsbezirke Tiergarten und Mitte anschließt. In Mitte beispielsweise sieht man im Besitz eines Handys bei einem Asylbewerber keinen Anhaltspunkt für unzulässiges Vermögen. Es wird, so wurde uns auf Nachfrage bestätigt, sogar erwogen, die beschlagnahmten Handys ihren Eigentümern zurückzugeben.

http://www.teltarif.de/arch/2000/kw43/s3386.html

Lest euch mal die Kommentare zu diesem Bericht auf der obigen Seite durch !

Ralph

Matze
29.10.2000, 01:46
Wenn die sonst keine Probleme haben...und bei den Kommentaren habe ich nach der Hälfte aufgehört, das wurde mir dann zu heftig.

Ich glaub, ich möchte so langsam auswandern, nur wohin??? Kommt jemand mit auf 'ne Insel, das wird ja immer schlimmer hier! :( :(

Matze

Matze
29.10.2000, 01:48
Das möchte ich allerdings dann auch einfach mal unkommentiert aus dem Zusammenhang gerissen dahinterstellen, denn das deutet auch ein wenig meine Richtung an!
<BLOCKQUOTE><font size="1" face="Trebuchet MS, Verdana, Tahoma, Arial, Helvetica">Zitat:</font><HR>Gärtner und Strassenreiniger gehören zum "1. Arbeitsmarkt" und genauso war es immer eine Lüge, dass Zivis keinem Hauptamtlichen die Arbeit wegnehmen dürfen ...

Am Stammtisch ist alles soooo einfach ... [/quote]

Matze

Sascha
30.10.2000, 21:10
Um auf das Thema des Luxusgutes zurückzukommen:

Ja, das Handy ist ein Luxusgut. Als Grundlage dient nicht der Anschaffungspreis, sondern die Preis-Leistungs-Relation. In diesem Sinne ist das Handy natürlich ein Luxusgut. Bei einer objektiven Betrachtung wird man feststellen, daß trotz oben angeführter Senkung der Minutenpreise und der Grundgebühr (oder gar ein Erlaß der Grundgebür via Pre-paid-Karten)eine erhebliche Differenz zwischen einem Festnetzanschluß und den Unterhaltskosten eines Handys besteht. Also: objektiv gesehen ein Luxusgut..... ich möchte noch mal an dieser Stelle darauf hinweisen, daß die Mobilfunkunternehmen ihre ganz eigenen Vorstellungen davon haben, wieviel ein Handybesitzer so im Monat vertelefoniert.... http://www.stock-channel.net/Board/smilies/biggrin.gif .
Vom gesellschaftlichen Standpunkt aus betrachtet kann man das Handy mittlerweile als Prestigeobjekt einstufen. Egal wo man ist, das Handyklingeln begleitet einen überall hin: Im Kino, im Aldi, bei der Arbeit, in der Schule, im Bus, in der Mensa, auf der Straße, usw. Dies ist schon ein bemerkenswertes Phänomen, da man beachten muß, daß ein Handy ein Luxusgut ist. Der Mensch ist wie früher nicht auf das Handy angewiesen und trotzdem wird es jeder sozialen Schicht als Statussymbol http://www.stock-channel.net/Board/smilies/eek.gif aufgezwungen ....

Wenn man über die Beschränkung von Freiheiten nachdenkt, sollte man auch daran denken, die Sinnigkeit dieser (sog.) Freiheit zu prüfen. Meist stellt sich dann eine ganz andere Wahrheit dar...

Exor

(über diese absolute Sinnlosigkeit der ewigen Erreichbarkeit nachdenkend.....)

[Dieser Beitrag wurde von Exor am 30.10.2000 editiert.]