Eliska
27.06.2002, 16:49
Sorgenkind: Deutschland Ost heute - das sind welkende Landschaften, überdüngt mit Sozialleistungen und Subventionen
Von Henrik Müller
Aufschwung Ost? Längst vorbei. Die neuen Länder stecken tief in der Krise. Nur eine Radikalkur könne helfen, sagen Ökonomen. Weniger Subventionen, geringere Sozialleistungen - jede Menge Zumutungen.
Was treibt diesen Mann bloß in den fernen Osten Deutschlands? Sein halbes Leben ist Klaus Wiemer durch die Welt gereist und hat Chipfabriken gemanagt. Nun, mit 64 Jahren, könnte er sich das Leben etwas behaglicher einrichten, könnte zu Hause in Dallas mit seiner Frau den Ruhestand genießen.
Aber Klaus Wiemer, ein Texaner deutscher Herkunft, sitzt lieber im ungemütlichen Frankfurt/Oder. Sein Büro hat er im "Technologiepark Ostbrandenburg" eingerichtet, einem der vielen überdimensionierten Gewerbegebiete in Ostdeutschland, wo viele leere Parkplätze von der Hoffnung auf Aufschwung künden, wo aber bislang leider nur das Gras zwischen dem Gehwegpflaster wuchert.
Wiemer hat einen gigantischen Plan. In Frankfurt/Oder baut er derzeit eine Chipfabrik für anderthalb Milliarden Euro - eines der größten Industrieprojekte Ostdeutschlands.
Warum ausgerechnet hier? Warum in Frankfurt, jener von vielen guten Geistern verlassenen Grenzstadt?
Wiemers Antwort ist wortreich. Mit Henry-Kissinger-Akzent schwärmt er vom Standort ("Das hier war früher das Zentrum der DDR-Halbleiterindustrie"); von der Weltniveau-Technologie des öffentlichen Frankfurter Instituts für Halbleiterphysik (IHP); von den vielen qualifizierten Leuten; von den 4000 Bewerbungen, die er schon bekommen hat.
Klingt alles schlüssig. Aber sind das die wahren Gründe? Also: Warum ist Klaus Wiemer wirklich in Frankfurt/Oder?
Die Antwort liegt nahe: Wegen all des Geldes, das in Ostdeutschland herumschwappt und nach Kanälen sucht, in die es fließen kann.
Mit rund 350 Millionen Euro direkten Subventionen kann Wiemers Firma Communicant rechnen. Zusätzlich gibt es eine öffentliche Bürgschaft über Kredite von rund 500 Millionen Euro. Und 38 Millionen Euro Eigenkapitalbeteiligung vom Land Brandenburg. Und eine 280-Millionen-Beteiligung des Emirats Dubai, vom Potsdamer Wirtschaftsminister Wolfgang Fürniß (CDU) eingefädelt.
Staatskapitalismus Ost. Geld, Initiative, Know-how - alles kommt vom Staat. So läuft das Geschäft in der früheren DDR. Auch zwölf Jahre nach der Einheit.
Deutschland Ost heute - das sind welkende Landschaften, überdüngt mit Sozialleistungen und Subventionen.
Nach dem Motto "Viel hilft viel" haben Bundes- und Landesregierungen mittlerweile eine Dreiviertelbillion Euro gen Osten geschickt. Geld, das zwar der großen Mehrheit der Bürger zu einem höheren Lebensstandard verholfen hat, das aber die Privatinitiative erstickt.
Wer baut und wer einreißt, wer eine Maschine kauft und wer eine verkauft, wer Bäume pflanzt und wer welche abholzt, wer jemanden einstellt und wer nur seinem Hobby nachgeht im Beitrittsgebiet gilt fast alles als förderungswürdig.
Weiter zu Teil 2: Der Osten braucht eine Entziehungskur
http://www.manager-magazin.de/magazin/artikel/0,2828,193229-2,00.html
Teil 3: Die neuen Länder - Deutschlands Problemzone
http://www.manager-magazin.de/magazin/artikel/0,2828,193229-3,00.html
Teil 4: Landflucht als Sanierungsmaßnahme
http://www.manager-magazin.de/magazin/artikel/0,2828,193229-4,00.html
Teil 5: Die "überinvestierte Wirtschaft"
http://www.manager-magazin.de/magazin/artikel/0,2828,193229-5,00.html
Teil 6: Viel Geld - wenig Wirkung
Von Henrik Müller
Aufschwung Ost? Längst vorbei. Die neuen Länder stecken tief in der Krise. Nur eine Radikalkur könne helfen, sagen Ökonomen. Weniger Subventionen, geringere Sozialleistungen - jede Menge Zumutungen.
Was treibt diesen Mann bloß in den fernen Osten Deutschlands? Sein halbes Leben ist Klaus Wiemer durch die Welt gereist und hat Chipfabriken gemanagt. Nun, mit 64 Jahren, könnte er sich das Leben etwas behaglicher einrichten, könnte zu Hause in Dallas mit seiner Frau den Ruhestand genießen.
Aber Klaus Wiemer, ein Texaner deutscher Herkunft, sitzt lieber im ungemütlichen Frankfurt/Oder. Sein Büro hat er im "Technologiepark Ostbrandenburg" eingerichtet, einem der vielen überdimensionierten Gewerbegebiete in Ostdeutschland, wo viele leere Parkplätze von der Hoffnung auf Aufschwung künden, wo aber bislang leider nur das Gras zwischen dem Gehwegpflaster wuchert.
Wiemer hat einen gigantischen Plan. In Frankfurt/Oder baut er derzeit eine Chipfabrik für anderthalb Milliarden Euro - eines der größten Industrieprojekte Ostdeutschlands.
Warum ausgerechnet hier? Warum in Frankfurt, jener von vielen guten Geistern verlassenen Grenzstadt?
Wiemers Antwort ist wortreich. Mit Henry-Kissinger-Akzent schwärmt er vom Standort ("Das hier war früher das Zentrum der DDR-Halbleiterindustrie"); von der Weltniveau-Technologie des öffentlichen Frankfurter Instituts für Halbleiterphysik (IHP); von den vielen qualifizierten Leuten; von den 4000 Bewerbungen, die er schon bekommen hat.
Klingt alles schlüssig. Aber sind das die wahren Gründe? Also: Warum ist Klaus Wiemer wirklich in Frankfurt/Oder?
Die Antwort liegt nahe: Wegen all des Geldes, das in Ostdeutschland herumschwappt und nach Kanälen sucht, in die es fließen kann.
Mit rund 350 Millionen Euro direkten Subventionen kann Wiemers Firma Communicant rechnen. Zusätzlich gibt es eine öffentliche Bürgschaft über Kredite von rund 500 Millionen Euro. Und 38 Millionen Euro Eigenkapitalbeteiligung vom Land Brandenburg. Und eine 280-Millionen-Beteiligung des Emirats Dubai, vom Potsdamer Wirtschaftsminister Wolfgang Fürniß (CDU) eingefädelt.
Staatskapitalismus Ost. Geld, Initiative, Know-how - alles kommt vom Staat. So läuft das Geschäft in der früheren DDR. Auch zwölf Jahre nach der Einheit.
Deutschland Ost heute - das sind welkende Landschaften, überdüngt mit Sozialleistungen und Subventionen.
Nach dem Motto "Viel hilft viel" haben Bundes- und Landesregierungen mittlerweile eine Dreiviertelbillion Euro gen Osten geschickt. Geld, das zwar der großen Mehrheit der Bürger zu einem höheren Lebensstandard verholfen hat, das aber die Privatinitiative erstickt.
Wer baut und wer einreißt, wer eine Maschine kauft und wer eine verkauft, wer Bäume pflanzt und wer welche abholzt, wer jemanden einstellt und wer nur seinem Hobby nachgeht im Beitrittsgebiet gilt fast alles als förderungswürdig.
Weiter zu Teil 2: Der Osten braucht eine Entziehungskur
http://www.manager-magazin.de/magazin/artikel/0,2828,193229-2,00.html
Teil 3: Die neuen Länder - Deutschlands Problemzone
http://www.manager-magazin.de/magazin/artikel/0,2828,193229-3,00.html
Teil 4: Landflucht als Sanierungsmaßnahme
http://www.manager-magazin.de/magazin/artikel/0,2828,193229-4,00.html
Teil 5: Die "überinvestierte Wirtschaft"
http://www.manager-magazin.de/magazin/artikel/0,2828,193229-5,00.html
Teil 6: Viel Geld - wenig Wirkung