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Vollständige Version anzeigen : Jan Ullrich unter Dopingverdacht


Mr. KnowItAll
04.07.2002, 00:12
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Matze
04.07.2002, 00:25
Haarprobe...Haarprobe...Haarprobe...Haarprobe...Haarprobe...

:hihi: :hihi: :lach :lach

Matze

Mr. KnowItAll
04.07.2002, 00:30
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Patrick
04.07.2002, 09:50
oder mit johann mühleggs worten:

ISCH WARDE DÌE B-PROBE AB!!!

Mr. KnowItAll
04.07.2002, 20:38
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Perry27
04.07.2002, 22:33
Das ambivalentpseudomäßigdoppelmoralistische Mobbing-Element in unserer Gesellschaft ist von einem schieren (dekadenten) Zerstörungsdrang gekennzeichnet, bei dem selbst alte, vom Mount Ventoux herunterfahrende Rider ins Schwitzen kommen. :D

Bleib blind, Justizia, bleib blind ...

Ach wenn doch nur Frau Richterein i.L. (in Lauerstellung) hier wäre. Sie könnte ein Urteil fällen, im Namen aller Mikroben. :hihi

Vielleicht kann Lance ja mal was dazu sagen, als Ombudsmann sozusagen

Herrliche-Zeiten-Comix :( :D :hihi :cry

Eliska
06.07.2002, 09:17
Rudy Pevenage (l.), Telekoms sportlicher Leiter, im Gespräch mit Ullrich-Manager Strohband
München - Jan Ullrich hat erstmal die Flucht ergriffen und sich ins Ausland abgesetzt, Aufenthaltsort: unbekannt.

Am Samstag will er in Frankfurt sein Schweigen brechen und zu den Dopingvorwürfen Stellung nehmen.

Auch in seinem engsten Umfeld herrscht Fassungslosigkeit. "Er muss da in die falschen Kreise gekommen sein. Schulterklopfer, die ihn in dieses Umfeld gezogen haben", sagt Wolfgang Strohband im Interview mit N24 Online.

Strohband ist nicht nur seit gut zehn Jahren Ullrichs Manager, sondern auch sein Förderer und langjähriger Freund. Die Doping-Affäre des Rad-Olympiasiegers hat auch bei dem Hamburger Spuren hinterlassen.

Im Interview äußert sich Strohband zu Ullrichs menschlichen Problemen.

Frage: Wie haben Sie die Sache aufgenommen?

Wolfgang Strohband: Ich bin sehr enttäuscht und deprimiert.

Frage: Hat Jan Ihnen das alles gebeichtet?

Strohband: Ob er mir nun alles gesagt hat, weiß ich nicht. Ihm war das jedenfalls sehr peinlich, als er mir von den Dingen berichtete.

Frage: Sie haben ihn in der Reha in Bad Wiessee besucht. Hatten Sie dann schon Anzeichen bemerkt?

Strohband: Nein.

Frage: Hat Jan Ihnen von dem Ausflug nach München erzählt?

Strohband: Ich weiß nur, dass er zur Kernspin-Tomografie in München war. Alles andere habe ich von anderer Seite erfahren.

Frage: Es scheint ein großer Frust bei Jan zu herrschen. Haben Sie ihn in den letzten zehn Jahren schon mal so erlebt?

Strohband: Frustriert schon, aber eher, weil er irgendein wichtiges Rennen verlor. Mit dieser Sache ist das aber alles nicht zu vergleichen. Jan tut das alles unendlich leid. Er will da rauskommen, das hat er mir gesagt. Und er wird da auch rauskommen.

Frage: Telekom-Teamchef Rudy Pevenage spricht von "falschen Freunden, die er in Merdingen hat". Wussten Sie davon?

Strohband: Bisher nicht. Er muss da in die falschen Kreise gekommen sein. Schulterklopfer, die ihn in dieses Umfeld gezogen haben. Er muss jetzt da raus. Und sich von diesen Leuten trennen. Ich glaube, dass er das schafft.

Frage: Bei einem 20-Jährigen wäre solch ein Unfug noch nachzuvollziehen. Wie kann er im höheren Alter so leichtsinnig werden?

Strohband: Vielleicht hat er durch den jahrelangen Leistungssport nie eine richtige Jugend gehabt und konnte sich da nicht ausleben. Es wäre schon fast zu vermuten, dass Jan einige Dinge nachholt.

Frage: Wenn Jan jetzt eine vier- oder sechsmonatige Sperre aufgebrummt bekäme, würde das das Ende seiner Karriere sein?

Strohband: Nein. Jan wird weiterfahren.

Frage: Auch beim Team Telekom?

Strohband: Das Team Telekom wird ihn nicht fallenlassen. Davon bin ich überzeugt. Die Amphetamine, die bei ihm im Körper nachgewiesen wurden, dienten ja nicht dazu, sich einen Wettbewerbsvorteil zu verschaffen. Er war operiert, war arbeitsunfähig und fuhr keine Rennen. Man muss einsehen, dass das kein Fehltritt als Sportler, sondern als Mensch war.


Das Gespräch führte Wolfgang Kleine

Sport 1

Eliska
06.07.2002, 23:09
Anstoß

Jan Ullrich hat gestanden. Eine menschliche Schwäche, aber kein Vergehen als Leistungssportler. Inwieweit die Beichte des Tour-Siegers von 1997 im Detail Lücken und gar Ungereimtheiten enthält, inwieweit sie glaubwürdig ist oder nicht, darüber kann man geteilter Meinung sein. Was bleibt, ist der Fakt einer positiven Probe, an der auch das Bundesportgericht des Bundes Deutscher Radfahrer (BDR) nicht vorbei kann, wenn es über den Fall Ullrich befinden muß.
Zu welchem Urteil das Gremium auch immer kommen mag, den Imageverlust, den jetzt auch der bislang weitgehend verschonte deutsche Radsport hinnehmen muß, ist schwer zu reparieren. Das gilt vor allem für das Team Telekom, das in der dopingverseuchten Branche stets stolz seine weiße Weste getragen hat.

Und doch steckt in dem Fall Ullrich auch ein Stückchen Hoffnung. Wenn man der Affäre - abgesehen vom Ergebnis der Probe - etwas Positives abgewinnen kann, dann ist es der offensive Umgang vor allem des Verbandes mit einem unliebsamen Thema. Die demonstrative Absicht fast aller Beteiligten, zu einem raschen Ende beizutragen. Das hat man hierzulande schon ganz anders erlebt.
Es gibt zwar einen Unbekannten, aber weder aberwitzige Verschwörungstheorien noch kontaminierte Zahnpasten, weder Verzögerungstaktiken noch einen drohenden jahrelangen Rechtsstreit unter Ausschöpfung sämtlicher Institutionen. Statt dessen herrscht ein geradliniger Kurs, der auf ein rasches Urteil zielt.

Ein kurzer Prozeß ist schon aus taktischen Erwägungen die beste aller Strategien, um wenigstens Schadensbegrenzung zu betreiben. Nichts ist so schädlich für das Renommee wie ein schlagzeilenträchtiger Dauerstreit a la Baumann.
Es ist aber keineswegs selbstverständlich, daß sich Verband, Arbeitgeber und der Betroffene öffentlich an einen Tisch setzen, um ein Problem - für alle sichtbar - gemeinsam anzugehen. Das ist ein positives Signal gerade in einer Branche, die bislang nicht gerade den Eindruck erweckt hat, als gehe ihr Bedarf an Aufklärung über Lippenbekenntnisse hinaus.
Der offensive Kurs des BDR trägt deutlich die Handschrift der neuen Präsidentin. Sylvia Schenk nährt bei ihrer ersten großen Bewährungsprobe im Amt die Hoffnung, daß sie auch künftig Worten Taten folgen läßt und es ernst meint mit ihrem Antidoping-Kampf, ohne darüber die menschliche Dimension zu vernachlässigen.

Man darf bei allem Wohlwollen für den neuen Offensivgeist nicht vergessen, daß der Fall Ullrich für die öffentliche Aufarbeitung - man könnte es auch Inszenierung nennen - geradezu prädestiniert ist. Die Leidensgeschichte eines Radprofis, dessen Talent mehr Fluch als Segen ist, weil er von Kindesbeinen an fremdbestimmt worden ist, der nach einer Verletzung in tiefer Depression menschliche Verfehlungen begeht - und sie sogar zugibt.
Da ist man geradezu versucht, mildernde Umstände gelten zu lassen.


Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 7.7.2002

Mr. KnowItAll
07.07.2002, 00:11
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Perry27
07.07.2002, 13:34
Es ist schon ein eigenartiger Zufall, daß just ein Tag nach dem Schlucken der Ecstasy-Pillen eine Kommission auftaucht und eine überrraschende Urinprobe nimmt. Mitten in der Reha, wo an Wettkampf überhaupt nicht zu denken ist.

Perry

Mr. KnowItAll
07.07.2002, 14:28
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Perry27
07.07.2002, 15:34
Ich habe bewußt nur von einem eigenartigen Zufall gesprochen und das Wort Verschwörung vermieden. Soviel Gedankenfreiheit sollte aber erlaubt sein.
Vielleicht war aber auch Dummheit im Spiel. Sie soll ja in Deutschland Volkssport sein.
Geschichten von Dummen für Dumme, oder so ähnlich.

Perry

Patrick
08.07.2002, 08:26
Zitat:

der Öffentlichkeit allen Ernstes glauben gemacht, daß er mal Pillen geschluckt hat, ohne zu wissen, was das ist und welche Auswirkungen das haben kann.


Das dachte ich mir Samstag auch direkt! Wem will er das erzählen? Ein "Unbekannter" kommt vorbei und sagt: "hier, nimm mal, ist gegen schlechte Laune"...

Es gibt da ganz fiese Sachen mit Rattengift usw....naja, in Wirklichkeit kannten die sich, er will da nur jemanden decken, um keinen Ärger zu bekommen...

Ullrich = Deutscher Pinocchio

P.

Mr. KnowItAll
23.07.2002, 16:36
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Eliska
24.07.2002, 22:56
Les deux Alpes/Hamburg (dpa) - Das milde Doping-Urteil bietet Jan Ullrich die große Chance zur Rehabilitation. Zwar belegte das Sportgericht des Bundes Deutscher Radfahrer (BDR) den Rad- Olympiasieger wegen Verstoßes gegen das Doping-Kontrollreglement mit einer Sperre von sechs Monaten.

Doch indem das Gremium den 28- Jährigen keine Betrugsabsicht unterstellte, haben Sponsoren, sein Rennstall Team Telekom und der Verband die Möglichkeit, den gefallenen Star ohne Gesichtsverlust weiter zu fördern und in die richtige Spur zurück zu bringen.

Manager Wolfgang Strohband kämpft nun um die Zukunft seines Schützlings und will jetzt mit den Sponsoren Gespräche führen. «Ich gehe davon aus, dass sich an den Vertragskonditionen nichts Grundsätzliches verändert», sagte er. Ullrichs Sponsoren- Einnahmen werden auf rund 2,5 Millionen Euro jährlich geschätzt.

Erstaunlich schweigsam gab sich indes das Team Telekom auch einen Tag nach der Urteilsverkündung. Dabei lieferte die Begründung des Sportgerichts dem Rennstall die gewünschte Vorlage, um seinen Star nicht fallen zu lassen. Derzeit ist Ullrich noch beurlaubt. Sein Vertrag mit den Bonner Fernmeldern läuft aber wie vereinbart bis 2003. Ob er derzeit Lohn bekommt, lässt Team-Manager Walter Godefroot offen: «Ich sage nicht, ob ich ihm Geld gebe oder nicht.»

Ob der gestrauchelte Ullrich wieder in den Rennsport zurückkommt oder nicht, hängt vor allem von ihm selbst ab. Dabei geht es weniger um die langwierige Knieverletzung des Merdingers als viel mehr um die Heilung der Psyche. «Er hat menschliche Probleme, die abseits des Sports liegen», sagte BDR-Präsidentin Sylvia Schenk. Einen Hinweis der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, dass sich Ullrich in der Fremde nicht nur zur Entspannung und Erholung, sondern auch zum Entzug aufhalte, dementierte Strohband heftig: «Das ist völliger Quatsch und an den Haaren herbeigezogen.»

Nach Aussage des Managers befindet sich Ullrich gemeinsam mit seiner Freundin weiter im Ausland. «Ich habe mit ihm telefoniert. Ihm geht es gut. Er ist mit netten Leuten zusammen und fühlt sich sehr wohl.» Am Wochenende wolle er mit Ullrich beraten, wann und unter welchen Umständen er nach Deutschland zurückkommt. «Ich rechne fest mit seinem Comeback», sagte Strohband. Ullrich sei klar, «dass er so nicht abtreten kann und noch einmal einen sportlichen Höhepunkt erreichen muss». Es gehe auch um eine berufliche Perspektive nach der Rennsport-Karriere.

Der Radprofi ist seit seinem öffentlichen Geständnis am 6. Juli abgetaucht. Ullrich waren bei einer unangemeldeten Doping-Kontrolle in seiner Rehabilitation in Bad Wiessee nach einer Knieoperation am 12. Juni verbotene Amphetamine nachgewiesen worden. Er gab zu, bei einem Disco-Besuch zwei Tabletten geschluckt zu haben. Die Staatsanwaltschaft München hat ebenfalls Ermittlungen gegen ihn eingeleitet.

Das BDR-Sportgericht sperrte Ullrich bis zum 23. März. Es wertete die Einnahme des verbotenen Stimulanzmittels Amphetamin nicht als «Doping im engeren Sinne», wie der Vorsitzende Peter Barth sagte: «Ullrich hat das Mittel nicht eingenommen, um sich einen Leistungsvorteil zu verschaffen.» Doch sehe das Reglement vor, «dass im Rahmen des Trainings verbotene Stoffe wie Amphetamine nichts zu suchen haben». BDR-Chefin Sylvia Schenk begrüßte die Entscheidung: «Zu diesem Zeitpunkt mit diesem Mittel hat Ullrich keine Schädigung von anderen bezweckt und deshalb auch keinen Leistungsbetrug begangen.»

Dass Ullrich von den Fans wieder in die Arme geschlossen wird, steht für Manager Strohband außer Frage. «Das Virenque-Comeback zeigt ja, dass die Leute vergessen können.» Die Doping-Vergehen des Franzosen Richard Virenque wiegen im Vergleich zur «Dumme-Jungen-Tat» (Tour-Sieger Lance Armstrong) weit schwerer. Virenque gewann bei seiner Tour-Rückkehr nach der Sperre am Sonntag die Etappe auf den Mont Ventoux. Strohband: «So ein Comeback wünsche ich mir für Jan Ullrich.»

Süddeutsche Zeitung