PDA

Vollständige Version anzeigen : Mit Tempo 300 zur Arbeit fahren


Eliska
21.07.2002, 08:52
Am Donnerstag wird die ICE-Strecke Köln-Frankfurt von Bundeskanzler Schröder in Betrieb genommen. Für Berufspendler zwischen der Domstadt am Rhein und der Mainmetropole eine attraktive Alternative zum Auto. In 76 Minuten verbindet der Schnellzug die beiden Städte. Limburg und Montabaur werden quasi zu Frankfurts neuen Vororten.

Pendeln zwischen Rhein und Main

Von Christian Siedenbiedel

Frankfurt. Karl-Heinz Opp lebt seit 30 Jahren in Köln und ist von der Stadt so überzeugt, wie es Kölner im allgemeinen zu sein pflegen. Obwohl "leben" eigentlich nicht ganz der richtige Ausdruck ist: Der 56 Jahre alte Referent für Verkehrspolitik der Lufthansa verbringt dort vor allem die Nacht. Tagsüber arbeitet er in Frankfurt, seit die Airline vor drei Jahren einen großen Teil ihrer Verwaltung vom Hauptsitz in Köln-Deutz zum Frankfurter Flughafen verlegt hat.

In dieser Woche wird sich das Leben für Opp grundlegend verändern. Am Donnerstag eröffnet Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) die neue ICE-Strecke Köln-Frankfurt. Statt 135 Minuten braucht man dann nur noch 76. "Das ist ein Tag, auf den ich lange gewartet habe", sagt Opp. Jedesmal, wenn der Eröffnungstermin für die Strecke wegen Pannen verschoben wurde, hat er sich geärgert. Schließlich muß er morgens immer um sechs Uhr aufstehen, um zwischen neun und halb zehn im Büro zu sein. Bald kann er eine Stunde länger schlafen. Und vor allem ist er eine Stunde eher wieder in Köln - im Idealfall um kurz nach sieben, so daß er wieder ins Theater gehen kann oder ins Kino; Freizeitvergnügungen, die es in den zurückliegenden Jahren für ihn nur am Wochenende gab.

Die kleine "Community", die sich jeden Morgen im Zug zwischen den beiden Großstädten trifft und sich vom Sehen kennt, dürfte durch die kürzere Fahrtzeit eine Reihe neuer Mitglieder gewinnen. Die Fahrkartenschalter der Bahn melden eine deutlich gestiegene Nachfrage nach Monatskarten, wie Bahnsprecher Gerd Felser sagt. Die Bahn rechnet damit, daß die Zahl der Fahrgäste auf der Strecke von 10 bis 12 Millionen im Jahr auf mehr als 20 Millionen steigt.

Der hohe Preis schreckt Opp nicht. Er hat eine sogenannte Netzkarte für 5300 Euro im Jahr, mit der er gleich auch noch seine Lebensgefährtin in München am Wochenende besuchen kann. Wenn er abends bei niedrigstehender Sonne mit dem Zug in Köln einfahre und die Domtürme sehe, entschädige ihn das für alles. "Dann noch ein Kölsch im Brauhaus Früh - und die Welt ist wieder in Ordnung", schwärmt er. Er habe eine wunderschöne Wohnung in der Altstadt am Rhein im Schatten der romanischen Kirche Groß St.Martin - sowas gebe es in Frankfurt gar nicht. Einmal, als ihn die dauernden Verspätungen der Bahn zu sehr ärgerten, hat er sich eine Wohnung in Aschaffenburg angesehen. Er habe sie aber nicht bekommen und sei sogar froh gewesen, als er abends wieder in Köln war.

Er sei übrigens keinesfalls der "Extremfall" in der Pendler-Community. Man rede zwar nicht viel miteinander in jenen frühen Morgenstunden, schlafe lieber, lese Zeitung oder höre - wie er meistens - Musik aus dem Walkman. Er wisse aber, daß viele schon von Düsseldorf kämen, wenn er dazusteige, und daß er am Frankfurter Flughafen vor vielen anderen den Zug verlasse. Abends sehe man sich nicht so zuverlässig, weil alle etwas unterschiedliche Feierabend-Zeiten hätten.

Einen Monat lang sei er mal geflogen, erzählt Opp. Aber das sei noch teurer, obwohl er einen Lufthansa-Angestellten-Tarif bekomme. Außerdem sei es weniger entspannend. Jeden Tag mit dem Auto zu fahren, habe er nie ernsthaft erwogen, weil er es für teurer, zu anstrengend und zu gefährlich halte: "Wenn ich nur an die vielen Baustellen auf der Autobahn 3 denke."

Bei der Lufthansa AG mit ihren Hauptstandorten Köln und Frankfurt gibt es viele Mitarbeiter, die die neue ICE-Strecke oft fahren werden, wie Pressesprecherin Sabine Hess sagt. Für Opp kommt der Tempo-300-Zug allerdings eigentlich zu spät. Ende 2003 will er in den Vorruhestand wechseln. "Dann bin ich drei Jahre mit dem langsamen und zwei Jahre mit dem schnellen Zug gefahren", sagt er. Vor drei Jahren, als er mit der Pendelei anfing, war er noch fest davon ausgegangen, daß die Strecke im Frühjahr 2001 fertig sein würde.


Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 21.7.2002

germanasti
21.07.2002, 08:58
Die Geschwindigkeit erreicht man auch mit dem Auto & kann nebenher Radio hören. :D:D:D

Förster
21.07.2002, 09:21
was soll ich in Montabaur? :confused:

Eliska
21.07.2002, 09:35
Sorry, Dolby Digital 5.1, wusste nicht, dass du der einzige Mensch auf der Welt bist. :dd

Gruß - und einen schönen Sonntag wo auch immer
Eliska:)

oasis
21.07.2002, 10:28
Original erstellt von Dolby Digital 5.1
was soll ich in Montabaur? :confused:

Moin moin,

Du könntest dort oder in Limburg wohnen wenn Du in Frankfurt oder Köln arbeiten würdest.

In den Bereichen der neuen Bahnhöfe sind große Gewerbegebiete ausgewiesen. Sicher werden nicht wenige Unternehmen hier preiswerter siedeln als im Rhein-Main Gebiet. Ein FOQ wird heiß diskutiert. In Limburg hat die parallell zur ICE-Trasse und A3 verlaufende B8 bereits zweispurige Abfahrten zum ICE-Bahnhof.

Handicap: Mit der Idylle im schönen Lahntal rund um Limburg könnte es bald vorbei sein.

Eliska
21.07.2002, 10:30
Sehr interessante Informationen, oasis! :)

Gruß
Eliska:)

Matze
21.07.2002, 10:32
Original erstellt von germanasti
Die Geschwindigkeit erreicht man auch mit dem Auto & kann nebenher Radio hören. :D:D:D

Nunja, der Bremsweg ist zwar auch kürzer, aber dafür die Knautschzone bei weitem geringer! Und probiere doch mal beim Autofahren Zeitung zu lesen als Fahrer oder bei 300 KM/H bequem zu telefonieren :rolleyes:

Ich empfiehle die Mitte des Zuges :dd

Matze

Mr. KnowItAll
21.07.2002, 12:07
x

LISA
21.07.2002, 12:34
Bei 300 km/h sitze ich doch lieber im Auto :p
Im Zug wird man ja "seekrank" bei der Geschwindigkeit.... :eek:

Auf einem "Speedboat" mit 11 Knoten wird einem auch eher schlecht als auf einem kleinen Sportboot mit selber Geschwindigkeit. ;)

Ich habe den Bau der Trasse miterlebt, da ich Verwandte in NRW habe und die A3 oft fahre. Da wurde mit der Natur gewiß nicht pfleglich umgegangen :gomad

Förster
21.07.2002, 12:43
niemand mag die strasse vor der eigenen tür :lach :p

germanasti
21.07.2002, 12:47
Matze:

Telefonieren geht dann noch problemlos. :hihi



mfg
Der, der vor 15 Jahren letztes mal DB gefahren ist :p

oasis
21.07.2002, 12:52
Original erstellt von LISA
Bei 300 km/h sitze ich doch lieber im Auto :p
Im Zug wird man ja "seekrank" bei der Geschwindigkeit.... :eek:

Auf einem "Speedboat" mit 11 Knoten wird einem auch eher schlecht als auf einem kleinen Sportboot mit selber Geschwindigkeit. ;)

Ich habe den Bau der Trasse miterlebt, da ich Verwandte in NRW habe und die A3 oft fahre. Da wurde mit der Natur gewiß nicht pfleglich umgegangen :gomad

Die Bauphase darf man nicht als Maßstab nehmen. So etwas erschreckt den Laien angesichts der Massen die bewegt werden. Ist der Bau erst einmal abgeschlossen ist man verblüfft über den dann erkennbar werdenden geringen "Landschaftsverbrauch". Mit dem Bau einhergehende Schaffung von Ausgleichsflächen (Waldaufforstung, Biotope etc.) tun ihr Übriges. Besonders große Brückenbauwerke trüben etwas das Bild, tun aber dem Gesamteindruck des geringen Ressourcenverbrauch keinen Abbruch.

Limburg - Airport Rhein/Main - 20 Minuren
Limburg - Köln 35 Minuten

Zwei gute Argumente!

Ps: ...und nicht zu vergessen, die Entlastung des Rheintals, wo die Bahntrasse mitten durch Dörfchen und Städte führt.

oasis
21.07.2002, 13:01
Moin Germanasti,

fahre doch`mal ICE Stuttgart - Frankfurt (etwa eine Stunde). Dann nochmal 4 Minuten mit der U 4 zur Hauptwache. Danach 2 Minuten Fußweg zur Börse. Dann biste original in der "großen weiten Welt". Empfehle dann noch das Dach der "Vertical Mal Zeilgalerie" mit einem unvergesslichen Blick in die Hochhausschucht von Mainhatten.

Mr. KnowItAll
21.07.2002, 13:12
x

Mr. KnowItAll
21.07.2002, 13:16
x

oasis
21.07.2002, 13:48
Mr. KIA :hihi

LISA
21.07.2002, 14:21
Alles schön und gut KIA. Dieser "Ausgleich" und diese "Biotope", wo wurden die geschaffen? Auf brach liegendes Land? Gíbts das überhaupt noch? Ich finde, das alles ist Augenwischerei, denn neue Biotope "erschafft" man nicht innerhalb einiger Tage oder Wochen, schon gar nicht auf plattgewalztem Land. Wo ist denn überhaupt noch Platz für Neu-Aufforstung und Renaturierung auf der Strecke FFM-Köln? Was "Natur" war, ist mit dem Bau der Strecke definitiv weniger geworden.

Nun, es macht sicherlich einen Unterschied, dass man auf dieser Strecke eine 3/4 Stunde weniger Bahn fährt :hihi

Hauptsache der Mensch hat Zeit gewonnen und freut sich :rolleyes:

oasis
21.07.2002, 14:50
Es ist nicht angebracht den Bau einer Transversale wie Köln - Rhein/Main zu kritisch zu sehen. Straßen und immer neue Umgehungen, die in 20 Jahren wieder umgangen werden müssen würde ich viel kritischer sehen.

Wer den Verkehr auf der A3 kennt und den praktisch ohne Unterbrechung fahrenden Zugverkehr auf der Rheintrasse vor Augen hat, der kann nicht umhin die neue Bahntrasse zu loben. Sie schmiegt sich an die A3 und durchscneidet kein Land, dass nicht schon durchschnitten wäre. Nur mit einem ungleich geringeren Landschaftsverbrauch als die A 3. Wenn die kalkulierten Fahrgastzahlen der Bahn annähernd erreicht werden, wird man das auf der Straße, wenigsten in diesem Abschnitt zu spüren bekommen. Nämlich als drastische Entlastung.

Als Ausgleichsflächen wird überwiegend Ackerland erworben, auf dem bis dato Monokultur vorherrschte. Durch gestaltete Biotope entstehen im Zuge einer solchen gigantischen Baumaßnahme Sumpfwiesen, als künftiges Reservat für Zugvögel, wie Störche beispielsweise, Vogelhecken und auch neue Bewaldung.

Die Alternative wäre alles so lassen wie es war. Dies würde im Zeitalter der Mobillisierung aber schlimmere Folgen zeitigen, als der Neubau eines wenig landschaftsverbrauchenden Massentransportmittels anrichtet.


Ps.
Die Tour de France erklettert heute den Mont Ventoux, den Berg der Winde. Ein Berg übrigens, den man bezwingt, oder an dem man tot vom Rad fällt... aber niemals absteigt. Wer etwas für`s radfahren übrig hat, lässt sich das nicht entgehen.

LISA
21.07.2002, 15:18
Oasis,

na dann bin ich mal gespannt, ob so sensible Vögel wie Störche an dem mit 300 km/h vorbeiflitzenden ICE Freude haben werden.... :rolleyes: :p

Biotope - selbst umgestaltetes Ackerland (was das kostet... :eek: ) - in der Nähe von Autobahnen/Bahnstrecken sind echt vergeudete Liebesmüh :gomad

Ich fahre die A3 gerne, sie ist, im Gegensatz zur A5, wesentlich entspannter zu fahren.

Auf die Arbeit fahre ich morgens 1,5 Stunden, teils Autobahn, teils Landstraße durch Dörfer und Wiesen... Herrlich. Ich wäre eigentlich die optimale Zielgruppe für diesen Bahn-Wahn. Und dennoch, die mißmutigen, schlecht gelaunten, vergrämten Gesichter der Bahn-Fahrgäste tue ich mir nicht an :hihi

Da sitz ich doch lieber in meiner rollenden Bratpfanne und genieße die Landschaft bei 80 kim/h. Die Zeit nehme ich mir einfach :)

oasis
21.07.2002, 15:40
Lisa

die Ausgleichsflächen werden nicht nur in unmittelbarer Nähe der Trasse angelegt.
Aber lassen wir das.

Du fährst die A3 gerne? Zwischen Limburg Süd und Bad Camberg könnte ich Dir `mal winken.

Die Autofahrer gucken aber morgens auch nicht freundlicher. Und im neuen ICE triffst Du nur die smarten Businessbuben und -mädels aus den Vorstandsetagen bzw. die aus der Ebene darunter. Keineswegs Arbeiter, wie Du sie aus den Pendlerzügen durch den Taunus oder Westerwald kennst. Es wird dort nach Issey Myake und Hugo Boss duften, also nach der großen, weiten Welt.

Apropos Bratpfanne, hast Du keine Klimaanlage?

Ps: Noch 15 km bis zum Ventoux.

Mr. KnowItAll
21.07.2002, 17:22
x

oasis
21.07.2002, 20:55
http://home.t-online.de/home/0304112474-0001/BARBEIT.HTM (http://)

Seltsamerweise ist das kompakteste Werk über die Neubautrase die Arbeit eines 18-jährigen Gymnasiasten aus Berlin.

Ich muss mich jetzt um die S/L Marken für Montag kümmern. Habe am Freitag seit langer Zeit wieder einmal eingekauft. Schieße bei Ausübung ein paar hundert € in den Wind. Aber der Spass ist es mir wert. Alles wartet kommende Woche auf weiteren gravierenden Crash, der technisch signalisiert wird. Da die Technik aber mehr über die Vergangenheit als über die Zukunft aussagt, wage ich mich aufs Parkett. :cool:

oasis
21.07.2002, 21:00
Ob`s jetzt funktioniert?
http://home.t-online.de/home/0304112474-0001/HAUPT.HTM

LISA
21.07.2002, 21:11
Oasis,

ich komme gerade aus meinem eigenen Biotop zurück, und was soll ich dir erzählen? Die Kaulquappen haben den Teich verlassen, hunderte, tausende !!! Überall auf dem Grundstück hüpfen diese kleinen Strolche rum, Mini-Kröten :lach Im Frühjahr gabs ein mords Fische- und Krötenkonzert, habe nächtens Oropax stöpseln müssen :hihi
Und im Igel-Haus gibts Nachwuchs --- dieses Jahr waren sie ganz besonders fleißig ;) Ich muß dringend ein neues Igel-Haus zimmern :cool:

Von mir zu den Auffahrten Bad Camberg/Idstein/Usingen sind's gerade mal 30 min., aber mein Weg zur Arbeit ist auf der A661. Ich fahre halt gerne Auto. Von den 1,5 Stunden verbringe ich min. 20 min. auf der Saalburg.... im Stau :rolleyes: Da lese ich die FAZ :cool:

Diesen Düfte-Gemisch in Bahnwagons mag ich nicht. Da werf ich mich lieber selbst in einen Joshi Yamamoto-Outfit und lege 2 Tropfen Iseey Myake dazu. :hihi

Aber sollte ich mal wieder Richtung Köln auf der A3 düsen, winke ich gerne :kiss:

oasis
22.07.2002, 10:27
Lisa,

apropos Kaulquappen, hier ein kleiner Sechszeiler:

Die Kaulquappen im Ententeich,
sie haben Füsse nicht sogleich.

Sie wachsen später erst dem Tier,
die Kiemen geben sie dafür.

Und dann verlieren sie ihr Schwänzelein
ich möchte nie eine Kaulquappe sein! :)

LISA
22.07.2002, 10:46
:) :) :)