Vollständige Version anzeigen : Urlaub in Deutschland. Neu: Blütenpracht vor weißen Bergen
Berlin - Potsdam
Die neue Hauptstadt und die Residenzenstadt des alten Preußen
Termin: 05. - 09. Oktober 2002
Metropole Berlin - Arkadien Potsdam.
Nirgends ist Deutschland im Moment spannender. Bauboom, rot-rote Koalition, eine avantgardistische Kulturszene.
Wächst in der Hauptstadt wirklich zusammen, was zusammen gehört?
Entsteht im Zentrum der Stadt das Herz einer neuen Berliner Republik, die anders ist als ihre Bonner Vorgängerin?
Wie sehen die Menschen in Ost und West die Entwicklung?
Sie kommen auf dieser Reise mit interessanten Berlinern ins Gespräch: Mit ZEIT-Hauptstadtkorrespondent Klaus Hartung diskutieren Sie seine aktuelle Sicht der Dinge. Ein Mitglied der Kommission für den Wiederaufbau des Stadtschlosses, berichtet über den neuesten Stand der Diskussion.
In Potsdam besuchen Sie die kulturellen Höhepunkte der alten preussischen Residenzstadt.
http://www.zeit.de/berlin
Reiseprogramm:
http://www.zeit.de/projektreise/berlin2002/programm.html
Stuttgart Sillenbuch
http://www.stock-channel.net/stock-board/showthread.php3?threadid=7773
Ja, Stuttgart, die Großstadt zwischen Wald und Reben und die Stadt der Stäffelesrutscher ist auch eine Reise wert - vor allem an den im Link benannten Wochenenden. :lach
http://www.stuttgart-stadtplan.de/Stuttgart/umland-src/stuttgart_umgeb.gif
Gruß
Eliska:)
http://www.bilderbogen-deutschland.de/BilderStuttgart/bilder_stuttgart.htm
Die Ostsee ist das beliebteste Kurzreiseziel der Deutschen.
In Schleswig-Holstein drohen Urlauber am Siebziger-Jahre-Mief zu ersticken. Mecklenburg-Vorpommern dagegen lockt mit Luxus und schönen Stränden.
von Thomas Niederberghaus
Männliches Imponiergehabe kann tödlich enden. Auf dem Darß verkeilten sich zwei Hirsche beim Brunftkampf und ertranken in einem Vorfluter. Die Tiere stehen heute als »Ganzkörperpräparation« im Borner Forst- und Jagdmuseum Ferdinand von Raesfeld. Waidmänner bezeichnen das tragische Ende als »unlösbare Stangenstellung« und erklären das so: »Die linke Stange des rechten Hirsches war unter den linken Augspross seines Rivalen geraten, wurde über den Augspross der rechten Stange seines Gegners gedrückt und unter dem Mittelspross der rechten Stange gekontert.«
Die Natur ist gnadenlos. Ein Hirsch aber hat immerhin gute Chancen, dass sein bestes Stück der Nachwelt erhalten bleibt. Im Jagdmuseum Ferdinand von Raesfeld in Mecklenburg-Vorpommern hängt neben den beiden verkeilten Tieren ein Geweih, für das eine internationale Trophäenkommission 211,69 Punkte gegeben hat, und das bedeutet: Goldmedaille für den Jagdbezirk BFOA Zingst. Selbst ein Elch ist zu sehen. Eigentlich gibt es keine Elche auf dem Darß, hin und wieder kommt mal ein polnischer Irrläufer vorbei, und der Versuch des Berliner Tierparkdirektors Lutz Heck, während des »Dritten Reiches« hier Elche auszuwildern, schlug fehl. Die Elchtrophäe führt den Besucher also auf eine falsche Fährte.
Wo hat man das sonst? Kilometerlange Strände, weißer Sand, vor einem die See, hinter einem Wälder, durch die Rehe und Hirsche streifen. Frau Haase vom Landwirtschaftsministerium Mecklenburg-Vorpommern weiß: Es gibt auf dem Darß 480 Stück Rotwild und 270 Stück Damwild. Der Darß, der sich gleich hinter Rostock wie ein Haken in die See streckt, ist so etwas wie das Tafelsilber, das die DDR in die Familie gebracht hat. Doch seit geraumer Zeit gibt es in der Familie Streit: Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein stehen, um in Waidmanns Bild zu bleiben, in einer noch »unlösbaren Stangenstellung«. Sie kämpfen um Touristen, und wenn sich Schleswig-Holstein nicht noch einen Coup einfallen lässt, wird es den Kampf verlieren. Natürlich hört sich das zunächst einmal gut an, wenn das BAT-Freizeit-Forschungsinstitut mitteilt, dass das beliebteste Ziel für Kurzreisen das eigene Land ist und die Ostsee mit 11,5 Prozent der Befragten an erster Stelle steht (vor Bayern und der Nordsee). In Schleswig-Holstein jedoch stagniert die Zahl der Gäste, während sie in Mecklenburg-Vorpommern kontinuierlich steigt. Im vergangenen Jahr lagen beide Länder mit 4,3 und 4,5 Millionen Besu-chern fast Kopf an Kopf.
Wer nach der Wende an der Ostseeküste von West nach Ost fuhr, bekam noch Mitte der neunziger Jahre die realen Reste des Sozialismus zu sehen, heute sieht man so eine architektonische Tristesse, wenn man von Ost nach West fährt. In Mecklenburg-Vorpommern stachen damals die wenigen renovierten Häuser ins Auge, jetzt sind es die wenigen nicht renovierten. Die Metzgerei in Born, in der der Chef noch mit gestärktem weißen Kittel bedient, ist so eine Baracke oder das alte Kurhaus in Ahrenshoop, dessen Putz nur noch von Graffiti gehalten wird. Ansonsten gibt es kaum ein Dach, das nicht neu gedeckt, kaum eine Straße, die nicht frisch geteert, kaum einen Mittelstreifen, der nicht üppig begrünt ist. Rund 700 Milliarden Euro wurden seit der Wende in den Aufbau Ost investiert, und das sieht man auch. Václav Klaus hat unlängst wissen lassen: Wäre so viel Geld in die Tschechische Republik investiert worden, könnte jeder Tscheche heute genüsslich die Beine hochlegen.
Fidel Castro war schon da
Man braucht auf dem Darß nicht viel Geduld, um einen Kranich, einen Seeadler oder einen Fischotter zu sehen oder einen Touristen, der angestrengt zum Himmel blickt. Es gibt flache Buchten, offenes Meer, Brackwasser, Dünenlandschaften und Sumpfgebiete. Als die Vereinigung mit der DDR unmittelbar bevorstand, hatten westliche Investoren und Spekulanten dieses Gebiet längst im Visier. Es wurde von der DDR-Regierung in einem der letzten Beschlüsse jedoch zum Nationalpark ausgewiesen. Die Initiative ging von dem Vizeumweltminister und Träger des Alternativen Nobelpreises, Michael Succow, aus. Er stellte die Bundesregierung damit vor vollendete Tatsachen, denn im Einigungsvertrag wurde festgeschrieben, dass von der DDR ausgewiesene Naturschutzgebiete auch von der neuen Regierung anerkannt werden müssen.
Die reizvolle Landschaft hat dennoch Platz für westliche Begehrlichkeiten gelassen. Einer der Investoren ist die Adam und Partner GmbH. Mehr als 25 Millionen Euro hat das Essener Unternehmen in den Kauf und die Renovierung des Strandhotels Fischland in Dierhagen investiert. Es war Ende der sechziger Jahre als Herberge für DDR-Minister gebaut worden, zu den ersten ausländischen Gästen zählte Fidel Castro. Der dreistöckige Plattenbau ist heute komplett entkernt, seiner Platten beraubt und zur Strandseite hin verglast. Vom alten Hotel sind nur der Marmor übrig geblieben und die stählerne Schiffswendeltreppe im Foyer. Aus den mit Pinienmöbeln stilvoll eingerichteten Zimmern streifen die Blicke über Kiefernwipfel und verlieren sich am Horizont der Ostsee. »Hier verschwinden die Grenzen zwischen innen und außen, die Stimmung ist genial«, sagt der Berliner Theaterregisseur Norbert Mauk. In Schleswig-Holstein würde er keinen Ostseeurlaub machen. »Mecklenburg-Vorpommern hat die Weite, die Landschaft und die alte Bäderarchitektur.«
»Qualität setzt sich durch«, sagt Eckehard Adams, der als Gesellschafter des Unternehmens die Geschäfte im Strandhotel Fischland führt. In den vergangenen sieben Jahren sei die Belegungsrate der Betten von 35 auf 60 Prozent gestiegen. »Alles ohne Werbung, nur durch Mund-zu-Mund-Propaganda.« Und wenn Adams freundlich und selbstzufrieden von schwarzen Zahlen spricht, die das Hotel heute schreibt, liegt das natürlich auch an den Steuervergünstigungen in Ostdeutschland und daran, dass Investoren 50 Prozent der Herstellungskosten als Sonderabschreibung verrechnen konnten. Einige Firmen hatten beim Bundesvermögensamt flächendeckend eingekauft. Die Essener Schmidt Gruppe renovierte für 245 Millionen Euro 21 denkmalgeschützte Bauten. Zu den Travel-Charme-Hotels gehören das Kurhaus in Binz und das Haus am Meer in Ahrenshoop. Der Tourismus hat in Mecklenburg-Vorpommern Geschichte, die Strände haben Urlauber seit je gelockt. Dichter und Denker erholten sich auf Rügen, Kaiser und Adel auf Usedom. Das erste deutsche Seebad wurde 1793 Heiligendamm, wo in wenigen Monaten ein Luxushotel mit Resort-Charakter eröffnet wird. Die Häuser aus dem Klassizismus haben Heiligendamm den Titel »weiße Stadt am Meer« eingebracht.
Niemand sonst weiß auf dem Darß so genau, wo die Urlauber herkommen, wie die Parkplatzwächterin hinter Ahrenshoop. Mit gelassenem Blick scannt die dicke Dame jedes Autokennzeichen. »Viele Besucher sind aus Berlin, Hamburg und Hessen«, sagt sie und lächelt dann so charmant wie Marianne Sägebrecht. Die dicke Dame strahlt aus, was hier viele Menschen ausstrahlen: Was schert einen die Welt, wenn man selbst im Paradies wohnt. Studien des Institutes für Tourismus- und Bäderforschung in Nordeuropa (N.I.T., Kiel) haben gezeigt, dass Mecklenburg-Vorpommern Schleswig-Holstein zwar nicht die Stammklientel der Ostsee streitig macht, dafür aber stets neue und vor allem jüngere Urlauber begeistert. Zudem kommen die Gäste vermehrt auch im Winter. Die Nachfrage steigt seit Jahren proportional zum Angebot, und das erhöhte sich von 67 000 Betten 1993 auf zirka 165 000 im vergangenen Jahr.
Schleswig-Holstein verbindet mit Mecklenburg-Vorpommern heute nicht mehr als der Bindestrich. Die westliche Ostseeküste beginnt hinter wildem Grün der einstigen Zonengrenze, der Zustand der Straßen erinnert vielfach an Transitstrecken. Manchmal wummern die Stoßdämpfer, während sich das Auge auf die architektonische Enge der Lübecker Bucht einzulassen versucht. Riesige Betonstalagmiten stehen in Travemünde und Timmendorf und Sierksdorf. Sie vermitteln Urlaubern ein Gefühl von sozialer Gleichheit und erheben sich über die Landschaft, die hier nicht abrupt am Meer abbricht, sondern lediglich als schmaler Sandstreifen zu sehen ist. Man nennt das hier Strand. Für täglich sechs Euro Kurtaxe steht man in Timmendorf wie vor einer Badewanne, in die die touristische Großfamilie gemeinsam reinzuspringen versucht.
Eines der Bettenhochhäuser in Timmendorfer Strand ist das Maritim Seehotel. Im Foyer weist ein Schild zum Tagungsraum, in dem Ärzte über Schmerztherapien diskutieren. Der Herr an der Rezeption verlangt 165 Euro für die Übernachtung, lässt sich nach Besichtigen des Zimmers aber auf 150 Euro runterhandeln. Der Teppichboden ist schrammelig, das Holz der Einbauschränke verblasst, und im Wellnessbereich zeigen nicht nur die verkalkten Duschköpfe Spuren des Verfalls. Aber das ist ein grundsätzliches Problem von Timmendorfer Strand: Die Preise entsprechen vielfach nicht dem Angebot und sind derart hoch, als würde der internationale Jet-Set hier ein und aus gehen. Dabei läuft heute nur noch Rudi Carrell über die Kurpromenade.
Timmendorfer Strand wollte immer etwas Besonderes sein. Die Buchhandlung an der Kurpromenade nennt sich »Bellestristik - die etwas andere Buchhandlung« und der Friseursalon firmiert als »Coiffeur Bernd Wellness Lounge«. Eduard Moser bietet Kutschfahrten »an kühlen Tagen auch mit Decke« an. Und das Restaurant Kleines Landhaus nennt seine Hühnchen »Poularden«, um dann 26,25 Euro für ein gewöhnliches Dreigängemenü zu verlangen. Timmendorfer Strand soll wieder glänzen. Die Kurpromenade wurde nun mit Klinker, Granit und Bronze neu gestaltet. »Vorher haben wir hier morgens die Kleiderständer rausgestellt, nachmittags waren sie versackt«, sagt eine Boutique-Angestellte und begrüßt eine Kundin, die ihren frisierten Yorkshireterrier im Gucci-Täschchen spazieren trägt.
»Die steigenden Gäste- und Übernachtungszahlen, die bis Anfang der neunziger Jahre vorliegen, haben manchen Anbieter verwöhnt; das Bewusstsein für Handlungsnotwendigkeiten ist trotz der schwierigen Marktsituation nicht überall vorhanden.« Das sind Sätze aus einer Tourismuskonzeption für Schleswig-Holstein, die nun im Auftrag des Ministeriums für Landwirtschaft und Tourismus erstellt wurde. Der Aufbau Ost hat, touristisch gesehen, zum Abbau West geführt. Armin Dellnitz, Geschäftsführer der Tourismusagentur Schleswig-Holstein (TASH), sagt: »Schleswig-Holstein hatte an der Ostsee immer eine Monopolstellung. Hier musste niemand in seine Produkte investieren.« Heute bedürfe manch ein Hotel »der dringenden Renovierung«. Das Maritim Seehotel hat vor zwei Jahren elf Millionen Mark investiert. Von den 241 Zimmern sind bisher 109 erneuert, auch die Kongressräume wurden renoviert. »Ohne Tagungsgäste könnten wir schließen«, sagt Hoteldirektor Jochen Stop. An diesem Morgen sitzt man als Urlauber denn nicht nur unter Schmerztherapeuten. Eine Gruppe Friseurinnen und Friseure tagt über neue Haartrends. Neben dem Außenpool flattert eine Goldwell-Fahne im Küstenwind.
Gemütliches Eck mit Tüllgardinen
Schleswig-Holstein ist das am höchsten verschuldete Bundesland. Es würde im stummen Wellenschlag der Ostsee baden gehen, wenn Urlauber nun merkten, dass sie in Mecklenburg-Vorpommern mehr für ihr Geld bekommen, und dem Westen den Rücken kehrten. Die für Landwirtschaft und Tourismus zuständige Ministerin Ingrid Franzen (SPD) hat das Geschäft mit den Urlaubern zur Chefsache erklärt. Das neue Tourismuskonzept soll rasch umgesetzt werden. Franzen möchte Qualität und Luxus und die Ostsee in Zukunft mit Mecklenburg-Vorpommern gemeinsam vermarkten. »Uns fehlen Vier-Sterne-Hotels«, sagt die Ministerin. Investoren zu finden ist jedoch nicht leicht, mit ostdeutschen Förderprogrammen kann sie nicht konkurrieren. Momentan interessieren sich Privatfirmen für den Bau von Meeresparks. Ein solches Freizeitghetto gibt es schon. Es heißt Hansa-Park und ist von Timmendorfer Strand aus gar nicht zu verfehlen. Man passiert den Minigolfplatz von Scharbeutz, die Bistros mit den schmiedeeisernen Gittern und Plastiktischdecken in Haffkrug und steht dann vor drei Hochhäusern, die schlicht Haus A, Haus B und Haus C heißen. Sie erinnern an die Berliner Gropiusstadt. Wer sich hier nicht aus dem Fenster stürzt, kann zum Beispiel die Kneipe Zum gemütlichen Eck besuchen. Sie ist in einer Garage, braun-weiß. In den Fenstern hängen Tüllgardinen, darunter stehen Plastikblumen. Der Hansa-Park ist gleich hinter dem Gemütlichen Eck. Rutschen, Wildwestabteilung, Wasserzirkus erinnern an ein Freizeitfossil der siebziger Jahre. Weiter unten am Strand stehen die ersten Ferienapartments bereits leer. Man kann sie für viel Geld kaufen und blickt dann auf den Innenhof.
--------------------------------------------------------------------------------
Information
Hotels: Strandhotel Fischland, Ernst-Moritz-Arndt-Straße 6, 18347 Ostseebad Dierhagen Strand, Tel. 038226/520, Fax 529 99, Internet: www.Strandhotel-Fischland.de. Für ein Doppelzimmer sind zwischen 100 und 202 Euro zu zahlen. Einzelzimmer ab 74 Euro
Hotel Haus am Meer, Dorfstraße 36, 18347 Ahrenshoop, Tel. 038220/808 16, Fax 806 10. Doppelzimmer einschließlich Frühstück ab 115 Euro
Maritim Seehotel, Strandallee 73, 23669 Timmendorfer Strand, Tel. 04503/60 50, Fax 605 24 50, Internet: www.maritim.de. Bis Ende Juli kostet das Doppelzimmer pro Tag ab 228 Euro, Frühstück inklusive
Museum: Forst- und Jagdmuseum Ferdinand von Raesfeld, Alte Oberförsterei, Chausseestraße 64, 18375 Born/Darß, Tel. 038234/302 97, Fax 302 99. Geöffnet von Montag bis Samstag von 10 bis 16 Uhr. Der Eintritt beträgt 3 Euro
Auskunft: Tourismusverband Fischland-Darß-Zingst e. V., Barther Straße 31, 18314 Löbnitz, Tel. 038324/64 00, Fax 640 34. Ostseebäderverband Schleswig-Holstein e. V., Strandallee 75a, 23669 Timmendorfer Strand, Tel. 01805/70 07 08, Fax 70 07 09 (12 Cent pro Minute)
DIE ZEIT Reisen 31/2002
-----------
Mecklenburg-Vorpommern:
http://www.bilderbogen-deutschland.de/mvp_start.htm
Schleswig-Holstein:
http://www.bilderbogen-deutschland.de/sh_start.htm
Die schönsten Badeseen
http://www.sueddeutsche.de/index.php?url=/reise/sommerspezial/baden/13893&datei=index.php
Baden vor Bergpanorama (dpa )
http://www.sueddeutsche.de/index.php?url=/reise/sommerspezial/baden/13894&datei=index.php
Baden mit Alpenblick
http://www.sueddeutsche.de/index.php?url=/reise/sommerspezial/baden/13895&datei=index.php
Routen vom Altmühltal bis Glonn
Die angegebenen Schwierigkeitsgrade sollen zur Orientierung dienen und gehen von durchschnittlich trainierten Radfahrern aus. Die einzelnen Routenbeschreibungen enthalten eine genauere Bewertung.
http://www.sueddeutsche.de/index.php?url=/reise/sommerspezial/radeln/13887&datei=index.php
Die Reither Spitze über Seefeld
Als Loipenparadies hat Seefeld einen großen Namen. Kaum bekannt sind die Wanderrouten in der Erlspitzgruppe – trotz des Traumpanoramas.
http://www.sueddeutsche.de/index.php?url=/reise/sommerspezial/wandern/48384&datei=index.php
______
Weitere Bergtouren:
Almrausch von Hochiss bis Tajatörl
http://www.sueddeutsche.de/index.php?url=reise/sommerspezial/wandern/13793
eine Ausstellung erinnert an den Bistumspatron Kaiser Heinrich II. und seine Epoche
Blicke durchs Zeitfenster
Wie lebten Herrscher und Fußvolk vor 1000 Jahren?
Kostbare Exponate und pfiffige Inszenierungen geben Antwort -
Besucher kommen ins Staunen.
von Brigitte Geh
Die Luft flirrt unter der Julisonne, die Sinnestäuschung ist perfekt:
Der Domplatz ist eine grandiose historische Bühne, die Passanten sind die Akteure. Ein Moped kommt vom Dom herüber, passiert ein rußgeschwärztes Gehöft vor der barocken Neuen Residenz und rollt durchs mittelalterliche Tor der Alten Hofhaltung. Einen Lidschlag lang verschmelzen die Jahrhunderte.
Was für eine Kulisse für die Landesausstellung "Kaiser Heinrich II.", die vom Haus der Bayerischen Geschichte, der Stadt Bamberg mit Diözesanmuseum und Staatsbibliothek veranstaltet - oder besser inszeniert wird!
Mit Leihgaben aus ganz Europa, von London bis zum Vatikan, von denen wir viele wahrscheinlich nie mehr zu Gesicht bekommen werden. Zudem sind die Exponate nicht nur dekorativ zwischen Ein- und Ausgang aufgereiht. In einer einzigartigen Mittelalter-Schau werden sie zum Leben erweckt. Ein Konzept mit Pfiff, das die Besucher einen Sommer lang in die Lebensumstände vor 1000 Jahren einbezieht, in die enorme Spannbreite zwischen Herrscher und Fußvolk, zwischen Lehmböden und goldbestickten Seidengewändern.
"Da drin spielt die Musik, echt cool", erklärt uns ein Knirps und deutet auf den Eingang zur Hauptausstellung in der Alten Hofhaltung. Ein Mädchen zieht ihn weg: "Wir müssen unsere Fragen beantworten!" Sie hält einen Bilderbogen hoch, den alle Kinder bekommen. Für die richtigen Antworten zur Ausstellung gibt's einen Preis.
"Vergangenheit erfahrbar und lebendig werden lassen" ist das Motto in den Räumen der Hofhaltung. Ein Zeitfenster öffnet sich zwischen den Jahren 1002, als Heinrich zum ostfränkisch-deutschen König gekrönt wird, und seiner Kaiserkrönung 1024 in Rom. Herzog, König, Kaiser, Heiliger. Machtgier und Kriegszüge, Taktik und List. Religiöser Eifer und Gottesfurcht - Heinrich bleibt der Nachwelt keinen Widerspruch schuldig. Geburtsort und -zeit werden ihm nachträglich zugedacht, eine authentische Abbildung gibt es nicht. Unermüdlich bereist der stets Kränkelnde sein Reich, das keine festen Grenzen, keine Hauptstadt oder Residenz hat. Heinrichs Thronsitz ist der Sattel.
Die Ausstellung ermuntert nicht nur zum Schauen, sondern zum Anfassen, Riechen und Hören. Sichtlich ergriffen ist ein Besucher, der gerade der Krönungsmesse lauscht. Erstaunte Konzentration bei jedem, der die verschiedenen Sprachproben aus Heinrichs Reich abhört, den Besuch von Papst Benedikt VIII. zum Osterfest 1020 in Bamberg als "Tagesschau"-Event erlebt oder mit historischen Strategiespielen am Computer experimentiert. Freie Bahn für die Phantasie auch im Marstall, wo Heinrichs geschickte Kirchenpolitik besonders humorvoll in Szene gesetzt wurde - mehr wird hier nicht verraten.
Kinder spielen Räuber
Im Innenhof steht die Bühne, auf der das Kindertheater Chapeau Claque täglich ein Stück mit dem sinnigen Titel "Heinrich will nicht der Zweite sein" aufführt. Andernorts kann sich der Nachwuchs im Räuberlager oder bei mittelalterlichen Handwerksarbeiten vergnügen, vom Bauen am Gehöft bis zur Knochenverarbeitung. Oder sich die hohe Kunst der Buchmalerei vorführen lassen.
Exponate mittelalterlicher Buchkunst in der Staatsbibliothek. Dämmerlicht, damit die Kostbarkeiten keinen Schaden leiden. Schon in alten Zeiten wurden diese Meisterwerke in Schatzkammern gehütet. Wie war es möglich, mit den damaligen Mitteln solche Artefakte zu schaffen?
Zitat aus einem Werkstattbuch: "Und wenn du den Buchstaben entwirfst, so runde zuerst mit der Feder und verbinde seine Umrisse durch einen Schwung..." Fehler waren angesichts des teuren Papiers und der mühevollen Farbengewinnung nicht erlaubt.
Unermüdlich beschenkte Heinrich II. Bistümer und Klöster mit sakralen Prunkhandschriften, die er in den renommiertesten Skriptorien bestellte.
Für seinen Dom in Bamberg erbeutete er zudem Kunstschätze aus dem ganzen Reich. Durch die Gaben wollte er sich reichlich Fürbitten für sein Seelenheil sichern.
Nächste Station: das Diözesanmuseum.
Der Domschatz zeugt von der Pracht der Gottesdienste "zum Lobe Gottes und seiner Heiligen". Höhepunkte für die meisten Besucher sind jedoch Heinrichs berühmter blauer Sternenmantel, die Heiligsprechungsbullen des Kaiserpaares sowie das erstaunlich gut konservierte Leichengewand - Papstornat und Pontifikalstrümpfe - von Clemens II., der 1047 im Bamberger Dom seine letzte Ruhe fand, weshalb sich das Bistum mit dem einzigen erhaltenen Papstgrab nördlich der Alpen schmücken kann.
Der Kaiserdom.
Man steht davor, staunt und sieht ihm seine stolze Gewissheit an, dass er jeden seiner Betrachter überdauern wird. Im Innern weisen Tafeln auf die Bezugspunkte zur Ausstellung hin. Andrang am berühmten Riemenschneider-Sarkophag zu Ehren von Heinrich und Gemahlin Kunigunde, den beiden Heiligen. Ein streitbarer Kaiser und seine angetraute Mitregentin wurden heilig gesprochen?
Dieses einmalige Ereignis ist primär den Chronisten zu verdanken:
Die eher tragische Kinderlosigkeit des Kaiserpaares wurde posthum zum "Keuschheitsgelöbnis" umgedeutet. Dazu Heinrichs wohl bedachte Generosität gegenüber dem Klerus, das "Vermächtnis aller Besitztümer an Christus" - mangels natürlicher Erben -, Legenden hier und Wunder dort...
Ein Ketzer, wer dabei gar an den touristischen Profit denkt, den Bamberg aus der Heiligenverehrung zieht. Schließlich war dies Heinrichs "einzigartig geliebte Stadt", auch wenn er de facto nur ein Gelegenheits-Bamberger war. Und er hat eine Kirchenlandschaft hinterlassen, die sich optisch gefällig mit den Häusern dazwischen die sieben Hügel hinauf und hinunter stapelt.
Schön fürs Auge und Balsam fürs fromme wie kunsthistorisch neugierige Gemüt. Dass die Füße dabei Kopfstein-pflasterqual erleiden, ist eine andere Geschichte... Bequemes Schuhwerk empfiehlt sich ebenso wie der Blick fürs Detail:
Je krummer die Gasse, des- to mehr Kurioses gibt es bei altehrwürdigen Bauten, Läden und Innenhöfen zu entdecken.
So übersichtlich Deutschlands größte erhaltene Altstadt mit den als "Weltkulturerbe der Menschheit" geschützten Denkmälern zwischen Mittelalter und Barock auch erscheinen mag, vieles wird selbst dem aufmerksamsten Fußgänger entgehen.
Je nach Interesse sollte er sich deshalb vor Ort mit Informationen eindecken oder sich einer Führung zu speziellen Themen anschließen.
Dann wandelt es sich besser zum Beispiel "auf den Spuren von E.T.A. Hoffmann", dem phantasievollen Romantiker, der sich in seinen vier Bamberger Jahren als Enfant terrible des Theaters viele Inspirationen für seine Werke holte. In Geschichten von Hexenkunst und Teufelswerk, Bürgerstolz und Liebespein wird der Besucher auf einen Spaziergang zu "Geistern, Sagen und Legenden" entführt. Da hat Bamberg einiges zu bieten.
Serenade im Rosengarten
Schade wäre es, nicht auch vor die Tore der Stadt zu gucken:
Schloss Seehof und Schloss Weißenstein, Kloster Banz und die Basilika Vierzehnheiligen sind nur ein paar Autolängen entfernt.
Wer nach so viel geballter Historie ein wenig Sehnsucht nach der guten alten Sommerfrische verspürt, wandert entlang der Regnitz durch den Hain, ausgewiesen als Deutschlands erstes Naturschutzgebiet.
Im Wendekreis der Stadtbrauereien mit rund 60 Biersorten verabschiedet man sich - vielleicht nach einem Serenadenkonzert im romantischen Rosengarten der Residenz - von den Eindrücken des Tages auf einem Keller mit Panoramablick. Richtig: auf dem Keller! Sollte Ihnen eher "im Biergarten" auf der Zunge liegen, schlucken Sie's einfach runter. Wenn es um seine elementarsten lokalen Traditionen geht, versteht der sonst so gelassene Bamberger keinen Spaß!
Rheinischer Merkur
Lustige Kanufahrt ins Heuhotel
Eine erlebnisreiche Tour im Kanadier durch einen der schönsten Abschnitte des Weserberglandes. Nach der 3 - 4 stündigen Paddeltour geht es gestärkt mit Kaffee und Kuchen im gemächlichen Tempo mit dem Planwagen zu unserem romantischen Heuhotel. Dort erwarten wir Sie zu einem gemütlichen Grillabend. Wohl gesättigt und mit der nötigen
Bettschwere übernachten Sie im romantischen Heuhotel. Enthalten sind:
Begrüßungsüberraschung, Platz im Kanadier inkl. Schwimmweste und
Gepäcktonne, Paddeleinweisung, Picknick, Planwagenfahrt, Grillabend,
Übernachtung im Heu inkl. reichhaltigem Frühstücksbüfett. Buchbar von Mai - Oktober
Preis in EUR:
56,00 pro Person
34,00 pro Kind bis 12 Jahre
Fröhliche Landpartie ins Heuhotel
mit dem Planwagen das Weserbergland erkunden. Nach einer Begrüßungsüberraschung fahren wir Sie über die Ottensteiner Hochebene durch romantische Seitentäler der Weser und Emmer, mit Picknick,
Besuch eines Bildhauers im Wald und Besichtigung des schönsten Weserrenaissance-Schlosses, einem gemütlichen Grillabend und Übernachtung im weichen Heu. Am nächsten Morgen wartet ein
reichhaltiges Frühstücksbüfett auf Sie.
Preis in EUR:
44,00 pro Erwachsener
33,00 pro Kind bis 12 Jahre
http://www.heuhotelferien.de/
Erst ruhiges Wasser, dann schäumende Fluten: Paddeln auf der Isar ist der ideale Kurztrip für einen heißen Tag.
von Moritz Attenberger
http://www.sueddeutsche.de/imperia/md/images/banner/reise/sommer/trendsport/79.jpg
Vom Bayerischen Oberland bis nach München - eine Paddeltour auf der Isar als abwechslungsreicher Sommertrip.
"Baddln is lässig!" steht groß auf einem T-Shirt. Das Bild darunter zeigt schäumendes Wildwasser und mittendrin ein Kajak mit behelmtem Fahrer, der offenbar alle Hände voll zu tun hat, nicht zum Spielball der Wassermassen zu werden.
Wer wissen will, wie lässig Paddeln wirklich ist, sollte es erst einmal locker angehen lassen und einen ein- oder mehrtägigen Schnupperkurs buchen. Für eintägige Bootswanderungen per Kajak, Kanu oder Schlauchboot ist der Isarabschnitt von der Staumauer des Sylvensteinsees bis München ein Traumrevier. Auf der landschaftlich wunderschönen Strecke bereitet der Einstieg in den faszinierenden Wassersport kaum Probleme.
Überwindung vor dem Ausstieg unter Wasser
Um sich auf das nasse Abenteuer gut vorzubereiten, beginnen die meisten geführten Touren und Kurse mit Übungen in einem See. Mit dem Kajak absichtlich umzukippen und unter Wasser auszusteigen kostet Überwindung, ist aber für die eigene Sicherheit unerlässlich. Schon nach kurzer Zeit beherrschen alle Aspiranten das kippelige Gefährt recht gut, damit verliert auch die bevorstehende Isarbefahrung ihre Schrecken. Ausgerüstet mit Neoprenanzug, Spritzdecke, Schwimmweste und Helm wagt sich die Gruppe auf den Fluss.
Für die ersten Versuche im "Wildwasser" bietet sich die Isar an: von Wildwasser I bis II, will sagen unschwierig und mäßig schwierig, bis zur VI, an der Grenze der Befahrbarkeit, reicht die Schwierigkeitsskala des Münchner Hausgewässers. Gemütliches Paddeln steht also am Anfang, doch schon bald verkündet ein fernes Rauschen das Nahen der ersten WW II-Stelle. Immer schneller wird der Fluss, kleine Wellen schlagen über dem Bug des Kajaks zusammen, die Strömung schiebt das Boot frontal auf eine Felswand zu. Zeit die Bremse zu ziehen: Also Kurve einleiten, dann heftige Paddelrückschläge, Hüfte drehen, Bug rumkriegen – geschafft! Die erste Feuerprobe ist bestanden.
Die Strömung lässt nach. Endlich bleibt den Fahrern Zeit zum Schauen und genießen. Auf den glasklaren Fluten treibt das Kajak gemächlich dahin, während am Ufer die idyllische Landschaft mit den sanften Linien der Voralpen im Hintergrund vorbeizieht. Längst machen die schnelleren Abschnitte keine Probleme mehr, man hat Spaß an der Geschwindigkeit und am spritzenden Wasser und horcht voller Vorfreude nach dem nächsten Rauschen eines Schwalls. Nach einem halben Tag auf dem Fluss ist man wie verwachsen mit dem Kajak. Da fällt das Aussteigen schwer, das Verstehen dagegen leicht. "Baddln is echt lässig!" Wo gibt es eigentlich dieses T-Shirt?
Wissenswertes:
Anfahrt, Schwierigkeit und Veranstalter:
http://www.sueddeutsche.de/reise/infokasten/49342/index.php?url=reise/sommerspezial/extra/49334
Sommer am Bodensee - hier findet jeder seine Ferien-Seligkeit. Wasser, Wald und wellige Moränenlandschaften bieten ständig neue Eindrücke.
Von Monika Zeller
Sundowner auf der Terrasse. Der warme Wind fächelt über die Wellen; das Abendlicht wirkt wie ein Weichzeichner. Am Ufer ragen hölzerne Pfahlbauten empor, spiegeln sich im stillen Wasser - und erinnern an Stelzen-Bungalows aus jenen Hochglanzmagazinen, die Sehnsucht nach der Ferne wecken, nach Bora Bora etwa oder einem anderen Südseetraum.
Doch wir sind nicht auf Bora Bora, wir sind in Unteruhldingen.
Nicht Südsee, sondern Bodensee, dem drittgrößten Gewässer Mitteleuropas mit 539 Quadratkilometern; an manchen Stellen mit 254 Metern tiefer als die Ostsee.
Felchen statt Langusten, badischer Wein statt Südsee-Cocktail. An der Strandpromenade von Unteruhldingen lacht die Lebenslust. Tropische Leichtigkeit, wenn die Luft über der weiten Wasserfläche flimmert, auf der die Abendsonne zehntausend Lichtblitze tanzen lässt - auch wenn das Wasser höchstens 19 Grad warm wird.
Die berühmten Pfahlbauten gehören zum Freilichtmuseum - es sind originalgetreue Rekonstruktionen der Hütten aus der Stein- und Bronzezeit. Unter Sauerstoffabschluss hatten sich Reste der Bauernhäuser im Seeboden über Jahrtausende hinweg erhalten. In diesem Jahr wurde das Pfahlbautenmuseum um ein weiteres Dorf mit fünf Hütten erweitert. Der Schweizer Künstler Gerry Embleton stattete sie mit täuschend echt wirkenden Menschen- und Tierfiguren aus, entführt so in prähistorischer Zeit, als die ersten Siedler am Bodensee geschützes Leben suchten. Vor 5000 Jahren war es übrigens fast Südsee-heiß am Bodensee. . .
Am Horizont taucht ein geheimnisvolles, flaches Boot wie aus einer anderen Welt auf. Die Abendbrise bläht das Rahsegel am Masten des altertümlich ausschauenden Gefährts. Es ist eine "Lädine", Boote, wie sie im Mittelalter für die Bodensee-Schifffahrt entwickelt wurden. Der historische Nachbau legt täglich vom Immenstaad zu Rundfahrten ab. Romantischen Gemütern seien die besonders stimmungsvollen Törns zum Sonnenuntergang empfohlen.
Sommer am Bodensee - hier findet jeder seine Ferien-Seligkeit. Wasser, Wald und wellige Moränenlandschaften bieten ständig neue Eindrücke. An den Rebhängen wächst köstlicher Seewein, knackiges Obst reift auf den Plantagen, die Blumeninsel Mainau begeistert das ganze Jahr die Besucher ebenso wie die Klöster der Insel Reichenau, die in die illustre Liste des Unesco-Weltkulturerbes aufgenommen wurden. Eine große Anzahl von Segel-, Surf- und Tauchschulen vermitteln erfrischende Erlebnisse auf und unter Wasser. Tiefe Schluchten und Panoramawege locken zu spannenden Wanderungen, und Radler können auf dem beliebten Bodensee-Radweg den ganzen See umrunden oder vom Rad immer mal wieder auf die Fähren und Kursschiffe wechseln und sich ein Stück schippern lassen. Für unbeschwerten Radelgenuss auf dem Bodensee-Radweg sorgt erstmals der neue Gepäck-Transfer-Service für Individualisten. Ob bei der großen Runde oder nur auf Teilstrecken, das Gepäck erreicht stets vor den Pedalrittern das nächste Hotel (Info-Tel. 07531/942 36 40, Internet: www.bodensee-radweg.com (http://www.bodensee-radweg.com))
Auch hat sich der Bodensee in den letzten Jahren zum Mekka der Inline-Skater entwickelt. Die vielen asphaltieren Uferwege lassen sich zu leichten bis anspruchsvollen Touren kombinieren. Junge und Junggebliebene können bis Mitte September Skater-Wochenendpauschalen buchen (Informationen: www.skatethelake.de (http://www.skatethelake.de)).
Sommer am Bodensee - das ist auch Bummeln an Seepromenaden und durch schnuckelige Orte und Städtchen mit einladenden Cafés, Restaurants und Boutiquen. Immer wieder Meersburg mit seinen Postkartenmotiven natürlich, Lindau mit der löwenbewachten Hafeneinfahrt oder das historische Konstanz, die einst mächtige Handelsmetropole am See. Dazu kommt eine kaum überschaubare Vielfalt an kulturellen Höhepunkten und sommerlich-unbeschwerten Festen.
Etwa die Stadt-, Strand- und Weinfeste in nahezu allen Bodensee-Orten, am berühmtesten das grenzübeschreitende Seenachtsfest Konstanz-Kreuzlingen am 10. August. Wer es weniger turbulent mag, kann sich beispielsweise beim Überlinger Orgelsommer vom 9. bis 30. August im Nikolaus-Münster bei klassischer und moderner Orgelmusik erbauen, und die Freunde grandioser Opernszenierungen pilgern selbstverständlich wieder zu den Festspielen nach Bregenz, wo noch bis zum 18. August 2002 Giacomo Puccinis tragische Liebesgeschichte "La Bohème" über die überdimensionale Seebühne mit ihrem spektakulären Kulissenbild geht.
Der Sommer am Bodensee bietet auch kulinarische Extravaganzen: Spitzenküche wird in diesem Jahr nicht nur in den vielen guten bis hochdekorierten Restaurants in den Städten aller drei Bodensee-Länder geboten. Unter dem Titel "Szenario Gusto" laden von Juli bis September Sterneköche zu kulinarischen Höhepunkten an ganz ungewöhnlichen Orten ein - wie auf ein "Schlemmer-Floß" bei Seezeichen 6, wo sich am 26. Juli mehr als 100 Gäste auf einem großen Ponton am viergängigen Menü bei Sonnenuntergang laben können. Besonders stilvoll geht es bei einer Dinner-Fahrt mit Sechsgang-Menü des mit 14 Gault-Millau-Punkten ausgezeichneten Kochs Hansjörg Ladurner am 25. August auf der Luxus-Yacht "Emily" zu.
Am 20. September servieren nach einem Empfang durch Michael Prinz von Baden der Küchenchef des Markgräflich Badischen Gasthofs Schwanen, Horst Biedermann, und der Haubenkoch Clemens Bader ein sechsgängiges Festmenü auf Schloss Salem bei Unteruhldingen. Und am 21. September legt die MS "Graf Zeppelin" als Weinschiff von Meersburg mit berühmten Gewächsen der Region.
Tipps und Infos
Bodensee-Erlebniskarte:
Sie umfasst freie Fahrten mit den Schiffen der "Weißen Flotte", mit der Säntisschwebebahn, Pfänderbahn und 13 weiteren Bergbahnen, freie Stadtführungen, freier Eintritt auf die Insel Mainau, in das Sea Life Centre Konstanz, am Affenberg Salem, im Schloss Salem, Zeppelin-Museum, Pfahlbaumuseum und in der Alte Burg Meersburg und gilt wahlweise für 3, 7 oder 14 Tage. Die Sieben-Tage-Karte kostet 60 Euro, Kinder von 6 bis 15 Jahren zahlen 37 Euro.
Bodensee-Erlebnisreisen:
Eine Fülle von Angeboten für Radler, Wanderer, Familien und Genießer findet sich im Katalog "Bodensee-Erlebnisplaner". Die Angebote reichen von Schlemmerreisen bis zu Kulturpauschalen.
Pfahlbaumuseum Unteruhldingen:
Geöffnet von April bis September, 8 bis 18 Uhr, Einritt fünf Euro.
Auskunft: Informationen zur Erlebniskarte und den Katalog "Erlebnisplaner" gibt es bei der Internationalen Bodensee-Tourismus GmbH, Insel Mainau, 78465 Konstanz, Telefon 07531/90 94 90, Fax 07531/90 94 24.
DIE WELT
Hallo Eliska, :)
danke für deinen Bodenseetipp, du hast damit schöne Erinnerungen wachgerufen.
Mein Mann hat in Konstanz studiert, und unser erster gemeinsamer Ausflug hat
uns nach Unteruhldingen geführt. ;)
Auwei, ich darf gar nicht nachrechnen, wie lange das schon her ist.
An etwas, das so in der Nähe liegt, denkt man fast nicht mehr, da müssen wir mal wieder hin.
Letztes Jahr waren wir in St.- Peter Ording nach einigen Jahren mal wieder an der
Nordsee, und haben dort drei wunderschönen Wochen erlebt.
Wenn man das Wetter mitbuchen kann ;) ein richtig guter Urlaubstipp:
Ich hab' da noch ein Bild, wie mir der Strand von St.-Peter in bester Erinnerung ist:
http://st.peter-ording.de/galerie/strand2.jpg
http://st.peter-ording.de/nordseeurlaub.htm
Danke, Frechdax,:)
besonders auch für den neuen Tipp!
Deutschland ist sooo schön!
Ich freue mich über jeden Hinweis!
Liebe Grüße
Eliska:)
Für jeden, der sich einige Zeit lang aus dem Alltagsstress ausklinken möchte, ist Hiddensee in der Tat ein idealer Fluchtort. Auch deshalb, weil es etwas Mühe macht, dorthin zu kommen. Eine Brücke nach Rügen gibt es nicht, die Fährschiffe nehmen keine Autos mit.
Wenn während seiner Kirchenführung in einer Handtasche ein Handy klingelt, nimmt Manfred Domrös das mit Humor. Doch eine spitze Bemerkung lässt nicht lange auf sich warten: "Wer auf Hiddensee sein Telefon anlässt, ist selber schuld", sagt der 58-jährige Pfarrer, denn für Hektik sei hier kein Platz. Der Theologe, der seit 17 Jahren die evangelische Gemeinde auf der Insel betreut, möchte den vielen Touristen vermitteln, was die 1100 Bewohner des kleinen Eilandes westlich von Rügen täglich erleben.
Für Autos gibt es hier kaum Möglichkeiten, bewegt zu werden:
Die Hauptstraße in Kloster, dem nördlichsten der drei Inseldörfer, ist und bleibt ungeteert. Unter den Baumkronen, die ein Dach über der Huckelpiste bilden, fahren allein Radfahrer und Pferdekutschen, die in gemächlichem Tempo an den reetgedeckten Häusern vorbeiziehen.
Trotz aller Beschaulichkeit bietet Hiddensee allerdings kein Robinson-Crusoe-Erlebnis - zumindest nicht im Sommer. Rund 4000 Gästebetten stehen auf der fast 17 Kilometer langen und maximal drei Kilometer breiten vorpommerschen Insel zur Verfügung. Hinzu kommen in Spitzenzeiten rund 3000 Tagesbesucher, die mit Fähren von Schaprode auf Rügen und Stralsund sowie mit Ausflugsbooten von Breege auf Rügen und der Halbinsel Darß-Zingst Kurs auf Hiddensee nehmen. Obwohl damit sieben Mal mehr Touristen als Einwohner auf der Insel sind, wird es jedoch nicht rummelig - die Urlauber verteilen sich meist ganz gut.
Wer länger auf Hiddensee bleibt, zieht tagsüber zumeist an den Sandstrand an der Westküste und überlässt die anderen Attraktionen den Gästen, die nur ein paar Stunden Zeit haben. Die meisten von ihnen pilgern vor allem nach Kloster - und das aus zwei Gründen: Zum einen bietet der 72 Meter hohe Dornbusch-Hügel dort einen prima Blick über die Insel. Sogar die Kirchtürme und die Volkswerft im fernen Stralsund sind bei gutem Wetter zu sehen. Und zum anderen ist Kloster der Ort, der am stärksten mit Gerhard Hauptmann verknüpft ist.
"Das geistigste aller deutschen Seebäder"
Der Literaturnobelpreisträger kam 1926 bis 1943 in jedem Sommer auf die Insel, die er für das "geistigste aller deutschen Seebäder" hielt, weil auch andere Künstler hier gerne ihre Zeit verbrachten. Das "Haus Seedorn", in dem Hauptmann dann lebte und das er 1930 kaufte, ist heute ein Museum. Innen und außen sieht noch immer alles so aus, wie es Hauptmann mitten im Zweiten Weltkrieg verlassen hat.
"Man soll sich vorstellen können, dass Hauptmann gleich noch einmal vorbeischauen könnte", sagt Museumsleiterin Sonja Kühne. Neben Literaturfreunden, die sich für die Wirkungsstätte des Verfassers von Werken wie "Die Ratten" und "Vor Sonnenaufgang" interessieren, zieht das "Haus Seedorn" daher auch viele andere Besucher an: "Nicht alle sind Hauptmann-Fans. Viele kommen auch, weil sie mal sehen wollen, wie ein Haus in den zwanziger und dreißiger Jahren eingerichtet war."
Bestattet wurde Gerhard Hauptmann 1946 auf dem Inselfriedhof in Kloster - seinem Wunsch entsprechend in einer Mönchskutte und mit dem Neuen Testament unter den Händen. Ein schwerer, mannshoher Findling markiert sein Grab und das seiner Frau. Doch ist der Dichter nicht der einzige Prominente, der an der Kirche von Pastor Manfred Domrös seine letzte Ruhestätte gefunden hat: Auch Puppenschöpferin Käthe Kruse und die Tanzpädagogin Gret Palucca sind hier begraben.
Große Häuser passen nicht auf die Insel
Die Kirche von Kloster ist das einzige, was von der Zisterzienserabtei übrig ist, die dem Ort einst ihren Namen gab und die nach der Reformation verfiel. Pastor Domrös ist darüber nicht unglücklich: "Auf diese Insel passt kein großes Haus", sagt er, bevor er während seiner Führung die Zehn Gebote auf Plattdeutsch vorstellt und Details des Kircheninneren erklärt. So erfahren die Zuhörer etwa, dass der von der bunt bemalten Tonnendecke hängende Engel früher bei Taufen herabgelassen wurde, um aus einer Art Füllhorn das Taufwasser zu spenden. "Dass der etwas drall aussieht, liegt daran, dass er von jemanden geschnitzt wurde, der sonst nur Galionsfiguren gemacht hat."
Nicht nur die große Abtei hat Hiddensee in der Vergangenheit verloren: Der Wald, der die Insel einst überzog, wurde im Dreißigjährigen Krieg abgeholzt, so dass sich die Mitte und der Süden rund um die Orte Vitte und Neuendorf heute vor allem als flaches Heide- und Weideland präsentieren. Teilweise wieder aufgeforstet wurde dagegen im 19. Jahrhundert aus Gründen des Küstenschutzes der Dornbusch, an dessen nach Norden gerichteter Steilküste kräftig die Ostsee nagt. Jährlich rund 30 Zentimeter weicht das Kliff dort zurück.
Der Dornbusch ist eine Hinterlassenschaft der letzten Eiszeit vor 12.000 Jahren, als die Gletscher hier Sand, Geröll, Ton und Mergel aus Skandinavien zusammenschoben. Wie der größte Teil der Insel, gehört er zum Nationalpark Vorpommersche Boddenlandschaft. Das Ziel der Besucher, die den von Weißdorn, Hasel, Thymian, Golddistel und Roter Heckenkirsche bewachsenen Hügel "erklimmen", ist zumeist der bald 115 Jahre alte Leuchtturm ganz im Norden. Das Wahrzeichen Hiddensees ist zugleich das beliebteste Motiv aller Hobbyfotografen.
Schnelles Wassertaxi
Nach 16 Uhr verlassen die Tagesbesucher Hiddensee dann wieder - von Kloster aus braucht die Fähre zurück nach Schaprode 75 Minuten, von Vitte aus sind es 45, von Neuendorf aus 30 Minuten. Wem das zu lange dauert, kann sich auch ein schnelles Wassertaxi kommen lassen, das Rügen in zehn bis 20 Minuten erreicht. Wer keine Telefonkarte besitzt - auf Hiddensee gibt es immer noch gelbe Telefonhäuschen - müsste dazu allerdings wieder sein Handy einschalten. Und die Hektik des Alltags hätte einen dann doch schon auf der Insel ein wenig wieder gepackt.
Christian Röwekamp, gms
http://www.spiegel.de/reise/europa/0,1518,208949,00.html
Auf Hiddensee war ich schon mehrmals - super Tip, ist für mich persönlich das schönere
Sylt, alles noch sehr ursprünglich, unverbaut, kein Schickimicki, Erholung pur und gar nicht "ostig".
Für Leute, die mit dem Auto kommen wollen: In Schaprode (Rügen) gibt´s einen großen, bewachten Parkplatz; für Bahnreisende: bis Stralsund fahren, dann Fähre nehmen.
Viel Spaß! :)
Danke, Carlo, für diesen Kurzbericht! :)
Gruß
Eliska
von Hanne Bahra
Usedom, das war die warme, wohlklingende Formel für Vater, Mutter und Kind; die heile Welt in der Sandburg. Bis zum Grundwasser haben wir damals den Strandkorb versenkt. Das ist heute verboten. Die pechschwarzen Fischerhütten zwischen den struppigen Dünenhügeln aber gibt es noch.
http://www.geo.de/GEO/reisen_laender/deutschland/2002_06_saison_usedom/02_popup.jpg
Heringsdorf, der größte Badeort auf Usedom
Endstation Sommersehnsucht
Durch die zierlichen Balkongitter sehe ich schon vom Bett aus das Meer. Fischer ziehen ihr Boot durch den Sand und waten bis zum Bauch ins morgenkalte Wasser. Ich drehe mich noch einmal auf die andere Seite. Urlaub. Morgen, morgen werde ich ganz früh aufstehen. Dann frage ich einen der Fischer, ob er mich mit hinausnimmt aufs Meer. Ich träume einen Kindheitstraum. Usedom für mich ist das ein anderes Wort für früher. Die großen, braunen Koffer im Flur, die lange Fahrt von Berlin bis zur Peenebrücke, wo schon damals die Angler tagelang ihre langen Schnüre in die Fluten hielten. Am anderen Ufer das leuchtend rote Schindeldach des Lotsenturms von Karnin, das Dunkelgrün des Usedomer Forsts, hinter sieben Hügeln schließlich die Seebäder Ahlbeck, Heringsdorf, dann die ersten weißen Villen von Bansin. Endstation Sommersehnsucht.
Seetang und Sonnenmilch
Usedom, das war die warme, wohlklingende Formel für Vater, Mutter und Kind; die heile Welt in der Sandburg. Bis zum Grundwasser haben wir damals den Strandkorb versenkt. Das ist heute verboten. Die pechschwarzen Fischerhütten zwischen den struppigen Dünenhügeln aber gibt es noch.
Gleich nach dem Frühstück steige ich die Treppe hinab zum Strand. Der Wind riecht nach Seetang und Sonnenmilch. Der hölzerne Handlauf, die weißen Farbfetzen, von der salzigen Seeluft jedes Jahr neu vom Geländer gelöst, zwischen meinen Fingern, alles weckt Erinnerungen. In weichem Bogen rahmt der breite Strand die See. 40 Kilometer weißer Sand.
Ein riesiger Buddelkasten
Richtung Westen hebt sich das Ufer aus dem Meer. Der höchste Punkt ist der Streckelsberg mit seinen silbrigen, efeuumschlungenen Buchen. Manchmal spielt der Wind hier nur zärtlich im Laub, wispert mit den Halmen des Strandhafers, dann aber heult er auf und reißt wieder tiefe Wunden in den Küstenberg. Richtung Osten stehen dicht am Strand die pastellfarbenen Hotels und Pensionen der Jahrhundertwende, kaum ein Neubauklotz unterbricht die zehn Kilometer lange architektonische Heiterkeit aus Türmchen, Balkonen, Säulen und Erkern. Ich kann das Haus der Kindheit nicht mehr herausfinden. Vielleicht ist es längst einem der neuen Hotels gewichen, die sich wiederum mit dem Zierrat des alten Bäderstils schmücken. Die Insel hat sich seit meinen Ferienzeiten verändert: Manches ist wieder wie ganz früher. Wie der Zwiebelturm auf dem Bansiner "Hotel zur Post".
http://www.geo.de/GEO/reisen_laender/deutschland/2002_06_saison_usedom/04.jpg
... und in der Villa Oppenheim machte Lyonel Feininger Urlaub
Wechselbäder deutscher Geschichte
Im Restaurant "Banzino" schält sich aus einer schwatzenden Runde von Schwaben der Wirt heraus. Kariertes Sakko, Krawatte, ein breites Lächeln. Gerhard Gühler, in der Seele halber Schwabe, von Statur ganzer Pommer, zeigt auf die Fotos an der Wand: Das "Hotel zur Post" 1903 und 1990, mal mit, mal ohne Turmspitze. 1953 floh die Familie bei Nacht und Nebel vor der "Aktion Rose", dem großen Enteignungsrundumschlag, nach Stuttgart. In das Haus zog die HO. Gühler war damals 10 Jahre alt. Später wollte er nicht Gastwirt werden wie der Vater. Er machte Karriere als Verkaufsleiter einer Fluggesellschaft. Dann fiel die Mauer, und er dachte sich: Nimm den roten Socken dein Elternhaus wieder weg. Millionen hat er in Um- und Ausbau investiert.
Die alten Kaiserbäder
Fast alle alten Villen der Seebäder sind inzwischen saniert worden. Hinter den hübschen Fassaden wurde manch hässlicher Kampf ausgefochten. Etliche Häuser wechselten so oft ihre Herren wie die Küchen die Köche.
http://www.geo.de/GEO/reisen_laender/deutschland/2002_06_saison_usedom/05.jpg
Alte Pracht in neuem Glanz: der Ahlbecker Hof
Doch unaufhaltsam liftet die Insel das schöne, bleiche Meergesicht. Nahtlos verbindet die Strandpromenade die Bansiner mit der Heringsdorfer und Ahlbecker Villenzeile. Nur ein kleines Schild benennt Anfang und Ende der »Kaiserbäder«. Deren vornehmstes ist zweifellos Heringsdorf. Hier stehen in großen Parks kleine Palais, zu edel, um dem Bäderstil zugerechnet zu werden. Hier residierten der Adel und die Berliner Finanzwelt.
Kaiser Wilhelm II. bevorzugte die Villa der Konsulin Staudt an der Strandpromenade. In Ahlbeck schrumpfen die Parks wieder zu Vorgärten. Statt piekfeiner Noblesse Gründerzeitnützlichkeit mit Türmchen und Erkern, doch das war immer noch elegant genug, um Gäste wie Joseph I., Kaiser von Österreich, anzulocken.
Die Insel der Reichen?
Heute fließt wieder Champagner auf der Terrasse der Kaisersuite des »Ahlbecker Hofs«. Kristalllüster hinter den Fenstern. Kostbar intarsierte Kleiderschränke warten auf wohlhabende Gäste. Wer im Geld schwimmt, darf hier auch in marmornen Wannen baden. Ach, am liebsten wäre Usedom in diesem Teil wieder die Insel der Schönen und Reichen. »Sag mir quando «, mault auf der Strandpromenade melancholisch das Saxophon, geblasen von Stanislaw von nebenan, aus dem heute polnischen Swinemünde, dem einst mondänsten Seebad der Insel.
http://www.geo.de/GEO/reisen_laender/deutschland/2002_06_saison_usedom/07.jpg
Skulpturen-Garten des Künstlers Niemeyer-Holstein
Ein sterbendes Stück Inselromantik
Unbeeindruckt davon pulsiert das einfache Ferienglück in Ahlbeck zwischen Frittenbude, Fischräucherei und Strandcafés. Mit Gummifrosch und heißen Würstchen auf die historische Seebrücke und zurück. Ein neuer Morgen auf Usedom. Eben noch Sonnenschein über der Sonneninsel. Plötzlich verdunkelt sich der Himmel, nur noch ein gleißend heller Streifen am Horizont. Weit draußen schwebt ein Schiff über dem Meer, unwirklich wie der Fliegende Holländer. Gegen den Wind gestemmt gehe ich zum Fischerstrand. Holzstapel im Sand, warmer Duft aus Räucheröfen. Ein sterbendes Stück Inselromantik. Greise Fischer klönen, immer ein Auge aufs Meer, zwischen Stellnetzen, Angelschnüren und den langen Stangen mit roten Wimpeln und Ankern zum Markieren der Netze.
Mit den Fischern aufs Meer
Dort zieht Eddy, einer der letzten aktiven Fischer, gerade sein Boot an Land. Eine breite, zuverlässige Gestalt in klitschnassem Ölzeug und Seemannspullover. Den will ich fragen, ob er mich mit hinausnimmt auf See. In der orangefarbenen Plastikkiste zucken ein paar Heringe und ein Lachs.
http://www.geo.de/GEO/reisen_laender/deutschland/2002_06_saison_usedom/06.jpg
Kein Fischer lebt inzwischen vom Fisch allein
"Du büst so dumm wie ein Badegast"
»Der Heringskönig«, grinst Eddy, als ein Strandgänger den großen Silberpfeil als besonders gelungenes Heringsexemplar bewundert. »Du büst so dumm wie ein Badegast«, hieß ein pommerscher Spruch, den ich als Kind auf Usedom oft hörte. Eddy kennt ihn wohl auch. Wortgewandt widerlegt er die landläufige Meinung, der Küstenbewohner sei allzu ernsthaft und wortkarg oder gar unflexibel. Rasch schlüpft er aus Gummistiefeln und Fischgeruch in eine Art Kapitänsuniform und geht ins Büro. An der Wand ticken Weltzeituhren.
Ein Fischer und sein Hotel
Doch Eddy ist der einzige, der auch ein Hotel besitzt, das »Dünenschloss«. Viel Geld hat er reingesteckt. Doch »wat nützt den Fischer dat Göld, wenn hei dormit int Water fällt«. Auf Hochdeutsch: Fast wäre er damit baden gegangen, hätte nicht der Ostwestfale vom schönen »Hotel Admiral« ausgeholfen.
Wer auf Usedom etwas aufbaut, muss einen langen Atem haben. Noch liegt die Insel im Schatten der großen Schwester Rügen, ist für Deutsche im Westen fast noch ein Geheimtipp. Viele Ostdeutsche kommen, weil sie schon immer nach Usedom reisten. Eddy hat für sich die Widersprüche von Ort und Zeit unter ein Dach gebracht. Am liebsten aber geht er fischen. Und morgen nimmt er mich und noch ein paar Urlauber mit hinaus aufs Meer.
(alle Fotos von Sibylle Bergemann/Ostkreuz)
Infoteil
http://www.geo.de/GEO/reisen_laender/deutschland/2002_06_saison_usedom/page4.html
Usedom - in den 20ern hieß es. die Badewanne Berlins!
Es gab einen Express, der innerhalb von 2 Stunden (bis heute nicht erreicht),
die Berliner ins kühle Naß beförderte. Heute ist vom mondäne Schein leider nicht mehr viel übrig, aber sehenswert ist die Insel allemal.
Bergarbeiterfamilien vermieten im Norden von Essen Zimmer an privat
von Günter Ermlich
Es ist Freitagnachmittag, und über dem Essener Arbeiterstadtviertel Katernberg scheint die Sonne. Die Guthardts sitzen in ihrem Garten. Hans-Joachim döst in der Hollywood-Schaukel, und Hannelore liest Der Schamane. Goldfischteich, Gartenzwerge und eine Laube mit Minibar und Gasofen, in der Hans-Joachim und seine Kumpel gern Karten kloppen, machen das Idyll rund. Ob man stören darf? Na, klar. Schließlich wurde einem »Wohnen beim Bergmann mit Familienanschluss» versprochen. Familie Guthardt wohnt in der Haldenstraße, gleich gegenüber von Schacht 1/2/8 der Zeche Zollverein. Und Bergleute hat Frau Guthardt genug in der Familie. Vater, Großvater und Urgroßvater, alle malochten sie auf Zollverein. Auch Gäste im Haus sind für sie nichts Neues. Um die Haushaltskasse aufzubessern, vermieteten ihre Eltern ein Zimmer an Kranz und Krause aus Bremen und Hamburg, die auf Zollverein Schacht 4 arbeiteten. »Was früher die Kostgänger waren, sind heute Touristen«, sagt Frau Guthardt und schenkt Apfelschorle nach.
Bed & Breakfast im Ruhrgebiet, Übernachten im Schatten des Förderturms. Nicht im Schwarzwald, nicht an der Ostsee, sondern in Schonnebeck, Stoppenberg und Katernberg, im »finsteren« Essener Norden. Karl Ganser, der visionäre Chef der Internationalen Bauausstellung (IBA) Emscher Park, forderte »Fantasie für Reisen ins Revier« zu entwickeln. Dazu gehört nicht nur, mit den Schätzen der Industriekultur zu werben, sondern auch mit den verborgenen Pfunden zu wuchern, mit der Gastfreundschaft der Menschen, die das Grubengold zutage förderten. Rund um die stillgelegte Zeche Zollverein vermieten seit eineinhalb Jahren 14 Damen und zwei Herren private Gästezimmer. Das soll das Wirgefühl im Arbeiterbezirk stärken, und die Leute verdienen so ein paar Euro dazu.
30 Prozent Staub in den Lungen
Hans-Joachim Guthardt muss in einer Stunde wieder auf die Arbeit. »Auf'n Bock, Postpakete von Hagen nach Frankfurt fahren.« Doch, doch als junger Bursche hat er auch unter Tage malocht, auf der Zeche Hagenbeck, musste dann aber umschulen. »30 Prozent Staub in den Lungen.« Seit 1969 fährt er deshalb Lkw. »Bis nach Persien bin ich gekommen. Ich hab dem Schah seine Kraftwerke da runtergefahren von der KWU Mühlheim. Ich kenn wat vonne Welt.« Hannelore nickt. Sie hat ja ihre Gäste und deshalb keine Langeweile. Hans-Joachim trinkt einen großen Schluck Apfelschorle und sagt dann: »Meine Frau kann sich einen Hausfreund anschaffen. Wenn ich mal unverhofft nach Hause komm, schmeiß ich die Mütze durchs Fenster. Bleibt die Mütze drin, darf ich reinkommen, kommt die Mütze wieder raus, dreh ich noch ein paar Runden.« Leicht verlegen stellt Frau Guthardt klar: »Is nur'n Scherz.« Dann erzählt sie noch ein bisschen von der Schwägerin in Florida, dem Seniorenkreis der Freien Evangelischen Kirche in Katernberg, den sie leitet. Dann muss ihr Mann auch schon los.
Frau Guthardt zeigt dem Gast das Zimmer für die Nacht. Es ist das Mansardenzimmer, wo früher die Hausmädchen der Steiger, der Bergbaubeamten, schliefen. Aus Bilderrähmchen lächeln einem Familienmitglieder entgegen. Vielleicht die Schwägerin aus Florida? Golden glänzt der Taubenzüchterpokal, und an der Wand hängt ein Empire-State-Building-Riesenpuzzle. Im Opabett mit schwerem Plumeau versinkt man jedoch augenblicklich in den Schlaf. Wer nachts mal muss, muss zwei Treppen runter, auch das Bad teilt man mit den Guthardts.
Die Nachfrage nach Zimmern im Zechenmilieu wächst. Es melden sich auch immer mehr Leute bei Zollverein Touristik, die gern Privatzimmer anbieten wollen. In einer denkmalgeschützten Zechensiedlung mit so genannten Vierspännern, backsteinroten Bergmannshäusern mit vier Wohneinheiten, entsteht gerade eine Museumswohnung mit zweiflügeligen Sprossenfenstern und Blendläden, altem Küchenherd und abgezogenem Eichenfußboden. Auch hier können vom nächstem Frühjahr an Feriengäste logieren.
Ilse Rautenberg, die 72-jährige Witwe mit den flinken Augen unter dem grauen Kurzhaar, vermietet in Essen-Stoppenberg zwei Zimmer in einer Doppelhaushälfte. Ein neues Häuschen mit Terrasse und Blockhaus im Garten, den mächtige Platanen beschatten. Drum herum in den modernisierten Wohnungen der Viterra-Siedlung wohnen Bergmannswitwen und ein paar türkische Familien. Seit 100 Jahren hat das Ruhrgebiet Migranten angezogen, zuletzt kamen türkische Gastarbeiter auf die Zechen. »Mein Vatta fuhr auf Helene ein. Da war auch 'ne Kokerei«, erzählt Frau Rautenberg. »Wennse da Wäsche aufgehängt haben, die konntense zwei Stunden später wieder abhängen und neu auswaschen. Die war voll von dem Ruß, dat stank wie faule Eier.« Kein Gedanke daran im Bad von Frau Rautenberg. Es duftet zitronenfrisch und kann es mit der Nasszelle jedes Drei-Sterne-Hotels aufnehmen.
Bei Kaffee und Apfelkuchen erzählt Frau Rautenberg von ihrem Hobby, der Schriftstellerei. Hämmert man hart dich zu Stahl ist die Geschichte ihrer Kindheit im Nationalsozialismus. Manchmal liest sie daraus in der Stadtteilbibliothek vor. »Ich hab noch mehr«, sagt sie, geht zum Wohnzimmerschrank und kramt Unveröffentlichtes hervor: das Roman-Manuskript Die Familie Gonzalez über den Spanischen Bürgerkrieg und eine Loseblattsammlung mit Geschichten (Liebeserklärung an die Menschen im Pott), Gedichten und Sprichwörtern. Als Nächstes plant die Bergmannstochter ein Kochbuch aller Zimmervermieterinnen, lokale Rezepte, mit Pott-Geschichten verquirlt.
Und Geschichten gibt es viele zu erzählen. Beginnen könnten sie 1847, in dem Jahr, in dem die Steinkohleförderung auf Zollverein ihren Anfang nahm. Und enden müssten sie keineswegs 1986, als einen Tag vor Heiligabend mit dem Zollverein die letzte Essener Zeche dichtmachte. Die Zeche galt als das modernste Bergwerk Europas, das doppelböckige Fördergerüst von Schacht 12 als Symbol für die Ästhetisierung von Technik und Industrie.
Nach ihrer Stilllegung 1993 wurde die »schönste Zeche der Welt« saniert und einer neuen Nutzung zugeführt. Schacht 12, der »Eiffelturm des Ruhrgebiets«, wurde zum Wahrzeichen der ganzen Region und zum Symbol des Strukturwandels. Im vergangenen Dezember wurde die im Bauhausstil errichtete Zeche Zollverein 12 mit den kubischen Maschinenhallen und der klaren geometrischen Gebäudeanordnung zum Weltkulturerbe der Unesco geadelt. Diesen Samstag wird gefeiert.
In die restaurierten Hallen sind Kunst und Design eingezogen: In der Waschkaue residiert das Choreografische Zentrum, im vom Architekten Sir Norman Foster umgebauten Kesselhaus das Design-Zentrum Nordrhein-Westfalen, im industriehistorischen Ambiente der Kompressorenhalle, heute Casino Zollverein, dinieren VIPs und Yuppies. Ehemalige Kumpel und Studenten führen jährlich 45 000 Besucher durch die Übertageanlagen und erklären ihnen den »Weg der Kohle«. Und in den kommenden Jahren wird die Modellzeche noch weiter ausgebaut. Mit jeder Menge Kohle: 90 Millionen Euro Fördergelder können investiert werden. Der Architekt Rem Kohlhaas erstellte den Masterplan. Auf der noch zu sanierenden Kohlenwäsche wird unter anderem das RuhrMuseum entstehen, auf dem Areal einer Schraubenfabrik die Design School Zollverein mit zwei Gewerbeparks. Doch so mancher Exbergmann und so manche Anwohnerin kann den Wandel von der Arbeitsstätte zum Freizeitdorado, vom Dreckpütt zur Hochkultur (noch) nicht recht fassen.
»Kaum zu glauben, jetzt werden wir in einem Atemzug mit den Pyramiden genannt«, staunt Barbara Lange. Das kann Frau Lange aber nur recht sein, denn auch sie vermietet Privatzimmer. In Essen-Schonnebeck, Huestraße 88. Im Hof des Bergmannshauses von 1897 stehen ein Maulbeerbaum, rote Stockrosen und eine alte Saftpresse. Im Schuppen, heute Geräteraum, hielt die Bergarbeiterfamilie, die hier früher lebte, Schweine, Hühner und Kaninchen, im Nutzgarten baute sie Kohl und Kartoffeln an. Auf der Straßenseite gegenüber liegt der allererste Aldi-Laden. In den fünfziger Jahren, erzählt Frau Lange, wohnten die Aldi-Brüder noch selbst über dem Geschäft.
Pottlappen für Amerika
Auch Frau Lange ist geschäftstüchtig. Eines Nachts, erzählt sie, habe sie plötzlich senkrecht im Bett gesessen: »Dat isset!« Schon seit Jahren hatte sie allerlei Patchwork-Sachen genäht. Dann die nächtliche Eingebung: »Der Pottlappen, dat isset!« Jetzt kann der Gast Barbara Lange viele Stunden in ihrer Werkstatt, dem früheren Wohnzimmer, sitzen sehen und dabei zusehen, wie sie an der alten Pfaff aus blau-weiß karierten Grubenhandtüchern prankengroße Topflappen näht. »Das ultimative Ruhrgebietssouvenir« schmücke inzwischen Küchen von Amerika bis Australien. Wer das nicht glauben mag, dem erkärt sie, dass das Blockhausmuster des Pottlappens das Lieblingsmuster der amerikanischen Pionierfrauen war. »Und irgendwie hat das, was wir hier machen, ja auch mit Pionierarbeit zu tun.«
Barbara Lange ist Witwe und Mutter von drei Kindern. Als die aus dem Haus waren, hat sie sich ans Renovieren der Zimmer im Dachgeschoss gemacht, hat die Wände tapeziert, die Türen gestrichen, Schwedenmöbel gekauft. Bis zur Bettdecke und Gardine ist alles in mediterranem Hellblau gehalten. Das üppige Frühstück inklusive der WAZ und selbst gebackenem Sauerteigbrot, das die Wirtin auf dem Tablett vor die Tür stellt, hätte früher auch der hungrigste Kumpel nach der Schicht nicht verdrücken können.
Wer inzwischen nicht alles schon in der Huestraße übernachtet hat! Fans der Musicals Joseph und Elisabeth im Colosseum-Theater, Messebesucher, zunehmend Radfahrer, die das Revier durchqueren. Aber auch Exruhrgebietler auf Nostalgietour wie die beiden Töchter von Manni Orzessek, dem Schalke-Torhüter der Meistermannschaft von 1958. Der Mitarbeiter einer amerikanischen Softwarefirma ist inzwischen bei ihr Stammgast. »Den Russlandfeldzug kenn ich ja schon vom Schwiegervater«, sagt Frau Lange, »aber jetzt weiß ich auch, was in Vietnam los war.« Nach dem letzten Besuch flog der amerikanische Geschäftsmann nach Monte Carlo. Von Essen-Schonnebeck nach Monte Carlo, sagt sie mit einem Anflug von Ehrfurcht, »da liegen Welten zwischen.«
Weitere Informationen:
http://www.zeit.de/2002/36/Reisen/print_200236_ruhrpott.html
DIE ZEIT
Entlang der Weinstraße - bodenständige Kulturlandschaft mit bewegter Geschichte
Das milde Klima fördert die Geselligkeit. Hier lebt ein genussfreudiger Menschenschlag, der die Gastlichkeit pflegt.
von JULE REINER
Es ist still an diesem Montagmorgen innerhalb der mittelalterlichen Stadtmauer von Freinsheim mit ihren stolzen Türmen. In den Linden rings um die große Kirche am Markt tuscheln Rotkehlchen, mächtige Feigenbäume, Stockrosen und Oleander wiegen sich an Barockhäusern, ab und zu schnurrt ein Fahrradfahrer durch die Kopfsteingassen. Blitzsauber ist das Städtchen, als würde es jede Nacht von Heinzelmännchen immer wieder frisch angemalt.
Freinsheim http://www.rheinischermerkur.de/aktuell/mp/images/rei_023502.jpg
Doch an den Wochenenden und vor allem, wenn das traditionelle Stadtmauerfest gefeiert wird und die elf Restaurants und fünf Weinstuben ihren Betrieb über Gassen und Plätze ausdehnen, ist es vorbei mit der Stille. Dann gibt sich das Weinparadies jener lauten Feierstimmung hin, die die Pfälzer gern für sich reklamieren.
Das doppelte Schoppenglas
"Wissen Sie, was ein Zwinguff ist?", fragt die Fremdenführerin. Mit voller Stimme hat sie sich beim Mauerrundgang frohgemut durch die kurpfälzischen Machtintrigen, durch den Bauernkrieg und den Dreißigjährigen sowie den pfälzisch-französischen Erbfolgekrieg gearbeitet. Jetzt zeigt sie im Hof vor dem Sternerestaurant Luther auf einen prachtvollen Maulbeerbaum: "Das da ist ein Zwinguff!", eine einst vom Kurfürsten verordnete Pflanzung zur Zucht von Seidenraupen.
Die uralten Linden um die Kirche entstammen ebenfalls einer solchen Zwangsauflage. Denn Linden waren gut für Bienen und damit für Honig, der den Kriegsherren als Wundheilmittel dienen sollte.
Damit ist schon viel über die Geschichte und Eigenart der Pfälzer erzählt. Gegen Zwang, Besitzgerangel und Heeresgestampfe bildeten sie einen feinen Geist des Widerstands und Individualismus heraus, der sie heute das Alte ohne Groll bewahren und das Neue aufnehmen lässt.
Seit 15 Jahren treiben die Freinsheimer eine bilderbuchgleiche Altstadtsanierung voran. In ehemalige Residenzen zog die Stadtbibliothek ein, Herrenhäuser wurden zu behindertengerechten Wohnungen umgebaut, den Herzog- und den Diebsturm, das mittelalterliche Gefängnis, kann man als Feriendomizil mieten. Sogar das ehemalige Gebeinhaus an der Kirche wird genutzt: als Weingalerie.
"Wohnen wollte keiner drin", sagt die Führerin. "Aber uff die Art zeige mir, dass hinner de Kirch auch noch Lewe is."
Viel ist von Gott und dem Teufel die Rede, wenn über das Wesen der Pfälzer philosophiert wird. Nach der Legende soll der Herr beim Erschaffungswerk die Pfalz als sein Meisterstück betrachtet und sie zum Garten Eden bestimmt haben.
Feigen-, Zitronen-, Kirsch- und Mandelbäume und ein mildes Klima dachte er ihr zu. Kein Wunder, dass so viel gottgefällige Landschaft den Teufel auf den Plan rief. Er soll, weil ihm kein Stückchen vom Paradies überlassen wurde, vor Zorn ein Wirtshaus nach dem anderen hineingebaut haben.
Die Pfälzer pflanzten jede Menge Rebstöcke dazu, damit ihnen der Stoff im Schoppenglas nie ausgeht. Während das Glas überall in Deutschland das klassische Maß von einem Viertelliter hat, ließen es die Pfälzer auf einen halben Liter vergrößern.
In Freinsheim ist man mitten im Weinbaugebiet.
Durchquert man das benachbarte Ungstein, gelangt man in die gerühmte Weinlage des "Honigsäckel". Dort hatten sich schon die Römer einen Teil vom Paradies genommen und ein gewaltiges Landhaus in den Hang gesetzt.
Fritz Schumann, früher Weinbauberater, hat sich dem Bauwerk verschrieben, dessen Reste erst 1981 gefunden wurden. Gern würde er alles, was noch unter der besten Lage des Weinbergs begraben liegt, freilegen lassen. Doch der darauf wachsende Wein ist wertvoller, und es bleibt bei den teilrestaurierten Gemäuern und einem Kelterhaus mitten im Berg.
Von hier führt ein Römischer Rundwanderweg nach Bad Dürkheim, das im September mit dem Wurstmarkt das angeblich größte Weinfest der Welt feiert. Und weiter nach Wachenheim zu einer anderen Pfälzer Besonderheit, der Leibspeise von Altbundeskanzler Helmut Kohl: Saumagen.
Saumagen mit Trüffel
Freitags ist Hochstimmung im blumenumrankten Hof der Metzgerei Hambel, Dutzende der mit Schweinenacken, Schinkenfleisch und Kartoffeln gefüllten Naturmägen liegen dann auf langen Kühltischen zur Schau. Ein Heimatdichter beschrieb sie als "Füllsel-Edelsteine".
Und hört man Metzgermeister Hambel in schönem Singsang-Dialekt von seinem Produkt und dem unerwarteten Ruhm reden, will man gerne an eine Delikatesse glauben. Hambel ist zu einer Art Hoflieferant der Pfalz avanciert, seit Kanzler Kohl viele Staatsgäste mit dessen Original-Saumägen im nahen Hotel Deidesheimer Hof bewirten ließ. Und wirklich: Herzhaft, würzig schmeckt die in Butter geschmelzte Scheibe.
Der Saumagen von Hambel wird ständig weiterentwickelt, schließlich hält der Metzger engen Kontakt mit Sternekoch Manfred Schwarz. Mit Trüffeln und Rosinen bereitet der die Spezialität zu, im Herbst werden Kastanien verwendet. So wurde das einfache Gericht für die Haute Cuisine gesellschaftsfähig gemacht; und so erscheint es bei Manfred Schwarz in der Edelweinstube St. Urban inzwischen als "Ferkelmagen" auf der Speisekarte.
Ein Augenschmaus ist der Weg in die Hochburgen der Sterneköche und mit Auszeichnungen verwöhnten Winzer an der Südlichen Weinstraße. In sanften Blauschattierungen stemmt sich der Pfälzer Wald wie ein Urgetüm vor der geografischen Linie nach Lothringen.
Durch Täler und Hügel mäandern die Winzernester Maikammer, Edenkoben, Nußdorf in barockem Fachwerkputz. In jedem wartet mindestens eine Weinstube, laden Probierpavillons zum schnellen Genuss und Einkauf.
Trinken im siebten Himmel
Am Ende des Wegs, eingebettet in steile Weinberge und dichte Kastanienwälder, liegt das stille Siebeldingen. Vielleicht ist es so still, weil mehr als eine Million Rebstöcke wie eine dämpfende Decke über die Hänge gebreitet sind.
Wüsste man nicht aus der Weinfachliteratur, welch große Lagen das sind und wer hier die Fässer füllt, so könnte man glauben, das Nest am Flüsschen Queich läge wie im Dornröschenschlaf. Aber im Weingut mit dem so passenden Namen Ökonomierat Rebholz sind alle wach und immer bereit, Weinliebhaber zur Verkostung zu bitten.
Ausgebreitet auf dem massiven Probiertisch liegen die Gesteine, auf denen die Reben so gut gedeihen. Muschelkalk, Buntsandstein und Roter Schiefer lassen feine Rieslinge und Weiße Burgunder reifen.
Während man sich langsam durch den siebten Himmel der großen Gewächse trinkt und Winzer Rebholz über Barriqueweine, den Respekt vor der Tradition seines "Terroir" und den wichtigen Aufbruch ins internationale Weinterrain nachsinnt, könnte man die alte Legende über Gott und den Teufel noch einmal anders verstehen.
Es muss im Pfälzer Himmel gewesen sein, wo sich die beiden zu einem feuchtfröhlichen Gipfelgespräch zusammenfanden. Ratifiziert haben sie wohl das Abkommen, dass der Gehörnte ruhig so viele Wirtshäuser bauen solle, wie er wolle. Es würde dem pfälzischen Modus Vivendi des heiteren Zusammenlebens und der Bodenständigkeit gewiss zuträglich sein und Gottes Garten Eden ausnahmsweise einmal mit ganz irdischen Mitteln vervollkommnen.
Informationen, Wein und Spezialitäten:
http://www.rheinischermerkur.de/aktuell/mp/rei_023502b.html
Rheinischer Merkur
Als Pfälzer kann ich dazu auch was beitragen :hihi
http://www.pfalzbild.de/galerie/main.html
Danke, Brigitte :) Sehr schön.
Die Pfalz liegt mir am Herzen. :)
Ob Weinstraße oder Pfälzer Wald - sie ist ein zauberhaftes Land mit viel Kultur und liebenswerten Menschen.
Gruß
Eliska:)
Im September Wo Was
06.09. NW-Hambach 31. Hambacher Weinprobe
06.09.-08.09. Burrweiler Fest des Federweißen
06.09.-09.09. Gleiszellen Weinfest in der Gleishorbach Winzergasse
06.09.-09.09. Weyher Weinfest
06.09.-10.09. Bad Dürkheim Wurstmarkt
06.09.-10.09. Dirmstein Weinkerwe/Jahrmarkt
07.09.-16.09. Landau Herbstmarkt mit Weindorf
13.09.-15.09. Rhodt unter Rietburg Fest des neuen Weines
13.09.-15.09. Kapellen-Drusweiler Fest des Federweißen
13.09.-16.09. Bad Dürkheim Wurstmarkt
13.09.-16.09. Großkarlbach Markt-Weinkerwe
13.09.-17.09. Heuchelheim/Frank. Weinkerwe
13.09.-17.09. Altdorf Weinkerwe
13.09.-17.09. Grünstadt Sausenheimer Weinfest
15.09. Siebeldingen Kul. Weinbergswanderung
20.09.-23.09. Edenkoben Weinfest der SÜW
20.09.-24.09. Gerolsheim Weinkerwe
21.09.-22.09. Freinsheim Kulinarische Wanderung
21.09.-22.09. Freinsheim Federweißenfest
21.09.-22.09. Oberhausen Federweißenfest
21.09.-23.09. Weisenheim/Berg Federweißenfest
27.09.-29.09. Oberotterbach Fest des Federweißen
27.09.-30 .09. Obrigheim Weinkerwe
28.09.-29.09. Freinsheim Federweißenfest
28.09.-29.09. Weisenheim/Berg Federweißenfest
28.09.-29.09. Weisenheim/Sand Federweißenfest
http://www.zum-wohl-die-pfalz.de/weinfeste/pfalz_feste_frame.html
Super Seite, dank Dir sabbel, werde ich bestimmt öfter mal reinschauen :)
Wurstmarkt in Bad Dürkheim haben wir schon eingeplant, da kann dann auch der Sohnemann mit :) Für abends weggehen mag ich mehr die "normalen" Weinfeste, da kann man besser feiern :D Hast ja eine schöne Auswahl dafür reingestellt.
Grüße :)
Brigitte
Original erstellt von Brigitte
Super Seite, dank Dir sabbel, werde ich bestimmt öfter mal reinschauen :)
Wurstmarkt in Bad Dürkheim haben wir schon eingeplant, da kann dann auch der Sohnemann mit :) Für abends weggehen mag ich mehr die "normalen" Weinfeste, da kann man besser feiern :D Hast ja eine schöne Auswahl dafür reingestellt.
Grüße :)
Brigitte
Das Original vom Weinfestkalender trage ich immer in der Brieftasche. ;)
An der Weinstrasse ist halt immer was los. :)
Bald beginnt am Main wieder die Weinlese.
Zeit, sich in einem der traditionsreichen fränkischen Hotels ein Zimmer zu suchen
Von Hans Eckart Rübesamen
Wenn in Randersacker, Iphofen und Castell die Trauben reifen, und sich das Buchenlaub im Steigerwald allmählich herbstlich färbt, lockt Mainfranken als Ziel für eine Genießerreise. Startpunkt ist die Festspielstadt Bayreuth, allgemeine Richtung: flussabwärts. Hier ist der Main noch nicht vollständig, weshalb er zunächst Roter Main heißt, bis er sich bei Kulmbach mit dem Weißen Main vereinigt. Aber da wollen wir nicht hin, sondern bleiben in Bayreuth. Im Festspielhaus ist der letzte Vorhang schon gefallen, und im charmanten einstigen Residenzstädtchen geht alles wieder seinen normalen Gang. Vom Richard-Wagner-Rummel überschattet, wird die alte Residenzstadt meistens übersehen. Schade um die Rokoko-Schönheiten des Markgräflichen Opernhauses, des Alten Schlosses und der Eremitage samt Englischem Park!
Erst in der Nach-Festspielzeit lässt sich das alles genießen, haben auch durchreisende Gäste die Chance, sich im Hotel "Goldener Anker" verwöhnen zu lassen. Viel ist verändert, viel erneuert worden in dem Traditionshaus, doch die Besitzerfamilie (in der neunten Generation!) hat darauf geachtet, dass das Flair von Behaglichkeit erhalten geblieben ist. Kompromisslos modern: die Küche, die dem Hotel-Restaurant die Spitzenposition in der Stadt erobert hat.
In Bamberg muss der Main mit seinen Hafenanlagen "draußen bleiben". Das Bild der Altstadt wird von den verschiedenen Armen des Flüsschens Regnitz bestimmt. Die Domstadt zeigt sich in diesem Jahr mit ihrer spektakulären Ausstellung "Kaiser Heinrich ll." am Domberg noch attraktiver als sonst. Da ist es besonders stilvoll, im Hotel "St. Nepomuk" im sanierten Mühlenviertel einzuchecken. Wie ein ankerndes Schiff liegt der schöne Fachwerkbau mit dem Galerie-Restaurant im Fluss. Bis zum Domberg sind es nur ein paar Minuten. Aber auch für die Altsstadt sollte man sich genügend Zeit reservieren. Sie ist von der UNESCO zu Recht zum Weltkulturerbe erklärt worden.
Der Main hat es nicht eilig, wir auch nicht. Und so folgen wir Genießer der Mainschleife Richtung Volkach. Hier steht ein kleines Weltwunder: die Wallfahrtskirche Maria im Weinberg mit Riemenschneiders berühmter Madonna im Rosenkranz; und vom Vogelsberg aus öffnet sich den weltlichen Wallfahrern ein weiter Blick über die herbstlich gesegnete Weinlandschaft. Im Städtchen selbst empfängt uns das Romantik-Hotel "Zur Schwane" mit jahrhundertealtem Gemäuer, zeitgemäßem Komfort und familiärer Gastlichkeit. Kein Zimmer gleicht dem anderen, alle sind nach klassischen Frankenreben wie Sylvaner, Riesling, Müller-Thurgau benannt. Besonderer Trumpf: der stimmungsvolle Innenhof, wo Landestypisches serviert wird. Wein aus eigenem Anbau und eine hauseigene Brennerei sichern die "Rundumversorgung" der genussfreudigen Gäste.
Äußerst weinhaltig ist die Atmosphäre auch jenseits des Mains, im alten Winzerörtchen lphofen. Die komplette Stadtmauer mit ihren mächtigen Toranlagen zeugt vom einstigen Wohlstand, den es zu sichern galt, ebenso der "Zehntkeller", ursprünglich Lager für das Zehntel der Traubenernte, das der Würzburger Bischof von seinen weinbauenden Untertanen kassierte. Das legendäre Weinrestaurant im traditionellen fränkischen Milieu ist schon von Kurt Tucholsky wirkungsvoll gepriesen worden. Aus ihm ist dann das Hotel mit seinen behaglichen Zimmern im Louis-XVI.-Stil hervorgegangen. Ganz speziell: Das kleine Hochzeitshäuschen für Flitterpaare!
Die Fürstbischöfliche Residenz mit ihren weltberühmten Deckengemälden von Tiepolo ist allemal einen Abstecher nach Würzburg wert. Nicht ganz so berühmt, aber noch älter: Der "Rebstock", anno 1408 erstmals als Gasthaus erwähnt. Mittlerweile zum Hotel avanciert, ist der "Rebstock" vor drei Jahren großzügig modernisiert worden, wobei das gute Alte harmonisch mit neuem Komfort verbunden wurde.
Ein Stück mainabwärts liegt Wertheim mit den "Schweizer Stuben" - dem kulinarischen Höhepunkt unserer Reise. Das wunderschön ins Maintal platzierte Hotel ist im Lauf der Jahre kräftig gewachsen, seine auf vier Häuser verteilten Zimmer erfüllen jeden Gästewunsch zwischen gehobenem Komfort und Luxus. Berühmt geworden ist das Haus als eines der deutschen Spitzenrestaurants, das dem Michelin zeitweilig sogar drei Sterne wert war. Immer noch bietet das Gourmet-Restaurant beste französische Küche. Wer sich beim Tafeln finanziell übernommen hat, findet gleich um die Ecke günstige Factory Outlets von Karl Lagerfeld, Etienne Aigner, Daniel Hechter ...
Infos:
"Goldener Anker", Tel. 0921/65051, Fax 65500, Ü/F ab 45 Euro;
"St. Nepomuk", Tel. 0951/98420, Fax 9842100, Ü/F ab 54 Euro;
"Zur Schwane", Tel. 09381/80660, Fax 806666, Ü/F ab 42 Euro;
"Zehntkeller", Tel. 09323/8440, Fax 844123. Ü/F ab 46 Euro,
"Rebstock", Tel. 0931/30930, Fax 3093100, Ü/F ab 78 Euro;
Relais & Châteaux Hotel und Restaurant "Schweizer Stuben", Tel. 09342/3070, Fax 307155, Ü/F ab 51 Euro.
Die Flut ist weg, die Touristen auch: Dabei sind die Ausflugsziele in der Sächsischen Schweiz wieder erreichbar und die Kulturstätten geöffnet
Ein Japaner ist in solcher Lage gewiss ein Zeichen der Hoffnung. Ein Zeichen, dass Normalität zurückkehrt in die Welt der Sächsischen Schweiz. Es ist der erste Samstag im September, und die Männer auf dem Parkplatz an der Bastei haben an diesem Tag schon mehr als einen japanischen Touristen gesehen. Das ist nicht alles, man muss nur auf die Nummernschilder schauen: HH für Hamburg, daneben ein Auto aus München. Der Parkplatzwächter wirkt euphorisch. „Das ist der erste Tag, an dem wieder was los ist.“ Er lacht, als wären alle zu seinem Geburtstagsfest gekommen. „Es ist nicht wie vor der Flut, aber so einen vollen Platz hatten wir lange nicht!“ Fast ist es ihm ein bisschen peinlich, die zwei Euro Gebühren für den Parkplatz zu kassieren. Anderseits löst ja gerade das die Freude aus: endlich wieder ein bisschen Geschäft!
„Danke“, sagt er nach jedem Satz – nicht nur, als er die Gebühren kassiert. Danke für die Nachfrage, seit wann die Besucher wieder kommen, die wegen der Flut ausblieben, obwohl hier oben nie Hochwasser war. Und vielen Dank, dass Sie ihr Auto dort rechts parken! Hinter uns entsteht ein kleiner Stau, das dürfte sein Hochgefühl noch steigern.
http://www.mondpalast.de/images/dd3.jpg
Neuschwanstein von Sachsen
Das Ensemble der hohen Felsen aus Sandstein, in dessen Zentrum sich die Felsentürme der so genannten Bastei befinden, ist so etwas wie das Neuschwanstein von Sachsen. Wenn im Sommer Touristenbusse im kurzen Takt vorfahren, wird es schnell eng auf der Basteibrücke, die hier einen sicheren Weg bietet durch die schroffen Felsen. Selten kann man sich so einsam bewegen wie in diesen Tagen, selbst in den steilen Wänden hängen stets Kletterer. Dabei ist die Höhe von gut 200Metern an sich wenig imponierend. Aber die bizarr beieinander stehenden zerklüfteten Felsen ragen so steil auf, dass jeder Blick etwas Abenteuerliches bekommt. In diesen Tagen kommt ein Gedanke hinzu: Was muss dies für ein Anblick gewesen sein, als sich unten die Elbe immer weiter ausbreitete und in die kleine Stadt Rathen eindrang?
http://www.mondpalast.de/images/dd2.jpg
Sobald man den steilen Wanderweg an Bäumen und Gestein vorbei hinabsteigt, wird es ruhiger. Nach einer halben Stunde kommen die Dächer von Rathen – der Stadt an der Elbe – in den Blick, und bald sind Anzeichen des Ausnahmezustands zu erkennen. In den Gasträumen der Hotels brummen Entfeuchter. Viele mussten ihr Erdgeschoss ausräumen, Fenster aushängen – und wenn man ein wenig herangeht, riecht es bei manchen elend modrig. Hier gibt es kaum jemanden, der nicht erst mal die Feuchtigkeit aus dem Haus treiben muss. Warten will keiner. Die Gastwirte haben ihre Gärten geöffnet. „Hochwasserweg“ steht auf dem Schild, das in einem Hotel von der Terrasse ins Innere weist. Hochwasserweg – jetzt noch?
„Falls Sie mal zur Toilette müssen“, erklärt der Kellner. Das Schild führt in den zweiten Stock, wo das Bad eines Hotelzimmers zur Herren-Toilette des Restaurants wurde. Solche Entschlossenheit, nicht einfach die Hände in den Schoß zu legen, imponiert, aber verbirgt nicht das Dilemma des Ortes. Hier wird es noch eine Weile dauern, bis nicht nur unbeirrbare Liebhaber zurückkehren.
Der Kontrast zwischen der schwer getroffenen Stadt unten am Fluss und der hohen Felswelt macht sehr deutlich, was Touristen nach der Flut in der Sächsischen Schweiz erwartet. Nur direkt auf Elbniveau, wo das Wasser tatsächlich in die Häuser stieg, gibt es massive Probleme, schon wenige Meter darüber nicht – und vermutlich haben Hoteliers recht, die behaupten, dass es sich jetzt besonders lohnt zu kommen, weil man nach vielen Stornierungen die tausenden Wanderwege für sich hat. „Unsere Berge stehen noch“, verkündet trotzig der Herbergsvater der Jugendherberge Bad Schandau – und tatsächlich liegen fast alle Attraktionen hoch oben. Nur ein sehr kleiner Teil der Hotels und Gaststätten und Museen entlang der Elbe ist direkt vom Hochwasser betroffen. Aber fast die ganze Tourisimus-Branche leidet nun massiv unter Reise-Stornierungen, selbst in Städten weit abseits der Flut wie Leipzig bekamen Hoteliers Stornierungen – und für die zum Teil drastischen Einbußen sind bisher keinerlei Ausgleichszahlungen vorgesehen.
Seit Anfang September fährt die Flotte der Elbdampfer wieder zwischen der tschechischen Grenze, Dresden und der sächsischen Weinstraße. Es sind vor allem Berge von Gestrüpp, die sich in Uferbäumen halten und an denen Passagiere noch ablesen können, wie hoch hinauf die Elbe kam und Treibgut schob. Wie Zeugnisse der unbändigen Kraft des Wassers wirken zerschlagene stählerne Pontons von Anlegern, die mitgerissen wurden und sich wie Schlingpflanzen um Bäume gewickelt haben. Auf der Strecke nach Dresden hat das Schoss Pillnitz – wo aber das Hotel arg betroffen war – weitgehend wieder geöffnet. Freiwillige Helfer haben sofort den Schlamm mühsam abgetragen.
Hinter dem gläsernen Kassenhäuschen der Dampfschifffahrt an der Brühlschen Terrasse im Dresdner Zentrum, das bis zum Dach überspült war, zieht ein kleiner Tross älterer Touristen bergan zum Schlossplatz. Sie streben zur Semper0per, die wieder in Führungen besichtigt werden kann. Bis Weihnachten werde die Stadt im alten Glanz erstrahlen, hat Ministerpräsident Georg Milbradt versprochen. Opern-Intendant Christoph Albrecht hält sich jedoch mit Zusagen zurück, weil noch nicht absehbar ist, wann die schwer beschädigte Technik zumindest notdürftig funktioniert. Die Oper bemüht sich um Alternativen und zieht zum Beispiel zum 24. September für eine konzertante Aufführung von Wagners „Rheingold“ in den tristen Kulturpalast. Auch das hochmoderne Gebäude der Gläsernen Manufaktur von Volkswagen soll für einige Monate Ersatzspielort sein.
http://www.mondpalast.de/images/dd1.jpg
So sehr die Anziehungskraft der Semperoper sonst der Stadt nutzt – nun fragt man sich in manchen Institutionen, ob die Werbe-Konzepte zu sehr auf die Oper und die auf unbestimmte Zeit geschlossene Gemäldegalerie Alte Meister im Zwinger ausgerichtet sind. Deren Ausfall überschattet, dass die meisten Museen und Theater wieder geöffnet sind oder an interessanten Ausweichspielstätten auftreten wie etwa das Staatsschauspiel. Auch die Konzerte in der Unterkirche der Frauenkirche sollen wieder beginnen. Flussabwärts hatten die Porzellanmanufaktur in Meissen und das Radebeuler Karl-May-Museum nie geschlossen. Eine genaue Auflistung betroffener Hotels, Museen und Theater findet sich auf der Internet-Seite der Stadt: dresden.de.
In der Gondel durch den Garten
„Das sind doch wunderhübsche Strudel“, freut sich Erdmute Alex, gut 150Kilometer flussabwärts, während im Weltkulturerbe Wörlitzer Park bei Dessau der Gondolieri an sprudelnden Fontänen vorbeisteuert. Die Sprecherin der Kulturstiftung Dessau-Wörlitz könnte leicht behaupten, dass die Wasserspiele stets zum Interieur der unter der Herrschaft von Fürst Franz von Anhalt-Dessau im Geiste der Aufklärung entworfenen einzigartigen Parklandschaft gehören. Tatsächlich sind die Strudel die fast einzig verbliebenen Spuren des dramatischen Kampfes um das Kernstück des vor gut 200Jahren angelegten Gartenreichs Dessau-Wörlitz. Das sprudelnde Wasser bringt Sauerstoff ein. Als die übergelaufene Elbe den Wörlitzer Winkel bedrohte, hatten die Hüter der Wörlitzer Anlagen um das Schoss und die vielen im Park eingebetteten Kunstwerke bangen müssen. Vor allem aber fürchteten sie, der idyllische See mit seinen vielen Armen und der Pflanzenvielfalt könne umkippen. „Wir sind haarscharf am Schlimmsten vorbeigeschrammt“, sagt Erdmute Alex und klagt ein wenig darüber, dass – wenn man Medien geglaubt hätte – Wörlitz abgesoffen sein müsste. Tatsächlich habe es weder massenhaftes Fischsterben noch das Eindringen von Fäkalien gegeben. Wie auch in der Bauhausstadt Dessau findet man kaum für den Touristen sichtbare Schäden, noch weniger in der Lutherstadt Wittenberg.
Text: SZ - Druckausgabe
Links und Informationen:
http://www.google.com/search?hl=de&ie=ISO-8859-1&as_qdr=all&q=S%E4chsische+Schweiz&btnG=Google-Suche&lr=lang_de
Zwischen dem nordhessischen Korbach und dem Kyffhäuser in Thüringen soll künftig Kunst einen über 300 Kilometer langen Wanderweg säumen
Von Ralf Pasch
SPANGENBERG. Wanderer im Kurhessischen Bergland sollten auf Überraschungen gefasst sein: Einhörner oder rote Riesenspinnen, fliegende Fische oder Krokodile könnten ihnen begegnen, wenn sie sich auf den Barbarossaweg wagen. Rund 35 Kilometer des vom hessischen Korbach bis zum Kyffhäuser in Thüringen führenden Weges sind zu einer "Galerie im Walde" geworden, wie es Sandrino Sandinista Sander aus Spangenberg beschreibt. Der Bildhauer und Musiker hat sich gemeinsam mit seiner Lebensgefährtin und Künstlerkollegin Karin L. Adam vorgenommen, den gesamten Barbarossaweg in ein Gesamtkunstwerk zu verwandeln.
Dabei sind die beiden im Grunde erst einen kleinen Schritt voran gekommen, denn die gesamte Route beträgt immerhin 326 Kilometer. Der "Weg der deutschen Einheit" wie er auch genannt wird, war 1996 zu einem Jubiläum eingerichtet worden, dem 100. Jahrestag der Errichtung des Kyffhäuserdenkmals.
Auf dem 477 Meter hohen Berg in Nordthüringen soll der Sage nach Kaiser Friedrich I. - der den Beinamen "Barbarossa" (Rotbart) bekam - bis zu seiner Wiederkehr schlafen. Der Bildhauer Martin Schaub aus Rotenburg hat den ertrunkenen Herrscher im Wald bei Melsungen als Skulptur in grellen Farben schon jetzt zum Leben erweckt.
Gegenständliches und Abstraktes reiht sich auf den ersten Kilometern des Kunstpfades aneinander. Wenn es den Initiatoren gelingt, ihr Werk zu vollenden, dann dürfte "Ars Natura", wie der ungewöhnliche Weg getauft wurde, eines der größten Projekte seiner Art sein. Immerhin haben sich mit einigen Kommunen, dem Land Hessen sowie Sponsoren schon mal erste Geldgeber gefunden.
Bis jetzt haben sich 70 Künstler aus mehreren Ländern am Wegesrand verewigt. Selbst Kinder und Jugendliche aus Schulen von Orten entlang der Route durften ihrer Phantasie freien Lauf lassen. So sorgt eine Klasse aus dem Gesamtschule Spangenberg für "Augen-Blicke", indem sie Abbilder des Sehorgans in Bäumen hängte.
Die künstlerischen Schöpfungen sollen Verbindung zur natürlichen Umgebung an den ausgewählten Standort eingehen, das war eine Bedingung. Viele der Werke sind aus dem entstanden, was vor Ort auffindbar war: Steine, Holz, Laub. Das hat dazu geführt, dass manches erst auf den zweiten oder dritten Blick sichtbar wird - Wind und Wetter haben ihren Beitrag dazu geleistet. Freilich sind die Werke so robust gebaut, dass sie auch heftigen Stürmen standhalten.
Doch vieles würden die Wanderer wohl gar nicht wahrnehmen, wären da nicht die dezenten Schilder an Metallstangen, die den Namen und den Titel des Werkes verraten. Interpretationshilfen sucht man jedoch vergebens, da ist eigener Ideenreichtum gefragt.
Und manchmal auch noch offene Ohren:
So hat Reinhold Gabriel an einem Baum ein Bambusrohr installiert und es mit überdimensionalen "Schwirrbögen" ausgestattet, so dass der Wind dort seine Lieder spielen kann.
An mehreren Stellen darf der Wanderer auf "Maistrommeln" von Karin L. Adam "naturkommunikativ" selbst das vielstimmige Konzert des Waldes um eigene Kompositionen bereichern - allerdings nur im Sommer, denn im Winter werden die aus Baumstämmen gefertigten Musikinstrumente geöffnet, sie verwandeln sich dann - zum Beispiel mit Mais gefüllt - in Futterstellen für das Wild.
Wer wenig Zeit hat und nur einen Abstecher in die natürlich-künstliche Welt unternehmen will, hält an der Abfahrt Melsungen an der A 7 zwischen Bad Hersfeld und Kassel und kann in der Nähe der Autobahn auf einem 2,5 Kilometer langen Rundweg am Heiligenberg wandeln. Das ist der erste Abschnitt des Kunstpfades. Eine stramme Tour ist hingegen der gesamte bis jetzt fertig gestellte Abschnitt, der von Felsberg-Gensungen über Melsungen und Spangenberg bis nach Hessisch-Lichtenau führt.
Da der Barbarossaweg, der mit einem weißen X markiert ist, auf diesem Abschnitt gut ausgebaut ist, lässt er sich nicht nur wandernd, sondern auch per Rad bewältigen. Unterwegs lohnt sich ein Abstecher in beschauliche Fachwerkstädtchen. Außer der Kunst liegen entlang des Weges weitere Sehenswürdigkeiten, die Burgruine auf dem Heiligenberg etwa, und hoch über Spangenberg thront ein Jagdschloss, das neben Museum und Restaurant auch ein Hotel beherbergt.
• Weitere Informationen beim Touristik Service Kurhessisches Bergland,
Tel. 05681/ 775480 oder im Internet unter www.kurhessisches-bergland.de
Ab Frühjahr sind Führungen zu den Kunstwerken geplant.
Über zwei Abschnitte des Weges existiert ein Video, das bei der Tourist-Info Melsungen, Telefon 05661/921100 bestellt werden kann.
Anfang kommenden Jahres soll eine CD mit Musikstücken zu einzelnen Kunstwerken erscheinen.
Frankfurter Rundschau
Schauplatz Görlitz - Der Traum von der Europastadt
Neues Leben für ein architektonisches Juwel
Görlitz, die östlichste Stadt Deutschlands, hat Chancen, als Weltkulturerbe anerkannt zu werden. 13 Jahre Sanierung haben zur Wiedergeburt einer Stadt geführt, deren bauliche Entwicklung über Jahrhunderte von Fernhandel und Industrialisierung geprägt wurde. Heute fehlt der Stadt an der Grenze zu Polen nur noch eine gewisse Urbanität.
Wer als Westbesucher zu DDR-Zeiten nach Görlitz kam, erlebte an der deutsch-polnischen Grenze eine von Bomben und übereiltem Wiederaufbau verschonte deutsche Stadt. Es gab noch den Unter- und Obermarkt mit spätgotischen Laubengängen, Renaissance- und Barockbauten, dazu jenseits der erst 1848 abgebrochenen Stadtmauer die neuen Viertel mit gründerzeitlichen Mietshäusern und grossbürgerlichen Villen. Dreizehn Jahre danach ist Görlitz immer noch zwischen zwei Nationen geteilt. Doch mit dem sich abzeichnenden EU-Beitritt Polens beginnt sich das von Vorurteilen belastete Klima in der Neissestadt zu ändern. Die jungen Leute hüben und drüben stehen in den Startlöchern, um gemeinsam die Europastadt zu bauen, das deutsch- polnische Görlitz/Zgorzelec. Eines der vielen Zeichen guten Willens ist die für nächstes Frühjahr geplante Neukonstruktion der 1945 gesprengten Altstadtbrücke.
Hoffen auf den «Aufschwung Ost»
An Besuchern mangelt es der Grenzstadt schon längst nicht mehr. Was fehlt, sind junge Görlitzer, die verhindern, dass dieses einzigartige, mit viertausend denkmalgeschützten Objekten gesegnete Gemeinwesen zu einem Museum wird. Eine niedrige Geburtenrate und die Abwanderung junger Menschen in den Westen haben dafür gesorgt, dass die Einwohnerzahl von 80 000 Ende der sechziger Jahre auf heute 63 000 geschrumpft ist. Das ist nicht verwunderlich angesichts der Tatsache, dass als einziges grösseres Industriewerk nur der Bombardier-Waggonbau überlebt hat. Die vielen restaurierten Häuser können nicht darüber hinwegtäuschen, dass der «Aufschwung Ost» in Görlitz noch nicht angekommen ist.
Dabei kann die Stadt auf eine blühende Vergangenheit zurückblicken. Die böhmischen Herzöge, die im 11. Jahrhundert über die Oberlausitz herrschten, besassen mit dem sorbischen Dorf Goreliz einen Kreuzungspunkt zweier bedeutender Handelsstrassen in West-Ost- und Nord-Süd- Richtung. Vom böhmischen König Ottokar I. ins Land gerufene Siedler aus Franken und Thüringen gründeten dann in der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts auf dem Westufer der Neisse eine erste Kaufmannssiedlung, die sich bis 1220 zu einem städtischen Fernhandelsplatz erweiterte. Wirtschaftliche Kraft besass die Stadt im Mittelalter durch das Tuchmacherhandwerk sowie den Handel mit Tüchern und dem Färbemittel Waid. Mit königlichen Privilegien wie Münzprägerecht und Hoher Gerichtsbarkeit ausgerüstet, trat Görlitz 1346 dem oberlausitzischen Sechsstädtebund bei. Das Ziel war zunächst der Schutz der Handelswege. Doch mit Beginn der Hussitenkriege setzten die Städte ihre vom König verbriefte Macht mehr und mehr gegen die mit den «Ketzern» sympathisierenden Handwerker und Besitzlosen ein. Aus dem oft blutigen Machtgerangel ging in Görlitz die Ratsoligarchie gestärkt hervor.
Das Bild, das die herausgeputzte Neissestadt heute wieder bietet, ist ein getreues Abbild dieser Entwicklung. Das Repräsentationsbedürfnis der reichen Kaufmannsschicht prägte den Stil der Häuser von der Neissstrasse über den Untermarkt, die Brüderstrasse und den Obermarkt bis zum Kaisertrutz, der mächtigsten unter den mittelalterlichen Bastionen, und seinem über hundert Jahre älteren eleganten Gegenstück, dem Reichenbacher Turm. Die Viertel der Gerber und Tuchfärber lagen zu beiden Seiten des Flusses; Bäcker, Schmiede und Papierschöpfer nutzten die Wasserkraft von Neisse und Lunitz für ihre Mühlen. Der Initiative von Kunsthistorikern, Denkmalpflegern und engagierten Bürgern ist es zu danken, dass in der DDR-Zeit der Abriss historischer Gebäude verhindert werden konnte.
Kaufmannshäuser und Sakralbauten
Der restaurierte Schönhof in Görlitz am Untermarkt soll das älteste
noch erhaltene Renaissance-Gebäude Deutschlands sein:
http://www.tor-alf.de/Gorlitz/schonhof.jpg http://www.tor-alf.de/Gorlitz/schonhof2.jpg
Link siehe unten
Der grösste Teil der Baudenkmäler, die den Krieg und die spätere Verwahrlosung überstanden, wurde saniert und bestimmt heute wieder das Stadtbild. Der ringförmige, durch die «Zeile» in einen nördlichen und einen südlichen Bereich geteilte Untermarkt besitzt auf der Ostseite noch die alten «Hirschläuben», einen gotischen Arkadengang mit Netzrippengewölbe. Nach dem grossen Stadtbrand von 1525 dienten die stehen gebliebenen Verkaufslauben als Substruktion für Neubauten im Stil der Renaissance. Aus dieser Zeit stammt der prachtvolle Schönhof, ein Werk, mit dem der in Schlesien und der Oberlausitz tätige Wendel Roskopf d. Ä. in die Reihe der führenden deutschen Renaissancebaumeister aufrückte. Von ihm stammt auch die Görlitzer Rathaustreppe von 1537 mit Kanzel und Justitia- Standbild. Die Restaurierung nach 1989 galt gewachsenen Ensembles - kleinen und grossen Stadträumen, die miteinander in lebhaftem Austausch stehen. Aus diesem Zusammenklang historischer Stile tönen mal lauter, mal leiser die Stimmen einzelner Architekten und Bauherren.
Wir sind es gewohnt von Residenzstädten baukünstlerische Höchstleistungen zu erwarten. Görlitz ist ein Gegenbeispiel, eine Bürger- und Handelsstadt, die sich ihren architektonischen Reichtum aus den Anpassungen an wirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklungen geschaffen hat. Den überzeugendsten Ausdruck dafür findet man im Typus des Görlitzer Hallenhauses, der Wohn- und Arbeitsstätte eines Handelsherrn. Die Organisation des Hauses lässt sich nur erschliessen, wenn man durch das Portal in die gewölbte Erdgeschosshalle tritt. Von dort führt eine Treppe in den Keller, wo das selbst gebraute Bier lagerte, eine andere in die zentrale Halle, die durch mehrere Stockwerke bis unter das Dach reichte. Von dort empfing sie durch ein Fenster Tageslicht. Eine Öffnung zwischen Zentralhalle und Kontor verschaffte dem Hausherrn die Kontrolle über wichtige Vorgänge in seiner Umgebung. Umlaufende Galerien und die halbgeschossig versetzten Wohn-, Arbeits- und Lagerräume bildeten ein ebenso zweckmässiges wie repräsentatives Ganzes. Die Görlitzer Hallen sind in ihrem heutigen Zustand das Ergebnis mehrerer zweckgerichteter Umbauten, bei denen von der ursprünglichen Grosszügigkeit immer etwas verloren ging. Heftige Diskussionen löst bei jeder Sanierung die Frage aus: Wo soll erhalten, wo zurückgebaut werden? Allgemein gilt, dass historische Veränderungen von zeitgeschichtlicher Bedeutung bewahrt werden.
Unter den Görlitzer Sakralbauten besitzt neben der Peterskirche, einem spätgotischen, in seiner Leichtigkeit beeindruckenden fünfschiffigen Hallenbau, das Heilige Grab stadtgeschichtliche Bedeutung. Die private Stiftung aus dem späten 15. Jahrhundert ist eine ziemlich massstabgetreue Nachbildung des Jerusalemer Heiligen Grabes mit Kreuzkapelle, Grabkapelle und Salbstein in der von den Kreuzrittern im 12. Jahrhundert geschaffenen Form. Von anderen europäischen Heiliggrab-Nachbildungen unterscheidet sich die Görlitzer durch ihre Einbettung in die Landschaft. Die Restaurierung der Anlage bewirkte, dass die Karfreitagsprozession von der Peterskirche zum Heiligen Grab wiederbelebt wurde.
Es gibt noch einen anderen Ort, dem die Görlitz-Enthusiasten zu einem Superlativ verholfen haben: Karstadt, «Deutschlands schönstes Kaufhaus» von 1912. Die Fassade der wuchtigen natursteinverkleideten Stahlskelettkonstruktion verrät nichts von ihrem Inneren. Das Haus empfängt seine Kunden in einem weiten Lichthof unter einer prächtigen Jugendstil-Glaskuppel und geleitet sie über eine stilvolle zweiarmige Treppenanlage zu den drei oberen Einkaufsgalerien. Nach der Restaurierung sind selbst die lange verbannten Lüster wieder an ihren Platz zurückgekehrt. - Seit 1995 werden mit dem jährlich überwiesenen Geld eines anonymen Spenders immer mehr Sanierungsprojekte realisiert. Das ist die eine Wahrheit. Die andere lautet: Zurzeit wird ein «Stadt-Umbau-Programm» diskutiert, das bis 2015 den Abriss von 8500 nicht vermietbaren und also dem Verfall preisgegebenen Wohnungen vorsieht.
Gabriele Hoffmann
NZZ
Virtueller Rundgang:
http://www.tor-alf.de/Gorlitz/body_gorlitz.html
Es lohnt sich mal reinzuschauen. :)
Hier ein Auszug aus der Sitemap:
Willkommen im Erlebnisland Deutschland
Reiseziel
Bundesländer
Baden-Württemberg
Bayern
Berlin
Brandenburg
Bremen
Hamburg
Hessen
Mecklenburg-Vorpommern
Niedersachsen
Nordrhein-Westfalen
Rheinland-Pfalz
Saarland
Sachsen
Sachsen-Anhalt
Schleswig-Holstein
Thüringen
Städte
Aachen
Augsburg
Baden-Baden
Berlin
Bielefeld
Bonn
Bremen
Chemnitz
Darmstadt
Dresden
Düsseldorf
Eisenach
Erfurt
Essen
Esslingen
Frankfurt
Freiburg
Friedrichshafen
Fulda
Hamburg
Hannover
Hannover-Münden
Heilbronn
Hildesheim
Ingolstadt
Jena
Kaiserslautern
Karlsruhe
Kassel
Kempten
Kiel
Koblenz
Köln
Leipzig
Lübeck
Ludwigsburg
Lüneburg
Magdeburg
Mainz
Mannheim
Marburg
Memmingen
München
Münster
Nürnberg
Osnabrück
Passau
Potsdam
Recklinghausen
Regensburg
Rostock
Rüdesheim
Saarbrücken
Schwerin
Stuttgart
Tübingen
Ulm
Weimar
Wiesbaden
Wismar
Würzburg
Historic Highlights of Germany
Magic Cities Germany
Ferienstraßen
Deutsche Alpenstraße
Burgenstraße
Route der Industriekultur
Ferienroute Alpen-Ostsee
Deutsche Weinstraße
Straße der Romanik
Deutsche Märchenstraße
Romantische Straße
Glasstraße
Goethestraße
Klassikerstraße
Oranier Route
Alte Salzstraße
Straße der Weserrenaissance
Deutsche Fachwerkstraße
Nationalparke
Nationalpark Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer
Nationalpark Hamburgisches Wattenmeer
Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer
Nationalpark Jasmund
Nationalpark Vorpommersche Boddenlandschaft
Nationalpark Müritz
Nationalpark Unteres Odertal
Nationalpark Harz
Nationalpark Hochharz
Nationalpark Hainich
Nationalpark Sächsische Schweiz
Nationalpark Bayerischer Wald
Nationalpark Berchtesgaden
Reisetipps
Urlaub in der Natur
Golf
Radfahren
Wanderurlaub
Wintersport
Reiturlaub
Urlaub am Wasser
Deutschlands Flüsse
Aktivitäten am Wasser
Burgen und Schlösser
Hier tobt das Mittelalter
Einladung zum Gruseln
Pech und Schwefel
Kaisern und Königen folgen
Mythen und Märchen
Prunk und Glanz alter Tage
Residieren wie ein Fürst
Unesco Welterbe
Welterbe im Norden
Welterbe im Westen
Welterbe im Osten
Welterbe im Süden
Romanik
Die Romanik hat den Bogen raus
Klang der Kathedralen
Auf den Spuren der Romanik
Veranstaltungshighlights
Musicals
Varietés
Kurz- und Städtetrips
Kulinarisches Deutschland
Deutsche Küche
Deutsches Küstenland
Neue Bundesländer
Nordrhein-Westfalen
Saarland
Südwesten
Schwarzwald
Bayern
Familienreisen
Reisetipps
Angebote
Ferienparks
Ferien auf dem Bauernhof
Vitalurlaub
Mineral- und Moorheilbäder
Heilklimatische Kurorte
Seeheilbäder und Seebäder
Kneippheilbäder und Kneippkurorte
Jugendreisen
Individualreisen
Sport, Freizeit & Erlebnis
Sprachreisen, Studium, Schule und Beruf
Gruppen- und Schulfahrten
Unterkünfte
Barrierefreies Reisen
Geschäftsreisen
Infrastruktur
Messen
Kongresse und Tagungen
Wirtschaft
Wissenschaft
Unterhaltung und Sightsseing
Incentives
Events
Eventsuche
Info Center
Unterkünfte
Camping und Caravaning
Ferien auf dem Bauernhof
Feriendörfer, Ferienwohnungen, Ferienhäuser
Jugendherbergen
Bed & Breakfast, Privatunterkünfte
Pensionen und Gasthöfe
Hotels
Deutschland Tourismus (http://www.deutschland-tourismus.de/d/146.html)
Magie des Südens: Während anderswo in Deutschland noch Frost und Schnee regieren, kehrt am Bodensee bereits der Frühling ein
von Joachim Barmwoldt
Wetterfrosch Jörg Kachelmann muss sich tief nach links unten bücken. Auf der Landkarte zeigt er die Spur des Frühlings: Warme Winde, die aus Italien kommen und über die Alpen streichen, sinken auf den Bodensee. Wie ein Spiegel glänzt er, wie Edelsteine glitzern die Schneegipfel am Horizont im Sonnenschein, und das Thermometer klettert auf den vorläufigen Jahreshöchststand. Es ist Anfang März. In den Weingärten am Seeufer verbrennen Winzer vertrocknete Reben, schmale Rauchsäulen steigen in den klaren Himmel. Vögel zwitschern in den Büschen, in den Gärten blühen rosafarbene Magnolien und Mandelbäume, goldgelbe Forsythien und weiße Apfelblüten wetteifern mit einem Teppich aus Tulpen und Narzissen.
Zeit für Gefühle. Langsam verhallen die feierlichen Orgelklänge in der Barockbasilika Birnau. Vergoldete Engel lächeln vom Sims. Über ihnen spannen sich farbenprächtige Deckengemälde, unter ihnen schreitet ein Brautpaar zum Portal. Einigen Gästen kullern Freudentränen über die Wangen. Die Jungvermählten treten auf die große Terrasse, blicken über den Bodensee. Vom Horizont hebt sich die Blumeninsel Mainau ab. Blaue und gelbe Krokusse sprießen aus dem Inselboden, die meisten Schneeglöckchen sind längst verblüht. Auf der Mainauer Schlossterrasse stehen Palmen und Orchideen dicht an dicht. Bis Mitte Mai wölbt sich darüber ein Gewächshaus.
„Ende März beginnt das neue Blumenjahr auf der Mainau", sagt Maria Regele von der Inselverwaltung, ein Farbenrausch aus hunderttausenden Tulpen, Narzissen und Hyazinthen. Zur Saisoneröffnung präsentiert sich die Insel außerdem mit einem völlig neu gestalteten Entree auf dem Festland. Höhepunkt auf der Mainau wird „Zauber des Orients" sein - eine Schau, die am 15. Mai beginnt. Sechs Wochen lang können die Gäste dann spezielle, im orientalischen Stil gestaltete Gartenanlagen und Blumenarrangements besichtigen. Zuvor sind bis zum 23. März „Optische Träume", Makro-Fotos von Graf Lennart Bernadotte, zu sehen. Der 93-Jährige entstammt dem schwedischen Königshaus. Er hat die Insel seit 1936 in ein Gartenreich verwandelt.
Wellen schwappen gegen den Bug, Dieselmotoren tuckern: Rasch gleitet die Fähre von der Mainau hinüber nach Meersburg. Passagiere stehen an Deck und lassen ihre Gesichter von der Sonne streicheln. „Der Bodensee ist 63 Kilometer lang, 14,8 Kilometer breit und bis zu 254 Meter tief", erzählt derweil der Kapitän. Dann tauchen sie auf, die roten Dächer, die weißen Fassaden und spitzen Giebel - die alten Häuser Meersburgs drängen sich am Uferhang, scheinen übereinander gestapelt zu sein. Weinberge umgeben das Städtchen. Ein Schloss ragt hervor. In der Burg daneben dichtete Annette von Droste-Hülshoff einst ihre Liebesverse.
Zwölf Kilometer weiter, an der Uferpromenade von Friedrichshafen, plaudern Gäste in Straßencafés. Die Mittagssonne scheint, die Schweizer Alpengipfel gleißen im milden Licht. Hummeln fliegen summend von Blume zu Blume, Bienen nippen an Blütenkelchen. Plötzlich ein flüchtiger Schatten, ein leises Brummen: Ein weißes Luftschiff mit blauem Längsstreifen schwebt über die Promenade. Der Zeppelin startet in Friedrichshafen regelmäßig zu einstündigen Rundtouren. Je nach Wetterlage wählen die Piloten die Ostroute über Lindau und Bregenz oder die Westroute über Konstanz, Mainau und Meersburg. Wenn er nicht über dem Bodensee kreist, ankert der Zeppelin vor der 32 Meter hohen Luftschiffhalle auf dem Flugplatz Friedrichshafen. Wer mehr über Luftschiffe erfahren möchte, kann an einer Werftführung bei der Firma Zeppelin Luftschifftechnik in Friedrichshafen teilnehmen. Sie dauert 45 Minuten und kostet pro Person acht Euro.
Alles über die Geschichte der Zeppeline finden Enthusiasten im Zeppelin-Museum Friedrichshafen. Motoren, Gondeln, Navigationsgeräte und Fotos sind im ehemaligen Hafenbahnhof ausgestellt. Dort können Besucher auch rekonstruierte Passagierkabinen und einen Teil des Promenadendecks des legendären Luftschiffs „Hindenburg" besichtigen. Anschließend entspannen sich etliche Gäste auf der Sonnenterrasse des Museumsrestaurants. Schiffe ziehen vorüber, einige nehmen Kurs auf Lindau.
An der dortigen Hafeneinfahrt wacht, aus Stein gemeißelt, der bayerische Löwe. Auf der Promenade flanieren Familien, vorbei an Palmen, die gestern noch im Winterquartier standen. Gassen mit holprigem Pflaster führen durch die Altstadt. Magnolien blühen vor Cafés, Eisdielen haben geöffnet, und Brunnen plätschern auf Plätzen, um die sich mittelalterliche und barocke Bürgerhäuser scharen. Wohin man auch schaut: Überall gibt es Erker, Laubengänge und Blumen vor den Fenstern. Magie des Südens.
Geradezu in ein Märchenland versetzt fühlen sich Besucher dagegen, wenn sie vor der Markthalle in Altenrhein stehen. Der Ort liegt gegenüber von Lindau auf dem Schweizer Ufer des Bodensees. Vier goldene Turmhauben glänzen im Sonnenschein. Graue Steine in runder Fassade, halbrunde Fenster und viele bunte Farbtupfer - die Markthalle ist ein Werk des österreichischen Künstlers Friedensreich Hundertwasser. Nicht einen rechten Winkel gibt es in dem Gebäude. Hundertwasser hat das Projekt von Neuseeland aus bis zu seinem Tod im Februar 2000 geleitet. Heute bieten 20 Bauern aus der Region frische Eier, Äpfel und Kohl in der Markthalle an. Die Galerie im Obergeschoss verkauft handsignierte Grafiken von Friedensreich Hundertwasser.
Wasser, das aus dem Eis kommt - darum dreht sich alles im Konstanzer Meer- und Süßwasser-Aquarium Sea Life. Mattes Sonnenlicht bricht sich in eisigen Höhlenwänden. Bizarre Lichtreflexe erfüllen den Raum. Die Eiswand erinnert an Gletscher, die Quelle des Rheins. Das Eis schmilzt, das Schmelzwasser rauscht ins Tal, mündet ins Bodensee-Becken. Karpfen und Forellen, Saiblinge und Felchen ziehen dort ihre Kreise. 30 naturgetreu gestaltete Becken ermöglichen Sea-Life-Besuchern viele Einblicke in das Leben von Fischen, Muscheln und Krebsen. Höhepunkt der Ausstellung ist ein gläserner Tunnel, der quer durch ein mit 320.000 Liter Meerwasser gefülltes Becken führt. Wer hindurchgeht, ist auf Augenhöhe mit Haien, Stechrochen und Meeraalen.
Mit Fischen, allerdings solchen aus dem Bodensee, kennt sich Hubert Neidhart aus. Er pflegt eine gehobene regionale Küche in seinem Gasthof „Grüner Baum" in Moos. Das verträumte Dorf liegt auf der Halbinsel Höri am Untersee, dem westlichen Finger des Bodensees. Felchenfilet in Weißweinsoße zählt zu den Highlights auf der Speisekarte. Nach dem Dessert empfiehlt sich ein Spaziergang durch die unberührte Natur, vorbei an knorrigen Apfelbäumen, turtelnden Tauben, blühende Büschen und Bäumen.
Das alles wird es auch vor 1280 Jahren gegeben haben, als Mönche das Kloster auf der Insel Reichenau gründeten. Abt Heito, ein Freund Karls des Großen, führte die Klosterschule bald zu höchster Blüte. Sein Bibliothekar Reginbert erweiterte die Büchersammlung zu einer der bedeutendsten jener Epoche. Spätestens 1803 endete dieser kulturelle Frühling, Reichenau wurde säkularisiert. Spuren der großen Vergangenheit finden Besucher in den früheren Klosterkirchen Sankt Georg in Oberzell, dem Marienmünster in Mittelzell und Sankt Peter und Paul in Unterzell. Seit November 2000 steht die Insel auf der UNESCO-Liste des Weltkulturerbes. Vielleicht, so denken Beobachter, entwickelt sich daraus ja ein neuer kultureller Frühling für die Region.
Welt am Sonntag
Wunderschöne Fotos, but not to be used without owner´s permission
Park der Insel Mainau, Bodensee, Frühling, Narzissen (http://www.gartendatenbank.de/trips/mainau/a001.htm)
http://www.fh-koblenz.de/koblenz/remstecken/rhein/leporello.bilder/11.bodensee.JPG
vBulletin v3.0.3, Copyright ©2000-2012, Jelsoft Enterprises Ltd.