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Vollständige Version anzeigen : Allensbach: Jüngere greifen immer seltener zur Zeitung


Eliska
31.07.2002, 00:21
Internet-Nutzung ist dagegen stark gestiegen.
Sie stieg von neun auf 29 Prozent an.

Von Tilmann P. Gangloff

Trotz der teilweise dramatisch gesunkenen Umsätze deutscher Verlage und eines breiten Rückgangs bei den verkauften Auflagen bleibt das Informationsverhalten der Deutschen "weit gehend stabil". Dies geht aus den jüngsten Ergebnissen der Allensbacher Markt- und Werbeträgeranalysen (AWA) hervor.
Auf die Frage, wie sich die Menschen über ein Thema "näher und umfangreicher informieren möchten", gaben 61 Prozent an, Berichte in einer Zeitung zu lesen. Vor drei Jahren waren es nur 58 Prozent. Einen ungleich deutlicheren Zuwachs verzeichnet allerdings die Internet-Nutzung: Sie stieg von neun auf 29 Prozent an. Informationsquelle Nummer eins ist mittlerweile aber das Fernsehen (73 Prozent), das sogar "Familie, Freunde oder Bekannte" (71 Prozent) hinter sich gelassen hat.

Aufschlussreich sind auch die Statistiken aus dem soeben erschienenen "Jahrbuch der Demoskopie" vom Institut für Demoskopie in Allensbach (IfD). Die Frage, ob man regelmäßig eine Zeitung lesen sollte, wird von Jüngeren immer seltener mit "Ja" beantwortet. Während Menschen über 45 Jahre die Zeitungslektüre nach wie vor mehrheitlich für unverzichtbar halten, ist dieser Wert bei den 16- bis 44-Jährigen um weit mehr als 10 Prozent gesunken.

Gerade in Ostdeutschland, wo die Tageszeitungen ohnehin deutliche Einbußen verzeichnen, verlieren sie beträchtlich an Nachwuchs. Während 1991 noch über 70 Prozent der 14- bis 29-Jährigen angaben, am Tag vor dem Interview eine Zeitung gelesen zu haben, ist dieser Wert im Jahr 2002 auf unter 50 Prozent gesunken. In den alten Bundesländern fällt der Rückgang sogar noch drastischer aus, allerdings auf höherem Niveau (von mehr als 75 auf gut 53 Prozent).

Kaum verändert hat sich zumindest bei den Männern die Vorliebe für bestimmte Themen in der Zeitung: Sie bevorzugen die Innenpolitik (75 Prozent), sind etwas weniger an Außenpolitik interessiert (67 Prozent) und werfen immer öfter einen Blick in den Wirtschaftsteil (1981: 42 Prozent; 1999: 49 Prozent).
Bei den Zeitungsleserinnen hingegen gibt es eine deutliche Entwicklung. Das Interesse an Außenpolitik zum Beispiel kann sich zwar immer noch nicht annähernd mit dem der Männer messen (43 Prozent), hat sich im Verlauf der zurückliegenden 20 Jahre aber verdoppelt. Auch innenpolitische Themen liegen den Frauen stärker am Herzen als noch vor zwei Jahrzehnten (von 53 auf 63 Prozent). Berichte aus der Wirtschaft (22 Prozent) lassen sie jedoch nach wie vor kalt.

Größter Feind des Lesens ist und bleibt das Fernsehen. Es ist das Medium, auf das 60 Prozent der Deutschen am wenigsten verzichten wollen. Mittlerweile gibt die Hälfte der Deutschen an, mehr als drei Stunden täglich vor dem Fernseher zu verbringen - 1989 war es erst rund ein Drittel. Bei fast einem Viertel der Befragten sind es heute sogar vier Stunden und mehr.

DIE WELT