Schonaj
31.08.2002, 13:20
habe ich eben im Radio gehört.
Wer war Lionel Hampton?
Lionel Hampton, das sind zwei Worte für eine Legende in der Geschichte der Musik dieser Welt. Der Entdecker des Vibraphons für den Jazz war zur Zeit dieser Entdeckung bereits ein bekannter Schlagzeuger, etikettiert als schnellster Schlagzeuger der der Welt. Berühmt wurde er durch sein Auftreten in Benny Goodman's Quartett, dem Zentralquartett der Swing-Ära. Sein Ruhm hielt sich ununterbrochen bis in die Sechziger Jahre hinein, und dies Dank dem cleveren Management durch seine Frau Gladys Hampton. Mindestens ein halbes Dutzend Amtseinführungen von amerikanischen Präsidenten hat er musikalisch umrahmt, nachdem er bereits fleißig politische Kampagnen von Richard Nixon, Harry Truman, Nelson Rockefeller, General Eisenhower, Lyndon B. Johnson, wieder Richard Nixon, George Bush und schließlich Ronald Reagan und wieder George Bush unterstützt hatte. Die Welt kennt wohl kaum einen politischeren Musiker als Hampton, der stets darauf achtete, daß die Kandidaten seiner Wahl etwas für die Armen und für die Schwarzen taten. George Bush war als Vize-Präsident und als Präsident sogar ein Produkt Made in Hamp, denn als nach der Rallye gegen Kandidat Reagan der unterlegene Bush aufgeben wollte, war es Hampton, der ihm zum Kampf um die Vizekandidatur riet.
Trotz des gewaltigen musikalischen und auch politischen Engagements verlor er nicht die Kraft zum Weitermachen nach dem Tod seiner Frau Gladys im Jahr 1971. Schließlich war er Dank der Geschäftstüchtigkeit seiner Frau nun so reich, daß er sich sozial stärker durch Wohnungsbauprojekte in Harlem, New York, engagieren konnte, und schließlich durch den Bau der Lionel Hampton School of Music in der University of Idaho in Moscow, Idaho.
Lionel Hampton's Jugend verlief wie ein Drehbuch für ein Märchen. Obwohl er durch den ersten Weltkrieg seinen Vater verlor, den er erst über zwanzig Jahre später wieder zu Gesicht bekam, hatte er nach eigener Auffassung genug Familie um sich herum, um glücklich im Familienkreise groß zu werden. Der Großvater war Heizer auf einer der größten Schnellzugdampfloks, die es je gab. Die Großmutter war eine hochbegabte Predigerin, und war tonangebend in Lionel's Kindheit, während die Mutter wohl weniger im Vordergrund stand. Sein Onkel Richard holte in der Zeit der Prohibition Experten für das Schwarzbrennen von Whiskey und Gin aus den Südstaaten nach Chicago, wo er Al Capone zuarbeitete. Al Capone war damals der Hauptsponsor für die viele gute Musik in der Stadt, und auf Onkel Richard's Partys konnte Lionel nicht nur die Gangster, sondern auch Musiker wie Jelly Roll Morton und Bessie Smith kennenlernen. Onkel Richard ehelichte schließlich sogar Bessie Smith. Richard starb bald, nachdem er der Chauffeur war bei Bessies tödlichem Autounfall. Aber zu diesem Zeitpunkt war Lionel nicht mehr auf den Wohlstand seiner Familie angewiesen. Als er 1930 zu seiner Gladys fand, bekam seine Karrierre bereits ihren ersten Anschub, fortan war er einer der Stars bei Les Hite, und wurde schließlich durch Radiosendungen zunächst ausschließlich an der Westküste berühmt. Und, wie gesagt, 1937, als Bessie Smith starb, war er Mitglied des bedeutendsten kleinen Ensembles der Swing-Ära, zusammen mit Teddy Wilson und Gene Krupa unter der Leitung von Benny Goodman.
Nach seiner Erfahrung mit Benny Goodman, der stets für Gleichbehandlung seiner farbigen Mitmusiker Hampton und Wilson sogar in den Südstaaten gesorgt hatte, war Hampton selbst ständig bemüht um Integration von Schwarz und Weiß sowohl auf der Bühne als auch auf der Tanzfläche. Zu Beginn seiner späten Jahre Ende der Neunzehnhundertsiebziger konnte er zufrieden feststellen, wie sich nun ganz selbstverständlich in den Tanzsälen die Hautfarben mischen, ohne daß dazu noch etwas zu tun wäre. Aber ein Unermüdlicher wie Lionel Hampton gab sich nicht mit dem geleisteten zufrieden. Zur Aufarbeitung der Jazzgeschichte schuf er die Plattenserie Who is Who in Jazz für sein eigenes Plattenlabel Glad-Hamp. Gerri Mulligan, Earl Hines, Teddy Wilson, Woody Herman, Buddy Rich, Cozy Cole, Zeke Mullins und Bill Doggett lud er ein zur Aufnahme je einer LP mit sich selbst als Co-Leader und jeweils einer hochkarätigen Begleitband. 1978 wurde die Platten-Serie Who is Who in Jazz durch eine Live-Aufnahme mit Chick Corea abgeschlossen. Ein weiterer Höhepunkt in jenem Jahr war sein Carnegie Hall Konzert zu seinem 50. Bühnenjubiläum.
Ein alternder Star ist nicht zu denken ohne helfende Hände wie zum Beispiel Bill Titone, den Manager des Glad-Hamp-Labels. Oder dessen Frau, die Lionel ein neues Apartement suchte, nachdem seine Frau gestorben war und er nicht mehr in der Wohnung in Harlem wohnen wollte. Oder George Wein, der seine Europa-Touren organisierte. Und nicht zu vergessen die Journalistin Audrey Smaltz, die zeitweise seine Altersgefährtin war, sozusagen ein Ersatz für Gladys Hampton auf Zeit. Nur so ist es zu verstehen, daß Lionel Hampton sich weiter auf seine Musik konzentrieren konnte. Lionel übte bis vor kurzem, als ihn mehrere Schlaganfälle lähmten, noch immer, soweit seine Kondition dafür auch noch reichte. Seine Vibraphonsolos hat er in seiner frühen Zeit am Klavier entwickelt, wobei er nur mit seinen beiden Zeigefingern spielte. Diese Art derVibraphonspielvorübung ist später eine der Extranummern des Show-Mannes Hampton geworden.
Und schließlich muß natürlich noch auf Hamps Spezialität als Big-Band-Leader hingewiesen werden, nämlich auf seine Arrangements für Boogie-Woogie. Boogie-Woogie ist uns heute sonst fast nur als archaischer Piano-Jazz-Stil bekannt, als Rhythmus-Lieferant für spätere Stile wie Rhythm'n Blues und schließlich Rock'n Roll. Ein Grund für Hamptons Erfolg in den Fünfzigern war nicht zuletzt, daß seine Boogies zumindest mit dem Rock'n Roll von Bill Hailey noch voll mithalten konnten. Und ein Boogie Woogie ist zu Hamp's Markenzeichen geworden, und das ist natürlich Hamp's Boogie Woogie. Seine Erkennungsmelodie war allerdings Flyin' Home. Dies Stück entstand auf seiner ersten Flugreise Ende der Dreißiger Jahre mit Benny Goodman. Goodman erkannte, daß Hampton gerade eine neue Melodie am singen war. Diese wurde dann aufgeschrieben und zu seinem größten Lifetime-Hit.
(Auszug aus einem Vortrag im Jazzkreis Wiesbaden im Jahre 1994, Hauptquelle: Lionel Hampton's Autobiographie)
© 1994/1997 by Uwe Kulick
Wer war Lionel Hampton?
Lionel Hampton, das sind zwei Worte für eine Legende in der Geschichte der Musik dieser Welt. Der Entdecker des Vibraphons für den Jazz war zur Zeit dieser Entdeckung bereits ein bekannter Schlagzeuger, etikettiert als schnellster Schlagzeuger der der Welt. Berühmt wurde er durch sein Auftreten in Benny Goodman's Quartett, dem Zentralquartett der Swing-Ära. Sein Ruhm hielt sich ununterbrochen bis in die Sechziger Jahre hinein, und dies Dank dem cleveren Management durch seine Frau Gladys Hampton. Mindestens ein halbes Dutzend Amtseinführungen von amerikanischen Präsidenten hat er musikalisch umrahmt, nachdem er bereits fleißig politische Kampagnen von Richard Nixon, Harry Truman, Nelson Rockefeller, General Eisenhower, Lyndon B. Johnson, wieder Richard Nixon, George Bush und schließlich Ronald Reagan und wieder George Bush unterstützt hatte. Die Welt kennt wohl kaum einen politischeren Musiker als Hampton, der stets darauf achtete, daß die Kandidaten seiner Wahl etwas für die Armen und für die Schwarzen taten. George Bush war als Vize-Präsident und als Präsident sogar ein Produkt Made in Hamp, denn als nach der Rallye gegen Kandidat Reagan der unterlegene Bush aufgeben wollte, war es Hampton, der ihm zum Kampf um die Vizekandidatur riet.
Trotz des gewaltigen musikalischen und auch politischen Engagements verlor er nicht die Kraft zum Weitermachen nach dem Tod seiner Frau Gladys im Jahr 1971. Schließlich war er Dank der Geschäftstüchtigkeit seiner Frau nun so reich, daß er sich sozial stärker durch Wohnungsbauprojekte in Harlem, New York, engagieren konnte, und schließlich durch den Bau der Lionel Hampton School of Music in der University of Idaho in Moscow, Idaho.
Lionel Hampton's Jugend verlief wie ein Drehbuch für ein Märchen. Obwohl er durch den ersten Weltkrieg seinen Vater verlor, den er erst über zwanzig Jahre später wieder zu Gesicht bekam, hatte er nach eigener Auffassung genug Familie um sich herum, um glücklich im Familienkreise groß zu werden. Der Großvater war Heizer auf einer der größten Schnellzugdampfloks, die es je gab. Die Großmutter war eine hochbegabte Predigerin, und war tonangebend in Lionel's Kindheit, während die Mutter wohl weniger im Vordergrund stand. Sein Onkel Richard holte in der Zeit der Prohibition Experten für das Schwarzbrennen von Whiskey und Gin aus den Südstaaten nach Chicago, wo er Al Capone zuarbeitete. Al Capone war damals der Hauptsponsor für die viele gute Musik in der Stadt, und auf Onkel Richard's Partys konnte Lionel nicht nur die Gangster, sondern auch Musiker wie Jelly Roll Morton und Bessie Smith kennenlernen. Onkel Richard ehelichte schließlich sogar Bessie Smith. Richard starb bald, nachdem er der Chauffeur war bei Bessies tödlichem Autounfall. Aber zu diesem Zeitpunkt war Lionel nicht mehr auf den Wohlstand seiner Familie angewiesen. Als er 1930 zu seiner Gladys fand, bekam seine Karrierre bereits ihren ersten Anschub, fortan war er einer der Stars bei Les Hite, und wurde schließlich durch Radiosendungen zunächst ausschließlich an der Westküste berühmt. Und, wie gesagt, 1937, als Bessie Smith starb, war er Mitglied des bedeutendsten kleinen Ensembles der Swing-Ära, zusammen mit Teddy Wilson und Gene Krupa unter der Leitung von Benny Goodman.
Nach seiner Erfahrung mit Benny Goodman, der stets für Gleichbehandlung seiner farbigen Mitmusiker Hampton und Wilson sogar in den Südstaaten gesorgt hatte, war Hampton selbst ständig bemüht um Integration von Schwarz und Weiß sowohl auf der Bühne als auch auf der Tanzfläche. Zu Beginn seiner späten Jahre Ende der Neunzehnhundertsiebziger konnte er zufrieden feststellen, wie sich nun ganz selbstverständlich in den Tanzsälen die Hautfarben mischen, ohne daß dazu noch etwas zu tun wäre. Aber ein Unermüdlicher wie Lionel Hampton gab sich nicht mit dem geleisteten zufrieden. Zur Aufarbeitung der Jazzgeschichte schuf er die Plattenserie Who is Who in Jazz für sein eigenes Plattenlabel Glad-Hamp. Gerri Mulligan, Earl Hines, Teddy Wilson, Woody Herman, Buddy Rich, Cozy Cole, Zeke Mullins und Bill Doggett lud er ein zur Aufnahme je einer LP mit sich selbst als Co-Leader und jeweils einer hochkarätigen Begleitband. 1978 wurde die Platten-Serie Who is Who in Jazz durch eine Live-Aufnahme mit Chick Corea abgeschlossen. Ein weiterer Höhepunkt in jenem Jahr war sein Carnegie Hall Konzert zu seinem 50. Bühnenjubiläum.
Ein alternder Star ist nicht zu denken ohne helfende Hände wie zum Beispiel Bill Titone, den Manager des Glad-Hamp-Labels. Oder dessen Frau, die Lionel ein neues Apartement suchte, nachdem seine Frau gestorben war und er nicht mehr in der Wohnung in Harlem wohnen wollte. Oder George Wein, der seine Europa-Touren organisierte. Und nicht zu vergessen die Journalistin Audrey Smaltz, die zeitweise seine Altersgefährtin war, sozusagen ein Ersatz für Gladys Hampton auf Zeit. Nur so ist es zu verstehen, daß Lionel Hampton sich weiter auf seine Musik konzentrieren konnte. Lionel übte bis vor kurzem, als ihn mehrere Schlaganfälle lähmten, noch immer, soweit seine Kondition dafür auch noch reichte. Seine Vibraphonsolos hat er in seiner frühen Zeit am Klavier entwickelt, wobei er nur mit seinen beiden Zeigefingern spielte. Diese Art derVibraphonspielvorübung ist später eine der Extranummern des Show-Mannes Hampton geworden.
Und schließlich muß natürlich noch auf Hamps Spezialität als Big-Band-Leader hingewiesen werden, nämlich auf seine Arrangements für Boogie-Woogie. Boogie-Woogie ist uns heute sonst fast nur als archaischer Piano-Jazz-Stil bekannt, als Rhythmus-Lieferant für spätere Stile wie Rhythm'n Blues und schließlich Rock'n Roll. Ein Grund für Hamptons Erfolg in den Fünfzigern war nicht zuletzt, daß seine Boogies zumindest mit dem Rock'n Roll von Bill Hailey noch voll mithalten konnten. Und ein Boogie Woogie ist zu Hamp's Markenzeichen geworden, und das ist natürlich Hamp's Boogie Woogie. Seine Erkennungsmelodie war allerdings Flyin' Home. Dies Stück entstand auf seiner ersten Flugreise Ende der Dreißiger Jahre mit Benny Goodman. Goodman erkannte, daß Hampton gerade eine neue Melodie am singen war. Diese wurde dann aufgeschrieben und zu seinem größten Lifetime-Hit.
(Auszug aus einem Vortrag im Jazzkreis Wiesbaden im Jahre 1994, Hauptquelle: Lionel Hampton's Autobiographie)
© 1994/1997 by Uwe Kulick