Eliska
02.09.2002, 12:52
Im Kampf gegen den Terrorismus gibt es weitere Erfolge zu vermelden.
Jüngst konnte von aufmerksamen Flughafenmitarbeitern verhindert werden, daß der Bischof von Alnwick, Christopher Rogerson, seinen in vier Teile zerlegten Bischofsstab als Handgepäck während des Fluges mit sich führte.
Das Gerät wurde von der Fluggesellschaft British European als "gefährliche Waffe" eingestuft. Der Geistliche wollte von Newcastle nach Brüssel fliegen, um an einer geistlichen Zeremonie teilzunehmen.
Der Präventivschlag der Fluggesellschaft lenkt verdienstvoll das Augenmerk auf den Zusammenhang zwischen Religion und Gewalt. Es ist bekannt, daß die gefährlichsten Spielarten des gegenwärtigen Terrorismus einen religiösen Hintergrund haben; und so ist es nur konsequent, wenn schon ein religiöser Fanatiker seinen Schuh mit Sprengstoff füllt, um damit ein Flugzeug in die Luft zu sprengen, auch in Betracht zu ziehen, daß - perfide Tarnung! - selbst ein Bischofsstab randvoll mit tödlichem Pulver sein könnte: Gewiß wäre es Radikalislamisten ein reizvoller Gedanke, sich als Bischof zu verkleiden und dem Abendland eines seiner ehrwürdigen Symbole um die Ohren fliegen zu lassen.
Der seit dem sechsten Jahrhundert bezeugte Bischofsstab war ja in seiner langen Geschichte nicht nur Zeichen geistlicher, sondern auch weltlicher Macht, da hätte man beiden einen Tritt vors Schienbein gegeben.
In ganz anderem Licht erscheint der Vorfall allerdings, wenn man ihn in Zusammenhang mit einer Geschichte betrachtet, die sich zur gleichen Zeit in Deutschland ereignete. Ein katholischer, schleswig-holsteinischer Gemeindepfarrer wird seine Privatsammlung an Polizeiwaffen und Handschellen dem Berliner Polizeimuseum übergeben, das seine Bestände damit nahezu verdoppeln kann.
Der Vater des Pfarrers war Polizist, und der Sohn wollte etwas Ähnliches werden: "Da bin ich eben Pfarrer geworden", sagt Wolfgang Kroker.
Denn Polizei und Glauben sind für ihn "zwei Enden derselben Sache":
Die Polizei setze von außen Recht und Ordnung durch, während der Glaube die Menschen innerlich stärke. In des Pfarrers Worten begegnen wir der Vorstellung von der streitenden Kirche, die sich im Kampf gegen den "bösen Feind", vulgo Teufel, befinde, der freilich im Laufe der Geschichte gelegentlich auch sehr realpolitische Erscheinungsformen annehmen konnte.
Wenn man sich der Überzeugung des Geistlichen anschließt, dann kann man nicht umhin festzustellen, daß die "gefährliche Waffe", die die Mitarbeiter der Fluggesellschaft unschädlich machten, in Wahrheit ein polizeiliches Instrument zur Aufrechterhaltung der christlich-geistlichen und abendländisch-weltlichen Ordnung war.
Hat sich hier also der Okzident im Kampf gegen den Terrorismus versehentlich selbst einen empfindlichen Schlag versetzt?
miga
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 02.09.2002, Nr. 203 / Seite 31
Jüngst konnte von aufmerksamen Flughafenmitarbeitern verhindert werden, daß der Bischof von Alnwick, Christopher Rogerson, seinen in vier Teile zerlegten Bischofsstab als Handgepäck während des Fluges mit sich führte.
Das Gerät wurde von der Fluggesellschaft British European als "gefährliche Waffe" eingestuft. Der Geistliche wollte von Newcastle nach Brüssel fliegen, um an einer geistlichen Zeremonie teilzunehmen.
Der Präventivschlag der Fluggesellschaft lenkt verdienstvoll das Augenmerk auf den Zusammenhang zwischen Religion und Gewalt. Es ist bekannt, daß die gefährlichsten Spielarten des gegenwärtigen Terrorismus einen religiösen Hintergrund haben; und so ist es nur konsequent, wenn schon ein religiöser Fanatiker seinen Schuh mit Sprengstoff füllt, um damit ein Flugzeug in die Luft zu sprengen, auch in Betracht zu ziehen, daß - perfide Tarnung! - selbst ein Bischofsstab randvoll mit tödlichem Pulver sein könnte: Gewiß wäre es Radikalislamisten ein reizvoller Gedanke, sich als Bischof zu verkleiden und dem Abendland eines seiner ehrwürdigen Symbole um die Ohren fliegen zu lassen.
Der seit dem sechsten Jahrhundert bezeugte Bischofsstab war ja in seiner langen Geschichte nicht nur Zeichen geistlicher, sondern auch weltlicher Macht, da hätte man beiden einen Tritt vors Schienbein gegeben.
In ganz anderem Licht erscheint der Vorfall allerdings, wenn man ihn in Zusammenhang mit einer Geschichte betrachtet, die sich zur gleichen Zeit in Deutschland ereignete. Ein katholischer, schleswig-holsteinischer Gemeindepfarrer wird seine Privatsammlung an Polizeiwaffen und Handschellen dem Berliner Polizeimuseum übergeben, das seine Bestände damit nahezu verdoppeln kann.
Der Vater des Pfarrers war Polizist, und der Sohn wollte etwas Ähnliches werden: "Da bin ich eben Pfarrer geworden", sagt Wolfgang Kroker.
Denn Polizei und Glauben sind für ihn "zwei Enden derselben Sache":
Die Polizei setze von außen Recht und Ordnung durch, während der Glaube die Menschen innerlich stärke. In des Pfarrers Worten begegnen wir der Vorstellung von der streitenden Kirche, die sich im Kampf gegen den "bösen Feind", vulgo Teufel, befinde, der freilich im Laufe der Geschichte gelegentlich auch sehr realpolitische Erscheinungsformen annehmen konnte.
Wenn man sich der Überzeugung des Geistlichen anschließt, dann kann man nicht umhin festzustellen, daß die "gefährliche Waffe", die die Mitarbeiter der Fluggesellschaft unschädlich machten, in Wahrheit ein polizeiliches Instrument zur Aufrechterhaltung der christlich-geistlichen und abendländisch-weltlichen Ordnung war.
Hat sich hier also der Okzident im Kampf gegen den Terrorismus versehentlich selbst einen empfindlichen Schlag versetzt?
miga
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 02.09.2002, Nr. 203 / Seite 31