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Vollständige Version anzeigen : Leos langer Schatten. Neu: Etappensieg für Springer


Eliska
02.09.2002, 13:48
In der Seifenoper um die Reste seines untergegangenen Imperiums plant Medien-Pleitier Kirch ein Finale furioso. Die Nebenrollen hat er allen alten Gegnern zugewiesen. Nun schaut er zu, wie nicht nur die Presse-Giganten WAZ und Springer aufeinander prallen.

Manchmal, wenn Leo Kirch, 75, seinen langen Weg Revue passieren lässt vom kleinen Filmhändler ("La Strada") zum allgewaltigen Schattenmann deutscher Medien und wieder zurück ins Fast-Nichts - manchmal also beschleicht ihn dann eine Art fröhlicher Melancholie.

Weil Medien für ihn immer ein so spannendes "Menschengeschäft" waren. Weil er zugibt, nicht selten auf den falschen Kopf statt die richtige Zahl gesetzt zu haben. Und weil selbst ein Marionettenspieler wie er weiß, dass er mit all den Personalentscheidungen, die sich im Nachhinein für ihn als Flop erwiesen, eine große breite Straße pflastern könnte.

Eines der letzten und größten Steinchen im Mosaik seiner Fehlentscheidungen, da ist sich der Alte sicher, trägt den Namen von Mathias Döpfner, Vorstandschef des Axel Springer Verlags, an dem Kirch auch nach dem Zusammenbruch seines eigenen Imperiums 40 Prozent der Aktien hält.

Zwei Jahre ist es her, da nickte Kirch die Inthronisation des damals 37-Jährigen mit ab. Noch am 14. Januar saß er mit seinem Vize Dieter Hahn und Döpfner im Berliner Restaurant "First Floor", ließ sich umschmeicheln und zu drei Flaschen Chateau Pichon Longueville Comtesse de Lalande (je 300 Euro) einladen. Nachdem man auseinander gegangen war, geriet man aneinander.

Wenige Tage nach dem Treff begann Döpfner, seinen Großaktionär unter Druck zu setzen. Es ging um eine Option, die Kirch auszahlen sollte, und zwar sofort. Es ging um 767 Millionen Euro. Und bald ging es um alles, denn nicht zuletzt der Krach mit Döpfner brachte Kirch finanziell derart ins Trudeln, dass er im Frühjahr zum Insolvenzrichter musste. Nun ist Kirch pleite, und sein altes Menschengeschäft wurde schrecklich kompliziert, seit man es ihm aus der Hand nahm.

Scharen von Juristen und Managern, Bankern und Beratern versuchen seit Monaten, sein Milliarden-Imperium zu filetieren. Der Pleitier sitzt derweil in der Münchner Kardinal-Faulhaber-Straße, wo er einst seine Karriere begann. Und nun sollen die Altbaubüros mit dem diskreten "Sekretariat"-Schild noch einmal zum Epizentrum eines Bebens werden, das möglichst viele trifft:

- Döpfner und dessen Förderin, Verlagserbin Friede Springer;

- den Unions-Kanzlerkandidaten Edmund Stoiber, der seinen einst umhegten Kirch fallen ließ, um nicht selbst in den Sog der Pleite gerissen zu werden;

- die Deutsche Bank, von der sich Kirch ohnehin betrogen fühlt. Bei ihr ist das Springer-Paket verpfändet. Und sie will es auch an der Börse platzieren, kann das aber frühestens nach dem 10. September. Bis dahin räumte das Münchner Landgericht Kirch eine Gnadenfrist ein, den Verkauf selbst zu steuern. Möglicherweise wird die Frist sogar erneut verlängert.

Mal abgesehen davon, dass Kirch von den Banken millionenschwere Provisionen versprochen wurden, wenn er den Deal noch im Alleingang über die Bühne bringt - der alte Mann will mehr: Genugtuung? Rache? Er werde Springer mit in den Abgrund ziehen, soll er im dortigen Aufsichtsrat orakelt haben. Im Menschengeschäft spielen eben auch Gefühle eine große Rolle.

Und wie könnte man all die alten Gegner besser treffen als damit, das Springer-Paket an der Bank vorbei ausgerechnet an einen Presse-Konkurrenten zu verkaufen? Ausgerechnet an die WAZ-Gruppe, in dem seit Februar ausgerechnet der frühere SPD-Kanzleramtsminister Bodo Hombach mit am Steuer sitzt?

Tatsächlich zeigen die Essener seit langem Interesse: Schon vor Jahren wurden sie bei Kirch vorstellig und boten deutlich mehr als heute. Damals konnte es sich der konservative Katholik noch leisten, den vermeintlichen Linken von der Ruhr eine Abfuhr zu erteilen. Nun drängt es ihn zu einem letzten großen Coup. Und die Verlagsbosse drängen mit.

Einerseits ist da ihre WAZ-Gruppe, ein von erfolgreichen Kaufleuten regierter Presse-Teppich sparsam produzierter Spezialmagazine, Anzeigenblättchen und Regionalzeitungen, die weniger durch Profil als Profit auffallen. Andererseits Springer, ein dem ideologischen Erbe Axel Cäsars verpflichtetes Verlagshaus mit nationalen Organen wie "Welt" und "Bild", aber seit geraumer Zeit auch vergleichsweise schlechten Bilanzen.

Die Spar-Manager der WAZ verfolgen argwöhnisch die neokonservative Byzantinistik bei Springer. In Essen kolportieren sie, dass die vier WAZ-Geschäftsführer zusammen nur ein Drittel dessen verdienten, was ihr Kontrahent Döpfner allein kassiere. Auch deshalb würde man ihm gern mal das Sparen beibringen, das in solchen Kreisen nur anders genannt wird: Suche nach Synergien.

Und die gäbe es nach WAZ-Rechnung ohne Ende:
80 Millionen Euro ließen sich allein in Nordrhein-Westfalen sparen. Würden die beiden Verlagsgiganten Vertrieb, Anzeigen-Akquise oder Technik bundesweit zusammenwerfen, fielen Kosten in deutlich dreistelliger Millionenhöhe weg - ohne die arg sensiblen Redaktionen zu gefährden. Gemeinsam wären WAZ und Springer zum Beispiel die größten Einkäufer von Druckpapier in Europa.

Seit die Ideen konkret und damit öffentlich bekannt sind, geht es rund zwischen München (Kirch), Essen (WAZ), Hamburg und Berlin (Springer), wo auch die große Politik zu Hause ist. Bayerns CSU-Wirtschaftsminister Otto Wiesheu und Alt-Kanzler Helmut Kohl sind als Emissäre zwischen den Fronten unterwegs.
Und seither fungieren die Springer-Blätter wie Megaphone für die Interessen der eigenen Verlagsspitze, auch wenn Döpfner beschwichtigt: "Ich habe keinen publizistischen Marschbefehl ausgegeben."

Am Freitag vorvergangener Woche eröffnete Flaggschiff "Bild" das Feuer und warnte seine Leser vor einem "dramatischen Linksruck" bei der WAZ. An der Spitze des Konkurrenten sei ein "Machtkampf" um den politischen Kurs des Verlags entbrannt. Vom Machtkampf ums eigene Haus war in dem namenlosen Stück auf Seite zwei noch nicht die Rede.

Danach orakelte die "Welt am Sonntag", nicht näher benannte Experten befürchteten, die Presselandschaft könne "neu ausgerichtet werden" - und zwar "gegen den ausdrücklichen Willen" von Springer, wie "Bild am Sonntag" wusste. Die "Welt" diagnostizierte im "politischen Berlin" gar ein "Erdbeben". Die Panik im Blatt mit dem blauen Streifen und den ewig roten Zahlen verwundert nicht: Gerade dort könnten die WAZ-Männer nach Kräften sparen.

Tags darauf bot "Bild" einen Medienwissenschaftler auf, der gar ein Meinungsmonopol wie das von Italiens Ministerpräsident Silvio Berlusconi heraufziehen sieht - nur eben linksgedreht. Vorher hatten sich bereits die Generalsekretäre von CDU und CSU alarmiert zu Wort gemeldet.


"Bei Springer sollten wieder Kapitalisten einziehen, die sich weniger um Wahlkampf kümmern."

Das Tremolo ging bis vergangenen Freitag weiter. Und es wurde immer schriller. Am Ende erklärte eine Truppe von Springer-Chefredakteuren in einer gemeinsamen Resolution ihre "Sorge" angesichts der "aggressiven Schritte". Man konnte den Eindruck gewinnen, in Essen säße eine Horde finsterster Altlinker, die den eher bis ehern konservativen Axel Springer Verlag im Handstreich erobern wolle. "Ich habe mich schon einige Male unterschätzt gefühlt", sagt Hombach nüchtern. "In diesem Fall fühle ich mich unbotmäßig überschätzt."

Niedersachsens Ministerpräsident Sigmar Gabriel wurde es am Freitag zu bunt. Die Springer-Presse fahre "kurz vor der Bundestagswahl eine ebenso hemmungslose wie durchsichtige Kampagne", so Gabriel zum SPIEGEL. Der Verlag solle "endlich mit der absurden Unterstellung aufhören, dass es sich hier um eine politische Übernahme handelt". Stattdessen sei Springer "doch nur zu wünschen, dass dort mal wieder anständige Kapitalisten Einzug halten, die sich stärker um Erträge und weniger um Wahlkampf kümmern", so Gabriel.

Immerhin habe "Bild" in einer Kolumne zur Flut gerade Politiker "mit Vokabeln belegt, die stark an die Hugenberg-Presse der zwanziger Jahre erinnern". Die Springer-Presse und "Bild" seien "einfach zu wichtig", schimpft der Ministerpräsident, "um sie den Jungs zu überlassen, die nichts anderes im Sinn haben, als der CDU im September zum Wahlsieg zu verhelfen".

Und die WAZ? Ist sie wirklich jener rote Medienriese von der Ruhr, der nun dauernd in die Schlagzeilen gemenetekelte Gegenentwurf zu Springer?


Als das Zeitungshaus 1948 gegründet wurde, legten schon die alliierten Lizenzgeber fest, dass die Gesellschafter bitte schön politisch fein austariert sein sollten. Der eine Gründer, Jakob Funke, war Konservativer. Der andere, Erich Brost, Sozialdemokrat. Eifersüchtig achteten die beiden Stämme darauf, dass alles in der Familie bliebe - im wahrsten Sinne des Wortes: So heiratete Funkes Nachfolger Günther Grotkamp eine von dessen Töchtern. Brost adoptierte sogar seinen Nachfolger Erich Schumann, der als Anwalt einst Willy Brandt in Bonn beraten hatte.

Selbst der vermeintlich "rote" Schumann taugt nicht zum Kronzeugen: Als Privatmann überwies er Alt-Kanzler Kohl nach dessen Spendenaffäre 800 000 Mark und wurde von der SPD prompt aus der Partei geschmissen.

Schumanns Strickmuster für den wirtschaftlichen Erfolg seines Konzerns ist einfach: Eine links, eine rechts, und in der Mitte bloß keinen fallen lassen. Die "Westfälische Rundschau" blieb als ehemaliges SPD-Blatt ihrem Kurs weitgehend treu. Die "Westfalenpost" dagegen kommentiert konservativ. Und das Mutterblatt "WAZ"? Europas größte Abonnement-Zeitung (täglich verkaufte Auflage: rund 620 000 Exemplare) besticht durch massenkompatiblen Klein-Klein-Journalismus. "Kost für schlichte Gemüter", urteilt das "Medium Magazin", was den WAZ-Chefredakteur Uwe Knüpfer längst kalt lässt: "Das sind wir doch gewohnt. Da fällt es schwer, sich jedes Mal wieder aufzuregen."

Wenn es überhaupt eine Ideologie in Essen gibt, dann heißt sie Profit. Dumping-Preise, konsequente Aufkäufe im Heimatland NRW und radikaler Expansionskurs in Ostdeutschland wie -europa sorgten dafür, dass auch in Krisenzeiten wie jetzt noch das alte Rendite-Postulat gilt: "Zehn Prozent plus x". Aber gegen mehr Renommee hätte man wirklich nichts. Gerade Hombach drängt intern auf mehr Qualität und Ausbildung.

Als Springer sein öffentlich inszeniertes Spektakel begann, saß WAZ-Patriarch Grotkamp auf der Insel Juist. Schumann streifte durch Tansania und wollte eigentlich Großwild ganz anderer Art erlegen. Zu Hause tat der junge Döpfner derweil zur geplanten WAZ-Eroberung kund: "Das ist so erfolgversprechend, als wenn man in der Wüste von Namibia Eisbären schießen will." Der Vergleich traf geografisch nicht ganz, polierte aber endgültig das neue Feindbild.

Und wie das manchmal so ist in der Not: Sie schweißt zusammen. Bis vor wenigen Wochen noch wollten die WAZ-Männer allenfalls in Frieden bei Friede einsteigen. Nun regiert in Essen Kampfgeist und Daswollen-wir-doch-mal-sehen-Attitüde gegenüber den schnöseligen Hamburgern.

Man wäre mittlerweile sogar bereit, einen "strategischen Preis" zu zahlen, also mehr, als das Springer-Paket eigentlich noch wert sei, sagt ein Insider. Und wenn man sich dieses Mal nicht einige, warte man eben auf die nächste Chance.

Während Springer auf die Wirksamkeit seiner publizistischen Trompeten baut, holt die WAZ ihre Rechner und Juristen zu Hilfe. Jeder hat die Folterwerkzeuge, die zur eigenen Unternehmenskultur passen.

Die Springer-Aktien sind vinkuliert. Das bedeutet: Der Aufsichtsrat muss jedem Besitzerwechsel zustimmen. Eher aber würde man in Namibia doch auf Eisbären stoßen, als dass Friede Springer momentan zum Einlenken bereit wäre. So ersannen die Anwälte mehrere Szenarien, wie sich die Hürde am elegantesten nehmen ließe.

Die scheinbar sicherste Variante: Kirch soll seine PrintBeteiligungs GmbH, in der das Springer-Paket geparkt wurde, einfach Pleite gehen lassen. Damit wären möglicherweise alle aktienrechtlichen Verpflichtungen hinfällig. Langwierige Rechtsstreitigkeiten, hoffen die Essener, ließen sich so vermeiden.

Ein Fall fürs Kartellamt wäre das WAZ-Springer-Geschäft ohnehin, weil die Konzerne zusammen rund 30 Prozent des deutschen Pressemarkts kontrollierten. In vielen Teilbereichen sind beide aktiv, etwa mit Regionalzeitungen, Programm- und Spezialzeitschriften.

Aber wäre die Medienlandschaft wirklich schon in Gefahr, wenn "Bild der Frau" (Springer) und das WAZ-Pendant "Echo der Frau" künftig Kochrezepte austauschten? Drohen italienische Monopolsitten?


"Das Interesse der WAZ war immer betriebswirtschaftlich, nie publizistisch."

"Rein ökonomisch" könnte die Partnerschaft Springer sogar "ganz gut tun", meint der Medienexperte Lutz Hachmeister, der die ideologisierte Debatte "nur noch anachronistisch" findet. "Blanker Unsinn" sei die Berlusconi-Hysterie, sagt Horst Röper vom Dortmunder Formatt-Institut. "Das Interesse der WAZ war immer betriebswirtschaftlich, nie publizistisch."

Tatsächlich wurden nie Interventionen bekannt. Ganz im Gegensatz zu Springer, wo Kirch die Demission politisch unliebsamer Chefredakteure persönlich verlangte.

Was die Lage noch unübersichtlicher macht:
Bei Springer tobt noch ein Machtkampf eigener Art: Verlagserbin Friede muss sich gegen ihre Stiefenkel Ariane und Axel Sven ("Aggi") zur Wehr setzen, der gegen die Gründerwitwe in den nächsten zwei Wochen erneut vor Gericht ziehen will.

Gemeinsam mit seiner Schwester hält "Aggi" fünf Prozent samt Sitz im Aufsichtsrat und betrachtet mit Argwohn den allzu vertrauensvollen Umgang zwischen seiner 60-jährigen Stiefoma und Vorstandschef Döpfner. Der Krach mit WAZ und Kirch sei "ein hausgemachtes Problem", ärgert sich Springer junior.

Sein Großvater habe genau gewusst, weshalb er einst verfügte: "Zehn Prozent für Leo Kirch - und keine Aktie mehr."
Leider hätten die Testamentsvollstrecker unter Führung von Bernhard Servatius das "nicht so ganz hinbekommen".

Zu allem Übel steht Springer am 24. September eine außerordentliche Hauptversammlung bevor, die Kirch selbst initiierte. "Da wird er seine Show abziehen", ahnt ein hochrangiger Springer-Mann. Wenn er sein Aktienpaket dann noch hält, will der Münchner eine Sonderprüfung der Verlagsbilanz beantragen.

Auf einen derartigen Krawall freut man sich schon jetzt, denn am Ende, so wird gemutmaßt, könnte eine Ablösung von Vorstandschef Döpfner stehen.


Es wird nun überhaupt wieder viel spekuliert in Kirchs altem Menschengeschäft. Hilft der Schweizer Verleger Michael Ringier Springer? Könnten andere Verlage wie Gruner + Jahr, Bauer oder Madsack einsteigen? Oder steht gar wieder mal Rupert Murdoch vor der Tür, den der "Tagesspiegel" am Samstag kühn ins Rennen brachte?

Kirch jedenfalls freut sich über die Scharmützel im langen Schatten seiner Pleite. Wie sie alle wieder aufgeregt murmeln und intrigieren, kreischen und intervenieren - kleine Triumphe inklusive.

Als Springer-Chef Döpfner seinen Controllern nach dem letzten teuren Treffen mit Kirch im Januar eine Spesenrechnung über mehr als 1000 Euro servierte, winkten die ab. Döpfner musste den Abend aus der Privatschatulle bezahlen.

FRANK HORNIG, MARCEL ROSENBACH, THOMAS TUMA

DER SPIEGEL

Eliska
03.09.2002, 22:38
Kirch darf seinen 40-prozentigen Anteil an dem Axel Springer Verlag nicht ohne dessen Zustimmung verkaufen

Berlin - Der Axel Springer Verlag hat vor dem Landgericht München einen juristischen Erfolg gegen den Filmhändler Leo Kirch errungen. Der Verlag erwirkte eine einstweilige Verfügung, wonach Kirch seinen 40-prozentigen Anteil an dem Verlag nicht ohne dessen Zustimmung verkaufen kann. Der Medienunternehmer Kirch versuchte bislang, das Aktienpaket ohne Absprache mit Springer zu verkaufen, obwohl die Aktien des Verlags vinkuliert sind. "Kirch ist jetzt dazu verpflichtet, die Vinkulierung der Aktien zu respektieren", sagte Springer-Sprecherin Edda Fels. Durch die einstweilige Verfügung ist es Kirch auch untersagt, treuhänderisch für andere Unternehmen die Stimmrechte seiner Aktien wahrzunehmen.

Kirch-Vertraute hatten in der Vergangenheit mehrfach angedeutet, die Vinkulierung der Namensaktien lasse sich rechtlich umgehen, wenn Kirch seine komplette Print-Beteiligungsgesellschaft verkaufe, in der das Aktienpaket liegt. Somit wäre die Vinkulierung auf die Springer-Aktien ausgehebelt. Die einstweilige Verfügung richtet sich allerdings genau gegen jene Print-Beteiligungsgesellschaft. Von Seiten Kirchs hieß es, juristische Gegenschritte seien bereits eingeleitet.

Bislang hat sich vor allem die WAZ-Gruppe für das Springer-Paket, das auf 900 Mio. bis eine Mrd. Euro geschätzt wird, interessiert. Für den Springer-Verlag ("Bild", "Die Welt") kommt die Essener Mediengruppe als Partner allerdings nicht in Frage, wie Hauptgesellschafterin Friede Springer und die Mitgesellschafter mehrfach betonten.

Neben der WAZ-Gruppe ("Westdeutsche Allgemeine Zeitung", "Westfälische Rundschau") ist nun überraschend der Schweizer Ringier-Verlag ins Spiel gebracht worden. Die Züricher Verlagsgruppe ("Blick", "Cash") verhandle seit Wochen parallel zur WAZ mit Kirch und Springer, heißt es in Branchenkreisen. Weder im Springer-Haus noch bei Ringier war zu den Spekulationen eine Stellungsnahme zu erhalten. "Wir werden uns zu gegebenem Zeitpunkt äußern, welcher Käufer von uns akzeptiert wird und welcher nicht", sagte Springer-Sprecherin Fels.

Ein Einstieg der Ringier-Gruppe dürfte Springer willkommener sein als ein WAZ-Engagement. In Branchenkreisen heißt es, Ringier sei ein Wunschpartner. Es bestehen seit längerem intensive Beziehungen zwischen Springer-Vorstandschef Mathias Döpfner und dem Schweizer Verleger Michael Ringier. Die beiden Verlage arbeiten bereits seit den 90er-Jahren zusammen. 1996 gründeten sie gemeinsam die Holdinggesellschaft Ringier Springer BV in Amsterdam, um in Osteuropa auf eine ausgedehnte Expansionstour zu gehen. Der frühere Springer-Vorstandsvorsitzende August A. Fischer war vor seinem Amtsantritt zudem Verwaltungsratsmitglied bei Ringier.

In Branchenkreisen heißt es allerdings, von einer Übereinkunft seien die Parteien noch weit entfernt. Angeblich wolle Michael Ringier auch an Einfluss in Europas größtem Zeitungshaus gewinnen, den die Hauptaktionärin Friede Springer ihm nicht unbedingt gewähren wolle. Zugute komme dem Schweizer indes, dass sein Angebot angeblich höher als das der WAZ sein soll. Der Essener Konzern soll 960 Mio. Euro geboten haben, was der Verlag allerdings nie bestätigt hat. Ringier wolle, so heißt es, Kirch das Aktienpaket im Verbund mit mehreren ausländischen Großbanken abkaufen.


bur
DIE WELT