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Vollständige Version anzeigen : Wiesn-Ratgeber


Eliska
20.09.2002, 19:28
Tipps für nichtbayerische Oktoberfestbesucher

„No a Maß“ - Wer ein paar Regeln einhält, wird auf der Wiesn besser zurechtkommen.

Das Münchner Oktoberfest ist traditionell ein Treffpunkt für Menschen aus aller Welt. Ob nun aus Japan, Schottland oder Australien, Hamburg, Düsseldorf oder Berlin, alle versammeln sich auf dem größten Volksfest der Welt. Die Einheimischen sind im Allgemeinen sehr tolerant, was die Eigenheiten ihrer Gäste betrifft. Wer aber ein paar Regeln beachtet, wird auf der Wies'n noch besser zurechtkommen.

KLEIDUNG: Natürlich gibt es ein paar Eiserne, die sich zum Wiesn-Besuch in Original-Trachten hüllen. Doch das empfiehlt sich wirklich nur für Eingeborene. Im Trend ist schon seit einigen Jahren der Landhaus-Look.

Aber auch in ganz normaler Alltagskleidung ist man gut angezogen. Sie ist auch weniger empfindlich gegen umgeschüttete Bierkrüge und verdreckte Bierbänke als ein teurer Hirschleder-Janker.

(Siehe dazu: "Das richtige Wiesn-Outfit")

VERHALTEN: Singen, Schunkeln und Zuprosten gehören einfach zum Wies'n-Besuch. Die Weigerung sich unterzuhaken wird von manchen Einheimischen als Affront gewertet und hat im mildesten Fall die Äußerung „Saupreiß, damischer“ zur Folge. Für asiatische Schunkelverweigerer wird auch gern die Variante „Saupreiß, chinesischer“ verwendet.

„Ein kleines Bier, bitte“ - diesen Satz sollte man gleich wieder aus seinem Oktoberfest-Wortschatz streichen. Auf der Wies'n wird der Gerstensaft literweise bestellt oder gar nicht.

Das Maßkrug-Werfen - besonders im Hofbräuzelt beliebt - ist eine gefährliche Unart. Es gehört definitiv nicht zum bayerischen Brauchtum und sollte deshalb auch von Gästen nicht einfach übernommen werden.

Wer in den Bierzelten einen Platz finden möchte, sollte möglichst schon am Nachmittag mit der Suche beginnen. Das eigenmächtige Reservieren von Tischen ist übrigens nicht zu empfehlen. Sowohl die Bedienung als auch die anderen Gäste sind in der Beziehung recht ungeduldig.

SPRACHE: „No a Maß, biddscheen “ - „Noch einen Liter Bier, bitte“: diesen Satz sollten Wies'n-Besucher beherrschen.

„A Hendl, an Radi und a Brez'n“ - „Ein Hähnchen, etwas Rettich und eine Brezel“: eines der Standardmenüs auf dem Oktoberfest. Wer diese bayerischen Vokabeln beherrscht, kann viele Sympathiepunkte sammeln.

„Servus beinander“ - „Grüß Euch“: keineswegs despektierlich gemeinte Begrüßung auch bislang unbekannter Tischnachbarn.

„Geh weida feschs Deandl, gib ma a Busserl“ - „Hübsches Mädchen, gib mir doch ein Küsschen“: Im Laufe des Abends wird die Verwendung dieser höflichen Anfrage immer seltener und stattdessen schneller zur Tat geschritten.

„Zupf di!“ - „Verschwinde!“: Letzte Warnung an lästige Zeitgenossen.

„Wo is'ns Heisl?“ - „Wo finde ich bitte die nächste Toilette?“: Entgegen anders lautenden Gerüchten gilt das Laufenlassen am Biertisch nicht als schicklich.

„Tapp net in Baaz eini“ - „Pass auf, da liegt Dreck auf Deinem Weg“: gerade hinter den Zelten eine oft gehört Warnung, da sich viele die paar Cent für's Toilettenhäuschen sparen wollen.

(Hilfe findet man im "Bairisch-Wörterbuch")

PREISE: Überhaupt ist das "Diridari" - das Geld - ein wichtiges Thema auf dem Oktoberfest. Jedes Jahr kostet die Maß mehr. Das Jammern über diesen Zustand sollte aber nicht übertrieben werden. Schließlich ist die Wies'n ja etwas Besonderes - und echte Münchner kontern gerne mal mit dem Satz: „Nacha bleib hoit dahoam und sauff dein Tää.“

SZ

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Weiteres zum Oktoberfest:
http://www.sueddeutsche.de/index.php?url=muenchen/oktoberfest

carlo
20.09.2002, 23:37
Kleiner Hinweis:

Versucht nicht, Maßkrüge zu klauen, die Kontrollen sollen dieses Jahr wegen möglicher Terrorgefahr besonders streng sein... ;)

Oans, zwoa, g´suffa... :)

artistin
30.09.2002, 19:30
Schreiber der folgenden Zeilen ist chinesischer Mandarin aus dem 10. Jahrhundert, den es durch eine Zeitreise in das München der heutigen Zeit verschlagen hat:

"'Das Fest des Herbstmondes' heißt es und spielt sich auf einer gigantischen Wiese etwas abseits vom Zentrum der Stadt ab. Es ist nahezu unbeschreiblich. ... Tosender Lärm hüllt einen ein, je näher man kommt. ... Aus Tausenden von Schellen, Trommeln und Rasseln quoll ein unversiegender Strom von kreischendem Lärm. Es soll Musik sein. Man kann sich nur schreiend unterhalten. ...
Zunächst erkannte ich gar nichts. Als sich meine Augen an das Blenden und Blitzen gewöhnten, das zahllose grelle Lampen verbreiteten, sah ich riesige Räder sich drehen, Schaukeln flogen, überall saßen Großnasen und ließen sich furchtlos oder, besser gesagt, selbstmörderisch durch die Luft schleudern. Überall stank es, denn zu der Lustbarkeit gehört es offenbar, dass sie ihre Notdurft verrichten, wo immer sie der Drang überkommt, und, da ein Hauptteil der Lustbarkeit darin besteht, daß man Ma-'ßa und Hal-bal in ungeheuren Mengen trinkt, müssen sie auch sehr viel von sich geben. ...ich folgte dann...in eine der Haupt-Trink-Stätten. Das sind unvorstellbar riesige Zelte, in denen es vor Menschendampf wie in einem Stall riecht...
Die meisten Leute sind grün gekleidet und tragen stark lächerliche Hüte. Unvorstellbar dicke Dienerinnen, die...eigens darin ausgebildet sind, zehn, zwölf und noch mehr Ma-'ßa-Krüge gleichzeitig zu schleppen, stampfen von Tisch zu Tisch und verteilen die Krüge... Die Großnasen, oft mit merkwürdigen Insignien geschmückt, mit Papierblumen bekränzt oder mit Haarbüscheln am Hut, schlagen sich auf die Schenkel und schreien ohne ersichtlichen Grund. Sie öffnen den Mund weit und schütten das Ma-'ßa-Getränk, kaum daß ihnen die Dienerin den Krug gebracht hat, in den Schlund...."


"Briefe in die chinesische Vergangenheit" von Herbert Rosendorfer, gefunden bei gmx

grüsse
artistin :)

carlo
30.09.2002, 19:50
...und noch ein authentischer Bericht von der Wies´n vom Wochenende:

Hacker-Pschorr Bier schmeckt dieses Jahr ekelhaft bitter, also bitte das Bräurosl meiden,
Paulaner ist gut, HB und Spaten sehr gut, Augustiner wie immer Spitze!
Die Preise für die Maß liegen bei ca. 6,80 Teuro, Hendl etwa 7,50, sind aber kleiner als in den letzten Jahren. :(
Beste Stimmung: Schottenhamel
Beste Musi: Augustiner

Viel Spaß! :)

artistin
30.09.2002, 20:06
mensch carlo, hast du alle Biere durchprobiert und alle Zelte besucht??? :D :D
Auf alle Fälle wurde am Wochenende das Bier knapp und die Hendl waren irgendwann ganz aus, weil die Wirte den Run auf Geflügel völlig unterschätzten... :)

grüsse
artistin

carlo
30.09.2002, 20:37
Naja,
die Wies´n sind ´ne alte Schwäche von mir... :lach

Aber sag´schnell, in welchem Zelt wurden Bier und Hendl knapp??? :confused: