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Vollständige Version anzeigen : Deutschland ohne Amerika - Modell für die Zukunft?


carlo
24.10.2002, 15:52
Immer wieder und immer öfter wird von vielen Seiten gefordert, daß Deutschland sich aus verschiedenen Gründen von Amerika abkoppeln möge. Dieser thread soll herausarbeiten, ob ein solcher Weg tatsächlich sinnvoll und gangbar wäre.

Im Ergebnis des 2. Weltkrieges, den Deutschland bekanntlich anzettelte und verlor, erfuhr das Land eine Vierteilung durch die Siegermächte USA, Rußland, Frankreich und Großbritannien. Während Stalin in der sowjetischen besetzten Zone ein kommunistisches Regime in Form der DDR zu errichtete, genossen die Deutschen in den anderen Besatzungszonen die Vorteile der freiheitlichen Gesellschaft und konnten zusammen mit dem Rest der Welt nur 20 Jahre nach Beendigung des Krieges das deutsche Wirtschaftswunder feiern.
Politisch standen sich die beiden Supermächte feindlich gegenüber. Die DDR wurde in das militärische Ostblockbündnis, Warschauer Pakt, integriert, die Bundesrepublik Deutschland trat nach mehreren, erfolglosen Versuchen der Wiedervereinigung, mit der Wiederbewaffnung der Bundeswehr 1955 der Allianz der Westmächte, der NATO bei.
Wie ernst es die Amerikaner mit der deutschen Bevölkerung nahm, zeigte sich bereits in der Berlin-Blockade 1948/49, bei der der Westteil der Stadt nach gekappten Versorgungsleitungen und
Nahrungsmitteltransporten durch die Russen über ein Jahr lang aus der Luft versorgt wurde.
Aber auch wirtschaftlich bildeten sich Fundamente, Handelsgesellschaften gründeten sich, der Export aus USA überstieg den Import deutscher Waren zunächst beträchtlich, verkehrte sich aber mit der Regeneration der deutschen Industrie, Wissenschaft und Forschung (deren Einrichtungen oftmals mit Geldern großer amerikanischer Stiftungen zustande kam) bald ins Gegenteil. Gerade in den letzten 6 Jahren steigerte Deutschland seine Ausfuhren von unter 30 Mrd. Euro(1995) auf knapp 70 Mrd. Euro(2001), in erster Linie Autos und Maschinen. Für Deutschland, dessen Wirtschaft mit dem Export steht und fällt, sind die USA zum zweitwichtigsten Handelspartner der Welt geworden, knapp 11% der Gesamtausfuhren gehen in die Neue Welt. Viele deutsche Großunternehmen zählen die Vereinigten Staaten zu ihrem Hauptabnehmer, Mercedes und BMW setzen etwa 30% ihrer Autos in Amerika ab, die Fa. Porsche sogar über 50%. Deutsche Autos gelten vielen Amerikanern als die besten der Welt, der Stellenwert von "Made in Germany" ist gerade auf diesem Gebiet noch bestens erklärbar. "Unsere Strategie ist klar auf die USA ausgerichtet" sagt Nikolaus Schweickart, Chef des Bad Homburger Pharmakonzerns Altana, zur Börseneinführung an der NYSE, "Die USA sind für uns der wichtigste Markt der Welt." Nach Schröders Kritik an Bush´s Irakplänen (Abenteuer) und dem unsäglichen Vergleich von Bush und Hitler durch die inzwischen entlassene Justizministerin Deutschlands, Herta Däubler-Gmelin, drohe nun die Isolierung der deutschen Wirtschaft. Reihenweise müssen Manager deutscher Dependancen in Übersee ihren amerikanischen Geschäftsfreunden die völlig unangebrachten Worte Kanzler Schröders als Wahlkampfgetöse darlegen, während sich in den Handelskammern und Konsulaten bereits erste e-mails mit deutschfeindlichen Texten einfinden.
Dabei sind Großunternehmen, wie die deutsche Telekom dringend auf das Wohlwollen der Amerikaner angewiesen, geht es doch um den Ausbau der Telekommunikationsnetze in USA, der nach Ansicht einiger demokratischer Politiker lieber ein inländischer Anbieter übernehmen solle.
Bei SAP, der deutschen Softwareschmiede Nr. 1,
setzt man darauf, daß Großkunden wie NASA, US-Marine und Armee keine patriotischen Entscheidungen treffen, sondern Kunde der Walldorfer bleiben.
Noch ein Umstand ist eminent wichtig:
Bei ihren US-Exporten erzielen deutsche Firmen
vielfach eine höhere Gewinnspanne als im europäischen Geschäft. Die Lohnstückkosten liegen aufgrund der niedrigeren Löhne und wesentlich geringerer Lohnnebenkosten deutlich unter denen Deutschlands, der starke Dollar konnte die Bilanzen der Standorte Nordamerikas zusätzlich verbessern. Die Bedeutung der amerikanischen Volkswirtschaft wird trotz der derzeitigen Krise weiter zunehmen; im Gegensatz
zu Europa, wo die Geburtenraten stagnieren oder eher abnehmen, wird sich die Zahl der Amerikaner bis zum Jahr 2050 fast verdoppelt haben.
Noch ein weiteres Argument für gute Beziehungen zu Amerika darf nicht vergessen werden: die Investitionstätigkeit der Amerikaner in Deutschland. Seit Anfang der 90er Jahre machen amerikanische Investoren ein immer größeren Bogen um Deutschland, wenn sie einen neuen Standort suchen. Gerade hier zeigt sich die unheilvolle Kombination von verkrustetem Arbeitsmarkt und politischen Affronts a´la Schröder. Zwischen 1997 und 2001 gingen lediglich 24 Mrd. (von 680 Mrd. weltweiter Investitionen) nach Deutschland, Neuansiedlungen wie AMD in Dresden gelingen nur mit Subventionszahlungen.
Abschließend ein Querschnitt durch die amerikanische Volksseele. 43 Millionen Amerikaner nennen Deutschland als Land ihrer Ahnen, selbst Irland und England folgen mit weitem Abstand. 83% der Amerikaner stehen Deutschland größtenteils positiv gegenüber, nur Nachbar Kanada und Großbritannien rangieren noch vor Germany.
Gelingt es Rot-Grün als verantwortlicher Regierung in absehbarer Zeit nicht, Ressentiments und altbekannten Antiamerikanismus abzubauen sowie Meinungsverschiedenheiten von deutschen Marktplätzen wieder auf die demokratische Ebene zu verlegen, drohen deutschen Unternehmen Absatzeinbußen, die nicht nur weh tun, sondern unweigerlich zu radikalem Arbeitsplatzabbau am Standort D führen. Deutschlands Wohlstand ist vom Export abhängig, Amerika braucht Deutschland und Deutschland braucht Amerika!

Zahlenmaterial und Quelltext aus der Wirtschaftswoche 41/2002

germanasti
24.10.2002, 17:07
Amerika hat das Wachstumstop bereits vor 20 Jahren erreicht & in den letzten 5 Jahren nur noch Wachstumsraten per Betrügereien. Wer soll dort noch investieren & vor allem konsumieren?

Die Welt braucht alle 50-100 Jahre einen grossen TRendwechsel, um Geist zu entleeren und neue Motivationen erlangen. Vor 50 Jahren war dies ein Weltkrieg & nun eben der Untergang amerikas.

Förster
24.10.2002, 17:26
amerika koppelt sich seit däumler-gmelin selbst ab :p
da werden aufträge aus deutschland abgezogen und in amerika vergeben.
trotz höherer kosten.

carlo
25.10.2002, 08:29
Gut, germa,
nehmen wir einmal an, daß Deutschland die Beziehungen zu Amerika abbricht.

Wer kommt für die gigantischen Umsatzausfälle deutscher Firmen im Export auf, wer nimmt BMW/Mercedes ein Drittel seiner Autos ab, was soll Porsche mit der Hälfte seiner produzierten Fahrzeuge machen, wer kauft nun Bayer´s Aspirin,
Altanas Pillen und Siemens Hausgeräte?
Wer auf diese Frage keine Antwort hat, muß zwingend Massenentlassungen in Deutschland in Kauf nehmen und gleich die nächste Frage beantworten: wohin mit den vielen Arbeitslosen?

Auch militärisch sollen wir ja mit den Amis wegen möglicher Abenteuerlust und angestrebter Weltherrschaft nichts mehr zu tun haben.
Soll Deutschland nun aus der europäisch-amerikanischen NATO austreten?
Da kein weiteres militärisches Bündnis in Europa mehr existiert und selbst die Russen inzwischen der NATO beitreten wollen, mit wem und auf welche Art und Weise liiert sich Deutschland dann? Woher kommt das Geld, um die inzwischen marode und technisch veraltet ausgerüstete Bundeswehr zu einer effektiven Landesverteidigung umzubauen?

Wer ersetzt die nicht unerheblichen Zuschüsse amerikanischer Stiftungen für deutsche Krankenhäuser, Bibliotheken, Forschungseinrichtungen und Universitäten in Zeiten, in denen die Kommunen keinen müden Euro mehr besitzen und Städte wie München pleite sind?

Und abschließend:
Wenn sowieso alles Lug und Trug in Amerika ist,
Zahlen getürkt, Bilanzen gefälscht, Statistiken geschönt, wieso geht es dem real-existierenden Durchschnittsamerikaner immer noch so gut?

Förster
25.10.2002, 08:39
carlo

die dinger schicken wir nach osten. :hihi es heisst doch osterweiterung :a

carlo
25.10.2002, 08:50
@ dolby

:hihi :hihi :hihi

germanasti
25.10.2002, 09:12
Carlo:

Deshalb wird Deutschland für einige Jahre untergehen.
Arbeitslosenzahlen über 10 Mio., Porsche insolvent, Daimler in extremer Schieflage & damit verbundenen in leichter Form bürgerkriegsähnliche Zustände.

Irgendwo in 10-15 Jahren gehts dann aber wieder aufwärts :)

germanasti
25.10.2002, 09:16
.

carlo
25.10.2002, 09:21
@ germa

Das löst das Problem aber nicht. Woher soll anschließend der Aufschwung herkommen, wer ersetzt den amerikanischen Verbraucher? Und wie soll ein Land mit 10 Millionen Arbeitslosen noch regiert werden? In der letzten, vergleichbaren Situation erschien ein gewisser A.H. auf der Bildfläche, Ausgang bekannt...

nasdaq10.000
26.10.2002, 16:47
Original erstellt von germanasti
Carlo:
Deshalb wird Deutschland für einige Jahre untergehen.
Arbeitslosenzahlen über 10 Mio., Porsche insolvent, Daimler in extremer Schieflage & damit verbundenen in leichter Form bürgerkriegsähnliche Zustände.
Irgendwo in 10-15 Jahren gehts dann aber wieder aufwärts :)
Der Bub nimmt sich wohl selbst nicht mehr Ernst.

Grossklappe und Wirtschaftsfachmann Dolby ist jetzt "unabhängig",
wird Unternehmensberater und schafft Arbeitsplätze 'ran.

Globalisierung ein Fremdwort, den US-Konsum übernehmen Polen, Russen
und Türken.

http://people.freenet.de/aldibroker/export.jpg

Arbeitslosenzahlen über 10 Mio., Porsche insolvent, Daimler in extremer Schieflage & damit verbundenen in leichter Form bürgerkriegsähnliche Zustände.

Hier lohnen Diskussionen nicht mehr,
da jeglicher Bezug zu real existierenden Welten
verloren gegangen ist.

http://people.freenet.de/aldibroker/arbeit1.jpg

Förster
26.10.2002, 17:45
ich verbrenne wenigstens nicht jeden monat unsummen an geld :hihi
im gegenteil - jeden monat ist mehr drauf!

dafür fehlt mir das nette archiv von prognosen, die seit 2 jahren revidiert werden :cry

egal - man kann nicht in allem gut sein :p

germanasti
26.10.2002, 18:08
Original erstellt von carlo
@ germa

Das löst das Problem aber nicht. Woher soll anschließend der Aufschwung herkommen, wer ersetzt den amerikanischen Verbraucher? Und wie soll ein Land mit 10 Millionen Arbeitslosen noch regiert werden? In der letzten, vergleichbaren Situation erschien ein gewisser A.H. auf der Bildfläche, Ausgang bekannt...

In dieser situation ist Amerika schon.
& auf der Bildfläche steht bereits ein noch gewisserer J.W.B.

nasdaq10.000
27.10.2002, 02:05
Original erstellt von carlo
(...)Gerade in den letzten 6 Jahren steigerte Deutschland seine Ausfuhren von unter 30 Mrd. Euro(1995) auf knapp 70 Mrd. Euro(2001), in erster Linie Autos und Maschinen.

Für Deutschland, dessen Wirtschaft mit dem Export steht und fällt,
sind die USA zum z w e i t wichtigsten Handelspartner der Welt geworden, knapp 11% der Gesamtausfuhren gehen in die Neue Welt.

Viele deutsche Großunternehmen zählen die Vereinigten Staaten zu ihrem Hauptabnehmer, Mercedes und BMW setzen etwa 30% ihrer Autos in Amerika ab, die Fa. Porsche sogar über 50%. Deutsche Autos gelten vielen Amerikanern als die besten der Welt, der Stellenwert von "Made in Germany" ist gerade auf diesem Gebiet noch bestens erklärbar.

"Unsere Strategie ist klar auf die USA ausgerichtet" sagt Nikolaus Schweickart, Chef des Bad Homburger Pharmakonzerns Altana, zur Börseneinführung an der NYSE, "Die USA sind für uns der wichtigste Markt der Welt (...)Dabei sind Großunternehmen, wie die deutsche Telekom dringend auf das Wohlwollen der Amerikaner angewiesen, geht es doch um den Ausbau der Telekommunikationsnetze in USA, der nach Ansicht einiger demokratischer Politiker lieber ein inländischer Anbieter übernehmen solle.

Bei SAP, der deutschen Softwareschmiede Nr. 1, setzt man darauf, daß Großkunden wie NASA, US-Marine und Armee keine patriotischen Entscheidungen treffen, sondern Kunde der Walldorfer bleiben.

Noch ein Umstand ist eminent wichtig: Bei ihren US-Exporten erzielen deutsche Firmen vielfach eine höhere Gewinnspanne als im europäischen Geschäft. Die Lohnstückkosten liegen aufgrund der niedrigeren Löhne und wesentlich geringerer Lohnnebenkosten deutlich unter denen Deutschlands, der starke Dollar konnte die Bilanzen der Standorte Nordamerikas zusätzlich verbessern.

Die Bedeutung der amerikanischen Volkswirtschaft wird trotz der derzeitigen Krise weiter zunehmen; im Gegensatz zu Europa, wo die Geburtenraten stagnieren oder eher abnehmen, wird sich die Zahl der Amerikaner bis zum Jahr 2050 fast verdoppelt haben.:D(...)

Noch ein weiteres Argument für gute Beziehungen zu Amerika darf nicht vergessen werden: die Investitionstätigkeit der Amerikaner in Deutschland. Seit Anfang der 90er Jahre machen amerikanische Investoren ein immer größeren Bogen um Deutschland, wenn sie einen neuen Standort suchen. Gerade hier zeigt sich die unheilvolle Kombination von verkrustetem Arbeitsmarkt und politischen Affronts a´la Schröder. Zwischen 1997 und 2001 gingen lediglich 24 Mrd. (von 680 Mrd. weltweiter Investitionen) nach Deutschland, Neuansiedlungen wie AMD in Dresden gelingen nur mit Subventionszahlungen. (...)

Zahlenmaterial und Quelltext aus der Wirtschaftswoche 41/2002
Gute Infos, carlo.
Diesen demographischen Aspekt habe ich noch gar nicht so Recht bedacht:
Die Bevölkerung in den USA ist jung, optimistisch und konsumorientiert. Die Einwohnerzahl nimmt drastisch zu. Das Land verjüngt sich.

Deutschland altert (auch geistig) und hadert vor sich hin,
die Bevölkerung nimmt ab.
Die Pessimissten und Steuereintreiber, die Arbeitslosigkeit und der Bürokratismus,
ungenügende Wirtschafts- und Bildungspolitik haben Hoch-Konjunktur
- die Wirtschaft selbst allerdings weniger.

Nichts für US-perma-basher, die Fakten mit Wünschen tauschen
und so ganz nebenbei auch noch Deutschland 10 Mio. Arbeitslose
und massig Insolvenzen an den Hals wünschen.
Untergangspropheten halt, die gerade in diesen miesen Zeiten Zulauf haben.

4604
27.10.2002, 05:45
Rückgang der ausländischen Direktinvestitionen
China erstmals vor den USA?
fb. Genf, 24. Oktober

Gemäss den am Donnerstag von der Uno- Kommission für Handel und Entwicklung (Unctad) in Genf vorgelegten Schätzungen werden die grenzüberschreitenden Direktinvestitionen im laufenden Jahr voraussichtlich um 27% auf 534 Mrd. $ fallen. Von diesem Rückgang am stärksten betroffen werden die Industriestaaten, für welche die Uno-Behörde einen 31% hohen Einbruch der ausländischen Direktinvestitionen vorhersagt. Als Hauptursache für diesen Krebsgang nennt Unctad eine zwischen Januar und September 2002 festgestellte 45%ige Reduktion der grenzüberschreitenden Firmenfusionen und -übernahmen auf 250 (i. V. 460) Mrd. $, welche vor allem in Nordamerika und Grossbritannien sehr ausgeprägt ist. Während die ausländischen Direktinvestitionen in den ersten neun Monaten des laufenden Jahres im Vereinigten Königreich auf 12 (54) Mrd. $ zurückgingen, fielen sie in Nordamerika von 124 Mrd. $ auf rund 44 Mrd. $. Damit droht den USA der Verlust ihres traditionellen Spitzenplatzes bei den grenzüberschreitenden Direktinvestitionen. Wie die Uno-Autoren betonen, könnten die USA heuer zum ersten Mal von der Volksrepublik China überholt werden.

Förster
27.10.2002, 09:44
nasdaq

schnallts du überhaupt nichts?
wieso haben wir miese zeiten? uns fliegen immer noch affen aus der arsch :rolleyes:
im laden liegen äpfel und bananen aus, zum trinken gibt´s auch noch was und arbeitslose und beamte können wir uns auch noch leisten :lach

wir sind spitze :cool:

nasdaq10.000
27.10.2002, 15:01
Deutschland ist auf dem Weg zu kollabieren
http://www.welt.de/daten/2002/10/27/1027wi364790.htx

Förster
27.10.2002, 15:55
Und es sagt alles, wenn die grüne Vorsitzende Roth auf die Frage eines Reporters, was die wichtigste Errungenschaft der letzten rot-grünen Regierung war, wörtlich antwortete: "Dass Schwule und Lesben angstfrei leben können."

nasdaq :ek :eek: du hast ja richtig humor :hihi :lach :dd

carlo
27.10.2002, 17:58
Original erstellt von germanasti


In dieser situation ist Amerika schon.
& auf der Bildfläche steht bereits ein noch gewisserer J.W.B.
Germa,
wo bitte ist Amerika in einer vergleichbaren Situation wie Deutschland 1933???

Weder hat Amerika einen Weltkrieg verloren und einen Versailler Vertrag aufgebürdet bekommen, der weitestgehende Entwaffnung und Entmündigung des Landes vorsah, noch kämpft die derzeitige amerikanische Regierung gegen horrende Arbeitslosenzahlen, noch steht mit Bush jemand an der Spitze dieses Landes, der, im Vorfeld öffentlich publiziert, Gläubige einer bestimmten Religion liquidieren möchte oder nach neuem Lebensraum für sein Volk sucht.

George Bush zögert wahrlich nicht,
der Bedrohung seines Landes durch die 1997 abgegebene Kriegserklärung gegenüber allen Amerikaner, Juden und Ungläubigen, und spätestens am 09.11.01 grausam umgesetzten Ankündigung entschlossen entgegenzutreten.
Über die Art und Weise, wie er das macht, darf und muß diskutiert werden, das ist ja gerade das Merkmal einer demokratischen, pluralistischen und freiheitlichen Gesellschaft. Adolf Hitler folterte, arrestierte und vernichtete seine politischen Gegner einfach, eben nur in einer Diktatur möglich; schon von daher gehört ein parallelenziehender Vergleich nach Absurdistan.

Nein, Germa,
Deutschland hat in diesem Jahrhundert bereits zweimal unter Beweis gestellt, daß Genie und Wahnsinn dicht beeinander liegen. Deutsche Ingenieurskunst machte sich verdient um das Automobil, die Rohrpost, die Eisenbahn und die Verkehrsampel. Aber mit derselben Präzision eben auch um Zyklon B und Senfgas, Panzer und
Gewehre, zum Teil bis heute. Und wir verdanken unseren Wohlstand zum großen Teil den USA,
die auf der einen Seite militärischen Schutz, auf der anderen Seite wirtschaftliche Prosperität ermöglichten.

Deutschland´s Arbeitsmarkt leidet an Verkrustung. Während es einem Unternehmer in USA leicht möglich ist, jemanden zu entlassen, wenn er es für nötig hält, erschweren zahlreiche Sozialgesetze diesen Akt in Deutschland so stark,
daß erst gar niemand eingestellt wird und die momentan Beschäftigten Überstundenberge vor sich her schieben. Während Amerikaner von Anfang an eigenverantwortlich für das Rentnerdasein vorsorgen können, verpflichtet der Staat in Deutschland jeden Arbeitnehmer weiterhin, in eine inzwischen marode Rentenkasse, deren Rendite durch den riesigen Verwaltungsaufwand lächerlich ausfällt, einzuzahlen. Während der Staat USA in allen staatlichen Belangen versucht, möglichst bürgernah und trotzdem schlank zu bleiben (es gibt nicht einmal eine Meldepflicht in USA), gängelt ein Heer von Beamten und öffentlich Angestellten jeden Bürger in Deutschland und läßt fast jeden bürokratischen Vorgang kafkaesk erscheinen.

Meine Meinung:
Deutschland Stärken sind im Laufe der Jahre durch ideologischen geprägte Nivellierung bis zur Unkenntlichkeit verkommen, es wäre wünschenswert, Lösungen "Made in USA" zumindest als Denkanstoß anzunehmen, um Deine Horrorvisionen nicht Wrklichkeit werden zu lassen...

germanasti
27.10.2002, 18:01
Ich bete inständig darum das Deutschland nichtmal ansatzweise die Methoden Amerikas übernimmt, denn sonst können wir uns gleich die Kugel geben!

Wir haben eines der besten Sozialsysteme der Welt.
Amerika dagegen eine kurz vor dem verbrennen stehende Rentenkasse.

Lass uns in 10 Jahren Ergebnisse vergleichen...

Förster
27.10.2002, 18:09
vieles was wir in deutschland haben ist gut, nur wird es bescheiden ausgeführt.

Förster
27.10.2002, 18:53
carlo

das immer vergessen wird was die amis mit den indianer und den farbigen so angetan bzw. immer noch antun :rolleyes:
und warum will man hier in D andere Religion liquidieren? :eek:

carlo
27.10.2002, 22:24
Germa,

niemand wünscht eine Verschlechterung seiner Lebensbedingungen, weder der Ureinwohner in Südamerika, der bis heute von Gewehren und Strom nicht mal etwas ahnt, noch der westlich geprägte Manager, der firstclass-reisend nachts um 2 Uhr im Jumbo seinen ´86er Mouton Rothschild schlürft...

So wünscht sich auch niemand,
daß der Sozialstaat in Deutschland zusammengestrichen wird, schließlich kann man selbst relativ schnell in eine Notlage kommen. Soweit, sogut.

Nur,
muß das ja irgendwer bezahlen, und, wenn dem Staat die Mittel knapp werden oder schlicht und ergreifend die Einnahmen bei gleichbleibenden oder steigenden Ausgaben wegsacken, hat jeder kaufmännisch Ausgebildete ein Problem.

Die Lösung ist immer gleich:
Entweder erhöhe ich meine Einnahmen (versucht zur Zeit krampfhaft die amtierende Bundesregierung), oder ich verringere meine Ausgaben. Beamter (und damit unkünbar) zu werden, galt früher als Ziel, vorhersehbare Aufstiegschancen bei kalkulierbarem Gehalt und garantierter Altersversorgung im Staatsapperat-wozu brauchen wir das heute noch? Sparkassen, staatlich gestützt und risikoabgesichert, niemand wird sie vermissen.
Subventionen allerorten, Kohlepfennig, Subvention der Gewerkschaften, Landwirte und Kirchen, Verringerung der Abgeordneten im Bundestag auf ein Viertel (selbst USA leisten sich nur 384 Abgeordnete bei dreimal soviel Einwohnern), etc...

Wenn Du halbwegs "basisnah" geblieben bist,
wirst Du feststellen, daß es eine recht große Menge an Menschen gibt, denen es durch staatliche garantierte, finanzielle Leistung plus "Eigenleistung auf privater Basis" relativ gut geht.
Diese Menschen, den man streng genommen keinen Vorwurf machen kann, geht es zum Teil besser, als jenen, die in einem ganz normalen Arbeitsverhältnis stehen. Das ist mega-ungesund,weil die Leistungen nicht mehr die wirklich Bedürftigen erreichen bzw. den Staatshaushalt ohne wirkliche Not belasten. Menschliche Bequemlichkeit regiert, überall auf der Welt.

George Bush weist die örtlichen Sozialkassen an, mindestens 70% der Bedürftigen in Umschulungen, Jobvermittlungen etc. zu schicken,
in D passiert dergleichen nichts. In USA sind sämtliche staatliche Unterstützungen von Anfang an zeitlich begrenzt, so daß niemand auf eine ewig fortdauernde, garantierte Zahlung hoffen kann, Eigeninitiative statt sozialer Hängematte.

So erhaltenswert unser Sozialsystem auch erscheinen mag, so klarer wird auch, daß es, angelegt für eine kleine und geringe Anzahl von Mensc hen, dem aktuellen Stand von Antrag stellern nicht mehr gerecht werden kann, ohne die große Mehrheit nachhaltig zu schädigen.

Sparen ist deutsche Tugend,
und man wird sehen, ob in diesem Fall nicht der deutsche Staatsapperat das Nachsehen hat...




:rolleyes:

Förster
27.10.2002, 22:35
carlo http://www.plauder-smilies.de/happy/xyxthumbs.gif

Förster
27.10.2002, 22:37
aber hat Bush dennoch hunderttausende in afghanistan zum teufel geschickt, weil EIN mann irgendwo im keller hockte :hihi
im golfkrieg ham´se raketen millimetergenau durch kellertreppen geschossen, um den keller zu sprengen.

amerika hat was gutes. deutschland auch :p

carlo
27.10.2002, 22:56
@ dolby,
haben die Russen nicht 50 Jahre lang politisch Andersdenkene mit Knast, Folter und Zwangslager (Solschenyzin) bestraft, in Afghanistanj interveniert und Tausende verloren - das ist die Vergangenheit,
Ost gegen West, kalter Krieg.

Meine Meinung:
Putin kauft (Wichtigtuer) Schröder schon lange den Schneid ab, Putin und Bush verstehen sich... :p

Förster
27.10.2002, 23:09
wer ist schröder? :hihi

carlo
27.10.2002, 23:18
Hoffentlich kann man das bald ohne öffentliches Aufsehen sagen... :p

Förster
27.10.2002, 23:33
:lach

carlo
30.10.2002, 11:36
Deutschland ist wie Europa auf die USA angewiesen und umgekehrt

Von Rudolf Scharping

"Beide Seiten wären gut beraten, die Sorgen der jeweils anderen Seite ernst zu nehmen. Sie müssen versuchen, Antworten zu finden auf die grundsätzlichen Fragen..." (Henry Kissinger in WELT am SONNTAG vom 20. Oktober)

Die USA spielten für Deutschland eine historisch einmalige Rolle, für unsere Befreiung, für unsere Aufnahme in die Gemeinschaft freier Staaten, für sichere Freiheit, Wiederaufbau und unsere Einheit. Das tiefe Mitgefühl der Deutschen, von denen sich nach dem 11. September allein vor dem Brandenburger Tor 200.000 versammelten, und die politischen Entscheidungen von Regierung und Parlament sprechen eine klare Sprache. Aber reichen deutsche Dankbarkeit, amerikanischer Respekt und ein reiches gemeinsames Erbe?

Es gibt, wer wollte das bestreiten, auch andere Haltungen. Es zeugt nicht von Weitblick und Wirklichkeitssinn, dass manche hinter entschlossener US-Politik sofort das Gespenst des unilateralen Weltpolizisten sehen - oder hinter notwendiger Debatte über internationale Politik eurosklerotische Schwäche oder Anti-Amerikanismus vermuten, sogar dann, wenn mit den gleichen Argumenten in den USA leidenschaftlich debattiert wird.

Halten wir fest: Unsere Beziehungen sind außerordentlich stark. Sie gründen auf mehr als auf Austausch zwischen Regierungen oder Parlamentariern, der freilich gepflegt und verbessert werden muss. Jedes Jahr überqueren Millionen Menschen den Nordatlantik in beide Richtungen. Zwischen unseren Völkern besteht ein einzigartig enges Geflecht des menschlichen, kulturellen und geschäftlichen Austauschs. Nirgendwo auf der Welt ist Kommunikation zwischen Kontinenten so dicht dank Medien, dank Internet, dank persönlicher Bindungen. Das bedeutet auch: Keiner unserer politischen Führer spricht allein zu seiner nationalen Öffentlichkeit. Die Emotion anderer, gerade enger Freunde, und ihre Haltungen und Interessen - man muss sie kennen und verstehen. Das wird manches Mal vergessen, auch in Deutschland.

Vergessen wir nicht: Wir - Amerikaner und Europäer - sind zusammen weniger als 15 Prozent der Weltbevölkerung. Wir schufen einzigartig stabile demokratische Regionen in der nördlichen Hemisphäre; wir wissen um die Chancen der globalen Welt für Freiheit und Demokratie. Stellen wir uns auch den gemeinsamen Risiken? Hat das "Ende des Kalten Krieges...die Angst vor der gemeinsamen Gefahr beseitigt?" Nein.

Aber die Gefahr ist eine andere - und wir ringen um die gemeinsame Antwort darauf, auf verbreitete Massenvernichtungswaffen, auf Hass und Fundamentalismus, auf internationalen Terror. All das testet unsere Fähigkeit, gemeinsam und umfassend zu handeln. Auf dem Balkan, in Afghanistan und im Kampf gegen den Terrorismus haben wir die gemeinsame Antwort gegeben - zivil und militärisch, mit Hilfe unseres Bündnisses, dank enger Zusammenarbeit auch der Polizeien und Geheimdienste.

Das zeigt: Niemand arbeitet auch sicherheitspolitisch so eng zusammen wie Amerikaner und Europäer. Deshalb muss die NATO gestärkt werden, nicht allein erweitert. Unsere Fähigkeiten müssen den neuen Herausforderungen entsprechen. Dazu müssen die Europäer besser kooperieren und vor allem mehr investieren; unsere amerikanischen Freunde sollten bereit sein zu gemeinsamen Projekten und fairem Transfer auch von Technologie. Es liegen gute Vorschläge auf dem Tisch, hoffentlich werden daraus gute Entscheidungen.

Deutschland ist heute bereit, sich an der Quelle von Krise und Konflikt zu engagieren, nicht zu warten, bis der Strom ihrer Konsequenzen das eigene Land erreicht. Unsere Freunde sollten nicht übersehen: Deutschland stellt heute nach den USA international das zweitgrößte Truppenkontingent für internationale Sicherheit und im Kampf gegen den Terror. Das entspricht den legitimen Erwartungen unserer Partner. Sicherheit gemeinsam gewährleisten, liegt im unmittelbaren deutschen Interesse. Hier gibt es keinen Sonderweg, gerade keinen deutschen.

Im Gegenteil: Deutschland ist - wie Europa - auf die USA angewiesen und umgekehrt. Amerika kann eine Weile unilateral handeln. Die klügere Option ist die multilaterale. Diesen Weg gehen die USA bisher und bleiben hoffentlich dabei. Wir dagegen haben nicht zwei, sondern in Wahrheit nur eine Option: gemeinsam zu handeln, wenn wir globaler Verantwortung und eigenem Interesse wirklich dienen wollen. Daher müssen unbestreitbare Schwächen und mancher Stillstand in der europäischen Außen- und Sicherheitspolitik überwunden werden. Auch das ist unmittelbares deutsches Interesse.

Die USA haben die "hard power" einzigartiger militärischer Möglichkeiten, sollten darüber die soft power ihrer demokratischen Ideale nicht vernachlässigen. Umgekehrt verfügt Europa, zumal Deutschland, über mehr "soft power" als "hard power". Diese hard power muss stärker entwickelt werden, ohne die soft power zu vernachlässigen. So könnten wir unsere einzigartig erfolgreiche Allianz ausbauen: für eine gerechte Weltordnung, für Frieden, im Kampf gegen den Terrorismus und auch gegenüber Staaten, die - wie Irak - unbestreitbar eine Bedrohung sind; eine Diktatur, die Mittel der Massenvernichtung besitzt, anstrebt, eingesetzt hat. Modelle machen Schule, gute wie schlechte. Deshalb ist so wichtig, dass es weit reichende Entscheidungen der UN gibt, die dann politisch durchgesetzt werden.

carlo
31.10.2002, 11:38
Fischer-Besuch von Zweifeln der US-Wirtschaft begleitet

"Wenn ich mit amerikanischen Freunden über Irak diskutiere, höre ich keine Empörung über die deutsche Politik, sondern viel Nachdenklichkeit" - Bundesaußenminister Joschka Fischer

Von Martin Halusa

Berlin/New York - Führende Vertreter der deutschen und amerikanischen Wirtschaft in den USA haben vor einer anhaltenden Verschlechterung der Beziehungen zwischen Berlin und Washington gewarnt. Im Vorfeld des Besuchs von Außenminister Joschka Fischer in den USA hieß es, es werde lange dauern, das Vertrauensverhältnis wiederherzustellen. Zwar wirke sich der Streit über einen gemeinsam Kurs gegen den irakischen Präsidenten Saddam Hussein nicht auf den Handel zwischen beiden Ländern aus. Doch sei das Klima "frostiger" geworden.

Der Aufsichtsratsvorsitzende der Hypovereinbank und einstige J.P.-Morgan-Banker Kurt Viermetz betonte, dass Deutschland den Beziehungen zu den USA geschadet habe. Bundeskanzler Gerhard Schröder habe die Außenpolitik genutzt, um innenpolitische Ziele zu erreichen. Der deutsche Botschafter in Washington werde "harte Arbeit" leisten müssen, "viel an Vertrauen ist verschwunden". Kongressabgeordnete trauten sich schon nicht mehr, sich mit Deutschen sehen zu lassen. Präsident George W. Bush sei "sehr verletzt". Bislang habe es zwar keinen Boykottaufruf für deutsche Waren gegeben, doch Investoren fragten sich, "was mit der deutschen Dankbarkeit" geschehen sei, warnte Viermetz.

Der Vorstandsvorsitzende des Kosmetikkonzerns Estee Lauder, der deutsche Fred Langhammer, wies darauf hin, dass die Amerikaner ein langes Erinnerungsvermögen hätten. Dies könnte sich etwa auf künftige Genehmigungen von Übernahmen amerikanischer Firmen durch deutsche

Unternehmen auswirken. Der Präsident der deutschen Handelskammer in New York, Werner Walbröl warnte allerdings vor zuviel Pessimismus: Der Einfluss der Politik auf die Wirtschaft habe in den vergangenen Jahren deutlich nachgelassen. Das Problem, das die Amerikaner etwa mit Investitionen in Deutschland hätten, sei nicht die ablehnende Haltung in der Irak-Frage, sondern die hohen Steuern.

Auch der Chef von des Verlagshauses Gruner & Jahr in den USA, Daniel Brewster, betonte, dass die Bedeutung der derzeitigen Unstimmigkeiten nicht übertrieben werden sollte. Dieser Warnung schließt sich Georges Ugeaux, bei der New Yorker Börse (NYSE) für das Auslandsgeschäft verantwortlich, an: Der Handel deutscher Aktien sei durch den Streit zwischen Berlin und Washington nicht beeinträchtigt.

Der Chefredakteur des angesehenen politischen Magazins "Foreign Affairs", Jim Hoge, glaubt, dass durch den Streit in Sachen Irak die transatlantischen Beziehungen "auseinanderdriften". Das abgekühlte Verhältnis zwischen Berlin und Washington werde sich erst wieder erwärmen, wenn Präsident Bush und Bundeskanzler Schröder wieder zueinander fänden. Roger Cohen, Auslandschef der New York Times, sagte: "Die Deutschen haben sich tief eingegraben".

Fischer sollte gestern Abend unserer Zeit in Washington eintreffen. Im Vorfeld wurden Gerüchte laut, nach denen das Außenamt um einen Termin im Weißen Haus gebeten hatte, dieser aber verweigert worden sei. Kurz vor seinem Abflug in die USA sagte Fischer der "Bild"-Zeitung, Saddam sei eine "Strafe für sein eigenes Volk, für seine Region". Das habe er immer so gesehen. "Und deshalb gab und gibt es keine Politik der Beschwichtigung gegenüber Saddam Hussein." Der irakische Präsident sei nach den Anschlägen von New York, Djerba und Bali jedoch nicht das Hauptproblem der Welt.

Fischer betonte in dem "Bild"-Interview, die Bundesregierung halte ihr Versprechen der "uneingeschränkten Solidarität" mit den USA aufrecht. "Wir nehmen an dieser Aussage nichts zurück." Um die Solidarität mit den USA in die Tat umzusetzen, hätten Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) und er die rot-grüne Koalition gesetzt, "weil wir zutiefst der Überzeugung sind, dass dieser neue Totalitarismus, der uns mit Terror begegnet, bekämpft werden muss". Was Irak betreffe, lägen die Dinge jedoch anders. Wenn er mit amerikanischen Freunden über Irak diskutiere, "höre ich keine Empörung über die deutsche Politik, sondern viel Nachdenklichkeit", sagte Fischer.

Fischer wird bei seinem Besuch unter anderem mit seinem Kollegen Colin Powell sprechen. Das Nein der Bundesregierung zu einem möglichen Militärschlag der USA gegen Irak hatte zu einer Verstimmung des deutsch-amerikanischen Verhältnisses geführt, die Fischer mit seinem Besuch beheben soll. Die USA werfen Irak den Besitz von Massenvernichtungswaffen vor.

aus: www.welt.de

carlo
04.11.2002, 09:06
"Wir sollten uns nicht gegenseitig verteufeln"

Eine Tragödie wäre es für den renommierten US-Politologen Robert Kagan, wenn Amerika und Europa auseinander driften würden

WELT am SONNTAG: In Ihrem Aufsatz "Power and Weakness" vergleichen Sie das transatlantische Verhältnis mit einer Paarbeziehung. Die Amerikaner, schreiben Sie, kämen vom Mars, die Europäer von der Venus - daher sähen sie die Welt fundamental verschieden...

Robert Kagan: Sie wissen gar nicht, wie oft ich schon bereut habe, diesen Satz geschrieben zu haben.

WamS: Lassen Sie uns trotzdem bei der Ehe-Metapher bleiben. Haben die Amerikaner ein Problem damit, dass sich die Europäer politisch emanzipieren?

Kagan : Es gab diese Emanzipierung. Nach Ende des Kalten Krieges wurde die europäische Einheit zu Europas höchstem Ziel. Ein gutes Projekt, aber die Amerikaner waren nicht miteingeschlossen. Ich befürworte Emanzipierung, aber ich würde mir wünschen, sie ginge mit einem größeren Verantwortungsgefühl einher. Europa hängt immer noch von der militärischen Macht Amerikas ab.

WamS: Glauben Sie, dass die USA und Europa kurz vor der Scheidung stehen?

Kagan : Nein, wir haben zu viel gemeinsam. Wir haben "Kinder" zusammen, all die gemeinsamen Projekte, aber wir müssen die Konditionen unserer Beziehung neu aushandeln.

WamS: Wie könnte das aussehen?

Kagan : Ich weiß nicht, ob ich ein guter Eheberater bin. Aber wir sollten aufhören, uns gegenseitig zu verteufeln und Schuld zuzuweisen. Wir sollten lieber versuchen, herauszufinden, warum wir so unterschiedlich denken. Und vielleicht müssen wir mit manchem Unterschied dann einfach leben lernen.

WamS: Brauchen die USA Europa denn noch?

Kagan : Absolut. Es wäre eine große Tragödie, wenn die USA und Europa auseinander driften würden. Die Frage ist: Brauchen die USA ein Europa, das eine größere strategische Rolle in der Welt spielt? Ich wünschte, es wäre so. Aber die Wahrheit ist: Die USA haben im letzten Jahrzehnt die meiste strategische Schwerstarbeit allein erledigt und könnten es wohl weiterhin.

WamS: Aber auf dem Balkan haben die Europäer doch sehr mitgeholfen...

Kagan : Das stimmt. Ich glaube auch nicht, dass Europa nicht bereit ist, zu kämpfen. Ich glaube, dass europäische Soldaten genauso tapfer sind wie amerikanische und dass europäische Regierungen manchmal sogar noch eher bereit sind, Verluste hinzunehmen, als dies bei US-Regierungen der Fall war. Aber was uns trennt, sind offenbar die Schwierigkeiten, Macht über Europa hinaus zu projizieren. Im Fall Irak zum Beispiel oder wenn es darum geht, die strategische Stabilität in Asien aufrechtzuerhalten. Europa hat einfach nicht die militärischen Fähigkeiten, eine Operation in Übersee durchzuführen. Auch den Balkan-Einsatz hätte Europa nicht ohne die USA durchführen können.

WamS: Meinen Sie das, wenn Sie beklagen, dass "die Amerikaner die Mahlzeit zubereiten und die Europäer den Abwasch machen"?

Kagan: Nicht ich habe mich beklagt, sondern die Europäer beklagen sich über die derzeitige Arbeitsteilung.

WamS: Experten sagen, es sei gefährlich, dass die USA als einzig verbleibende Supermacht kein Gegenwicht mehr haben...

Kagan : Die USA sind nur insofern gefährlich, als ihre Handlungen die Weltordnung bedrohen, die die Europäer kreieren wollen. Wären die USA wirklich gefährlich, gäbe es doch für Europa eine perfekte Möglichkeit, ein Gegengewicht zu bilden. Es könnte seine eigenen militärischen Fähigkeiten verstärken oder versuchen, Amerika stärker in internationale juristische Strukturen einzubinden, was teilweise ja auch geschieht. Aber ich glaube nicht, dass es Europa mit der amerikanischen Macht letztlich ernst genug meint, um Geld zu investieren oder Risiken auf sich zu nehmen.

WamS: Nach dem 11. September wurde erstmals in der NATO-Geschichte der Bündnisfall ausgerufen. Die Bush-Regierung hat dennoch nicht auf die NATO zurückgegriffen. Eine verpasste Chance?

Kagan: In der Tat. Ich denke, wir sollten Europa so gut es geht einbinden. Das wurde versäumt.

WamS: Immer mehr Amerikaner scheinen die NATO für überflüssig zu halten, erst recht nach dem 11. September...

Kagan : Wir haben es hier mit einem Bündel von Problemen zu tun. Eines ist, dass die US-Militärstrategen sich bei bestimmten Operationen, sei es bei einer Intervention im Irak oder in Afghanistan, fragen: Was können die restlichen NATO-Verbündeten beitragen? Unglücklicherweise ist die Antwort: Nicht besonders viel.

WamS: Aber wir haben ja auch Spezialeinheiten nach Afghanistan geschickt...

Kagan : Ja, aber trotzdem wundert es mich nicht, dass jetzt in einem Konflikt, der sich außerhalb Europas abspielt, in dem die USA angegriffen wurden, in dem 3000 Amerikaner starben und Amerikas vitale Interessen bedroht sind, die USA die NATO nicht nutzen.

WamS: Wenn die Europäer militärisch so stark wären wie die USA, würden sie sich dann ähnlich verhalten?

Kagan : Nicht unbedingt. Aber ich glaube schon, dass die Feindseligkeit der Europäer gegenüber Macht zum Teil daher rührt, dass sie sich selbst in ihrer militärischen Macht beschnitten haben.

WamS: Wie könnte denn der transatlantische Graben wieder geschlossen werden?

Kagan : Die Amerikaner sollten aufhören, sich als Gulliver zu sehen, der von den Seilen der europäischen Liliputaner runtergezogen wird. Sie sollten großzügiger werden, mehr Verständnis für die Sensibilität anderer zeigen. Umgekehrt sollten die Europäer mehr Sorgfalt darauf verwenden, ihre militärischen Kapazitäten auszubauen.

WamS: Glauben Sie, dass die Europäer dies tun werden?

Kagan: Eher nicht.

WamS: Und dann?

Kagan : Dann werden wir in strategischen Fragen unsere eigenen Wege gehen, aber weiterhin wirtschaftlich zusammenarbeiten, wo grundsätzliches Einverständnis herrscht. Wirtschaftlich hat Europa genauso viel Macht wie die USA.

WamS: Was würde das für die NATO bedeuten?

Kagan : Ich glaube, dass sie weiter existieren wird. Gäbe es sie nicht, müsste sie neu erfunden werden. Die NATO ist als politische Institution wichtig, besonders für die neuen Mitgliedstaaten. Sie verkörpert auf einzigartige Weise den "transatlantischen Westen".

WamS: Nur als politische Institution. Was ist mit ihrer militärischen Bedeutung?

Kagan : Ganz ehrlich: Wie sieht denn die Lage derzeit aus? Es gibt keinen richtigen europäischen Motor in der NATO. Dieser wäre aber notwendig. Insbesondere Deutschland lässt es zu, dass seine militärischen Fähigkeiten immer weiter ab- statt zunehmen. Und Frankreich ist auch nicht richtig Teil der NATO. Die NATO ist ein stabilisierender Faktor in Europa. Aber es war ein Fehler zu glauben, sie könnte in eine globale strategische Organisation umgewandelt werden.

Das Gespräch führten Waltraud Kaserer und Miriam Hollstein.


Zur Person: Robert Kagan

* der 44-jährige US-Politologe lebt derzeit in Brüssel, arbeitet für das Carnegie Endowment for International Peace

* studierte in Harvard und Yale, schrieb Reden für US-Außenminister

* ist Kolumnist der "Washington Post" und Mitherausgeber von "Weekly Standard"

* referierte am Dienstag vor der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik in Berlin

aus: www.welt.de

Ralph
04.11.2002, 21:46
Original erstellt von germanasti
Ich bete inständig darum das Deutschland nichtmal ansatzweise die Methoden Amerikas übernimmt, denn sonst können wir uns gleich die Kugel geben!

Wir haben eines der besten Sozialsysteme der Welt.
Amerika dagegen eine kurz vor dem verbrennen stehende Rentenkasse.

Lass uns in 10 Jahren Ergebnisse vergleichen...


@Germa

... die besten Sozialsysteme, die in der Art leider nicht mehr zu finanzieren sind (wagt bloss noch keiner zu sagen); da ist dringend Handlungsbedarf angesagt.

... hinzukommt, dass Deutschland an der "japanischen Krankheit" leidet, nämlich der chronischen Unfähigkeit echte Reformen durchzuführen (und damit meine ich nicht "über den Teich gucken", um Ideen zu erhalten ..... die gibt es mehr als genügend!)

Aber der Deutsche lebt lieber nach dem Motto "Deutschland - aus Freude am Zahlen!" ................ und das ist nicht Pro-USA gemeint!

carlo
05.11.2002, 00:03
@ ralph,

strong Zustimmung... :)

Ralph
05.11.2002, 07:34
Im Zusammenhang mit diesen grottenschlechten Zukunftsaussichten sollte man z.B. in Deutschland nicht den Fehler machen & die momentan laufenden Steuererhöhungen & Reformvorschläge ernst nehmen oder gar die kommenden Jahre diesem Ereignis in die Schuhe schieben. Das Hölleninferno wird so heftig sein, dass sämtliche Änderungen in den nächsten 5-7 Jahren vollständig verpuffen werden. Erst dann, sprich mit der nächsten Regierung, kann man sich Gedanken über die Zeit danach machen & entsprechende Zukunftspläne aufstellen. Wird es gelingen, Deutschland nochmals als humanen Sozialstaat aufzubauen, oder werden wir im zukünftigen Europa eine nur noch sehr untergeordnete Rolle spielen? Von diesen Grundfundamenten wird es abhängen, ob das viele globale Kapital Anfang des nächsten Jahrzehnts einen Weg nach Deutschland und damit Kaufkraft findet. Vor ähnlichem Problem steht übrigens momentan Japan. Beobachtet mal wie schnell die wirtschaft nach oben explodieren wird, nachdem das viele Geld einen begründbaren Weg dorthin gefunden hat. Denn nur damit kann ein Boom ausgelöst werden! Reformen und andere Zukunftspläne sind lediglich Fundamente. Den eigentlichen Aufschwung bringen ausländische Kapitalgeber. Möge uns dieser Dreh genauso gelingen.

@Germa

das obige Statement hast Du heute morgen in Deinen Tagesthread geschrieben .....

.... reissersich wie immer, deswegen aber nicht viel besser oder gehaltvoller

Du vergisst bei Deiner sehr unilateralen Sichtweise leider einen sehr wichtigen Fakt, nämlich der, dass das benötigte Kapital weder von den Bürgern in D aufgebracht werden kann (da es über staatliche Misswirtschaft sukzessive dem Wirtschaftskreislauf entzogen wird), noch von ausländischen Investoren aufgebracht werden will (die die staatliche Misswirtschaft durch immer neue Regularien, Gesetze und Gängeleien immer weiter verprellt).

Und man müsste längst nicht so weit gehen, dass man amerikansiche Verhältnisse hat, nur um eine deutliche Verbesserung herbeiführen zu können.

Die Weichen sind JETZT zu stellen, nicht erst in 5-7 Jahren!

sorry, aber einerseits spielst Du gerne den sozialkritischen Beobachter, der die Systeme ständig kritisiert, andererseits machst Du aber genau auch den Eindruck von jemandem, der sich gerne in der Sicherheit dieser Systeme wiegt.

Wer die Steuererhöhung (und deren Wirkung) sowie die Reformvorschläge (und das Ausbleiben der daraus angedachten Wirkung) jetzt nicht ernst nimmt und wirksam dagegen steuert, der braucht sich nicht wundern, wenn er in Deinen angesprochenen 5-7 Jahren nur noch unter "ferner liefen" rangiert .......... aber irgendwie befinden wir uns da ja schon!

Abschliessend natürlich wieder der Hinweis, dass es KEINE amerikansichen Verhältnisse braucht, um etwas deutlich zu verändern.

Es braucht aber mehr Kompetenz und Fingerspitzengefühl, als man für die Streichung von Subventionen und Steuervergünstigungen, bei gleichzeitiger Beibehaltung des Einkommenssteuertarif (= Steuererhöhung) benötigt. ............. das kann der grösste Trottel ........... um D wieder fit zu machen, braucht es mehr, als 5-7 Jahre tatenlos auf etwas zu warten!

germanasti
05.11.2002, 20:42
Ralph:

So hatte ich es vor einiger Zeit aber auch geschrieben. Deutschland wird in rund 5 Jahren in einer absoluten Bedeutungslosigkeit verweilen.
& trotzdem hat man die Chance auf einen nachhaltigen Dreh. aber eben erst in 10-15 Jahren und bis dahin ist ein verdammt langer Zeitraum.

germanasti
06.11.2002, 08:56
Republikaner gewinnen Macht in beiden Häusern des US-Kongresses

Washington (dpa) - Die Republikaner haben bei den amerikanischen Kongresswahlen die Kontrolle über den Senat zurück gewonnen. Damit kontrolliert die Partei von Präsident George W. Bush wie bei Amtsantritt vor knapp zwei Jahren wieder beide Häuser des Parlaments.

Im Repräsentantenhaus legten die Republikaner zudem zu und hatten nach den jüngsten Prognosen der US-Fernsehsender am Mittwochmorgen bereits 226 Sitze sicher, drei mehr als bislang. Die Mehrheit liegt bei 218 Mandaten.

Die Republikaner gewannen im Bundesstaat Missouri einen bislang von den Demokraten gehaltenen entscheidenden Senatssitz. Jean Carnahan musste sich ihrem republikanischen Herausforderer Jim Talent geschlagen geben. Damit haben die Republikaner mindestens 50 der 100 Stimmen im Senat. Weil bereits ein Unabhängiger im Senat sitzt, der nicht zur Wahl stand, können die Demokraten nur noch auf höchstens 49 Sitze kommen. Deshalb können die Republikaner die Ausschussvorsitzenden stellen. Bei Stimmengleichheit gibt zudem der Senatspräsident, Vize-Präsident Richard Cheney, den Ausschlag.

Beim Kampf um zwei weitere bislang demokratische Senatssitze in Minnesota und South Dakota lagen ebenfalls Republikaner knapp vorn. Die Demokraten hatten die Mehrheit nach dem Austritt eines Senators aus der Republikanischen Partei erst im Frühjahr 2001 übernommen.

Auch bei den Gouverneurswahlen in 36 der 50 Bundesstaaten zeichneten sich nicht die vorher gesagten Gewinne für die Demokraten ab. Präsidentenbruder Jeb Bush wurde in Florida überraschend deutlich wiedergewählt. In mehr als einem Dutzend Bundesstaaten wechselte die Macht. Dabei hielten sich demokratische und republikanische Gewinne die Waage.

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Bush hat nun die absolute Macht.

& damit stellt sich nicht mehr die Frage, was macht Deutschland ohne Amerika, sondern wie geht die Welt mit dem 4. Reich um!

carlo
06.11.2002, 13:23
germa,

würdest Du die Frage nach dem 4.Reich genauso stellen, wenn die CDU/CSU im Bundestag und Bundesrat die absolute Mehrheit besäße...eben!

Amerika ist und bleibt eine Demokratie,
die Welt muß nicht am deutschen Wesen genesen,
in diesem Fall an deutschem Verständnis von Liberalität und Gewaltenteilung.

Bundeskanzler Schröder hat mit seinen dümmlich-antiamerikanischen Parolen zwar sein Mandat im Reichstag verlängert, dafür Deutschland in die außenpolitische Isolation getrieben, so daß eine Einflußnahme auf den Kurs von Bush nahezu unmöglich geworden ist, vom wirtschaftlichen Schaden, wie oben beschrieben, ganz abgesehen.

Saddam ist weder Demokrat, noch führt er Friedliches im Schilde, wegen deutscher Lichterketten und weißer Bettlaken, auf denen"Kein Blut für Öl steht", wird er sich wohl kaum von seinem Kriegskurs abbringen lassen.
Namhafte Wisswenschaftler isalmischen Glaubens, so zum Beispiel Prof. Bassam Tibi, warnen seit langem vor einfältiger Toleranz gegenüber fundamentalen Islamisten. Die schrecklichen Erfahrungen von New York, Djerba, Indonesien und Moskau zeigen die wahre Gefahr für die Welt: Zu allem entschlossene, religiöse Fanatiker, denen ein Menschenleben nichts wert ist, die aber mit den heute verfügbaren Waffen Tausende unschuldiger Zivilisten in den Tod schicken. Das sind die Gefahren, denen Bush, stellvertretend für die gesamtliche westliche Welt entgegentreten möchte, und ein Herr Schröder wäre gut beraten, seinen Kurs zu ändern. Der Terror wird auch in unser Land kommen, das BKA warnte gestern vor Anschlägen in Deutschland,
spätestens dann werden wohl einige Friedensbewegte schmerzhaft aufwachen...

nasdaq10.000
06.11.2002, 13:56
Original erstellt von germanasti

Ich bete inständig darum das Deutschland nichtmal ansatzweise die Methoden Amerikas übernimmt, denn sonst können wir uns gleich die Kugel geben!
Wir haben eines der besten Sozialsysteme der Welt.
Amerika dagegen eine kurz vor dem verbrennen stehende Rentenkasse.
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ANFANG VOM ENDE

Der unvermeidbare Kollaps des Rentensystems

Von Vlad Georgescu

Die Anhebung der Rentenbeiträge erweist sich als Schritt in die verkehrte Richtung und Tropfen auf den heißen Stein zugleich: Wissenschaftler rechnen mit einem kompletten Zusammenbruch der Rentenversicherung und prophezeien Beitragssätze von über 40 Prozent.

Hamburg - Die Zahlen beschäftigen derzeit die Republik, doch wenn es nach den Berechnungen von Herwig Birg, Direktor am Institut für Bevölkerungsforschung und Sozialpolitik (IBS) der Universität Bielefeld geht, ist das erst die Spitze des Eisberges: Auf 19,5 Prozent soll der Beitragssatz zur gesetzlichen Rentenversicherung im nächsten Jahr steigen, damit die beschlossene Rentenanhebung 2003 Jahr stattfinden kann. Zugleich werde die Beitragsbemessungsgrenze von derzeit 4500 auf 5100 Euro angehoben und die Schwankungsreserve weiter reduziert, verkündete die aus SPD und Grüne bestehende Koalitionsrunde am gestrigen Montagabend in Berlin. Zwar hätte der Beitrag gemessen am prognostizierten Wachstum "minimal darunter" liegen können, erklärte SPD-Fraktionschef Franz Müntefering heute im Deutschlandfunk - und verkannte damit wie Politiker aller Couleur die bittere Wahrheit: Das Rentensystem steht am Anfang vom Ende.
Die Charts, die das belegen, basieren auf der demografischen Entwicklung in der Bundesrepublik. Seit Jahren legt Birg das Datenmaterial vor - ohne in der Politik Gehör zu finden. Die Vergreisung der Gesellschaft hierzulande, erklärt der Wissenschaftler unverblümt, werde das soziale System der Bundesrepublik in wenigen Jahrzehnten kollabieren lassen. "Die Alterung der Gesellschaft ist keine Option, die sich durch gesellschaftliches und politisches Handeln gestalten lässt", sagt Birg, der auch als Berater des Bundesverfassungsgerichts und der Vereinten Nationen tätig ist, "sie wird ablaufen wie ein Uhrwerk".

Mit mathematischer Präzision sei demnach voraussagbar, dass bis 2080 der Anteil der Menschen über 60 weiter steigt. Der Grund: Jede Frau gebärt heute - statistisch betrachtet - lediglich 1,3 Kinder in ihrem Leben. Selbst wenn wieder mehr Kinder das Licht der Welt erblicken würden, könnte Birg keine Entwarnung geben. Grund für die programmierte Baby-Baisse ist die generationenbedingte Verzögerung des Bevölkerungswachstums, denn weniger Kinder zeugen weniger Nachkommen. Weil die Lebenserwartung des Einzelnen indes steigt, ist der Effekt für die Gesellschaft unausweichlich: Sie vergreist.

So wird bis zum Jahr 2050 die Zahl der über 60-Jährigen in Deutschland um 9,9 Millionen zunehmen, der Anteil der 20- bis 60-Jährigen jedoch um 16 Millionen zurückgehen. Damit steht aber schon heute fest, dass die vor knapp 150 Jahren zu Bismarcks Zeiten eingeführte Rentenversicherung faktisch tot ist. Der Grundgedanke nämlich, die Rentenbeiträge im sogenannten Umlageverfahren direkt und ohne zeitliche Verzögerung für die Rentenauszahlungen an die heutigen Rentner zu verwenden, wird bereits 2050 nicht mehr umzusetzen sein. Während im Jahr 2000 auf 100 Menschen im Alter zwischen 20 und 60 Jahren noch 43 zu Versorgende über 60 fielen, werden es in fünfzig Jahren über 90 sein. Zu viel, um das System am Leben halten zu können. Genau drei Möglichkeiten stehen Birg zufolge Politikern zur Verfügung, um diesen gordischen Knoten zu lösen - und alle drei sind politisch nicht durchsetzbare Varianten. Nach einer ersten Berechnung müsste sich der Beitragssatz zur Rentenversicherung im Jahr 2050 auf knapp 42 Prozent verdoppeln, um das heutige gängige Rentenniveau von 64 Prozent halten zu können. Alternativ müssten Rentner in Zukunft mit Rentenniveaus von 30 Prozent leben müssen, wollte man den Beitragssatz, wie heute üblich, bei rund 20 Prozent konservieren. Korrekturen dieser Art werden indes gerne ignoriert. "Sozialpolitiker, die selbst für die demographisch schwierigen Jahre nach 2020 nur wenig steigende Beitragssätze versprechen, verkennen die Brisanz der weiter steigenden Lebenserwartung", meint auch Norbert Walter, Chefvolkswirt der Deutschen Bank Gruppe, und urteilt: "Sie wird in vielen Bevölkerungsprognosen - auch in der offiziellen des Statistischen Bundesamtes - nur unzureichend erfasst."

Auch die zweite Handlungsoption erscheint wenig charmant. Denn wollte Vater Staat den Rentnern auch in 20 Jahren noch ihr wohlverdientes Ruhegehalt auf heutigem Niveau zahlen, müssten die nachfolgenden Generationen einen Großteil ihres letzten Lebensdrittels in der Firma verbringen. Schon 2018 würden Berufstätige dann tatsächlich bis zum 65., im Jahr 2074 gar bis zum 73. Lebensjahr arbeiten.

Die bereits heute oft nur auf dem Papier existierende Renteneintrittszeit von 65 Jahren wäre demnach in Zukunft die untere Latte des Renteneintrittsalters - darunter ginge nichts. Vorruhe mit 58, oder gar Austritt aus dem Arbeitsleben mit 55 Jahren bei entsprechender Abfindung und anschließender Vorruhestandsregelung, wie heute von Unternehmen und Staat vielfach praktiziert, wären dahin. Vor allem Personalmanager dürften auf die längere Lebensarbeitszeit verstimmt reagieren - zumal die Wirtschaft bereits heute viel Wert auf Jung-Dynamik und aktuelles Know-how legt.

Die Ängste der Politiker, die Gunst ihrer Wählergemeinde zu verlieren, schürt auch Lösungsvorschlag Nummer drei. Weil sich das deutsche Volk bis 2080 keineswegs aus eigenem Antrieb heraus selbst verjüngen kann, müssten junge Einwanderer ins Land, um die Renten zu sichern. Die benötigte Zahl freilich dürfte jedem Kanzler den Schweiß auf die Stirn treiben: Insgesamt 188 Millionen Menschen müssten bis 2050 nach Deutschland einwandern, um den Anstieg des Altersquotienten zu stoppen. Sogar diese Menschenflut hätte jedoch nur einen vorübergehenden Effekt, weil die jungen Migranten eines Tages selbst vergreisen würden. Als flankierende Maßnahme müsste die Lebendgeburtenrate auf 3,8 Kinder je Frau steigen - sogar in den Entwicklungsländern liegt sie derzeit im Durchschnitt bei lediglich 3,0.

Die aktuelle Beitragserhöhung sei trotz der erdrückenden Fakten der falsche Weg, sagt Walter: "Wir leben noch in einer demographischen Schönwetterperiode." Tatsächlich dürfte die unaufhaltsame Vergreisung erst ab 2020 auch für Laien erkennbar einsetzen. Bis dahin, rät der Deutsche Bank Chefvolkswirt der Politik, bliebe noch ausreichend Zeit für das Durchforsten des Rentensystems nach veralteten Leistungen.

So könne beispielsweise die Frühverrentung ebenso wie die nahezu alljährliche Anhebung der Renten gestrichen werden. Auf letzteres zu verzichten indes hieße freilich, für jede Bundesregierung, rund 18 Millionen Wählerstimmen zu riskieren. Doch gravierender als der potenzielle Stimmenverlust sei es, die kommenden Generationen durch Ignorieren der Tatsachen bewusst zu betrügen, meint Walter: "Sie zahlen heute ein und bekommen am Ende nichts."
http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,221456,00.html
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Die heutigen Beitragszahler werden zu Gunsten einer Generation strapaziert, die längst überversorgt ist.

Reale Renditen der gesetzlichen Rentenversicherung

Im deutschen Rentensystem sind inzwischen nur noch drei Dinge sicher. Erstens: Die Beiträge steigen ständig weiter. Zweitens: Wer heute arbeitet, wird später von seiner Rente niemals leben können. Drittens: Eine ganze Generation von Rentnern ist überversorgt. In der politischen Debatte geht es zwar ständig um Gerechtigkeit. Gemeint ist damit aber nur die Gerechtigkeit zwischen Arm und Reich. Viel zu selten kommt die Gerechtigkeit zwischen Generationen zur Sprache. Bei der Rente kann davon nicht mehr die Rede sein: Die jungen Leute werden gezwungen, Geld zu null Rendite in die Rentenkasse zu pumpen, um die Versäumnisse ihrer Eltern zu finanzieren. Und die haben mit dem Geld ihrer Kinder ein so gutes Auskommen wie noch keine Generation vor ihnen.

Nach dem Willen der Koalition wird der Rentenbeitrag im nächsten Jahr wohl von 19,1 auf 19,5 Prozent des Gehalts steigen. Das ist schon die optimistische Variante. Eigentlich müsste er auf 19,8 oder 19,9 Prozent klettern. Nur mit Haushaltstricks kann die Regierung ihn drücken. Gleichzeitig steigt die Beitragsbemessungsgrenze von 4500 auf 5100 Euro. Es steigen also gleich beide Faktoren - die Ausgangsgröße und der Multiplikator.

Große Zusatzbelastung

Für Angestellte, die die Bemessungsgrenze erreichen oder mehr verdienen, bleiben im Jahr 810 Euro netto weniger übrig. Der Arbeitgeber zahlt noch einmal das Gleiche. Zwei Rechenbeispiele: Ein Konzern mit 10.000 Angestellten über der Bemessungsgrenze zahlt künftig allein für diese Führungskräfte 8,1 Mio. Euro mehr in die Rentenkasse ein. Eine Werbeagentur mit 30 Top-Verdienern und 300 normal entlohnten Angestellten muss zusätzlich rund 50.000 Euro entrichten. Gemeinsam mit seinem Arbeitgeber schickt jeder Gutverdiener nächstes Jahr ein Vermögen an die Rentenkasse. Der Gesamtbeitrag liegt 2003 bei 11.934 Euro. Rendite-Erwartung: im besten Fall null, wahrscheinlich sogar negativ. Wie dramatisch die Renten-Rendite der einzelnen Geburtsjahrgänge gesunken ist, zeigt die Grafik unten.

Auf der Empfängerseite stehen die heutigen Rentner. Gewinner sind natürlich nicht die Trümmerfrauen, Witwen und Weltkriegsveteranen, also die ersten zwei Geburtsjahrzehnte des 20. Jahrhunderts. Diese Menschen haben viel gelitten und viel verloren. Sie leben oft allein von der gesetzlichen Rente, die mager ausfällt und nur ein bescheidenes Auskommen sichert. Jeder, der heute arbeitet und Rentenbeiträge zahlt, wird freiwillig und gerne für ihren Unterhalt aufkommen.

Ganz anders stehen jedoch die Jahrgänge zwischen 1930 und 1945 da, die so genannte Goldene Generation. Auch diese Menschen mussten im Krieg leiden. Das bestreitet niemand. Später aber lebten sie unter außergewöhnlich glücklichen Umständen, nahmen sich enorme Privilegien heraus, belasteten den Staat mit exorbitanten Schulden und hinterließen ein Gemeinwesen, das in weiten Teilen ein Sanierungsfall ist.

Sie produzierten zwar ständiges Wirtschaftswachstum, lebten aber trotzdem über ihre Verhältnisse. Sie ignorierten das demografische Problem, verhinderten 20 oder 30 Jahre lang wichtige Reformen am Sozialstaat, ließen die Gesellschaft in Regeln erstarren und verabschiedeten sich oft frühzeitig auf Kosten ihrer Kinder in den Ruhestand. Obwohl das Rentenalter eigentlich 65 ist, liegt der Durchschnitt faktisch bei 60 Jahren.

Wenig Arbeit, goldener Ruhestand

Nie zuvor hat eine Generation so wenig gearbeitet wie diese - vom Studium bis zur Rente oft weniger als 30 Jahre, meistens zu mageren 35 oder 37 Stunden pro Woche, mit weltweit einmaligen sechs Wochen Urlaub im Jahr und absurd hohem Krankenstand. Die Nettobilanz dieser Generation ist noch nicht geschrieben, aber sie fällt vermutlich bescheiden aus. Sie hat dem Land unter dem Strich wenig hinterlassen. Das ist nicht als individueller Vorwurf gemeint. Viele Mitglieder der Generation haben Außergewöhnliches geleistet. Kollektiv aber hat sie die Kritik verdient.

Trotzdem genehmigte sich die Generation einen Ruhestand der Extraklasse. Die gesetzliche Rente ist für viele nur ein Trinkgeld. Am meisten bekommt sie aus den üppigen Betriebsrenten, die ihre Arbeitgeber heute in die Knie zwingen. Die Goldene Generation hat derart schamlos zugelangt, dass viele Firmen neuen Mitarbeitern mangels Masse keine Betriebsrente mehr zusprechen können. Damit nicht genug: Den Abschied in die Frührente versüßte zusätzlich das Arbeitsamt, die Staatskasse sprang ihm dabei zu Seite.

Um das alles zu finanzieren, werden die Jahrgänge nach 1945 wahrscheinlich bis 70 arbeiten müssen, danach eine Hunger-Rente bekommen, vielfach keine Betriebsrente haben und von ihren eigenen Ersparnissen leben. Der Vater hat die Kasse leer gemacht, für den Sohn ist nichts mehr da.

Gegen diesen Trend müssen die Jungen jetzt protestieren. Die Beiträge dürfen nicht steigen, sondern die Zahlungen an die Goldene Generation müssen sinken. Bis auf Härtefälle sollten Rentner Einbußen hinnehmen. Nur so bleibt den Jungen genug Geld für ihre eigene Altersversorgung. Wenn sie jetzt nicht auf sich selbst achten, stehen sie später ohne Mittel da. 4.11.02

http://www.ftd.de/pw/de/1035973728686.html?nv=se
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Krankenkassen müssen verstärkt Kredite aufnehmen

Den Krankenkassen fehlen nach Informationen des "Handelsblatts" inzwischen drei Milliarden Euro.

Leistungsfinanzierung über Kredite
Die Kreditfinanzierung habe daher ein bislang nicht gekanntes Ausmaß erreicht, meldete das Blatt unter Berufung auf ungenannte Kassenvertreter. So finanziere die Landes-AOK Hessen bereits einen Teil ihrer laufenden Betriebskosten über Kredite. Insgesamt könnten 50 Prozent der Kassen ihre Leistungsausgaben nur noch über Kredit finanzieren.

Betriebskrankenkassen erstmals die größten Einzahler
Zwischen den gesetzlichen Krankenkassen wurden im vergangenen Jahr rund 14,3 Milliarden Euro umverteilt - gut eine Milliarde Euro mehr als im Vorjahr. Dies teilte das Bundesversicherungsamt am Mittwoch in Bonn mit. Erstmals waren die Betriebskrankenkassen (BKK) die größten Einzahler in den Solidartopf, an zweiter Stelle folgten die Ersatzkassen. Dagegen wurden die AOK mit 11,9 Milliarden Euro von den anderen Kassen bezuschusst. Auch flossen 1,5 Milliarden Euro von den West- zu den Ost-Kassen.

1,4 Milliarden mehr an die Ortskrankenkassen
Die BKK zahlten den Angaben zufolge insgesamt fast 7,1 Milliarden Euro in den so genannten Risikostrukturausgleich (RSA) ein und damit rund 2,3 Milliarden Euro mehr als 2000. Die Einzahlungen der Ersatzkassen sanken um 455 Millionen Euro auf nunmehr 5,8 Milliarden Euro. Dagegen flossen den Ortskrankenkassen mit 11,9 Milliarden Euro 1,4 Milliarden mehr zu als im Vorjahr. Die Bundesknappschaft erhielt 1,56 Milliarden Euro. Nach Angaben des Amtes gehörte erstmals auch eine einzelne Ersatzkasse zu den Geldempfängern.

Wettbewerbschance sichern
Der Risikostrukturausgleich soll gleiche Wettbewerbschancen zwischen den Kassen herstellen. Kassen mit tendenziell eher teureren Versicherten - etwa Älteren - erhalten aus dem Topf Zuschüsse. Kassen mit im Durchschnitt eher jungen und gut verdienenden Mitgliedern müssen dagegen Geld einzahlen.

Unterstützung chronisch Kranker
Rot-Grün hat im vergangenen Jahr zudem beschlossen, den Strukturausgleich weiter auszubauen. So sollen Kassen, die viele Behandlungen nach den neuen Programmen für chronisch Kranke vorweisen können, finanziell entlastet werden; Kassen, die weniger chronisch Kranke in den Programmen haben, sollen dagegen mehr zahlen.
http://t-finance.t-online.de/zone/fina/aktu/poli/eige/ar/CP/ar-krankenkassen-kredite.html
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Berlin-Neukölln: 200-Mio-Etat ist ausgeschöpft
Hilfe, mein Sozialamt ist pleite!

Berlin – Es wird immer schlimmer! Die Sozialsysteme ächzen unter der Last von 2,7 Millionen Bedürftigen, die Unterstützung erhalten. Jetzt ist das erste Sozialamt pleite!
Beim Sozialamt im Berliner Problem-Stadtteil Neukölln (viele Arbeitslose, Ausländer) geht nichts mehr: Der für dieses Jahr vorhandene Sozialhilfeetat von 200 Millionen Euro ist seit ein paar Tagen ausgeschöpft. Grund: Es sind einfach zu viele, die Sozialhilfe beantragen. Allein in Neukölln gibt es heute 37 500 Sozialhilfeempfänger – 1500 mehr als vor einem Jahr. Eine Folge der steigenden Arbeitslosigkeit (bundesweit fast vier Millionen ohne Job).

Der Neuköllner Sozialstadtrat Michael Büge (36, CDU) weiß nicht mehr, wie er das alles bezahlen soll: „Die Situation ist katastrophal!“

Geld vom Land Berlin kriegt er nicht mehr – der Senat der Hauptstadt ist selber pleite (47 Milliarden Euro Schulden).

Die Folgen für die Berliner Sozialhilfeempfänger sind teilweise gravierend: Das Sozialamt zahlt ab sofort keine Arztrechnung mehr. Operationen (z. B. künstliche Hüftgelenke, Mandeln) müssen auf nächstes Jahr verschoben werden. Viele Stützeempfänger sind nämlich in keiner Krankenkasse, für sie zahlt das Sozialamt direkt an den Arzt. Die Mediziner rechnen dann gerne schon mal so teuer ab wie bei Privatpatienten...

Auch für Behinderten-Betreuer ist kein Geld mehr da. Das Sozialamt: „Was wir an Maßnahmen verschieben können, wird aufs nächste Jahr verschoben.“

Doch die Berliner Sozialamtspleite könnte erst der Anfang sein... Hans-Jürgen Leutloff vom Sozialverband Deutschland warnt: „Alle Kommunen in Deutschland haben Finanzprobleme. Da sie das Geld für die Sozialämter aufbringen müssen, ist für die eben auch weniger Geld da.“ Schließlich werden in Deutschland jedes Jahr rund 24 Milliarden Euro an Sozialhilfe ausgezahlt.

Dürfen die Sozialämter deshalb einfach Zahlungen streichen?

Sozialverbandssprecher Leutloff: „Nein! Das meiste sind gesetzlich vorgeschriebene Pflichtleistungen.“ Miete und Lebenshaltungskosten für das „Existenzminimum“ (294 Euro) müssen auf jeden Fall gezahlt werden. Auch Kleidergeld wird weiter gezahlt.
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Berlin ist eh' schon pleite:
http://www.kontraste.de/0211/manuskripte/txt_beamte.html

Förster
06.11.2002, 14:01
nasdaq10.000 ist volle kanne auf dem deutschland-wird-bankrott trip :D

nasdaq10.000
06.11.2002, 15:59
Die Hinweise auf die Probleme in Deutschland dienen der Relativierung von US-Untergangsszenarien.
Wir stehen in einer weltweiten Konkurrenz nicht nur zu den USA,
sondern zu allen Industriestaaten.
Wir konkurrieren auch mit unserem Steuer- und Sozialsystem zu anderen Nationen, weil dies unsere Konkurrenzfähigkeit positiv oder negativ beeinflusst (Lohnnebenkosten, Staatsquote).

Den Menschen sollten nicht die Hilfen entzogen werden,
sondern Hilfen gegeben werden, um selbst wieder aktiv sein zu können.
Der Staat sollte in erster Linie diejenigen unterstützen, die sich selbst nicht mehr helfen können.

Die Arbeitslosenhilfen sind zu Regel-Hilfen/Lohnersatzleistungen für 4 Millionen (!!)geworden - waren allerdings ursprünglich geplant als Hilfen zwischen zwei Jobs.
Hoch lebe unsere Wirtschafts- und Finanzpolitik, die über Jahrzehnte versagt hat und immer neue bürokratische Monster schuf (100.000 Bürokraten beim Arbeitsamt leben z.B. sehr gut von unserem Arbeitlosenproblem).

Globalisierung gibt es, seit es Welt-Handel gibt. Stichwort etwa: China, Handelsweg der "Seidenstraße".

http://home.snafu.de/fredlange/seidenst.htm
----------------------------------------------------------------------------------------------
"Der Antiamerikanismus ist ein kollektiver Urschrei verwundeter Seelen:

der Versuch, über das Gefühl der eigenen Unterlegenheit hinwegzukommen".

Henryk M. Broder

http://www.spiegel.de/politik/debatte/0,1518,220361,00.html

"Es darf doch nicht sein, dass die primitiven Amerikaner, diese Cowboys und Bush-Krieger uns praktisch in allem überlegen sind, wo wir die Kultur und die Klappstulle erfunden haben und sogar in Augsburg, Mainz und Oldenburg teure Drei-Sparten-Theater unterhalten.
Erschwerend kommt dazu, dass es die Amis waren, die uns im letzten Jahrhundert zweimal geschlagen und vor uns selbst gerettet haben".:D

schloss
06.11.2002, 16:06
@dolby

Deutschland ist leider nicht weit vom Bankrott entfernt, dank der roten und schwarzen Politik seit den 70ern. Eine Ausrichtung auf mehr Mittelstand und weniger auf das Großkapital a la Holzmann, Ruhrkohle, DB und Allianz würde uns jetzt wesentlich besser dastehen lassen und uns gelassener auf den Untergang der amerikanischen Blase schauen lassen. So besteht aber leider immer noch die Gefahr, dass Deutschland (incl. Rest-Europa;)) doch als erstes ins Gras beißen muss, während sich die Amis unauffällig sanieren...an europäischen Filetstücken zu Schleuderpreisen sozusagen

germanasti
06.11.2002, 18:00
carlo:

Terror gibt es schon seit der Steinzeit. Bush versteht es lediglich entsprechend medienwirksam zu präsentieren. Oder mussten wir ganze Länder mit der RAF vor 20 Jahren zerstören? Gleiches gilt für die Inselbewohner mit der IRA. :o



& zur Deutschlandsituation:
Von Pontius zu Pilatus darüber zu debattieren, dass Deutschland mit der unfähigen Regierung & Gesetzen das und das passieren könnte, ist absolut müssig, da dieses Kind bereits in den Bach gefallen ist. Ergo wäre es doch viel interesanter zu szenieren, wo Deutschland lt. derzeitigem Stand in 5 Jahren notiert. :)

Ralph
06.11.2002, 21:40
.... Ergo wäre es doch viel interesanter zu szenieren, .....

Genau das ist das Problem, Germa ..... in Deutschland wird viel zu viel gequatscht (und das noch ziemlich inkompetent).

Es hilft nicht, die Lage in immer düsteren Farben zu malen (wie es nun mal der dt. Mentalität entspricht), sondern konkret und offen nach pragmatischen und vor allem unkonventionellen Lösungen zu erarbeiten.

5 Jahre abhaken und auf Besserung hoffen, wird nicht funktionieren!

Pragmatismus statt Bürokratismus ....... so wie z.B. Greenspan heute, der mit der 50 BP-Senkung genau das Richtige gemacht hat, was in der deflationären Phase erforderlich ist ...... die Deppen von der EZB werden morgen wahrscheinlich wieder endlos darüber diskutieren, dass das Zinsniveau angemessen ist, und man der Inflation keinen Vorschub leisten will. Zu dem werden niedrigere Zinsen wohl kaum den Investitionen helfen ......

..... dass es nicht um die Anregung von Inv. geht, sollte den hochbezahlten EZB'lern eigentlich klar sein, sondern um die wirksame und konzertierte Bekämpfung eines Umstandes, der schlimmer als Inflation ist, nämlich Deflation.

Ich hoffe, dass die EZB morgen der US-Notenbank folgt! .......

Wir müssen und sollten nicht alles von den USA übernehmen, aber zumindest die eine oder andere Entscheidung mal aus einem pragamtischen Ansatz versuchen zu sehen, als auf jede Frage eine Antwort zu finden, die NUR "ja" ODER "nein" heisst! ...... leider wird der Deutsche niemals zu einem Pionier werden! ......

germanasti
06.11.2002, 22:28
Muss man denn jetzt und sofort irgendwelche Reformen durchführen? Oder kann es nicht vielmehr so sein, dass der Markt schlichtweg eine lange Verschnaufpause braucht, ähnlich wie in Japan?

Früher kamen auf eine Haussephase in etwa 0,5 Baissephasen. Ergo müssten wir nun 10 Jahre leiden.

Alle Welt spricht von expansiv, Geldmengenerweiterung, etc.
Doch hat uns nachweislich genau das in den Abgrund gebracht!
Der Internetboom & Co. hätte locker für weitere 10 Jahre gereicht. Wir wären dann wohl nicht so schnell gewachsen, doch dafür umso nachhaltiger

Förster
06.11.2002, 22:45
@ schloss

die steuern hätten die bachel senken sollen, als noch alles gut war. jetzt kannste nicht anders als erhöhen. die gründe liegen da wo ganz anders. und was steuersenkungen und zinssenkungen bringen sieht man drüben, im gelobten land. die arbeitslosenzahlen von united dingsbums halte ich für´n arsch. jeder der ne woche vor der befragung beim mäc doof nen burger umgedreht hat, gilt als vollbeschäftigter. super. davon könn mer uns ne scheibe oder drei von abschneiden. von da drüben kommt nur schrott. scheiss betriebssysteme, fuck rechner und ausgeglichene bilanzierungen die 56 Mrd. verlust verbergen. und die lockere lebenseinstellung bringt einem nicht weiter, wenn man 4 jobs braucht um über wasser zu bleiben. ne ne. :p

carlo
06.11.2002, 22:45
@ schloß,

Dein statement trifft meine Einschätzung.
Verweigerten sich die Schwarzen der Zukunft mit halbherzigen Reformen, um wiedergewählt zu werden, reißen die Rot-Grünen mit ideologisch-motivierten Umverteilungsideologien und Gleichheitswahn Deutschland endgültig in den Abgrund, insofern muß ich manchmal an Germas Höllen denken, wenn ich die obenstehenden Artikel über die Zukunft des Rentensystems und den gordischen Knoten lese...
Querdenker, wie Biedenkopff und Geißler haben allerdings schon vor Jahren eine steuerfinanzierte Grundrente von ca. 1000,- DM vorgeschlagen, gekoppelt an eine zweite, eigenverantwortliche Säule für die Alterssicherung. Solche Überlegungen scheinen der jetzigen Regierung völlig fremd, praktiziert sie doch lieber das allumsorgende Modell des Staates von der Wiege bis zur Bahre. Bleibt die Frage aus der Überschrift des threads: Wird es uns besser gehen, wenn wir uns von Amerika abkoppeln? :rolleyes:

Förster
06.11.2002, 23:11
Datum: 06.11. 22:22 Cisco Systems meldet Q1-Zahlen


Der Netzwerkgigant Cisco Systems wies für das Q1 einen Gewinn von 8 Cents/Aktie und einen Umsatz von 4,8 Milliarden $ aus. Ohne die 412 Mio $ schweren Abschreibungen aus Aktieninvestments gewann man 14 Cents/Aktie, was einen Cent höher lag als Analysten erwartet hatten. Heute konnten CSCO Aktien 2,1% auf 12,9$ zulegen.

© Godmode-Trader.de


--------

wegen so einem dreck müssen wir nicht rüber gucken :p
ein schwabe macht den geldbeutel auf und sagt das er 100 €uro hat.
der ami muss erst noch rum buchen :mad:
obwohl er den dritten kredit laufen hat

:dumm


ne ne ne :p

carlo
06.11.2002, 23:37
@ germa,

den Terror gibt es schon eine ganze Weile, überall auf der Welt, das stimmt. Aber noch nie in seiner Geschichte gab es eine weltumspannende Organisation des Terrors, die als Ziel die Tötung riesiger Menschenmengen (USA allein ca. 250 Mio.) aus religiösem Fanatismus vorsieht und dies auch öffentlich bekundete. Der Konflikt der IRA wie auch RAF richtete sich gegen den Staatsapperat, das "Schweinesystem", niemals aber gegen größere Gruppen von Menschen, schon gar nicht gegen Länder. Genau dieses Attribut kennzeichnet den Unterschied, insofern ist Dein Vergleich obsolet.
Außerdem vergiß bitte nicht,
daß Amerika zweifelsfrei von Terroristen angegriffen wurde, ein Helfer von M. Atta steht gerade in Hamburg vor Gericht, insofern könntest Du auch einen Beitrag leisten, indem Du die Klausel vom "WTC-fake" aus Deinem Repertoire streichst, Du trägst durch die große Anzahl von Besuchern und usern, die Deinen täglichen thread anklicken, Verantwortung für eine Meinungsbildung bei anderen!

Zu Deutschland´s Situation:
Es geht mir in diesem thread nicht um Debatten, wie schlecht es um D bestellt ist, sondern darum, ob eine Abkoppelung von Amerika, wie Du sie täglich forderst, sinnvoll ist. Du schreibst täglich von "strohdummen Amerikanern", "hirnlosen Wesen", "Betrügern", "Fälschern", wenn es um USA geht. Wie ernst Du das meinst, erschließt sich mir nicht. Aus den vorstehend zusammengetragenen Fakten, die eine enge wirtschaftliche und mehr noch politische Verflechtung Deutschlands mit den USA aufzeigen, ergibt sich doch zwingend, daß eine Abkopplung massivste Umsatzeinbrüche bei großen, deutschen Herstellern und Massenentlassungen und erste soziale Unruhen nachsichziehen würden, wenn der Staat deren sozialen Abstieg nicht auffangen kann, ganz abgesehen von den politischen Verwerfungen, die D isolieren und ohne Verteidigungsbündnis präsentieren würden. Deutschland ist im Gegensatz zu anderslautenden Meinungen durchaus zu Pionierleistungen fähig, Beweise dafür gab es in der Vergangenheit genug. Es nützt leider auch nicht mehr viel, unkonventionelle Lösungen zu erarbeiten, zum Beispiel der Beitrag des Rentenexperten in Nasdaq´s posting, wenn sie von der Politik nicht umgesetzt werden. Nur muß man zwischen Gequatsche und seriöser Diskussion zwecks Meinungsbildung und konsequenter Umsetzung derselben unterscheiden können, und das können in D leider nicht mehr sehr viele...

Tja,
wo steht Deutschland in 5 Jahren...?
Ich rechne auf jeden Fall mit einer Verschlechterung der Verhältnisse. Amerika wird meiner Meinung nach einen multiple dip bekommen, ein Aufflackern der Konjunktur mit anschließendem Eintauchen zurück in die Rezession. Deutschland wie Europa wird es dank Abhängigkeit von USA und eigener, ungelöster Probleme nicht viel besser ergehen, die große Unbekannte für mich ist Asien. Wer einmal dort war, macht sich so seine Gedanken... ;)

carlo
06.11.2002, 23:38
@ dolby,

zeigt der Prozeß gegen die Haffa-Brüder nicht gerade einmal wieder, daß kreative Buchführung keine Erfindung der Amerikaner ist...? ;)

Förster
06.11.2002, 23:44
Original erstellt von carlo
@ dolby,
zeigt der Prozeß gegen die Haffa-Brüder nicht gerade einmal wieder, daß kreative Buchführung keine Erfindung der Amerikaner ist...? ;)
das ist viel einfacher:

http://www.stock-channel.net/stock-board/showthread.php3?s=&goto=lastpost&threadid=7760

posting #7 :rolleyes:

Förster
06.11.2002, 23:50
carlo #48

ich finds immer lustig, wenn WTC als punkt 1 genannt wird.
als ob hier alles angefangen hat. lächerlich :(
tu ich dir was, tust du mir was usw. usw. usw.


:zz

ich will beim besten willen den anschlag nicht gut heissen, aber die hatten auch ihre gründe :rolleyes:

carlo
07.11.2002, 00:29
@ dolby,

wer hat M. Atta, einem arabischstämmigen, gutsituierten Studenten, der dank deutscher Toleranz ungestört seinem Studium und seiner Religion nachgehen konnte, dank amerikanischem Freiheitsverständnisses als Ausländer selbstverständlich Flugunterricht nehmen konnte, etwas getan...??? :mad:

Ist es nicht einfach nur höhnisch,
den Angehörigen der knapp 3000 Toten des WTC´s zu erklären, " daß sie einsehen müßten, daß sie am Verlust ihrer Angehörigen irgendwie auch selbst Schuld haben"?

Dolby,
ich wünsche es mir nicht, aber der Terror dieser Menschen wird auch nach Deutschland kommen, Djerba war da nur ein Vorgeschmack. Sagst Du dann auch, "naja, wahrscheinlich haben wir es auch ein wenig provoziert"...

Förster
07.11.2002, 00:30
Atta war ein wichser! wer hat Bin Laden ausgebildet?

carlo
07.11.2002, 00:40
@ dolby,

ich weiß, der CIA.
Nur geschah das in Zeiten des Kalten Krieges, da ging es den Amis um die Russen, die einfach Afghanistan besetzten. Umgekehrt finden sich ebenso viele Beispiele, Guillaume hat Brandt gestürzt, Amis oder Bundesdeutsche für den KGB gearbeitet, die Kuba-Krise fast den 3. Weltkrieg ausgelöst, Machtspiele von damals halt.

Wir sind ein wenig träge geworden in Deutschland, da hat Germa recht, nur sollte man sich in schwierigen Zeiten auf die "richtige" Seite stellen und nicht isolieren - so hat man nämlich gar keinen Einfluß mehr auf den Gang der Dinge...


:rolleyes:

Ralph
07.11.2002, 07:17
Original erstellt von carlo
...... Bleibt die Frage aus der Überschrift des threads: Wird es uns besser gehen, wenn wir uns von Amerika abkoppeln? :rolleyes:

... da die Diskussion leider versucht die Misere mit der Entwicklung der jüngsten Vergangenheit zu rechtfertigen (die völlig irrelevant sind), ist jedes weitere Fortführen vergeudete Zeit.

Die Antwort auf die oben gestellte Frage, ist eindeutig "NEIN" !

.... das Gegenteil wird der Fall sein!

.... und weg!

germanasti
07.11.2002, 07:52
Carlo:

Warum soll ich meine öffentliche Meinung in irgendetwas abändern, dass absolut nicht meiner Überzeugung entspricht?
Oder andersrum gefragt: Kannst Du zu 100% bestätigen, dass hinter dem WTC-Anschlag nicht der US-Geheimdienst zur Konjunkturankurbelung & Kreation eines Kriegsgrundes steht ???

Bis zum 2. Weltkrieg glaubten auch viele Menschen lange zeit, hinter den Juden steckt der Teufel höchstpersönlich. & auch damals war der Auslöser (Ermordung Diplomat) ein Fake!

carlo
07.11.2002, 08:52
Original erstellt von germanasti
Carlo:

Warum soll ich meine öffentliche Meinung in irgendetwas abändern, dass absolut nicht meiner Überzeugung entspricht?
Oder andersrum gefragt: Kannst Du zu 100% bestätigen, dass hinter dem WTC-Anschlag nicht der US-Geheimdienst zur Konjunkturankurbelung & Kreation eines Kriegsgrundes steht ???

Diese Frage muß man als Demokrat mit JA beantworten, wer hier das Gegenteil für wahrscheinlicher hält, verliert, ohne es zu merken, etwas ganz wesentliches, die Verwurzelung in der freiheitlich-demokratischen Gesellschaft.
Millionen Menschen an den Fersehschirmen mußten die Anschläge mitverfolgen, ein Mann namens bin Laden kündigte 3 Wochen vorher öffentlich einen Schlag nie gekannten Ausmaßes gegen die verhaßten Amerikaner an, überall auf der Welt finden sich Beweise für eine gigantische, weltumspannende Terrororganisation El-Kaida, deren Anführer die "Erfolge" preist und Fortsetzung ankündigt. Es braucht da schon ein Stück Ignoranz, die Fakten nicht zur Kenntnis nehmen und finsteren Mächten die Schuld geben zu wollen. Und: Wer es als Demokrat für möglich hält, daß der CIA mit Staates Segen seine eigenen Landsleute umbringen läßt, um die Wirtschaft anzukurbeln, begibt sich ins moderne Nirvana dieser Welt und wird fortan nicht mehr zwischen Realität und Einbildung unterscheiden können, sehr lehrreich hierzu "Trueman-Show",
lief vor ca. 2 Jahren in unseren Kinos.

Zu Deinem Vergleich mit dem 2. Weltkrieg:
In der heutigen Zeit ist es nahezu unmöglich, ein fake zu konstruieren. 1930 gab es keine Fernseher, kein Internet und keine Satelliten, die hochauflösende Bilder von jedem Winkel der Erde schicken können. Informationen sind heute in Sekundenschnelle abrufbar, freie Journalisten können weltweit ihre Eindrücke vermitteln, selbst in arabischen Ländern gibt es erste Ansätze zur Aufklärung (Fernsehsender Al-Djassira in Quatar),
1930 hätte es wahrscheinlich mindestens 1 Woche gedauert, bis jeder in D von den Geschehnissen des 11.09. erfahren hätte, heute sind Nachrichten in Sekundenschnelle abrufbar, selbst in einem kleinen Dorf auf den Philippinen.
Die Wahrheit ist heute kein Monopol mehr in der Hand von wenigen; vielleicht änderst Du ja Deine Meinung auch noch...
:)

germanasti
07.11.2002, 09:06
Carlo:

Aber belegen kannst Du es genausowenig, dass der 11.09. nicht vom amerikanischen Geheimdienst kreiert wurde. :rolleyes:

Damit steht dieses Ereignis weiterhin offen im Raum & wird wohl für alle Zeiten ungeklärt bleiben. Ergo ist es nicht falsch, zu glauben das Bush & Co. einen feigen Mord begangen haben.

carlo
07.11.2002, 10:50
Doch, germa, es existieren:

1. eine Kriegserklärung von bin Laden an alle Amerikaner, Juden und Ungläubigen dieser Welt aus 1997

2. umfangreiches Beweismaterial aus arabischen Trainingscamps der Al-Quaida

3. Abschiedsbriefe, Videoaufzeichnungen und mitgeschnittenen Telefonate von den Todespiloten
4. Zeugenaussagen von Kommilitonen, die gerade vor Gericht in Hamburg protokolliert werden

5. Bekenntnisse führender Al-Quaida-Leute zu den Anschlägen, die sie preisen und fortsetzen wollen

6. Erkenntnisse von Geheimdiensten in aller Welt, besonders des Mossad über bevorstehende Anschläge bereits im Juni 2001

7. akute Warnungen vom BND über befürchtete, neue Anschläge auch in Deutschland, entsprechende Ankündigungen von El-Quaida-Leuten

8. schlußendlich das Eingeständnis von FBI und CIA, übrigens durch unabhängige Kritiker bestätigt, durch Vernachlässigung klassischer Agentenarbeit, kombiniert mit sträflicher Arroganz beider Behörden, die zur Ignorierung entsprechender Hinweise aus dem jeweils anderen Haus führte, die Gefahr gründlichst unterschätzt zu haben.

Tut mir leid,
aber wer das alles ignoriert und stur an der CIA-Version hängt, lebt nur alte Feindbilder oder den deutschen Minderwertigkeitskomplex aus.
:(
Wissen ist Macht, aber nichts wissen macht nichts, der Glaube versetzt eben Berge...

carlo
07.11.2002, 10:55
Nachtrag:

Germa,
wie kann Deutschland denn nun ohne Amerika leben in der Zukunft, wie soll die geforderte Abkopplung passieren, und wie willst Du die Folgen des ganzen Unterfangens kompensieren?
Darum ging es mir in diesem thread eigentlich,
da habe ich von Dir noch nichts gehört! :rolleyes:

RIVA
07.11.2002, 10:56
:) Servus, Gemeinde! :)

RIVA
07.11.2002, 10:58
Click (http://www.stock-channel.net/stock-board/showthread.php3?threadid=9076)

schloss
07.11.2002, 10:59
@carlo

als freiheitlich demokratischer Mensch muss ich überhaupt nichts.... und schon gar nicht glauben oder denken!!!

im Gegenteil als wachsamer Demokrat sollte man immer die Möglichkeiten sehen, die die Geheimdienste inzwischen haben (an der Demokratie und den Menschenrechten vorbei zu handeln). Und wenn es bin Laden war.... er ist ein Kind des CIA genauso wie die Taliban in Afghanistan, die UCK im Kosovo, die Tschetschenientruppe (aus Jordanien und Saudi-Arabien) in Südrussland bzw. Nordgeorgien.
Und nun widerlege mir bitte diese Behauptungen!

RIVA
07.11.2002, 11:00
Original erstellt von Ralph
...... und weg!

:(

schloss
07.11.2002, 11:06
Habe ich doch tatsächlich den z.Z. aktuellsten vergessen....

Saddam Hussein... Frag mal Rumsfeld und Bush senior, ob sie ihn persönlich kennen ;):D und woher er seine chemischen Waffen hatte.

Buchempfehlung: Peter Scholl-Latour -- Der Fluch des neuen Jahrtausends

Da kann man einiges über Geopolitik und Skrupellosigkeit von wildwest Kapitalismus (meinte natürlich freiheitlich demokratische Grundordnung) lernen

Zur Rezension :http://www.inkultura-online.de/fluch.htm

Förster
07.11.2002, 11:15
ich bin gespannt, wann endlich der flugschreiber an die öffentlichkeit weiter gegeben wird. :rolleyes:
gefunden wurde er ja, nur hat man davon nichts mehr gehört!!!

germanasti
07.11.2002, 12:24
Carlo:

All die von Dir angesprochenen Punkte liefern aber keinen Beweis, dass dieses Ereignis NICHT von Amerika selbst inszeniert wurde.
Du musst doch zugeben, dass es sehr gut für einen Aufschwung taugte. Warum soll man nicht etwas nehmen, das sowieso ins Bild passt? Zudem Bush eh ein Feindbild suchte?


Wie Abkoppelung Deutschlands von Amerika abgeht? Mit dem Insolvenzantrag Amerikas. Vll. sogar früher.

& wie Deutschland alleine überlebt?
Keine Ahnung, dafür ist es noch viel zu früh. Vll. kommt irgendwoher soviel ausländische Kaufkraft. Vll. wird BRD absolut bedeutungslos in Euroland.

germanasti
07.11.2002, 15:02
RIVA
ursus basilensis

Registriert seit: Jul 2002
Beiträge: 4883

318 erstellt am 07.11.2002 um 14:49 Uhr.
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Bin Germas Ansicht: Alles in allem macht der Duisenberg das doch gut. Jetzt panikartik der FED nachzulaufen dürfte bei der gegenwärtig depressiven Gemütsverfassung der am Wirtschaftsleben Beteiligten so gut wie nichts bringen. Also macht es doch Sinn,
- faule Kredite nicht durch niedrige Zinsen an den Tropf zu hängen
- keine Liquidität zu schaffen, die nicht in einem produktiven Sinne investiert werden würde (denn das würde doch nur inflationär wirken)
- sich noch Munition zurückzubehalten, um die europäische Wirtschaft zu einem psychologisch günstigeren Moment "fluten" zu können.

Im Uebrigen sei das allen EZB-Kritikussen mal ins Stammbuch geschrieben: Was der Duisenberg da macht, ist im Grossen und Ganzen gute alte deutsche Zentralbankpolitik. Und die ist jahrzehntelang gelobt worden (zu Recht) und war den Bürgern recht und billig (auch zu Recht). Also was soll jetzt der Aufstand? Nur weil es ein Niederländer europaweit versucht? Was schwer genug ist, so nebenbei bemerkt....

;)

Ralph
07.11.2002, 17:23
.... Grossen und Ganzen gute alte deutsche Zentralbankpolitik. Und die ist jahrzehntelang gelobt worden (zu Recht).....

und wäre die Deutsche Bundesbank heute noch in Amt und Würden, müsste sie für die heutige Nicht-Entscheidung genauso gerügt werden, wie man es mit der EZB am heutigen Tag tun muss!

Die Nicht-Entscheidung hinterlässt einen katastrophalen Beigeschmack, denn er macht deutlich, dass die EZB in keinster Weise begriffen hat, welchen "Feind" es mittelfristig zu bekämpfen gibt.

Die Entscheidung, die Zinsen heute nicht zu senken, war falsch und von den falschen Motiven geprägt ..... letztlich DUMM! ..... und daran haben auch einige Ex-Bundesbanker mitgewirkt!

Die EZB (die in ihrem Agieren noch sehr stark von der Politik der Deutschen Bundesbank geprägt ist) kämpft leider den Kampf von gestern!

..... auch da ist uns die US-Notenbank voraus! (und das hat nichts mit Alan Greenspan zu tun).

@Carlo

... mir scheint, wir sind die Einzigen! :cry

RIVA
07.11.2002, 17:34
Aber Ralph :( - wo bleiben die Argumente? :confused: "DUMM" schreien kann jeder :rolleyes: . Und überhaupt...komm' doch mal "rüber" in den heutigen Thread...

Ralph
07.11.2002, 18:07
Original erstellt von RIVA
Aber Ralph :( - wo bleiben die Argumente? :confused: "DUMM" schreien kann jeder :rolleyes: . Und überhaupt...komm' doch mal "rüber" in den heutigen Thread...


Es macht keinen Sinn, diesen -von Carlo mit einer spezifischen Frage ins Leben gerufene- Thread mit der Argumentation über die absolute Notwendigkeit von Zinssenkungen zweckzuentfremden.

Ich liefere sehr gerne Argumente (wenn auch nicht mehr in Germa's Massenthread; da wird mir einfach zu einseitig Stimmung gegen die USA gemacht .... auch wenn es zum Teil berechtigt ist!), aber der Thread ist hierfür nicht gedacht.

Denn für mich stellt sich nicht die Frage, wer hinterher besser dasteht, sondern wie die Probleme JETZT angepackt werden können ..... und da liegt Europa um Längen zurück (Deutschland sowieso!!!)

CNBC würde zur gestrigen -von der ganzen Kompetenz der US-Notenbank geprägten- Entscheidung rufen "KUDOS GREENSPAN" ........ und das tue ich im Bezug auf seine Entscheidung auch. Und wer glaubt, dass Greenspan wegen der schwachen Wirtschaft gesenkt hat, der glaubt auch, dass die EZB heute das Richtige gemacht hat!

Vielleicht habe ich ja in Deinen Augen nur "DUMM" geschrieen, oder aber auch dumm geschrieen! .....

.... und weg!

germanasti
07.11.2002, 23:02
INPUTS
stock-channel.net senior member

Registriert seit: Jan 2002
Beiträge: 877

816 erstellt am 07.11.2002 um 23:00 Uhr.
--------------------------------------------------------------------------------
Optim!

Die Idee des Euro war ganz sicher nicht, "Europa zu schwächen"!

Wenn Du alte Archivdiskussionen und Zeitungsberichte ausgräbst, aus 1967 und ff, dagegen ist man heutzutage hier in der Presse direkt "menschlich" und "überfreundlich" zum Dollar!

Die Amis haben damals Deutschland und Frankreich (und z.T. auch die Briten) dermassen gefickt, da war nur mehr purer Hass am Werken!
Nur weil die Ami im beschissenen Vietnamkrieg vergessen haben, die Notenpresse abzustellen! Auch die OPEC-Krise und Ölrezession der 70er haben die Amis zu verantworten. Wir durften den explodierenden Ölpreis bezahlen. -7 beschissene Jahre lang!
Das war der Grund des Euro! Und nicht etwa: "um Europa zu schwächen"!
Der Euro wird noch eine grössere Waffe sein, als alle Bomben Amerikas zusammen!

Statt Duisi zuzujubeln, wird er überall nur mehr geprügelt.
Die Welt steht Kopf.
Da stimmt nichts mehr!

Sollen wir denn noch länger im Arsch Amerikas herumkriechen, nur weil unsere gehirnamputierten Kinder der 68er Generation noch zuviele Investments aus Europa dort herumliegen haben?
Das Halbverdaute könnten sie jetzt noch herauswürgen lassen, um hier was zu düngen!
Aber sie warten lieber, bis alles verschissen ist, und unkennbar am Misthaufen der Familie Bush gelandet ist! Scheisse, in der Wüste von Texas!

;)

konby
08.11.2002, 00:19
Original erstellt von germanasti
INPUTS
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Registriert seit: Jan 2002
Beiträge: 877

816 erstellt am 07.11.2002 um 23:00 Uhr.
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Optim!

Die Idee des Euro war ganz sicher nicht, "Europa zu schwächen"!

Wenn Du alte Archivdiskussionen und Zeitungsberichte ausgräbst, aus 1967 und ff, dagegen ist man heutzutage hier in der Presse direkt "menschlich" und "überfreundlich" zum Dollar!

Die Amis haben damals Deutschland und Frankreich (und z.T. auch die Briten) dermassen gefickt, da war nur mehr purer Hass am Werken!
Nur weil die Ami im beschissenen Vietnamkrieg vergessen haben, die Notenpresse abzustellen! Auch die OPEC-Krise und Ölrezession der 70er haben die Amis zu verantworten. Wir durften den explodierenden Ölpreis bezahlen. -7 beschissene Jahre lang!
Das war der Grund des Euro! Und nicht etwa: "um Europa zu schwächen"!
Der Euro wird noch eine grössere Waffe sein, als alle Bomben Amerikas zusammen!

Statt Duisi zuzujubeln, wird er überall nur mehr geprügelt.
Die Welt steht Kopf.
Da stimmt nichts mehr!

Sollen wir denn noch länger im Arsch Amerikas herumkriechen, nur weil unsere gehirnamputierten Kinder der 68er Generation noch zuviele Investments aus Europa dort herumliegen haben?
Das Halbverdaute könnten sie jetzt noch herauswürgen lassen, um hier was zu düngen!
Aber sie warten lieber, bis alles verschissen ist, und unkennbar am Misthaufen der Familie Bush gelandet ist! Scheisse, in der Wüste von Texas!

;)


.

Förster
08.11.2002, 01:03
inputs hat zwar recht, aber zweimal brauch mer den beitrag auch wieder nicht :hihi

RIVA
08.11.2002, 08:49
Gut, Ralph,

lassen wir's dabei. Ich finde es pesönlich trotzdem schade, dass Du Deine andere Sicht der Dinge nicht begründen willst. Du weisst genau, dass es nicht nur mir Spass macht (oder gemacht hat :confused: ) mit Dir zu diskutieren - eben weil da nicht nur Polemik rüberkam.

Förster
08.11.2002, 11:00
http://www.zeit.de/2002/46/Politik/200246_01_leit_2.html


U S A



Amerikas Wahlen - knappe Mehrheit, kaum Vertrauen

Präsident ohne klares Mandat

Von Josef Joffe



Was haben die Parlamentswahlen in Amerika und Deutschland gemeinsam? In beiden Fällen hat es die Opposition - die Demokraten dort, die Union hier - nicht geschafft, die Schwächen der Regierung in eigene Stärken zu verwandeln. Rezession, Börsenpleite, Arbeitslosigkeit? Normalerweise werden daraus tödliche Waffen gegen die Regierenden geschmiedet. Das aber gelang weder den amerikanischen Demokraten noch den deutschen Christdemokraten. Der Krieg gegen den Irak? Auch hier waren die Amtsinhaber auf beiden Seiten des Atlantiks im Vorteil. Die Demokraten haben peinlichst die Patriotismusfalle vermieden, die Bush für sie aufgestellt hatte. Und in Deutschland hat Edmund Stoiber ebenso sorgsam Schröders Pazifismusfalle umschlichen, klang der Unionskandidat doch manchmal noch friedensbewegter als der Kanzler selbst.
Was ist los in der Demokratie?

Die Welt starrte so angespannt auf die Kongresswahlen 2002, weil sie darin die Zukunft zu lesen wünschte: Wird's ein Votum für oder gegen den Krieg? Die Antwort lautet: Weder - noch. Fast zwei Drittel der Befragten gaben zu Protokoll, dass sie nicht die geringste Ahnung davon hatten, wie ihr Abgeordneter bei der Irak-Resolution des Kongresses abgestimmt hatte. Gebeten, ihr Hauptanliegen zu nennen, entschieden sich gerade mal zwei Prozent für "Terrorismus" und "Außenpolitik". Kurzum: Der Ausgang dieser midterm elections (auf halbem Weg zur Präsidentschaftskür 2004) wird Bush in der Kriegsfrage weder ermuntern noch bremsen. Genaueres entnehme man den gezielten Presseindiskretionen, wonach die Luftwaffe in den irakischen Flugverbotszonen den Krieg probt, derweil die Army den Straßenkampf übt und sich mit Brückengerät für Euphrat und Tigris eindeckt.

Diese Wahl zeigt wie die deutsche, dass die alten Erkenntnisse nicht mehr greifen. Die Leere in den Portemonnaies, normalerweise Gift für die Herrschenden, hat sie weder in Deutschland noch in Amerika die Macht gekostet. In den Rezessionsjahren 1958, 1970, 1974 und 1982 hatten die Demokraten jedes Mal kräftig zugelegt; diesmal nicht. Das kurzfristige Auf und Ab der Wirtschaft hat offenbar keine Änderung des Wahlverhaltens zur Folge.

Was ist los in der Demokratie? Ein Menetekel bot schon die Bundestagswahl, wo SPD und CDU/CSU präzise dasselbe Ergebnis einfuhren: 38,5 Prozent. In Amerika, das einst klare Mehrheiten produzierte, gilt spätestens seit dem Wahlkampf Bush gegen Gore das Prinzip "Auf Messers Schneide". Der Wähler gewährt keine klaren Mandate mehr. Beide waren 2000 mit je 48 Prozent gleichauf; in den Abgeordnetenwahlen 1998 und 2000 hielten die Republikaner einen minimalen Vorteil von 49 zu 48 Prozent. Auch diesmal gibt es keine großen Ausschläge.

Klon-Kandidaten kommen

Ein zweites neues Phänomen drängt sich auf: Sowohl in Deutschland als auch in Amerika durfte man die Vermehrung des Klon-Kandidaten beobachten. Diese neue Politikergattung betreibt eine Strategie der Fehlerminimierung, nicht der Stimmenmaximierung. Also: Ja nichts sagen, was A in irgendeiner Weise von B abheben und so die Wählergruppe X oder Y verstören könnte. Die Frage ist nur: Was ist Henne, was ist Ei?

Entstehen die bis aufs Mikrogramm austarierten Gleichgewichte, weil die Kandidaten wie Klone agieren - oder treten sie so kontur- und kantenlos auf, weil das Wahlresultat immer häufiger auf Messers Schneide steht? Etwas gemeiner gefragt: Wer ist schuld? Der Politiker, weil er sich nicht traut? Oder der Wähler, weil er ihm nicht traut und deshalb die Macht sorgfältigst ausbalanciert?

Wie so oft, wird beides richtig sein. Weil das falsche Wort, der falsche Schritt die hauchdünne Mehrheit kosten könnte, wird der Wahlkampf immer leerer und steriler; weil die Parteien ihr Produkt immer mehr angleichen, kommt es zu 50 : 50-Verdikten, die immer weniger aussagen. Was Wunder, dass der amerikanische Wähler in diesem Jahr mit wenig Begeisterung an die Urne gegangen ist und den Wahlforschern auch gleich den Grund mitgeteilt hat: Weder die Demokraten noch die Republikaner hätten einen "klaren Plan" für die Zukunft des Landes offeriert. Indes: Die Demokraten kamen bei dieser Umfrage schlechter weg; 49 Prozent kreideten ihnen dieses Manko an, aber nur 39 Prozent den Republikanern. Bei Redaktionsschluss Mittwoch früh war noch nicht klar, ob jene Partei belohnt wurde, die ein bisschen mehr Kante und Kontur gezeigt hatte.

schloss
08.11.2002, 12:42
@germa

Hat das der INPUTS wirklich geschrieben?? Der wird mir doch nicht etwa sympathisch... :rolleyes:
:hihi

carlo
08.11.2002, 12:44
Hallo Schloß,

das muß bezog sich auf Germa´s Frage nach dem WTC-fake.

Wenn Dich ein langjähriger Freund nachts um 3 anruft und sagt: "Es ist etwas schreckliches passiert, meine Mutter ist umgebracht worden!",
wirst Du ihm wohl (hoffentlich) als erstes glauben und versuchen zu helfen. Du wirst doch wohl aber keinesfalls annehmen, daß Dein Freund seine Mutter selbst umgebracht hat, um vorzeitig an die ersehnte Erbschaft/Lebensversicherung zu kommen, oder?
Genau das passiert aber bei Germas Überlegungen, und das ist gefährlich, weil er damit der Position des Vertrauensvorschusses, der Verläßlichkeit unter Demokraten und Verbündeten einseitig "ade" sagt. Wenn ich nicht mal mehr meinem Freund glauben möchte, wem dann auf dieser Welt? Saddam Hussein vielleicht?
Das meine ich mit muß , wir müssen den Amerikanern glauben, sonst entwurzeln wir, verlieren ein Stück Identität und die Orientierung.
Das hat nichts mit freiheitlich-demokratischem Denken zu tun, auch in der Demokratie gibt es Gesetze und Regeln, die beachtet werden müssen , anderenfalls droht die Anarchie.

Genausowenig Sinn macht es, jedes Ereignis dieser Welt kausal beantworten zu wollen, das scheint mir inzwischen eine deutsche Spezialität in Sachen Besserwisserei zu sein, so nach dem Motto:
Hätten die Amis nicht bin Laden ausgebildet, würden die Türme des WTC noch stehen, würden die Israelis die Palästinenser in Ruhe lassen, gäbe es keine Selbstmordanschläge, würden wir den Moslems mehr Moscheen bauen, würden die sich auch besser integrieren...usw.
Das ist, mangels eigener Identität und eigenem Selbstbewußtsein, deutsches Gutmenschentum in Reinkultur, führt aber in der Sache nicht weiter.
Jeder Staat auf der Welt vertritt eigene Interessen, Absichten und Ziele, jeder Mensch auf dieser Welt sucht seinen Vorteil und muß sein Handeln selbst verantworten. Merkwürdigerweise regt sich aber immer nur Widerstand der Gutmenschen, wenn es um amerikanische Interessen geht. Für den Jugoslawien-Krieg gab´s trotz ethischer Säuberungen im Nazi-Stil nur mit allergrößter Mühe militärische Hilfe, für den Tschetschenien-Krieg nicht mal Spenden, beim Kampf der Hutus gegen die Tutsis in Ruanda blätterte man schnell auf die Sportseite der Zeitung. Aber wenn das "böse" Amerika irgendwo in dieser Welt in Erscheinung tritt, dann bekommt es von den deutschen Gutmenschen sofort die Schuld, indem Zusammenhänge konstruiert, Tatsachen uminterpretiert und historische Vergleiche gezogen werden, die jeglicher Grundlage entbehren, aber dank PISA-Bildungsstandard auf fruchtbaren Boden fallen, merkwürdig, oder?
Stalin ließ seine politischen Gegner reihenweise ermorden oder im Archipel Gulag schuften, bis sie starben, die DDR schloß ihre Bürger weg und verordnete den Kommunismus für alle, der Sozialismus der Rumänen ließ Heimkinder bis zum 10. Lebensjahr nachts ans Bett fesseln, in Nordkorea sind dank kommunistischem Größenwahnsinn bereits 3 Millionen Menschen an Hunger gestorben. Sollen wir uns als Deutsche nach der Abkopplung von USA etwa daran ein Beispiel nehmen?

Nein,
ich bleibe dabei, man mag über Amerikas Ansichten leidlich streiten, das ist auch richtig so,
aber es gibt zur Zeit keinen alternativen Entwurf, der in der Praxis Überlebenschanchen hätte, insofern macht jegliche Isolation keinen Sinn.
Nur sollte dem einen oder anderen in D mal wieder bewußt werden, welches Glück er hatte, in einer Demokratie geboren zu sein bzw. zu leben, für die die USA massive Geburtshilfe geleistet haben. Wenn die Amerikaner daraus ebenso Nutzen gezogen haben, ist das doch nur recht und billig, und setzt das Positive an der Sache keinesfalls herab; so ist das eben mit den Interessen von Menschen und Staaten, wie oben beschrieben. Da ist ein Verweis auf persönliche Begegnungen von Bush sen. mit Hussein genausowenig der Sache dienlich, wie der Umstand, wer wem etwas geliefert hat.
Die Franzosen haben Saddam ein Atomkraftwerk gebaut, deutsche Firmen liefern Waffen und Panzer in alle Welt, Möllemann hat Gaddafi und Hussein getroffen, Lafontaine Honecker - sind wir jetzt nicht auch alle schlecht?

Das Buch von Scholl-Latour befindet sich in meinem Besitz, so sehr wie ich ihn schätze, so sehr bleibt doch die Frage unbeantwortet:
Wo sind die Lösungen, wie soll es weitergehen, wie kann man das Geschehene in Zukunft verhindern oder gehört es gar zu unserem System dazu...? :rolleyes:

germanasti
08.11.2002, 14:00
Carlo:

Bush ist nicht mein Freund & deshalb glaube ich ihm von vornerein schonmal gar nix. :p

Ausserdem war dieses Ereignis in etwa so abzusehen und von mir im Frühjahr 2001 mehrmals angedacht worden!
Rüstung explodierte in Q1/2001. Das spricht sämtlich Bände.

carlo
08.11.2002, 15:13
Original erstellt von germanasti
Carlo:

All die von Dir angesprochenen Punkte liefern aber keinen Beweis, dass dieses Ereignis NICHT von Amerika selbst inszeniert wurde.
Du musst doch zugeben, dass es sehr gut für einen Aufschwung taugte. Warum soll man nicht etwas nehmen, das sowieso ins Bild passt? Zudem Bush eh ein Feindbild suchte?

Also, germa,
gegen den Glauben kann ich natürlich nichts ausrichten, wenn Dir Beweise nicht reichen...
Das ist ungefähr so erquickend, wie jemanden durch wissenschaftliche Beweise zu überzeugen, daß die Erde eine Kugel ist, und er trotzdem weiter an die Version der Scheibe glaubt...anyway

Ich kann nicht erkennen, daß die USA durch den 11.09. wirtschaftliches Kapital schlagen konnten, das ist dialektisch genauso unhaltbar, wie man nach dem großen Elbe-Hochwasser vom 2. Aufbau-Ost geredet hat, ein Konjunkturprogramm des Wetters sozusagen. Zunächst einmal ist doch wahnsinnig viel Kapital zerstört worden, daß sukzessive ersetzt werden mußte, aus den Töpfen der Versicherungen, in Eigenleistungen der Firmen, aus staatlichen Subventionen und Steuererleichterungen und vielleicht dem einen oder anderen mutigen Investor. Die Zerstörung des WTC kostete etwa 40-50 Mrd. US$, Amerikas BIP liegt bei etwa 11 Billionen US$, das bedeutet, daß sich die Schadenssumme allenfalls auf 0,5% des Nominalwertes des BIP beläuft, willst Du damit ernsthaft eine Wirtschaft ankurbeln???
Meldete ein einziges namhaftes Unternehmen in USA ein Umsatz-oder Gewinnanstieg, der mit den Schäden vom 11.09. zusammenhing? Haben sich Cisco, Ciena oder JDS Uniphase auch nur ansatzweise positiv geäußert, weil sie plötzlich massenweise Netzwerke und Glasfaserkabel verkauft haben? Mitnichten.

Nein, Germa,
die Terroranschläge vom 11.09. brachten nicht einmal ansatzweise einen Aufschwung, sondern verschärften lediglich den Abschwung. Die Rally ab Ende September waren rein psychologisch bedingt, eine Erleichterungsrally sozusagen, außerdem auch technisch überfällig, so, wie momentan zu sehen.
Und daß Herr Bush ein Feindbild suchte, halte ich für ein Gerücht. Symphatisch ist er mir auch nicht, aber das allein befördert ihn weder zum Kriegstreiber, noch Adolf II, noch sonst etwas. Dem allseits so beliebten Bill Clinton rutschte nicht nur im Privatleben ab und zu der Verstand in die Hose, sondern er ließ als Vergeltung für den Anschlag auf die "Cole" im Jemen mal eben schnell ohne UN-Mandat den Sudan bombardieren, wo sich nachweislich nicht ein einziges militärisches Ziel befand und "nur" Zivilisten getroffen wurden. Bush ist eben etwas entschlossener als sein Vorgänger, er sieht, und das kann man nachvollziehen, vom ersten Anschlag auf das WTC 1993, über die Sprengung der USA-Botschaften in Kenia und Tansania(?) 1997, dem Angriff auf die "Cole", den Anschlägen in NY, Washington, Djerba und Indonesien eine Linie und versucht nun, gegen die Drahtzieher des ganzen vorzugehen. Ist das so falsch?
Die Rüstungsproduktion läuft im übrigen auch in Deutschland seit Anfang 2001 auf Hochtouren, ohne, daß uns jemand der Kriegstreiberei bezichtigt.

Chart der Firma Rheinmetall:

http://www.is-asp.pbc.maxblue.de/chart/mape004?symbol=RHM3.ETR&hist=36&voljn=N


Und dann schreibst Du noch:

Wie Abkoppelung Deutschlands von Amerika abgeht? Mit dem Insolvenzantrag Amerikas. Vll. sogar früher.

& wie Deutschland alleine überlebt?
Keine Ahnung, dafür ist es noch viel zu früh. Vll. kommt irgendwoher soviel ausländische Kaufkraft. Vll. wird BRD absolut bedeutungslos in Euroland.

Soso, der Weg ist das Ziel...hm, ein bischen wenig für die geforderten, gravierenden Veränderungen. Also, ich denke mir, wenn Du die Sache noch einmal in aller Ruhe durchdenkst, ist Deine Abneigung gegenüber USA etwas kleiner und das Ergebnis Deiner Überlegungen ein anderes als jetzt. Mit der Parole "Hauptsache, erst einmal weg, wie es weitergeht, weiß ich auch noch nicht ." kommen wir nicht nun wirklich nicht weit... ;)

schloss
08.11.2002, 15:22
@carlo

Im Mittelalter mussten die Menschen auch glauben, die Erde sei eine Scheibe, weil sonst ihre Verwurzelung im christlichen Glauben verloren gegangen und das Abendland in Anarchie versunken wäre.

Ohne das Infragestellen des (allzu) Offensichtlichen, gebe es auf dieser Welt keine revolutionären Entwicklungen in Wissenschaft, Technik aber auch in der Gesellschaft. Und wenn das Offensichtliche dann auch noch so eklatante Erklärungsfehler aufweist wie die offizielle Darstellungen im Zusammenhang mit dem 11.09. dann kann ich nur eines sagen ich weiß nicht wer es war, aber ich weiß dass die offizielle Seite bewusst oder unbewusst nicht die Wahrheit sagt...

Ralph
08.11.2002, 19:35
@Riva

hier meine Begründung dafür, weshalb ich die Haltung und Entscheidung der US-Notenbank (Greenspan lass' ich jetzt mal bewusst aussen vor, um keine Feindbilder für einige hier zu skizzieren) in der jetzigen Situation für absolut richtig halte und für ihre mangelnde Kompetenz die EZB kritisiere.

Zuallererst will ich mal der -auch hier am Board- weitverbreiteten und falschen Meinung entgegentreten, die FED senke die Zinsen, um die Wirtschaft anzukurbeln; dies wird von der FED nur als Sekundärziel verfolgt. Wer glaubt, der Konsument solle mit immer billigerem Geld in die Lage versetzt werden, neue Schulden zu machen, um die Wirtschaft am Laufen zu halten, liegt vollkommen daneben. Sicherlich werden einige Verbraucher diese niedrigen Zinsen für neue Kredite nutzen, die Zielgruppe ist dies aber auf keinen Fall.Die FED weiss genau, dass sie mit immer neuen Zinssenkungen den Unternehmensbereich nicht strukturell verbessern wird können. Ausserdem weiss auch die FED, dass das Zinsniveau für Investitionen ausreichend niedrig ist.

Vielmehr versucht die FED (und das sollten die anderen Notenbanken, die dazu noch in der Lage sind, konzertiert mit betreiben; Japan ist es z.B. nicht) einem Übel den Garaus zu machen, das viel schlimmer ist, als Inflation, nämlich der DEFLATION.

Die Welt ist heutzutage von Überkapazitäten geprägt, die nicht nur Lagerbestände sind, sondern auch im Finanzbereich existent sind. Überkapazitäten entstehen durch nachlassende Nachfrage (vom Verbraucher und Unternehmen, verursacht durch Übersättigung), die zu niedrigeren Preisen führen. Dadurch wird ein Teufelskreis in Bewegung gesetzt, der genau durch das charakterisiert ist, was wir in den Nachrichten heute täglich verfolgen können. Überkapazität - niedrigere Preise um Umsatz anzutreiben - Kostendruck bleibt - negative Wirkung auf die Gewinne - niedrigere Investitionen - nachlassende Nachfrage (denn es wird ja immer billiger, also wieso jetzt kaufen) - Kostendruck bleibt - Preissenkung um für Umsatz zu sorgen - negative Wirkung auf Gewinne ........ es liesse sich endlos fortschreiben.

Seit dem zweiten Weltkrieg hat es nicht sehr viele Perioden von Deflation gegeben, deswegen hat die FED das geringere Übel gewählt. Sie versucht, mittels Zinssenkung und deutlich ausgeweitetem Geldmengenwachstum, die Liquiditätsfalle zu verhindern, nämlich Geld schneller zu drucken, als es im Kreislauf "verbrannt" (Firmenpleiten, persönliche Konkurse etc.) wird. Die Mittel, die die FED für die Deflationsbekämpfung definiert hat (Zinsen runter so weit wie möglich, kontinuierliches Geldmengenwachstum, fiskale Stimulanz, Abwertung des Dollar) sind über die Zeit probate Mittel, treiben aber jedem alteingesessenen Notenbanker (und einigen hier am Board) die Sorgenfalten auf die Stirn, haben solche Massnahmen in der Vergangenheit immer für Inflation gesorgt. Nur leider vergessen viele Notenbanker, dass sich mit Inflation besser umgehen und diese sich leichter bekämpfen lässt, als Deflation, für die es seit WW2 nur die 30iger Jahre als Beispiel gibt (und die waren bekanntlich eine depressive Phase, in der genau die Fehler gemacht worden sind, die die FED heute versucht zu vermeiden; leider erkennen das die anderen Notenbanken nicht). Und wer behauptet die Japaner würden alles genau richtig machen und gestärkt aus der Krise heraus kommen, dem sei gesagt, dass die japanische Notenbank die Enron-Bosse als Waisenknaben aussehen lässt, was Inkompetenz angeht (wer Beispiele hören will, dem zähle ich sie gerne auf).

Meine Darstellung soll nicht darstellen, dass in USA alles richtig gemacht wird .... mitnichten! .... aber man reagiert m.E. absolut angemessen und korrekt auf Missstände, die man nur zum Teil zu vertreten hat. Wie in jedem anderen Land besteht auch in USA die Gefahr des "Credit Crunch", aufgrund fauler Kredite. Die FED hat dies erkannt und sorgt für ausreichend Liquidität, damit die Banken in die Lage versetzt werden, ihre faulen Kredite abzuschreiben, ohne den Geschäftsbetrieb aufgeben zu müssen ...... die EZB macht das nicht! ... und dabei geht es nicht um das künstliche am Leben halten von sowieso nicht lebensfähigen Banken (im Gegenteil zur inkompetenten japanischen Notenbank, die genau dies seit Jahren zusammen mit der Japan-Regierung verbockt).

Man kann sich auch nicht einfach zurücklehnen (wie es einige hier am Board für 5-7 Jahre machen würden) und hoffen, dass sich die Situation gebessert hat. Jeder Monat der derart vergeht, spielt einem bereits am Stock gehenden Patienten übel mit. Es wird hier immer kritisiert, dass die FED durch Aktienmarktinterventionen versucht, die Märkte zu stützen (dies ist in weitaus geringerem Masse der Fall, als es von einigen -wider besseren Wissens- gebetsmühlenartig kolportiert wird) ...... ob das schlimm ist, weiss ich nicht, aber das ist ein zielgerichtetes Handeln zum Gunsten der Finanzmärkte in den USA (und damit letztlich auch zum Gunsten der US-Anleger) ...... wenn eine Japan-Notenbank derart agiert oder eine EZB so agieren würde, dann wohl eher nur zum Wohle von irgendwelchen inkompetenten Managern und großen -vermutlich- staatlichen Institutionen. Dies unterscheidet die FED sehr deutlich von anderen Notenbanken.

Und wer behauptet, die Welt stünde besser da, wenn die USA nicht wären, der soll mir zeigen, wie eine Welt aussieht, die von den USA in einem Masse abhängig sind (2/3 des Weltwachstums kommen aus den USA), wie es noch nie der Fall war ...... und angesichts nicht existender bzw. nur inkompetenter Alternativen (Europa, Japan etc.) ist dies für mich die beste aller Optionen (denn andere gibt es nicht und wird es auch nie geben).

Wie oben schon erwähnt, hat die FED auch einen niedrigeren Dollar als Waffe gegen die Deflation ausgewählt ....... und damit hat sie eines der probatesten Mittel über die Zeit aus diesem Kampf als Sieger hervor zu gehen. Das Problem, das die o.g Überkapazitäten nach sich zieht, ist, dass alle Welt einen niedrigen Wechselkurs benötigt, um ihre in den letzten zehn Jahren aufgebauten Überkapazitäten, abzubauen und damit stehen sie der Erreichung eines niedrigeren Dollars etwas im Wege.

Angesichts der Gefahren für die Welt kann man den USA nur Glück wünschen, dass sie es schaffen, den Karren aus dem Dreck zu ziehen ...... zur Seite wird ihnen von den angesprochenen Partner keiner stehen können ...... schade!

.... aber jetzt weg

carlo
08.11.2002, 23:44
@ ralph,

wieso weg, bist Du jeck? :dd

ich persönlich freue mich, daß Du wieder am board bist, viele andere sicher auch, hast Dich ja etwas rar gemacht in den letzten Wochen.

Also,
danke für Dein klares statement und scheue Dich nicht, scheinbar vom Thema abschweifende Gedanken zu skizzieren, das haben Diskussionen nun mal so an sich...

Fachlich sind wir einer Meinung, momentan offenbar in der Minderzahl, das soll aber nicht schrecken, schließlich hat die Masse niemals recht, oder? ;)

Interessieren würde mich folgendes:
Es wird immer kolportiert, daß die Wirtschaft in USA zu 2/3 vom privaten Verbrauch abhängt. Wenn dem so ist, obwohl mir die Zahl recht hoch erscheint, liegt das "Auge" der FED nicht doch mehr auf dem "Wohlergehen" des privaten Verbrauchers? Oder siehst Du hier eine Kongruenz zwischen billigem Geld für die Massen und Wirtschaftswachstum?
:rolleyes:

RIVA
09.11.2002, 00:00
# 82 ist in Stil und argumentativem gehalt genau das, was im "Amerika" deutlich zu kurz kommt - natürlich nur nach meiner persönlichen Meinung, aber die ist eben so. :) Das hat eine ganze Anzahl von Gründen, die aber hier eigentlich gar nichts zur Sache tun....

Für heute bin ich schon ein bisschen "angeschlagen" - aber ich werde morgen ganz bestimmt darauf antworten.


Bis dahin mal "Gute Nacht" an alle!

carlo
09.11.2002, 01:00
Original erstellt von schloss
@carlo

Im Mittelalter mussten die Menschen auch glauben, die Erde sei eine Scheibe, weil sonst ihre Verwurzelung im christlichen Glauben verloren gegangen und das Abendland in Anarchie versunken wäre.

Schloß,
mit Verlaub, das ist Blödsinn.
Im Mittelalter gab es keinerlei Bildung für 98% der Bevölkerung, die paar Mönche und Adligen waren die "Sehenden", was blieb dem gewöhnlichen Bauern also übrig, als zu glauben, was die 2% erzählten, zumal sie eh die Macht besaßen. Den trieben andere Sorgen morgens auf´s Feld, als darüber nachzudenken, ob die Erde nun eine Scheibe sei oder nicht. Da spielte Anarchie keine Rolle, wer nicht spurte, wurde per Inquisition gerädert, gevierteilt oder als Ketzer auf dem Scheiterhaufen verbrannt. Galileo Gallilä widerrief trotz besseren Wissens, viele andere mit ähnlichen wissenschaftlichen Erkenntnissen ebenso, um dem Scheiterhaufen zu entgehen.
Die Religion ersetzte damals unsere heutige Bildung, wir glauben halt nicht mehr an den Zorn der Götter, wenn es gewittert, wobei man auch bemerken muß, daß sich beispielweise der Islam zwischen dem 9. und 12. Jahrhundert sehr tolerant und aufgeschlossen gegenüber neuen Erkenntnissen verhielt, eine Zeit, die wir im Christentum erst wieder bei Friedrich dem Großen kennenlernen durften...
Zur Triebfeder menschlicher Entwicklung noch ein Buchtip: "Wahrheit und Methode" von Hans-Georg Gadamer, einem der größten Philosophen des abgelaufenen Jahrhunderts... :)

Förster
09.11.2002, 09:04
Meldete ein einziges namhaftes Unternehmen in USA ein Umsatz-oder Gewinnanstieg, der mit den Schäden vom 11.09. zusammenhing?

:hihi :hihi :hihi :hihi :hihi :hihi :hihi

anstieg nicht, aber verluste :rolleyes:

das war doch das letzte jahr die beste ausrede. ;)

Förster
09.11.2002, 18:13
um dieser sterbenslangweiliger zinssenkungsdiskussion endlich mal ein ende zu machen:



http://www.manager-magazin.de/juliusbaer/0,2828,221697,00.html


Z I N S E N

Schnellschuss der Fed birgt Risiken

Von Kai Lange

Greenspan gibt Gas, doch Wim bleibt unbeweglich. Der Chef der EZB muss sich den Vorwurf anhören, die stotternde Konjunktur in Euroland vollends abzuwürgen. Doch auch der Kurs der Fed ist sehr riskant - die Reaktion der Börsen spricht eine klare Sprache.


Das Dutzend ist voll. Mit der zwölften Zinssenkung in Folge hat Notenbankchef Alan Greenspan die US-Leitzinsen auf 1,25 Prozent gedrückt, das tiefste Niveau seit mehr als vierzig Jahren. Die Notenbanker haben sich sogar für einen großen Schluck aus der Pulle entschieden – mit einem Zinsschritt um 50 Basispunkte wollen sie den "erhöhten geopolitischen Risiken" für die Konjunktur begegnen.

Aufruf zum Powershopping

Rechtzeitig vor der Einkaufssaison zwischen Thanksgiving und Weihnachten sendet die Fed an die Konsumenten das Signal, mit dem Geld doch bitteschön etwas lockerer umzugehen. Deren Vertrauen in die Wirtschaftsleistung ihres Landes ist auf den tiefsten Stand seit neun Jahren gefallen, da bedarf es etwas Aufmunterung. Schließlich ist die Zeit zwischen 28. November und Weihnachten die Hauptumsatzzeit für den Einzelhandel, und die Konsumausgaben sind für zwei Drittel der US-Wirtschaftsleistung verantwortlich.

Auch die Unternehmen sollen ihre Zurückhaltung aufgeben und endlich wieder mehr Geld ausgeben. Der schwache Einkaufsmanager-Index und das gesunkene Verbrauchervertrauen waren für die Notenbanker die jüngsten Alarmzeichen, dass die US-Wirtschaft gleich von zwei Seiten unter Druck gerät. Also hieß es, ganz im Gegensatz zur zögerlichen und geschmähten EZB: Klotzen, nur nicht kleckern.

Das Deflationsgespenst

Der Applaus unmittelbar nach der Zinssenkung war der Fed sicher. Schließlich ist Alan Greenspan stets beherzt eingesprungen, wenn Wirtschaft und Börsenkurse ins Wanken gerieten. Mit ihrer Studie "Preventing Deflation: Lessons from Japan´s Experience" hat die US-Notenbank ihre Akzente gesetzt: Für weitaus gefährlicher als eine Inflation hält sie die Deflation, also die anhaltende Zurückhaltung von Konsumenten und Industrie trotz fallender Preise. Die gefürchtete "japanische Krankheit" hält Nippons Volkswirtschaft seit 1999 am Boden. Es sei daher richtig, dass die Fed "ihre Munition lieber früher als später nutzt", meint Goldman Sachs-Ökonom Bill Dudley.

Der Fed kann man nicht nachsagen, sie habe wie die japanische Notenbank die Zeit des Handelns verschlafen. Siehe ihre zwölf Zinssenkungen innerhalb von zwei Jahren. Eine Zinssenkungs-Orgie nach der Devise: Lieber eine höhere Verschuldung als Kaufzurückhaltung, die den meisten US-Bürgern ohnehin wesensfremd ist. Also mit Macht noch einmal die Zinsen herunter, und nun mit Powershopping gegen die Deflation.

Wall Street sieht Risiken

Dem ersten Jubelruf an der Wall Street folgte jedoch schnell die Ernüchterung. Die Kurse in New York marschierten bereits einen Tag nach der Zinssenkung deutlich gen Süden – ungewöhnlich nach dem überraschend hohen Zinsschritt und ein Indiz dafür, dass die Fed sich auf ein riskantes Spiel eingelassen hat. Mit den "geopolitischen Risiken" kann nur ein Militärschlag gegen den Irak gemeint sein, für den Präsident Bush nach dem Sieg der Republikaner im Kongress nun umso mehr Rückendeckung hat.

Auf den Beginn des Golfkrieges 1990/91 hat die US-Notenbank seinerzeit mit einer Zinssenkung um 225 Basispunkte reagiert. Diesen Spielraum hat sie nun nicht mehr :lach . Sollte der überraschend große Zinsschritt nicht zünden und die US-Wirtschaft im Frühjahr in eine kriegsbedingte Rezession abgleiten, bleiben der Notenbank nur noch 125 Basispunkte Spielraum. Dann wäre auch sie bei Japans Nullzinspolitik angekommen.

Ritt auf der Rasierklinge

Viele Volkswirte werfen der Europäischen Zentralbank eine zu zögerliche Haltung vor, doch nicht wenige befürchten auch, dass die US-Notenbank diesmal die Schraube überdreht haben könnte. Ein großer Zinsschritt bei diesem bereits niedrigen Niveau – da kommen schnell Befürchtungen auf, dass der Zustand der US-Wirtschaft weiter kritisch ist. Gleichzeitig hat die Fed ihre mittelfristige zinspolitische Ausrichtung auf "neutral" gesenkt, hält weitere Zinsschritte also vorerst für nicht nötig: Dieser Spagat scheint vielen Beobachtern inkonsequent. Die Verunsicherung an den Märkten ist deutlich zu spüren.

Außerdem löst auch ein kurzfristiger Konsumrausch zur Weihnachts-Einkaufszeit nicht das Problem, dass die Amerikaner hoch verschuldet sind und sich nicht mehr länger auf Aktiengewinne :rolleyes: zur Finanzierung ihrer Pension verlassen können. Sinkende Zinsen sind ein Anreiz, immer neue Kredite aufzunehmen – doch irgendwann müssen diese Kredite auch bezahlt werden. Ein überschuldeter Haushalt wird sich eines Tages auch von günstigen Darlehen nicht mehr locken lassen – und dann dürfte die Nachfrage umso deutlicher einbrechen.

Skeptiker unter den Volkswirten wenden ein, dass die Zurückhaltung der Unternehmen nötig ist, da sie während des Investitionsbooms der 90er Jahre über ihre Verhältnisse gelebt haben. Diese Überkapazitäten müssen abgebaut werden: Wenn die US-Notenbank nun mit extrem niedrigen Zinsen dagegen hält und zu weiteren Investitionen lockt, verzögert sie einen notwendigen Heilungsprozess. Die Notenbank hat mit ihrem großen Zinsschritt zwar die Überraschung und den Applaus auf ihrer Seite, sie hat sich jedoch auf einen gefährlichen Kurs begeben.

Wim Duisenberg, der Unbewegbare

Die gescholtenen Eurobanker halten dagegen ihr Pulver weiter trocken. Für viele Volkswirte, die sich eine aktivere Rolle der EZB wünschen, ist es nicht nachvollziehbar, dass der Leitzins im wirtschaftlich ebenso schwächelnden Euroland nun mehr als doppelt so hoch ist wie in den USA. Wim Duisenberg, der Unbewegbare, steht Alan Greenspan, dem Entschlossenen, gegenüber.

Allerdings sehen sich die europäischen Währungshüter in einer anderen Rolle als die US-Kollegen: Ihre Aufgabe sei es nicht, die Konjunktur anzuschieben, sondern für Preisstabilität zu sorgen. Wenn Hilfen für die Konjunktur, dann über stabile Preise. Und eine Inflation von mehr als zwei Prozent in der Eurozone ist für die EZB nicht akzeptabel. Hinzu kommt das Wachstum der Geldmenge, ein schwaches Argument, da es in erster Linie Konsequenz der Anlegerflucht aus Aktien in Anleihen ist. Nicht von der Hand zu weisen ist allerdings die Gefahr, dass höhere Lohnabschlüsse und steigende Ölpreise die Inflation anheizen.

Zinssenkung im Dezember wahrscheinlich

Doch auch die lahmende Konjunktur in Euroland schreit nach Hilfe, und entsprechend scharf ist die Kritik von Ökonomen an der EZB. Die gesamte Euro-Zone gerate in einen Abschwung, und Deutschland sei nur knapp von einer Rezession entfernt, kritisiert zum Beispiel das Investmenthaus Bear Stearns. Kritiker sprechen gar von einer Trotzreaktion der EZB, die nach der Diskussion um den Stabilitätspakt ein Zeichen setzen und gleichzeitig beweisen wolle, dass sie sich als politisch unabhängige Institution nicht durch Medien und Politik unter Druck setzen lässt.

"Wir hatten lange mit einer aggressiven Zinssenkung gerechnet und sind nun schon enttäuscht", erklärte ein Volkswirt der HypoVereinsbank. Nach Einschätzung der CSFB hatten die Eurobanker jedoch verschiedene Gründe, sich mit Zinssenkungen zurückzuhalten: Umso größer sei ihr Spielraum, wenn ein Waffengang im Irak Schockwellen für die Weltwirtschaft aussendet. :cool:

Die Mehrheit der Volkswirte rechnet nun damit, dass die EZB die Zinsen noch im Dezember oder spätestens im Frühjahr um 0,5 Prozent auf dann 2,75 Prozent senken wird. Nach Ansicht von Thomas Mayer, Europa-Chefvolkswirt der Deutschen Bank, dürften die Eurobanker noch abwarten, bis sich die Aufregung um den Stabilitätspakt gelegt habe und Regierungen von Deutschland oder Portugal ihren Sparwillen gezeigt hätten. Auf Sicht von drei Monaten sei eine Zinssenkung um 0,5 Prozent auch in der Eurozone wahrscheinlich.

Deflationsgefahr in Euroland gering

Die Eurobanker können nicht allen gerecht werden, da sie für den gesamten Währungsraum nur einen Leitzins festsetzen. Und in den meisten Ländern der Eurozone ist eine Deflation unwahrscheinlich: Dagegen sprechen Teuerungsraten von rund zwei Prozent, steigende Löhne und sogar ein Wachstum der Bankkredite. Außerdem dürften die Kursverluste an den Börsen nicht so stark auf den Konsum niederschlagen wie in den USA, da die Europäer bei ihrer Vermögensplanung weniger stark auf Aktien vertrauen.

Deutschland in der Klemme

Deflationsgefahren gibt es dagegen in Deutschland. In der größten Volkswirtschaft der Europäischen Union ist die Preissteigerungsrate niedriger als in den Nachbarländern. Der Mittelstand wird von hoher Abgabenlast drangsaliert: Bis Jahresende rechnen Volkswirte mit mehr als 40.000 Pleiten in Deutschland. Hohe Arbeitslosigkeit führt zu starker Zurückhaltung beim Konsum, und auch die Unternehmen halten sich mit Investitionen zurück. Deutschland werde noch einige Jahre Schlusslicht beim Wirtschaftswachstum sein, schätzt David Walton, Volkswirt bei Goldman Sachs.

Starthilfe für die Konjunktur ist also gerade in Deutschland bitter nötig. Von der EZB kam dieser Impuls nicht – bei anhaltend hohen Realzinsen dürften sich Unternehmen mit der Kreditaufnahme und Investitionen weiter schwer tun. Auch von der Regierung ist nach Ansicht von Walton keine Erhöhung der Staatsausgaben zu erwarten, da der europäische Stabilitätspakt Finanzminister Eichel zum Sparen zwingt.

Doch statt allein auf die Eurobanker zu schimpfen, sollten die einzelnen Länder der Union erst einmal ihre Hausaufgaben machen: In Deutschland seien eine Reform des Arbeitsmarktes, der Altersvorsorge und des Steuersystems überfällig. Noch ist nach Ansicht von Goldman Sachs die Gefahr gering, dass in Deutschland "japanische Verhältnisse" einkehren. Bleiben die nötigen Reformen jedoch aus, könnte der Konjunkturmotor vollends abwürgen. Die EZB setzt Deutschland stärker unter Zugzwang. Sie trägt aber nicht die Schuld an der Misere.

:p

banulo
09.11.2002, 18:20
@ carlo


Sorry, aber die WTC - Nummer war mehr als offensichtlich Verarsche.
Hast Du eigentlich auch nur ein Foto gesehen, daß Flugzeugtrümmerteile auf dem Gelände zeigt ?

Ich nicht, und dafür war das Loch zu groß.


Oder auch nur ein Foto des " abgestürzten " 4. Flugzeuges ?



B.

banulo
09.11.2002, 20:10
Ergänzung : Auf dem Gelände des Pentagon - natürlich.

B.

kai61
10.11.2002, 10:12
Ich glaube Germa Recht hat, wenn er WTC-Stürz mit CIA verbindet.
Unsere Geschichte kennt auch solcher Fall:

von http://www.br-online.de/politik-wirtschaft/mittagsmagazin/dynamisch/specials/reichstag/reichstag.htm

"Am Abend des 27. Februar 1933, einen Monat nach der Ernennung Hitlers zum Reichskanzler, wurde im Plenarsaal des Reichstags ein Feuer gelegt. Die NSDAP nützte den Brand, für den sie die linken Parteien verantwortlich machte, zu Massenverhaftungen im Kreise ihrer Gegner. Durch die „Verordnung zum Schutz von Volk und Staat“ wurden die Grundrechte vorläufig außer Kraft gesetzt. Als Täter verurteilten die Nationalsozialisten den holländischen Kommunisten Marius van der Lubbe. Mit dem Ermächtigungsgesetz, das gegen die Stimmen der Sozialdemokraten am 23. März 1933 in der Krolloper angenommen wurde, entmachtete sich das Parlament schließlich selbst und machte den Weg frei für die Nazi-Diktatur."


und von http://www.wsws.org/de/2001/feb2001/reic-f27.shtml

"In mehrjährigen akribischen Recherchen haben beide Autoren des Buches, der Historiker Alexander Bahar und der Physiker und Psychologe Wilfried Kugel, die bis 1990 in Moskau und Ost-Berlin unter Verschluss liegenden 50.000 Seiten Originalakten des Reichsgerichts, der Oberreichsanwaltschaft und der Gestapo zum Reichstagsbrand erstmals umfassend ausgewertet. Das Ergebnis ist eine beachtliche und brisante, über 800 Seiten starke Dokumentation, die zum ersten Mal den fast lückenlosen Indizienbeweis dafür liefert, dass die Nationalsozialisten selbst den Reichstagsbrand vorbereitet und gelegt haben."

Förster
10.11.2002, 10:34
kann es sein, das wir etwas von der thread-überschrift abkommen? :rolleyes:

germanasti
10.11.2002, 11:31
"Im Mittelalter gab es keinerlei Bildung für 98% der Bevölkerung, die paar Mönche und Adligen waren die "Sehenden", was blieb dem gewöhnlichen Bauern also übrig, als zu glauben, was die 2% erzählten, zumal sie eh die Macht besaßen."


& exakt deshalb wird diese Weltwirtschaftskrise viel abgrundtiefer und für die Welt gefährlicher, als sämtliche Krisen zuvor in der Geschichte.

Früher fehlte schlichtweg die Kommunikationsmöglichkeit & Bildung um zu erkennen wie nahe wir am Abgrund stehen. Heute kann jeder 1+1 in Sekunden zusammenzählen & damit fehlt das Gleichgewicht der Waage.
Es braucht immer viele Deppen und nur wenige Gute, um ein System aufrecht zu erhalten. Nur gibt es in dieser Moderne nur noch Gute. Ein katastrophales Ungleichgewicht!

RIVA
10.11.2002, 13:10
Original erstellt von Dolby Digital 5.1
kann es sein, das wir etwas von der thread-überschrift abkommen? :rolleyes:

Contentdarwinismus :hihi ....es überleben die Inhalte, die die meisten user interessieren.... :)...vielleicht... :lach

Förster
10.11.2002, 13:25
:rolleyes:

carlo
10.11.2002, 13:58
@ banulo + kai61,

wenn Ihr daran glaubt , ist ein Austausch von Argumenten schwer. Wie oben bereits beschrieben, finde ich keinen Grund, den Beweisen und Augenzeugenberichten von Bürgern eines demokratischen Landes zu mißtrauen, zumal es für andere Versionen keinen Beweis gibt. Verschwörungstheoretiker wie Thierry Meyssan, ein Linksradikaler übrigens, suchen sich gezeilt Bruchstücke zusammen, um ein neues Bild daraus zu formen, behaupten kann er viel, beweisen leider gar nichts.
Zum Weiterlesen: www.facts.ch, dann auf "search" gehen und "Verschwörungstheorien" anklicken, es erscheint ein großer Bericht vom 29.08.02 zu diesem Thema...

Macht eine Abkopplung von USA für Deutschland nun Sinn oder nicht??? :rolleyes:

carlo
10.11.2002, 15:12
Noch ein Gedanke...

Kai & Banulo,
sollte in naher Zukunft ein Terroranschlag Deutschland erschüttern, der BND und Interpol warnten vor zwei Tagen davor, glaubt Ihr dann wieder an den Urheber CIA? Oder ist es dann der BND oder KGB oder gar unsere Regierung, die die Wirtschaft ankurbeln möchte?

Kein Amerikaner würde daran zweifeln, daß es sich in Deutschland um einen Terroranschlag handeln würde, wieso zweifeln wir dann an den amerikanischen Berichten?
:rolleyes:

germanasti
10.11.2002, 18:35
carlo:

Es zweifelt keiner daran das von El Kaida & Co. bereits vor dem WTC-Fake eine grosse Gefahr ausging (wie übrigen vom jüdiscen Volk vor 1932 auch!). & exakt dies hat sich Bush zunutze gemacht.
& wie bei einem aufgescheuchten Wespennest geht JETZT eine echte Gefahr von diesen Jungs aus!

schloss
10.11.2002, 20:22
@ carlo

Es gab im Mittelalter weniger Bildung, aber deswegen sind die Menschen heute noch genauso dumm/intelligent wie die Menschen vor 100, 1000 oder 4000 Jahren. Und technologische Bildung schützt eben überhaupt nicht davor, etwas zu glauben was nicht wahr ist. Denn auch die Methoden zur Desinformation, zur Zensur in Medien sind wesentlich perfektioniert worden.

Fersehgucken und Bild-Zeitung lesen macht nicht jeden Bürger schlauer. (Homer Simpson: "Es kam im Fernsehen, also muss es wahr sein!")

Förster
10.11.2002, 21:02
:hihi

germanasti
10.11.2002, 21:46
Das sich Carlo aber auch so sehr gegen die Belege eines von Amerika selbst inszenierten WTC-Einsturzes wert. Das sowas kommt, hatte ich bereits Monate vorher anvisiert!


& die Überschrift sollte eigentlich auch schon aufgeklärt sein:
Abkoppelung wird erfolgen. Zuerst mit fürchterlichsten Schmerzen und dann neue blühende Landschaften ;)

carlo
10.11.2002, 22:28
Original erstellt von germanasti
carlo:

Es zweifelt keiner daran das von El Kaida & Co. bereits vor dem WTC-Fake eine grosse Gefahr ausging (wie übrigen vom jüdiscen Volk vor 1932 auch!). & exakt dies hat sich Bush zunutze gemacht.
& wie bei einem aufgescheuchten Wespennest geht JETZT eine echte Gefahr von diesen Jungs aus!
Nein, Germa, stimmt nicht.
Die jüdische Bevölkerung in Deutschland hat zu keiner Zeit einer anderen Religion, Nationen oder gar einem anderen Land den Krieg erklärt. Die meisten Deutschen jüdischen Glaubens sahen sich in erster Linie als Deutsche, ihre Konfession war ihnen zwar wichtig, aber im gesellschaftlichen Leben nachrangig. So dachten auch viele Juden an einen schlechten Witz, als Hitler die Judenprogrome erließ, zum großen Teil fühlten sie sich zunächst auch nicht als Adressat, weil sie in der Gesellschaft der 20er vollkommen akzeptiert, integriert und ihre Leistungen (z.B. als Verleger oder Kaufleute oder Bänker) vollständig anerkannt und völlig ohne Zusammenhang zur Religion gesehen wurden. Daß sie trotzdem innerhalb kürzester Zeit einem menschenverachtenden und wahnwitzigen Rassenwahn zum Opfer gefallen sind, liegt nicht an den Juden, sondern an Hitler, der diese Theorien in "Mein Kampf" bereits 1926 deutlich niederschrieb, zu einem Zeitpunkt also, wo er mit Macht überhaupt noch nichts zu tun hatte, sondern gerade 3 Jahre vorher in München "grandios" mit einem Putschversuch scheiterte.
Die Juden sind also fremdbestimmt ohne eigenes Einwirken zum Feindbild erkoren worden.

Ganz im großen Gegensatz dazu erklärte bin Laden, 1997 seinerseits dem Rest der Welt den Krieg, das ist der große Unterschied!
Zu diesem Zeitpunkt schob sich Gouverneur Bush in Texas noch seinen Cowboyhut in den Nacken, aber nicht, um der Welt seine Rassentheorien vom durch und durch amerikanischen Menschen zu präsentieren, sondern allenfalls sein Bullensteak :D zu verspeisen...

Wenn hier also ein Vergleich interessant sein könnte, dann der zwischen bin Laden und Hitler.
Beide mobilisierten Massen, denen es aufgrund wirtschaftlicher Perspektivlosigkeit nicht gut ging, die sich zum Teil gedemütigt fühlten, hierfür eine bestimmte Volksgruppe oder Religionsgemeinschaft verantwortlich machten und das große Ziel in einem eigenen, möglichst weltumspannenden Staat sahen. Hitler führte für diese Zwecke Krieg gegen andere Länder, bin Laden hat sich fast die ganze Welt ausgesucht.
Sein Ziel ist die Errichtung des islamischen Gottesstaates, in dem Leute wie Du und ich lieber nicht geboren werden wöllten.

Im übrigen erwarte ich jetzt immer noch Deine Beweise , warum das WTC nun ein fake gewesen sein sollte... :rolleyes:

carlo
10.11.2002, 22:43
@ schloß,

volle Zustimmung! :)

Aber,
kannst Du noch unterscheiden zwischen Wahrheit und fake, Original und Kopie, dem Ursprung und dem Nachahmer?
Ich finde, es wird immer schwieriger, undurchsichtiger und anstrengender, gegen die geballten Informationen aller modernen Medien ein noch einigermaßen klares Weltbild zu bewahren, zu viele verschiedene Interessen und Lobbyisten stecken dahinter, wir ertrinken in Informationen und gieren nach der Wahrheit. Wenn dann auch noch der Bildungsstandard absinkt, und die Jugend von heute besser im Container-mit-Kameras-bewohnen ist, als Goethes "Faust" oder Schillers "Handschuh", und das auch noch für etwas großartiges hält, lassen sich Verschwörungstheorien dank mangelndem Wissen wohl verkaufen wie warme Semmeln...

germanasti
11.11.2002, 08:47
Carlo:

Belege dafür habe ich doch in den letzten Monaten immer wieder geliefert. Beweise und Bestätigungen wird es natürlich NIE geben, denn sonst kannste die Welt zusammenklappen.
Als leichten Kritikpunkt angeführt: Als Gegensatz zu den Belegen führst Du nur die Demokratie und Unschuldsvermutung an. Richtige Fakten sind das ja nicht. :rolleyes:

& kein Thema, Bin Laden ist ein Verbrecher, der seine Untaten schon vor Jahren ankündigte. Trotzdem sollte sich Bush dieses Böse zunutze gemacht haben. Schliesslich kann man einem Dreckhaufen problemlos weiteren Dreck unterschieben.

Zum Vergleich Bin Laden vs. Jüdisches Volk:
Diese Herrschaften kann man als diplomatische Bin Ladens umschreiben. Als Kaufleute und Bankiers gingen sie nämlich über Leichen und wollten ebenfalls eine Art Weltherrschaft erreichen.
& der gleiche Fehler von damals wird nun wiederholt, nämlich Massenmord auf Vermutungen hin!

carlo
11.11.2002, 14:15
Zum Vergleich Bin Laden vs. Jüdisches Volk:
Diese Herrschaften kann man als diplomatische Bin Ladens umschreiben. Als Kaufleute und Bankiers gingen sie nämlich über Leichen und wollten ebenfalls eine Art Weltherrschaft erreichen.


Germa,
diesen Satz solltetst Du Dir nochmal überlegen und ggf. editieren, der erfüllt nämlich den Strafbestand der Volksverhetzung! :gomad
Der letzte Deutsche, der das behauptete, war Adolf Hitler, fände ich beschämend, wenn Du in mit dieser Meinung in seine Fußstapfen treten möchtest.
Ich denke, es ist besser, die Diskussion hier abzubrechen, vom Ausgangspunkt haben wir uns nun weit genug entfernt.

Möchte noch jemand etwas zum Thema schreiben?

germanasti
11.11.2002, 14:17
Warum?
Ist es verboten in Deutschland die Wahrheit zu schreiben, nur weil ein Bekloppter vor 70 Jahren daraus Massenmorde kreierte?


Deutschland ist viel zu verkrampft der eigenen Vergangenheit gegenüber & deshalb sind wir auch nie richtig hochgekommen. :(

RIVA
11.11.2002, 14:29
Ich habe so ein unbestimmtes Gefühl, dass wir alle ganz schnell und unbedingt wieder zum sachlichen Gehalt der Thread-Ueberschrift zurückkehren wollen.

Emotion, Politik und Historie sind für sich genommen durchaus legitim. Wenn alles in einem öffentlichen Board zusammengerührt wird, wie in den #103-105, dann können wir alle erheblich - und völlig unnötig - Aerger bekommen. Und ich hoffe nicht nur, ich gehe davon aus, dass Ihr das versteht.

Ansonsten verspüre ich so ein unbestimmtes, wenig behagliches Gefühl in der Gegend des limbischen Systems - und immer wenn das der Fall ist, muss ich mich schwer beherrschen, den betreffenden Thread nicht einfach zu schliessen. Daran habe ich aber NULL Interesse....

Förster
11.11.2002, 14:29
@ carlo

häng mal ne deutschlandfahne in den vorgarten!
mal gucken was passiert! ;)

schloss
11.11.2002, 14:36
Original erstellt von carlo
@ schloß,

volle Zustimmung! :)

Aber,
kannst Du noch unterscheiden zwischen Wahrheit und fake, Original und Kopie, dem Ursprung und dem Nachahmer?...

Nein kann man nicht, und konnte man wohl noch nie. Aber feststellen lässt sich mit etwas geübten Auge, wo sich logische Fehler in manipulierte Berichte einschleichen. Und als strategisch denkender Mensch kann man mit der Frage cui bono? Wem hat es genutzt? weiter kommen. Auch wenn man hierbei nie mit Sicherheit und zu 100% richtig liegt, kann man doch schöne Treffer landen insbesondere was die Einschätzung der zukünftigen Entwicklungen anbelangt. Die Welt ist ein Schachspiel mit vielen Spielern. Und ein Opfer ist eine der wichtigsten Strategien, um den Gegber zu besiegen. Nimm Dir eine Erdkarte, zeichne die größten Öl- und Gasvorkommen ein, trage nun die Konfliktherde auf der Welt ein...und frage cui bono??

Europa muss sich abkoppeln von dieser amerikanischen Politik und eine eigene starke Politik vertreten, dazu gehört leider auch ein starkes europäisches Militär und eine Kooperation (Fernziel EU-Aufnahme) mit Russland, um das kaspische Öl nach Europa zu liefern und nicht durch Afghanistan bzw Iran oder Irak (nachdem sie zerbombt wurden) zu pro-amerikanische Ölhäfen. Europa muss sich (zusammen mit Russland) mit China beschäftigen, um wirtschaftlichen wie politischen Einfluss in diesem relativ abgeschotteten Kulturkreis zu erlangen.... Bewvor aber all dies geschieht muss Europa klar Schiff machen. Rot-Grüne Politiker die Bush im Wahlkampf den Stinkefinger zeigen um sich danach im Ar*** desselben wiederzufinden, eine Politik der wirtschaftlichen Zerstörung des eigenen Landes muss schleunigst beendet werden, sonst geht Europa unter und Amerika lacht sich mit leichten Bauchschmerzen ins Fäustchen...

.

carlo
11.11.2002, 22:10
@ RIVA

Du sprichst mir aus der Seele! :)


@ dolby

Ist dann 3.Oktober??? ;)


@ schloß

hier gehe ich nicht ganz konform.
Die größten Errungenschaften der Demokratie sind unter anderen die freie Selbstbestimmung des Individuums.
Es gibt zur Zeit kein anderes gesellschaftliches System, das derartige Entfaltungsmöglichkeiten der Persönlichkeit bietet wie unseres. Daß auch in demokratischen Ländern Menschen nach ihrem Vorteil streben, liegt in unserer Natur und steht nicht in Beziehung zu demokratischen Lebensbedingungen, da verhält sich der homo sapiens überall auf der Welt gleich. Glaubt man nun aber, die zugegeben, oft nicht einfach zu durchschauenden Zusammenhänge in unserer Gesellschaft anstelle von Wissen durch die einfache Frage "cui bono?" ersetzen zu wollen, die Vereinfachung liegt schließlich auch in der menschlichen Natur, erschüttert man das Fundament der Demokratie, weil diese Frage, so gestellt, plötzlich das gesamte Weltbild durcheinanderbringen kann.

Mein Beispiel von weiter oben im thread:
Dein bester Freund ruft Dich nachts um 3 an und berichtet, daß seine Mutter umgebracht worden ist. Im "Normalfall" versuchst Du zu helfen, das Leid zu teilen und Deinem Freund zur Seite zu stehen.
Stellst Du aber die Frage: WEM NÜTZT DAS?,
fällt Dir sofort wieder die Lebensversicherung ein, von der Dein Freund einmal sprach, durch deren Auszahlung er mit einem Schlag seine aufgenommenen Kredite tilgen könnte. Du fängst an, den Gedanken zu verfolgen, waren da nicht auch Andeutungen in der Vergangenheit, daß es für alle "besser" wäre, wenn die alte Dame stirbt, als weiter vorsichhinzusiechen. Sprach nicht die Frau Deines Freundes des öfteren davon, dieses oder jenes Schmuckstück auf jeden Fall haben zu wollen, wenn Dein Freund nach dem Tod seiner Mutter dann "flüssig" wäre???
Plötzlich schwant Dir, daß dein Freund nicht Dein Freund ist, sondern ein mieser Verbrecher, der nur scharf auf die Kohle seiner Mutter ist.
Und wenn´s nun doch nicht so ist, und Du bildest Dir alles nur ein?

Schloß,
spätestens an diesem Punkt kommt Dein Weltbild ins Wanken, Du weißt nicht mehr, was richtig ist und was Du Dir einbildest. Exakt das meinte ich mit der einhergehenden Gefahr, die Welt nur nach dem Nutzen für irgendjemanden zu beurteilen.
Natürlich hast Du recht damit, daß man sich die Frage nach dem Vorteil, der entstehen könnte, ab und zu stellen sollte, aber niemals primär, allenfalls, um eine gefaßte Meinung abrunden zu können. Wenn wir das als Demokraten nicht tun, werden wir bald jedem alles zutrauen, das bedeutete die Aufgabe aller, mühsam geschaffenen und formulierten Werte unter Demokraten und wäre der Weg in die Anarchie.

Wenn hier bei SCN user ernsthaft in Erwägung ziehen, daß der US-Geheimdienst oder wer auch immer, kaltblütig 3000 eigene Landsleute in den Tod geschickt hat, beschreibt das die oben von mir genannten Ergebnisse des "cui bono" - Fragespiels. Dieser finstere Gedanke wird, einmal geboren, permanent ausgebaut, früher unbeachtete Sachverhalte mutieren plötzlich zu wichtigen Beweisen, alles scheint irgendwie mit der Sache in Zusammenhang zu stehen, Einzelpersonen im Rampenlicht entwickeln sich zu fädenziehenden Mächten des Bösen. Umstände, die nicht ins neu geschaffene Weltbild passen, können nur "fakes" sein, ganz klar, die andere Seite versucht alles, um die Wahrheit nicht ans Tageslicht kommen zu lassen
- und fertig ist die Verschwörungstheorie!

Die Amerikaner besitzen nun einmal die größte Volkswirtschaft der Welt, die hat ihnen keiner geschenkt, sondern sie hat sich so entwickelt. Man würde es sich sehr einfach machen, nun überall, pures, einzig auf Kapitalerzielung ausgerichtetes Interesse á la Deiner Karte von den Öl- und Ergasvorkommen zu vermuten, wenn Amerikaner irgendwo in dieser Welt auftauchen.
Und selbst wenn, sind Engländer, Deutsche, Spanier und Italiener moralisch überlegen???
Dient es dem puren Sportsgeist oder der Völkerverständigung, wenn deutsche Panzer und Gewehre in alle Welt exportiert werden, zündet Frankreich aus rein wissenschaftlichen Erwägungen im Mururoa-Atoll regelmäßig seine Atombomben, war der Falkland-Krieg der Briten ein bloßes Manöver?

In meinen Augen ist unsere Demokratie es wert, sie zu bewahren und nicht anhand von Mängeln, die sie ohne Zweifel besitzt, kaputt zu reden und auf einen bloßen Wochenmarkt des machtpolitischen Interesses zu reduzieren.
In demokratischen Ländern, und dazu zählen nun mal auch die USA, genießen wir,
- Presse-, Rede- und Versammlungsfreiheit,
- das Recht auf freie Meinungsäußerung,
- die Gewaltenteilung und Unabhängigkeit der Justiz
- die Wahlfreiheit und die freie Berufswahl, um nur einige zu nennen.
In wievielen Ländern der Welt wird mir das garantiert? Antwort: in den wenigsten. :(

Also,
können und müssen Demokraten ihre Werte verteidigen und nicht leichtfertig auf dem Altar der temporären Beliebigkeiten opfern.
Vorkommen an fossilen Brennstoffen, wie Öl und Gas sollten in angedachten, neuen Bündnissen keine Rolle spielen, da sie ob ihrer Erschöpfung als Energieträger der Zukunft eine immer geringere Rolle spielen werden.
Und dann schreibst Du so schön:
...Europa muß sich...mit China beschäftigen, um wirtschaftlichen wie politischen Einfluß in diesem, relativ abgeschottetem Kulturkreis zu erlangen.
So, Schloß,
nun ersetz´mal das Wort "Europa" durch das Wort "USA"...merkste was?
Alle Amerika-Hasser hätten sofort kollektiv aufgeschrien...da ist er wieder, der amerikanische Blutsauger, überall in der Welt geht´s ihm nur um das eine!!! Aber wenn Europa dieses Ziel verfolgt, kann man niemandem böse sein, oder?

Nö,
ich bleibe dabei, Menschen und Gesellschaften suchen überall in der Welt nach ihrem Vorteil, ob weiße oder dunkle Hautfarbe, ob blaue, braune oder asiatische Augen, ob jüdisch oder an Allah glaubend.
Deswegen sollten die Deutschen, die nun aufgrund ihrer Geschichte alles andere als geeignet erscheinen, als Rädelsführer radikale Brüche mit langjährigen Verbündeten zu ziehen, lieber dafür sorgen, daß auch unter Präsident Bush Menschenrechte und Demokratie zuerst kommen, als marktschreierisch isolationistische Sonderwege zu beschreiben, die dumpfen Neid- und Minderwertigkeitsgefühlen freie Bahn geben.
Solange mir niemand erklären kann, wie die wirtschaftliche Abkopplung von USA vorsichgehen soll, sehe ich keinen Grund für eine sinnvollen, eigenen Weg.

germanasti
11.11.2002, 22:42
"Deswegen sollten die Deutschen, die nun aufgrund ihrer Geschichte alles andere als geeignet erscheinen, als Rädelsführer radikale Brüche mit langjährigen Verbündeten zu ziehen"


& exakt dies ist der springende Punkt warum in Deutschland seit Jahren nichts, absolut nichts mehr bewegt wird! Bei jeden Reformen guckt jeder sofort auf die Vergangenheit und versucht ja nicht daran irgendeinen Anstoss zu nehmen.

Mich interessiert es zu 0,0000000000000000000000000000000000000000 welche Untaten unsere vorfahren vor 70 Jahren getan haben,denn ich lebe für das JETZT!
Ob dies irgendwann auch das deutsche Volk versteht?

Zudem wird viel zu ängstlich mit der Vergangenheit umgegangen, wie bereits dieses thread eindrucksvoll beweist. Namen muss man bei der Wahrheit nennen, genauso wie Fehler und Kritikpunkt auf der Opferseite.

Förster
11.11.2002, 22:56
carlo

den witz mit dem 3. oktober blick ich nicht! :p
wahrscheinlich hast du meinen mit der flaage auch nicht verstanden ;)


die amis stellen 5 prozent der menschheit dar!
kann es sein das wir diese mathematische "randgruppe" zu sehr in den himmel loben? nun ja, bei der energieverschleudung sind sie dann wieder weltmeister --> sie verbrauchen nämlich 25 prozent der weltenergie!

manche sagen sogar, das WTC allein wegen asbest entsorgung passiert ist :ek :eek: :hihi :rolleyes:

hat auch nichts mit der threadüberschrift zu tun, gell :hihi



muss ich morgen nochmal genauer durchlesen :zz

RIVA
11.11.2002, 23:32
;)

schloss
11.11.2002, 23:46
@carlo

Freilich könnte man sich mit cui bono? total verrennen. Aber was ist wenn man sich bestätigt fühlt? Wenn man über ein halbes Jahr vor dem Kosovo-Krieg bereits die auf Krieg ausgelegte Diplomatie der Amerikaner durchschaut, als Fischer noch davon sprach, dass es unter keinen Umständen zu kriegerischen Ausseinandersetzungen (noch dazu mit deutscher Beteiligung) kommt und ein Viertel Jahr vorher sämtliche Europäer von den Verhandlungen ausgeschlossen werden...
Ehrlich gesagt, war das der entscheidende Auslöser, die Mediengläubigkeit durch cui bono zu ersetzen und seitdem bin ich größtenteils short in Papier und long in Rohstoffen.
Auch einen externen Anlass zum Crashen der Börse und Einsetzen des wahnsinnig gestiegenen Militärhaushaltes nach Bush's Amtsantritt wurde bereits zu Beginn des Jahres 2001 von mir erörtert. Der WTC-Anschlag selbst sowie die sofort einsetzende Zensur in den Medien und die Ersetzung von Journalismus durch Patriotismus sowie die agressive Vorgehensweise der amerikanischen Administration im Äusseren (Präventivkriegdoktrin) wie im Inneren wo de facto Verfassungsrechte der Bill of Right ausser Kraft gesetzt werden, haben mich dann doch überrascht und erschreckt!!
Ich habe wesentlich mehr Angst vor einem Diktator Bush oder einer wie auch immer gelagerten Weltregierung als vor einem kleinen oder mittleren Despoten, den man bei einem wirklichen Angriff immer noch mit weltweit vereinten Mitteln ins Nichts bomben könnte. Dafür war ja die Abschreckung einmal gedacht... :rolleyes:

Demokratie ist wie Marktwirtschaft ein menschliches Paradoxum und deswegen kann es sie auch nie wirklich (dauerhaft) geben, warum sollte ich also glauben, dass es sie heute noch gibt????

carlo
11.11.2002, 23:59
@ dolby,

doch, doch, habe ich schon verstanden, wollte auch witzig sein...naja


@ germa

Das eine hat mit dem anderen wenig zu tun.
Deutschland ist an Deutschland schuld, mit den Amis müssen auch die Indonesier und Somalis fertig werden.

Das eine ist unsere unbewältigte Vergangenheit, wie Du richtig bemerkst. In Deiner und meiner Generation findet sich kein Schuldverständnis für den Sch..ß, den unsere Vorfahren angerichtet haben, um es mal salopp auszudrücken. Diese Schuld läßt sich uns auch nicht zuweisen, die vielbeschworene "Gnade der späten Geburt" schützt davor.
Aber die Vergangenheit verpflichtet uns, Verantwortung dafür zu übernehmen, daß so etwas, wie 1933-45 geschehen, nie wieder von deutschem Boden ausgehen kann. Nur darum geht es, und nicht mehr und nicht weniger "verlangen" heute die Opfer, ob Juden, Polen, Russen, Roma und Sinti, politisch Andersdenkende, alle einfach, die unsere Großväter und Urgroßväter gefoltert, vergast und erschossen haben, selbst, wenn hier der eine oder andere seine Geschichte etwas in "die Vergangenheit verlegt haben sollte", wie ab und zu beschrieben...na, und...wieviel Ostdeutsche haben sich nach dem Mauerfall drei- und viermal angestellt, um die 100,- DM zu bekommen...sind wir daran in Konkurs gegeangen, sicher nicht.

Die von Dir beschriebene Reformunwilligkeit hat damit nichts zu tun. Ob darüber diskutiert wird, in welcher Art und Weise unser Renten- oder Gesundheitssystem reformiert werden sollte, interessiert die Opfer der NS-Zeit herzlich wenig.
Da schaut kein Mensch in die Vergangenheit oder hast Du schon einmal gehört, daß sich ein Vertreter der Opferverbände darüber mokierte, daß sich die Zuzahlung bei Arzneien zugunsten der Krankenkassen erhöhen sollte? Ich nicht.

Wie bereits oben beschrieben, und da liegen wir gar nicht weit auseinander, ist Deutschland an sich selber schuld. Wenn dieses Land tatsächlich irgendwann bankrott ist und bürgerkriegsähnliche Zustände herrschen, liegt das an den politisch verantwortlichen Kräften, die die Triebfeder unserer Gesellschaft, das freie Unternehmertum, erstickt und ins Ausland vertrieben haben, um ihrem unsäglichen Umverteilungswahn gerecht zu werden. Schau einfach mal über den Tellerrand:
Die Schweiz kennt solche, für den Arbeitgeber knebelnde Tarif- und Kündigungsschutzgesetze nicht, es ist mir als Unternehmer relativ einfach möglich, in guten Zeiten Arbeitskräfte einzustellen und in schlechten wieder zu entlassen. Letzteres ist zwar traurig, gehört aber zum System und zum Zyklus einer Wirtschaft, nichts kann ewig wachsen. Wenn aber, wie in D Einstellungen so zahlreiche Verpflichtungen nachsichziehen, daß es dem Unternehmer in schlechten Zeiten nahezu unmöglich wird, überflüssiges Personal wieder zu entlassen, was macht der wohl...richtig, niemanden mehr einstellen, lieber die angestammte Belegschaft Überstunden machen und abbummeln lassen...

Das ist aus meiner Sicht der entscheidenen Vorteil der amerikanischen Wirtschaft, sie ist einfach flexibler.
Aus unserer Sicht mag das unsozial erscheinen,
na und, solange sich die Amis nicht selbst beschweren...Glück ist ein dehnbarer Begriff, für Chinesen oder Afrikaner sieht´s da ganz anders aus...

carlo
12.11.2002, 00:41
@ schloß,

so unkritisch sind die amerikanischen Medien gar nicht. Umfragen belegen, daß für das Votum zugunsten der Republikaner in der letzten Wahl der mögliche Irak-Krieg nur zu 10% den Ausschlag gab.
Die New York Times, zum Beispiel, gilt international als traditionell linkes Blatt und ist durchaus Bush-kritisch. Für uns unverständlich, und für Dich scheinbar zensiert, ist der amerikanische Patriotismus. Wir können uns das eben schlecht vorstellen, wie man sich so offensichtlich zu seinem Land bis zum get no bekennen kann. Daß das auch seine Grenzen hat, zeigte der Vietnam-Krieg, wo die zur Entsendung gefeierten Soldaten bei der Wiederkehr mit faulen Eiern beworfen worden sind. Anyway, jedenfalls kann der gewöhnliche Deutsche mit "united we are" und "in god we trust" und natürlich "god bless america" nicht soviel anfangen. Nur liegen die Ursachen dafür in unserer jüngeren Vergangenheit, wie oben bereits beschrieben.
Eine Austauschen von Journalismus gegen Patriotismus nach dem 11.09. konnte ich nicht beobachten, und wenn schon, was ist an Patriotismus schlecht? Liegt unser Unbehagen diesen Begriff zu verwenden, nicht an uns selbst?
Ist es nicht normal, daß man in der Not und in Unglücksfällen erst einmal zusammenrückt, anstatt sofort das Büßerhemd aus dem Schrank zu holen und selbstkritisch zu hinterfragen, wen man zu so einer Tat "provoziert" haben könnte?

Ich bin sicher,
daß Frankreich, England oder China genauso entschlossen auf den Terror reagiert hätten. Nicht in der Lage dazu war und ist Deutschland, das macht mir eher Sorge. Wir Deutsche können in Zukunft nicht mehr erwarten, daß immer die anderen den Kopf für uns "hinhalten", auch wenn 50 Jahre unter de facto Besatzung in Freiheit etwas anderes suggerieren, die Menschen sind leider nicht überall so friedlich.
Niemand wünscht sich ernsthaft Krieg, auch die hartgesottenen GI´s, Marines oder wer auch immer haben Mütter, und wer "Apokalypse now" gesehen hat, weiß, wie´s wirklich aussieht.

Zum Jugoslawien-Krieg,
Du schreibst, die Europäer sind von den Verhandlungen ausgeschlossen worden, was meinst Du, gibt es darüber Dokumente?

schloss
12.11.2002, 01:02
@carlo

zur Zensur und Pressefreiheit in USA :
http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/0,1518,219574,00.html

PRESSEFREIHEIT

USA nur auf Platz 17

Die westlichen Demokratien stellen sich gern als Garanten der Meinungs- und Pressefreiheit dar, oftmals zu Recht. Doch nach dem neusten Ranking der Organisation Reporter ohne Grenzen gibt es zwei Ausreißer: die USA und Italien.

In der Aufstellung von "Reporter ohne Grenzen" zeigen sich überraschende Ergebnisse für die westlichen Demokratien. Die USA rangieren auf Platz 17 von insgesamt 139 untersuchten Staaten und erzielt damit ein schlechteres Ergebnis als Costa Rica. Auch Italien ist auf Platz 40 hinter Benin gelandet, einem der ärmsten Länder der Welt. Die Ergebnisse machten deutlich, so kommentiert die Organisation, "dass die Wahrung der Pressefreiheit kein Monopol reicher Staaten ist".
Die USA schneiden in der Untersuchung nicht als Land der unbegrenzen Pressemöglichkeiten ab, weil dort "zahlreiche Journalisten verhaftet wurden, weil sie in Gerichtsverhandlungen ihre Quellen nicht preisgaben oder weil sie nach dem 11. September angeblich Sicherheitsbestimmungen missachteten", erklärt die Menschenrechtsorganisation.

Costa Rica sei dagegen "als gutes Beispiel für Fortschritte in der Pressefreiheit" auf Platz 15 der Rangliste aufgestiegen. Denn seit Februar 2002 sei Costa Rica eines der wenigen lateinamerikanischen Länder in dem Journalisten nicht mehr wegen Beleidigung von Amtspersonen bestraft werden könnten.

Ein Ausreißer in der EU

Die 15 Mitgliedsstaaten der Europäischen Union werden durchweg gut beurteilt - mit einer Ausnahme: Italien. Das Land lande auf Rang 40, weil die Medienvielfalt unter Regierungschef Silvio Berlusconi erheblich bedroht sei. Drei andere europäische Länder schneiden aber noch schlechter ab.

So erreicht die Türkei trotz Reformbestrebungen der Regierung im Zuge des angestrebten EU-Beitritts lediglich Rang 99. Nach wie vor würden dort Journalisten auf Grund ihrer Veröffentlichungen verurteilt, Medien regelmäßig zensiert.

Auch in Weißrussland (Rang 124) und Russland (121) sowie in anderen Staaten der ehemaligen Sowjetunion seien die Arbeitsbedingungen für Journalisten extrem schwierig. Sie würden bedroht, häufig auch festgenommen und schlimmstenfalls ermordet.

In Weißrussland werden Zeitungen überdies mit dem Entzug ihrer Lizenz bedroht, wenn sie sich kritisch über die Regierung äußern. Dies hat der dortige Präsident Lukaschenko erst kürzlich auf einer Pressekonferenz betont, als ihn ein Journalist nach geheimen Staatskonten fragte. Ein solches Konto gebe es nicht, genauso wenig wie die Zeitung des Fragestellers, wenn er diese Behauptung aufrecht erhalte, entgegnete der diktatorisch herrschende Staatschef.

China ganz hinten

In dem Bericht von "Reporter ohne Grenzen" werden gravierende Einschränkungen der Pressefreiheit auf jedem Kontinent registriert. Unter den 20 Ländern mit den gröbsten Verstößen befinden sich vor allem afrikanische, asiatische und lateinamerikanische Staaten. Ganz am Schluss rangieren vier asiatische Staaten: Nord-Korea, China, Birma und Turkmenistan. Pressefreiheit sei in diesen Staaten "faktisch nicht existent".

Skandinawien und Holland vorn

Ganz oben auf der Liste rangieren dagegen vier europäische Länder - Finnland, Island, Norwegen und die Niederlande, die sich den ersten Platz teilen. Die Pressefreiheit werde in diesen Ländern "gewissenhaft respektiert", meldet der Report. Zusätzlich wird in diesen Staaten das deutliches Eintreten für die Pressefreiheit in anderen Ländern positiv bewertet. Deutschland schneidet mit dem siebten Rang ebenfalls gut ab.

Kein arabisches Land mit Spitzenposition

Auf der Wertungsliste gehört kein arabisches Land zu den Top-50-Ländern. Libanon erreicht als bestplaziertes Land der Region nur den 56. Rang. Im Irak (Rang 130) und Syrien (126) nutze der Staat jede Kontrollmöglichkeit und ersticke jede oppositionelle Meinung.

Durch die Schwächung der pälastinensische Autonomiebehörde komme es derzeit dort zu etwas weniger Einschränkungen der Pressefreiheit (Rang 82), auch wenn es weiterhin Versuche gebe, lokale und ausländische Journalisten einzuschüchtern und Einfluss auf die Berichterstattung zu nehmen.

In Israel würden einheimische Medien und die Pressefreiheit weitgehend geachtet. Die Situation sei jedoch anders in der Westbank und im Gaza-Streifen. Seit Beginn der militärischen Besetzung in palästinensischen Städten im März 2002 seien zahlreiche Journalisten bedroht, festgenommen oder ausgewiesen worden. Mehrere Reporter seien in Schusswechsel geraten und wurden verletzt. Israel stehe daher nur auf Platz 92.

Expertenwertung

Für die Ausarbeitung des Index beantworteten laut "Reporter ohne Grenzen" internationale Journalisten, Wissenschaftler und Rechtsexperten einen 50 Fragen umfassenden Katalog. Abgefragt wurden verschiedene Aspekte von Verstößen, darunter direkte Angriffe (beispielsweise Mord und Verhaftung) ebenso wie politische, rechtliche oder ökonomische Einflüsse. Dazu zählen Zensur, staatliche Monopole oder die restriktive Anwendung der Pressegesetze.

schloss
12.11.2002, 01:42
@carlo und zu Jugoslawien

In Ramboulliet verhandelten zunächst Europäer Russen und Amerikaner zusammen mit Vertretern der Albaner und der Serben. Man war sich einig über einen Friedensplan. Daraufhin wurden einseitig von den Amerikanern der sogenannte Annex B zum Vertragsgegenstand gemacht, demweder Serben noch die russische Delegation zustimmten ja gar nicht zustimmen konnten!
Die Geschichte um die Verhandlungen in Rambouillet zeigt auch hier wieder wie wenig offen sowohl Parteien als auch MEdien darüber berichteten. Ich zitiere hier mal einen Pazifisten aus dem Bundestag:
www.stroebele-online.de/dokumente/1043.html

Die Wahrheit in den Tatsachen suchen
26.05.1999: Was steht wirklich im Appendix B des Rambouillet-Abkommens? Zur Vorgeschichte des Kosovokonfliktes

Die Wahrheit in den Tatsachen suchen
Zum Rambouillet-Abkommen und Appendix B
Die Bundestagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen hat beschlossen, daß alle Zweifel am Rambouillet-Abkommen beseitigt sind. So einfach kann Wahrheitsfindung sein.

Das Auswärtige Amt erklärt am 12. April 1999: "Die Behauptung, daß sich aus Teilen des Abkommens für die Bundesrepublik Jugoslawien inakzeptable Bedingungen ergeben würden, entbehrt ebenfalls jeder Grundlage."

Und der zuständige bündnisgrüne Abgeordnete setzt am 19. April 1999 in einer Presseerklärung noch eins drauf: "Wer an der falschen Interpretation festhält, muß wissen, daß er sich auf eine schiefe Ebene begibt, an deren Ende die Verharmlosung und Entschuldigung des Milosevic-Regimes bzw. haltlose Verschwörungstheorien zur Politik der USA und der NATO stehen."

Deshalb noch mal die Fakten:
Im Annex B des Rambouillet-Abkommens, und zwar in der vom 18. März 1999 von den Kosovo-Albanern unterschriebenen, also amtlichen Fassung steht:

In Artikel 6 und 7 des Annex B wird der NATO und dem NATO-Personal umfassende Immunität unter allen Umständen und zu jeder Zeit vor straf- und zivilrechtlicher Verfolgung in der Bundesrepublik Jugoslawien zugesichert. In dem inkriminierte Artikel 8 heißt es dann:

NATO-Personal soll, mitsamt seiner Fahrzeuge, Schiffe, Flugzeuge und Ausrüstung, innerhalb der gesamten Bundesrepublik Jugoslawien (FRY) inklusive des Luftraumes und ihrer Territorialgewässer freien und unregistrierten Zugang ohne Zugangsbeschränkungen genießen.

Das schließt ein - ist aber nicht begrenzt auf - das Recht auf Lager, auf Manöver, Einquartierung und auf Nutzung sämtlicher Regionen oder Einrichtungen, soweit erforderlich, für Nachschub, Training und Operationen.

(Dieser zweite Satz fehlt übrigens in der sonst ausführlichen Dokumentation der Frankfurter Rundschau vom 16. April 1999 völlig.)

Der Originaltext in englischer Sprache lautet:
NATO personnel shall enjoy, together with their vehicles, vessels, aircraft, and equipment, free and unrestricted passage and unimpeded access throuout the FRY including associated airspace and territorial waters.

This shall include, but not be limited to, the right of bivouac, maneuver, billet and utilization of any areas or facilities as riquired for support, training and operations.

In den Artikeln 9 und 10 wird geregelt, daß die Behörden der Bundesrepublik Jugoslawien den Transport der NATO mit Priorität ermöglichen, keine Kosten und Zölle berechnen und keine Registrierung vornehmen dürfen.

1.

Vom Auswärtigen Amt und dem zuständigen bündnisgrünen MdB wird angegeben, diese Vereinbarung sei ähnlich und zum Teil wortgleich mit der, die die Bundesrepublik Jugoslawien bereits im Dayton-Abkommen unterschrieben habe. Ein Vergleich der Texte ergibt, daß das nicht richtig ist:

Im Dayton-Abkommen von 1995 findet sich in der Tat eine wortgleiche Passage. Diese steht aber in der Vereinbarung zwischen der Republik Bosnien und Herzegovina einerseits und der NATO andererseits. Sie bezieht sich ausdrücklich nur auf das Gebiet der Republik von Bosnien und Herzegovina. Es ist also gerade nicht eine Regelung für die Bundesrepublik Jugoslawien.

Es gibt auch eine Dayton-Vereinbarung für den Transit der NATO zwischen der Bun-desrepublik Jugoslawien und der NATO. Diese ist aber substantiell anders:

In Nummer 2 des Agreement Between the FRY and NATO Concerning Transit Arran-gements for Peace Plan Operations heißt es:

"The Government of the FRY shall allow the free transit over land, rail, road, water or through air of all personnel and cargo, equipment, goods and material of whatever kind, including ammunition required by NATO for the execution of the Operation, through the territory of the FRY inluding FRY airspace and territorial waters."

Also wurde 1995 im Dayton-Abkommen kein Recht auf Lager, Manöver, Nutzung aller Einrichtungen und Regionen der Bundesrepublik Jugoslawien unterzeichnet. Legt man das Dayton-Abkommen der Beurteilung zugrunde, ist festzustellen, daß im Rambouillet-Abkommen nunmehr die Regelung, die 1995 im Dayton-Abkommen für Bosnien und Herzegovina vereinbart wurde, 1999 nicht nur für den Kosovo, sondern für die ganze Bundesrepublik Jugoslawien übernommen wurde.

Die Regelung schränkt die Souveränität der betroffenen Länder, im Rambouillet-Abkommen ist es die ganze Bundesrepublik Jugoslawien, weitgehend ein und räumt der NATO Befugnisse ein, die für den reinen Transit von Truppen durch einen souveränen Staat weder notwendig noch üblich sind.

2.

Das Auswärtige Amt und der zuständige bündnisgrüne MdB geben an, daß dieser Teil des Rambouillet-Abkommens zu keinem Zeitpunkt Gegenstand von Verhandlungen mit der serbischen Delegation in Rambouillet gewesen ist und schon gar nicht von serbischer Seite beanstandet wurde.

Die serbische oder jugoslawische Regierung haben diese Einzelregelungen nicht, jedenfalls nicht öffentlich wahrnehmbar, kritisiert. Am letzten Tag der Rambouillet-Verhandlungen, am 22. Februar 1999, hat der russische Botschafter Mayorski die serbische Delegation darüber informiert, daß die Anhänge 2 und 7 nicht von der Kontaktgruppe diskutiert und deshalb auch nicht beschlossen wurden. Am nächsten Tag wurde der serbischen Delegation der vollständige Text überreicht. Im Begleitschreiben hat Mayorski bestätigt, daß er mit Kapitel 2 und 7 nicht einverstanden ist. Diese Kapitel enthalten die Anhänge 2, 5 und 7. Dem Annex B hat das russische Mitglied der Kontaktgruppe also ausdrücklich nicht zugestimmt. Die serbische Delegation soll die Unterschrift auch wegen des Anhanges B verweigert haben. Außerdem habe sie auf mehrere anderen Veränderungen hingewiesen, die den Vereinbarungen der Kontaktgruppe widersprochen haben sollen.

Die serbische Regierung hatte im übrigen stets angelehnt, über den militärischen Teil des Abkommens, zu dem dieser Annex B gehört, überhaupt zu verhandeln. Schon vor Beginn der Verhandlungen in Rambouillet hatten sie die Stationierung von NATO-Truppen im Kosovo entschieden abgelehnt.

3.

Vom Auswärtigen Amt wurde darauf hingewiesen, Annex B des Rambouillet-Abkommens sei durchaus noch offen gewesen für Verhandlungen mit Belgrad, er stelle nicht mehr als einen "Platzhalter" für ein mit Belgrad noch auszuhandelndes Abkommen dar.

In den Gesprächsrunden in Paris nach dem Aussetzen der Rambouillet-Verhandlungen soll der Vertragsentwurf als endgültig und in keinem Punkt veränderbar definiert worden sein, trotz der vorherigen schriftlich bestätigten Ablehnung der Kapitel 2 und 7 durch den russischen Botschafter Mayorski.

Die Kosovo-Albaner haben das Abkommen mit diesem Inhalt am 18. März 1999 unterschrieben. Auf Seite 77 des englischen Textes des Abkommens finden sich die inkriminierten Artikel 7 bis 9 des Annex B und auf Seite 82 die Unterschrift der Kosovo-Albaner mit dem Datum 18. März 1999. Die Unterschriften auf den für "Federal Republic of Yugoslavia" und "Republic of Serbia" vorgesehenen Stellen fehlen.

Die NATO und die Bundesregierung haben in den Tagen vor dem Beginn der Bombardierungen die Unterschrift Milosovics gerade unter dieses Abkommen verlangt. Nur wenn er dieses Abkommen so unterschreibe, könne er die Bombardements noch abwenden. Kein Wort von der Möglichkeit weiterer Verhandlungen und Änderung des Vertragstextes. Ganz im Gegenteil hieß es in den öffentlichen Verlautbarungen stets, Belgrad und die Regierung Milosovic müßten ohne Wenn und Aber das Abkommen unterschreiben. Änderungen seien nicht mehr möglich, nachdem die Seite der Kosovo-Albaner unterschrieben hat.

Hans-Christian Ströbele
-----------------
weiterer Link zum Nachdenken über das, was nicht in den Geschichtsbüchern der westlichen Demokratien stehen wird u.a. der komplette Annex B:
http://www.aufdemstundenplan.de/ausgaben/top/27.htm

carlo
13.11.2002, 10:27
Hallo Schloß,
erst einmal vielen Dank für Deine Infos! :)


Zur Pressefreiheit:

Dieser SPIEGEL-Artikel dokumentiert wieder einmal deutlich die Linkslastigkeit und nicht etwa Ausgewogenheit des Blattes.
Wenn auf der einen Seite Costa Rica für den 15. Rang Lorbeer einfährt und ausdrücklich gelobt wird, kann doch der 17. Rang von 139 nicht soviel schlechter sein, oder? Trotzdem suggeriert die Wortwahl schon in der Überschrift, daß die Pressefreiheit in den USA nicht sonderlich entwickelt ist, und Journalisten einfach so verhaftet werden oder vor Gericht gestellt werden können.

Hierzu ist anzumerken, daß
1. auch Journalisten keinen besonderen Status besitzen, sondern in erster Linie die gleichen staatsbürgerlichen Pflichten besitzen wie jeder andere Bürger eines Landes auch und sich somit juristische Konsquenzen befürchten müssen, wenn sie Gesetze mißachten, das ist überall auf der Welt genauso,
2. in diesem konkreten Fall zu bedenken ist, daß Amerika angegriffen worden ist, und jeder Amerikaner schon allein moralisch verpflichtet wäre, eventuelles Wissen um die Hintergründe preiszugeben, oder darf man über 3000fachem Mord neuerdings hinweggehen?
3. die Mißachtung von Sicherheitsbestimmungen ein nachvollziehbares Argument ist. Im durchliberalisierten Deutschland ist es üblich, über alles und jeden Umstand solange zu diskutieren, bis die Luft raus ist, in anderen Ländern wird man halt für sein Handeln sehr viel schneller und direkter zur Verantwortung gezogen. Wer in Singapur Drogen besitzt, dem droht die Todesstrafe, wer in Thailand eine Banknote mit Füßen tritt, kommt wegen Beleidigung des Königs ins Gefängnis, wer in Syrien den "Playboy" im Koffer hat, kann sich schon mal auf einen längeren, unangenehmen Aufenthalt in diesem Land einrichten.
4. Journalisten sich schon sehr gerne hinter der unabhängigen Berichterstattung im öffentlichen Interesse verstecken. So schrauben sie dann, streng unabhängig und neutral natürlich, die Teleobjektive mit der größten Brennweite auf die Kameras, die dann ununterbrochen, tagelang auf ein Haus gerichtet werden, in dem sich ein Promi aufhalten soll; Verfolgungsjagden per Auto organisiert, bis man endlich den Schnappschuß gegen Höchstgebot an die Agenturen weiterverkauft; das Leben von Personen so lange durchleuchtet und durch den Kakao gezogen wird, bis jedem dämmert, um was für einen skrupellosen Menschen es sich handelt.

Ich bin der Meinung,
daß ein Presseausweis niemanden legitimieren darf, für Geld in die Privatsphäre anderer einzudringen, aus purer Sensationslust Berichte zu schreiben und Fotos zu schießen sowie aus ihrem erworbenen Wissen Stimmung gegen Personen oder Parteien zu betreiben.
Leider gibt es nur noch wenige Journalisten, die dem Ethos des Berufes gerecht werden, unabhängig und neutral berichten und dem Publikum die eigene Meinungsfindung ermöglichen, Peter Scholl-Latour ist z.B. so einer,
den schätze ich sehr, leider stirbt diese Gattung Journalismus wohl aus, an deren Stelle treten die Bednarzes, Lidschreibers und Austs... :(

Ralph
16.11.2002, 14:40
Aus der FTD vom 15.11.2002
Bankstudie sieht akute Deflationsgefahr
Von Sebastian Dullien, Berlin

Vor einer ernsthaften Deflationsgefahr in Deutschland haben am Donnerstag die Europa-Ökonomen der Großbank Société Générale (SG) gewarnt. "Das Land erfüllt alle Kriterien, die auf eine bevorstehende Deflation hindeuten", sagte Europa-Chefvolkswirtin Véronique Riches-Flores.

Zwar seien noch keine fallenden Preise zu beobachten, das Risiko sei aber groß, dass die aktuelle konjunkturelle Lage in eine Spirale aus sinkenden Preisen und nachlassender Nachfrage münde. Es ist das erste Mal, dass Ökonomen einer renommierten Institution in derart direkter und ausführlicher Art auf ein Deflationsrisiko für die deutsche Wirtschaft hinweisen. Etwas zurückhaltender hatten in den vergangenen Wochen die Volkswirte der Deutschen Bank und des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung auf die Gefahr eines allgemeinen Preisverfalls verwiesen, sollte sich die Konjunktur in nächster Zeit weiter verschlechtern.

Drohender Preisverfall in depressiver Lage

Risiko Laut Index verstärken hohe Wechselkurse, hohe Privatschulden oder eine restriktive Geld- und Finanzpolitik die Deflationsgefahr. Deutschland erreicht den höchstmöglichen Wert.

Unabhängig von den anderen Folgen, die sich daraus entwickeln, nimmt die FED das Zepter hier in die Hand ..... und die Blödel von der EZB freuen sich immer noch, dass die Inflationsrate so niedrig ist! ..... deswegen wird Europa auch nie ein tragfähiges Konzept haben, mit dem man die USA überholen könnte.

Firmenkredite in Deutschland

Sturzflug Die reale Kreditvergabe an deutsche Unternehmen war zuletzt rückläufig - nach Aussage der Bankvolkswirte ein Anzeichen dafür, dass eine Deflation drohen könnte.


Die SG-Analysten stufen die Gefahr einer Deflation als akut ein, wenn fünf Kriterien erfüllt sind: die Überbewertung der Währung, eine hohe Verschuldung von Unternehmen und Privathaushalten, ein Rückgang der Inlandsnachfrage, eine schwache inländische Kreditvergabe und ein hoher Restriktionsgrad von Geld- und Finanzpolitik.


In allen fünf Bereichen ist laut Riches-Flores die Situation Deutschlands heikel. Gemessen auf einer Skala von minus zehn bis plus zehn, die von den SG-Experten aufgestellt wurde, liege Deutschland bereits beim höchstmöglichen Risikowert.


Regierungs-Paket bremst

Sowohl die Geld- wie auch die Fiskalpolitik seien derzeit enorm restriktiv. Weil zudem die deutschen Preise schon jetzt kaum mehr stiegen, läge der für Investitionsentscheidungen relevante (preisbereinigte) Realzins so hoch wie in keinem anderen Euroland. Zudem wirke das geplante Konsolidierungspaket der Regierung mit Ausgabenkürzungen und Steuer- sowie Abgabenerhöhungen stark bremsend auf die konjunkturelle Entwicklung.


Deutschland habe durch die Lohn- und Preissteigerungen nach der Vereinigung an Wettbewerbsfähigkeit verloren und sei dann mit einem überbewerteten Wechselkurs in die Europäische Währungsunion eingestiegen. "Gegenüber dem Rest Europas kämpft Deutschland mit einer Überbewertung von rund 30 Prozent", so Riches-Flores.


Der jüngste Einbruch der Aktienkurse und die schwache Entwicklung der Immobilienpreise habe bei deutschen Unternehmen und Privathaushalten außerdem enorme Schulden hinterlassen. Investitionstätigkeit und Konsum seien gedämpft. Die Kreditvergabe entwickele sich zudem nur schleppend. Wie die EZB in ihrem neuen Monatsbericht darstellt, lag das Kreditwachstum im dritten Quartal deutlich unter dem in den meisten anderen Euroländern.

Deflation könnte vermieden werden

Es könne dem Rest der Euro-Zone nicht egal sein, wenn Deutschland in die Deflation rutsche, warnte Véronique Riches-Flores: "Die depressiven Auswirkungen wären enorm." Zwar werde sich eine deutsche Deflation nicht unbedingt auf andere Euroländer ausbreiten. Deutschland sei allerdings als Handelspartner so wichtig, dass das Wachstum dort durch einen Preisverfall in Deutschland stark gedämpft würde.

Riches-Flores sieht durchaus noch Möglichkeiten, die Deflation in Deutschland abzuwenden. "Dafür müsste die EZB allerdings ihr Inflationsziel für die Euro-Zone vernachlässigen", so die Ökonomin. Auch die Finanzpolitik könnte nach Ansicht der Chefökonomin gegensteuern. Dazu müsste die deutsche Nachfrage mit öffentlichen Infrastrukturinvestitionen angekurbelt werden. Wegen der schwierigen finanziellen Situation Deutschlands müssten diese Projekte dann allerdings von der EU finanziert werden, erklärte Véronique Riches-Flores.

============================================

Aber nur weiter auf die FED schimpfen ...... ist ja auch einfacher!

Ralph
16.11.2002, 18:09
Und hier eine Beschreibung dessen, was die USA tun (auch wenn dies noch entschlossener ginge, aber immer noch entscheidend besser ist, als das was Europas Zentralorganisierte Blödmänner tun), um die Auswirkungen einer weit verbreiteten Deflation zu bekämpfen.

Es wird leider immer wieder darauf hingewiesen, wie dramatisch die Geldmengen sich in den USA entwickeln. Wer dabei behauptet, dies sei genau falsch, der ist sich des Ernstes der Situation in dem sich die Welt befindet (nicht nur die allseits so verhasste USA, sondern auch das ach so ruhmreiche Deutschland .... und gerade das!!!!), in keinster Weise bewusst.

Die FED tut zwar alles in ihrer Macht stehende, aber selbst diese Geldmengen erscheinen angesichts des schlimmsten Risikos seit 70 Jahren noch nicht ausreichend. Wer jetzt noch glaubt, die EZB mache genau das Richtige, dem muss man nicht vorhandene Sachkenntnis attestieren.

Die FED weiss was passiert (siehe Japan), wenn man so lange wartet, bis sich ein deflationärer Trend etabliert ...... dann ist es nämlich zu spät (und genau darauf arbeiten die EZB-Ochsen hin ..... schöne tolle Sachkompetenz im Elfenbeinturm der Zentralbank!!!)

Aber scheinbar will sich die EZB (die ja ach so unabhängig ist) lieber vorwerfen lassen, man habe sich zu spät in zu geringem Umfang zu entschiedenen MAssnahmen durchgeringen, als wirklich mal die Pace mit zu bestimmen und energisch etwas gegen die "japanische" (und bald auch deutsche und europäische????) Krankheit zu tun.

Es ist an der Zeit, die Erfahrungen aus der Historie über Bord zu werfen, denn das womit wir es heute zu tun haben, hat es seit der "Great Depression" nicht mehr gegeben. Und das Ziel (daran arbeitet die FED zumindest, die EZB ist davon leider noch weit entfernt) muss sein, negative Zinsen zu schaffen, solange dies noch möglich ist. Ausserdem MUSS mehr Liquidität bereitgestellt werden!!!!

Auch wenn New York sechs Stunden Zeitunterschied zu Europa hat, man kann nicht sagen, dass USA deswegen länger schläft ....... nein, dort ist man schon wach, während Europa -am hellichten Tag- tief und fest schläft.

Schlaft weiter, ihr Pfeifen!!! ...... ihr werdet auch noch aufwachen ...... (dann ist es aber leider zu spät!!!)

Förster
16.11.2002, 18:25
REGIE: PFEIFE SAGEN IST VERBOTEN

germanasti
16.11.2002, 18:27
& was ist an der japanischen Deflation so schlimm? :confused:

Ich sehe ein Japan, dass immer noch gefüllt ist von Reichtum und einem angenehmen Leben. Ganz im Gegensatz zu Amerika, dass sich seit 2000 komplett gewandelt hat. :rolleyes:

Förster
16.11.2002, 18:30
@ ralph

geh mal als mittelständler zur bank und verlange einen kredit zur produktionserweiterung!
das problem wird nicht der leitzins sein, sondern die deckung die die bank verlangt.

IN DEUTSCHLAND BEKOMMEN DIE GELD, DIE ES ÜBERHAUPT NICHT BRAUCHEN

wie toll sich die wirtschaft im gelobten entwickelt, sieht man an den tickermeldungen.
die schaffen jetzt schon wieder auf lager! spitze.

Ralph
16.11.2002, 18:30
Original erstellt von Dolby Digital 5.1
REGIE: PFEIFE SAGEN IST VERBOTEN

Sorry, Dolby .... stimmt! ... "Pfeife" ist eine schlimme Beschreibung für ein EZB'ler ...... ich meine "Arschloch" passt besser!


& was ist an der japanischen Deflation so schlimm?

Germa, das wirst Du auch noch merken!

Ralph
16.11.2002, 18:33
Original erstellt von Dolby Digital 5.1
@ ralph

geh mal als mittelständler zur bank und verlange einen kredit zur produktionserweiterung!
das problem wird nicht der leitzins sein, sondern die deckung die die bank verlangt.

......




Und damit beschreibst Du eine weitere Facette im zerstörerischen Wirken der Deflation!

Und ich sage nicht, dass es in USA besser ist! ...... aber die FED hat den Feind erkannt, während die EZB sich noch die Ferngläser putzt und lernt wie man einen Kompass benutzt!

Förster
16.11.2002, 18:37
na na na - wenn ich #120 so durch lese bezieht sich pfeiffe mehr auf uns, oder hab ich falsch gelesen? :rolleyes:

Förster
16.11.2002, 18:46
Seit der Senkung der kurzfristigen amerikanischen Zinsen auf nur noch 1,25 Prozent wird das Geld in den USA praktisch verschenkt. Da die Inflation heute 1,5 Prozent höher ist als vergangenes Jahr um diese Zeit, ergibt sich nach Berücksichtigung der Inflation ein negativer Zinssatz von 0,25 Prozent.

:dumm :dumm :dumm :dumm


geh mal zur bank und frag nach dem kredit mit 1.25 prozent zinsen.


verarschen die uns eigentlich mit solchen artikel???? :gomad

kreditkarten-zinsen sind in amerika immer noch bei 16 prozent :p

carlo
16.11.2002, 21:55
@ ralph,

vielen Dank für Deine beiden Postings :),
das A....loch hat die Regie in Anbetracht Deiner enormen Sachkenntnis überlesen... ;)

Ja,
ich sehe es genauso, die EZB kämpft für mich noch die Kämpfe der Vergangenheit. Kämpfe, die sämtliche Bundesbankpräsidenten kämpften, nämlich die gegen die Inflation, und sei sie auch noch so gering, egal, der kleinste Ansatz wurde unabhängig von der wirtschaftlichen Lage Deutschlands, mit Zinsanhebungen bekämpft.

Unabhängige Beobachter attestieren Deutschland, durch diese Politik ein Milliardenbeschäftigungsprogramm in den ersten Jahren nach der Wiedervereinigung vereitelt zu haben, weil das Geld und somit auch Kredite einfach zu teuer waren. Deshalb profitierten vom Bau- und Sarnierungsboom in Ostdeutschland vor allen Dingen Portugiesen, Engländer und Arbeitskräfte aus dem ehemaligen Ostblock, aber eben kaum deutsche Firmen. Es wäre hier an der Zeit, daß die EZB umsteuert, auch, wenn hierzu eine Statutenänderung notwendig ist, aber der Kampf gegen die Inflation und für Preisstabilität wird auf Dauer als einziges Kriterium für die "Härte" der noch sehr jungen Währung nicht ausreichen.

Was machen die Amis eventuell besser?
Im Gegensatz zur EZB obliegt der amerikanischen Notenbank zu den Kriterien, die auf die EZB zutreffen, das Entscheidene dritte: die Konjunktur am Leben zu erhalten und die Wirtschaft mit Geld zu versorgen. Eine sich ausweitende Geldmenge muß da nicht unbedingt kontraproduktiv wirken, ein Dollar bleibt ein Dollar, bleibt ein Dollar, überall auf der Welt. Die Amerikaner können auch mit einem schwachen Dollar leben, oder sind die USA in den Jahren ´94/´95 untergegangen, als ein Dollar etwa 1, 35 DM kostete? Wohl nicht.
Ebenso blödsinnig erscheint mir die ewig wiederholte Aussage, daß die vielen Zinssenkungen durch die FED "nichts gebracht" hätten. Stellt man sich die Frage andersherum, also, was wäre passiert, wenn Greeny gar nicht gesenkt hätte, käme man recht schnell zu dem Ergebnis, daß der Markt bereits kollabiert wäre und sich die Dinge recht schnell zu einer globalen Finanzkrise ausgeweitet hätten. Greenspan rettete die Märkte 1987 mit einer Geldausweitung, er meisterte die Asien- und die Rußlandkrise und im übrigen teile ich seine Ansicht, daß man Blasen wirklich nicht vorhersagen kann. Hinterher ist jeder schlauer, aber über steigende Kurse freuten sich vor 3 Jahren garantiert noch 99% aller SCN-user.

Greenspan einzig verbliebene Aufgabe besteht nun darin, der Aktienblase möglichst schonend und ohne größeres Chaos die Luft abzulassen, gelänge ihm das nicht, wird auch Deutschland extrem darunter zu leiden haben... :(

carlo
16.11.2002, 22:05
Original erstellt von Dolby Digital 5.1


:dumm :dumm :dumm :dumm


geh mal zur bank und frag nach dem kredit mit 1.25 prozent zinsen.


verarschen die uns eigentlich mit solchen artikel???? :gomad

kreditkarten-zinsen sind in amerika immer noch bei 16 prozent :p
@ dolby

um mal mit der Geschichte von den 16% Kreditkartenzinsen aufzuräumen, folgendes:

Bezahlt ein Amerikaner mit seiner Kreditkarte Waren oder in Anspruch genommene Dienstleistungen, muß er selbstverständlich keine Zinsen darauf zahlen, das wäre wohl der Tod der Kreditkarte und ihrer Idee entgegengesetzt.

Die 16% Zinsen beziehen sich auf zusätzlich eingeräumte Kreditlinien, also eine Art Dispo auf die Kreditkarte, wobei die Rückzahlung sehr variabel, anteilig und über einen weitestgehend selbstbestimmten Zeitrahmen ablaufen kann. Solche Modelle sind in D weitestgehend unbekannt, meines Wissens nach bietet nur American Express diese Form des Zusatzkredites und dessen Tilgung an. Wer so ein Modell nicht wünscht, zahlt also außer der Kartengebühr gar nichts, im Gegenteil, die Kartengesellschaften bieten auch noch zusätzliche Bonusprogramme an, wobei mit jedem Euro/Dollar Umsatz Punkte gutgeschrieben werden, die sich später in Sachprämien umwandeln lassen.

Gar nicht so übel, oder? Muß man nur noch die Übersicht behalten... ;)

Ralph
16.11.2002, 23:00
@Carlo

Du meinst im 2.Absatz aber die EZB (und nicht die FED), oder?

Das A....loch ist vielleicht etwas unflätig ... sorry dafür an Regie! ;)

Förster
16.11.2002, 23:17
@ carlo

das mit den überziehungskrediten such ich auch noch mal. wird aber länger als nen tag dauern! meinste amis bezahlen innerhalb der fristen? :p

carlo
16.11.2002, 23:49
@ ralph,

danke, soeben editiert! :)



@ dolby

naja, da geht das Durcheinander los, es gibt soviele verschiedene Kreditmöglichkeiten, daß die manche Amis wahrscheinlich selbst nicht mehr durchsehen... :D , aber so ein Michael douglas zahlt wohl pünktlich, denke ich... ;)

germanasti
17.11.2002, 08:52
Carlo:

In BRD kannste Kreditkarten bis zu einem vorab festgelegten Limit genauso überziehen wie bei der EC-Karte :)

germanasti
17.11.2002, 09:07
Warum lobt ihr so sehr die Zinspolitik der FED und ignoriert das Derivatebubble völlig?

Förster
17.11.2002, 10:43
http://www.welt.de/daten/2002/10/06/1006fi360517.htx

..............

WamS: Wenn der Krach, den Sie für 1987 sechs Monate im Voraus prognostiziert haben, ein Crash war, wie nennen Sie dann das, was wir jetzt erleben?

Leuschel: Der 87er-Kollaps war wohl eher ein Mini-Crash. Damals sind 500 oder 600 Milliarden Dollar vernichtet worden. Seit März 2000 reden wir über 12 Billionen Dollar weltweit. Das ist mehr als das jährliche Bruttosozialprodukt der USA. Ich glaube kaum, dass eine Kapitalvernichtung dieser Größenordnung ohne wirtschaftliche Konsequenzen bleibt.

WamS: Die sehen wir ja bereits.

Leuschel: Wir schon. Die Amerikaner aber nicht. Die konsumieren fröhlich weiter auf Pump, als hätte es nie eine Börsenkrise gegeben. Und der Konsument ist der letzte Strohhalm, an den sich die Optimisten klammern. Bricht der Konsum ein, dann bekommen die USA ernste Probleme mit ihrem Leistungsbilanzdefizit. Und das liegt schon jetzt bei fünf Prozent ihres Bruttoinlandprodukts.

WamS: Und die Folgen?

Leuschel: Das Schlimmste, was uns passieren kann, ist, wenn die Amis zur Normalität zurückkehren und aufhören, über ihre Verhältnisse zu leben. Wenn sie einen Teil ihres Einkommens zur Kapitalbildung verwenden und damit ihre Sparquote erhöhen. Dieser Anteil geht ja dann dem Konsum verloren, und dann fällt das ganze Kartenhaus in sich zusammen.

WamS: Passiert das zwangsläufig?

Leuschel: Der Konsum wird einbrechen. Spätestens, wenn die Amerikaner entdecken, dass die Pensionsfonds, die bis zu 40 Prozent ihrer Einlagen in Aktien halten, die Renten nicht mehr zahlen können. Und wenn die Amis das erkennen, werden sie auch ihren Notenbankchef Alan Greenspan in die Wüste schicken. Der ist nämlich an dem Dilemma schuld.

WamS: Obwohl ihn Königin Elizabeth II. gerade erst "wegen seines außergewöhnlichen Beitrags zu weltweiter Stabilität" zum Ritter geschlagen hat?

Leuschel: Greenspan genießt in der Tat nach wie vor ein hohes Ansehen. Doch das wird sich ändern. Der Mann hat bereits 1996 einen Hinweis von seinem damaligen Kollegen Lawrence Lindsey bekommen, dass wir es mit einer Aktienblase zu tun hätten. Lindsey, heute Wirtschaftsberater bei Präsident Bush, hat Greenspan das Szenario einer Weltwirtschaftskrise wie in den 30er-Jahren ausgemalt. Greenspan hat gesagt: "Ich erkenne, dass wir ein Bubble-Problem haben. Dagegen unternommen hat er nichts - im Gegenteil: Er hat durch expansive Geldpolitik und euphorische Reden zur New Economy sogar noch Öl ins Feuer gegossen.

WamS: Gesetzt den Fall, Sie behalten Recht und der Dow fällt auf 4500 Punkte. Was dann?

Leuschel: Wir müssen uns meiner Meinung nach auf eine zehn- bis zwölfjährige Seitwärtsbewegung einrichten. Etwas Ähnliches hatten wir vor gar nicht langer Zeit schon einmal: Von 1968 bis 1982 war an der Börse praktisch nur mit Trading Geld zu verdienen. Am Ende der Zeit haben wir in unserer Bank keine Analysten, sondern Priester und Psychologen gesucht.

.............


------------

zu leuschel kann man viele meinungen haben, aber recht hat er mit seinen aussagen.
verschuldung ist der grösste fehler den man machen kann.

lasst euch das von uns schwaben ruhig sagen :p

über den verhältnissen zu leben mag cool und gut für die wirtschaft sein, nur rächt sich das früher oder später ;)
:sss

carlo
17.11.2002, 16:59
Original erstellt von germanasti
Carlo:

In BRD kannste Kreditkarten bis zu einem vorab festgelegten Limit genauso überziehen wie bei der EC-Karte :)
Germa, da reden wir aneinander vorbei.

In Deutschland besitzen die Mehrheit eine Kreditkarte, die von der kontoführenden Bank
herausgegeben wird. Das bedeutet in der Praxis, daß bei Unterdeckung des Verrechnungskontos die Karte zum weiteren Einsatz von der Bank gesperrt werden kann, und sie ist zusätzlich nur bis zu einem bestimmten Betrag einsetzbar. Dieses Verfahren wenden zum Beispiel VISA und Mastercard gerne an, weil es eine zusätzliche Sicherheit für die Bank bedeutet und das Bankrisiko minimiert.

American Express und DIners Club dagegen sind unlimitierte Karten, die direkt von den Kartenorganisationen herausgegeben werden. Du kannst theoretisch am Monatsanfang einen Porsche per Karte kaufen gehen, 3 Wochen fahren, dann möglichst zum gleichen Preis weiterverkaufen und das Geld zum Fälligkeitstermin am Monatsende ganz schnell auf Dein angegebenes Verrechnungskonto einzahlen.
Im Moment des Kaufes erfolgt lediglich eine Überprüfung der Karte (ob ev. gestohlen oder gefälscht), bei den erst genannten Karten wird bei dieser Summe der Kontostand Deines Verrechnungskontos online abgefragt, und wenn da nicht der Betrag in Höhe des Kaufpreises draufliegt, kannst Du Dir den Autokauf aus dem Sinn schlagen.

So,
und nun kommt das Perverse mit den 16% Zins.
Amex bietet dem Kunden vonvornherein an, die im Laufe eines Monats getätigten Einkäufe am Monatsende nicht vollständig bezahlen zu müssen!
Ein Beispiel:
Du kaufst für 500,- Dollar im Monat auf Kreditkarte ein. Nun sagt Amex zu Dir: Wie wäre es, wenn Du nur 350,- begleichst und Du die restlichen 150,- über 6 Monate abstotterst???
Der "schlaue" US-boy rechnet schnell durch und stellt fest, daß er für die 150 Dollar in 6 Monaten nur 12 Dollar an Zinsen (das währen die 16% eff. Jahreszins) drauflegen muß und sagt "YES!"

Das ist für viele verlockend, sozusagen "shop more, pay less" - und das ganze wiederholt sich jeden Monat. Wenn Du jetzt noch bedenkst, daß der Durchschnittsamerikaner etwa 11 Kreditkarten hält und beispielsweise 4 davon diese Möglichkeit anbieten, läßt sich der enorme Verschuldungsgrad und der verlorene Durchblick über die Finanzen schon leichter erklären... ;)

carlo
17.11.2002, 17:10
Original erstellt von germanasti
Warum lobt ihr so sehr die Zinspolitik der FED und ignoriert das Derivatebubble völlig?
Weil es inzwischen nachrangig ist.

Förster
17.11.2002, 17:46
:hihi

carlo
20.11.2002, 23:47
Schröders Antiamerikanismus - Fehler mit Spätfolgen?

21.11.02


Stimmung gegen Deutschland

ZÜRICH, 20. November. An den Finanzmärkten braut sich etwas zusammen: Stimmung gegen Deutschland, was die Renten- und Devisenhändler zu spüren bekommen. Die "Stimmungsmache" komme - so wird gesagt - von der Wall Street. Amerikanische Finanzhäuser würden "negative Nachrichten über den deutschen Bankenmarkt" verbreiten, voran pessimistische Äußerungen der Rating-Agentur Moodys über den Allianz-Konzern. Moodys hatten am Dienstag abend ihren Ausblick für die Bewertung der Allianz-Gruppe "von stabil auf negativ" geändert. Am Mittwoch hat der Konzern einen "großen Schluck aus der Pulle" - Emissionsprogramm von 2 Milliarden Euro - in Eurowährung und in Doller angekündigt. Begeisterung hat das nicht am Markt ausgelöst.

Der Aufwärtstrend des Euro gegen Dollar wurde zur Wochenmitte gestoppt. Dies wird wiederum auch auf negative Äußerungen des EU-Währungskommissars Pedro Solbes gegenüber Deutschland zurückgeführt. "Es ist gefährlich, wenn ein großes Land wie Deutschland gegen die Regeln des Stabilitätspakts verstößt." Natürlich ist dies - wie in der Schweiz vermerkt wird - Wasser auf die Mühlen der amerikanischen Kritiker gegenüber der deutschen Politik. Schließlich hat sich auch der amerikanische Notenbankchef Alan Greenspan am Dienstag abend auf Deutschland "eingeschossen". Er ritt in Washington eine Attacke gegenüber "den strukturellen Verkrustungen in Europa", wobei er wohl hauptsächlich Deutschland meinte. Greenspan verwies seinerseits auf die Kritik des Internationalen Währungsfonds gegenüber Berlin. Am Finanzplatz Schweiz glaubt man nicht an Zufälle. Es sei offensichtlich eine "konzertierte Aktion" der Amerikaner gegenüber der Regierung Schröder im Busche, den aufmüpfigen Deutschen im Irak-Konflikt zu zeigen, wo die Musik am internationalen Finanzmarkt spiele.

Große Hoffnungen machen sich die Bondshändler jetzt nicht mehr auf ein gutes Jahresultimo-Geschäft in Anleihen. Das private Publikum - aber auch die Versicherungs-, Pensions- und Investmentfonds - würde nur zögerlich in Erwartung der Silvesterkupons internationale Anleihen vorkaufen. Das Angebot an Neuemissionen in Dollar- und Euro-Währung ist Ende November recht bescheiden. Es fehlt an zugkräftigen vertrauenswürdigen Schuldner-Adressen.

Zur Zurückhaltung trägt auch der plötzliche Meinungsumschwung am Devisenmarkt gegenüber dem Euro bei. Hatte man bisher damit gerechnet, daß die Europäische Zentralbank am 5. Dezember ihren Leitzins kräftig um 0,5 Prozent auf 2,75 Prozent senken würde, um näher an den extrem niedrigen Dollar-Notenbankzins von 1,25 Prozent heranzurücken, so glaubt man jetzt, daß angesichts hoher Inflationsraten im Euroraum und der Stimmung gegenüber Deutschland "allerhöchstens noch mit einer Zinssenkung um 0,25 Prozent" zu rechnen sei. Die Schweizer sorgen sich ihrerseits über anhaltende Zuflüsse von Auslandsgeld. Nach neuesten Umfragen wird mit einer weiteren Senkung des Leitzinsbandes der Nationalbank um ein viertel Prozent gerechnet. Der Drei-Monats-Frankensatz der Banken würde dann bis auf 0,5 Prozent, vielleicht sogar bis auf 0,25 Prozent ermäßigt werden. Das wäre schon "japanisches Zinsniveau".

Hochkonjunktur haben lediglich die "Euro-Exoten", worunter man am Markt jene Ostländer versteht, die in die Europäische Union 2004 aufgenommen werden sollen. Die Tagesspekulation konzentriert sich vor allem auf Anleihen in ungarischen Forint, in polnischen Zloty und Tschechen-Kronen. Die Ungarn beklagen einen so starken Zufluß von Auslandsgeld, daß sie inflationäre Folgen fürchten. Der Notenbankzins liegt jetzt bei 8 Prozent. Für Forint-Staatsanleihen auf drei Jahre ist die Rendite auf 7,17 Prozent zurückgegangen. Es sind hauptsächlich Spekulanten, welche jetzt in "Beitritts-Währungen" einsteigen. Sie rechnen damit, daß die Wechselkurse gegen Euro noch eine Zeitlang weiter steigen könnten. Der Weg ins Zinsparadies Euro der Osteuropäer ist mit "heißem Geld gepflastert", das ist keine ungefährliche Entwicklung.

Für einige Verwirrung hat ein Angebot der Hamburger Sparkasse bei privaten Anlegern ausgelöst. Die Kasse hat eine Anleihe in Euro zu 7 Prozent, aber nur auf ein Jahr, aufgelegt. Am Geldmarkt sind die Eurozinsen auf zwölf Monate natürlich viel niedriger. Des Rätsels Lösung: Die Sparkasse geht wohl davon aus, daß die Zeichner der Anleihe nach Fälligkeit das Geld in Investmentfonds anlegen. Die Anleihe wäre demnach eine originelle verkaufsfördernde Aktion, um Fondsanteile abzusetzen.

aus: www.faz.net

carlo
24.11.2002, 13:29
Mit dem Rücken zum Freund

Die deutsch-amerikanische Fassade ist leidlich getüncht. Das Verhältnis bleibt beschädigt. Des Kanzlers Dilemma: Wie die USA im Irak-Krieg militärisch unterstützen - ohne dass es so aussieht?

von Nikolaus Blome und Andreas Middel

Joschka Fischer staunte nicht schlecht. Beim Festempfang auf der Prager Burg, eigentlich den Staats- und Regierungschefs der Nato-Mitgliedsländer vorbehalten, stand plötzlich Friedbert Pflüger vor ihm. Mehr noch: Der außenpolitische Sprecher der CDU-CSU-Bundestagsfraktion, als Teilnehmer einer Konferenz des Aspen-Instituts ebenfalls geladen, gratuliert dem grünen Außenminister: für den ?ersten Schritt zur Kehrtwende in der Irak-Politik?. Als Fischer, sichtbar mürrisch, grummelt, von einer Kehrtwende könne keine Rede sein, entgegnet ihm Pflüger, dass er sich doch nicht zu schämen brauche: ?Sie sind zwar umgefallen ? aber immerhin zur richtigen Seite.?

Tatsächlich hatten es die Deutschen beim Prager Nato-Gipfel nicht leicht: Einerseits galt es, wenigstens die ramponierte Fassade des deutsch-amerikanischen Verhältnisses wieder zu reparieren ? eine möglichst freundliche Geste von Bush musste her. Andererseits war unbedingt der Eindruck zu vermeiden, der Kanzler fiele vor den Amerikanern um und beginne etwa, seine Wahlkampfposition in Sachen Irak-Krieg zu räumen. Doch der ?herzliche? Händedruck Bush?Schröder löst des Kanzlers Dilemma nicht auf ? im Gegenteil: Weil das Verhältnis nach Ansicht der meisten deutschen wie amerikanischen Beobachter weiter tief im Argen liegt, muss Gerhard Schröder jetzt erst recht zweierlei unter einen Hut bringen: nicht an einem Irak-Krieg militärisch teilzunehmen, weil sonst ein eklatanter Wort- und ein potenzieller Koalitionsbruch einträte ? trotzdem aber bei einem Einsatz der Amerikaner auch militärisch nicht so weit abseits zu stehen, dass der nun immerhin erreichte Grad offizieller Freundlichkeit gleich wieder in Gefahr gerät.

Bei dieser Gratwanderung wird es vor allem auf eines ankommen: auf passgenaue Formulierungen und gezielt gesetzte Gesten der Rot-Grünen. Am Freitag, noch beim Prager Nato-Gipfel, fing der Kanzler schon an. Nicht oft in den vergangenen Wochen hat sich Gerhard Schröder so locker gegeben wie jetzt zum Abschluss des Treffens in der tschechischen Hauptstadt. ?Wir waren nie die Aussätzigen, und wir sind nicht die Aussätzigen?, ergänzte Außenminister Joschka Fischer. ?Entspannung geglückt?, hieß die Botschaft.

Doch das dürfte nur ein Teil der Wahrheit sein. Denn hochrangige Mitglieder der deutschen Delegation schildern ihr Prag-Erlebnis etwas anders: Das Treffen habe dem ?Fortgang der Entgiftung? im deutsch-amerikanischen Verhältnis gedient. Das spricht nicht dafür, dass zwischen Washington und Berlin schon alles im Reinen ist. Im Gegenteil: Man habe sich durchaus als Paria in Prag gefühlt ? ?wie ein Aussätziger?, berichtet einer aus der deutschen Delegation. Während ein Großteil der Allianz-Partner sich bei den vertraulichen Gesprächen vor US-Präsident Bush mit ?markigen Sprüchen zum Irak? profilierten, hätten sich einzig Deutschland, Frankreich und Luxemburg zurückhaltend geäußert. So etwas macht einsam.

In Kreisen der US-Delegation machte eine ähnliche Einschätzung die Runde: Auch Washington sei an einer ?geregelten Arbeitsbeziehung? zu Deutschland gelegen, hieß es. Aber das persönliche Verhältnis Bush?Schröder sei wohl in Jahren nicht zu heilen ? vor allem wegen des Hitler-Vergleiches der ehemaligen Justizministerin Herta Däubler-Gmelin. Im Ergebnis sei der deutsche Einfluss auf die Regierung Bush stark gesunken. Deutschland gelte als politisch nicht mehr so berechenbar wie früher ? und wirtschaftlich noch dazu als schwer angeschlagen. Dem Kanzler dürfte dennoch die TV-taugliche Herzlichkeit mit dem US-Präsidenten erst einmal genügen. Mehr Sorgen dürfte Teil zwei der Gratwanderung machen: Den durchaus militärischen Anfragen der Amerikaner gerecht zu werden, ohne dass es nach einer deutschen Beteiligung an einem Irak-Krieg aussieht.

Der Kanzler bestritt in Prag nicht, dass die Amerikaner Interesse an Bundeswehreinheiten angemeldet haben, die im Kampf gegen biologische und chemische Waffen (ABC-Einheiten) eingesetzt werden können ? wenn auch erst nach einem Militäreinsatz gegen den Irak. Im Auge haben die Amerikaner dabei etwa die Spürpanzer Fuchs, die schon in Kuwait stehen. Der Kanzler sagte: ?Diese Ausrüstung sei ?im Rahmen von ,Enduring Freedom? dort, erfüllt in diesem Rahmen ihre Aufgabe und genau dabei bleibt es.?

Die Opposition wittert dahinter einen Trick, wie CSU-Landesgruppenchef Michael Glos sagt: ?Die Spatzen pfeifen von den Dächern, dass die Fuchs-Spürpanzer dort bleiben, dass die Mannschaften verstärkt werden und diese Einheit einsatzfähig gemacht wird.? Glos beruft sich auf Berliner Sicherheitskreise, in denen Hinweise gestreut werden.

Und tatsächlich lässt sich eine Brücke zwischen dem vom Bundestag genehmigten Anti-Terror-Einsatz ?Enduring Freedom? und einem militärischen Irak-Beitrag konstruieren: Die meisten Sicherheitsexperten gehen davon aus, dass bei einem Militäreinsatz gegen den Irak die Gefahr von Anschlägen sprunghaft steigt ? auch wenn der Irak keine nachweisbaren Verbindungen zu Osama Bin Laden unterhält. Trotzdem ließe sich mit einer ?neuen Bedrohungslage?, die vermutlich auch von den Geheimdiensten bestätigt würde, zur Not ein Aufstocken der Bundeswehrkräfte in der Golfregion politisch vertreten.

Der SPD-Außenpolitiker Hans-Ulrich Klose denkt bereits in diese Richtung: Die deutschen Spürpanzer seien zwar zum Kampf gegen den internationalen Terrorismus und nicht für einen Kriegseinsatz in Kuwait stationiert worden. Aber: ?In einer Notsituation werden die Soldaten helfen ? ob nun Kuwaitis betroffen sind oder Soldaten anderer Nationalität?, sagte Klose zur WELT. ?Das kann gar nicht anders sein.? Das Gleiche gelte für die am Horn von Afrika stationierten deutschen Marineschiffe. Wenn ein US-amerikanisches Kriegsschiff von Terroristen angegriffen werde, würden sie zum Schutz eingesetzt. Die Unterstützung der Union wäre dem Kanzler bei einem solchen Zug sicher. Heikel wird es eher im eigenen, rot-grünen Lager. Aber: Das ?Enduring Freedom?-Mandat ist gerade um ein Jahr verlängert worden. Die Regierung hat freie Hand, weil eine Aufstockung der bewilligten Zahl der Soldaten allemal möglich wäre.

Dagegen sind die übrigen Wünsche der Amerikaner innenpolitisch relativ harmlos. Auf ihrer Liste konkreter Anfragen stehen die Überflugrechte bei einem möglichen Truppenaufmarsch im Golf. SPD-Außenexperte Klose dazu: ?Die logistische Unterstützung ist vertraglich klar geregelt. Länder, in denen andere Truppen stehen, müssen logistisch unterstützen, damit diese ihre Aufgaben erfüllen. Es ist eine Selbstverständlichkeit, dass dies für die Standorte der Amerikaner in Deutschland gilt ? etwa mit Blick auf Überflugrechte und die Häfen.? Ebenso unstrittig sein dürfte wohl ein verschärfter Schutz für US-Militäreinrichtungen, die im Falle eines Irak-Krieges noch stärker von Anschlägen bedroht wären. Zudem würden die Amerikaner wohl Bremerhaven als Verladepunkt für schweres Gerät nutzen wollen, das in Deutschland stationiert ist. Das könnte eher Probleme machen, weil deutsche Sicherheitskräfte die Zufahrt und den Hafen selbst schützen müssten ? und womöglich auch um Geleitschutz auf hoher See gebeten werden. Dann würde sich alles um die Frage drehen, wann und wo die Grenze zum regelrechten ?Irak-Einsatz? überschritten wird, den der Kanzler ja vehement ausschließt: schon auf dem Atlantik, im Mittelmeer oder erst im Persischen Golf, vor der Küste des Irak?

aus www.welt.de 23.11.2002

carlo
24.11.2002, 13:52
Kleiner Nachtrag von mir:

Habt Ihr gesehen,
wie Schröder sich auf dem gemeinsamen Pressefoto von Prag gab?

Hinterste Reihe, obwohl klein von Wuchs (jeder Fotograf postiert bei einem Gruppenfoto kleine Leute nach vorn, die großen nach hinten),
die Hände stramm an der Hosennaht wie ein Soldat, der Befehle empfängt und ein extrem verunsicherter Gesichtsausdruck, unsicheres Blinzeln, Lächeln nicht möglich.
Dann die Erlösung, als Bush ihm die Hand reicht.
Plötzlicher Rückfall in die Medienkanzler-Rolle, breites Grinsen, gespielte Vertraulichkeit - Bilder des deutschen Bundeskanzlers 2002... :(

carlo
01.12.2002, 10:53
Schröders Irak-Hypothek


Donald Rumsfeld hatte sich seine Meinung zum deutschen Beitrag im Falle eines Irak-Kriegs schon gebildet, ehe die Bundesregierung die Details gestern publik machte: "Zu denken, die Situation sei mit irgendetwas in Zusammenhang mit Irak zu korrigieren - das geht nicht", sagte der US-Verteidigungsminister am Dienstag in Washington mit Blick auf die belasteten deutsch-amerikanischen Beziehungen.

Mit wenigen Worten bereitete der Kanzler am Mittwoch in Berlin dem Verwirrspiel ein Ende. Die Bundesregierung, sagte Schröder, werde den USA im Falle eines Irakkrieges die Nutzung des deutschen Luftraumes und der Basen hierzulande gestatten. Zudem werde Berlin angefragte "Patriot"-Flugabwehrraketen und "Fuchs"-Spürpanzer nach Israel entsenden.

Dann zog der Sozialdemokrat die rote Linie:
"Wir haben nicht vor, über das Gesagte hinaus Mittel zur Verfügung zu stellen, schon gar kein Personal." Mit anderen Worten, Rot-Grün bietet in der Irak-Krise nur das an, wozu Deutschland Amerika als Bündnispartner juristisch und Israel moralisch vor dem Hintergrund der Geschichte gegenüber verpflichtet ist.

Der zeitversetzte Dialog zwischen Washington und Berlin zeigt schon jetzt: Das rot-grün regierte Deutschland gehört zu den Verlierer der Irak-Krise, egal, mob der Konflikt auf diplomatischem Weg gelöst wird oder im offenen Krieg mündet. Denn Schröders Wahlkampfbotschaft, derzufolge ein von ihm regiertes Deutschland die Teilnahme an jedem militärischen Vorgehen gegen Bagdad verweigern würde, hat die Bundesrepublik als Akteur in dem Konflikt dauerhaft ins Abseits gestellt. Die wahltaktisch erfolgreiche, aber verantwortungslose Politik ist eine gfährliche Hypothek für die zweite Amtszeit des Bundeskanzlers.

....zum Weiterlesen: www.ftd.de 28.11.02

carlo
29.12.2002, 14:59
Nun ist es bald soweit, unsere rot-grünen Totalverweigerer kippen um...:


Irak-Krieg: Deutschland könnte zustimmen, will aber nicht teilnehmen

Außenminister Fischer: Das deutsche Votum im Sicherheitsrat kann niemand vorhersagen. Spiegel hält Militärschlag unter gewissen Bedingungen für gerechtfertigt.

Berlin - Außenminister Joschka Fischer (Grüne) hat eine deutsche Zustimmung im UN-Sicherheitsrat zu einem Irak-Krieg nicht grundsätzlich ausgeschlossen. Im Nachrichtenmagazin ?Der Spiegel? betonte er aber erneut: ?Fest steht, dass wir uns militärisch an einer Intervention nicht beteiligen.?

Fischer sagte, niemand könne das deutsche Votum im Sicherheitsrat vorhersagen, ?da keiner weiß, wie und unter welchen Begleitumständen der Sicherheitsrat sich hiermit befassen wird?. Die Bundesregierung werde keine Soldaten zum Kämpfen in einen Konflikt schicken, ?von dessen Notwendigkeit als letztem Mittel sie nicht zu hundert Prozent überzeugt ist?.

Die Bundesrepublik wird ab Januar für zwei Jahre eines der zehn nicht ständigen Mitglieder im UN-Sicherheitsrat. Im Februar übernimmt Deutschland für einen Monat den Vorsitz. Ständige Mitglieder sind die USA, Russland, China, Großbritannien und Frankreich. ?Die entscheidenden Spieler sind nicht wir, sondern die fünf ständigen Mitglieder, die über Vetorecht verfügen?, sagte Fischer. Der Vorsitz in dem Gremium habe eher vermittelnde und organisatorische Funktion.

Der Vorsitzende des Zentralrats der Juden in Deutschland, Paul Spiegel, machte unterdessen klar, dass er einen Militärschlag gegen den Irak unter gewissen Bedingungen für gerechtfertigt hält. Er sagte der ?Bild am Sonntag? mit Blick auf die Haltung der Bundesregierung: ?Man kann sich nicht von vorne herein gegen jeden Krieg aussprechen.? Auch er hoffe, dass es nicht zu einer militärischen Auseinandersetzung komme. Spiegel betonte aber:?Manchmal lassen sich Kriege nicht vermeiden, wenn man mörderisches Treiben skrupelloser Diktatoren verhindern muss.?

Der Vorsitzende der FDP-Bundestagsfraktion, Wolfgang Gerhardt, warf Rot-Grün vor, in der Diskussion um einen Militärschlag gegen den Irak ein doppeltes Spiel zu spielen. ?Die Bundesregierung schürt auf dieser Seite des Atlantiks Anti-Amerikanismus und beschwichtigt auf der anderen Seite die amerikanischen Freunde und Partner?, sagte er
der ?Welt am Sonntag?. dpa


Artikel erschienen am 28. Dez 2002
www.welt.de

carlo
30.12.2002, 13:50
Etwas Denkstoff für die Befürworter der Abkopplung Deutschlands von Amerika:


Aus der FTD vom 30.12.2002

Konjunktur: Zartes Pflänzchen im Krieg

...

"Nächstes Jahr geht?s endlich aufwärts."

Die Hoffnung wird von einer einsamen Zahl genährt: 2,1. Um diesen Punktwert erhöhte sich die so genannte Erwartungskomponente des Ifo-Index zum Geschäftsklima. Erstmals seit Mai hatten sich die westdeutschen Unternehmen im Dezember wieder positiver über ihre Zukunft geäußert.

Bei so viel Jubel konnte auch Unternehmensberater Roland Berger nicht anders, als zu entdecken, dass "die Anzeichen für einen Aufschwung nicht mehr zu übersehen" sind.

Doch ob sich die deutsche Wirtschaft tatsächlich den Vorstellungen von "Bild" und Berger entsprechend entwickelt, ist zweifelhaft. Für viele Experten kommen die optimistischen Kommentare verfrüht. "Während die Wahrscheinlichkeit für einen Rückfall der US-Wirtschaft in die Rezession sinkt, wird es für Deutschland immer schwieriger, einem solchen Schicksal zu entkommen", sagt Helga Bartsch, Volkswirtin bei der Investmentbank Morgan Stanley.

Trendwende schwer zu erkennen

Die Geschäftslage ist beständig mies, abgesehen von der Erwartungskomponente ist der Ifo-Index weiter abgerutscht. Und aus der frischen Zuversicht der deutschen Unternehmer lässt sich schwerlich eine Trendwende ablesen. Zwar entspräche dies einem aus früheren Aufschwungphasen bekannten Muster: Zuerst steigen nur die Geschäftserwartungen, nach einigen Monaten geht es mit der Konjunktur aufwärts.

Allerdings: Ein einzelner positiver Ifo-Wert reicht als Indikator für die Erholung kaum aus, warnen Volkswirte: "Dazu müsste es mit den Geschäftserwartungen noch zwei weitere Monate aufwärts gehen", sagt. Andreas Scheuerle von der Deka-Bank.

Und gerade das ist alles andere als sicher. Ein Wort könnte genügen, um die frohen Erwartungen der deutschen Geschäftsleute zunichte zu machen: Krieg.

Ein Angriff der Amerikaner auf Irak wird immer wahrscheinlicher, doch besonders der deutsche Mittelstand ist kaum darauf eingestellt. "Ich glaube nicht, dass die deutschen Unternehmen schon alle fest mit dem Irak-Krieg rechnen", sagt Deutsche-Bank-Analyst Stefan Bielmeier.

Dabei mehren sich üble Anzeichen: Schon jetzt verteuert der Irak-Konflikt das Öl. In den vergangenen Tagen sprang der Rohölpreis auf den höchsten Stand seit dem Terror-September von 2001. "Das entzieht den Bürgern Kaufkraft und schwächt den Konsum", so Deutsche-Bank-Chefvolkswirt Norbert Walter.

Nach einer Faustregel des Internationalen Währungsfonds senkt ein um 10 $ höherer Ölpreis das Wirtschaftswachstum im folgenden Jahr um einen Viertelprozentpunkt. Derzeit liegt der Ölpreis mit über 30 $ pro Barrel bereits um rund 13 $ über seinem Jahrestiefststand. Und das könnte nur der Anfang sein. Experten rechnen bei einer ungünstigen Entwicklung am Golf mit Preisen von bis zu 70 $ - was die Wirtschaft förmlich zusammenschnurren lassen würde.

Nicht nur über den Ölpreis bedroht der Krieg die Konjunktur. Zusätzlich könnten die jüngsten Wechselkursbewegungen dazu beitragen, dass Deutschland zurück in die Rezession kippt.

Je näher der Irak-Krieg rückt, desto mehr verabschieden sich die Investoren aus dem Dollar. Sie fürchten, dass den USA nichts bliebe, als wegen der Kosten des Krieges ihren Schuldenberg kräftig aufzuhäufen. Für eine Irak-Invasion müsste der amerikanische Fiskus mindestens 100 Mrd. $ aufbringen. So könnten das Staats- und Leistungsbilanzdefizit weiter aufreißen, Amerika würde noch abhängiger von ausländischem Kapital - und das Vertrauen in die US-Wirtschaft schmelzen lassen.

Allein seit Mitte Oktober hat der Greenback rund acht Prozent seines Wertes gegenüber dem Euro verloren, seit Januar summiert sich der Verlust auf fast 20 Prozent. Weil gleichzeitig die japanische Wirtschaft immer tiefer in der Krise versackt, wertet auch der Yen beständig gegenüber dem Euro ab - seit dem Spätsommer um fast zehn Prozent. Die Deutsche Bank hält im neuen Jahr eine weitere Abwertung von fast 20 Prozent für möglich.

Dollar-Verfall schwächt Exporte

Ein massiver Dollar-Verfall würde die deutschen Exporte abwürgen. Zwar haben sich viele Unternehmen durch Kostensenkungen, Produktinnovationen und Wechselkursgeschäfte in den vergangenen Jahren für den Weltmarkt fit gemacht, doch eine Verschlechterung der Wettbewerbsfähigkeit um fast 20 Prozent in wenigen Monaten ist nicht ohne weiteres auszugleichen. "Wenn der Euro weiter aufwertet, wird das die Gewinnmargen in Deutschlands wichtigem Exportsektor unter Druck setzen", warnt David Owen von der Investmentbank Dresdner Kleinwort Wasserstein (DKW).

Das ist für Deutschland umso bedrohlicher, als die Wirtschaft vom Außenhandel viel stärker abhängt als früher. Nach Berechnungen der DKW ist der Anteil der Exporte am Deutschen Bruttoinlandsprodukt (BIP) in den vergangenen fünf Jahren von 25 Prozent auf 36,5 Prozent gestiegen. Kein anderes großes Land der Euro-Zone ist derart auf den Export angewiesen.

"Dabei haben besonders die Ausfuhren in Länder außerhalb der Euro-Zone zugelegt", so Owen. Seit Anfang der 90er Jahre nahm ihr Anteil an der deutschen Wirtschaftsleistung von 12,5 Prozent auf heute fast 22 Prozent zu. Das macht Deutschland verwundbar für Wechselkursbewegungen.

Fällt der Exportmotor aber aus, wird auch unwahrscheinlich, dass sich die seit acht Quartalen rückläufigen Investitionen wieder erholen. Schon sagen einige Institute wie die Münchner HypoVereinsbank für das kommende Jahr einen neuerlichen Rückgang der Investitionen voraus.

Schwächelnde Exporte könnten außerdem kaum durch die Kauflust der Deutschen aufgefangen werden. Schon das zu Ende gehende Jahr zeichnete sich dadurch aus, dass die Verbraucher erstmals seit 1982 wieder weniger konsumierten als im Vorjahr. Einiges spricht dafür, dass sich dieser Trend 2003 fortsetzt. Zum 1. Januar steht der deutschen Wirtschaft ein enormer Steuer- und Abgabenschock bevor. Auf bis zu 14,6 Mrd. Euro oder 0,7 Prozent des BIP summieren sich nach Berechnungen von HSBC Trinkaus & Burckhardt die vom Jahresbeginn an wirksamen Belastungen für Unternehmen und Bürger. "Das verfügbare Einkommen wird sinken", so Stefan Bielmeier von der Deutschen Bank. "Das belastet den Konsum."

Trübe Konsumstimmung

Das träge Weihnachtsgeschäft 2002 hat dem Händlern nur einen bitteren Vorgeschmack gegeben: "Wenn die Deutschen die ersten Lohn- und Gehaltsabrechnungen des kommenden Jahres ausgehändigt bekommen und die tatsächlichen Einbußen auf Grund der gestiegenen Sozialversicherungsbeiträge erkennen, könnte die Konsumstimmung ihre Talfahrt fortsetzen", sagt Rolf Bürkl von der Nürnberger Gesellschaft für Konsumforschung, die im Auftrag der EU-Kommission monatlich das Verbrauchervertrauen in Deutschland erkundet - der entsprechende Index war im Dezember auf den tiefsten Stand seit neun Jahren gefallen.

Hoffnung machen sich die meisten Ökonomen deshalb bestenfalls darauf, dass es irgendwann in der zweiten Jahreshälfte 2003 wieder aufwärts geht - falls der Krieg in Irak abgewendet oder glimpflich zu Ende gebracht worden ist und sich die Stimmung der Verbraucher wieder etwas aufhellt.

Bis dahin aber sieht es laut Deutsche-Bank-Chefvolkswirt Walter für Deutschlands Wirtschaft düster aus. "Im ersten Quartal wird die Wirtschaft wieder schrumpfen", prognostiziert Walter. Für das Gesamtjahr sieht der Ökonom bestenfalls "eine schwarze Null" für das Wirtschaftswachstum - oder nur schwarz.

:rolleyes:

Ralph
08.01.2003, 20:07
Original erstellt von nasdaq10.000
RIVA:

Das US-Paradies ist es gewiss nicht, welches erreicht werden soll.

In der erster Linie zielt das Programm auf

- eine Verhinderung des Rückfalls zu rezessiven Tendenzen,

- die Stabilisierung bestehender positiver Trends,

- die Wahrung der Chance, die alten durchschnittlichen BIP-Raten (um die 3, 5 %) wieder regelmässig erreichen zu können.

Besser als g.'s unerträgliche Verherrlichung/Propagierung von Massen-Armut hier ist dies allemal.

Die Steigerung von Massen-Armut ist Massenelend.

Sinn allen Wirtschaftens ist das Erreichen von Wohlstandseffekten.



Lieber N10K

die Absichten die Bush mit seinem $670 Mrd. Paket verfolgt, sind primär auf den Aktienmarkt gerichtet (bessere Aktienkurse = bessere Stimmung = mehr Ausgaben = mehr Jobs), sekundär auf die Verbraucherausgaben und tertiär für die Arbeitslosen gedacht.

Dass Bush damit aber keine Wirtschaftstheorie und -praxis zelebriert, muss klar sein, denn dieses Paket ist NUR ein taktisches Vehikel (2004 ist Wahljahr), das aus ideologischen Gründen zum Einsatz kommt.

Zum Einsatz kommt ein FALSCHER ZEITPUNKT (Steuersenkung), zum FALSCHEN ZEITPUNKT, zum Wohle der FALSCHEN EMPFÄNGER!!!!!!

Das sollte jedem klar sein, der diese Aktion mit einem Hosanna begrüßt ....... genau wie Steuererhöhungen sind Steuersenkungen FALSCH!!!!

Im Kern dieses Paketes wird vor allem anhand der Reduzierung/Abschaffung der Dividendenbesteuerung klar, in welche grundsätzliche Richtung dieses Paket steuern soll! .... die Begeisterung für die Dividendentitel hat dies in den letzten Tagen klar deutlich gemacht.

Wie eingangs schon beschrieben, soll damit das Vertrauen in die Aktien und damit in eine werthaltigere Zukunft gestärkt werden. Mit all den positiven Effekten (auf dem Papier soviel nehme ich schon vorweg .... der MArkt wird dies aber nur kurzfristig zur kenntnis nehmen!!!))

Oben habe ich geschreiben, dass in 2004 Wahlen anstehen. Aus diesem Grund kommt das Paket auch jetzt ..... "ERST JETZT" muss man sagen, denn die Wirkung kann es in 2003 (da wird sie aber gebraucht) nicht mehr entfalten (falsche zeit, falscher Schritt) .... wenn man die Dividendenbesteuerung nimmt, dann können die meisten erst ab April 2004 profitieren (wenn überhaupt).

Ausserdem muss sich Bush mit den Demokraten abstimmen! .... diese werden -das ist bereits jetzt deutlich- nur mit sehr viel Entgegenkommen einen Teil des Programms "abzeichnen", denn auch bei den Demokraten herrscht Wahlkampf und Wahl in 2004.

Im Moment wird das Fell verteilt, obwohl der Bär (den es zu erlegen gilt) noch nicht mal gesichtet worden ist!!!!!

Darüber hinaus wird der Effekt aus den Dividenen überschätzt, denn viele Unternehmen sind gezwungen (anstatt Dividenden zu zahlen), gewaltige Schuldenberge abzutragen ....... man kann sich entscheiden, zahle ich eine Dividende und reduziere die Invstements und den Abbau der Verschuldung ==>> damit werden die dringend notwendigen Business-Investments weiter in die Zukunft verlagert!

Hinzukommt das Problem der einzelnen Bundesstaaten, die massivst verschuldet sind (dafür sind aber in Bush's Plan keine oder nur sehr sehr geringe Mittel vorgesehen! ....... (da agiert der Bund wie der Bund!!). Die Nichtbesteuerung von Dividenden hätten eine fatale und damit konterkarierende Wirkung auf die Zinsstruktur vor allem im Obligations- und Schuldverschreibungsbereich (steigende Zinsbelastungen für die Bundesstaaten wären/sind die Folge ==>> retardierende Wirkung auf das Wirschaftswachstum!!!)

Mit der angestrebten Dividendenregelung wird das langfristige Gewinnwachstum geschädigt, denn die Wirkung von Faktoren (die in den 90ern sehr stark zur Wirtschaftsentwicklung beigetragen haben, Firmenübernahmen, Aktienrückkäufe etc.) wird wegfallen, da es nicht mehr lohnenswert ist ..... die Nachfrage nach Aktien wird nachlassen! Das Angebot steigen, denn die Übernahmen werden ausbleiben bzw. längst nicht mehr so stark stattfinden, wie in den 90ern!

Von ausgewogen kann man auch nicht sprechen, bei diesem Paket! ..... wem nützen denn diese vorgeschlagenen Neuregelungen? ...... nicht dem Durchschnittsamerikaner! (ein weiteres Plus für die Demokraten, die das zu verhindern wissen!) ..... Über 60% des gesamten Dividendenaufkommens wurde von Steuerzahler aufgehäuft, die mehr als $100.000 verdienen. Man muss wissen, dass der Durchsschnittsamerikaner seine Aktien etc. bereits in Portfolios hat, die soweiso von der Teuer befreit sind. Das Ziel damit mehr Arbeitsplätze zu schaffen wird verfehlt ..... aber genau das ist es, was es zu vebessern gibt (wie in Deutschland).

Das Steuerpaket von Bush wird "Nebenwirkungen" haben, derer sich diese Administration (die aus reiner taktsicher und ideologischer Intention heraus agiert) in keinster Weise bewusst ist!!!! ...... leider!

carlo
10.01.2003, 00:50
Aus der FTD vom 10.1.2003

Leitartikel: Machtloses Deutschland

Je näher die Entscheidung über einen Irak-Krieg rückt, desto klarer wird, wie sehr sich Deutschland mit seiner prinzipiellen Ablehnung eines Militärschlags in die Sackgasse manövriert hat. Was im Wahlkampf innenpolitisch den Sieg brachte, entwickelt sich immer mehr zu einer großen außenpolitischen Niederlage.

Wie sich die Bundesregierung auch verhält - sie wird entweder ihre Verbündeten düpieren oder ihre Wähler verprellen und den Koalitionsbruch riskieren. Jüngstes Beispiel dafür, zu welchen Kapriolen dieser Zwiespalt führt: Die Bundesrepublik halte eine zweite Uno-Resolution vor einem Angriff auf Irak für wünschenswert, aber nicht für zwingend notwendig, sagte der deutsche Uno-Botschafter in New York, Gunter Pleuger. Im Klartext heißt dies, dass laut deutscher Lesart die USA auch ohne weitere Zustimmung im Sicherheitsrat Irak bombardieren dürfen. Einzige Bedingung wäre, dass das Regime in Bagdad gegen die Bestimmungen der im November verabschiedeten Uno-Resolution 1441 verstoßen haben muss.

Mit dieser Haltung scheint Berlin deutlich näher am Krieg zu sein als viele andere Sicherheitsratsmitglieder. Franzosen, Russen und Chinesen bestehen darauf, dass ohne neuen Uno-Beschluss keine Bomben auf Bagdad fallen sollen. Die Briten bevorzugen einen zweiten Beschluss zumindest. Ausgerechnet Deutschland steht in dieser Frage an der Seite der USA, die sich durch die erste Resolution bereits zum Militärschlag ermächtigt sehen.

Wollte Deutschland tatsächlich den möglichen Krieg verhindern, müsste die Bundesregierung jede Vermittlungschance nutzen. Berlin müsste darauf pochen, dass es ohne zweite Resolution keinen Krieg geben darf - und dann mit Nein stimmen, wenn eine Kriegsresolution im Rat vorliegt. Davon jedoch ist die Bundesregierung weit entfernt.

Das paradoxe Verhalten lässt nur einen Schluss zu: Deutschland versucht sein selbst verschuldetes Dilemma dadurch zu lösen, dass es gar keine Position mehr bezieht. Lieber sollen die Amerikaner auf eigene Faust gegen Irak losschlagen, als dass Deutschland die Hand für oder gegen den Krieg heben muss.

Selten hat ein großes europäisches Land den Sitz im Sicherheitsrat eingenommen und sich dann so um die damit verbundene Verantwortung gedrückt. Die Bundesregierung hat sich durch ihr ungeschicktes Manövrieren nicht nur international entmachtet und mundtot gemacht. Wie sich jetzt zeigt, widersprechen die Folgen dieser selbst verschuldeten Zwangslage geradewegs der eigentlichen Absicht, einen Krieg gegen Irak zu verhindern.

uwe
10.01.2003, 10:02
.

nasdaq10.000
11.01.2003, 23:05
ftd.de, Sa, 11.1.2003, 16:40
US-Börsenaufsicht erhält größten Etat ihrer Geschichte

US-Präsident George W. Bush will die US-Börsenaufsicht (SEC) durch eine Aufstockung ihrer Haushaltsmittel in bislang nicht da gewesener Höhe in ihrem Kampf gegen Unternehmenskriminalität unterstützen.

Nach den vielen Skandalen um falsche Bilanzen soll damit auch verloren gegangenes Vertrauen von Aktionären wiederhergestellt werden. Bush kündigte am Samstag in Washington an, in seinem Entwurf für den US-Bundeshaushalt des am 1. Oktober beginnenden Fiskaljahres 2004 sei eine Erhöhung des SEC-Etats auf 842 Mio. $ enthalten. Dies seien 73 Prozent mehr als im Jahr 2002 und damit dies höchste Aufstockung des Budgets in der Geschichte der Aufsichtsbehörde.

Sofern der Vorschlag vom Kongress genehmigt wird, wäre die SEC in der Lage, hunderte zusätzlicher Buchhalter, Anwälte und Prüfer einzustellen, um die 17.000 an US-Börsen notierten Unternehmen, 34.000 Portefeuilles von Investmentfonds, 8000 Brokerhäuser und rund 7500 Finanzberater zu überwachen.

Zusätzliche Gelder sieht der Entwurf Bush's zudem für das Justiz- und für das Arbeitsministerium vor, damit auch diese effektiver gegen Unternehmenskriminalität vorgehen können.

Bush nimmt seinen Gegnern den Wind aus den Segeln

Zudem versprach der Präsident, energisch dafür einzutreten, dass das Gesetz zur Unternehmensreform Geltung erlangt. Die von der Regierung eingesetzte Ermittlergruppe habe bislang in mehr als 50 Fällen Verurteilungen oder Schuldbekenntnisse erreicht. Mehr als 160 Beschuldigte seien wegen straf- oder zivilrechtlicher Vergehen belangt worden und 130 neue Ermittlungen wegen Unternehmensbetrug seien eingeleitet worden.

„Unser Land hat große Fortschritte bei der Wiederherstellung des Vertrauens der Investoren und der Überwindung der Rezession gemacht. Wir können aber nicht zufrieden sein, solange nicht jeder Übeltäter in Unternehmen gestellt, nicht jeder Teil der Wirtschaft stark ist und nicht jeder der arbeiten will, eine Stelle finden kann", sagte Bush.

Mit seinem Haushaltsvorschlag für die SEC könnte Bush der Kritik der demokratischen Partei den Wind aus den Segeln nehmen. Diese hatte ihm nach der Welle von US-Unternehmensskandalen, die 2001 mit dem Zusammenbruch des Energiehändlers Enron einen Höhepunkt hatte, ein zu lasches Vorgehen gegen derartigen Betrug vorgeworfen. Bush selbst und einige Mitglieder seiner Regierung hatten enge Verbindungen zu Enron und anderen Unternehmen, gegen die die US-Behörden ermittelten.

http://www.ftd.de/pw/in/1042119421293.html?nv=cptn
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Ähnliches sollte man für Deutschland fordern.

paule2
12.01.2003, 14:06
US-Börsenaufsicht erhält größten Etat ihrer Geschichte

Ein Schritt in die richtige Richtung, sofern man die SEC dann auch arbeiten läßt. Sie ist schließlich in den letzen Jahren zurückgestutzt worden.

Und wenn sie unabhängig arbeiten darf, dann stellt sich natürlich die Frage, ob das eher steigende oder fallende Kurse zur Folge haben wird.

Wenn dem lustigen Treiben von proforma, prohopsa und protrallala ein Ende bereitet wird, dürfte noch manchem Anleger bzgl. der Qualität seines Depots schwindlig werden.

:hihi

nasdaq10.000
12.01.2003, 16:21
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carlo
09.02.2003, 09:00
Die Distanz wächst

Deutschland hat (noch) ein Problem: Der politische Konflikt mit den Amerikanern droht auch auf die Wirtschaft überzugreifen

von Manfred Fischer und Ulrich Reitz

US-Eagle gegen Bundesadler: ?Beschädigte Freundschaft"


Je nach Naturell fällt das Urteil der Herren unterschiedlich drastisch aus: ?Vereinzelt kann es in den USA sicherlich zu negativen Folgen für deutsche Unternehmen kommen", sagt Siemens-Vorstandschef Heinrich von Pierer vorsichtig, wenn er nach den Auswirkungen der politischen Spannungen zwischen den USA und Deutschland auf die Wirtschaft gefragt wird. Boeing-Boss Phil Condit sieht in der gleichen Angelegenheit immerhin schon Handlungsbedarf: ?Die politischen Differenzen müssen sich nicht zwangsläufig negativ auswirken, aber wir müssen uns mit dieser Frage auseinander setzen", so Condit. Und Unternehmensberater Roland Berger wird sehr unmissverständlich: ?Die auftretenden Spannungen zwischen Deutschland und den USA sind für unsere Wirtschaft nicht gut." Schon jetzt seien diese, so Berger, ?bei vielen Unternehmen hautnah zu spüren."

Deutschland, neuerdings das alte Europa symbolisierend, hat ein Problem. Galt das Nein der Bundesregierung zum Irak-Krieg vor der Bundestagswahl noch als reine Wahlkampf-Folklore und die deutsch-amerikanische Manager-Freundschaft als intakt, hat sich die Stimmung heute geändert. Je näher der Krieg rückt, desto rauer wird der Ton der Politiker auf beiden Seiten des Atlantiks, desto größer wird auch die Kluft zwischen den Unternehmenslenkern. Die deutsch-amerikanische Freundschaft sei ?beschädigt durch das, was geschehen ist. Das kann man nicht ignorieren", sagt US-Botschafter Dan Coats in Berlin.

Ersten politisch bedingten Auftragsschwund wittert schon Robert Linke, Leiter der US-Niederlassung des Schneidemaschinen-Herstellers Treif (?Simply cutting better") aus Oberlahr in Rheinland-Pfalz: ?Treif ist ein Auftrag des Pentagons im Wert von 900.000 Dollar geplatzt", sagt er. Wer nicht schießen will, soll sich auch keine Scheibe vom Geschäft abschneiden, so die Logik des US-Verteidigungsministeriums.

?Die Situation hat sich für Deutschland verschärft", ist sich Jurist Steven Thal von der Kanzlei LeBoeuf, Lamb, Greene & MacRae sicher. Bisher laufe zwar alles hinter den Kulissen ab. ?Die Probleme werden nicht öffentlich diskutiert, um die Lage nicht noch weiter zu verschlechtern", sagt er.

Doch auch das, was in Hinterzimmern, sei es irrealen oder virtuellen, diskutiert wird, schlägt sich letzten Endes in Zahlen und an der Börse nieder. Für Wolfgang Reitzle, Chef des Wiesbadener Industriegase- und Gabelstaplerproduzenten Linde, ist der starke Kurssturz des Deutschen Aktienindex Dax auch durch den Verkauf durch ?amerikanischer Investoren und Pensionsfonds" verursacht worden. ?Die politischen Spannungen bekommt man immer stärker auch in der Wirtschaft zu spüren", räumt der Linde-Chef ein.

Und die Kriegsangst trägt ein Übriges dazu bei: ?Dramatische Auswirkungen" erwartet Josef Ackermann, Vorstandssprecher der Deutschen Bank, im Falle eines Irak-Kriegs. ?2003 wird nicht zuletzt deshalb ein sehr schwieriges Jahr." Der Knoten löse sich erst, ?wenn es zu einer kurzen und erfolgreichen Kriegshandlung kommt". Laufe der Konflikt aus dem Ruder und weite sich auch auf andere Länder aus, blühe Deutschland ?ganz sicher eine lang andauernde Rezession".

Dabei geht es für die deutsche Wirtschaft zwar nicht um Tod und Lebensgefahr, dennoch steht für die Wirtschaft einiges auf dem Spiel. Mit rund elf Milliarden Euro sind die USA nach Frankreich das zwei wichtigste Exportland für deutsche Unternehmen. Die wachsende US-Wirtschaft war zuletzt die einzige Lokomotive mit nennenswerter Zugkraft für die nahe an der Stagnation dahinschleichenden deutschen Volkswirtschaft. BMW und Porsche, zum Beispiel, verdanken ihr gutes Abschneiden zum großen Teil den Kunden in Amerika.

Auf die Produkte deutscher Spitzentechnik verzichten die Amerikaner gewiss nicht so ohne weiteres. Noch spüren die Autohändler jedenfalls nichts von politisch motivierter Verachtung und Kaufzurückhaltung. Auf Dauer aber ?strahlen Belastungen an der Spitze aus", vermutet Dierck Müller, Geschäftsführer der Amerikanischen Handelskammer in Deutschland. ?Es ist schwer", sagt er, ?direkt etwas festzustellen." Aber wenn die politische Stimmungskrise anhält, könnten es deutsche Unternehmen künftig schwerer haben, etwa die Genehmigung amerikanischer Behörden bei geplanten Übernahmen von US-Unternehmen zu erhalten. Vor allem aber kommt der US-Hader zur wirtschaftlichen Schwäche Deutschlands hinzu. ?Die Stimme Deutschlands bekommt weniger Gewicht in der Welt", fürchtet Müller.

Ohnehin überlagert die Irak-Debatte derzeit jedes andere wirtschaftliche Problem. Darin sieht Unternehmensberater Berger die größte Gefahr für die deutsche Wirtschaft: ?Der Konflikt überdeckt die nicht gelösten Reformaufgaben in Deutschland. Dabei haben die Hausaufgaben der Berliner
Regierung doch oberste Priorität."

Jedenfalls nach dem Krieg.

Mitarbeit: Michael Remke, Michael Schneider

Artikel erschienen am 2. Feb 2003
www.welt.de