chickenrun
06.11.2002, 03:11
Mein persoenlicher Beitrag zum Thema "Praktische Erfahrung mit der anderen Kultur"...
Indo Anekdoten
Guten Morgen.
Ich habe mir Gedanken gemacht (ich weiss, einige werden jetzt aufschreien…) und bin zu dem Schluss gekommen, dass ich Leid und Freud doch irgendwie mit jemandem teilen sollte. Die Notwendigkeit, andere in die kleinen und grossen Sorgen und Erlebnisse aus dem Leben eines “caucasian” (so nennt der gemeine Asiate die sogenannte “Langnase”) Expatriats (Expat) in Indonesien einzubinden ist einfach zu erdrueckend. Also werde auch ich meinen Teil zum “Interkulturellen Kennenlernen” beitragen.
Nehmt die folgenden Zeilen bitte zum Anlass, Euer Weltbild zu veraendern oder Euch einfach nur zu amuesieren…
Sei’s drumm. Wo soll ich beginnen ? Ach ja, da war ja erst kuerzlich etwas…
I. Bettwaesche
Juhuu, wir richten unser Heim ein – und natuerlich nicht irgend eins – nein, es muss ein Haus sein, nach den quaelenden 11 Monaten Appartment-Hysterie in Singapore.
Nun gehoert in dieses Haus ein gerade neu angeschafftes Himmelbett inclusive einer Matratze, die vom Preis eher in die Richtug eines Kleinwagens tendiert, aber angeblich jedem Orthopaeden Freude bereitet – mein Ruecken sagt mir, dass ich definitiv keine Ahnung von Orthopaedie habe …
Es kam der Tag des Bettwaeschekaufs und das Unheil nahm seinen Lauf.
Wir verbrachten ca. 2 Stunden (gefuehlte Maenner-Einkaufs-Zeit 35 Stunden) im Plaza Senayan und dem dortigen Einkaufsladen SOGO (vergleichbar mit Karstadt).
Ich muss dazu sagen, dass ein Grossteil dieser Zeit dafuer draufgeht, die vielen unbeschaeftigten Angestellten zielsicher abzuschuetteln, um eine gewisse Ungestoertheit beim Stoebern zu erreichen.
Hier zeigt sich einmal mehr der Unterschied zum typischen Einkauf in Deutschland. Wie oft hat man sich nach stundenlangem Herumirren auf der Suche nach dem einzigen Verkauefer der gesamten Etage am Ende mit anderen Kunden um selbigen gestritten.
Wie auch immer, nach erfolgreichem Slalomparcour und ablenkenden Stops hier und da waren schnell zwei Kissen, eine Schlafrolle und die passende Bettdecke gefunden. Bei der Bettdecke erregten in erster Linie zwei Aufkleber mit widerspruechlichen Groessenangaben unser Interesse. “210*240 cm” und “210*210 cm” stand dort geschrieben. Als gutes Expat-Ehepaar und vor allem ordungsbewusste Deutsche mussten wir hier sofort fuer Klaerung sorgen. Welche Groesse denn nun die richtige sei, fragten wir und bekamen prompt die Antwort “210*240”.
Verflixt, das war schnell – eigentlich zu schnell – wir konnten uns ja nicht mal ueber die eigene Sorgfaeltigkeit freuen. Egal, die Groesse war i.O., also nix wie gekauft.
Nun fehlte zur Vollendung des jungen Gluecks nur noch die passende Bettwaesche…
Nach Studium der Preise kamen wir zu der Ueberzeugung, dass saemtliche Ueberzuege als Einzelstuecke von einem einhaendigen, blinden Eskimo auf dem Mars in zehnjaehriger Arbeit aus Seide geflochten wurden. Wie liessen sich diese Preise sonst erklaeren??!!
Also erstmal nix mit Bettwaesche und ab nach Hause – kann man(n) ja auch noch spaeter kaufen.
Der naechste Tag sollte von der ersten Nacht im wundervollen Himmelbett gekroent werden. Ich wurde zum Freiwilligen erklaert, nun endlich doch noch Bettwaesche im SOGO zu kaufen – allerdings in der etwas kleineren Filiale in der Naehe unseres Appartmenthauses.
Mir graute es. Weniger Auswahl im Laden gepaart mit der weiblichen Vorgabe “Kauf halt was Guenstiges, aber pass’ auf, dass es nicht zu billig aussieht” konnten nur im Desaster enden. Trotz allem schlug ich mich wacker. Nach nur 3 Rueckversicherungs-Anrufen bei der Gemahlin strotzte ich mit erhobenem Haupt Richtung Heimat.
Mit geschwollener Brust warf ich die Beute auf den Wohnzimmertisch und verfolgte die pruefenden Blicke und Griffe meiner Frau mit Argesaugen. Da keinerlei Kritik folgte sank ich gluecklich und zufrieden in den Wohnzimmerstuhl und begann vor meinem geistigen Auge meinen triumphalen Feldzug noch einmal Revue passieren zu lassen…
”WAS HAT DAS DING GEKOSTET…????!!!!!” reisst es mich aus allen Traeumen und ich sitze wieder kerzengerade wie zum Appell.
Meine Gattin ringt nach Luft und ich versuche zu beschwichtigen “Aber Schatz, das haben wir uns doch gestern angeschaut, der Preis ist der gleiche…”.
“Ich hatte aber doch nen viel geringeren Preis in Erinnerung..” Ach herje, das K.O.-Argument. Ich bin also doch schuld und aergere mich, nach nunmehr 13 Monaten in Asien immer noch nicht den beruehmten “double-check” oder uebersetzt “doppelte Rueckfrage” auch im Privatleben eingefuehrt zu haben.
Nach weiteren 20 Minuten ist aber alles wieder gut und die Atmung meiner Frau ruhig und gleichmaessig.
Spaeter dann erfolgt der Aufbruch mit Sack und Pack im vollgepackten Auto Richtung Haus – nur diesmal sitze ich anstatt unseres Fahrers Ujang am Steuer. Im relativ fluessigen Sonntagsverkehr erreichen wir tatsaechlich das Ziel, ohne dass wir Schadensersatzklagen anderer Verkehrsteilnehmer fuerchten muessen.
Als wir ein paar Stunden danach die Bettwaesche beziehen der Schock – der Bezug fuer die Decke ist auf einer Seite rund 30cm zu lang…
“Haben die jungen Damen im Kaufhaus wohl etwas voreilig entschieden” denke ich. Meine Gattin findet etwas klarere Worte “WAS IST DAS DENN FUER’N SCHEISS ?? Die Decke ist ja viel zu klein !!”
Ich nicke zustimmend und in der geeinten Frustration ist zum einen schnell beschlossen, dass die Decke schleunigst umgetauscht wird und zum anderen ich die verkuerzte Seite mit weniger Decke und mehr Bezug zum Schlafen erhalte…
Nach ein paar Tagen finden wir endlich die Zeit, gemeinsam mit der wieder eingepackten Decke zum SOGO zu fahren. Die nervige Anfahrt (45 Minuten) gibt unserer “Jetzt-zeig-ich’s-Euch-ihr-kleinen-indonesischen-Besserwisser”-Stimmung noch den noetigen Nachhalt und mit versteinerter Miene erreichen wir die Bettwaescheabteilung.
“Ha, da sind ‘se ja wieder und wissen nicht, was sie tun sollen” denke ich beim Blick auf den Verkauefer-Haufen und platziere das Daunen-Uebel strategisch auf der Kassentheke.
Sofort springt eine junge Dame herbei und bietet uns in ihrer knapp unter der einer Hundepfeife liegen Stimmlage Hilfe an. Meine angeheiratete Verkaufstrainerin beginnt zu erklaeren und der Gesichtsausdruck ihres Gegenueber wandelt sich unter dem Dauerfeuer englischer Sprache schnell in ein hilfloses Laecheln.
“One moment” ist die erwartete Antwort und wir freuen uns darauf, dass nun – wie eigentlich immer – eine Kollegin herbeigezerrt wird, die wahrscheinlich noch weniger des Englischen maechtig ist… “Das wird ein Spass” denke ich noch.
Umso grosser unser Frust, als die dazugeholte junge Dame tatsaechlich klar verstaendliches und fluessiges Fremdsprachenwissen von sich gibt und nach erneuter, aber nicht mehr ganz so agressiver Schilderung des Problems zusammen mit der Decke in den Weiten der Regalwelt entschwindet.
Nach dieser Teilniederlage unsererseits gehen wir in die Belagerungsstrategie ueber. Demonstrativ vergnazt dreinschauen und an der Kasse umgeduldig herumlaufen. Ploetzlich erscheint die Verkaeuferin wieder und versucht uns etwas zu vermitteln. “Sorry, aber wir haben diese Decke nicht mehr in der gewuenschten Groesse” moechte ich verstehen, aber nix da. Sie bittet uns an eine etwas offenere Flaeche, wo uns fast die gesamte Crew der Abteilung mit wirrem Blick empfaengt und die mitgebrachte Decke entgegenhaelt.
“Entschuldigen Sie, aber die Decke hat die richtigen Masse” entgegnet die Englischlehrerin und ca. 12 Augenpaare schauen uns unschluessig an. Innerlich versuche ich Staerke zu zeigen, doch nach Aussen scheint dies nicht so richtig gelingen zu wollen. Ich werde unsicher – doch ich hab’ ja noch meine Gattin, auf deren Stirn ich ein “Die wollen mich wohl verar….” zu lesen glaube.
Ein unglaeubiger Blick von ihr - erst auf den potentiellen Bettwaermer und dann zur Verkaueferin, waehrend die restlichen 11 Augenpaare einfach ignoriert werden. Die junge Dame sieht sich in der Defensive und zueckt augenblicklich ein Massband – ach herrje, ich ahne nichts gutes.
Nach 20 Sekunden ist per unumstoesslichen Praxistest bewiesen, dass die Decke die richtige Groesse besitzt und ich nicht unbedeutend demoralisiert. Mir kommen erste Zweifel an unserer Beschwerde und tausche diese mit meiner Gattin aus “Vieleicht haben wir ja was falsch gemacht” fluestere ich. “Wenn wir falsch bezogen haetten, muesste ja an einer Seite was zu lang sein” raunzt sie zurueck und ich beschraenke mich fortan lieber auf die Diskussion mit der inneren Stimme.
Doch halt – wir geben noch nicht auf – NOCH NICHT ! Es muss am Bezug liegen !! Getreu dem Motto “Wecke den Trainer in Dir” wittert meine Gattin die Chance, das Beschwerdemanagement des Hauses auf die haerteste Probe seit der Asienkrise zu stellen. Sie erklaert, zeigt und debattiert und kurzerhand ist ein identisches Exemplar unseres Bezuges aus einem der Regale gezaubert.
Leider wird dieser unter unseren strengen Augen auch sofort ueber die Decke gezogen und meine innere Stimme schreit nun unaufhoerlich “DU DEPP !” waehrend sich langsam kalter Schweiss auf meiner Stirn breit macht.
Fassungslos sehe ich mit an, wie der Bezug wie angegossen passt und uns nun mittlerweile ca. 15 Augenpaare noch unverstaendlicher als zuvor anschauen.
Ich bin am Ende – eine Welt bricht zusammen und ich blicke nach ungefaehr 10 Minuten anhaltender Stille und des Auf-die-Decke-Starrens duemmlich grinsend in die Runde.
Selbst meine Frau merkt, dass hier irgend etwas nicht so laeuft, wie wir es uns vorgestellt haben und bemerkt nur knapp “Ich glaube, wir haben da was falsch gemacht.” Nachdem auch sie etwas duemmlich laechelt, loesst sich schliesslich bei den indonesischen Verkaeuferinnen die Anspannung und auch sie beginnen zu grinsen. Nur irgendwie anders….
Jetzt aber nix wie weg hier, spricht mein kleiner Mann im Ohr (und anscheinend auch der bei meiner Frau), wir verpacken die Bettdecke im Eiltempo und nach einem kurzen “Thanks” sind wir verschwunden und auf der Rolltreppe Richtung Erdgeschoss.
Auf dem Weg zum Auto quaelt mich nur ein Gedanke - wann und wo habe ich mein raeumliches Vorstellungsvermoegen verloren….achja, und noch ein weiterer
“Wie bescheuert kann man(n) eigentlich sein?”
;)
Copyright by CR, Jakarta 2002
Indo Anekdoten
Guten Morgen.
Ich habe mir Gedanken gemacht (ich weiss, einige werden jetzt aufschreien…) und bin zu dem Schluss gekommen, dass ich Leid und Freud doch irgendwie mit jemandem teilen sollte. Die Notwendigkeit, andere in die kleinen und grossen Sorgen und Erlebnisse aus dem Leben eines “caucasian” (so nennt der gemeine Asiate die sogenannte “Langnase”) Expatriats (Expat) in Indonesien einzubinden ist einfach zu erdrueckend. Also werde auch ich meinen Teil zum “Interkulturellen Kennenlernen” beitragen.
Nehmt die folgenden Zeilen bitte zum Anlass, Euer Weltbild zu veraendern oder Euch einfach nur zu amuesieren…
Sei’s drumm. Wo soll ich beginnen ? Ach ja, da war ja erst kuerzlich etwas…
I. Bettwaesche
Juhuu, wir richten unser Heim ein – und natuerlich nicht irgend eins – nein, es muss ein Haus sein, nach den quaelenden 11 Monaten Appartment-Hysterie in Singapore.
Nun gehoert in dieses Haus ein gerade neu angeschafftes Himmelbett inclusive einer Matratze, die vom Preis eher in die Richtug eines Kleinwagens tendiert, aber angeblich jedem Orthopaeden Freude bereitet – mein Ruecken sagt mir, dass ich definitiv keine Ahnung von Orthopaedie habe …
Es kam der Tag des Bettwaeschekaufs und das Unheil nahm seinen Lauf.
Wir verbrachten ca. 2 Stunden (gefuehlte Maenner-Einkaufs-Zeit 35 Stunden) im Plaza Senayan und dem dortigen Einkaufsladen SOGO (vergleichbar mit Karstadt).
Ich muss dazu sagen, dass ein Grossteil dieser Zeit dafuer draufgeht, die vielen unbeschaeftigten Angestellten zielsicher abzuschuetteln, um eine gewisse Ungestoertheit beim Stoebern zu erreichen.
Hier zeigt sich einmal mehr der Unterschied zum typischen Einkauf in Deutschland. Wie oft hat man sich nach stundenlangem Herumirren auf der Suche nach dem einzigen Verkauefer der gesamten Etage am Ende mit anderen Kunden um selbigen gestritten.
Wie auch immer, nach erfolgreichem Slalomparcour und ablenkenden Stops hier und da waren schnell zwei Kissen, eine Schlafrolle und die passende Bettdecke gefunden. Bei der Bettdecke erregten in erster Linie zwei Aufkleber mit widerspruechlichen Groessenangaben unser Interesse. “210*240 cm” und “210*210 cm” stand dort geschrieben. Als gutes Expat-Ehepaar und vor allem ordungsbewusste Deutsche mussten wir hier sofort fuer Klaerung sorgen. Welche Groesse denn nun die richtige sei, fragten wir und bekamen prompt die Antwort “210*240”.
Verflixt, das war schnell – eigentlich zu schnell – wir konnten uns ja nicht mal ueber die eigene Sorgfaeltigkeit freuen. Egal, die Groesse war i.O., also nix wie gekauft.
Nun fehlte zur Vollendung des jungen Gluecks nur noch die passende Bettwaesche…
Nach Studium der Preise kamen wir zu der Ueberzeugung, dass saemtliche Ueberzuege als Einzelstuecke von einem einhaendigen, blinden Eskimo auf dem Mars in zehnjaehriger Arbeit aus Seide geflochten wurden. Wie liessen sich diese Preise sonst erklaeren??!!
Also erstmal nix mit Bettwaesche und ab nach Hause – kann man(n) ja auch noch spaeter kaufen.
Der naechste Tag sollte von der ersten Nacht im wundervollen Himmelbett gekroent werden. Ich wurde zum Freiwilligen erklaert, nun endlich doch noch Bettwaesche im SOGO zu kaufen – allerdings in der etwas kleineren Filiale in der Naehe unseres Appartmenthauses.
Mir graute es. Weniger Auswahl im Laden gepaart mit der weiblichen Vorgabe “Kauf halt was Guenstiges, aber pass’ auf, dass es nicht zu billig aussieht” konnten nur im Desaster enden. Trotz allem schlug ich mich wacker. Nach nur 3 Rueckversicherungs-Anrufen bei der Gemahlin strotzte ich mit erhobenem Haupt Richtung Heimat.
Mit geschwollener Brust warf ich die Beute auf den Wohnzimmertisch und verfolgte die pruefenden Blicke und Griffe meiner Frau mit Argesaugen. Da keinerlei Kritik folgte sank ich gluecklich und zufrieden in den Wohnzimmerstuhl und begann vor meinem geistigen Auge meinen triumphalen Feldzug noch einmal Revue passieren zu lassen…
”WAS HAT DAS DING GEKOSTET…????!!!!!” reisst es mich aus allen Traeumen und ich sitze wieder kerzengerade wie zum Appell.
Meine Gattin ringt nach Luft und ich versuche zu beschwichtigen “Aber Schatz, das haben wir uns doch gestern angeschaut, der Preis ist der gleiche…”.
“Ich hatte aber doch nen viel geringeren Preis in Erinnerung..” Ach herje, das K.O.-Argument. Ich bin also doch schuld und aergere mich, nach nunmehr 13 Monaten in Asien immer noch nicht den beruehmten “double-check” oder uebersetzt “doppelte Rueckfrage” auch im Privatleben eingefuehrt zu haben.
Nach weiteren 20 Minuten ist aber alles wieder gut und die Atmung meiner Frau ruhig und gleichmaessig.
Spaeter dann erfolgt der Aufbruch mit Sack und Pack im vollgepackten Auto Richtung Haus – nur diesmal sitze ich anstatt unseres Fahrers Ujang am Steuer. Im relativ fluessigen Sonntagsverkehr erreichen wir tatsaechlich das Ziel, ohne dass wir Schadensersatzklagen anderer Verkehrsteilnehmer fuerchten muessen.
Als wir ein paar Stunden danach die Bettwaesche beziehen der Schock – der Bezug fuer die Decke ist auf einer Seite rund 30cm zu lang…
“Haben die jungen Damen im Kaufhaus wohl etwas voreilig entschieden” denke ich. Meine Gattin findet etwas klarere Worte “WAS IST DAS DENN FUER’N SCHEISS ?? Die Decke ist ja viel zu klein !!”
Ich nicke zustimmend und in der geeinten Frustration ist zum einen schnell beschlossen, dass die Decke schleunigst umgetauscht wird und zum anderen ich die verkuerzte Seite mit weniger Decke und mehr Bezug zum Schlafen erhalte…
Nach ein paar Tagen finden wir endlich die Zeit, gemeinsam mit der wieder eingepackten Decke zum SOGO zu fahren. Die nervige Anfahrt (45 Minuten) gibt unserer “Jetzt-zeig-ich’s-Euch-ihr-kleinen-indonesischen-Besserwisser”-Stimmung noch den noetigen Nachhalt und mit versteinerter Miene erreichen wir die Bettwaescheabteilung.
“Ha, da sind ‘se ja wieder und wissen nicht, was sie tun sollen” denke ich beim Blick auf den Verkauefer-Haufen und platziere das Daunen-Uebel strategisch auf der Kassentheke.
Sofort springt eine junge Dame herbei und bietet uns in ihrer knapp unter der einer Hundepfeife liegen Stimmlage Hilfe an. Meine angeheiratete Verkaufstrainerin beginnt zu erklaeren und der Gesichtsausdruck ihres Gegenueber wandelt sich unter dem Dauerfeuer englischer Sprache schnell in ein hilfloses Laecheln.
“One moment” ist die erwartete Antwort und wir freuen uns darauf, dass nun – wie eigentlich immer – eine Kollegin herbeigezerrt wird, die wahrscheinlich noch weniger des Englischen maechtig ist… “Das wird ein Spass” denke ich noch.
Umso grosser unser Frust, als die dazugeholte junge Dame tatsaechlich klar verstaendliches und fluessiges Fremdsprachenwissen von sich gibt und nach erneuter, aber nicht mehr ganz so agressiver Schilderung des Problems zusammen mit der Decke in den Weiten der Regalwelt entschwindet.
Nach dieser Teilniederlage unsererseits gehen wir in die Belagerungsstrategie ueber. Demonstrativ vergnazt dreinschauen und an der Kasse umgeduldig herumlaufen. Ploetzlich erscheint die Verkaeuferin wieder und versucht uns etwas zu vermitteln. “Sorry, aber wir haben diese Decke nicht mehr in der gewuenschten Groesse” moechte ich verstehen, aber nix da. Sie bittet uns an eine etwas offenere Flaeche, wo uns fast die gesamte Crew der Abteilung mit wirrem Blick empfaengt und die mitgebrachte Decke entgegenhaelt.
“Entschuldigen Sie, aber die Decke hat die richtigen Masse” entgegnet die Englischlehrerin und ca. 12 Augenpaare schauen uns unschluessig an. Innerlich versuche ich Staerke zu zeigen, doch nach Aussen scheint dies nicht so richtig gelingen zu wollen. Ich werde unsicher – doch ich hab’ ja noch meine Gattin, auf deren Stirn ich ein “Die wollen mich wohl verar….” zu lesen glaube.
Ein unglaeubiger Blick von ihr - erst auf den potentiellen Bettwaermer und dann zur Verkaueferin, waehrend die restlichen 11 Augenpaare einfach ignoriert werden. Die junge Dame sieht sich in der Defensive und zueckt augenblicklich ein Massband – ach herrje, ich ahne nichts gutes.
Nach 20 Sekunden ist per unumstoesslichen Praxistest bewiesen, dass die Decke die richtige Groesse besitzt und ich nicht unbedeutend demoralisiert. Mir kommen erste Zweifel an unserer Beschwerde und tausche diese mit meiner Gattin aus “Vieleicht haben wir ja was falsch gemacht” fluestere ich. “Wenn wir falsch bezogen haetten, muesste ja an einer Seite was zu lang sein” raunzt sie zurueck und ich beschraenke mich fortan lieber auf die Diskussion mit der inneren Stimme.
Doch halt – wir geben noch nicht auf – NOCH NICHT ! Es muss am Bezug liegen !! Getreu dem Motto “Wecke den Trainer in Dir” wittert meine Gattin die Chance, das Beschwerdemanagement des Hauses auf die haerteste Probe seit der Asienkrise zu stellen. Sie erklaert, zeigt und debattiert und kurzerhand ist ein identisches Exemplar unseres Bezuges aus einem der Regale gezaubert.
Leider wird dieser unter unseren strengen Augen auch sofort ueber die Decke gezogen und meine innere Stimme schreit nun unaufhoerlich “DU DEPP !” waehrend sich langsam kalter Schweiss auf meiner Stirn breit macht.
Fassungslos sehe ich mit an, wie der Bezug wie angegossen passt und uns nun mittlerweile ca. 15 Augenpaare noch unverstaendlicher als zuvor anschauen.
Ich bin am Ende – eine Welt bricht zusammen und ich blicke nach ungefaehr 10 Minuten anhaltender Stille und des Auf-die-Decke-Starrens duemmlich grinsend in die Runde.
Selbst meine Frau merkt, dass hier irgend etwas nicht so laeuft, wie wir es uns vorgestellt haben und bemerkt nur knapp “Ich glaube, wir haben da was falsch gemacht.” Nachdem auch sie etwas duemmlich laechelt, loesst sich schliesslich bei den indonesischen Verkaeuferinnen die Anspannung und auch sie beginnen zu grinsen. Nur irgendwie anders….
Jetzt aber nix wie weg hier, spricht mein kleiner Mann im Ohr (und anscheinend auch der bei meiner Frau), wir verpacken die Bettdecke im Eiltempo und nach einem kurzen “Thanks” sind wir verschwunden und auf der Rolltreppe Richtung Erdgeschoss.
Auf dem Weg zum Auto quaelt mich nur ein Gedanke - wann und wo habe ich mein raeumliches Vorstellungsvermoegen verloren….achja, und noch ein weiterer
“Wie bescheuert kann man(n) eigentlich sein?”
;)
Copyright by CR, Jakarta 2002