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Vollständige Version anzeigen : Frankfurter Börsenplatz soll attraktiver werden für Kleinaktionäre


Matze
02.11.2000, 16:38
<BLOCKQUOTE><font size="1" face="Trebuchet MS, Verdana, Tahoma, Arial, Helvetica">Zitat:</font><HR>HINTERGRUND-Kleinanleger sollen Deutsche Börse dreifach stärken


- Von Peter Wübben -

Frankfurt, 02. Nov (Reuters) - Die Frankfurter Börse will mit ihrem geplanten Handelsangebot für Privatanleger offenbar nicht nur auf die wachsende Konkurrenz reagieren, sondern auch ihre Stellung in der europäischen Börsenlandschaft stärken. Bei Finanzmarktexperten wird die von der Deutschen Börse jüngst angekündigte Angebotserweiterung für Kleinaktionäre als Teil einer Alternativ-Strategie nach der geplatzten Fusion mit der London Stock Exchange (LSE) gewertet. "Die Deutsche Börse kann nicht dasitzen und abwarten, wie sich die Dinge entwickeln", sagte etwa Klaus Nieding, Geschäftsführer der Deutschen Schutzgemeinschaft für Wertpapierbesitz (DSW) und zugleich Mitglied des Börsenrats in Frankfurt.

Die Frankfurter Börse hatte vor einigen Wochen angekündigt, ihr Angebot für Kleinanleger stark ausweiten zu wollen. Details zu diesem Vorstoß sollen nach Angaben von Vorstandsmitglied Volker Potthoff noch Ende dieses Monats veröffentlicht werden. Das "Handelsblatt" berichtete nun, dass die Deutsche Börse Ende kommenden Jahres auf ihrem Computer-Handelssystem Xetra eine elektronische Plattform nur für Kleinanleger aufbauen wolle. Grund sei der steigende Konkurrenzdruck durch elektronische Handelsanbieter und durch Direktbanken. Börsensprecher Walter Allwicher wiederholte auf Anfrage lediglich, dass die Börse mit einer Retail-Offensive auf Kleinanleger zugehen und diese damit stärker gewinnen wolle.

Nach dem Scheitern der Fusion der Handelsplätze London und Frankfurt ist die Konsolidierung der Börsenlandschaft in Europa im Grunde zum Stillstand gekommen. Die LSE bereitet sich nach wie vor auf die Abwehr des feindlichen Übernahmeangebots des schwedischen Finanzmarktbetreibers OM Gruppen vor. Die Offerte aus Stockholm hatte die deutsch-britischen Fusionspläne gekippt. Am Finanzmarkt Frankfurt war man bis vor kurzem davon ausgegangen, dass die Deutsche Börse eine freundliche Gegenofferte für die LSE vorlegen könnte.


Nachdem die Londoner Börse mittlerweile mehrfach betonte, dass sie nicht zu kaufen sei und unter anderem den Aufbau eines europäischen Wachstumsmarktes plane, ist für viele Beobachter die Wahrscheinlichkeit eines Kaufangebots der Frankfurter für die LSE und damit eines Zusammenschlusses überhaupt stark gesunken. Seither werden die Spekulationen lauter, die Deutsche Börse könnte nun einen Alleingang anstreben und dafür ihr früheres "Euroboard"-Konzept, das unter anderem den eigenen Gang an den Kapitalmarkt vorsieht, wieder hervorholen.

Nach Einschätzung von Markt-Kennern kann die Frankfurter Börse mit ihrer Retail-Initiative drei Fliegen mit einer Klappe schlagen. Zum einen rüste sie sich für den Wettbewerb mit den aufstrebenden High-Tech-Handelssystemen, was sie auch dringend notwendig habe, hieß es bei Experten. Des Weiteren öffne sich Deutschland größter Handelsplatz der wachsenden Schar von Privatanlegern und damit einer zunehmenden Einnahmequelle. Und zum Dritten baue die Deutsche Börse nach dem geplatzten Zusammenschluss mit London ihre Position als starker Anbieter in der zerplitterten europäischen Börsenlandschaft aus, womit sie für Kooperations- oder sogar Fusionspartner interessanter würde.

Nach Angaben des Deutschen Aktieninstituts (DAI) belief sich die Zahl der deutschen Privatanleger in den ersten sechs Monaten dieses Jahres auf gut 6,2 Millionen nach rund fünf Millionen im Vorjahr. Damit stieg der Anteil der Aktionäre an der Bevölkerung im Alter von über 14 Jahren auf fast zehn Prozent. Neben elektronischen Anbietern und Direkt-Brokern buhlen auch die deutschen Regionalbörsen um die Gunst von Kleinaktionären.

So will die Stuttgarter Börse in der kommenden Woche ein erweitertes Angebot für dieses Klientel vorlegen. Ein Sprecher sagte mit Blick auf die drohende Konkurrenz in Frankfurt, die Stuttgarter Börse biete bereits seit zwei Jahren "professionelle Bedingungen" für private Anleger und habe daher die meiste Erfahrung in diesem Bereich. So
nen in Stuttgart bereits seit längerem Kleinanleger Aktien bereits ab einem Stück zu bestmöglichen Preisen kaufen. Dagegen ist in Frankfurt für Käufe im Xetra-System bei nennwertlosen Stückaktien eine Mindestanzahl von 100 Stück nötig.

DSW-Geschäfsführer Nieding bezeichnete die neue Entwicklung bei der Deutschen Börse als "Parallel-Strategie". Zum einen halte sie sich weiterhin die Option offen, sich doch noch mit der Londoner Börse zusammenzutun. Zum anderen stärke sie ihre Stellung, falls sie bis auf weiteres doch allein bleiben müsse. "Die Börse versucht, das eine zu tun und das andere nicht zu lassen", sagte Nieding. Auch das Vorstandsmitglied der Frankfurter Kursmaklerkammer, Peter Koch, interpretierte die Retail-Initiative der Deutschen Börse als Stärkung der eigenen Position. "Die Deutsche Börse hat ziemlich was auf die Nase gekriegt", sagte Koch im Blick auf die geplatzte Fusion mit London. Nun baue sie sich wieder auf.[/quote]

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