Ralph
11.02.2001, 17:14
Im Thread US-Sentiment (http://www.stock-channel.net/Board/Forum3/HTML/000684.html) habe ich die Daten für den "CBOE Volatility Index" reingestellt. Dieser Beitrag soll erläutern, weshalb der VIX für die eigenen Entscheidungen von Nutzen sein kann.
Der VIX ist ein Mass für die Marktvolatilität. Basierend auf der impliziten Volatilität von acht S&P100-Optionen (OEX) und deren Kombination wird ermittelt. Die "Chicago Board of Options Exchange ermittelt diese Masszahl seit fünf Jahren.
In seiner Basisform hilft der VIX zu ermitteln, ob eine OEX-Option über- oder unterbewertet ist. Nichts frustriert einen Trader oder Investor mehr, als die Richtung des Marktes genau vorhergesagt zu haben, gleichzeitig aber Geld mit einer überbewerteten Option zu verlieren. Selbst wenn sich der Markt in die erwartete Richtung bewegt, kann er immer noch Geld verlieren, wenn die Option beim Kaufzeitpunkt überbewertet war. Die Prämie der Option fällt dann einfach im Wert aufgrund von Angebots-/Nachfragefaktoren. Unglücklicherweise verbringen die Optionstrader mehr Zeit mit der Analyse der möglichen Marktrichtung als mit dem "Pricing" der entsprechenden Option. Zeitbeschränkungen und mangelnde Rechenpower (selbst in Zeiten von P4) machen des dem unabhängien Trader praktisch unmöglich eine Option akurat zu preisen.
Der VIX hilft beim Überwinden dieser Nachteile, indem er dem Trader real-time Zugriff auf die Marktvolatilität gibt. Um im Optionsmarkt Geld zu verdienen, muss sich der Trader über die Volatilitätsrichtung genau so im Klaren sein, wie über die Preisrichtung. Oder vereinfacht ausgedrückt: die Ignoranz der Marktvolatilität führt zu einem dramatischen Anstieg des Risikos, dass der Optionstrade gegen einen läuft.
Interpretation
Der VIX misst die "Angst" und den Optmismus" durch die OEX-Options-Aktivitäten. Wenn eine grosse Anzahl von Tradern ängstlich wird, dann beginnt der VIX zu steigen, wenn man relativ sorglos ist, dann fängt er zu fallen an. Da die Mehrzahl der Put/Call-Käufer gewöhnlich falsch liegen, ist er ein sehr guter Kontraindikator. Wenn der VIX hohe Werte hat, bedeutet dies, dass der Markt überverkauft ist (Excess of Bearishness) und wenn er niedrig notiert, dann bedeutet dies, dass der Markt überkauft ist (Excess of Bullishness). Dies wiederum ht zur Fogle, dass er gwöhnlich ein gutes Signal für einen kurzfristigen Boden oder Top abgibt, wenn er sich in Extrembereichen bewegt.
Der VIX kann bei Bigcharts.com oder Stockcharts.com unter dem Kürzel VIX abgerufen werden. Dort sollte man ein 20 Tage-Bollingerband verwenden (jede andere Grösse ist zwar auch möglich, aber 20 Tage ist ein gutes Mitel zwischen Schnelligkeit und Reduktion von Fehlsignalen) um den Level der Marktvolatilität zu quantifizieren. Bollinger-Bänder sind zwei Standardabweichungen, die über 20 Tage zurück berechent werden; abgebildet oberhalb und unterhalb des 20 Tage-Gleitenden Durchschnitts. Dies ist keine narrensichere Methode (diese gibt es aber auch bei anderen Systemen nicht), aber es ist eine gute Methode um die Marktvolatilität zu ermitteln, und das quasi real-time.
Im Zusammenspiel mit Bollinger-Bändern ist der VIX relativ einfach zu verstehen und zu bewerten. Der VIX bewegt sich zwischen dem oberen und unteren Band, wobei er an einem 20 Tage-GD periodenweise aufgrund von Unterstützung oder Widerstand stoppt. Wenn der Index nahe dem oberen Band notiert, dann geht dies mit einer Überbewertung der Optionspreisen einher. Dies sollte man als Verkaufsignal erachten. Wenn der Index nahe dem unteren Band notiert, dann erachtet man die Optionen als unterbewertet bzw. wenigstens fair gepreist. Ein Trader sollte dies als Kaufgelegenheit betrachten. Neben der Tool "Bollinger-Band" kann man auch noch den MACD oder den RSI heranziehen, um weitern Einblick in die Marktbewertung zu erhalten.
Der VIX kann desweiteren als "Screening-Indikator" eingesetzt werden. Ein konservativer Trader könnte in einer OEX-Option "long" gehen, wenn der VIX nahe seinem unteren Band notiert. Damit wird verhindert, dass man auf jede Trading-Möglichkeit springt, unabhängig vom Preis. Ein schneller Blick auf den VIX sollte den meisten Trader dann raten, ob man eine "Trading-Möglichkeit" lieber passieren lässt und auf eine bessere Gelegenhit warten sollte.
Das Fazit ist eigentlich, dass das Risiko-/Chance-Ratio gegen einen ist, wenn sich Optionen im überbewerteten Bereich befinden. die bessere Strategie ist die, darauf zu warten, bis sich der Optionsmarkt stabilisiert hat, bevor man blind in einen unprofitablen Trade springt.
Obwohl der VIX in der Trading-Community relativ neu ist, so ist er doch ein funktionierender Indiaktor für die Optionsmärkte, die dann natürlich auch wieder auf die Aktienmärkte abstrahen.
More to come ... stay tuned.
Ralph
<font size=1>[Dieser Beitrag wurde von Ralph am 11.02.2001 editiert.]</font>
Der VIX ist ein Mass für die Marktvolatilität. Basierend auf der impliziten Volatilität von acht S&P100-Optionen (OEX) und deren Kombination wird ermittelt. Die "Chicago Board of Options Exchange ermittelt diese Masszahl seit fünf Jahren.
In seiner Basisform hilft der VIX zu ermitteln, ob eine OEX-Option über- oder unterbewertet ist. Nichts frustriert einen Trader oder Investor mehr, als die Richtung des Marktes genau vorhergesagt zu haben, gleichzeitig aber Geld mit einer überbewerteten Option zu verlieren. Selbst wenn sich der Markt in die erwartete Richtung bewegt, kann er immer noch Geld verlieren, wenn die Option beim Kaufzeitpunkt überbewertet war. Die Prämie der Option fällt dann einfach im Wert aufgrund von Angebots-/Nachfragefaktoren. Unglücklicherweise verbringen die Optionstrader mehr Zeit mit der Analyse der möglichen Marktrichtung als mit dem "Pricing" der entsprechenden Option. Zeitbeschränkungen und mangelnde Rechenpower (selbst in Zeiten von P4) machen des dem unabhängien Trader praktisch unmöglich eine Option akurat zu preisen.
Der VIX hilft beim Überwinden dieser Nachteile, indem er dem Trader real-time Zugriff auf die Marktvolatilität gibt. Um im Optionsmarkt Geld zu verdienen, muss sich der Trader über die Volatilitätsrichtung genau so im Klaren sein, wie über die Preisrichtung. Oder vereinfacht ausgedrückt: die Ignoranz der Marktvolatilität führt zu einem dramatischen Anstieg des Risikos, dass der Optionstrade gegen einen läuft.
Interpretation
Der VIX misst die "Angst" und den Optmismus" durch die OEX-Options-Aktivitäten. Wenn eine grosse Anzahl von Tradern ängstlich wird, dann beginnt der VIX zu steigen, wenn man relativ sorglos ist, dann fängt er zu fallen an. Da die Mehrzahl der Put/Call-Käufer gewöhnlich falsch liegen, ist er ein sehr guter Kontraindikator. Wenn der VIX hohe Werte hat, bedeutet dies, dass der Markt überverkauft ist (Excess of Bearishness) und wenn er niedrig notiert, dann bedeutet dies, dass der Markt überkauft ist (Excess of Bullishness). Dies wiederum ht zur Fogle, dass er gwöhnlich ein gutes Signal für einen kurzfristigen Boden oder Top abgibt, wenn er sich in Extrembereichen bewegt.
Der VIX kann bei Bigcharts.com oder Stockcharts.com unter dem Kürzel VIX abgerufen werden. Dort sollte man ein 20 Tage-Bollingerband verwenden (jede andere Grösse ist zwar auch möglich, aber 20 Tage ist ein gutes Mitel zwischen Schnelligkeit und Reduktion von Fehlsignalen) um den Level der Marktvolatilität zu quantifizieren. Bollinger-Bänder sind zwei Standardabweichungen, die über 20 Tage zurück berechent werden; abgebildet oberhalb und unterhalb des 20 Tage-Gleitenden Durchschnitts. Dies ist keine narrensichere Methode (diese gibt es aber auch bei anderen Systemen nicht), aber es ist eine gute Methode um die Marktvolatilität zu ermitteln, und das quasi real-time.
Im Zusammenspiel mit Bollinger-Bändern ist der VIX relativ einfach zu verstehen und zu bewerten. Der VIX bewegt sich zwischen dem oberen und unteren Band, wobei er an einem 20 Tage-GD periodenweise aufgrund von Unterstützung oder Widerstand stoppt. Wenn der Index nahe dem oberen Band notiert, dann geht dies mit einer Überbewertung der Optionspreisen einher. Dies sollte man als Verkaufsignal erachten. Wenn der Index nahe dem unteren Band notiert, dann erachtet man die Optionen als unterbewertet bzw. wenigstens fair gepreist. Ein Trader sollte dies als Kaufgelegenheit betrachten. Neben der Tool "Bollinger-Band" kann man auch noch den MACD oder den RSI heranziehen, um weitern Einblick in die Marktbewertung zu erhalten.
Der VIX kann desweiteren als "Screening-Indikator" eingesetzt werden. Ein konservativer Trader könnte in einer OEX-Option "long" gehen, wenn der VIX nahe seinem unteren Band notiert. Damit wird verhindert, dass man auf jede Trading-Möglichkeit springt, unabhängig vom Preis. Ein schneller Blick auf den VIX sollte den meisten Trader dann raten, ob man eine "Trading-Möglichkeit" lieber passieren lässt und auf eine bessere Gelegenhit warten sollte.
Das Fazit ist eigentlich, dass das Risiko-/Chance-Ratio gegen einen ist, wenn sich Optionen im überbewerteten Bereich befinden. die bessere Strategie ist die, darauf zu warten, bis sich der Optionsmarkt stabilisiert hat, bevor man blind in einen unprofitablen Trade springt.
Obwohl der VIX in der Trading-Community relativ neu ist, so ist er doch ein funktionierender Indiaktor für die Optionsmärkte, die dann natürlich auch wieder auf die Aktienmärkte abstrahen.
More to come ... stay tuned.
Ralph
<font size=1>[Dieser Beitrag wurde von Ralph am 11.02.2001 editiert.]</font>